Kampfgelse

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Registriert seit: 01.03.2013

Zum Verkauf 6 Eingetragen 268
Bewertungen: 26 Reviews: 26
Genres: Blues, Country, Elektronische Musik, Jazz, Pop, Rap/Hip Hop, Reggae, Rock, Singer/Songwriter/Liedermacher, Soul/R&B, Soundtrack, World Music
Bewertungsverteilung von Kampfgelse
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Die letzten Bewertungen
8.5 für Roger Waters: Us + Them (2020) (20.03.2021 10:41)
10.0 für Björk: Medúlla (2004) (23.04.2020 17:16)
8.0 für Michael Kiwanuka: Kiwanuka (2019) (29.11.2019 10:52)
8.0 für Byrds, The: Mr. Tambourine Man (1965) (23.09.2018 12:44)
7.0 für Beatles, The: Rubber Soul (1966) (23.09.2018 11:44)
9.5 für David Gilmour: Live At Pompeii (2017) (08.01.2018 23:12)
7.0 für Muddy Waters: At Newport 1960 (1960) (08.04.2017 12:39)
7.0 für Cream: Disraeli Gears (1967) (08.04.2017 12:37)
8.0 für Soft Machine: Third (1970) (18.11.2016 15:39)
7.0 für Van Morrison: Astral Weeks (1968) (18.11.2016 15:36)
Insgesamt 26 Bewertungen vorhanden. Alle anzeigen
Die letzten Reviews

20.03.2021 10:41 - Roger Waters: Us + Them (2020)

8.5 / 10
Die rund 150 Konzerte umfassende Tour US & THEM, hat der ewige Misanthrop Platz, zahlreiche Konflikte unserer Zeit und nicht zuletzt seinem größten Intimfeind Donald Trump abzuarbeiten. Mit IS THIS THE LIFE WE REALLY WANT? hat Waters ein respektables Soloalbum abgeliefert. Doch bei der Songauswahl für diese Tour setzt Roger auf ein sicheres Pferd: Die Setlist besteht nahezu aus bekanntesten Songs der populärsten Phase von Pink Floyd. Immerhin scheint er für die erfolgreiche Phase der Band in den 1970ern treibende Kraft gewesen zu sein. TIME und WISH YOU WERE HERE fehlen hier genauso wenig wie das unvermeidliche ANOTHER BRICK IN THE WALL Pt.2, das hier erfreulicherweise in den seltener gehörten Part 3 mündet. Lediglich einige wenige Songs des neues Album haben es in den Mittelteil des Konzerts geschafft – den Rest seines Soloschaffens ignoriert Waters. Die Einbindung des neuen Materials gelingt hervorragend, die Abfolge der Songs wirkt organisch. Um dem alten Material die gewünschte Aktualität zu verleihen, bedarf es im Grunde nur wenig Aufwand. Songs wie MONEY sind in ihrer Botschaft ohnehin zeitlos, PIGS (THREE DIFFERENT ONES) wird in der Show mittels riesige Leinwände projizierter Trump-Zitate direkt auf den ungeliebten US-Präsidenten bezogen. Das und viele weitere aufwändige Inszenierungen, wie etwa der per Laser mitten im Zuschauerraum rekonstruierte ikonische Cover-Artwork von DARK SIDE OF THE MOON, bleiben allerdings allen vorbehalten, die sich auf einen Kauf der Vinyl-Ausgabe von US & THEM beschränken. Wo der parallel auf Blu-ray veröffentlichte Konzertfilm eine Reizüberflutung an audiovisuellem Bombast mit eindringlicher politischer Botschaft bietet, bleibt auf Vinyl lediglich die Musik. Und die bewegt sich im Verhältnis zur Bühnenshow in relativ konventionellen Gewässern. Meist halten sich Waters und seine Band eng an die bekannten Studioversionen. Deshalb, und weil in der Regel Publikumsgeräusche kaum hörbar sind, macht der Livemitschnitt gelegentlich einen etwas trockenen und sterilen Eindruck. Bisweilen macht es den Anschein, man hörte alternative, leicht modernisierte Studioversionen der Songs. Die sind immerhin tadellos eingespielt, denn Waters hat bei der Auswahl seiner Begleitband große Sorgfalt walten lassen. Besonders Leadgitarrist Dave Kilminster macht als Gilmour-Ersatz eine gute Figur und meistert mit seinen geschmackvollen Soloeinsätzen die Gratwanderung zwischen Werktreue und eigener Interpretation hervorragend. Als weniger gelungen erweist sich lediglich das Engagement des Sängers und Gitarristen Jonathan Wilson, der mit seiner schwachbrüstigen Interpretation von DOGS nicht annähernd an die Eindringlichkeit der Studiofassung von 1977 herankommt. Zwar ist Waters selbst auch nie für virtuosen Gesang bekannt gewesen, seine mal brüchige, mal aggressive Gesangsstimme hat aber auch mit über 70 Jahren nicht an Charakter verloren. Keine Frage: Die Konzerttournee US & THEM ist von Waters als Gesamtkunstwerk konzipiert worden, bei dem die zahlreichen Einspieler und aufwändigen Effekte einen ebenso hohen Stellenwert besitzen wie die Songs. Für alle, die die Musik jedoch weitgehend losgelöst von Waters‘ politischer Botschaft in zeitgemäßen, aber doch stets dem Original verpflichteten Interpretationen genießen wollen, stellt der Soundtrack zum Film eine lohnenswerte Ergänzung dar. Der bereits erwähnte, etwas sterile Livesound, bei dem Publikumsgeräusche stark in den Hintergrund gerückt sind, profitiert von einem sehr sorgfältigen und differenzierten Mix, bei dem alle Instrumente klar im Raum zu verorten sind. Lediglich der Karton der Hülle ist etwas zu dünn geraten, weshalb bei der Aufbewahrung hier besondere Vorsicht geboten ist, um Ringwear zu vermeiden. [Review lesen]

23.04.2020 17:16 - Björk: Medúlla (2004)

10.0 / 10
Mit ihrem Debüt und all dem Mythisch-Versponnenen und Avantgardistischen, dem man auf „Homogenic“ oder „Vespertine“ gelauscht hatte, hat Björk mit „Medulla“ nochmals eine Überraschung gesorgt, mit der nur wenige Leute gerechnet haben. Aber gerade hier, auf ihrem oft unterschlagenen fünften Album, zeigte sich Björks unbedingter Wille zur poetischen Form am deutlichsten. Denn was die Vokalkunst angeht, ist „Medulla“ das drastischste Expositions-Experiment, dass man sich vorstellen kann: Es besteht vollständig und ausschließlich aus menschlichen Stimmen. Zuallererst natürlich der von Björk: melodisches Summen und Lautmalen, Heulen und Ächzen, Knurren und hektisches Atmen. So nah und intim klingt sie hier, dass man manchmal das Gefühl hat, man könne das Vibrieren ihres Kehlkopfes spüren. Natürlich hat sich Björk auch allerlei anderer Stimmen ausgeliehen: Man hört klassische Choräle, Beatboxing, Oberton- und Inuit-Gesänge, Mike Patton brummt in „Where Is The Line“, Matmos und Mark Bell mischen die Samples bei. Am eindrücklichsten auf die Spitze treibt Björk dieses Stimmengewirr in „Ancestors“, dem Herzstück des Albums, das gar nicht mehr aus Sprache besteht, sondern nur noch aus wilden Lauten, rhythmischen Hecheln und Stöhnen. Heiß und stickig ist das, und flutet wie eine musikalische Ursuppe unser popkulturelles Bewusstsein – mitsamt den ganzen aderen Zivilisationsstufen: Religion, Patriotismus, Kultur, Politik. Überhaupt ist „Medulla“, entstanden under den Eindruck der paranoiden Post-9/11-Jahre, vielleicht Björks politischten Werk: „I need a shelter to build an altar away. From all Osamas and Bushes“, verteidigt sie in „Mouth Cradle“ die ursprünglichen Beziehungen der Menschen (hier die von Mutter und Kind) gegen eine feindliche Außenwelt. Vielmehr als eine Sammlung von Songs ist „Medulla“ eine Sammlung von Ideen – zu den großen und kleinen Zusammenhängen des Lebens. Ein intuitives, aber sorgfältig ausgearbeitetes Meisterstück, das nicht unmittelbar wirkt – dafür aber nachhaltig, welchen man als Slow-Burner bezeichnen kann. Interessant wäre ebenfalls einen Blick auf die Dokumentation zu werfen, welche die Produktion des Albums beschreibt. Diese kann man als DVD erwerben, oder schlicht auf YouTube anshen. [Review lesen]

29.11.2019 10:52 - Michael Kiwanuka: Kiwanuka (2019)

8.0 / 10
Er ist retro und steht dazu: Der 32-jährige, im Norden von London aufgewachsene Michael Kiwanuka kann im Grunde nur mit der Musik der Siebzigerjahre etwas anfangen. Die zeitgenössische Böllerästhetik des Dancefloor-Künstlers Labyrinth, der mit ihm arbeiten wollte, verschreckt ihn; für Rapper Chipmunk spielte er bei einigen Sessions Gitarre, konnte aber nicht wirklich an dessen Sounds andocken. Statt auf die in Großbritannien höchst populären Dizzee Rascal und Usher abzufahren, sprachen ihn einzig Siebzigerjahre-Helden wie Bill Withers, Donny Hathaway, Roberta Flack und Marvin Gaye wirklich an. Neben Bob Dylan, John Martyn und Led Zeppelin, wohlgemerkt. Inhaltlich ist Kiwanukas selbstbewusst „Kiwanuka“ betiteltes drittes Opus eine opulente Fortsetzung seines alten Songs „Black Man in a White World“. Er hat einen sehr würdigen, politisch unterfütterten Singzyklus entworfen, den er mit gesprochenen Interludien präsentiert. Das ist der Darreichungsform, die eins Marvin Gaye für sein epochales „What‘s Going on“ gewählt hat, sehr ähnlich. Produziert wurde das aktuelle Werk einmal mehr von Inflo und Danger Mouse. Ihre subtilen Arrangements erinnern an die besten Arbeiten von David Axelrod, der in den frühen Siebzigern die Musik von Lou Rawls, Cannonball Adderley und David McCallum veredelt hat.Ganz nach Axelrod-Sound, der übrigens exzessiv im Hip Hop gesampelt wurde, klingt das soulige „Living in Denial“. Es hypnotisiert geradezu mit seinen entrückten, halligen Bläsersätzen, seinem verträumten E-Piano-Groove und seinen introvertierten Beats. Wenn Kiwanuka „And You Try And Try Falling In And Out Of Love“ singt dann lehnt er sich an ein pointiertes Arrangement. Dieses bildet einen wunderbaren Kontrapunkt zum Vortrag des Sängers. Mit sehr viel Soul in der Stimme erzählt er von Situationen, die von emotionaler Indifferenz geprägt sind. So selbstbewusst hat Kiwanuka noch nie über Zweifel gesungen. Auch die Ballade „Piano Joint (This Kind Of Love)“ klingt wie ein zukünftiger Klassiker. Aufgenommen wurde sie in den New Yorker Electric Lady Studios, wo einst Stevie Wonder einige seiner bekanntesten Songs eingespielt hatte, vielleicht hatte das Kiwanukas Stimme ein besonderes Charisma verliehen? Für „I‘ve Been Dazed“ wurde ein Gospelchor engagiert, und um die Fühlung zum Transzendentalen besser nachvollziehbar zu machen, wurde gegen Ende eifrig die Hall-, Echo- und Delay-Taste bemüht. Am schwächsten finde ich das erste Stück, „You Ain‘t The Problem“, ein uneben gebautes, zu epigonales Lied, in dem sich Kiwanuka selbst Mut zusingt. Weit besser klingt er in einer Psychedelic-Soul-Nummer wie „My Hero“, bei der mittels unwiderstehlicher Melodie, quietschigen Riffs und wüsten Gitarrensolos hoher Liebreiz entzündet wird. Insgesamt ist dieses Album ein sogenannter Slowburner: seine Pracht zeigt sich mir erst nach einigen Hördurchgängen. Dann kam aber alles umso intensiver und bewusster über das Gehör in mein Gehirn. [Review lesen]

23.09.2018 12:44 - The Byrds: Mr. Tambourine Man (1965)

8.0 / 10
Bandleader Jim (später Roger) McGuinn liegt im Bezug auf die Tonhöhe etwa zwischen John Lennon und Bob Dylan. Als er diese Stimme mit den wunderschönen Backing Vocals von Gene Clark und David Crosby und dem klaren Sound seiner 12-saitigen Rickenbacker-Gitarre auf der Single „Mr. Tambourine Man“ kombinierte, waren die Byrds plötzlich die erste amerikanische Band, die künstlerisch und kommerziell den Beatles Konkurrenz machen konnte. Außerdem gaben sie Bob Dylan (dem Komponisten) seine erste internationale Nr. 1, was ihn dazu inspirierte, elektrisch zu spielen und den Folk-Rock zu starten. Das Album Mr. Tambourine Man, das auf dem Sound der Single aubaute, brachte drei weitere Dylan Covers, so auch den nächsten Hit „All I Really Want To Do“. Neu war das außerordentliche Talent des Songwriters Gene Clark. Er leistete seinen Beitrag mit echten Byrds-Rockern („I‘ll Feel A Whole Lot Better“, später gecovert von Tom Petty), und schrieb bei vier weiteren Tracks mit, wie bei den sanften, poetischen Liebesliedern „You Won‘t Have To Cry“ und „Here Without You“. Die Byrds hatten vom Folk gelernt: das großartige „Bells Of Rhymeney“ inspireirte die Beatles zu „If I Needed Someone“. Als dank an Jackie De Shannon coverten sie ihr „Don‘t Doubt Yourself, Babe“ mit einem Bo-Diddley-Beat; außerdem versuchten sie sich an Very Lynns „We‘ll Meet Agian“, vom Soundtrak zu Dr. Seltsam. Die fetzigen Gitarren und die beruhigenden Stimmen der Byrds haben die Zeit überdauert und zahlreiche Bands beeinflußt – The Pretenders, The Smiths, The Stone Roses, R.E.M. und Primal Scream, um nur einige wenige zu nennen. [Review lesen]

23.09.2018 11:44 - The Beatles: Rubber Soul (1966)

7.0 / 10
1964 lernten die Amerikaner die Beatles in Anzügen kennen (Meet The Beatles). Knapp zwei Jahre später kamen die Fans etwas näher an die echten Musike heran – Popstars mit lebhafter Fantasie und Kreativität. Noch viel später würden die Bandmitglieder – besonders Lennon – ihr Seelenleben offenlegen. Doch diese Plastikseele (engl.: Rubber Soul) ist wesentlich interessanter. Die FabFour injizierten der LP ein mystischer Flair. Auf dem psychedelischen Coverbild – mit Froschauge fotogragiert und gekippt montiert – macht die Band einen ziemlich bekifften Eindruck. Und zum ersten Mal wird auf einer LP für den amerikanischen Markt der Name der Band nicht erwähnt. Zu den schönsten Liedtexten gehört Lennons „Norwegian Wood (This Bird Has Flown)“. Wie McCartney „I‘m Looking Through You“ spielt auch dieser Song auf Turbulenzen im Privatleben an. Dagegen wirft „Nowhere Man“ den ganzen Liebesballast von Bord – bis dahin eine Rarität im Repertoire der Band. Das schnulzige „Michelle“ gleicht durch Lieblichkeit aus, was an Tiefe fehlt, während „Girl“ täuschend einfach ist („viel intelligenter als Dylans „Just Like A Woman“, schnaubte der Kritiker Greil Marcus zur damaligen Zeit). Auch musikalisch ist Rubber Soul“ ein Schritt nach vorn. Neu sind die Sitar und der verzerrte Baß. Zwar ist der Titel „Ob-La-Di, Ob-La-Da“ die größte Enttäuschung bei den Beatles. Trotzdem wird dieses Album der Beatles gerne übersehen. Das Album entält zwar keine Hits, doch für viele andere Bands der damaligne Zeit, wäre dieses Album ein echter Höhepunkt gewesen. Für mich persönlich ist dieses Album der Beatles das Erste, auf dem Weg der Band erwachsen zu werden. Die Tatsache, dass die Band hier begann exotische Instrumente zu verwenden und mit Verzerrungen zu Arbeiten, wird in den folgenden Alben der Band immer intensiver. [Review lesen]

08.01.2018 23:12 - David Gilmour: Live At Pompeii (2017)

9.5 / 10
Mit dem an historischer Stätte aufgenommenen "Live At Pompeji" legt David Gilmour ein Live-Dokument vor, das musikalisch, klanglich und gestalterisch überzeugt. 2016 tourte Gilmour mit seinem Soloalbum "Rattle That Lock". Für die Konzerte wurden keine riesigen Stadien ausgewählt, sondern „schöne Orte, die etwas zur Erhabenheit der Musik beitragen“ sollten. Der ungewöhnlichste Ort war sicher das Amphitheater von Pompeji, in dem zwei Konzerte vor je 3.000 Personen stattfanden. In mehrfacher Hinsicht auch der geschichtsträchtigste Ort, denn die Konzerte waren seit 79 nach Christus die ersten vor Publikum, und genau 45 Jahre zuvor wurde hier der Konzertfilm "Pink Floyd: Live At Pompeji" augenommen. Gilmour hatte für die Tour seine Band umgebildet. Deren Mitglieder sind beileibe keine Unbekannten und füllen ihre Rollen voll aus: Chester Kamen an der Gitarre, Guy Pratt am Bass, Chuck Leavell und Greg Phillinganes an den Keyboards, Steve DiStanislao am Schlagzeug sowie Joao Mello an den Blasinstrumenten. Und David Gilmour selbst? Ist mit 71 Jahren in Topform. Sicher und leidenschaftlich ist sein melodisches Spiel, die Gitarre singt, glitzert und röhrt. Stimmlich ist er zwar gealtert, doch die typischen Chrakteristika sind da, und die Töne sitzen. Nach dem Opener "5 A.M." folgen mehrere Stücke seines Soloalbums wie "Rattle That Lock" und "Faces Of Stone", die live deutlich dazu gewinnen. Das Publikum ist hier mutmaßlich wegen des Rahmens noch dezent eingeschüchtert, die Stimmung leicht gespenstisch, doch sie löst sich mit dem unerwarteten, etwas anders arrangierten "The Great Gig In The Sky". Gilmour erweist mit "A Boat Lies Waiting" Rick Wright seine Referenz und seine Erwähnung der Geister der Vergangenheit hallt noch bis "Shine On You Crazy Diamond" nach, schließlich ist Syd Barrett vor zehn Jahren verstorben. Die Reise geht über Klassiker wie ein emotionales "Wish you Were Here", "One Of These Days" und ein krachendes "Sorrow" weiter, bis sie mit "Time" und einem hervorragenden "Comfortably Numb" endet. Produktionstechnisch setzt das Set für ein modernes Live-Album Maßstäbe. Die Bühne ist breit, der Klang durchsichtig und knackig, ohne steril zu wirken. Die Instrumente gehen nicht unter, auch das live oft schwierige Schlagzeug wird gut eingefangen. Für das Publikum wurde eine schöne Balance gefunden, die die Atmosphäre verstärkt, aber nicht den musikalischen Genuss schmälert. Verteilt ist das Ganze auf vier LPs, deren plane Pressung der musikalischen Qualität keinesfalls nachsteht und die in gefütterten Innenhüllen und zwei Gatefold-Covern stecken. Zusammen mit einem 24-seitigen Booklet finden diese in einem hochwertigen Schuber Platz. [Review lesen]

08.04.2017 12:39 - Muddy Waters: At Newport 1960 (1960)

7.0 / 10
Muddy Waters gelang schon in den 1950ern Jahren der Sprung in die R&B-Charts mit Hits wie „Rollin And Tumblin“ und „Lousiana Blues“, doch erst 1960 stellte er sich – und den live gespielten Blues – dem große (weißen) Publikum vor. Als Chess Records am Ende des Jahrzehnts die Verkaufszahlen seiner Singles schwinden sah, beschloß man, das große Talent als Albumkünstler zu vermarkten. Also wurden 1960 Muddys Show auf dem Newport Jazz Festival mitgeschnitten. Als er an jenem Nachmittag auf die Bühne kam, wußte Waters genau so wenig von seinen weißen Zuhörern wie diese von seiner ländlichen Spielart des Chicago Boogie. Der gnadenlose Refrain von „Hoochie Coochie Man“ und das ungeschminkte Jammern von „Baby Please Don`t Go“ waren ein riesiger Kontrast zur kühlen Trompete eines Dizzy Gillespie. Doch Muddys mächtiger Bariton, die klagende Mundharmonika von James Cotton und das Kneippenklavier von Otis Spann sorgten dafür, daß zum Ende des Auftritts die jungen Leute in den Gängen zwischen den Stühlen tanzten. Auch wenn dieses Album nur den Augenblick festgehalten hätte, als der Live Blues in die feinen Vororte gelangte, wäre es noch nicht vergessen. Und selbst wenn das Album „nr“ junge Musiker wie Jimmy Page und Eric Clapton mit den urbanen Sound Amerikas bekannt gemacht hätte, wäre es ein Meilenstein. Doch 45 Jahre Erfolg von „Muddy Waters At Newport“ sind der Beweis für die magische Anziehungskraft von erstklassigem, ursprünglichem Blues. [Review lesen]

08.04.2017 12:37 - Cream: Disraeli Gears (1967)

7.0 / 10
Nach dem experimentierfreudigen Debütalbum „Frech Cream“ (1966) brachte das Jazz-Blues-Rock-Trio Cream „Disraeli Gears“ auf den Markt: ein Update mit den neuesten psychedelischen Tricks des Jahres 1967 (verfeinertes Gitarren Wah-Wah-Spiel und diverse Verzerrungstechniken) und künstlerischer Höhepunkt ihrer Karriere. Angesichts atemberaubender Fähigkeiten von Gitarrist Eric Clapton, Bassist/Sänger Jack Bruce und Schlagzeuger Peter „Ginger“ Baker tauchte zum ersten Mal die Bezeichnung „Supergroup“ auf. Mit diesem Album öffnete Cream die Türen zu verschiedenen musikalischen Genres der Zukunft, wie Jazz Fusion und progressiven Rock. Die grellbunte Colage auf der Plattenhülle paßte perfekt zur avantgardistischen Musik, angefangen mit dem bemerkenswerten, sparsamen „Strange Brew“, bei dem sich Bruces morbide Stimme von Claptons abruptem Gitarrenspiel abhebt. Es wird besser: „Sunshine Of Your Love“ (zusammen mit „White Room“ der bekannteste Song von Cream) inspirierte Claptons einzigen ernsthaften Kokurrenten der Zeit, Jimi Hendrix, der das Lied auf der Bühne in einen wahren Gitarrensturm verwandelte. Das glühende Gedicht „Tales of Brave Ulysses“ ist getränkt in Claptons fetzigen, blusige Gitarre. „Mother`s Lament“ verbeugt sich vor den Einflüssen der Musiker. Berühmt wurde Cream hauptsächlich auf der Bühne – und zwar zu Recht: auf der Bühne spielten sie wie von Robert Johnson und Charlie Parker besessen. „Disraeli Gears“ ist die beste Platte der Band, trotz der Qualitäten der anderen Alben. Es ist immer noch die lebendige Momentaufnahme einer einzigartigen Epoche. [Review lesen]

18.11.2016 15:39 - Soft Machine: Third (1970)

8.0 / 10
Soft Machines „Third“ wurde an vier Tagen eingespielt und zeigt eine große Band auf ihrem Höhepunkt – und gleichzeitig in totalem Aufruhr. Die anderen Musiker hatten genug von Robert Wyatts Gesang – während er nicht mit ihrem kompromißlosen Wunsch nach ernster, jazziger Musik anfangen konnte. „Moon in June“ ist das letzte echte Wyatt-Stück für Soft Machine, und es ist möglicherweise das Meisterwerk der Band, obwohl die anderen Bandmitglieder nicht allzu großen Gefallen daran fanden (auf dem Cover werden Wyatt am Baß und Orgel zugeschrieben, obwohl diese Instrumente sonst von Hugh Hopper und Mike Ratledge gespielt wurden). Das Stück verquickt alte Melodien der Soft Machine mit neuen Improvisationen, während Wyatt im Vordergrund humorvolle Selbstkritik betreibt. Eine andere Aufnahme des Songs auf den Peel Sessions ist respektloser und macht sich auch über Ratledge lustig. Ansonsten ist Hoppers „Facelift“ (in der kurzlebigen achtköpfigen Variante der Band) wahrscheinlich der anspruchsvollste, verwirrendste und amüsanteste Song. Radledges „Slightly All The Time“ enthält laut Information des Originalcovers ein 40 Sekunden-Snippet aus Hoppers „Noisette“ – viel Glück bei der Suche! Für das Innencover portraitierte Jürgen D. Ensthaler die Hauptmusiker dieser erstaunlich verkannten Band auf einem brillanten Foto. Sie sitzen gelangweilt und ohne Getränke in einem Hotelzimmer, und inmitten des verdreckten Teppichs, der gebratenen Würste und der Haare riecht man förmlich die Feindseligkeit im Raum. [Review lesen]

18.11.2016 15:36 - Van Morrison: Astral Weeks (1968)

7.0 / 10
Als der 23-jährige Van Morrison „Astral Weeks“ aufnahm, gab es für den jungen Iren nicht mehr viel zu beweisen. Der hatte bereits auf beiden Seiten des Atlantiks Hit-Singles mit seiner Gruppe THEM gelandet: „Gloria“ und „Brown Eyed Girl“. Deshalb erwartete die Welt etwas Besonderes, als er sich in New York mit ein paar talentierten Jazzmusikern zusammentat. Morrison hatte schon immer ein Faible für Jazz gehabt – obwohl man ihn zuerst als Folksänger, dann als Bluessänger einordnete – und auf „Astral Week“ ließ er die Neigung freien Lauf, da er hier die perfekte Ergänzung für seine komplexen Texte fand. Die LP wurde in zwei Tagen eingespielt, wobei Morrison den Musikern nur minimale Hinweise gab und sich wenig über die Texte und ihre Bedeutung äußerte. Stattdessen sang er Scat zu den größtenteils improvisierten Instrumentalstücken der Band. Nie waren Morrisons Texte schräger und poetischer gewesen. „Madame George“ ist ein sensibles Phantasiestück aus dem heimatlichen Belfast über einen gealterten Drag-Künstler, ausgemalt in den verschmierten Pastelltönen eines halbvergessenen Traums. Dagegen ist „Sweet Thing“ ein elektrisierendes Liebeslied – schon beim ersten Akkord läuft einen ein Schauer den Rücken hinunter. Eins muss man den künstlerfreundlichen Warner Brothers zugestehen: sie erkannten, dass Morrison besser für Alben als für schnelle Hits geeignet war und nahmen das schwache Echo der LP in Kauf. Damals und später erkannten viele Kritiker das Genie in Morrisons erstaunlichem Solo-Werk, und „Astral Week“ erscheint seitdem bei Umfragen nach den besten Alben regelmäßig auf den ersten Plätzen. [Review lesen]

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