God Dethroned Illuminati (2020) - ein Review von Judge Death

God Dethroned: Illuminati - Cover
1
Review
2
Ratings
7.75
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Metal: Death Metal


Judge Death
11.04.2020 18:42

GOD DETHRONED gehören neben ASPHYX, PESTILENCE und SINISTER ohne Zweifel zu den Big Playern im niederländischen Death Metal (man könnte auch von den Big 4 des Holzschuhtods sprechen). Schon seit knapp 30 Jahren beglücken die Tulpenschlächter um Henri Sattler die Welt des Todesbleis mit ihrem angeschwärzten (Melodic) Death Metal in höchster Qualität – sowohl auf Platte als auch live. Es wurden Klassikerwerke wie „Bloody Blasphemy“ und „The Lair Of The White Worm“ veröffentlicht. Es gab eine großartige Albentrilogie zum 1. Weltkrieg („Passiondale“, „Under The Sign Of The Iron Cross“, „The World Ablaze“), welche 2017 abgeschlossen wurde. Im Februar hat die Band nun ihr elftes Album „Illuminati“ an den Mann gebracht.

Und GOD DETHRONED bleiben ihrer bekannten Soundrezeptur grundsätzlich treu. Alles, was man von den Niederländern erwartet und an ihnen verehrt, bekommt man eigentlich auch geboten. Die Band lässt sich klangtechnisch immer noch zwischen HYPOCRISY, AMON AMARTH und BELPEGOR einsortieren. GOD DETHRONED haben jedoch dieses Mal sehr stark ihre epische und monumentale Klangseite ausgearbeitet – leider auf Kosten der Eingängigkeit. „Illuminati“ ist im Gesamtbild auffallend sperriger als gewohnt. Die Band versucht auf "Illuminati" teilweise symphonisch zu klingen, was aber manchmal sehr erzwungen wirkt. Die Holländer machen zwar keinen auf DIMMU BORGIR, aber aufgrund der genannten Anpassung auf kompositorischer Ebene geht in manchen Songs der Fluss verloren und entsprechend auch die Durchschlagskraft.

Beim einführenden Titelsong funktioniert das episch-symphonische Prinzip noch prima. Es gibt mehrere Tempowechsel, tolle Melodien, chorale Gesänge. „Broken Halo“ beginnt atmosphärisch und mündet in solides Geballer. Insgesamt aber eher ein Standardsong. „Book Of Lies“ ist das absolute Highlight des Albums. Eine großartige Leadmelodie begleitet von treibendem Doublebass leitet den Song ein. Darauf eine weitere epische Melodie, gefolgt von Midtempo-Holzhackriffs. Dann noch mal von vorne. Solo eingestreut. Doublebass-Gewitter im Abgang. Der Track bewegt sich irgendwo zwischen „Gods Of Terror“ von der „Into The Lungs Of Hell“ und „On Fields Of Death & Desolation“ von der „Under The Sign Of The Iron Cross“. Als viertes folgt dann der schwächste Song der Platte, namentlich „Spirit Of The Beelzebub“. Der Track vereint die größten Kritikpunkte (s.o.) in sich, obwohl er einige gute Parts enthält. Aber im Gegensatz zu den raren Cleangesangsparts in der Vergangenheit, wirkt dieser hier im Refrain komplett deplatziert. Mit „Satan Spawn“ gibt es wieder einen typisch geilen GOD-DETHRONED-Song. Viel Geblaste inklusive. „Gabriel“ überzeugt durch hervorragende Harmonien. „Eye Of Horus“ kommt leider ohne nennenswerte Höhepunkte aus. Hier gibt es nichts, was man von der Band nicht schon hundert Mal besser gehört hat. Das Symphonische ist hier übrigens, wie bei „Spirit Of The Beelzebub“, eher gewollt als gekonnt. „Dominus Muscarum“ ist ein völlig egales Orgel-Chor-Zwischenintro. Auf den Namen „Blood Moon Eclipse“ lautet der gutklassige Rausschmeißer des Albums. Recht komplex gehalten, beendet er das Album anständig.

Unterm Strich enthält „Illuminati“ einen alles überragenden Hit („Book Of Lies“) und vier weitere tolle Songs („Illuminati“, „Satan Spawn“, „Gabriel“, „Blood Moon Eclipse“). „Broken Halo“ ist okay. Der übrige Rest ist im Grunde egal. Auch wenn mir das persönlich echt weh tut, so muss ich doch sagen, dass GOD DETHRONEDs aktuelles Werk im Vergleich zu früheren Alben eher abstinkt, denn zu stark ist die eigene Konkurrenz. Andererseits muss man natürlich fairerweise sagen, dass dieses Album isoliert betrachtet dennoch auf hohem Niveau dargeboten wird. Die Produktion ist fett und hat ordentlich Dampf. Wäre dies ein Debütalbum einer unbekannten Band, wäre ich deutlich beeindruckter gewesen.

Aufgrund der guten Songs, kann ich 7.5 Punkte vor mir rechtfertigen. In Zukunft wünsche ich mir von den Holländern auf jeden Fall wieder ein griffigeres Album.

Punkte: 7.5 / 10


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