Judge Death

Judge Death
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Bewertungen: 1080 Reviews: 13
Genres: Metal, Rock
Bewertungsverteilung von Judge Death
0.5 1 1.5 2 2.5 3 3.5 4 4.5 5 5.5 6 6.5 7 7.5 8 8.5 9 9.5 10
10 8 1 9 0 11 0 11 2 16 2 4 6 43 59 224 183 230 122 139

0.5: 4.3478260869565% (10x)

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4.5: 0.8695652173913% (2x)

5.0: 6.9565217391304% (16x)

5.5: 0.8695652173913% (2x)

6.0: 1.7391304347826% (4x)

6.5: 2.6086956521739% (6x)

7.0: 18.695652173913% (43x)

7.5: 25.652173913043% (59x)

8.0: 97.391304347826% (224x)

8.5: 79.565217391304% (183x)

9.0: 100% (230x)

9.5: 53.04347826087% (122x)

10.0: 60.434782608696% (139x)

Die letzten Bewertungen
8.0 für Draconian: Under A Godless Veil (2020) (15.11.2020 23:10)
9.5 für Kataklysm: Unconquered (2020) (08.11.2020 19:50)
9.5 für Paradise Lost: Obsidian (2020) (07.11.2020 20:35)
9.0 für Skeleton: Skeleton (2020) (07.11.2020 15:42)
8.0 für Therion: Of Darkness... (1991) (11.10.2020 16:51)
8.0 für King Diamond: Eye, The (1990) (11.10.2020 16:48)
9.0 für King Diamond: Conspiracy (1989) (11.10.2020 16:48)
9.0 für King Diamond: Them (1988) (11.10.2020 16:48)
8.5 für King Diamond: Abigail (1987) (11.10.2020 16:47)
Insgesamt 1080 Bewertungen vorhanden. Alle anzeigen
Die letzten Reviews

15.11.2020 23:10 - Draconian: Under A Godless Veil (2020)

8.0 / 10
Mit Ausnahme weniger Vertreter, wie z.B. PARADISE LOST, MY DYING BRIDE oder MOURNING BELOVETH, gibt es heutzutage kaum noch jemanden, der den gothischen Doom (Death) Metal oder Gothic Metal an sich relevant kultiviert. TIAMAT hatten nach „Wildhoney“ qualitativ aufgegeben, SENTENCED und TYPE O NEGATIVE gibt es nicht mehr und KATATONIA sind heutzutage mehr Melancholie-Pop-Rock als alles andere. DRACONIAN gehören somit zu einer Minderheit an Bands, die diesen Original-Sound noch fahren, obwohl sie altersbedingt nicht mal zu den Originalen gehören. Seit ihrem ersten Lebenszeichen im Jahre 2003 servieren uns DRACONIAN bittersüße Melancholie im Gewand doomigen Gothic Death Metals mit männlichen Growls und weiblichen Cleangesängen. Etwaige Vergleiche mit NIGHTWISH und Konsorten in der Vergangenheit aufgrund des Frauengesangs (damals noch mit Lisa Johansson) kann man sich an dieser Stelle nur verbieten, sind diese doch aufgrund einer komplett unterschiedlichen musikalischen Stilistik kompletter Unsinn. DRACONIAN waren soundtechnisch schon im Bereich jüngerer PARADISE-LOST-Alben unterwegs, bevor PARADISE LOST diese selbst herausgebracht haben… garniert mit Old-School-KATATONIA und einer Prise AMON AMARTH. Und auch 2020 regiert weiterhin der Gothic-Doom-Tod im Beauty-and-the-beast-Modus; jedoch diesmal in deutlich modifizierter Form. Da DRACONIAN auf dem Albumcover ihres neuesten Werkes „Under A Godless Veil“ wieder ihrer altes Logo verwendet haben (btw das beste Albumcover von DRACONIAN), hatte ich schon eine Rückkehr zu den härteren Tugenden des Debütalbums „Where Lovers Mourn“ vermutet, war der Vorgänger der aktuellen Scheibe („Sovran“) doch das poppigste. Back to the beginning trifft jedoch keineswegs zu. „Under A Godless Veil“ ist die nachdenklichste, ruhigste und Ambient-lastigste Scheibe der Schweden – und dies leider auf Kosten des Death-Metal-Anteils. Auf gesanglicher Ebene dominiert Sängerin Heike Langhans mit ihrer watteweichen Stimme (was zumindest aufgrund ihrer Fähigkeiten kein fundamentales Problem darstellt). Doomtod-Ausbrüche in puncto Vocals und Instrumentalisierung kommen natürlich vor und Anders Jacobsson darf entsprechend weiterhin seine Johan-Hegg-Growls zum Besten geben – aber eben seltener respektive pointierter. Auf die Düsteratmosphäre wird hier allerdings mehr Wert gelegt als je zuvor, so scheint mir. An Komplexität hat die Band positiverweise auch nichts eingebüßt. Der „schnellere“ Opener „Sorrow Of Sophia“ startet noch standesgemäß mit den DRACONIAN-Trademarks und kann als Hit des Albums gesehen werden. Auch der zweite Song „The Sacrificial Heart“ doomt heavy nach vorn. Bis hierhin wird dargeboten, wie erwartet. Qualitativ hochwertig versteht sich. „Lustrous Heart“ schraubt einen kleinen Gang in puncto Härte herunter, „Sleepwalkers“ dann noch einen Gang. Gute Songs allerdings. Das lässige „Moon Over Sabaoth“ stampft langsam umher und ist eines der Highlights der Platte inkl. einer kurzen „Cry Of Silence“-Reminiszenz. „Burial Fields“ ist Heike Langhans solo mit Ambientmucke und erinnert mich an einen Gig der Band, bei dem die arme Heike eine vergleichbare Zugabenummer gebracht hat… mit einer eher desinteressierten Resonanz des Publikums. Kann man zwar machen, muss man aber nicht. Das darauf folgende „The Sethian“ enthält die geilsten (da auch seltenen) Donnerriffmomente des Albums. „Claw Marks On The Throne“ überzeugt mit seinem extrem ausgespielten Soft/Heavy-Kontrast. „Night Visitor“ ist die tatsächliche Ballade des Albums. Heike on, Anders off. Schöner Track. Mit dem Weltuntergang „Ascend Into Darkness“ gibt es am Schluss noch den längsten und besten Track der Scheibe auf die Ohren. Der Song spiegelt noch mal den Facettenreichtum der Band wieder. Die fast Black-Metal-artigen Fiedelriffs, die immer wieder auftreten, fallen besonders auf. Eigentlich kann man über „Under A Godless Veil“ kaum etwas Negatives sagen und dennoch habe ich ein gespaltenes Verhältnis zu der Platte. Isoliert betrachtet ist das Album stimmig in Szene gesetzt, macht im Grunde nicht viel falsch, enthält einfach gut gemachte Musik und ist auch weiterhin konkurrenzfähig (wären 9 Punkte). In der DRACONIAN-Gesamtsicht war die Band auf allen anderen Alben aber deutlich stärker und ist hier gerade ihr eigener Feind. Denn: auch wenn ich Heike Langhans‘ Stimme echt schätze, so ist sie mir eine Spur zu omnipräsent. Gleiches gilt für das erhöhte Vorkommen der Ambientparts, welche den Härtepegel herunterschrauben. Monstertracks der Marke „The Cry Of Silence“, „The Drowning Age“, „Daylight Misery“ oder „Seasons Apart“ sucht man hier genauso vergebens, wie eine prägnante Schmalzhymne á la „Rivers Between Us“ oder die richtig, richtig eindringlichen und zwingenden Melodien oder Gesangsparts (wären 7 Punkte). Das Album braucht Zeit und eignet sich noch weniger als einfache Hintergrundbeschallung als die Vorgängeralben, wenn man denn alle Details erfassen und das musikalische Schaffen angemessen würdigen möchte. „Under A Godless Veil“ kann nur im Gesamtpaket verstanden werden. Die Platte würde ich jedoch nicht als Einstieg empfehlen, da sie am wenigsten repräsentativ ist. (7 + 9) : 2 macht dann 8 (knappe) Punkte. [Review lesen]

08.11.2020 19:50 - Kataklysm: Unconquered (2020)

9.5 / 10
KATAKLYSM sind seit fast 30 Jahren eine unbeugsame Institution im Death-Metal-Sektor - sowohl auf Platte als auch live. Regierte auf den Frühwerken der Kanadier noch chaotischer und verrückter Technical Death Metal á la CRYPTOPSY, hat die Band ihren urtypischen Stil und ihre entsprechenden Trademarks, für die sie auch heute noch steht, ab ihrem dritten Album „Victims Of This Fallen World“ etabliert und auf den folgenden Alben verfeinert und stets modernisiert. KATAKLYSM liefern seit nunmehr 22 Jahren eine Melange aus reduziertem, aber dafür auch effektiven und groovigen Brutal Death Metal und Melodic Death Metal und haben auf ihrem Weg so einiges an Klassikern hinterlassen - allem voran „Shadows & Dust“ und „Serenity In Fire“. Lag der Fokus bis Mitte der 2000er noch auf der brutaleren und berüchtigten Gangart (Stichwort: Northern Hyperblast), hat sich das Mischverhältnis über die Jahre umgedreht. KATAKLYSM wurden immer melodischer; insbesondere in den letzten 10 Jahren. Dies blieb, so mein Eindruck, auf Seiten von Fans und Hyperblast-Nostalgikern natürlich nicht frei von Kritik. Ich persönlich kam als großer Fan der Kanadier mit den jüngeren KATAKLYSM-Alben sehr gut klar, erhoffte mir aber auch eine Rückkehr zu den lange vermissten Blastbeat-Teppichen. Und dann kam quasi aus dem nichts die neue KATAKLYSM mit dem Titel „Unconquered“. Wird jetzt wieder Instantgeknüppel serviert? Sobald der erste Song ertönt, dürfte einem zumindest sofort ins Ohr fallen, dass es dieses Mal kein einführendes Sprachsample gibt. Na gut, dann halt nicht. Aber was kann „The Killshot“? Auf seichtes Gezupfte und militärische Drums ertönen tonnenschwere Djent-artige Riffs begleitet von Blastbeats. Der Song groovt und sägt kompromisslos geradeaus. Hyperblasts kommen tatsächlich ausreichend zum Zug. Und Maurizios Vocals geben auch ordentlich Dampf. „The Killshot“ ist alleine schon besser als alles, was auf dem direkten Vorgänger „Meditations“ zu hören war. Fetter Einstieg. Während der Opener die brutale Seite der Band gut reflektiert hat, so ist das folgende „Cut Me Down“ frei von Blastbeats. Der Track prügelt auch zügig nach vorne, zeigt aber hier viel mehr die Melodic-Death-Metal-Schlagseite der Band auf. Eigentlich geschickt gemacht, die beiden Songs an den Anfang zu stellen, werden so beiden Härtegrade der Band gut dargestellt. „Underneath The Scars“ wird kaum langsamer, gibt aber dafür noch einschlägiger Melodeath-Harmonien zum Besten. Aber ebenso zermalmende Riffs. Darauf folgt das Groove- und Doublebass-Monster „Focused To Destroy You“. Mit leichtem Stakkato-Einschlag und der prägnanten Refrain-Zeile ist der Song für die Live-Situation wie geschaffen. Sphärische Elektronika haben sich auch an die eine oder andere Stelle eingeschlichen. „The Way Back Home“ drosselt das Tempo und klingt am Anfang ehrlich gesagt ein wenig nach MNEMIC. Groove und Melodik scheinen den Song zu dominieren bis der FEAR-FACTORY-mäßige Stakkato-Hammer ausgepackt wird, begleitet von einem angepissten Maurizio: „I'll dig your grave on my way back home. I'll gut you out like the pig that you are!“. Geile Nummer! „Stitches“ erhöht den Djent-Pegel. Massives Gegroove drückt den Hörer an die Wand, lediglich aufgelockert durch ein paar Melodeath-Einschübe. Nach der Hälfte des Songs wird die Geschwindigkeit immer weiter erhöht bis der Song in einem Hyperblast aufgeht. Im Anschluss gibt es noch einen Semi-Beatdown. „Defiant“ steht ganz im Zeichen des Hyperblasts und einer generell hohen Geschwindigkeit und hätte so bestens auf „Serenity In Fire“ gepasst. Ach, was habe ich das vermisst. „Icarus Falling“ ist die „Ballade“ des Albums. Epische Komposition. Stakkato-Gewitter und Todesgroove. Und eher untypisch für die Band: wohl platzierte Piano-Klänge. Der Schlusstrack „When It’s Over“ steht ganz in der Tradition von „The Road To Devastation“ oder „Blood In Heaven“. Mid-Tempo bis Doom und der ein oder andere Black-Metal-Einfluss ist hier auch zu vernehmen. KATAKLYSM haben hier echt ein denkwürdiges Album rausgehauen; zumindest im eigenen Diskographie-Kontext. Die Kanadier haben alle ihre Trademarks schön herausgearbeitet und sich erfolgreich an einigen neuen Elementen probiert. Die von KATAKLYSM angekündigte Modernisierung zeigt sich hier vor allem in der Produktion. So einen Druck hatten die Post-„Serenity In Fire“-Alben allesamt nicht und die Kanadier waren ja noch nie für matschige Produktionen bekannt. Auch ist sie weniger klinisch als erwartet. Der Sound ist heavy wie sau. Und die Frage, ob KATAKLYSM nun wieder heftiger geworden sind, kann ich persönlich bejahen. Die Jungs liefern hier quasi eine Best-Of der besagten 22 Jahre ab, wodurch das Geknüppel endlich wieder intensiver Einzug gehalten hat. „Unconquered“ ist die beste KATAKLYSM-Scheibe seit „Heaven’s Venom“, wenn nicht gar seit „In The Arms Of Devastation“. [Review lesen]

07.11.2020 20:35 - Paradise Lost: Obsidian (2020)

9.5 / 10
PARADISE LOST! Seit mir die Band vor gefühlten Ewigkeiten bekannt wurde, habe ich die Musik der Briten aufgesaugt wie ein Schwamm – wurde nie enttäuscht, nur jedes Mal begeistert. Dies hat sich auch mit der aktuellen Scheibe „Obsidian“ nicht geändert. Es bedarf halt nicht immer einer Ausnahme, um eine Regel zu bestätigen. Bei jedem neuem Album von PARADISE LOST, welches angekündigt wird bzw. wurde, habe ich mich stets gefragt in welche Richtung der Sound wohl gehen wird. Als sich PARADISE LOST auf dem Album „Paradiselost“ im Jahre 2005 wieder mehr an der „Draconian Times“ orientierten, war ich guter Hoffnung, dass sie zukünftig wieder eine Reise in die weitere Vergangenheit wagen würden; ist die frühe diskographische Phase bis einschließlich „Draconian Times“ doch meine liebste. Und entsprechend sollte es mit „In Requiem“ so kommen, war diese doch sehr „Icon“-lastig in modernisierter Form. „Faith Divides Us – Death Unites Us“ hat mit teilweise rauerem Gesang und dem Quasi-Nachfolgesong von „Pity The Sadness“, namentlich „Universal Dream“, sogar einen seichten Schritt weiter zurück gen „Shades Of God“ unternommen. Ich war der festen Überzeugung, danach würde ein „Gothic“-mäßiges Doom-Death-Album folgen. Mit „Tragic Idol“ folgte dann zwar „nur“ erneut ein „Icon“-ähnliches Album, welches ich jedoch als die bis dato beste PARADISE LOST der jüngeren Vergangenheit empfand (und das sehe ich nach wie vor so). Sodann hatte ich mich schon damit abgefunden, dass die „Icon“- und „Draconian Times“-Ära der weiteste Punkt in der Vergangenheit sein würde, welchen PARADISE LOST ggf. noch mal aufgreifen würden. Als dann auf der „Tragic Illusion 25“ zwei Neuaufnahmen der Doom-Death-Songs „Gothic“ und „Our Savior“ inkl. Growlgesang auftauchten (und parallel Greg Mackintosh mit VALLENFYRE im Todesblei aktiv war und Nick Holmes als neuer Sänger von BLOODBATH bekanntgegeben wurde), entflammte meine Hoffnung auf eine Death-Metal-Rückbesinnung erneut. Und dieses Mal hatte ich mich nicht zu früh gefreut. Mit der „Plague Within“ folgte eine großartiger Stilmix aus „Tragic Idol“ und „Gothic“ und mit „Medusa“ die sogar noch viel tödlichere Scheibe. Doch wie würde es danach weitergehen? Wieder Death Metal oder würde da etwa eine zweite „Host“ kommen? Oder was völlig Neues, hatten PARADISE LOST den Kreis ihres Schaffens soweit doch perfekt geschlossen? Gemäß der „Obsidian“-Single „Fall From Grace“ schien es so, als hätten sie im Doom-Death immer noch nicht alles gesagt. Es schien, als würden „Plague Within“ und „Medusa“ konsequent fortgeführt. Dem ist auf „Obsidian“ eigentlich auch so – mit Ausnahmen. Das Album beginnt mit dem Track „Darker Thoughts“. Eingeleitet durch Akustikgitarren, Streichern und Nick Holmes‘ weichem Gesang explodiert der Song in eine epische Doom-Death-Nummer mit einem growlenden Holmes untermalt von Greg Mackintoshs typischen Gitarrenmelodien. Darauf folgt ein atmosphärisch-melancholischer Part, welcher erneut von einer epischen Walze aufgebrochen wird. Greg zaubert derweil ein fantastisches Solo. Ein akustischer Abgang beendet den Song. „Darker Thoughts“ ist ein grandioser Song, dem aber aufgrund seiner Aufbruchsstimmung ein totaler Abspanncharakter innewohnt, weshalb er ein perfekter Schlusstrack für „Obsidian“ gewesen wäre. Als Opener fühlt sich das an der Stelle irgendwie falsch an. Als Zweites folgt die Vorabsingle „Fall From Grace“. Beginnend mit der typischen Weeping-Guitar schreitet der Track als Slo-Mo-Stampfer voran und mündet immer wieder in die wimmernden Harmonien. Nick Holmes kredenzt Clean- und Growlgesang. „We’re all alone“, lautet die Kernmessage. Groovende Gitarren entfalten einen dichten Soundteppich. Die Drums bollern ordentlich. Ein kurzes, aber gestochenes Quietsche-Solo gibt es obendrauf. Ultrafetter Track! Darauf folgt die zweite Single „Ghosts“. Eines der absoluten Highlights der Scheibe. Eine höchst eingängige Uptempo- und clubtaugliche Nummer mit „Draconian Times“-mäßigem Interlude. Ein Song mit Bassgewummer, sägenden Melodiespitzen und generellem Greg-Mackintosh-Melodiewahnsinn. Da hat sich einer richtig ausgetobt. Dazu Nicks durchgängig tiefgothischer Cleangesang á la Type O Negative. Wäre der Song weniger Heavy, hätte er zumindest vom Vibe her gut auf „One Second“ gepasst. „The Devil Embraced“ startet wieder sehr getragen. Akustik, kurz Orgelklänge im Hintergrund, dann ein Keyboard. Wenn die Gitarren einsetzen kommt der Doom ins Haus. Tribalartige Drums zu Nicks eindringlichem Cleangesang, darauf ein atmosphärischer Doom-Death-Part und natürlich: die wimmernde Harmonie. Hart und zart wechseln sich in kurzen Abständen immer wieder ab. „Forsaken“ ließe sich am besten als eine Mischung aus „Beneath Broken Earth“ und „Return To The Sun“ (beide von der „Plague Within“) beschreiben. Eingeleitet durch einen (Konserven?-)Chor und Cleangesang folgen knallender Doom und finster-anmutige Melodiebögen. Der kurze pumpende Riff danach erinnert an selbigen aus dem Song „True Belief“ von der „Icon“, nur etwas verwaschener. Gesanglich bleibt es clean, jedoch in rauerer Darbietung, wie er z.B. auch auf der „Faith Divides Us“ vorgekommen ist. Episch! „Serenity“ ist etwas schneller unterwegs, beinahe Melodic Death Metal der Tägtgren-Schule in melancholisch. Atmosphärische Einschübe. Ein kurzweiliger Klopper. „Ending Days“ lädt zum Schwelgen ein, setzt viel auf gediegene Atmosphäre und gewinnt lediglich im Refrain-Part instrumental an Härte. Der Track ist verhältnismäßig eher ein unauffälliger, wenn auch kein schlechter Song. „Hope Dies Young“ beschreitet einen ähnlichen Weg, orientiert sich aber eher am Songmaterial des „Paradiselost“-Albums und ist griffiger. Der bessere Song von beiden. „Ravenghast“ haut dafür wieder in die fiese Doom-Kerbe mit Growl-Clean-Wechseln, andächtigen Weeping-Guitars, Pianoklängen, Todesgroove, bissigem Solo. „Ravenghast“ könnte der Part 2 von „Fall From Grace“ sein. Mächtig! Und es bleibt mächtig mit „Hear The Night“. Beginnend als CANDLEMASS/PARADISE-LOST-Crossover mit Todesgrowls mündet der Track in den typisch anmutigen PARADISE LOST-Sound mit einer simplen und prägnanten Cleangesangslinie, die sich im Kopf festsetzt. Top-Refrain. Top-Song. Der Rausschmeißer „Defiler“ steigt mit fetter Melodie ein (die Art von Melodie, bei der man paradoxerweise die Mundwinkel nach unten zieht und sich denkt: cool!). Abermals wird viel Doom-Gedröhne geboten und gegrowlt was das Zeug hält. Killermelodien halten immer wieder Einzug. Greg tobt sich final noch mal richtig aus. Mit „Obsidian“ ist den Briten erneut ein großartiges Album gelungen. Die fragwürdige Positionierung des ersten Songs und die zwei unauffälligen Songs („Ending Days“ und „Hope Dies Young“) sind die einzigen Kritikpunkte, die jedoch nicht schwer wiegen. Dafür ist die Platte eine wunderbare Zusammenfassung von PARADISE LOST der letzten 15 Jahre inklusive „One Second“- und „Draconian Times“-Querverweise. Als Schlussalbum der aktuellen Phase wäre es perfekt. Man darf also gespannt sein, wie es mit dieser wandlungsfähigen Band weitergeht. Ich persönlich finde, dass sie künftig ihre Mittelphase wieder intensiver aufgreifen sollten und diesen Sound genauso erfolgreich modernisieren, wie es ihnen auch mit ihrer Frühphase gelungen ist. „Symbol Of Life“, Part II. Das wär’s. [Review lesen]

07.11.2020 15:42 - Skeleton: Skeleton (2020)

9.0 / 10
„SKELETON? Kenne ich nicht. Ach, die veröffentlichen bei 20 Buck Spin…? Grund genug, um‘s mal auszuchecken“. So oder so ähnlich war mein erster Gedanke als ich die Scheibe kürzlich im Laden gesehen hab. Dazu noch das herrlich primitive Albumcover… Läuft. Beim selbstbetitelten Album handelt es sich, von diversem Vorgeplänkel mal abgesehen, um den ersten Longplayer der Texaner. Wobei der Begriff Longplayer bei weniger als einer halben Stunde Hörspaß eher ein Witz ist. Aber die 27,5 Minuten haben es dafür in sich und sind jede einzelne Sekunde eine diabolische Freude. SKELETON huldigen… dem Black Metal, dem Death Metal, dem Thrash Metal und zitieren entsprechend fleißig, jedoch ohne dreist zu klauen. Der Sound lässt sich mit BLACKEVIL vergleichen; mit einer ordentlichen Portion MAYHEM zu „De Mysteriis Dom Sathanas“-Zeiten und frühen UNLEASHED. Und ja, SLAYER steckt da natürlich auch drin. Und DARKTHRONE. Und Uralt-KREATOR. SOULBURN und und und… Das Album startet z.B. direkt mit einem „Funeral Fog“-Erinnerungsriff („Skeleton“). Bei „Mark Of Death“ werden einem hier und da Rhythmen um die Ohren gehauen, die wiederum an „Before The Creation Of Time“ erinnern. SLAYER verstecken sich in „The Sword“. „Taste Of Blood“ weckt Erinnerungen an die Rumänen VOKODLOK, was wohl eher Zufall ist. Neuere SOULBURN kommen in „A Far Away Land“ zum Zuge. Auch finden sich diverse finnische Black-Metal-Anekdoten wieder. Das Gekrächze des Sängers driftet in seinen manischen Momenten auch nicht selten Richtung Count Grishnak. SKELETON gelingt es stets, die oben genannten Metalstile perfekt ineinander zu verweben, mit dem Tempo zu spielen (in beide Richtungen), Melodik nicht zu kurz kommen zu lassen, aber dennoch ordentlich zu brettern. Wir haben hier Killerriffs und finstere Atmosphäre. Obwohl die Originalität von SKELETON songindividuell gegen null tendiert, ist das Album in der Summe seiner Teile dennoch erfrischend und auch abwechslungsreich. Extreme Metal von beinharten Fans für beinharte Fans. Einfach geiler Scheiß. [Review lesen]

07.11.2020 12:35 - Supruga: Хаос / Никто Не В Безопасности (2020)

9.0 / 10
Die aus Samara in Russland stammende Band SUPRUGA hat kürzlich ihr Debütalbum "Xaoc / Никто не в безопасности" veröffentlicht (zuvor gab es wohl noch eine EP). Gemäß Katalognummer 001 scheint es sich dabei abermals um die erste Veröffentlichung des neuen Hammerheart-Sublabels Petrichor zu handeln. Einer breiteren Maße somit sicherlich noch völlig unbekannt, stehen SUPRUGA entsprechend gerade am Anfang einer etwaigen (ausgedehnteren?) Karriere. Das Potenzial für einen größeren Wurf ist bei SUPRUGA durchaus gegeben. An mancher Stelle als Post-Hardcore oder Blackened Hardcore klassifiziert, bewegen sich SUPRUGA (zu Deutsch: Ehepartner) eher irgendwo auf der MANTAR- und DEADBIRD-Schiene, geben sich jedoch schwarzatmosphärischer und sind vergleichsweise weniger "klobig" als ihre Kollegen. VALLENFYRE und neuere ENTHRONED sind auch deutlich herauszuhören. Insgesamt deutlich mehr (Black) Metal und Sludge als Hardcore. SUPRUGA haben mit einer gewissen Xenia eine Leadsängerin, die überwiegend in garstiger Onielar-Manier (vgl. DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT) die Lauscher attackiert, manchmal aufgebrochen von seichtem oder hysterischem Klargesang und auch ein paar Spoken Words. Von männlicher Seite gibt es auch rar eingestreute Hardcore-Shouts / Growls zu hören. Die Instrumentalfraktion groovt, schreddert, doomt, blastet und plänkelt und bietet auf knapp 40 Minuten Spielzeit eine Menge Abwechslung. Das Textgut ist vollständig in Russisch gehalten, sodass sich für Sprachunkundige keine inhaltlichen Aussagen zu den Lyrics treffen lassen. Insgesamt handelt es sich bei "Xaoc" (=Chaos) um ein interessantes Erstwerk mit vielen Facetten und angemessener Härte. Auf jeden Fall einer der spannenderen Newcomer in 2020. Als Anspieltipp empfehle ich den offiziellen Videoclip zu "Никто не в безопасности" (No One Is Safe). [Review lesen]

26.04.2020 00:28 - Disbelief: Ground Collapses, The (2020)

9.0 / 10
Schon seit mehr als 23 Jahren beglücken uns die Hessen DISBELIEF mit einem Sludge- und Doom-geschwängerten Death Metal der melancholisch bis depressiven Kategorie. Stets individuell, immer mit hohem Wiedererkennungswert und durchgehend hochwertig. Wer es noch nicht geahnt hatte, wusste spätestens seit dem 2010er "Heal!"-Album, dass u.a. CROWBAR und BOLT THROWER ein wichtiger Einfluss für die Band waren (und OBITUARY mit Sicherheit auch). Darüber hinaus erzeugen DISBELIEF sehr häufig eine getragene Stimmung, die man eher von Bands wie KATATONIA oder DEFTONES gewohnt ist. Irgendwo zwischen Old School und Moderne geben all diese Attribute und dazu noch Jaggers charakteristische manische Growls und Shouts DISBELIEF seit ihrem ersten Album einen unverkennbaren Sound. Nun melden sich DISBELIEF drei Jahre nach ihrem letzten Longplayer "The Symbol Of Death" mit dem neuen Album namens "The Ground Collapses" zurück. Auch auf ihrem elften Output bleiben DISBELIEF ihrem Sound, wie oben beschrieben, treu. Das Album beginnt mit dem facettenreichen Titelsong. Dieser wird mit einer kleinen Pianopassage eingeleitet. Im Verlauf gibt es auch mal Blastparts zu hören, welche für DISBELIEF eher untypisch, aber positiv überraschend daherkommen. Definitiv typisch sind dafür die BOLT-THROWER-Harmonien. "Scaring Threat" groovt und todesmarschiert durch mehrere Tempowechsel. "The Awakening" ist wieder schneller und hat in Teilen thrashige Elemente. "Killing To The Last" ist der eingängigste Song der Platte und ein ordentlicher Stampfer, der mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit in künftige Livesets übertragen wird. Die mit Sirenen eingeleitete Youtube-Single "The Waiting" entpuppt sich als Doublebass-Panzer ("Full Of Terrors" lässt grüßen). "Colder Than Ice" gibt sich melodisch und atmosphärisch und erinnert an "Hate/Aggression Schedule" von der "Protected Hell". "Soul Destructor" gibt wieder Gas und kredenzt gutturale Brutalität. Live-Hit. "Insane" ist kein OBITUARY-Cover, aber solider DISBELIEF-Standard. "Hologram For The Scum" enthält eine der schönsten Gitarrenmelodien des Albums. Mit "Kills Ending" gibt es nicht nur Gestampfe, sondern auch die melancholischsten Parts des Albums. Der Rauswerfer "Depth Of Sorrow" ist dafür wenig traurig, beschließt das Album aber mit einem pointierten, schnellen Hammerschlag. Zusammenfassend sind folgende Songs die besten: "The Ground Collapses", "Killing To The Last", "Colder Than Ice", "Soul Destructor" und "Hologram For The Scum". Wer reinhören möchte, sollte mit diesen Tracks anfangen. "The Ground Collapses" ist insgesamt finsterer als sein Vorgänger, jedoch auch ein klein wenig monotoner, trotz einiger kleiner Überraschungen. Die hohe Hitdichte der jüngeren Alben "Symbol Of Death", "Protected Hell" oder "66Sick" konnten DISBELIEF leider nicht ganz erreichen. Aber dies ist natürlich als Jammern auf hohem Niveau zu verstehen. Mit "The Ground Collapses" haben DISBELIEF, wie zu erwarten, hervorragend abgeliefert. Wer DISBELIEF mag, macht hier nichts verkehrt. Bei der scheinbar unerschöpflichen Leistungsfähigkeit der Band wird es wohl für immer ein Rätsel bleiben, warum sie in all der Zeit ihres Bestehens nicht bis an die Spitze der deutschen Death-Metal-Szene vordringen konnten. DISBELIEF haben qualitativ im Grunde kaum Konkurrenz außer sich selbst. [Review lesen]

11.04.2020 21:31 - Daemonlord: Of War And Hate (2004)

9.5 / 10
Auf das spanische Zwei-Personen-Projekt DAEMONLORD wurde ich irgendwann im Jahre 2009 aufmerksam. Ich hatte Bock mir ein paar Underground-Black-Metal-Alben im Telök (R.I.P.) meines Vertrauens zu kaufen. Die Band war mir eigentlich völlig unbekannt, dennoch hatte ich mir deren Platte „Hellfire Centuries“ (damals die aktuellste) blind gekauft… nur aufgrund des Covers bzw. des Logos. Ich wurde nicht enttäuscht. Derbes Low-Fi-Kriegsgewitter penetrierte meine Ohren. Ich war zufrieden. So zufrieden, dass ich mir auch relativ zeitnah den Vorgänger „Of War And Hate“ organisiert hatte. Bis heute hat es die Band auf vier Alben gebracht und einen Haufen Splits und EPs. Die letzte LP erschien 2011. Danach hörte man nichts mehr von DAEMONLORD. Leider. Auch wenn das Debütalbum „The Sign“ wirklich unterirdisch schlecht ist, so sind sowohl die rabiaten Nachfolgealben „Of War And Hate“ und „Hellfire Centuries“ sowie das melodischere letzte Album „Godless Prayers“ allesamt hörenswert. Mein Favorit ist das zweite Album „Of War And Hate“. Die Platte enthält 10 Songs inklusive eines Intros und eines Outros. Das Ambient-Intro „Of War And Hate“ lässt mit seinen Maschinengewehr-Samples erahnen, was noch folgen soll. Der Name ist Programm. „Demonic Lord Of War“ geht sofort auf die Zwölf. Highspeed-Black-Metal mit sägenden Gitarren, verzerrtem Gekeife und brutalen Drumcomputer-Blastbeats hasserfüllt verpackt in adäquater Rauscheproduktion. Der Track wird lediglich aufgelockert durch ein punktuell eingesetztes seichtes Keyboard. „The Voice“ verzichtet auf Keyboards. Bis auf ein paar kurze Midtempo-Verschnaufpausen wird hier durchgeballert. „Night’s Backbone“ enthält zu Beginn ein Filmsample. Danach geht es wie im Vortrack wieder zur Sache. „Driven By Darkness And Sorrow“ macht es gleich; nur am Ende ist ein symphonischer Streicherpart aus der Konserve zu hören. „Where Rottenness Dwells“ ist wieder kompromisslos und ohne Firlefanz. „In The Middle Of Infinity“ wird durch ein Filmsample aus Blade Runner eingeleitet. Dann gibt es wieder einen auf die Nuss; nur zum Ende wird das Tempo gedrosselt. „Pure Sorrow And Hate“ ist der variabelste Song, was das Tempo und die Arrangements angeht. Auch enthält der Song ein paar Konserven-Streicher. Der vorletzte Song „The Era Of Satan Rising“ ist ein Coversong von THOU ART LORD, der zu Beginn mit Synthies in Szene gesetzt wird, nur um daraufhin wieder loszupreschen. Das verstörende Ambient-Outro „Descending Into The Unknown Abyss“ besteht aus sphärischen Klängen, einem sich wiederholenden Glockenton sowie einem monotonen Drumbeat und würde in einem Horrorfilm gute Verwendung finden. DAEMONLORD machen ordentlich Krach und zwar in Form eines fundamental stumpfen und garstigen Black Metals. Dennoch schaffen sie es, ihre Songs nicht nur durch eingestreute Synthies oder Samples voneinander abzugrenzen, sondern auch durch die Riffs und Melodien, die trotz aller Härte gut ins Ohr gehen. Der monotone, recht klinische Drumcomputer mag sicherlich Geschmackssache sein; trotzdem erfüllt er seinen Zweck pure Gewalt zu vertonen. Außerdem verpasst er dem Gesamtsound DAEMONLORDs irgendwie eine interessante Industrial-Note. Die Produktion ist Underground, aber kein Hummelschwarm, sodass sich die Songs darin nicht auflösen. Das Zusammenspiel der einzelnen Soundkomponenten gibt den Spaniern ein höchst eigenwilliges, wenn auch wiedererkennbares Antlitz – egal ob man es liebt oder hasst. Sicherlich ist DAEMONLORD irgendwo trashig (das fehlende H ist beabsichtigt!), aber für das, was es ist, ist es großartig. Der direkte Nachfolger „Hellfire Centuries“ ist mangels Keyboards, Samples etc. deutlich reduzierter und noch härter als sein Vorgänger. Das letzte Album „Godless Prayers“ ist instrumental deutlich seichter und melodieverliebter als seine Vorgänger und auch besser produziert. Folglich würde „Of War And Hate“ als Entwicklungsschritt genau zwischen diese beiden Alben passen und ist zum Einstieg das repräsentativste Album. Wenn man die „Panzer Division Marduk“ von MARDUK, die „Towards The Skullthrone Of Satan“ von ENTHRONED und „In The Nightside Eclipse“ von EMPEROR mag, sollte man hier ein Ohr riskieren. Wer generell auf Bands wie HORNCROWNED, SATANIZER und DARKEST HATE WARFRONT steht, kommt an DAEMONLORD eh nicht vorbei. Also ich für meinen Teil feiere das Album… [Review lesen]

11.04.2020 18:42 - God Dethroned: Illuminati (2020)

7.5 / 10
GOD DETHRONED gehören neben ASPHYX, PESTILENCE und SINISTER ohne Zweifel zu den Big Playern im niederländischen Death Metal (man könnte auch von den Big 4 des Holzschuhtods sprechen). Schon seit knapp 30 Jahren beglücken die Tulpenschlächter um Henri Sattler die Welt des Todesbleis mit ihrem angeschwärzten (Melodic) Death Metal in höchster Qualität – sowohl auf Platte als auch live. Es wurden Klassikerwerke wie „Bloody Blasphemy“ und „The Lair Of The White Worm“ veröffentlicht. Es gab eine großartige Albentrilogie zum 1. Weltkrieg („Passiondale“, „Under The Sign Of The Iron Cross“, „The World Ablaze“), welche 2017 abgeschlossen wurde. Im Februar hat die Band nun ihr elftes Album „Illuminati“ an den Mann gebracht. Und GOD DETHRONED bleiben ihrer bekannten Soundrezeptur grundsätzlich treu. Alles, was man von den Niederländern erwartet und an ihnen verehrt, bekommt man eigentlich auch geboten. Die Band lässt sich klangtechnisch immer noch zwischen HYPOCRISY, AMON AMARTH und BELPEGOR einsortieren. GOD DETHRONED haben jedoch dieses Mal sehr stark ihre epische und monumentale Klangseite ausgearbeitet – leider auf Kosten der Eingängigkeit. „Illuminati“ ist im Gesamtbild auffallend sperriger als gewohnt. Die Band versucht auf "Illuminati" teilweise symphonisch zu klingen, was aber manchmal sehr erzwungen wirkt. Die Holländer machen zwar keinen auf DIMMU BORGIR, aber aufgrund der genannten Anpassung auf kompositorischer Ebene geht in manchen Songs der Fluss verloren und entsprechend auch die Durchschlagskraft. Beim einführenden Titelsong funktioniert das episch-symphonische Prinzip noch prima. Es gibt mehrere Tempowechsel, tolle Melodien, chorale Gesänge. „Broken Halo“ beginnt atmosphärisch und mündet in solides Geballer. Insgesamt aber eher ein Standardsong. „Book Of Lies“ ist das absolute Highlight des Albums. Eine großartige Leadmelodie begleitet von treibendem Doublebass leitet den Song ein. Darauf eine weitere epische Melodie, gefolgt von Midtempo-Holzhackriffs. Dann noch mal von vorne. Solo eingestreut. Doublebass-Gewitter im Abgang. Der Track bewegt sich irgendwo zwischen „Gods Of Terror“ von der „Into The Lungs Of Hell“ und „On Fields Of Death & Desolation“ von der „Under The Sign Of The Iron Cross“. Als viertes folgt dann der schwächste Song der Platte, namentlich „Spirit Of The Beelzebub“. Der Track vereint die größten Kritikpunkte (s.o.) in sich, obwohl er einige gute Parts enthält. Aber im Gegensatz zu den raren Cleangesangsparts in der Vergangenheit, wirkt dieser hier im Refrain komplett deplatziert. Mit „Satan Spawn“ gibt es wieder einen typisch geilen GOD-DETHRONED-Song. Viel Geblaste inklusive. „Gabriel“ überzeugt durch hervorragende Harmonien. „Eye Of Horus“ kommt leider ohne nennenswerte Höhepunkte aus. Hier gibt es nichts, was man von der Band nicht schon hundert Mal besser gehört hat. Das Symphonische ist hier übrigens, wie bei „Spirit Of The Beelzebub“, eher gewollt als gekonnt. „Dominus Muscarum“ ist ein völlig egales Orgel-Chor-Zwischenintro. Auf den Namen „Blood Moon Eclipse“ lautet der gutklassige Rausschmeißer des Albums. Recht komplex gehalten, beendet er das Album anständig. Unterm Strich enthält „Illuminati“ einen alles überragenden Hit („Book Of Lies“) und vier weitere tolle Songs („Illuminati“, „Satan Spawn“, „Gabriel“, „Blood Moon Eclipse“). „Broken Halo“ ist okay. Der übrige Rest ist im Grunde egal. Auch wenn mir das persönlich echt weh tut, so muss ich doch sagen, dass GOD DETHRONEDs aktuelles Werk im Vergleich zu früheren Alben eher abstinkt, denn zu stark ist die eigene Konkurrenz. Andererseits muss man natürlich fairerweise sagen, dass dieses Album isoliert betrachtet dennoch auf hohem Niveau dargeboten wird. Die Produktion ist fett und hat ordentlich Dampf. Wäre dies ein Debütalbum einer unbekannten Band, wäre ich deutlich beeindruckter gewesen. Aufgrund der guten Songs, kann ich 7.5 Punkte vor mir rechtfertigen. In Zukunft wünsche ich mir von den Holländern auf jeden Fall wieder ein griffigeres Album. [Review lesen]

08.04.2020 01:40 - Paradise Lost: Icon (1993)

10.0 / 10
VORSICHT: Review kann einen hohen Fanboy-Faktor enthalten! Erstmal vorweg: PARADISE LOST sind eine der wandlungsfähigsten Bands aller Zeiten. Entsprechend haben die Briten auch die spannendste Diskographie, die man sich eigentlich von einer Band wünschen kann. Anfangs noch Pioniere des Death Dooms, haben sie sich zu einer Gothic/Doom-Metal-Band weiterentwickelt, haben danach Alternative Rock und Elektro Rock für sich entdeckt und sind ab 2005 mehr und mehr zu ihrem Anfangssound der frühen bis mittleren Neunziger zurückgekehrt bis zuletzt wieder der doomige Todesstahl Einzug gehalten hat ohne dabei den gothischen Anteil zu vernachlässigen. Alles läuft super. Die neue Platte "Obsidian" kommt demnächst und bisher deuten die Zeichen abermals auf Doomtod. Ich freu mich... PARADISE LOST gehören auch zu den ganz wenigen Bands, denen die häufigen Stilwechsel zu keinem Zeitpunkt geschadet haben. Jeder Stilwechsel weg vom Ursprungssound bis hin zur Rückbesinnung zu eben jenem macht chronologisch und entwicklungstechnisch absolut Sinn. PARADISE LOST konnten dies schaffen, weil sie mit ihrer Musik grundsätzlich eine für die Band unfassbar typische Stimmung erzeugen, egal ob es sich dabei um "Gothic", "Host" oder "Tragic Idol" handelt. PARADISE LOST könnten plötzlich Black Metal spielen und es würde trotzdem immer noch nach PARADISE LOST klingen und wäre qualitativ wie immer hochwertig, da bin ich mir sicher. Top-Songwriter halt. Die Band hat auf dem Weg von "Lost Paradise" bis "Medusa" ausnahmslos tolle Alben hervorgebracht und einige davon sind nicht nur in der hauseigenen Diskographie, sondern auch im Metal allgemein absolute Klassiker und Meilensteine. Darunter PARADISE LOSTs bestes Album: das Vorzeigewerk "Icon" aus dem Jahre 1993. "Icon" ist der musikalische Inbegriff der Melancholie und versetzt einen auch unabhängig der Jahreszeit in einen mentalen Herbstzustand. Ich muss dabei immer an die herrlich wimmernden Gitarrenharmonien und -einsprengsel von Saitenhexer Greg Mackintosh denken, die sich durch alle Songs ziehen. Sie sind anmutig, episch und auch extrem bedrückend. The beauty in pain. Herr Mackintosh spielt diese Karte auf "Icon" so prägnant und erinnerungswürdig aus, wie auf keinem anderen Album der Band. Die Riffs wiederum sind groovy, doomig, finster und tonnenschwer. Eine Strömung von der man unweigerlich mitgerissen wird; auf der man in Trance umhergleitet. Die Drums sind organisch und eindringlich. In Kombination ergibt sich hierbei eine morbide und bewölkte Friedhofs- und Ruinenatmosphäre, die ihresgleichen sucht. Sie durchdringt bis ins tiefste Mark. Schöne Soli lassen zwar ab und an vereinzelte Sonnenstrahlen durchscheinen, aber nur bis zum raschen Aufziehen der nächsten Wolkenfront. Die James-Hetfield-Stimme von Frontmann Nick Holmes verpasst dem Album zusätzlich noch einen wundervoll rauen und dreckigen Charme, auch wenn er hier erstmals auf Deathgrowls verzichtet und clean singt. Vocals dennoch: 1a. Lyrisch bleibt der Interpretationsweg relativ offen, sodass jeder für sich selbst eine Aussage entdecken kann. Eines sind die Texte auf jeden Fall: zynisch... Freude wird hier nicht verbreitet. Und das ist gut so. Jeder Song des Albums ("Deus Misereatur" als Outro mal unberücksichtigt gelassen) funktioniert für sich allein stehend. Hält man sich aber an die vorgegebene Abfolge dieser genialen Kompositionen, führt dies zu einem einzigen musikalischen Rauschzustand. Besonders hervorzuheben sind hierbei der legendäre Opener "Embers Fire", der Folgesong "Remembrance", das traurige Stück "Joys Of The Emptiness", der treibende Song "Dying Freedom", der Albumhit "True Belief" und das bedrückende Lied "Christendom" (inkl. Frauengesang). "True Belief" würde ich denjenigen als Anspieltipp empfehlen, die dieses göttliche Meisterwerk tatsächlich noch nicht kennen. Auf "Icon" erfolgte der erste Umbruch im stilistischen Gefüge insoweit, dass der Death Metal ad acta gelegt wurde. Dadurch ergibt sich auch ein historischer Wert des Albums. Denn es ist festzustellen, dass PARADISE LOST auf ihren "Icon"-Stil (oder auf Teile davon) bis heute am häufigsten zurückgegriffen haben, wenn man mal alle Alben in der Gesamtheit analysiert... PARADISE LOST machen zwar auf "Icon" eigentlich nicht viel anders als bspw. auf der "Draconian Times". Aaaaber auf die kleinen Details kommt es an. Die Band entfaltet die beschriebenen Soundattribute - welche ja durchaus typisch für die Briten sind - auf der "Icon" mit der intensivsten Magie, die die Band je erzeugt hat. "Icon" ist von allen zeitlosen PARADISE-LOST-Alben das zeitloseste. "Icon" ist das perfekte Album. Ich würde 100 Punkte geben, wenn dies ginge. [Review lesen]

04.04.2020 23:05 - Body Count: Carnivore (2020)

9.0 / 10
Die neue BODY COUNT! Auf die habe ich mich seit ihrer Ankündigung gefreut, hatte mich der Vorgänger "Bloodlust" doch komplett weggeblasen. "Bloodlust" war bis dato das diskographische Highlight der Band. Die Platte hat die hervorragende "Manslaughter" noch übertrumpft. Und "Manslaughter" konnte schon das kultige Debüt und die bessere "Born Dead" locker in die Tasche stecken. Jetzt ist natürlich die Frage, ob BODY COUNT die stetige Qualitätssteigerung fortsetzen konnten und mit "Carnivore" einen neuen Platzhirsch generiert haben. Vorweg: Auffallend ist, dass BODY COUNTs Alben immer kürzer werden. "Carnivore" schafft es auf nicht ganz 36 Minuten (davon ca. 7 1/2 Minuten Covermaterial). "Bloodlust" schaffte es noch auf knapp 41 Minuten, "Manslaughter" auf 47. Kurz und knackig ist ja schön und gut, aber... was kann das Songmaterial? Der Hörer wird mit dem Titelsong ins Album eingeführt. Der Track verbreitet direkt von Beginn an eine desolate Atmosphäre und transportiert einen direkt ins nächste verregnete Ghetto mit brennenden Mülltonnen und skimaskentragenden Schlägertrupps. Die Riffs sind stumpf und träge, aber effektiv. Deathige Growls tauchen neben Ice-Ts Rapgesang immer wieder punktuell auf. Ein gelungenes Solo lockert die Stimmung etwas auf bis das fiese Riffgestampfe weiter den Gehörgang zermalmt. Der zweite Track "Point The Finger" ist fixer unterwegs und bohrt sich mit hardcorigen und noch mehr thrashigen Momenten ins Hirn. Darauf folgt mit "Bum-Rush" eine der Albumhymnen. Der Metalpegel wird noch mal weiter aufgedreht. Lyrisch darf die Erwähnung des eigenen Bandnamens natürlich nicht fehlen. Kennt man ja, will man so. Mit "Ace Of Spades" folgt ein okayer MOTÖRHEAD-Coversong, welcher zu den eher schwächeren Coversongs von BODY COUNT gehört, vor allem im Vergleich zu "Raining Blood", "Institutionalized" oder "Hey Joe". Der Song stört jetzt nicht, aber vermisst hätte ich ihn nicht. Zumal er sich nicht so richtig ins thematische Gefüge einreihen will. Das war bei "Raining Blood/Postmortem" auf der Vorgängerscheibe noch ganz anders. Dafür geht's wieder top mit "Another Level" weiter, welcher einen sehr prägnanten, gesungenen Refrain aufweist und herrlich im Lowtempo vor sich hin groovt. Der Beitrag von HATEBREEDs Jamey Jasta zu dem Song fällt jedoch kaum auf. "Colors 2020" ist schon wieder ein Coversong. Der macht jedoch deutlich mehr Spaß als "Ace Of Spades" und passt besser ins Konzept. "No Remorse" schwingt danach auf einmal die... Deathcore-Keule? Abgesehen davon, dass Ice-T durchgehend rappt, ist das Ganze instrumental sehr deathcorig. Geil! Passend dazu flucht Ice-T instant und verwünscht seine Feinde. "When I'm Gone" bleibt rifftechnisch deep und heavy. Ice-T rappt aggressiv, wird aber wiederum durch Gastsängerin Amy Lee (das ist die Tante von EVANESCENCE) soft abgefangen. Das "Hart-aber-zart"-Prinzip steht dem Song gut zu Gesicht und ist für BODY COUNT als äußerst gelungenes Experiment anzusehen. Schneller, wütender und noch besser wird es mit "Thee Critical Beatdown". Eine leicht deathmetallische Note zieht sich durch das Riffing. Ice-T hat wohl viel Todesblei konsumiert bei den Aufnahmen der Platte. Geschadet hat es nicht, weiter so. Der Schlußtrack hört auf den Namen "The Hate Is Real" und ist einer meiner Lieblingsnummern des Albums, denn der Song atmet Slayer. Die Harmonien, das Gedresche... "South Of Heaven" in der Eistee-Edition. So muss das. BODY COUNT haben mit "Carnivore" wie erhofft abgeliefert. Es existiert aktuell kaum eine andere Band, die diesen erfrischend nostalgischen Spät-90er/Früh-2000er-Charme versprüht. Wer heute Crossover respektive Rap Metal hören will, kommt an BODY COUNT nicht vorbei. Das liegt nicht nur an dem Umstand, dass sich heutzutage eigentlich niemand mehr traut diesen Sound zu bringen, sondern weil BODY COUNT auch so einfach mächtig sind. Und sie sind obendrein mehr Metal als andere Crossover-Kollegen, weitaus. Das Werk reiht sich perfekt zwischen den letzten beiden Alben ein. Wortwörtlich. Dem Album fehlt zwar der eine Superhit, wie z. B. "This Is Why We Ride" von der "Bloodlust" und auch "Ace Of Spades" hätte nicht zwingend sein müssen, aber dafür ist das "Carnivore"-Album für mein Empfinden wiederum eingängiger als "Manslaughter" und überzeugt mich vor allem wegen seiner Experimente und dem Slo-Mo-Härtelevel. Also auch wenn das Album nicht an den Alphapimp "Bloodlust" heranreicht, so findet sich "Carnivore" für mich dennoch in der Vize-Position wieder. Das Album ist jetzt schon eins meiner persönlichen Musikhighlights in 2020. Nächstes Mal aber bitte wieder 40 Minuten plus, ja? [Review lesen]

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