Disbelief The Ground Collapses (2020) - ein Review von Judge Death

Disbelief: Ground Collapses, The - Cover
1
Review
2
Ratings
8.75
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Metal: Death Metal


Judge Death
26.04.2020 00:28

Schon seit mehr als 23 Jahren beglücken uns die Hessen DISBELIEF mit einem Sludge- und Doom-geschwängerten Death Metal der melancholisch bis depressiven Kategorie. Stets individuell, immer mit hohem Wiedererkennungswert und durchgehend hochwertig.

Wer es noch nicht geahnt hatte, wusste spätestens seit dem 2010er "Heal!"-Album, dass u.a. CROWBAR und BOLT THROWER ein wichtiger Einfluss für die Band waren (und OBITUARY mit Sicherheit auch). Darüber hinaus erzeugen DISBELIEF sehr häufig eine getragene Stimmung, die man eher von Bands wie KATATONIA oder DEFTONES gewohnt ist. Irgendwo zwischen Old School und Moderne geben all diese Attribute und dazu noch Jaggers charakteristische manische Growls und Shouts DISBELIEF seit ihrem ersten Album einen unverkennbaren Sound.

Nun melden sich DISBELIEF drei Jahre nach ihrem letzten Longplayer "The Symbol Of Death" mit dem neuen Album namens "The Ground Collapses" zurück. Auch auf ihrem elften Output bleiben DISBELIEF ihrem Sound, wie oben beschrieben, treu.

Das Album beginnt mit dem facettenreichen Titelsong. Dieser wird mit einer kleinen Pianopassage eingeleitet. Im Verlauf gibt es auch mal Blastparts zu hören, welche für DISBELIEF eher untypisch, aber positiv überraschend daherkommen. Definitiv typisch sind dafür die BOLT-THROWER-Harmonien. "Scaring Threat" groovt und todesmarschiert durch mehrere Tempowechsel. "The Awakening" ist wieder schneller und hat in Teilen thrashige Elemente. "Killing To The Last" ist der eingängigste Song der Platte und ein ordentlicher Stampfer, der mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit in künftige Livesets übertragen wird. Die mit Sirenen eingeleitete Youtube-Single "The Waiting" entpuppt sich als Doublebass-Panzer ("Full Of Terrors" lässt grüßen). "Colder Than Ice" gibt sich melodisch und atmosphärisch und erinnert an "Hate/Aggression Schedule" von der "Protected Hell". "Soul Destructor" gibt wieder Gas und kredenzt gutturale Brutalität. Live-Hit. "Insane" ist kein OBITUARY-Cover, aber solider DISBELIEF-Standard. "Hologram For The Scum" enthält eine der schönsten Gitarrenmelodien des Albums. Mit "Kills Ending" gibt es nicht nur Gestampfe, sondern auch die melancholischsten Parts des Albums. Der Rauswerfer "Depth Of Sorrow" ist dafür wenig traurig, beschließt das Album aber mit einem pointierten, schnellen Hammerschlag.

Zusammenfassend sind folgende Songs die besten: "The Ground Collapses", "Killing To The Last", "Colder Than Ice", "Soul Destructor" und "Hologram For The Scum". Wer reinhören möchte, sollte mit diesen Tracks anfangen.

"The Ground Collapses" ist insgesamt finsterer als sein Vorgänger, jedoch auch ein klein wenig monotoner, trotz einiger kleiner Überraschungen. Die hohe Hitdichte der jüngeren Alben "Symbol Of Death", "Protected Hell" oder "66Sick" konnten DISBELIEF leider nicht ganz erreichen. Aber dies ist natürlich als Jammern auf hohem Niveau zu verstehen. Mit "The Ground Collapses" haben DISBELIEF, wie zu erwarten, hervorragend abgeliefert. Wer DISBELIEF mag, macht hier nichts verkehrt.

Bei der scheinbar unerschöpflichen Leistungsfähigkeit der Band wird es wohl für immer ein Rätsel bleiben, warum sie in all der Zeit ihres Bestehens nicht bis an die Spitze der deutschen Death-Metal-Szene vordringen konnten. DISBELIEF haben qualitativ im Grunde kaum Konkurrenz außer sich selbst.

Punkte: 9 / 10