marty-party

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Registriert seit: 05.11.2008

Zum Verkauf 0 Eingetragen 596
Bewertungen: 39 Reviews: 39
Genres: Pop, Rock, Singer/Songwriter/Liedermacher, Sonstiges, Soundtrack, Volksmusik/Folklore, World Music
Bewertungsverteilung von marty-party
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Die letzten Bewertungen
0.0 für Genesis: Last Domino?, The (2021) (05.10.2021 18:41)
8.0 für Kate Bush: Other Sides, The (2018) (08.03.2019 16:14)
8.0 für Mike Oldfield: Return To Ommadawn (2017) (20.01.2017 22:20)
6.5 für Peter Gabriel: II (1978) (07.01.2017 22:33)
8.0 für Peter Gabriel: Peter Gabriel (1977) (06.01.2017 23:23)
10.0 für öOoOoOoOoOo: Samen (2016) (05.01.2017 01:36)
6.5 für Phil Collins: Singles, The (2016) (16.10.2016 23:44)
10.0 für Big Big Train: Folklore (2016) (16.06.2016 20:12)
1.5 für Phil Collins: Both Sides (1993) (28.02.2016 22:45)
10.0 für Phil Collins: Hello, I Must Be Going! (1982) (28.02.2016 20:39)
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Die letzten Reviews

05.10.2021 18:41 - Genesis: Last Domino?, The (2021)

0.0 / 10
Huch! Was für eine merkwürdige Zusammenstellung?! Braucht man die? Hier eine Klarstellung: Ich habe schon eine Menge Rezensionen über diese Compilation gelesen und mich gewundert, dass es kaum einer gemerkt oder wenigsten für erwähnenswert befunden hat, dass das *natürlich* kein Best-of-Genesis ist. (Hier greife man besser zu "Turn It On Again" von 1999, oder der noch schöneren Tour-Edition desselben von 2007.) Vielmehr bildet diese Zusammenstellung --- ACHTUNG SPOILER!!! --- die Setlist der aktuellen (2021) Konzerte ab. Plus "Abacab". (Da war wohl noch Platz für.) Und "Jesus He Knows Me". (Musste auch mit drauf. War ja 'n Hit.) Dazu gibt es im Booklet - völlig gegensätzlich zum doch schon in die Jahre gekommenen Inhalt - aktuelle Tour- bzw. Proben-Fotos (der immerhin gleichsam in die Jahre gekommenen Band. Nic Collins sei hier mal ausgenommen). Das macht die Zusammenstellung nicht weniger merkwürdig, wohl aber nachvollziehbarer. Zur Frage: Braucht man die? Der eingefleischte Genesis-Fan definitiv nicht. (Es sei denn, er betrachtet das als Bild-Band mit Musik zum nebenbei hören. Dafür sind's aber dann doch zu wenige Fotos.) Vielleicht als Konzert-Souvenir? Auch das wohl eher nicht. Sind ja die bekannten Studio-Tracks. Die Zusammenstellung richtet sich wohl eher an den Genesis-Rookie, der mal wissen möchte, was die Jungs außer "Land of Confusion" und "I Can't Dance" noch so gemacht haben. Wer sich aber tatsächlich für die Musik von Genesis interessiert, der sollte wirklich zu den oben genannten Tonträgern greifen, oder zur "Platinum Collection", (auf keinen Fall "R-KIVE"! Finger weg von "R-KIVE"!!!) oder sich eben ein paar Genesis-Alben zulegen. Die sind alle gut. (...na ja... FAST alle.) Zum Inhalt: Auf "The Last Domino?" findet der Hörer alles, was er im Grunde irgendwann schon einmal im Radio gehört hat. Die Hits von "Invisible Touch" (dem Album) und "We Can't Dance", ein paar Gassenhauer, die tatsächlich als "Best-of" oder "Greatest Hits" durchgehen könnten ("Follow You Follow Me", "Turn It On Again") und ein paar von den älteren Stücken, teilweise aus der Gabriel-Phase, die mit drauf mussten, weil sie eben live gespielt werden ("Cinema Show", "The Lamb Lies Down On Broadway", "Dancing With The Moonlit Knight"). Und gerade die wirken auf der Zusammenstellung deplatziert. Bestes Beispiel: "The Lamb" zwischen "That's All" und "Throwing It All Away". Ergibt LIVE Sinn, auf dem Tonträger nicht. Wenigstens sind alle Titel ordentlich remastered worden. Klingt also alles sehr gut. Und die Musik ist sowieso über jeden Zweifel erhaben. Liefert das dem geneigten Fan den gesuchten Kaufanreiz? NÖ! Ich bleibe dabei: Merkwürdige Zusammenstellung! Brauch' ich nicht. [Nachtrag: Ich habe keine Punkte vergeben, weil ich wirklich nicht weiß, wie um alles in der Welt ich so etwas mit Punkten bewerten soll.] [Review lesen]

08.03.2019 16:14 - Kate Bush: Other Sides, The (2018)

8.0 / 10
Eine Compilation, die bei mir gemischte Gefühle hervorruft. Einerseits ist es natürlich schön, eine Hülle und Fülle an B-Seiten, mehr oder weniger rare Aufnahmen für Film-Soundtracks, Non-Album-Tracks, die hier und da schon auf diversen Veröffentlichungen aufgetaucht sind und - wer's mag - ein paar Extended Mixe aus den Achtzigern, in klanglich aufgepeppten Versionen präsentiert zu bekommen. Die Titel sind in drei Kategorien ein- und auf vier CDs aufgeteilt: CD #1 mit den besagten 12" Mixes überwiegend aus der "Hounds of Love"-Phase, CD #2 und #3 ("The Other Sides") mit B-Seiten, "Lyra" aus dem Soundtrack zu "Der Goldene Kompass" und erfreulicherweise "Walk Straight Down The Middle", das beim Remaster von "The Sensual World" (auf der Original-CD ein - m.E. sehr guter - Bonus-Track) wieder weggenommen wurde, und die beiden Titel von der '86er-Compilation "The Whole Story" ("Wuthering Heights (New Vocal)" und "Experiment IV") und CD #4 ("In Others' Words) mit Cover-Versionen, Folk-Traditionals (meist auch auf diversen Single-B-Seiten veröffentlicht) und das schon als Rarität durchgehende "Brazil" aus dem gleichnamigen Film. So weit, so gut! Da freut sich das Sammler-Herz. Um so mehr, da man sich die Anschaffung der meines Erachtens sehr teuren "Remasters II"-Box nun schenken kann. Denn ausschließlich diese vier CDs machen, denke ich, den Mehrwert dieses Box-Sets aus. Ich erachte es also überaus fair von den "Machern", dass man nun nicht mehr 75 Euro oder mehr für die CD-Box hinlegen muss, um an diese vermeintliche Raritäten-Sammlung heranzukommen. Und da kommt bei all dem freundlichen, warmen Licht auch schon der Schatten. Der Inhalt dieser vier CDs hätte bequem auf eine Doppel-CD gepasst. Natürlich sieht das Konzept eine vierfache Unterteilung vor und das ist auch okay so. Allerdings ist auf allen vier Tonträgern noch ordentlich Platz für - ich sag mal... aus Sicht des "Sammlers" - den ganzen Kram, der doch irgendwie fehlt. Wer die beiden "Extended Editions" aus dem "This Woman's Work"-Box Set besitzt - und die waren eine Zeit lang ja nicht so schwer als Einzel-CDs herzubekommen - findet auf "The Other Sides" nicht all zu viel Neues. (Natürlich abgesehen von den B-Seiten *nach* 1991, die Film-Songs und das sehr schöne "Mna Ná hÉireann". Bisher unveröffentlicht ist m.E. "Humming" und das obskure "Home for Christmas".) Andererseits sind auf den "Extended Editions" Titel enthalten, die hier weggelassen worden sind. Darüber, ob es sich um Essentielles handelt, kann natürlich gestritten werden. Mir fehlt hier aber wirklich Seltenes wie beispielsweise die Instrumental-Versionen von "The Sensual World" und "The Dreaming" ("Dreamtime") - um nur einige zu nennen. Außerdem gibt es auch einige sehr spannende Extended Versions von "The Red Shoes". Und: Wo sind Stücke von der '79er Live-EP? Ja, das ist Jammern auf sehr hohem Niveau. Aber genau solche Sachen hätten noch sehr gut auf die vier CDs gepasst. Und eben die fehlen mir persönlich in dieser Zusammenstellung. Schade! Fazit: das Licht überwiegt. "The Other Sides" ist eine sehr schöne Ergänzung zur "Remasters I"-Box. Die Auslassungen sind mir allerdings schon den Abzug einiger Punkte wert. [Review lesen]

20.01.2017 22:20 - Mike Oldfield: Return To Ommadawn (2017)

8.0 / 10
Puh, bin ich erleichtert! Kaum eine andere neue Veröffentlichung Oldfields habe ich mit dermaßen gemischten Gefühlen erwartet, wie 'Return To Ommadawn'. Der (mit Verlaub) grottenschlechte Vorgänger ('Man On The Rocks') war uns ja auch als der "nächste große Wurf" des Meisters angekündigt worden. Ein Rock-Album. Baaah! Und jetzt ein Sequel zu 'Ommadawn'... ich meine 'OMMADAWN'!!! Ein großer Name für ein Album. Die Messlatte liegt automatisch sehr, sehr hoch. Sorge ist also legitim. Auch, was von 'RTO' vor Veröffentlichung im Netz aufgetaucht ist, hat mich nicht gerade in ekstatische Vorfreude verfallen lassen. Inklusive das furchtbare Cover. Oha! Nach mehrmaligen Durchhören der zwei Zwanzigminüter sind meine Sorgen gründlich zerstreut. Musikalisch führt Oldfield seine Rückkehr zu Ommadawn auch durch die Neunzigerjahre. Teilweise erinnert die Musik an 'The Voyager' - der Eindruck drängt sich in der ersten Hälfte von Teil 1 immer wieder auf, ganz besonders aber in Teil 2. Auch 'Amarok' (für viele Fans der eigentliche legitime Nachfolger von 'Ommadawn') wird kurz zitiert. Ab und zu erinnert der Bass an den 'Tubular Bells'-Zitaten in 'Incantations'... ja, klingt vertrackt, isses aber auch. Und *natürlich* wird immer wieder das Urwerk 'Ommadawn' zitiert. Die betörenden Melodien des Originals und die mystische Stimmung gelingen dem Meister zwar nicht. Er kommt aber relativ nahe ran. Viele akustische Instrumente: Gitarre, Mandoline, Bouzouki, Penny-Whistles, Bodhran, afrikanische Handtrommel und ich glaube auch so etwas wie 'ne Harfe, dazu ein Keyboard-Teppich im Hintergrund und starke E-Gitarren - nicht ganz so geil, wie im Original (jeweils am Ende von Teil 1 und Teil 2) aber grundsolide. Ab und zu - vor allem gegen Ende von Pt.II - wirkt 'Return To Ommadawn' sogar ein wenig "unsauber" und "rauh". In diesen Momenten gewinnt die ansonsten sehr klare und präzise Produktion sogar ein bisschen von dem Charme der Frühwerke Mike Oldfield. Fazit: An das Original kommt 'RTO' bei Weitem nicht heran. Von den Melodien bleibt leider nicht viel hängen. Dem neuen Album fehlt der für Oldfield in den Siebzigern typische jugendliche Größenwahn. Vielmehr geht der inzwischen gealterte Komponist auf Nummer sicher. Immerhin hat er großmäulig einen Nachfolger für sein meiner Meinung nach bestes Werk angekündigt. Verzettelt hat er sich damit nicht im Geringsten. [Review lesen]

07.01.2017 22:33 - Peter Gabriel: II (1978)

6.5 / 10
Gabriels zweiter Wurf. Schwierig, schwierig. Der Ex-Genesis-Frontmann (ja, den Stempel kriegt er mit seinem zweiten Album noch einmal zurecht aufgedrückt, denn die Nähe seines Schaffens zu dem seiner ehemaligen Kollegen ist auf "II" - oder "Scratch" - noch sehr deutlich zu hören) ist noch immer auf der Suche nach der eigenen Identität - und er ist ihr schon einen großen Schritt näher, vergleicht man "Scratch" mit dem erst ein Jahr zuvor erschienenen Debut-Album. Wäre da nicht die überaus spröde Produktion! Ich kann dukeboris' Liebe zu diesem Album nachvollziehen. Bei mir hat es aber Jahre gedauert, bis sich ein gewisses Liebhaben eingestellt hat. Was mich bei der Platte schlichtweg nervt, ist Gabriels Gesang. Ich schätze seine Stimme sehr. Nicht aber auf diesem Album! Da hätte man sich schon mehr Mühe geben können, auch wenn damals alles sehr schnell gehen musste, beziehungsweise sollte. Abgesehen vom Gesang (bei fast allen Stücken) sind die (meisten) Songs auf dem Album kleine Meisterwerke; was vor allem seit dem Remastering Anfang dieses Jahrtausends deutlich hörbar ist. Alle Stücke haben eine unglaubliche Tiefe. Bereits auf diesem Album deutet sich an, was auf "Peter Gabriel 3" und "4" zum Manifest wird: bei jedem Hör-Durchlauf lässt sich Neues entdecken. Den Auftakt macht "On The Air", ein schneller Rock-Song, viel Gitarre, relativ simples Arrangement. Vergleiche mit "Modern Love" vom Debut und "And Through The Wire" vom nachfolgenden Album sind legitim. Ein Füller gleich zu Beginn? Oder versucht sich der Künstler der Punk-Bewegung dieser Jahre anzubiedern? (Das kam zu dieser Zeit ja häufiger vor.) Das Stück lässt mich als Hörer ein wenig ratlos zurück. Dann kommt "D.I,Y." Das "Solsbury Hill" des zweiten Albums - im 5/4-Takt. Knackig. Typisch Gabriel: an der Oberfläche ein simpler Pop-Song, bei genauerem Hinhören aber eine nicht einmal drei Minuten dauernde, vertrackte Perle. Der Gesang nervt hier dankenswerter Weise kaum. Trotzdem: vergleicht man "On The Air" und "D.I.Y." mit den Versionen auf "Plays Live" von 1983, lässt sich zumindest erahnen, was bei einer saubereren Produktion hätte herauskommen können. Man hätte Gabriel einfach den ganzen Scheiß solange einsingen lassen sollen, bis es gepasst hätte!!! (DAS hat sich aber erst Daniel Lanois acht Jahre später auf "So" getraut.) "Mother Of Violence". Da gebe ich dukeboris noch einmal Recht: das Stück hat enorme Lieblingssong-Qualitäten. Eine kleine, melancholische Piano/Gitarren-Ballade mit tiefsinnigem Text: "Angst ist die Mutter der Gewalt" - das Lied ist heute aktueller denn je. Und in diesem Fall ist Gabriels verhärmter, wehmütiger Gesang soger sehr passend. Der Song bekommt die volle Punktzahl! "A Wonderful Day In A One-Way World" ist schräg. Auch was das Arrangement anbelangt. Geprägt ist die Nummer von Levins hüpfenden Bass und McGinnis' Slide-Gitarre. Skurriler Text über den wochenendlichen Wahnsinn in einem Einkaufszentrum. Die LP-Seite A schließt das wunderschöne "White Shadow" - mittlerweile MEIN Favorit auf diesem Album. Das Stück ähnelt dem, was die ehemaligen Kollegen (vgl. Genesis "And Then There Were Three", Tony Banks "A Curious Feeling" und die ersten drei Hackett-Alben) so machen, meiner Meinung nach am meisten. "White Shadow" wirkt ein wenig "retro", bleibt aber ein typischer Gabriel-Song, was in erster Linie wohl am repetitiven Rhythmus festzumachen ist. Das Slide-Gitarren-Outro ist zum niederknien! (Und auch, wenn's nach Robert Fripp klingt, ist es doch Sid McGinnis.) Die B-Seite: "Indigo". Das hat Gabriel schon 1977 live gespielt. Damals noch mit improvisiertem Text. Sowas kennt der Fan auch von der "Back To Front Tour" 2014/15. Und wer sich "Deja Vu" von Hacketts "Genesis Revisited" genau anhört, der merkt, dass sich Gabriel mit den Harmonien von "Indigo" scheinbar schon einige Jahre herumgeschlagen hat. Eine melancholische Piano-Ballade mit tieftraurigem Text, der sich mit Alter und Tod auseinandersetzt. Sehr, sehr schön, und gesanglich gelungen. "Animal Magic". Ein Rocker. Der Gesang ist zum Kotzen!!! Auf diversen Bootlegs ist zu hören, was der Song hätte hergeben können - weil schlecht ist er nicht, er klingt nur beschissen! SKIP. (Schade.) "Exposure" - für mich lange Zeit das zentrale Stück des Albums. Experimentell. Eine Kooperation mit Robert Fripp. Der zweite 10-Punkte-Song auf dem Album. Alles ist perfekt: Marottas hypnotisches Drumming, Levins pumpender Bass, der Frippertronic- und Blockflöten-Teppich, und Gabriel singt zu wenig, als dass es nerven könnte. (Auf Fripps "Exposure"-Album beweist Terre Roche übrigens äußerst eindrucksvoll, wie sehr man dieses Stück auch zerkreischen kann.) Exposure hätte auch auf Gabriels drittes und bis dato experimentellstes Album gepasst. "Flotsam & Jetsam", wieder ein akustisches Kleinod. Enigmatischer Text, der musikalisch perfekt untermalt wird. Wieder mit Blockflöte und Slide-Gitarre. Eine weiteres unterschätztes Meisterwerk auf diesem Album. "Perspective" ist es nicht! Nach "On The Air" und "Animal Magic" Rocker Nummer 3. Tim Capellos Saxophon kann hier nichts retten. Der Song an sich ist als Füller gar nicht so schlecht. Aber hier ist Gabriels Gesang wieder die große Schwachstelle. SKIP. Geil ist indes Capellos Sax in "Home Sweet Home", das den Abschluss des Albums bildet. Vor allem an der Stelle, an der der Gesang ins Saxophon-Spiel übergeht. Ein absoluter Gänsehaut-Moment! Das Lied ist schön. Eine Ballade mit tod-traurigem Text. Junge lernt Mädchen kennen, schwängert Mädchen, landet schmerzvoll in der englischen Arbeiterklassenrealität, Mädchen springt mit gemeinsamem Kind aus dem Fenster, die Versicherung zahlt, Protagonist wird im Spielcasino reich... happy end? Mit Abstand Gabriels nachdenklichster, traurigster Song. Mittlerweile mag ich "Scratch" - leicht gemacht hat es es mir aber nicht. Auch der Meister selbst - so scheint's - hat sich Jahre lang davon distanziert. Bis "On The Air", "D.I.Y." und "Mother Of Violence" 2007 auf Drängen der Fans wieder ins Live-Repertoire gewandert sind. Aber immerhin geht ein großer Zauber von diesem Album aus. Ich empfehle: Kopfhörer auf und in die Musik abtauchen! Das ist bei dem Album durchaus möglich. Ich weiß nicht, wie die neue half-speed-gemasterte Vinyl-Ausgabe klingt, aber die remasterte CD von 2002 gibt unheimlich viel von der Qualität dieses Albums preis. Ach, hätte sich der Sänger doch schöner gesungen..... aber was soll's! Ich danke für die geschätzte Aufmerksamkeit! (Ja, das war viel Text, aber dieses Album ist es Wert!!!) [Review lesen]

06.01.2017 23:23 - Peter Gabriel: Peter Gabriel (1977)

8.0 / 10
Nach dem Ausstieg aus seiner Band Genesis ist Peter Gabriel 1976/77 auf der Suche. Dass er sich, wie er in einem offenen Brief anno '75 schreibt, aus dem Musikgeschäft zurückziehen und stattdessen Grünzeug züchten wolle, ist als Behauptung eh obsolet. Was der erste Quasi-Hit "Solsbury Hill" auch deutlich zu Tage fördert. "I was feeling part of the scenery, walked right out of the machinery..." Wer's glaubt! Der Mann hat Großes vor. Ein Musical ist gar in Planung, aber - heute kennt man das von Mr. Gabriel nur zu gut - bereits im Ansatz wieder verworfen. Außerdem steht der ehemalige Frontmann von Genesis davor eine Art neues Art-Pop-Genre zu entwerfen und sich vom "The Lamb Lies Down On Broadway"-Fiasko (aus damaliger Sicht) frei zu strampeln. Entsprechend bunt ist der Stilmix. Man mag in der Musik eine gewisse Unentschlossenheit erkennen können. Langeweile wegen zu wenig Abwechslung kommt aber keinesfalls auf. "Moribund The Burgermeister" ist der perfekte Opener. Das Stück erschließt sich nicht sofort, das liegt an dem auf Tiefe ausgerichteten Arrangement und am Sound des Stücks. "Moribund" klingt erst einmal... na ja, komisch im Sinne von merkwürdig... wenn man sich aber reinhört, dann zeigt bereits diese Nummer, Track 1 auf dem ersten Solo-Album Gabriels, wohin die Reise auf den folgenden Platten noch gehen wird. Und dann geht's los: "Solsbury Hill", der "Hit", noch heute Crowd-Pleaser bei Live-Konzerten, weil man den Song so schön mitklatschen kann - auf der Eins, dann kommt man bei dem zwischen 7/8 und 8/8 wechselnden Takt auch nicht durcheinander. Gabriel halt. Der war mal in 'ner Prog-Band! "Modern Love", meiner Meinung nach Füller Nummer 1 auf dem Album. Gabriel gibt den Rocker, will scheinbar dem 1977 übermächtigen Punk die Stirn bieten, gestaltet seinen Drei-Akkorde-Trick aber zu kompliziert. Außerdem erinnert gerade "Modern Love" noch gewaltig an "The Lamb", das er ja eigentlich hinter sich lassen wollte. Apropos "The Lamb": es folgt "Excuse Me", ein kleines Vaudeville-Stückchen mit Barbershop-Acapella-Intro, Banjo, Slide-Gitarre, Tuba-Solo und (gewollt) schrägen Gesang. Der Ausreißer im Schaffen des Mr. G? ...Weit gefehlt! Erinnern wir uns an "Counting Out Time" von "The Lamb Lies Down On Broadway"; das war ähnlich schräg. "Excuse Me" ist schräg, aber lustig, und spricht für den ober schon erwähnten Stil-Mix. Das wunderschöne "Humdrum" schließt die erste LP-Seite (früher mal), ein dreiteiliger, erst ruhiger E-Piano-Song mit Rumba-Zwischenspiel und bombastischem Abschluss. Der zweite große zukunftsweisende Song auf dem Album. Seite B, beziehungsweise der Rest der CD, beginnt mit "Slowburn", einem ebenfalls unentschlossenen Rock-Song. Schwurbeliger Art-Rock, der noch einmal an Gabriels Ex-Band erinnert. Schlecht ist die Nummer nicht, lässt den Hörer aber ein bisschen ratlos zurück. Vor allem die "Aaaaahs" a la Queen (sic!) überraschen. Dann folgt der Tiefpunkt des Albums: Gabriel macht auf Lounge-Pianist mit "Waiting For The Big One". Der Text ist geil, die Nummer leider aber zu langatmig. Da helfen auch die Bombast-Ausbrüche nach den Strophen nix. Der Abschluss der Platte ist wiederum grandios. Es folgt ein Double; zwei Stücke, die angeblich für das verworfene Musical ("Mozo" übrigens, was für ein bescheuerter Titel!) geschrieben wurden: "Down The Dolce Vita" und "Here Comes The Flood". Bei ersterem begleitet das London Symphony Orchestra die Band, was die Nummer entsprechend wuchtig daher kommen lässt. "Dolce Vita" ist ein komplexer Rock-Song, der ein bisschen auf dem Album untergeht. Ein Füller, ja, aber ein sehr starker. Und die perfekte Ein- beziehungsweise Überleitung zum krönenden Abschluss. "Here Comes The Flood", meiner Meinung nach neben "Moribund" und "Solsbury Hill" der beste Song auf der Platte. Im Grunde eine Piano-Ballade, die Gabriel später ja immer wieder mit extrem abgespeckten Arrangement zum Besten gibt, mit voluminösem Chorus und einer wuchtigen Coda, eine Art Gitarrensolo inklusive. Zusammen mit dem Endzeit-Text (am Ende ist alles zerstört, kaum einer mehr am Leben, alle Hoffnung dahin) eine der schönsten, wenn auch pathetischsten Gabriel-Songs aller Zeiten. Fazit: Peter Gabriel ist auf der Suche ...und haut uns auf seinem Debut-Album dabei mal alles um die Ohren, was er so drauf hat. Insgesamt ist's ein Rock-Album, das die Herkunft seines Schöpfers nicht leugnet und schon ahnen lässt, wo die Reise musikalisch einmal hingeht. (Noch mehr ahnen lässt übrigens das ungeliebte zweite Album - "Scatch".) Für die leicht überkandidelte Produktion zeigte sich Bob Ezrin verantwortlich, der später auch Pink Floyds "The Wall" fast bis zum Platzen aufblasen sollte. Aber ganz ehrlich: Ich mag überkandidelte Produktionen. Und dafür steht im Grunde auch der Name Gabriel (mit Ausnahme des ungeliebten zweiten Albums - "Scratch"). Und mit Tony Levin, Robert Fripp, Larry Fast, Alan Schwartzberg, Steve Hunter und all den anderen Musikern scharen sich wie gewohnt nur die Besten um Peter Gabriel. Ein (fast rundum) gelungenes Debut - zwischen Genesis und Gabriels späteren, eigenen Identität. Bewertung: 7,5 - den aufrundenden halben Punkt extra gebe ich, weil ich nichts von dem, was Peter Gabriel bis Ende der Neunzigerjahre veröffentlicht hat, nicht gut finden kann. Danke allen, die bis hierher gelesen haben, für die geschätzte Aufmerksamkeit! (Das waren fast fünfeinhalbtausend Zeichen. Ups!) [Review lesen]

05.01.2017 01:36 - öOoOoOoOoOo: Samen (2016)

10.0 / 10
öOoOoOoOoOo! Das klingt durch und durch nach einem Kunstprojekt. Und sieht auch so aus. öOoOoOoOoOo ist die bildliche Buchstaben-Darstellung einer Raupe, französisch: "Chenille" (oder wer es lieber auf englisch mag: "Caterpillar"). KUNST?! Yep! Wenn man das Cover der CD-Version (jede Menge nackte Menschen!) betrachtet und den dazugehörigen Text liest, dann soll die Musik auf dem Silberling wohl die Vertonung einer Installation bestehend aus - na ja - vielen nackten Menschen darstellen. KUNST!!!! Eine vertonte Ausstellung, also. Das mag erst einmal abschrecken. Intellektualistischer Scheiß!!! Weit gefehlt... Die Musik auf der CD ist bonbon-bunt. Irgendwo zwischen Metal, Art-Rock, Prog, Postrock (oder -Pop), etwas, das man gemeinhin als Crossover bezeichnen könnte, Jazz-Rock, Ambient und Zeuhl. Und nicht einmal unbedingt dazwischen, sondern schön von einer Stilrichtung in die andere hüpfend. Disco kann das Duo aus Frankreich auch. Die Musik ist wie eine Achterbahnfahrt, ein Feuerwerk der Stil-Mischung, sicher aber immer im Bereich Rock verhaftet. Im Sinne der Durchhörbarkeit sogar Pop. Tendenz Metal. Pop-Metal? Ja. das würde passen. Das Album, die Musik, das PROJEKT lebt aber vor allem durch den Gesang der liebreizenden Asphodel. Ihre Stimme changiert zwischen Sandra Nasic (Guano Apes), Sally Oldfield, Mike Patton (Faith No More/Mr. Bungle), Alwin Chipmunk, Oper und Kehlkopfgesang! Sie singt, schreit, growlt, miaut und schnurrt sich 45 Minuten lang durch diese Kunstinstallationsvertonung. Das klingt total spinnert, "Samen" (was für ein Name!) ist in sich aber schlüssig - vorausgesetzt man lässt sich auf diese stilistische Achterbahnfahrt ein. The Dear Hunter treffen auf Faith No More! Meine persönliche Entdeckung des Jahres 2016! [Review lesen]

16.10.2016 23:44 - Phil Collins: Singles, The (2016)

6.5 / 10
Von "The Singles" gibt es verschiedene Versionen: einmal die vom Inhalt her identischen Doppel-CD- bzw. 4fach-LP-Versionen und einmal die 3-CD-Version. In dieser Rezension befasse ich mich mit der mir vorliegenden 3-CD-Box. Zunächst zur Aufmachung: im Gegensatz zu den bisherigen Remasters der alten Collins-Alben kommen diese CDs nicht in einem schön gestalteten Foldout-Digipack daher, sondern in einem schnöden Doppel-CD-Jewelcase. Der Vorteil: die Silberlinge sind jedenfalls rundum sicher darin verstaut. Der Inhalt des Booklets beschränkt sich auf Promo-Fotos und die wesentlichen Angaben zu den einzelnen Songs. Tiefer gehende Sleeve-Notes? Fehlanzeige! Da hätte sich der geneigte Collins-Fan mehr gewünscht. Hintergründe, Chart-Positionen etc. Nix! Sehr schade! Aber wer liest im Internet-Zeitalter noch Sleeve-Notes? Auf den Inhalt der CDs kommt es an! Schließlich sammeln wir ja nicht nur Musik, sondern gelegentlich hören wir sie ja auch. ;) Nun also zu den Songs: Künstlerisch ist zu Collins Output ja schon einiges gesagt. Die Abfolge der Singles in der 3-CD-Version ist chronologisch, beginnt also mit "In The Air Tonight" und endet mit dem Mowtown-Cover "Going Back". Damit wird auch der mit den Jahren einhergehende Qualitätsverlust bei Collins' Output sehr gut dokumentiert. CD1 ist mit den Singles von "Face Value", "Hello, I Must Be Going" (ganze sechs!) und "No Jacket Required" die stärkste. CD2 enthält immerhin noch die ziemlich guten "But Seriously"-Singles und das noch starke "Dance Into The Light". Auf CD3 gibt's den Rest. Geschenkt! (Was aber nicht heißt, dass man mit dem Kauf der Doppel-CD besser beraten ist. Und als "Vinylist" würde ich mich sogar regelrecht ärgern. Dazu später mehr.) Nun weist aber auch die Zusammenstellung der Singles gewisse Schwächen auf. Zum Beispiel kommen alle "Singles" ausnahmslos in den Album-Versionen daher. Das mag nur Hardcore-Sammler und Nerds ärgern, für Collins-Fans, die im Grunde schon alles haben, wären die Single-Versionen vielleicht ein größerer Gewinn gewesen. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Wesentlich ärgerlicher ist schon das Auftauchen der Studio-Versionen von "Do You Remember?" und "Who Said I Would". Das war damals die Single zum "Serious Hits"-Album mit Live-Versionen von "DYR?" und "WSIW". Warum also die Studio-Versionen in der Zusammenstellung? Gerade "Who Said I Would" ergibt an der Stelle in der chronologischen Reihenfolge der Singles absolut keinen Sinn. Nun gibt es auf der Singles-Kollektion aber immerhin auch "Against All Odds" und andere bislang nicht in klanglich überarbeiteter Form erhältliche Titel ("True Colors" und die Film-Songs) remastered. Leider ist bei "Easy Lover" und bei den Tarzan-Songs auf das Remastering verzichtet worden. Gerade ersterem hätte eine klangliche Überarbeitung gut getan. Und für den Gesamtkontext ist das ein weiteres dickes Minus. Ich persönlich hätte mir auch den Remix von "In The Air Tonight" auf den CDs gewünscht. Immerhin hatte diese eigenständige Single 1988 auch einen veritablen Chart-Erfolg. Wäre also gerechtfertigt gewesen. (Die Sache mit den B-Seiten lasse ich mal besser ganz außen vor. Vielleicht kommt ja noch eine Veröffentlichung mit wirklich interessanten Raritäten - da hat man ja auch bei den Bonus-Tracks der Album-Neuauflagen ganz schön gegeizt.) Fazit: Insgesamt ist "The Singles" natürlich schon eine Anschaffung wert. Immerhin hat man hier (fast) ALLE Singles von einem der größten Popmusiker der Achtziger- und teilweise auch Neunzigerjahre vereint. Inklusive "I Don't Care Anymore" und "Thru These Walls" (meine persönlichen Collins-Favoriten). In der Zusammenstellung sind auch "Against All Odds" und die "Buster"-Songs (leider ohne "Big Noise"; war ja keine Single) enthalten. Das ist schön. Leider ist auch der Inhalt ähnlich wie die Verpackung sehr lieblos zusammengeschustert (siehe "Do You Remember?"/"Who Said I would"). Insgesamt überwiegen aber die Pros. Als Weihnachtsgeschenk für jemanden, der kein Phil Collins-Album besitzt, ist die 3-CD-Box perfekt. Und genau dafür - so scheint's - ist sie auch gemacht. Der Collins-Fan mag sich ärgern... ...vor allem, wenn er sich die 2-CD-Version oder gar die vier LPs zugelegt hat. Da fehlen nämlich einige echt gute Titel. Das mag vor allem die Vinyl-Connaisseure wurmen, denen viele der Singles abgehen werden. Als Hintergrund-Mucke für einen geselligen Spiele-Abend sind die CDs alle Male mehr als tauglich. Ab und an gibt's ein echtes Highlight - zumindest bei der 3-CD-Version (die dritte CD muss man ja nicht unbedingt in den Player geben), und immerhin hat man jetzt alle Singles beisammen (wenn auch in den Album-Versionen). Wer (so wie ich) an dieser Zusammenstellung herum meckert, tut das auf hohem Niveau. Und wer weiß? Vielleicht kommt ja noch eine Box mit den ganzen B-Seiten und interessanterem Rar-Kram. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, zieh mir nochmal "I Don't Care Anymore" und - ja, auch das! - "A Groovy Kind Of Love" rein und überlege mir, wem ich die Box unter den Weihnachtsbaum legen möchte. Und wünsche mir - Bitte! Bitte! - noch ein Remastering von einem der "Seriously Live"-Konzerte. [Review lesen]

16.06.2016 20:12 - Big Big Train: Folklore (2016)

10.0 / 10
Crossover Prog! Yep. Das isses. Jetzt haben sie's geschafft. Die großen Traditionsverwalter von Big Big Train. Neben Genesis, Yes und King Crimson höre ich jetzt auch Emerson Lake & Palmer und Jethro Tull mitklingen. Und natürlich Genesis... und Genesis. (Big Big Train coverten einst ja sogar den großartig unterbewerteten Anthony Phillips.) Und ich will verflucht sein, wenn mich "Winkie" nicht ganz gewaltig an "The Red Shoes" von KATE BUSH erinnert. Nur dass kein Missverständnis aufkommt: in dieser Melange an Einflüssen schaffen es Big Big Train tatsächlich noch so etwas wie 'Identität' zu bewahren. Das sind halt DIE, die den ganzen Retro-Artrock-Scheiß mal so richtig drauf haben. Longdon versucht abermals zu klingen wie Peter Gabriel, klingt aber eher wie (ein guter) Phil Collins. Teilweise kommt auch eine Mischung aus Steve Hogarth (Marillion) und Richie Havens raus... Auch nicht schlecht. Kurz um: ich mag seine Stimme. Und die Musik...? Macht Spaß! Big Big Train machen jetzt auf Folk. Mit Fiddle und so. Und das machen sie richtig gut. Sind jetzt zu acht. Die eingefleischte Prog-Community streitet sich gerade fröhlich, ob BBT tatsächlich noch Prog sind. Ist aber egal. Die Musik ist komplex, verschnörkelt, verspielt, bunt und nie wirklich langweilig... vorausgesetzt man macht nach "Brooklands" Schluss. Dann wirds für mein Empfinden ein Bisschen beliebig. Aber bis dahin: Musik zum Reintauchen. Wer oben genannte Bands und den ganzen restlichen Neo-Prog-Schlonz mag, der mir gerade nicht einfallen mag, der hier aber auch zitiert wird, der wird an "Folklore" seinen Spaß haben. Ich hadere noch mit mir, ob das Teil wirklich ein Zehn-Punkte-Album ist, bin aber nach mehrmaligen Hören noch sowas von begeistert und vergebe deshalb die zehn. Man könnte nörgeln, dass BBT einmal mehr nur wenig Originäres abliefern. Aber das, was sie abliefern, sind mir die Punkte allemal wert. (Kommt selten genug vor, dass eine CD wieder und wieder ihren Weg in den Player findet.) [Review lesen]

28.02.2016 22:45 - Phil Collins: Both Sides (1993)

1.5 / 10
Ui! Da ist der "Komplettist" mit mir durchgegangen. Fand das Album schon bei Erscheinen 1993 doof. Daran hat auch das Remastering nichts geändert. Gekauft hab ich's trotzdem. Und jetzt ärgere ich mich. Wusste ich doch, dass "Both Sides" nix ist. Aber der neue, peppigere Sound, die Live-Tracks, der so genannte "Bonus"! Nee, ist immer noch nix! Zunächst zum Album: Irgendwann Ende (oder vielleicht schon Mitte) der Achtzigerjahre sind Phil Collins die Ideen ausgegangen. Mit "But Seriously" (von 1989) hat er sich gerade noch mit Ach und Krach über diese Tatsache hinwegmogeln können. Bei "Both Sides" war Licht aber endgültig aus. Hinzu kommt, dass Collins sich in den Kopf gesetzt hatte, so vieles wie möglich auf diesem Album im Alleingang einzuspielen. Das und die karge Produktion verleihen dem Ganzen die Anmut einer besseren Demo-Aufnahme. Okay, es ist nicht alles Scheiße auf dem Album: Der Opener "Both Sides of the Story" hat was! Und wenn's nur die vertrackte Drum-Machine ist. Vergleicht man die Original-Studioaufnahme aber mit der zweiten Live-Aufnahme auf der Bonus-CD, dann verflacht auch diese Nummer zu einem ziemlich unspektakulären Collins-"Ditty". Und ich hatte schon immer ein Faible für das schwermütige "Can't Find My Way". Geht ein bisschen in Richtung "Long Long Way to Go" (vom '85er Album "No Jacket Required") reicht aber nicht im Entferntesten an dessen Klasse heran. Außerdem klemmte bei der Aufnahme ganz offensichtlich eine Taste von Collins' Keyboard. Man will ihm förmlich jedesmal, wenn er das Modulations-Rad betätigt, auf die Finger hauen. Klanglich lässt sich leider nicht behaupten, dass "Both Sides" durch das Remastering irgendetwas hinzugewonnen hat. Schade! Warum sollte man sich also das Album nochmal zulegen? Oder besser: Warum zum Geier habe ich mir die CD nochmal gekauft?!?!? Na, wegen der Bonus-Disc! "Da ist doch bestimmt was Interessantes drauf," dachte ich. Falsch! Auf der Bonus-CD befinden sich zwei vermeintliche Outtakes/B-Seiten: "Take Me With You" und "I've been Trying". Die hätten auch schon auf der Original-CD drauf sein können. Bewertung also: siehe oben! Des Weiteren kommen Demos von "Can't Find My Way", das der "Studio-Aufnahme" sehr ähnlich ist, (Bewertung: siehe oben!) und "Hero". (Gäääähn!) Ganz nett ist die Akustik-Live-Version von "Both Sides". Die hat ein bisschen mehr Schmackes als das Original, geht aber leider auch mehr in Richtung 08/15-Collins-Uptempo-Nummer a la "Dance Into the Light". (Bewertung: siehe oben!) Alle anderen Live-Tracks auf der Bonus-CD sind schlichtweg eine Frechheit! Der Klang hat allenfalls Bootleg-Qualität. Die Auswahl der Aufnahmen wirkt willkürlich. Insgesamt ist "Both Sides" - und insbesondere die Neuauflage von 2016 - eine Riesen-Enttäuschung. (Gut, wer das Album schon hat, weiß das. Und wer sich's trotzdem nochmal zulegt, ist selber schuld. Bin also scheinbar genau so doof wie das Album!) Der "Komplettist" in mir hat jedenfalls aus der Sache gelernt: "Dance Into the Light" wird er sich NICHT noch einmal kaufen. Denn DAS ist noch besch.....! [Review lesen]

28.02.2016 20:39 - Phil Collins: Hello, I Must Be Going! (1982)

10.0 / 10
Die Frage, welches wohl das beste Phil Collins-Album ist, sei hiermit beantwortet: Hello, I Must Be Going! Klar hat es kein "In the Air Tonight". Aber es hat "I Don't Care Anymore". Was für ein brachialer Opener! Reduziert auf ein geniales mehrfach überlagertes Drum-Pattern auf einem Keyboard/Bass-Pedal-Teppich, mit ein paar düsteren Gitarren-Sprengseln von Daryl Stuermer ...und natürlich Collins unfassbar starkem Gesang. Da ist die Trauer über die zerbrochene Ehe einer überbordenden Wut gewichen. Was bei "Face Value" teilweise noch arg weinerlich klang ist hier blanker Zorn! Und der zieht sich - vor allem textlich - durch das gesamte Album. "Hello..." ist Phil Collins' zweites und definitiv stärkeres Trennungs-Album. Ich schließe mich Slick an: auf der Platte ist nicht eine schlechte Nummer. Kein Füller weit und breit. Auf die einzelnen Stücke muss ich hier nicht mehr eingehen. Nochmals danke, Slick! Hier sei vielleicht noch zu erwähnen, dass noch ein weiteres von Collins wahrscheinlich stärksten Nummern auf diesem Album zu finden ist: "Thru these Walls". Und tatsächlich recycelt Collins auf diesem Track den legendären Schlagzeug-Auftakt von "In the Air Tonight" - weil das offenbar auch noch irgendwie auf dieses rundum gelungene Album drauf musste. So, und nun gibt es jene Platte als Remaster... mit Bonus-Tracks! Zum Remastering: Ich habe mich Monate lang vor Erscheinen der neuen CD-Ausgabe (mit neuem Cover-Shot) gefreut wie Bolle. "I Don't Care Anymore" und "Do You Know, Do You Care?" endlich wie schon "In the Air Tonight" in FETT! Yey! Und ich bin nicht enttäuscht worden. Der Sound kommt ziemlich transparent aus den Boxen. Insgesamt ist das 2016er Remaster etwas lauter als das CD-Mastering aus den - ich glaube - späten Achtzigern. Audiophile Nerds (no offence meant!) werden behaupten, dass die Dynamik durch das Anheben der Gesamtlautstärke etwas abflacht. Das ist für mein Empfinden aber kaum bis gar nicht wahrnehmbar. (Vielleicht ist es auch der Segen des Ü-Vierzigers, dessen schwächer werdendes Gehör das etwas wurschter ist, als noch vor 20 Jahren...) Jedenfalls klingt die Neu-Auflage ausgezeichnet. Gerade die Drums kommen klar rüber, auch den Bässen hat das Remastering - meine ich - sehr gut getan. Die Bonus-Tracks: gut, B-Seiten gibt's hier nicht. Die waren meines Erachtens bei Phil Collins auch immer eher verzichtbar. Das eine oder andere Kleinod aus dem Archiv wäre schon schön gewesen. Dafür gibt es Live-Aufnahmen. Und das nicht zu knapp. Anders als bei "Face Value" stammen die sogar zum größten Teil in etwa aus der Zeit der Veröffentlichung des Albums. Im Großen und Ganzen klingen die Aufnahmen auch sehr gut. Vor allem Schlagzeug und Bass kommen richtig satt aus den Boxen. Und auch auf der Bonus-CD ist es "I Don't Care Anymore", das einfach umhaut. Collins gibt alles und singt/schreit sich die Seele aus dem Leib. Wow! Die beiden Demos ganz am Ende sind nett - aber nicht essenziell. Das ist vielleicht der einzige kleine Kritikpunkt, wenn man den auf Teufel komm raus einen finden will: Anstelle der Demos wäre vielleicht doch der eine oder andere Outtake oder vielleicht 'ne B-Seite interessanter gewesen. Ich liebe dieses Album! Und nachdem es klanglich jetzt noch etwas aufgepeppter daherkommt, hat diese bereits in die Jahre gekommene Zuneigung noch einmal richtig Feuer bekommen. [Review lesen]

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