Janeck

Janeck
Registriert seit: 12.11.2005

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Bewertungen: 238 Reviews: 155
Genres: Blues, Comedy, Country, Dark Wave/Gothic, Elektronische Musik, Hardcore, House, Hörspiel/Hörbuch, Jazz, Klassik, Metal, Musical, Pop, Punk, Rap/Hip Hop, Reggae, Rock, Schlager, Singer/Songwriter/Liedermacher, Ska, Sonstiges, Soul/R&B, Soundtrack, Volksmusik/Folklore, World Music
Bewertungsverteilung von Janeck
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Die letzten Bewertungen
9.0 für Damned, The: Black Album, The (1980) (21.12.2015 12:55)
8.0 für Pink Floyd: Final Cut, The (1983) (21.12.2015 10:49)
8.0 für Dystopia: Human = Garbage (1994) (21.12.2015 10:45)
8.0 für Suicide: Suicide (1977) (21.12.2015 10:40)
9.0 für Scott Walker: Drift, The (2006) (21.12.2015 10:36)
7.0 für Heather Nova: Siren (1998) (21.12.2015 10:28)
9.0 für King Crimson: Lizard (1970) (21.12.2015 10:24)
8.5 für Soft Machine: Third (1970) (21.12.2015 10:16)
6.5 für Wicked Lady: Axeman Cometh, The (1993) (21.12.2015 10:11)
8.0 für Waltari: So Fine! (1994) (21.12.2015 10:08)
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Die letzten Reviews

21.12.2015 10:49 - Pink Floyd: Final Cut, The (1983)

8.0 / 10
Warum dieses Werk so unbeachtet im Schaffen von PINK FLOYD geblieben ist, ist mir immer noch ein großes Rätsel. Nach dem für mich viel zu überheblichen und schlicht überladenden "The Wall", erschien mit "The Final Cut" vier Jahre später das vielleicht düsterste und traurigste Pink Floyd-Album. Erfrischend reduziert, leise und trotzdem epochal und mit zerbrechlichem Bombast, liefert Roger Waters ein kleines Wunderwerk der intimen Töne ab. Die Floyd-Musiker waren schon immer eher durchschnittliche Könner an ihren Instrumenten, hatten jedoch mit David Gilmour dafür einen der bedeutendsten und herausragendsten Gitarristen der bisherigen Rockgeschichte in der Band. Über "The Dark Side of the Moon", "Animals" und "Wish You Were Here" zu philosophieren, macht mir mittlerweile auch keinen Spaß mehr. Leute, die ich lieb haben soll, stehen auch zusätzlich noch auf das famose Debüt. Von 1968 - 1972 hat die Band auch eher merkwürdigen Kram veröffentlicht. Wenn man ehrlich ist, bekommt man aus diesem Zeitraum, wenn man die großen Songs zusammenschneidet, gerade so ein halbes Doppelalbum zusammen. Völlig egal. "The Final Cut" höre ich nur alleine, das möchte ich nicht mit anderen Menschen teilen. Gerade Waters, der eigentlich nicht viel besser singen kann als ein Knäckebrot, erschafft mit seiner intimen Stimme hier eine unglaublich bedrückende Stimmung. Das ist mir auch viel mehr Wert, als der Flächenbombast und die größenwahnsinnige Produktion des direkten Vorgängers. Waters schafft es mit seiner Stimme in mir irgendetwas anzusprechen; ich kann mich direkt in die Musik hineinversetzen, fühle mit und bin immer wieder schwer beeindruckt, wie Waters da seelisch in mich eindringt. Dass die übriggebliebenen Floyds Gilmour und Mason auf diesem reinen Waters-Werk eigentlich nur billiges Fachpersonal sind, macht dem Album überraschenderweise nichts aus. Es passiert wenig (dafür im Hintergrund viel interessantes), es ist ein schwermütiges und sehr monotones Werk, wenig Gilmour-Sound, ein kaum wahrnehmbarer Mason - dafür lauert Waters überall. "The Final Cut" besitzt sehr viel Text, kaum Bandsound und wenig laute Momente, dominiert von Pianoeinlagen, Geräuscheffekten und intensiven Texten. Waters war für mich schon immer der Ober-Floyd und hat extra nur für mich ein berauschendes Musikwerk mit emotionalem Tiefgang abgeliefert, bevor PINK FLOYD mit den beiden Nachfolgern für mich zu einer komplett anderen Band mutierten. Was man "The Final Cut" vorwerfen kann, ist die maximale Dominanz von Waters, aber dann bitte konsequent sein und "The Wall" gleich mit in die Puh-Ecke mitnehmen, und den für mich zu sehr nach Straßenstrich stinkenden 'Not now John' - da habe ich ständig weibliche Aerobic-Vorturner im Leoparden-Badeanzug mit vollem Achselhaar und verschwitzter Vollrippunterwäsche vor Augen (remember 'Young Lust' - lupenreiner Pornosoundtrack vom Vorgänger). So ein berauschend-emotionales Werk haben zuletzt vielleicht ANATHEMA Ende der 90er abgeliefert. [Review lesen]

21.12.2015 10:45 - Dystopia: Human = Garbage (1994)

8.0 / 10
Intensive Musik gibt es genügend, hässlicher und schmerzhafter intensiver Verstands-Terror hingegen ist eine musikalische Seltenheit. DYSTOPIA spielen ganz weit unten im menschlichen Abschaum mit, wenn es um lustvolle Schmerzen und zugefügtes Leid geht. Diese Zusammenstellung aus einer EP und zwei Split-Veröffentlichungen aus den Jahren 1992 und 1994 gehört zu den wirkungsvollsten Folterinstrumenten aus meinem Hobbykeller. Nebenbei bemerkt, geht der Preis für den wohl besten Titel eines Musikalbums an DYSTOPIA. Auf "Human = Garbage" gibt es keine Gnade, keinen einzigen hübschen Ton, keine noch so kleine Melodie oder "menschlichen" Gesang. Leidensharmonien aus den tiefsten menschlichen Abgründen, einmalig asozial eingespielt und von jedem Musiker verkörpert und gelebt, dabei hässlich und abstoßend wie es nur geht. Ohne doppelten Boden und nichts zum festklammern. Freier Fall. Ein ekelhaftes und stinkendes Gebräu aus kaum verdauter saurer Kotze aus der Nase, Sludge, heißem Eitergrog, Punk, undefinierbaren Rentner-Sekret-Ausscheidungen, Crust, tiefdunklem und extrem bitterem Ohrenschmalz und leicht unterschwelligem Grindcore mit fauligem Verwesungsduft. Im schleppenden Tempo wüten und hacken sich DYSTOPIA durch die grausamen Songs, die oft mit hochfantastischen Samples daherkommen und von verstörendem Kreischen, barbarischem Brüllen und bestialischen Selbstverstümmelungsschreien der verschiedenen Bandmitglieder zu endgültigen und brauchbaren Foltermethoden empor steigen. 'Stress Builds Character' pisst blutigen Urin auf alle BETHLEHEM-Veröffentlichungen. Dieser extrem rohe Songanfang mit diesem Bass voller Tristesse, diese todesnahe und hauchdünne Gitarre aus dem Totenreich und dann der einsetzende Todeskampf, welcher immer bedrohlicher und lauter wird und die Pulsader anschwellen lässt: "I am so tired. Sometimes I feel so tired. I can't eat, I can't sleep. So tired. The pressure builds and builds. Seems like theres no release. The things I see go unnoticed by some. Fills my eyes and heart. Anger and guilt and frustration. And depression makes waking up every day harder and harder. Where's my fitness to the world with my chance to survive. I got to get money so I can have a home. So I can breathe, eat and live in this society. I don't even like money, And I got to work everyday just to feed myself. God it makes me sick. I just wanna curl up into a hole and die in this. This isn't worth it. I need a raise man! I can't survive on this faith anymore. I can't live on this. I'm hungry. And I've had service, And I can't eat daddy. God I am the creator of hell. And I have seen all hell, And I have seen no arms, no limbs no brains. You don't care, you don't love me! I only love myself. No one will love me like I love thee." Wie ich damals geschwitzt habe, als ich den Song zum ersten mal gehört habe. Ich glaube, dieses Stück gehört zu den intensivsten Songs, die ich kenne. Depression auf höchster Perfektion eingefangen, pure Selbstzerstörung und musikalischer Suizid. Der zweite Teil des Songs ist dann konzentrierte seelische Grausamkeit. Es wird geschrien, Blut und Magensäure bis zum Zusammenbruch ausgespuckt, geschrotet und gewalzt bis die Gedärme zerquetscht sind und dabei alles vergewaltigt und gnadenlos geschändet wird, was Ohren hat. Mit 'Hands That Mold' gibt's dann feiste Snare-Action in einem schweinischen geilen Sound. Wie wunderbar schwer dieser Sound ist und dann wieder diese total abgefuckten Schreie und Textzeilen wie: "Industry fucks nature like some kind of whore". Jeder Song besitzt dieses Unbehagen, diese kranke Atmosphäre und abgrundtiefe Selbstzerstörungswünsche. Das Ding ist scharf und gefährlich, beinhaltet extrem verstörende Texte und ist in seiner Intensität wahrlich einzigartig und eigenartig. Ich höre das Ding eigentlich relativ selten, da es einem wirklich den Tag versauen kann, aber oberflächlich betrachtet, und das mache ich jetzt einfach mal, ist "Human = Garbage" wirklich abschreckender menschlicher Abfall in Ton gepresst. Doch, ja, ich liebe dieses Werk und die Texte ganz hart! [Review lesen]

21.12.2015 10:40 - Suicide: Suicide (1977)

8.0 / 10
Trübe Synthiewolken, klagende elektronische Beats, verkümmerte Harmonien mit einer LSD-Fahne und eine verzehrte fletschende Stimme mit nässenden Nervenenden. Auf dem 77er Debüt der beiden Musikgeschwüre Alan Vega und Martin Rev, geben sich katastrophale Songstrukturen mit tanzbaren und ungewöhnlichen Melodien die Hand. Dabei ist "Suicide" nicht eine Sekunde eine "Stimmungsbombe", sondern schon eher das komplette Gegenteil. Endzeitstimmung und Horrormilieu bilden das Grundkonzept der eigenartigen Musik. Dominiert vom Drumcomputer und Martin Revs stechenden und zynischen Keyboardfanfaren, schreit, flüstert, spricht und halluziniert sich Alan Vega mit seinem geisterhaften Gesang entfremdet durch sieben Prä Post Industrial Punk-Hymnen aus der Unterwelt. Das psychopathische Gewimmer und die übersteuerten Schreie von Vega erzeugen dabei einen lebhaften Besuch in der Drogenhölle, wobei Rev mit seinem Elektroniktheater einen neurotischen und eiskalten Klangschrecken inszeniert. Das Album ist für das Jahr 1977 unglaublich mutig, fortgeschritten, erschreckend und angenehm düster. Dabei wird das Album noch von einem eher eingängigen Hit wie 'Ghost Rider' eröffnet, in dem sich besonders die Keyboards durch den Sound fräsen, unterlegt vom treibenden Beat und Vegas drohender Stimme. Danach eröffnet das Album seine einzigartige Wirkung, seine stimmungsvolle kranke Atmosphäre und den bewusst stolzen Pioniergeist, der nicht nur die Musik bestimmt sondern auch in den ungewöhnlichen Texten zu finden ist. 'Frankie Teardrop', eine 10-minütige Nachthitze, ist der pulsierende Höhepunkt auf dem Album und gehört zu den wichtigsten Songs des ausgehenden Jahrzehnts. "Suicide" ist eines dieser wenigen Alben, die man als wirklich revolutionär, jahrzehntelang einflussreich, abenteuerlich und künstlerisch wertvoll ansehen muss, dabei aber nicht zu verkaterte und uncharismatische Musik enthält und sich bis heute seinen Charme aus Eigenartigkeit und Neugierde erhalten hat. Einfach, zugänglich und schön ist die Musik allerdings nicht - aber wer bitte will denn schon so etwas? [Review lesen]

21.12.2015 10:36 - Scott Walker: Drift, The (2006)

9.0 / 10
Was ist das dunkelste, verstörendste und düsterste, was ihr an Musik gehört habt? Genreunabhängig. Multipliziert das mit allen Dämonen, die in der Hölle leben und stellt euch vor, diese haben einen Musiker auf den Grund des Marianengrabens verbannt, der dort, ohne Hilfsmittel und Licht, in seinem Kopf ein musikalisches Abbild von Schwärze formt, welches die Menschheit vorher und bis heute noch nie gehört hat. Tote Babies fliegen mit heraushängenden winkenden Innereien durch die Luft. Oder stellt euch vor, solche Typen wie Fritz Haarmann, Andrej Tschikatilo, H. H. Holmes, Ed Gein, Karl Denke, John Wayne Gacy, Albert Fish, Nikolai Dzhurmongaliev und Jeffrey Dahmer haben sich zu einer Big Band zusammengetan, um ihre Hirnaktivitäten in die Form von Musik zu transformieren, die von Charles Manson dirigiert wird. Weinende Mülltonnen rollen durch menschenleere Gassen. "The Drift", meine Damen und Herren, ist das schwärzeste Stück Musik, was ein Mensch bisher erschaffen hat. Aber erst wenn Steckdose und Finger heiraten, ist das rohe Fleisch gar. "The Drift" geht weit über normale Musik hinaus, ist mir das einzig bekannte Album, welches völlig losgelöst in der Musikgeschichte nicht messbar ist, keine Vergleiche erlaubt und auch das einzige Werk, mit dem ich mich schon seit Jahren beschäftige und immer noch nicht begreife. Blutender Stuhl läuft stückig, sämig und unverdaut wie warmer Matsch den Oberschenkel herunter. Hatte ich auf dem nicht weniger seelenzerstörenden Angstalbum und Todesritt "Tilt" von 1995 doch noch Zugang gefunden, ist mir dieser auf "The Drift" immer noch nicht gestattet. Schmerzende Parodontose-Wut im Zahn legt empfindliche Nerven frei. Dabei ist "Tilt" schon ein Machtmonster unaussprechlicher Ängste und vielleicht sogar das größte und einzige beste Werk der 90er. Irrlichter werfen schwarze Schatten. Scott Walker, der bekannte Unbekannte, Visionär und Revolutionär und ehrfürchtig geschätzter und respektierter Künstler von allen musikalischen Größen, ist ein alleiniges und schwer zu begreifendes Genie, welches sich Hörgewohnheiten, Musikstrukturen, Rhythmus, Harmonien, Melodien und Klangvorstellungen entledigt und Musik als solche auf ein neues Level gehoben hat. Schwellkörper und Portio erkranken. Seine Vorstellung von Musik, kann man, wenn man mit normalen Vergleichsmustern vorgeht, noch nicht einmal als solche bezeichnen. Glühend heiße Nadeln unter den Fingernägeln beflügeln die Sinne. Man muss sich nur mal die Liste an Gastmusikern betrachten, was überhaupt an Instrumenten aufgefahren wird (Schweinehälfte-Drumming for the fucking win!), welche Breite an extravaganten Klängen auf dem Album herrschen. Aus meinen Körperöffnungen läuft eitrige Säure. Schmerzende Abgründe, vertont und von Scott Walker "grauenvoll" bejammert. Der Selbstverstümmelung untergeordnet und das pulsierende Blut ist längst verfault. Moderne Musik, zähe Kakophonie, herausfordernd und beängstigend abweisend. Gefangen in einer stinkenden Grube. "The Drift" ist schwer - schwer zu begreifen und schwer von seiner Außergewöhnlichkeit. Gebrochene Glieder lassen den Körper sarkastisch zusammenfallen. Scott Walkers Bariton-Stimme ist ätzend und nervenzehrend, verhindert schon mit dem opernhaften Opener 'Cossacks Are', dass man es mal mit der Musik "versucht". Applaus aus dem Irrenhaus. Ganz oder gar nicht. Blutstillende Schwellungen zerplatzen garstig. Die vollen 69 Minuten einen psychischen Untergang ertragen und hilflos in die Tiefe stürzen, begleitet von Ekel, Abneigung, Terror und Qualen. Von Musik vergewaltigt und durch die eigenen Ausscheidungen geschwängert. Lässt man sich allerdings darauf ein, erweitert seinen (musikalischen) Horizont und überlebt diese Architektur aus Schmerz und Angst, könnte man eine neue Ansicht auf Musik erfahren. Entfachte Seelenernte, gnadenlos und bizarr. Natürlich kann das auch bitter in den Feinripp kleckern, da es ja so "gewollt künstlerisch" klingt, eiskalt, abstoßend lustvoll und steril wie ein Spekulum und so ästhetisch wie ein medizinischer Abstrich. Die Falle schnappt zu, man ist befallen. Für mich jedoch ist "The Drift" nichts weiter als das mächtigste und finsterste Stück Musik des letzten Jahrzehnts, ein einsames Werk, welches sich von der Zerstörung und dem Verfall menschlicher Rationalität grausam ernährt. Der kichernde Darm platzt, leprakranke Würmer teilen sich. NEUROSIS, TOOL, TRIPTYKON, SWANS - alles Firlefanz! "The Drift" ist das vernichtende Echo einer Drogen-Überdosis, aphrodisierende Diarrhö, die unersättliche Entleerung des Mageninhaltes und eine grenzenlose brennende Blut-Sperma-Fontäne. Gebacken im Ofen der Unterwelt und mit dem Leichenwagen an die Oberfläche befördert "I'll punch a donkey in the streets of Galway." "Polish the fork, and stick the fork in him." [Review lesen]

21.12.2015 10:28 - Heather Nova: Siren (1998)

7.0 / 10
"Siren" ist das dritte Album und dürfte wohl auch das erfolgreichste Werk von Heather Nova sein. Schon der fantastische Vorgänger "Oyster" mit solchen großartigen Songs wie 'Maybe an Angel' oder 'Island', hat mich damals als pubertierender Jugendlicher schon sehr angemacht, konnte es aber nicht offiziell zugeben, da es sich damals nicht geziemt hat, dass man auch solche Musik gut findet, wenn man im The Triumph of Steel-Muscle-Shirt immer nur das Manowar-Zeichen mit seinen Kleinkind-Armen machte. Heute, 20 Jahre später, liest sich das natürlich unfreiwillig lächerlich. Richtig schön, und ich meine auch schön, wurde es aber erst mit dem dritten Album, welches vier Jahre später erschien. "Siren" ist nicht nur erdiger, sondern besitzt auch einen klasse Bandsound und ist rockiger als seine beiden Vorgänger. Auch die Produktion ist angenehm warm und voluminös. Hier zeichnet sich übrigens Martin Glover von KILLING JOKE und Jon Kelly verantwortlich. Was "Siren" neben dem typischen 90er-Sound so wunderbar macht, sind eigentlich die richtig gut komponierten Songs, die Heather hier geschrieben hat. Waren die beiden Vorgänger noch teilweise durchwachsen, kommt auf "Siren" das volle Talent von Nova zur Geltung. Knackige Rocksongs stehen neben melancholisch angehauchten Popsongs und unkitschigen Balladen in Reihe und Glied. Das Album wird zudem erstklassig eröffnet. 'London Rain (Nothing Heals Me Like You Do)' ist halt auch ein irre guter Opener für so eine Art von Pop-Rock-Musik, gefolgt von dem starken 'Blood of Me' und dem schönen 'Heart and Shoulder'. 'What a Feeling' ist dann eher ein Schmusesong, allerdings ein guter. Hier braucht es auch keine instrumentalen Höhepunkte, die Songs sind einprägsam und flüssig. Und Heather hat nebenbei noch bemerkt eine wunderhübsche Stimme, auf der die Songs aufbauen. Mit 'I'm the Girl' ist hier auch mein Lieblingssong von Heather auf dem Album, wozu ich immer mit eingeklemmtem Spatzelmann zwischen den Beinen den Buffalo Bill tanze. Musikalisch typische Sommermusik, kann man ohne große Konzentration genießen, passt eigentlich immer und ist weit entfernt von seelenloser Popmusik. Heather Nova ist eine äußerst talentierte Songwriterin mit einer tollen Stimme und mit Sinn und Verstand für gute Songs ausgestattet. Super Frau halt! [Review lesen]

21.12.2015 10:24 - King Crimson: Lizard (1970)

9.0 / 10
"Lizard" ist so ein typisches lieben oder hassen Album, ein wirklich fieser Psychoabgesang auf konventionelle Songstrukturen und eingängige Melodien. Ein wildes Biest mit Tollwut im Endstadium, gefährlich bekloppt und dem Hörer gegenüber komplett verschlossen. Mein Einstieg in das King Crimson-Universum erfolgte durch "Red" und "In The Court Of The Crimson King", später dann noch "Larks' Tongues In Aspic" und "Starless And Bible Black", bevor ich mich dann erstmal mit neuerem Material wie das härtere "The ConstruKction of Light", dem steril kalten und Standards setzenden Produktions-Overkill "The Power To Believe" oder mir dem göttlichen Live-Knaller "The Nightwatch", welches zwar 1997 veröffentlicht wurde aber Aufnahmen aus den 70ern enthielt, beschäftigte. Irgendwann habe ich mich dann an das viel diskutierte "Lizard" herangetraut und wurde komischerweise sofort gefangen genommen. Dabei war mir beim Erstkontakt ganz unwohl. Auf der einen Seite war ich total überwältigt von dieser völlig unwirklichen kranken Atmosphäre, die besonders in den beiden überkaputten Song 'Indoor Games' und dem fiesen Migräne-Soundtrack 'Happy Family' für ein komisches Gefühl sorgt, auf der anderen Seite stellte ich mir aber auch die Frage: was will mir Robert Fripp damit eigentlich sagen? Zum Glück wird "Lizard" von einem der besten 70er-Crimson-Songs eröffnet, sonst hätte sich die Geschichte/Beziehung zwischen mir und "Lizard" wahrscheinlich hoffnungslos in eine Fehldiagnose entwickelt. Und das würde ich heute echt bereuen, denn "Lizard" gehört mittlerweile zu meinen Lieblingsalben, wenn ich mal komplett in mich gehen möchte und die Denke abstelle. 'Cirkus', der besagte Opener in diesen Wahnsinn, baut sich schon fast ruhig schön auf, besitzt aber schon im Hintergrund den lauernden Sinnessturm, der sich mit einem knallharten Mellotron (übrigens ein wichtiges Markenzeichen der frühen King Crimson) rasiermesserscharf in den herrlich warmen Sound schneidet und die hässliche Fratze nach und nach an die Oberfläche dringt. Für mich ist 'Cirkus' eine der grandiosesten, einfallsreichsten, ehrfürchtigsten, wahnsinnigsten und zugleich unglaublich harmonisch-disharmonischsten Komposition, die man auf einem CRIMSON-Album finden kann. Dieses umwerfend düstere perlende Piano, Gordon Haskells eindringlicher Gesang mit seinen beängstigenden Ausbrüchen, der tolle Text, Fripps Gott-Akkorde an der Gitarre (Gänsehaut!), Andy McCulloch wirres Schlagzeugspiel (welches man in diesem Song noch am ehesten songorientiert nennen kann), dieses überragend schwebende leise Saxophon-Solo dazu die untermalenden Synthieklänge, dieser überperfekte Perfektionismus der Laut-Leise-Dynamik und der hämische verspottende Abschluss des Songs, gehören musikalisch für mich zu den ganz großen Momenten in meinem Lebenslauf als Musik-Fan. So wurde ich dann zum Glück doch fast schmerzfrei für KING CRIMSON-Verhältnisse behutsam in den Zauber von 'Lizard' hineingezogen. Das abschließende Epos 'Lizard' stellt mit seinen fast 25 Minuten die ambitionierteste Komposition im Schaffen von Robert Fripp und KING CRIMSON dar. Bombastisch, munter, fröhlich, Jon Anderson als Gastsänger in der Einführung, eine Trompete, eine Oboe, ein boleroartiger Moment für die Ewigkeit. Clint Eastwood winkt einem aus der ferne in seinem verstaubten Poncho zu, unmenschliche Himmelsmelodien, Monotonie, Jazz, Blues, Saxophon, Flöte, Klavier, wirres Schlagzeug, Posaunen, mellotrongeschwängerte Tristesse und frippeske ausufernde Arrangements und knallharte Umbrüche. Viele sagen ja dem Titelstück vom ebenfalls meisterhaften komponierten "Close to the Edge" der viel zugänglicheren und weitaus weniger anstrengenderen YES musikwissentschaftliche Größe nach - gegen 'Lizard' zerbröselt 'Close to the Edge' nicht nur als Einzelstück, sondern auch als Album betrachtet und kommt nicht mal ansatzweise gegen die Vielfalt, die beachtliche "Bösartigkeit" und die kompositorische Größe von 'Lizard' an. Vier Jahre später hat Robert Fripp dann mit 'Starless' ein ähnliches aber deutlich kürzeres, unkomplizierteres und kompakteres Meisterwerk komponiert, welches nicht nur aus meiner Sicht das Juwel im Schaffen von KING CRIMSON ist, sondern in meiner Welt zu den schönsten Momenten der gesamten Rockgeschichte gehört und wohl meine Grabeshymne wird. "Lizard" kling für mich wie ein vorbeifahrender Karneval aus einer Alptraumwelt, bestückt mit dämonischen Fratzen, entstellten Tierwesen, bösartigen Clowns, gruseligen Babies, entflohenen Psychopathen, garstigen Kobolden und Frauen mit echten Vollbärten. Alles verpackt in einem mehr als passenden surrealen Coverartwork. Übrigens: jede Wette, dass es TOOL niemals in dieser Art geben würde, wenn Robert Fripp kein einflussreicher Musiker geworden wäre. [Review lesen]

21.12.2015 10:16 - Soft Machine: Third (1970)

8.5 / 10
SOFT MACHINE, bin ich ja bekannterweise Extrembewunderer und Big Daddy-Fanboy von der Band, galten nicht nur als der vielleicht anspruchsvollste Musikhaufen zu dieser Zeit, sondern haben auch noch mit ihrem Drittwerk "Third" bereits 1970 das wohl komplexeste und unzugänglichste Werk des gesamten 70er Progressive Rocks auf die verlausten Hippies losgelassen. Angewidert und total überfordert, haben sie sich ihre Pillen zukünftig nur noch zu Mainstream-Prog wie YES, GENESIS, ELP oder JETHRO TULL eingeschmissen und weiterhin auf Busen in den Ferkel-Kommunen gespeichelt. Gab's also alles schon damals. 4 Werke (sind auch keine durchschnittlichen Songs an sich, wie es der Musikfaschist definiert), davon jedes einzelne nur ganz knapp unter der 20 Minuten-Marke, fordern nicht nur blinde Konzentration, sondern auch fast schon aussichtslose Willenskraft, um zu den wenigen Sportsfreunden zu gehören, die von sich behaupten können, dass "Third" mit seiner erschlagenden und folternden Methode so ziemlich alles in den Schatten stellt, was in der Hochzeit des Progressive Rocks als kompliziert, abgedreht, verschachtelt und schwierig bezeichnet wurde. Fast 45 Jahre später gehört "Third" immer noch zu den schwierigsten Brocken der Rockgeschichte und darf sich weiterhin mit dem ein Jahr zuvor erschienenen Partykiller "Trout Mask Replica", SCOTT WALKERs vertonte Geisteskrankheit und immer noch das finsterstes Werk der 00er Jahre "The Drift", CANs Kulturbeitrag aus Deutschland "Tago Mago", die französische Intimhaarentfernung mit Pinzette "Mekanïk Destruktïw Kommandöh" und meine persönliche unterwürfige Hassliebe "Lizard" im grausamen neurotischen Strudel der bizarren Schmerzen im Nervenzentrum des Hörers austoben und bleibende Schäden hinterlassen. "Third" gehört zu den Werken, wo ich nicht nur die ganze Zeit mit offenem Mund dasitze, sondern was auch für extremen Mundkäse sorgt. In seiner abschreckenden Art gehört dieses Werk für mich zu den besten Alben, die in den 70er Jahren veröffentlicht wurden und kann und darf auch nicht erklärt und auseinandergenommen werden. Musikalisch ist es sowieso so gut wie konkurrenzlos. Wer allerdings eine hohe Abneigung gegenüber dem Jazz hat, sollte einen großen Bogen um diese Band machen. Robert Wyatt, Schlagzeugmeister und Sänger, ist übrigens eine der zentralen und wichtigsten Figuren des 70er Progressive Rocks und hat später so überragend gute Solo-Werke wie "Rock Bottom", "Dondestan" oder "Cuckooland" veröffentlicht. [Review lesen]

21.12.2015 10:11 - Wicked Lady: Axeman Cometh, The (1993)

6.5 / 10
WICKED LADY, oder THE WICKED LADY, haben es nie zu einer offiziellen Veröffentlichung geschafft. Gegründet von Hells Angels Mitgliedern, hat diese wahrlich berüchtigte und so gut wie unbekannte Band so einiges an Prototypen rausgehauen, was in den 70ern unter dem Namen Hard Rock für Furore sorgen sollte und sogar einige Samen für den Doom Metal gepflanzt. Auf diesem vorliegenden "Zusammenschnitt", befinden sich die meisten Aufnahmen der Band, die man zusammen mit der 2-Spur-Maschine(!), auf denen die Songs enthalten waren, Anfang der 70er geklaut hatte. Zum Glück, denn was hier für Lo-fi-Raketen enthalten sind, ist blutiger und dreckiger Höhlen-Rock aus der Vorzeit. Für die damalige Zeit unglaublich barbarisch wütend, fies, schmerzhaft und brutal echt. Mit jedem versifften Gitarrenriff von Martin Weaver schmeckt man rauchigen Whiskey, atmet Marihuana-Wolken ein, wird durch das stupide Drumming förmlich vergewaltigt und durch den mitten im Raum stehenden Bass regelrecht zerdrückt. Ein Zeitdokument - authentische Musik aus Fleisch und Knochen. Dieser Live-Sound ist ein einziger blutiger Brei, in dem Gerüche von Gruppensex, Schweiß, Alkohol, kaltem Rauch und Schimmel aufsteigen. Zwischendurch immer wieder herrliche kleine Melodien, die aus dem Primaten-Chaos auszubrechen drohen, verträumte, psychedelische Gitarrenharmonien und ab und an sogar eine erschreckend gute Gesangslinie. Besonders bei den drei 10-Minuten-“Epen“ wie das schleichende und traumatisierte ’Life and Death’, das überragende Überhighlight ’Out of the Dark’ und das total vernebelte psychedelische Brachialstück ’Living on the Edge’ mit geilstem Gitarrenriff und Beckengeschepper. Aber auch solche treibenden und knackigen Songs wie der fantastische Opener ’Run the Night’, das etwas seichtere ’Rebel’ und 'Wicked Lady', ein lupenreiner Sex-Hit, bersten vor Energie. Eigentlich konnten WICKED LADY keine 2 Sekunden mit ihren Instrumenten umgehen, haben es aber trotzdem geschafft, dass dieses Werk für mich eines der geilsten Frühwerke des Hard Rocks ist und was weiß ich wie viele Größen beeinflusst hat. [Review lesen]

21.12.2015 10:08 - Waltari: So Fine! (1994)

8.0 / 10
"So Fine!" habe ich erst kürzlich für mich wiederentdeckt, gute 10 Jahre nicht mehr gehört und wie damals in den Neunzigern habe ich mich zappelnd und willig diesem Dopamin-Ansturm unterworfen. Wie gut das Album auch heute noch klingt; frisch, unverbraucht, mitreißend und glücklich machend - überzogene Dekadenz, verpackt in einer der für mich besten (Metal) Produktion, die in den 90ern realisiert wurde. Der Sound, entstanden unter Mikko Karmila und der Beihilfe von WALTARI selber, hebt sich nicht nur durch seine glasklare, druckvolle und ausbalancierte Feinheit ab, der zudem passend die Moderne und den einzigartigen und sehr schrägen Crossover-Charakter fantastisch betont, sondern ist eine dieser typischen Produktionen, die man wohl als zeitlos bezeichnet. Spontan fällt mir da nur noch "Angel Dust" von FAITH NO MORE als Vergleich ein. Im Grunde genommen ist "So Fine!" ein unberechenbarer Überraschungstrip, vollgestopft mit kreativen Ideen, genreübergreifenden Stilvermischungen und brachialer Rücksichtslosigkeit und degradiert eigentlich so jede progressive Schlagerkapelle, die in den Neunzigern Ekel erzeugten, zu Komapatienten. Auf "So Fine!" wird dies wie bei kaum einem anderen (Kunst)Werk aus dieser Zeit enthüllt und gnadenlos zur Schau gestellt. Sinnlich, frech, verspielt, neugierig, ballaststoffarm, funky, ohne Regeln und komplett fetzig - eben ein knallbunter musikalischer Kindergarten, wo der Fantasie keine Grenzen gesetzt werden. Mike Patton knattert der besoffenen Alten von 2 UNLIMITED auf einem Bravo-Meeting unter einer Überdosis Koffein den nächsten großen Dancefloor-Hit bis unter die Schädeldecke, rutscht wegen den vielen Rhythmuswechseln des Ficksoundtracks, für den sich VOIVOD verantwortlich zeichnen, aus Versehen in den Auspuff von Anita Doth, die explosionsartig kreischt wie am Spieß (lölchen), wobei Mike Patton erst dadurch zu seinem Lebenswerk FANTÔMAS inspiriert wurde, vorher noch das Gestörten-Monstrum "Disco Volante" veröffentlicht, wo er diesen Moment seelisch verarbeitet und noch Jahre später Shane Embury von NAPALM DEATH von diesem Erlebnis erzählt, wie Grindcore eigentlich wirklich funktioniert. Eine scheinbar kleine unbedeutende Geschichte, die aber scheinbar einige Wellen auslöste. Man könnte sich natürlich auch stundenlang auf den wohl geilsten Metal-Tanz-Hit der 90er stürzen, den Aufbau auseinandernehmen, den Refrain studieren, über den fantastischen (Jung)Frauenchor philosophieren und jede Ohrwurmmelodie bereitwillig folgen. Oder man bestaunt 'A Forest', eine der besten umgesetzten und mit eigenem Duft versehenen Coverversionen, die ich irgendwo auf einem Album gehört habe. Aber WALTARI können halt noch so viel mehr. Ob es völlig überzogene Comic-Lieder wie 'Piggy In The Middle' sind, Tanzflächenfüller wie 'To Give', Seilhüpfsongs wie 'Mad Boy' und 'The Beginning Song', die Psychoanalyse 'Autumn', mächtige Eurodance-Zitate wie 'Rhythm is a Cancer' oder das verstörende und abschreckende Abschlussmonster 'Mysterious', wo noch mal alles aus der Anstalt WALTARI aufgeboten wird - "So Fine!" gehört zu eines der wasserdichtesten, wichtigsten und befreiendsten Meisterwerken, was dem Heavy Metal in den 90er Jahren passiert ist. Gibt's heute solche Kreativkinder eigentlich noch in der "Szene"? [Review lesen]

21.12.2015 10:04 - Nirvana: Bleach (1989)

6.5 / 10
Gleich vorneweg: ich bin überhaupt kein NIRVANA-Fan, halte "Nevermind" für eines der arrogant überschätzten Musikwerke überhaupt und kann auch bis heute nicht verstehen, wie so ein Stümper wie Cobain es geschafft hat, dass er in einem Atemzug zusammen mit den Größen der Rockmusik genannt wird. Aber anstatt hier über ein belangloses Werk herzuziehen, wo doch wirklich schon jeder sein Maul dazu einschläfernd geöffnet hat, möchte ich lieber kurz und knapp auf das relativ unbekannte Debüt eingehen, weil es für mich halt auch das einzige NIRVANA-Album ist, dass in seiner urigen Eigenart schon fast als cool zu bezeichnen ist. Noch ohne David Grohl, stümpern sich Cobain, Novoselić und Channing durch 13 wahrhaft schlechte Amateur-Songs, die aber durch die jugendliche Energie, die übrigens von Produzent Jack Endino unverändert auf dem Album beibehalten wurde und nicht wie auf "Nevermind" von Butch Vig am Bügelbrett ohne Grund brav glatt- und kaputtgebügelt wurde, einen nicht wegzudiskutierenden Charme besitzen. Endino hat hier übrigens einen wirklich fantastischen Sound geschaffen, den ich gerne (öfter) mal in dieser Art bei anderen Bands hören würde. Ich bin aber auch hart Fan von diesem Sound. Vertonter Dreck, widerliche Direktheit, hässlicher Dilettantismus. Allerdings hatten SOUNDGARDEN ein Jahr zuvor schon mit "Ultramega OK" kleine Standards gesetzt, an denen bereits in einer besseren Welt NIRVANA immer hätten knabbern müssen, aber es kam halt wie immer ganz anders. Klammert man den ganzen aufgeblasenen Rummel aus, den "Nevermind" 1991 auslöste und ironischerweise den letzten großen "Star" der Musikgeschichte bis heute hervorgebracht hat, ist "Bleach" ein tolles kleines Underground-Werk, was in meiner diffusen Welt für seine Verhältnisse völlig super klingt. Straffer (Hard) Rock und ganz leichte Metal-Einflüsse ohne Sinn und Verstand, dafür mit Spaß und einer fast schon bewundernswerten Leichtsinnigkeit, werden auf "Bleach" unbekümmert ausgelebt. Hits sucht man vergeblich, genauso wenig findet man eingängige (Radio) Songs. Anspruch scheidet völlig aus. Ich habe mir mal in den 90ern den Spaß gemacht, dass ich einzelne Songs von "Bleach" in Anwesenheit "beinharter" "Nevermind"/Cobain-Fans auf Partys gespielt habe. Solche "Kracher" wie 'Scoff', 'Sifting', 'Negative Creep' und 'Paper Cuts' haben echt für unvergessliche Momente und Reaktionen gesorgt, als ich dann den Wunsch nach "spiel' doch mal was von NIRVANA!" erfüllte. Kannte natürlich kaum eine Sau und ich musste dann hinterher immer und ständig antworten: "habe ich doch schon gespielt (ihr bescheuerten Vollidioten)". Mehr fällt mir jetzt auch nicht zum Album ein, ist halt eigentlich auch schon eher unbedeutend, für mich aber nach wie vor das einzige Werk von Cobain, welches ich mir ohne Hirnschmerzen anhören kann und auch gute Laune dabei bekomme. [Review lesen]

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