Body Count Carnivore (2020) - ein Review von Judge Death

Body Count: Carnivore - Cover
1
Review
4
Ratings
8.12
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Metal: Crossover


Judge Death
04.04.2020 23:05

Die neue BODY COUNT! Auf die habe ich mich seit ihrer Ankündigung gefreut, hatte mich der Vorgänger "Bloodlust" doch komplett weggeblasen. "Bloodlust" war bis dato das diskographische Highlight der Band. Die Platte hat die hervorragende "Manslaughter" noch übertrumpft. Und "Manslaughter" konnte schon das kultige Debüt und die bessere "Born Dead" locker in die Tasche stecken. Jetzt ist natürlich die Frage, ob BODY COUNT die stetige Qualitätssteigerung fortsetzen konnten und mit "Carnivore" einen neuen Platzhirsch generiert haben.

Vorweg: Auffallend ist, dass BODY COUNTs Alben immer kürzer werden. "Carnivore" schafft es auf nicht ganz 36 Minuten (davon ca. 7 1/2 Minuten Covermaterial). "Bloodlust" schaffte es noch auf knapp 41 Minuten, "Manslaughter" auf 47. Kurz und knackig ist ja schön und gut, aber... was kann das Songmaterial?

Der Hörer wird mit dem Titelsong ins Album eingeführt. Der Track verbreitet direkt von Beginn an eine desolate Atmosphäre und transportiert einen direkt ins nächste verregnete Ghetto mit brennenden Mülltonnen und skimaskentragenden Schlägertrupps. Die Riffs sind stumpf und träge, aber effektiv. Deathige Growls tauchen neben Ice-Ts Rapgesang immer wieder punktuell auf. Ein gelungenes Solo lockert die Stimmung etwas auf bis das fiese Riffgestampfe weiter den Gehörgang zermalmt. Der zweite Track "Point The Finger" ist fixer unterwegs und bohrt sich mit hardcorigen und noch mehr thrashigen Momenten ins Hirn. Darauf folgt mit "Bum-Rush" eine der Albumhymnen. Der Metalpegel wird noch mal weiter aufgedreht. Lyrisch darf die Erwähnung des eigenen Bandnamens natürlich nicht fehlen. Kennt man ja, will man so. Mit "Ace Of Spades" folgt ein okayer MOTÖRHEAD-Coversong, welcher zu den eher schwächeren Coversongs von BODY COUNT gehört, vor allem im Vergleich zu "Raining Blood", "Institutionalized" oder "Hey Joe". Der Song stört jetzt nicht, aber vermisst hätte ich ihn nicht. Zumal er sich nicht so richtig ins thematische Gefüge einreihen will. Das war bei "Raining Blood/Postmortem" auf der Vorgängerscheibe noch ganz anders. Dafür geht's wieder top mit "Another Level" weiter, welcher einen sehr prägnanten, gesungenen Refrain aufweist und herrlich im Lowtempo vor sich hin groovt. Der Beitrag von HATEBREEDs Jamey Jasta zu dem Song fällt jedoch kaum auf. "Colors 2020" ist schon wieder ein Coversong. Der macht jedoch deutlich mehr Spaß als "Ace Of Spades" und passt besser ins Konzept. "No Remorse" schwingt danach auf einmal die... Deathcore-Keule? Abgesehen davon, dass Ice-T durchgehend rappt, ist das Ganze instrumental sehr deathcorig. Geil! Passend dazu flucht Ice-T instant und verwünscht seine Feinde. "When I'm Gone" bleibt rifftechnisch deep und heavy. Ice-T rappt aggressiv, wird aber wiederum durch Gastsängerin Amy Lee (das ist die Tante von EVANESCENCE) soft abgefangen. Das "Hart-aber-zart"-Prinzip steht dem Song gut zu Gesicht und ist für BODY COUNT als äußerst gelungenes Experiment anzusehen. Schneller, wütender und noch besser wird es mit "Thee Critical Beatdown". Eine leicht deathmetallische Note zieht sich durch das Riffing. Ice-T hat wohl viel Todesblei konsumiert bei den Aufnahmen der Platte. Geschadet hat es nicht, weiter so. Der Schlußtrack hört auf den Namen "The Hate Is Real" und ist einer meiner Lieblingsnummern des Albums, denn der Song atmet Slayer. Die Harmonien, das Gedresche... "South Of Heaven" in der Eistee-Edition. So muss das.

BODY COUNT haben mit "Carnivore" wie erhofft abgeliefert. Es existiert aktuell kaum eine andere Band, die diesen erfrischend nostalgischen Spät-90er/Früh-2000er-Charme versprüht. Wer heute Crossover respektive Rap Metal hören will, kommt an BODY COUNT nicht vorbei. Das liegt nicht nur an dem Umstand, dass sich heutzutage eigentlich niemand mehr traut diesen Sound zu bringen, sondern weil BODY COUNT auch so einfach mächtig sind. Und sie sind obendrein mehr Metal als andere Crossover-Kollegen, weitaus.

Das Werk reiht sich perfekt zwischen den letzten beiden Alben ein. Wortwörtlich. Dem Album fehlt zwar der eine Superhit, wie z. B. "This Is Why We Ride" von der "Bloodlust" und auch "Ace Of Spades" hätte nicht zwingend sein müssen, aber dafür ist das "Carnivore"-Album für mein Empfinden wiederum eingängiger als "Manslaughter" und überzeugt mich vor allem wegen seiner Experimente und dem Slo-Mo-Härtelevel. Also auch wenn das Album nicht an den Alphapimp "Bloodlust" heranreicht, so findet sich "Carnivore" für mich dennoch in der Vize-Position wieder. Das Album ist jetzt schon eins meiner persönlichen Musikhighlights in 2020. Nächstes Mal aber bitte wieder 40 Minuten plus, ja?

Punkte: 9 / 10


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