Hugin


Registriert seit: 25.02.2007

Zum Verkauf 0 Eingetragen 832
Bewertungen: 50 Reviews: 20
Genres: Hardcore, Metal, Punk, Rock
Bewertungsverteilung von Hugin
0.5 1 1.5 2 2.5 3 3.5 4 4.5 5 5.5 6 6.5 7 7.5 8 8.5 9 9.5 10
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9.5: 35% (7x)

10.0: 100% (20x)

Die letzten Bewertungen
9.0 für Demon: Cemetery Junction (2016) (30.10.2016 00:51)
10.0 für Isvind: Gud (2015) (23.06.2015 13:54)
10.0 für Enslaved: Vikingligr Veldi (1994) (09.04.2015 02:28)
10.0 für Enslaved: Frost (1994) (09.04.2015 02:28)
8.5 für Omen: Eternal Black Dawn (2003) (18.07.2014 01:21)
10.0 für Darkthrone: Soulside Journey (1991) (12.02.2014 22:38)
9.5 für Black Sabbath: 13 (2013) (15.06.2013 21:44)
8.5 für Manowar: Gods Of War (2007) (24.07.2012 17:17)
Insgesamt 50 Bewertungen vorhanden. Alle anzeigen
Die letzten Reviews

30.10.2016 00:51 - Demon: Cemetery Junction (2016)

9.0 / 10
DEMON war nie eine Band der großen Worte und des Brimboriums, und so darf es uns auch nicht wundern, dass die neue Scheibe auf leisen Sohlen doch recht überraschend auf dem Veröffentlichungsplan erscheint. Gut vier Jahre nach dem knackig-rauen Power-Rock-Hammer "Unbroken" steht nun also der Nachfolger "Cemetary Junction" an, und wir wollen mal hoffen, dass der Titel nicht prophetisch ist bzw. dass die Band in die richtige Richtung abbiegt. Die Scheibe in den Schacht geschoben und auf PLAY gedrückt, ist es dann jedoch schon direkt der Opener "Are You Just Like Me", der die Sorgenfalten auf der Stirn schnell glättet, bietet er doch bestes klassisches DEMON-Material, das hymnisch mit der typischen Mischung aus schlichter Eingängigkeit und gediegenem Bombast gleich das erste Highlight markiert und den Dämon von seiner breitwandigen, stadionrockigen Seite zeigt. Doch schon beim folgenden 'Life In Berlin' zeigt sich, dass "Cemetary Junction" sich ein wenig abwechslungsreicher präsentiert als der direkte Vorgänger, sticht es mit seinem sehr starken, progrockigen Keyboard-Einsatz doch deutlich heraus und präsentiert sich hymnisch, etwas elegisch, mit viel Bombast, und mit einem Hauch von QUEEN, so dass es mich ein wenig an das Dave-Hill-Soloalbum "Welcome To The Real World" erinnert. Schnörkellos, entspannt und gut gelaunt geht es dafür beim rockigen 'Turn On The Magic' zur Sache, bevor sich bei 'The Best Is Yet To Come' auch ein paar dunklere Soundelemente einschleichen, die durch die massigen Keys und den herrlich pumpenden Bass aber auf wundersame Weise trotzdem eine sehr positve, erhabene Atmosphäre zeichnen. Komplett zurückgelehnt und lounge-mäßig wird es im Einstieg zu 'The Queen Of Hollywood', das auch CHICAGO gut zu Gesicht stehen würde und mit seinen Piano- und Akustik-Parts auch eine andere Facette von DEMON beleuchtet, die nach "The Plague" und "British Standard Approved" nurmehr selten im Fokus stand und allenfalls beim umstrittenen "Spaced Out Monkey" nochmal deutlicher zum Vorschein trat. 'This Disguise' geht mit Fanfaren-Bombast der besten 'Blue Skies...'-Schule ein, entwickelt sich dann jedoch ebenfalls zu einem sehr entspannten balladesken Epiker der URIAH-HEEP-Schule mit einigen dramatischen Refrain-Einsätzen und warmen Hammond-Klängen. Doch ganz in verträumt-entrückten Welten verliert sich die Scheibe dann doch nicht, denn der Titelsong kommt wieder mit mehr Druck aus den Boxen, sorgt mit Glockenschlägen und Windbrausen auch mal wieder für eine etwas dunklere Atmosphäre und geht mit seiner Dynamik und dem großartigen Refrain nebst tollen Backing Vocals und großartigem Solo richtig in die Beine. Ungewöhnlich aber gleichsam gelungen wirkt auf mich dagegen 'Drive', dessen groovender Synth-Sound mich ein wenig an PRIESTs "Turbo" erinnert, das dabei aber auch ein paar feine Southern-Rock-Parts integriert. Die Samples, die flüsternden Vocals und das hörspielartige Erzählerflair machen auch 'Miracle' zu einem ganz besonderen Song, während 'Out Of Control' durch seinen recht anstrengenden Refrain einige dissonante Reibungsflächen bietet, die man von DEMON sonst kaum gewohnt ist. Wie sollen wir also nach dem Verklingen der abschließenden Neoprog-Spukschloss-Halbballade 'Someone's Watching You' das neue Werk im gesamten Schaffen DEMONs einordnen? Nun, das ist nicht ganz einfach, denn es greift ebenso die Elemente der ersten Prog-Phase der Band auf, wie es anderer Stelle die AOR-lastigeren Kompositionsweisen der "Heart Of Our Time"- und der Solo-Ära streift. Im Kontext der letzten Alben würde ich es gegenüber "Spaced Out Monkey" als klassischer und rockiger, gegenüber "Better The Devil You Know" als frischer und experimentierfreudiger, sowie kompositorisch zwingender ansehen, und gegenüber "Unbroken" als abwechslungsreicher, hintergründiger aber auch komplexer, weniger treibend und mit etwas geringerer Hitdichte. So kann am Ende für mich nur die Erkenntnis stehen, dass "Cemetary Junction" meinen Erwartungen vollauf gerecht wird und DEMON auch im 37. Jahr des Bestehens in bestechender Form präsentiert. Die Band ergeht sich eben nicht im Bedienen bewährter Standards, sondern sie lebt und sie entwickelt sich noch immer. Die Scheibe kann dabei das Hitfeuerwerk der ersten Handvoll Songs vielleicht nicht bis zum Ende durchhalten, und wird im letzten Drittel hier etwas gemächlicher und dort etwas vertrackter, aber dafür fesselt uns Dave Hill in jeder Sekunde durch seine herrlich warme, einfühlsame, emotionale Stimme, die dich einfach an der Hand nimmt und durch die bunte Welt der Band führt; und dazu kommt einmal mehr eine perfekte, geschmeidige Produktion, die zeigt, dass progressive Töne nicht immer kalt und technisch in Szene gesetzt werden müssen, sondern auch mit Wärme, Seele und einem feinen Gespür für die richtige Dramatik inszeniert werden können. Für DEMON-Fans aller Phasen ist daher auch "Cemetary Junktion" ein unverzichtbares Werk, auch wenn es eine Verneigung vor der eigenen NWoBHM-Vergangenheit ganz ausdrücklich nicht enthält. [ Erstveröffentlichung der Rezension: http://powermetal.de/review/review-Demon/Cemetery_Junction,29195,29165.html ] [Review lesen]

07.11.2015 12:29 - Darkthrone: Blaze In The Northern Sky, A (1992)

10.0 / 10
Ein Album wie eine Supernova! Heute ist "A Blaze In The Northern Sky" längst Kulturgut und die metallische Welt ist sich der musikhistorischen Bedeutung des Werkes wohl bewusst. Doch wollen wir versuchen, uns zurück in die frühen Neunziger zu versetzen, um wirklich erfassen zu können, mit welcher Urgewalt das zweite DARKTHRONE-Album an jenem 26.02.1992 die Szene traf. Wer die Norweger bereits vom Vorgänger "Soulside Journey" zu kennen glaubte, der wollte kaum ein Jahr später seinen Ohren ebensowenig trauen, wie die Bosse der Plattenfirma Peaceville; und wer bis dahin geglaubt hatte, dass mit dem gerade florierenden Death Metal die Extreme des Heavy Metal ausgelotet seien, der sah sich gezwungen, sein Weltbild neu zu justieren. Dem zwar bereits sehr finsteren, dabei aber auch sehr atmosphärischen, sauber produzierten und für das Peaceville-Label durchaus typischen Death Metal des Debütalbums stellte die Band aus Kolbotn bei Oslo eine Antithese gegenüber, mit der niemand gerechnet hatte, und die sogar das Label der Jungs seinerzeit für kommerziellen Selbstmord hielt. Wo einst der wuchtige und voluminöse Death Metal mit tiefen Growls herrschte, da wurde mit diesem Album und dem etwa zeitgleich erscheinenden BURZUM-Debüt des Kollegen Vikernes, eine gänzlich neue Ästhetik geboren, ein neues Klangbild, eine neue Ideologie und Attitüde. Zeitgemäße, moderne Stilelemente des extremen Metals wurden über Bord geworfen, die Band und in ihrem Gefolge ein weiter Kreis junger norwegischer Musiker besannen sich einer Ästhetik aus den Achtzigern; Corpsepaint, schwarze Lederkluft, Nieten und Patronengurte wurden wieder salonfähig, das drückende, wuchtige Klangbild des Death Metals wich einer klirrenden, höhenlastigen, dünnen Produktion; die Aura wurde eiskalt und finster, rasende und surrende Riffs zerschnitten die dichte Atmosphäre, heiserer, keifender, geisterhafter Gesang vertrieb die monströsen Growls der vergangenen Jahre, und die Vorbilder, auf welche man sich berief, waren plötzlich wieder von Teilen der Szene entweder vergessene, überwunden geglaubte oder nicht mehr ernst genommene Ikonen wie VENOM, CELTIC FROST, POSSESSED und vor allem das BATHORY-Frühwerk. In dieses Szenario also platzte völlig unverhofft "A Blaze In The Northern Sky", und der Name nimmt es vorweg: Das Album war eine Supernova. Es war die Geburtsstunde der zweiten, der großen, der eigentlichen Black-Metal-Welle und steht zusammen mit einer Handvoll weiterer stilprägender Werke Pate für einen Großteil dessen, was man heute ganz selbstverständlich als Black Metal bezeichnet. Schon das Intro zum Opener erzeugt die richtige Atmosphäre und machte seinerzeit unmissverständlich klar, dass uns hier etwas erwartete, was den Anspruch hatte, die Szene in ihren Grundfesten zu erschüttern. Gähnend und bedrohlich öffnen sich die Tore der Hölle, ein beschwörender Chor ruft die Dämonen hervor, und mit erstickender Stimme prophezeiht Nocturno Culto: "We are a blaze in the northern sky", bevor mit 'Kathaarian Life Code' das Inferno über uns hereinbricht und das Blut in den Adern gefrieren lässt. Heute ein unbestrittener Klassiker, damals ein Schock, ein Attentat. Nüchtern analysiert hören wir im beschwörenden Groove und den schleppenden Riffs massive HELLHAMMER-Einflüsse, in den klirrenden Passagen, im flirrenden Strumming und gefrierenden, übersteuerten Gitarrensound, sowie im hysterischen Gesang natürlich frühe BATHORY, doch in dieser kompromisslosen Form, in dieser bedrohlichen Konsequenz und in dieser stimmigen, allumfassenden Ästhetik der Finsternis war ein solches Werk seinerzeit unvergleichlich, ohne Vorbild, und es manifestierte einen totalitären Anspruch, die Welt verstören, ja niederreißen zu wollen. Schon damals, kaum merklich, war der Rock'n'Roll tief in DARKTHRONE verwurzelt, wie man sowohl am keltisch-frostigen Hauptriff von "In The Shadow Of The Horns" merkt, als auch an zahlreichen kleinen, unscheinbareren Facetten, etwa wenn Nocturno Culto zur Einleitung "Come on!" ruft, wenn sich die Gitarren archaischem Feedback hingeben, oder wenn sich das eine oder andere musikalisch-ästhetische VENOM-Zitat einschleicht. Gleichwohl ist es die pure Hölle, die hier rockt und ganz unverblümt den Anspruch erhebt, die Welt zu beherrschen: "In the shadow of the horns, only seen by the kings, of the dawn of the first millennium, upon the thrones...", diese Worte, endend in einem kurzen, majestätisch gezupften atmosphärischen Part machen klar, dass diese jungen Rebellen hier Geschichte schrieben. Ob sie sich dessen bewusst waren? Man mag es kaum glauben, und doch fühlt es sich genau so an! Obwohl "A Blaze In The Northern Sky" ein ästhetisch in sich geschlossenes Werk ist, so ist es doch abwechslungsreich und vielseitig. Die Death-Metal-Wurzeln schlagen noch am ehesten bei 'Paragon Belial' durch, das recht verschachelt und komplex aufgebaut ist, und das sich auch spielerisch weitaus weniger simplizistisch präsentiert als die meisten anderen Stücke des Albums. Die Riffs und Melodien geben sich kakophonisch, disharmonisch, immer wieder blitzen schräge Leads auf und fahren unter die Haut gehende, quälend lange stehen bleibende Dissonanzen einem Flak-Suchscheinwerfer gleich den Nachthimmel ab, eh sich in der perkussiven Coda die Spannung entlädt. Das folgende 'Where Cold Winds Blow' ist danach ein stilprägendes Werk für die heute als typisch nordisch geltende schwarzmetallische Raserei. Unfassbar schnell surren die Gitarren, das Schlagzeug blastet und scheppert, die hysterisch keifende Stimme Nocturno Cultos geifert wie ein Nazgul durch die Nacht und der Hörer wähnt sich umfangen von schwarzen Schwingen in einem Scheegestöber aus welchem es kein Entkommen gibt: Das musikalische Äquivalent eines Blizzards ist geboren! Doch damit nicht genug, denn es folgt das legendäre Titelstück, das nicht lediglich einer von etlichen Klassikern des Genres ist, sondern ein Lied, das zur Hymne einer musikalischen Revolution wurde, und das durch seine Dramatik und Kompromisslosigkeit ebenso wie durch seine bei allem musikalischem Extremismus überraschende Eingängigkeit und Prägnanz das leitende Motto einer Bewegung lieferte, wenn im epischen Part Nocturno Culto sein Credo proklamiert: "We are a blaze in the northern sky, the next thousand years are OURS", bis sich im letzten Wort die Stimme überschlägt und kollabiert. Wer wollte es ihnen nicht glauben? Wer? Eben, keiner, denn wenn die Scheibe kurz darauf mit 'The Pagan Winter' langsam zum Ende kommt, präsentiert uns DARKTHRONE doch tatsächlich auch noch den ersten Ansatz einer weiteren ästhetischen Grundzutat des schwarzen Stahls Skandinaviens, der damals noch kaum auffallen wollte, retrospektiv jedoch schon recht klar zu Tage tritt. Einige Riffs und Melodien des Songs zeichnen nämlich in all der Rohheit und Brachialität des Werkes bereits eine mystische Nordland-Romantik, die spätere Bands weiter ausbauen sollten. Der Rest ist Geschichte, mag man sich denken, wenn die Scheibe, wie sie begonnen hat, in atmosphärischem Dröhnen, mystischen "Agathos Daimon"-Rezitativen und stammelnd ersterbender Stimme verklingt. Letztlich war, ist und bleibt "A Blaze In The Northern Sky" nicht nur eines von vielen Referenzwerken der zweiten Black-Metal-Welle, sondern es ist mit dem eingangs erwähnten Begriff der Supernova tatsächlich treffend umschrieben. Es war 1992 wirklich dieser Lichtstreif am Nordhimmel, der eine ganze Szene gebar und mehr junge Bands inspirierte, als man sich dies vorstellen kann. Zu guter Letzt kann der Zweitling dieser einflussreichen Band jedoch auch als Manifest einer neuen Philosophie des musikalischen Extremismus im Heavy Metal betrachtet werden: Wo bis zu diesem Zeitpunkt die Bands ihren Metal zumeist dadurch extremer werden ließen, dass sie nach neuen Ufern und neuen Einflüssen suchten, da schuf die zweite Black-Metal-Welle das bis dahin nicht dagewesene Extrem, das sie war, als ein Kondensat des Alten anstelle eines Verschnitts aus Altem und Neuem. So ist für mich der Black Metal der zweite Welle zur letzten denkbaren Evolutionsstufe geworden, die der Metal aus sich selbst heraus gebären könnte, und "A Blaze In The Northern Sky" ist ein Fanal dieser Revolution, dem man mit zehn läppischen Punkten unter einer Rezension an sich nicht gerecht werden kann. Erstveröffentlichung der Rezension unter: http://powermetal.de/review/review-Darkthrone/A_Blaze_In_The_Northern_Sky,27235.html [Review lesen]

23.06.2015 13:54 - Isvind: Gud (2015)

10.0 / 10
Die dritte perfekte Scheibe, seit der Eiswind wieder weht. Bereits vor knapp zwei Jahren wehte der Eiswind mit dem bärenstarken Drittlingswerk "Daumyra" nicht nur mein Album des Jahres herbei, sondern dem frisch erweiterten Duo gelang damit auch noch ein Achtungserfolg mit Platz 8 in unserem Soundcheck. Dass nun der Nachfolger "Gud" sogar das Treppchen stürmt, obwohl der Verfasser dieser Zeilen gar nicht mitgewertet hat, das ist wahrlich ein starkes Stück. Waren die beiden Vorgänger "Daumyra" und "Intet Lever" noch Bürge für schnörkellosen und unaufgesetzten Nordlandstahl der alten Schule, wie ihn jüngere Bands eben kaum mal hinbekommen, da scheinen mir die seit den frühen Neunzigern aktiven Veteranen Goblin und Arak zusammen mit ihren Mitstreitern genau den richtigen Zeitpunkt erwischt zu haben, ISVIND stilistisch ein kleines bisschen zu öffnen, ohne sich dabei auch nur einen Hauch selbst zu verleugnen. So gut die beiden Vorgänger waren, so hätte doch sein können, dass ein drittes Album in Folge, das exakt in die selbe Kerbe schlägt, doch zu viel Stagnation birgt und vom einen oder anderen der Ideenlosigkeit bezichtigt würde. Aufbruch birgt indes immer auch ein Risiko, und ich kann mir gut vorstellen, dass der eine oder andere ISVIND-Fan sich erst einmal verwundert die Lauscher reibt, wenn bei der ersten Einfuhr der Opener 'Flommen' mit ätherischem, klarem Frauengesang anfängt, bevor ein mächtiges Doomriff einsteigt und in ein gezupftes Motiv übergeht, das alles zu dräuender, gemächlich und doch machtvoll anbrandender Perkussion. Ja, wie der Titel verheißt: Die Flut kommt, und wie schon auf dem Vorgänger gibt sich die Band auch hier teilweise sehr maritim. Als dann nach knapp zwei Minuten ein archaisches DARKTHRONE-Riff durch die Idylle schneidet, wissen wir, dass wir zu Hause sind. Der Effekt des Intros ist gelungen, doch die Band belässt es nicht dabei, Effekthascherei zu betreiben. Vielmehr darf Sängerin Hedda Rustad Carlsen im Opener auch in den harscheren Passagen eine gewichtige Rolle spielen und ihre Stimme als tollen, elegisch-sakralen Kontrapunkt zu Goblins Knurren aufbieten. Beim folgenden 'Ordet' sind die atmosphärischen Elemente deutlich reduziert, aber in Form einer kurzen cleanen männlichen Gesangspassage und eines Trompeteneinsatzes von Birgitte Glette durchaus vorhanden. Diese Farbtupfer fügen sich in die ansonsten sortenreine, harsche Nordlandraserei sehr gut ein, ist doch auch jene mit einem absolut untrüglichen Gespür für irrsinnig gute sinistre Melodien gesegnet. Mit 'Himmelen' bietet das Quartett sodann den ersten reinrassigen Uptempo-Song auf, bevor es bei 'Dåren' zunächst ebenfalls schnell, zudem aber auch recht rock'n'rollig zugeht und gegen Ende ein kurzer aber dafür mächtig ergreifender Einschub wieder ätherisch-schwebenden Gesang - dieses Mal von Jezebel Succubus - aufbietet. Eine neuerliches gezupftes Intro führt uns in den hart hackenden, in den Nacken gehenden Headbanger 'Tronen', der mit einigen tollen Gitarrenspielereien um die Ecke kommt, während 'Boken' sich über weite Strecken nach transsylvanischem Hunger anfühlt, bevor ein atmosphärisches Break auch in dieser klassischen Spielart neue spannende Momente generiert. Mit 'Giften' folgt das wohl schnellste Geschoss der Scheibe, das jedoch auch seinen groovenden Frost-Part aufbietet, wohingegen 'Hyrden' sich teils sehr episch und majestätisch, sowie auch wieder sehr melodisch und atmosphärisch präsentiert, aber auch brettharte, schnelle Passagen kennt, die spannenderweise gerade mit dem Sirenengesang kombiniert werden. Letztlich endet das Album mit 'Spiret' so grandios wie es begonnen hat, und vor dem inneren Auge zeichnen sich die Konturen einer Kirche ab, über einer gefrorenen Einöde umweht von Schneestürmen, durch welche einsam die Turmglocke schlägt, bevor der Turm in sich zusammenstürzt. Falls nun einer von euch auf die Idee kommen sollte, bei Frauengesang, Trompete und atmosphärischen Parts zu mutmaßen, dass der ISVIND-Sound verwässert worden sei: Ihr könntet weiter nicht daneben liegen! Nach wie vor zelebriert die Band ihren Stil in Vollendung, und nach wie vor steht der Eiswind für den traditionellen norwegischen Black Metal der Neunziger wie kaum eine zweite Band der alten Garde. Dennoch hatte die Kapelle den Mut, ihre Ausrichtung zaghaft aber doch merklich zu modernisieren, und dieses Experiment ist auf ganzer Linie gelungen. Die Recken aus Oslo haben es spielend geschafft, ihr Gericht mit neuer, etwas atmosphärischerer und geisterhafterer Würze zu bereiten, ohne dabei all die Markenzeichen zu vernachlässigen, für die sie geliebt werden. Daher bleibe ich dabei: Von ISVIND gibt es seit der Rückkehr der Band nur perfekte Alben, die so nahe an meiner Definition des norwegischen Black Metals sind, wie sie es nur sein können. Dass "Gud" damit ein ganz offensichtlicher Kandidat für meine Jahresbestenliste ist, das versteht sich in dem Fall dann quasi von selbst. Kurz zögerte ich, ob ich "Gud" die Bestnote ganz knapp verweigern müsste, allein deshalb, weil mich bis dahin kein einzelner Song so sehr aus den Socken gehauen hat wie auf dem Vorgänger 'Kast Loss' und 'Klabauterman'; doch davon abgesehen ist "Gud" sicherlich kein Deut schlechter als "Daumyra"; und dass speziell 'Flommen', 'Spiret' und 'Ordet' schon bald zu den genannten Hits aufschließen werden, das fühle ich schon jetzt mit jedem Durchlauf mehr. [ Dieses Review wurde erstveröffentlicht unter: http://powermetal.de/review/review-Isvind/Gud,26238,26179.html ] [Review lesen]

11.03.2014 00:59 - Darkthrone: Underground Resistance, The (2013)

9.5 / 10
Immer wieder reizen sie die Belastbarkeit der Fans aus und landen doch wieder neue Volltreffer. Wenn man mir in Sachen DARKTHRONE eines nicht nachsagen kann, dann ist das Objektivität. Daher möchte ich euch an dieser Stelle bitten, genau diese auch nicht von mir zu erwarten, wenn ich euch vom sechzehnten Album des norwegischen Duos berichte. Zweiundzwanzig Jahre des Fandaseins, in dem du alle Irrungen und Wirrungen mitgemacht und nachvollzogen hast, können dich ausgiebig prägen, und in diesem speziellen Fall ist es tatsächlich so, dass mich bisher keine Entwicklung und kein Stilbruch der Herren Nagell und Skjellum je aus der Bahn werfen konnte, wenngleich mir immer klar war, warum jedes einzelne Album der Band den Stoff für teils erbitterte Kontroversen bot. So ist die neue Scheibe "The Underground Resistance" auch durchaus wieder gut dafür, noch mehr Fans der legendären Black-Metal-Phase endgültig zu verprellen, als es seine vier Vorgänger eh schon getan haben. Doch hat ernsthaft jemand etwas anderes erwartet? Fenriz lässt seit Jahren keine Gelegenheit aus, zu betonen, dass ihn der rasend-klirrende und "wahrhaftige" Black Metal heute nicht mehr reizt, und dass er seine stilistische Heimat im rumpelnden, urigen Old-School-Metal der Achtziger gefunden hat. Genau das hört man dem neuen Album auch noch deutlicher an, als den schon entsprechend stark in diese Richtung schielenden Vorgängern seit 2006. Was Album Nr. 16 dennoch anders macht, ist, dass es sich inzwischen nicht mehr um Black Metal mit entsprechenden Achtziger-Einflüssen handelt, der hier und da einen reinrassigen Old-School-Song mit Fenriz am Mikro als Farbtupfer bereit hält, sondern mehr oder weniger um ein Split-Album, das zu fünfzig Prozent aus räudigem, stark von den Achtzigern beeinflusstem Black/Thrash oder Black/Doom besteht, dem Meister Skjellum seine Stimme leiht. Zur anderen Hälfte besteht es dafür aus reinrassigen Verneigungen vor all den obskuren Untergrundhelden, die vor dreißig Jahren die Metalszene speedig, doomig oder episch rumpelnd überfallen haben. Dass da der gute Fenriz die Stimmbänder quälen darf, ist Ehrensache, und wer sich an allerlei alte Helden von EXCITER und AGENT STEEL über MANILLA ROAD bis WITCHFINDER GENERAL erinnert fühlt, der hat das Konzept wohl verstanden. Der grimmige und tödlich ernste Schwarzheimer wird davon zutiefst angewidert sein, der Feingeist und Progomane wird DARKTHRONE demonstrativ belächeln, und der Achtziger-Underground-Fan wird sich - nicht minder tödlich ernst als der Schwarzheimer - fragen, ob die Herren das wirklich ernst meinen, oder ob sie nur alle und jeden verulken. Als unbelehrbarer DARKTHRONE-Maniac steht man ratlos dazwischen, versteht alle Perspektiven ganz gut, und findet es ... trotzdem toll! Zunächst einmal merkt man "The Underground Resistance" nämlich an, dass es längere Zeit hatte zu reifen, als all seine Vorgänger seit der Jahrtausendwende. Die Band hat sich spürbar intensiv mit dem Songwriting befasst und serviert uns sechs Stücke, die alle einen individuellen Charakter haben und die eben nicht nach DARKTHRONE-Standard klingen, sei jener auch noch so unterhaltsam. Auf der neuen Platte musste ich mir jeden Song erarbeiten, und das nicht, weil er komplex oder sperrig wäre (bizarre Vorstellung, oder?), sondern weil ich mich jedes mal von Neuem fragte, ob das denn eigentlich noch DARKTHRONE ist, was ich da gerade höre. Die Songs mit Gesang von Nocturno Culto und Fenriz wechseln sich ab, so dass allein dadurch ein ziemlich spannender Gesamteindruck entsteht. Dabei ist der flotte Opener 'Dead Early' gleich mal ein feiner Einstieg, der Nocturnos unverkennbar grollendes Organ perfekt in Szene setzt. Danach groovt sich mit Nachdruck und ordentlich Gas rockender Black/Thrash durchs Unterholz, der von völlig unverkennbaren Skjellum-Riffs getragen wird und doch frisch und unverbraucht klingt. Es folgt auf dem Fuße des Herrn Fenriz' erste Demonstration namens 'Valkyrie', die sich als epischer, doomiger Hymnus präsentiert, der auch ein bisschen cleanes Gezupfe, ein herrlich walzendes Ur-Doom-Riff und schrägen, beschwörenden Gesang der verschärften NWoBHM-Doom-Schule zu bieten hat. Auch hier wird das Tempo jedoch zwischenzeitlich deutlich angezogen, sodass wir insgesamt teils von Epic Metal und teils von Doom sprechen können. Während Teds 'Lesser Men' im Anschluss am ehesten auf die keltisch-frostige Phase der Band verweist, dafür aber einige abgedrehte Leads parat hält, die früher fehlten, knüpft Fenriz mit 'The Ones You Left Behind' genau dort an, wo er mit 'Circle The Wagons' aufgehört hat. Beide Protagonisten haben sich jedoch ihre jeweiligen Highlights für den Schluss aufgehoben, sodass uns erst einmal Ted meinen persönlichen Lieblingssong 'Come Warfare, The Entire Doom' entgegen schleudert, der mit Nachdruck schleppenden, tiefschwarzen Doom liefert, der mir das Herz aufgehen lässt. Ein herrliches Solo gleich am Anfang, und dann diese Gesangsdarbietung: ein teuflisch grimmiges Vergnügen! In die Nacht entlässt uns am Ende Fenriz mit dem Vierzehnminüter 'Leave No Cross Unturned', der einmal quer durch den US-Metal-Untergrund der Achtziger und durch die NWoBHM hoppelt und unterwegs mal AGENT STEEL, mal POSSESSED und mal AVENGER und BLITZKRIEG zitiert. Manchem Hörer ist das am Ende sicher zu lang und zu spärlich mit Abwechslung ausstaffiert, für mich macht jedoch gerade das zum Finale hin etwas perseverative Element den DARKTHRONE-Touch aus. Als Fazit bleibt selbst für mich als langjährigen nibelungentreuen Fan die Erkenntnis, dass die Band ihren Kredit bis zum absoluten Limit ausreizt, und letztlich nicht überrascht sein darf, wenn sie weitere (ex-)Fans verliert. Es wird den Jungs im Zweifel völlig egal sein, denn "The Underground Resistance" entfernt sich in der Tat ganz bewusst nochmal ein gutes Stück weiter von dem, was man bislang mit der Band assoziierte, als wir es je für möglich gehalten hätten. Auch mir persönlich wäre es zum Beispiel lieber gewesen, wenn die Fenriz-Songs die drei Farbtupfer geblieben wären, und das Material mit Nocturno Culto mehr Raum bekommen hätte. Nicht weil ich Fenriz' Stimme nicht mögen würde, sondern weil Teds Stimme eben so untrennbar mit DARKTHRONE verbunden ist, dass ich nicht genug davon kriegen kann. Doch bei allem Für und Wider bleibt für mich einmal mehr die Erkenntnis, dass ich auch diesen Schritt mitgehen kann und mitgegangen bin. So haben wir hier einfach sechs extrem lässige Hymnen, die sich rasch unauslöschbar ins Hirn eingraben, die man wunderbar mitgrölen kann und die von unverkennbaren Riffs und zwei absoluten Charismatikern als Frontmännern leben. Von Album zu Album lotet die Band neue Tiefen und Untiefen aus, immer wieder geht sie an die Grenze der Belastbarkeit ihrer Fans und stets ist das Ergebnis dann doch wieder ein Volltreffer für mich. Wer das nicht verstehen will, der soll es bleiben lassen. Rezension erstveröffentlicht für POWERMETAL.de: http://powermetal.de/review/review-Darkthrone/The_Underground_Resistance,21709,21634.html [Review lesen]

13.08.2011 02:09 - Cirith Ungol: Frost And Fire (1981)

10.0 / 10
Musik kann beeindrucken, begeistern, interessieren, faszinieren oder einfach Spaß machen. Doch richtig groß ist Musik dann, wenn ich die Scheibe auflege, die Nadel sich senkt und ich vom ersten Ton an fühle, dass ich zu Hause bin. Genau dieses Gefühl erzeugt bei mir keine andere Band in einer Weise wie CIRITH UNGOL. Diese von Pech und Schicksalsschlägen verfolgte Gruppe aus Kalifornien trat in den frühen Neunzigern in mein Leben. Die Band lag in ihren letzten Zügen, hatte just ihr viertes und letztes Studioalbum veröffentlicht, und ich war für bewegende Musik empfänglich wie nie zuvor. Vor grünen Himmeln hebt Elric den Sturmbringer gen Himmel, das weiße Haar weht im Wind, den Drachen an der Seite und Ruinen zu den Füßen. Michael Whelans unfassbar schöne Illustration zu Michael Moorcocks "Stormbringer" versetzt den Novizen in eine epische Laune, schon vor der erste Ton erklingt. Spannend und wild, erhaben und majestätisch ist schon der Anblick dieses Debüts. Da wird die Musik kaum zurück stehen. Doch beim ersten Mal, ja, an sich sogar die ersten Male schien mir fremd, was ich zu hören bekam, als "Frost And Fire" lief. Das Klangbild war alt und ungewohnt, der Gesang extrem, die instrumentalen Passagen lang. Trotz der gemeinsamen Liebe zur Epik und zur Fantasie so weit entfernt von dem, was der junge Metaller gewohnt war, von seinen Lieblingen von MANOWAR und HELLOWEEN. Das Album verschwand bald im Regal und geriet fast in Vergessenheit, wäre nicht das Abschiedsalbum "Paradise Lost" mit seinem gewohnteren Klangbild aus dem Stand zu einem Lieblingsalbum avanciert. So waren es das Bewusstsein, dass diese Band mich sehr bewegen kann, und die Faszination für das grandiose Artwork, die mich immer wieder zu diesem Album greifen ließen, bis es eines Tages passierte und mich der Blitz traf. Der Blitz in Gestalt von 'I'm Alive', das in gewisser Weise zum Soundtrack meines Lebens und zum Spiegel meiner Seele wurde. Ein Lied, das wie kein zweites reflektiert, was ich gerne wäre, wie ich mich fühle, wenn ich stark bin, aber auch wie ich mich fühle und wem ich gleiche, wenn es mir schlecht geht. Der Traum von Stärke, Willen, Freigeist und Streben - und die Angst vor Einsamkeit, Verlust, Verrat und Leiden. All das vereint und getragen vom Trotz, der uns aufrichtet und weiter schreiten, gehen, wanken und kriechen lässt. Traum und Sehnsucht getragen von den fliehenden, eskapistischen Leads und Soli des begnadeten und leider viel zu früh verstorbenen Jerry Fogle und der Trotz und die Beharrlichkeit explosiv hinausgeschrien von Tim Baker, einem Sänger, einem Shouter, wie es auf dieser Welt keinen zweiten gibt: "Ich lebe noch! Immer noch!" Doch ist "Frost And Fire" nicht nur 'I'm Alive', sondern ein Album voller Lieder, die mich heute fesseln, packen, mitreißen und nicht mehr loslassen. Zum Titelstück, dieser monumentalen Hymne an die bewahrenden und verzehrenden Elementarkräfte geht die Seele auf, zuckt die Faust, schlägt das Herz mit Michael Flint Vujeas pumpenden Basslinien und Robert Garvens wuchtigen Schlägen. Gerade, was der Bassist hier anstellt, ist in dieser Form völlig einzigartig. Die Seele schwebt mit Greg Lindstroms spacigen Synth-Einsprengseln und Jerrys herrlich verzerrten Flanger-Soli davon, über eine von den Elementen zerklüftete Urlandschaft und mag nicht mehr wiederkehren. Mit einem massiven Riff tritt 'A Little Fire' ins Rampenlicht und ist so viel mehr als der zunächst banal wirkende Titel suggeriert. Ich glaube nicht, dass die Angst vor und das Leiden unter der Einsamkeit je auf diese Weise vertont wurde. CIRITH UNGOL gelingt es auf dieser Scheibe mehrfach und hier besonders vortrefflich in ziemlich unglaublicher Weise aus negativen, zerstörerischen Erfahrungen, positive und - wie gesagt - trotzige Energie zu gewinnen und daraus wunderschöne Lieder zu schmieden, die aus all dem besungenen Dunkel der umgebenden Welt das Helle und Strahlende, nun gut, zumindest das Glimmende in uns selber in den unbenannten Fokus stellt. Das tief im psychedelischen Rock der Siebziger wurzelnde 'What Does It Take', das erneut von den Fogle-Leads und Flints tollen Bassklippen getragen wird, streut herrliche Space-Synthesizer und abgedrehte perkussive Momente ein und zeigt Tim Baker nachdenklich und im Refrain flankiert von den Backing Vocals Gregs und Robs. Im Anschluss steigt die Band in den nächsten Überflieger 'Edge Of A Knife' nach dem ersten Hauptriff gleich mit einem so unverschämt tollen Fogle-Solo ein, dass schon alles zu spät ist, bevor das Lied überhaupt erst den leicht punkigen und ebenso dezent gruftigen Charme entwickelt, der es so unverkennbar macht. Ach ja, und das berühmte "Uhh!" eines Tom G. Warrior dürfte hier auch eines seiner großen Vorbilder haben. Auch hier finde ich mich im Text wieder, wenn Tim mit den Zeilen "It seems I'm frustrated, when I should be satisfied, but as long as I'm frustrated, I know I'm still alive" in einen weiteren trotzigen Außenseiterbericht einsteigt. Wenn das Quintett mit einem kruden, das ganze Stück durchziehenden Bass/Drum-Pattern in 'Better Off Dead' einsteigt, gibt es ein weiteres Mal ein sehr eigenwilliges Stück mit einem wirren, ausufernden, sich ins Nirvana jammenden Solopart. Letztlich endet die Scheibe mit 'Maybe That's Why', einem Lied, das einen wunderschönen Text hat, der jedoch nicht gesungen wird. Hier geht es um Hoffnung, Treue und den Glauben an Liebe und Freundschaft. Doch warum bleibt Tim Baker stumm? Fehlt ihm der Glaube, fehlen ihm die Worte, oder meint die Band, dass hier die Musik mehr sagt als die Worte? "Wish I could say what I really feel, but I know you need more than words." - Damit ist es eigentlich auch gesagt: Versinkt in diesem Stück, denn ein schöneres Instrumental wurde nie geschrieben. Doch genug der beschreibenden Worte. Wenn ihr bis hier her gelesen habt, dann wisst ihr, wie viel mir diese Scheibe bedeutet. All die lobenden Worte werden ihr kaum gerecht. Schnöde in einen Satz gepresst: Jedes Album dieser Band strahlt heller als alles andere, und alle ihre Alben strahlen gleich hell im eigenen Glanze, doch diese Scheibe wärmt am meisten. [ erstmals veröffentlicht unter: http://powermetal.de/review/review-Cirith_Ungol/Frost_And_Fire,18832.html ] [Review lesen]

27.09.2010 16:50 - Atlantean Kodex: Golden Bough, The (2010)

10.0 / 10
Ein Album voller ehrlicher Überzeugungskraft, das dereinst mit Sicherheit als zeitloses Werk gelten wird. Wo die Zeit flieht und die Schwemme der Neuheiten uns die Muße zum Hören nimmt, da sehnen wir uns nach einem musikalischen Moment des Verharrens, nach Alben, die uns beim ersten Hören befehlen, uns in sie zu versenken, sie aufzusaugen, sie zu ergründen. Es sind die Alben, die uns in der Zeit des Überflusses und der Oberflächlichkeit aus dem schnöden Muster des Hineinhörens, Abnickens und Abhakens herausreißen, weil sie mehr zu sagen haben als die redlichen Arbeiter im Weinberg des Herrn mit all ihrem soliden Tagwerk. Sie singen das Lied der Hingabe an den Klang, den Ausdruck, die Seele des Heavy Metals, und diese Band aus der Oberpfalz versteht es, diese Hymne anzustimmen, ohne sich flacher Klischees, stumpfer Platitüden oder altbekannter Erfolgskonzepte zu bedienen. So werden auch all die oft gehörten Vergleiche mit den epischen Scheiben von BATHORY, den alten Alben von MANOWAR oder den britischen Doomikonen von SOLSTICE - so zutreffend sie stilistisch auch sein mögen - dem Phänomen ATLANTEAN KODEX nicht gerecht. Ja, oftmals singt die Gitarre ihr entrückt durch den Nebel hallendes Lied, als schwebe Quorthons Geist über der Scheibe. An anderer Stelle türmen sich mächtige Riffs und Soli auf, welche Rock und Epik in einer Weise vereinen, die Ross The Boss beseelt haben könnte, und in einigen Passagen sind auf feinfühlige Weise keltische Melodielinien in walzende Doomriffs eingewoben, welche Britanniens Doomhelden das Wasser reichen können. Dennoch habe ich mir lange überlegt, ob ich auf diese Vergleiche in vorliegender Besprechung überhaupt eingehen soll. Warum? Weil man diese Band nicht einfach als "gelungene Mischung aus MANOWAR, SOLSTICE und BATHORY" beschreiben kann! So unantastbar und großartig diese Vorbilder sein mögen, so leicht wird eine Band als "uninteressante Kopie" abgestempelt, die nichts anderes tut, als solchen Vorbildern nachzueifern. Genau an dieser Stelle geht der KODEX den entscheidenden Schritt weiter. Die Band bedient ähnliche stilistische Präferenzen, weckt ähnliche Emotionen und verneigt hier und da anerkennend das Haupt vor den musikalischen Ahnen, doch sie erstrahlt auf "The Golden Bough" im eigenen Glanz, erhebt die eigene Stimme und sie schafft das, was all die bloßen Epigonen alter Helden nie erreichen werden: Sie präsentiert sich als eines der Originale, die in der Lage sind, beim Hörer das markerschütternde und bahnbrechende Gefühl zu erzeugen, Zeuge eines jener großen Momente zu sein, in denen uns bewusst wird, dass eben doch noch nicht alles gesagt ist, doch noch nicht alles dem Fluss der Zeit geopfert. Wir legen ein neues Album auf, spielen es ab und sind vom ersten Ton an gebannt: Der Wind braust, die Wellen brechen am Kiel eines durch rauhe See stoßenden Bootes mit knarzenden Planken und Rudern. Eine akustische Gitarre singt ihr einsames Lied, bis mit aller Wucht die doomigen Riffs mächtigen Wogen gleich gegen die Bordwand schlagen. Sänger Markus Becker erhebt zu 'The Fountains Of Nepenthe' seine Stimme, die ungewöhnlich und emotional von einer mythischen Landnahme in längst vergangenen Zeiten kündet. In warmem Klanggewand und schwebender Atmosphäre klingen die Instrumente natürlich und lebendig, die Stimme leidenschaftlich und das musikalische Schaffen fest mit der erzählten Geschichte verwoben. Dass der Opener zehn Minuten dauert, das merkt man gar nicht, so spannend ist die Dramaturgie, so straff der Griff, mit dem uns die Band durch ihr Werk führt. Ganz ohne verkopfte Strukturen und ohne schnöde Selbstgefälligkeiten, aber auch ohne stumpfe Perseveration, schafft es das Quintett, die Aufmerksamkeit auch in Stücken mit epischer Breite aufrecht zu erhalten. Das noch ausladendere 'Pilgrim' lässt uns mit mächtigen Doom-Riffs erstarren, die jedoch nicht dunkel und zermalmend, sondern vielmehr bei aller Elegie erhellend und positiv sind. Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen - der alte Faust schießt mir durch den Kopf, denn so fühlt sich das Stück für mich an; erhaben und erhebend - nach langem Streben und Suchen ragt der Kopf aus den Wolken und sieht das Licht! Die weiße Göttin? Vielleicht, jedenfalls schließt sich das so betitelte kurze Instrumental an und öffnet die Pforten für das dunkel und sakral ausgerichtete und mit unglaublich wuchtigen Riffs eingeleitete 'Temple Of Katholic Magick', dessen Urgewalt im Basssound mich an die Griechen von NECROMANTIA erinnert, ohne die Bands stilistisch auch nur ansatzweise vergleichen zu wollen. Dass die Band sich nicht nur ausladend und episch präsentieren kann, das beweist sie mit dem relativ kurzen und flotten, galoppierenden 'Disciples Of The Iron Crown', dessen sehr eingängiger und höchst melodischer Refrain mich komplett umhaut! 'Vesperal Hymn' setzt dem mit der wirklich grandios gesungenen Einleitung noch eins drauf. Hier muss ich an einige der ganz großen Momente eines David Byron denken, und neben URIAH HEEP auch an JETHRO TULL. Ein gigantischer Spannungsaufbau verbindet balladesk-folkloristischen Songwriter-Stil mit monumental in den Sessel drückender Heavy-Metal-Epik und ruhigen, atmosphärischen Passagen, durch die einsam eine akustische Gitarre und ein verspieltes Solo ihr ergreifendes Lied singen. Wir kommen zur wieder deutlich schnelleren und dynamischen Bandhymne, die mit ihren grandiosen Leads und dem niemals wieder aus dem Ohr gehenden Refrain locker das Zeug dazu hat, zukünftigen Generationen episch orientierter Metaller eine würdige Hymne zu sein, wie wir alten Herren sie in 'Secret Of Steel' oder 'Under The Runes' haben. Die folgende Viertelstunde nimmt 'A Prophet In The Forest' in Anspruch, und auch hier könnt ihr wieder versichert sein, dass sie nicht langweilig wird. Folklore (nein, kein Folk Metal!), Doom und Epik ergeben einen mächtigen Song, der den Protagonisten auf dem Hügel an der Grenze seiner Heimat mit dem Blick in die Fremde zeigt, bevor diese großartige Scheibe ruhig und besinnlich mit dem kurzen Titelstück endet, das aus herrlichen Akustikarrangements, Wasserrauschen und einem von Elaine Harrington gesprochenen Gedicht besteht. "The Golden Bough" ist letztlich weit mehr, als nur ein Album, das seine Klientel bedienen und von einer elitären Clique zum Kult erhoben werden sollte, denn das tun viele Bands mit so genannten Retro-Alben. "The Golden Bough" ist ein eindrucksvoller Beweis dafür, wie ergreifend und wie ungekünstelt Heavy Metal auch im vierzigsten Jahre seines Bestehens noch sein kann. Ein Album, das ohne Klischees und ohne dick aufgetragene Standard-Attribute ganz tief ergreifen kann, wenn man es lässt. Dafür sendet der Schwabe seinen Dank in die Oberpfalz! Im Original veröffentlicht unter: http://powermetal.de/review/review-Atlantean_Kodex/The_Golden_Bough,16836.html [Review lesen]

28.08.2010 00:38 - Merciless: Unbound (1994)

10.0 / 10
Als MAYHEMs Euronymous seinerzeit sein Label Deathlike Silence Productions gründete, war die erste Band, die er unter Vertrag nahm, eine schwedische Truppe namens MERCILESS. Deren legendärens Debüt "The Awakening" trug dann dementsprechend auch die kultige Katalognummer "Anti-Mosh 01". Leider führte diese Tatsache auch dazu, dass unsere Schweden erstens vielen eben "nur" deshalb bekannt sind, und zweitens, dass viele Leute ein völlig falsches Bild von MERCILESS bekamen. Die Jungs spielten nämlich nie Black Metal im eigentlichen Sinne, sondern viel eher klassischen Thrash Metal nach dem Vorbild der guten alten deutschen Schule, nur vielleicht ein kleines bisschen extremer. Zudem wollte es die musikhistorische Ungerechtigkeit, dass MERCILESS mit all ihren Labels ordentlich Pech hatten, weil jene zur Zeit ihrer ersten drei Alben zwischen 1990 und 1994 schlechte Vertriebsmöglichkeiten hatten und früher oder später ganz die Segel strichen. Dann kam eine lange Veröffentlichungspause bis 2002, wonach das neue Label Black Lodge dafür sorgte, dass neben dem selbstbetitelten neuen Album auch das zweite Album "The Treasures Within" neu aufgelegt wurde. Nun ist der Drittling "Unbound" an der Reihe, und der hat es wirklich in sich. War der Thrash der Schweden auf dem Debüt noch ziemlich ungestüm, roh und abwechslungsarm, schreiten die Jungs einige Jahre später auf "Unbound" deutlich gereift zur Tat, was in einem ausschließlich positiven Sinn gemeint ist. Sie haben ihre Energie und Bissigkeit nicht verloren, aber sie verstehen es nun besser, jene so zu kanalisieren, dass richtig gute, variantenreiche Songs herauskommen. Jedes Stück hat geniale nackenbrechende Thrash-Riffs und prägnante Leads. Bei all dem Inferno, das MERCILESS entfachen, schlagen immer wieder eingängige Melodiebögen durch. Das eine oder andere singende Solo, sowie akustische Intros und Zwischenspiele sorgen für eine gespenstische Atmosphäre. Dieses hinzugewonnene Gefühl für Melodien manifestiert sich bereits im akustischen Intro zum eröffnenden Titelstück, das sodann in ein meisterliches Riff-Festival übergeht und von einem majestätischen Refrain gekrönt wird. Besser kann man Thrash eigentlich nicht machen, und das setzt sich auf dieser Scheibe fort. Das schnelle 'The Land I Used To Walk' wird in bester alter KREATOR- oder DESTRUCTION-Manier runtergeholzt, ohne dabei die unkitschigen aber bemerkenswerten Melodien aus den Augen zu verlieren. Dazu Roggas unbarmherziges Shouten... eine wahre Freude! 'Feebleminded' setzt in Sachen Geschwindigkeit und Kompromisslosigkeit noch mal eins drauf, bevor das mächtige 'Back To North' das Tempo wieder drosselt, und dazu mit Hörspielelementen und klaren Chören gegen Ende eine epische Note einführt, die ein kleines bisschen an eine Thrash-Variante von BATHORY gemahnt. Das Stück profitiert vom guten Mix, der alle Instrumente klar herausarbeitet. So kann gerade das Basssolo toll wirken und allgemein sind die ausgedehnten Instrumentalpassagen dieses Stücks aller Ehren wert. Bei 'The Silent Truth' hacken die Jungs wieder aggressiver und kommen auch bei einigen Screams mit leichter SLAYER-Schlagseite aus den Boxen, krönen ihren Song aber im Gegensatz zu den Totschlägern mit einem sehr melodischen Solo. Eine etwas schwarzmetallischere Seite von MERCILESS begegnet uns dann bei 'Lost Eternally', das auch späteren schwedischen Kapellen im Schnittbereich aus Black, Thrash und Death Metal gut zu Gesicht stehen würde und das durch etliche unvorhergesehene Effekte, ein sehr dramatisch marschierendes Mittelstück und erneute cleane Backings besonderen Reiz entwickelt. Das Kontrastprogramm bietet der neu eingespielte Bandklassiker 'Nuclear Attack', der kurz und ungehobelt wie die alten SODOM aus den Boxen knüppelt, während der reguläre Abschlusstrack 'Forbidden Pleasure' sich ähnlich schnell, aber etwas rockiger und verspielter gibt, was hier und da ein kleines bisschen die Bay-Area-Szene - insbesondere die zweite EXODUS-Scheibe - in Erinnerung ruft. Langer Rede kurzer Sinn: Schwedens beste Thrash-Metal-Band legte uns also 1994 mit "Unbound" ein königliches Album vor, das in seiner neuen Fassung um eine gelungene Coverversion von SLAYERs 'Crionics' erweitert wurde. Ein wenig schade ist, dass das schöne Kristian-Wåhlin-Cover farblich nicht ganz originalgetreu wiedergegeben ist, doch das lässt sich verschmerzen. Es überwiegt ganz klar die Freude, dass diese fast vergessene Thrash-Perle endlich wieder regulär erhältlich ist, denn selten bekamen wir im extremen Thrash so viele zündende Melodien und prägnante Refrains auf einmal aufgetischt. Definitiv essentiell für jeden spätberufenen Old-School-Thrasher. Anspieltipps: Unbound, Back To North, Lost Eternally, Forbidden Pleasure Rezension ursprünglich veröffentlicht unter: http://powermetal.de/review/review-Merciless/Unbound,7939.html P.S.: Das Review betrifft die Neuauflage mit geändertem Artwork. Die Note betrifft das Album als solches. [Review lesen]

31.10.2009 12:56 - Gorgoroth: Quantos Possunt Ad Satanitatem Trahunt (2009)

9.5 / 10
Infernus zieht seine Band mit dem besten Album seit dreizehn Jahren aus dem Schlamassel! Eine schwere Zeit liegt hinter GORGOROTH. Nach dem 2006er-Album warfen Sänger Gaahl und Basser King Ov Hell kurzerhand Gründer und Gitarrist Roger "Infernus" Tiegs aus seiner eigenen Band und wollten unter gleichem Namen weiter machen. Dabei hatten sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn Infernus wehrte sich mit Zähnen und Klauen und konnte in einem fast dreijährigen Rechtsstreit die Rechte am Namen und Logo von GORGOROTH zurück gewinnen. Um sich scharte der Bandleader nun seine ehemaligen Mitstreiter Pest (Gesang) und Tormentor (Gitarre), sowie weitere illustre Deibelsmusiker wie den schwedischen Trommler Tomas Asklund, der schon mit DISSECTION, DARK FUNERAL und INFERNAL zu Gange war, und OBITUARY-Basser Frank 'Bøddel' Watkins. In diesem neuen Line-up gelingt den neuen GORGOROTH mit "Quantos Possunt Ad Satanitatem Trahunt" ein mächtiger Befreiungsschlag, der sie auf der schwarzmetallischen Landkarte Norwegens deutlich hervor hebt. Für mich fiel die Begeisterung für GORGOROTHs Schaffen nach dem grandiosen Frühwerk spätestens nach "Destroyer" kontinuierlich ab, so dass ich mich trotz Gaahls imposanter Präsenz nie als Fan "seiner" GORGOROTH-Version bezeichnen konnte. Auch wenn "Incipit Satan" die Talsohle markierte und die letzten beiden Alben wieder einen leichten Aufschwung markierten: Richtig toll fand ich die Band im neuen Jahrtausend nicht. Das ändert sich nun mit der neuen Scheibe drastisch, die nach dem harten und hackenden, leicht FROST-beeinflussten und sehr kurz gehaltenen Opener 'Aneuthanasia' wirklich nur noch Volltreffer enthält. So greift 'Prayer' sehr schön die melodischen Strukturen der ersten beiden Alben auf und führt uns so ganz weit zurück in die Geschichte des norwegischen Black Metals. Das folgende 'Rebirth' bringt die Aufbruchstimmung in den Reihen GORGOROTHs großartig auf den Punkt, denn eine Wiedergeburt ist es zweifellos, die hier gefeiert wird. Das geschieht mit einem schleppenden, schwarzdoomigen Anfang, der sich in ein dynamisches, treibendes und in Sachen Gitarrenmelodien absolut zwingendes Stück auswächst, das sich bis zum Refrain hin immer mehr steigert und für mich zum Besten gehört, was die Band bisher erschaffen hat. Mancher mag die über sechseinhalb Minuten ausgetragene Walze als zu perseverativ wahrnehmen, ich finde sie jedoch als absolut zwingend. Mit 'Building A Man' wird das Tempo wieder ordentlich angezogen, Toms einleitendes Drumming ist sehr schön akzentuiert und Infernus' Einstieg mit dem simplen aber extrem wirkungsvollen traditionellen Black-Metal-Riff parallel zu Pests Gesang ist perfekt gewählt. Auch die tolle Leadmelodie bei ca. 1:30 weiß zu gefallen. 'New Breed' wartet mit einem rockigen Groove auf, der allerdings nicht den Fehler verkörpert, sich an die Erfolgsrezepte bekannter Landsleute der Band dran zu hängen. GORGOROTH erschaffen hier eine relativ eigene Version des (leicht) rock'n'rolligen Black Metals, die sich durch den knochentrockenen Sound und einen Anflug von winterlicher Epik von anderen Genrevertretern abhebt, sich aber dafür ein wenig in Richtung eines anderen Norweger-Comebacks dieses Jahres bewegt, ohne dessen fette Produktion anzunehmen. Das vom Bassspiel lebende 'Cleansing Fire' zündet eher langsam, hat aber etliche explosive Breaks und einen sehr eindringlich geshouteten Refrain zu bieten. Mit zwei richtig knackigen Riffs steigt sodann das dynamische 'Human Sacrifice' ein, das relativ viel traditionellen Heavy Metal der Achtziger atmet, bevor mit dem überragenden letzten Stück 'Satan-Prometheus' nochmals das Gaspedal bis zum Anschlag durchgetreten wird, ohne dabei auf hochmelodische Leads, atmosphärische Breaks und gar einen recht großen Anteil an klarem Gesang zu verzichten, der für GORGOROTH in dieser an ARCTURUS oder frühe ULVER erinnernden Form wirklich ungewöhnlich ist. Nach dem Verklingen des kurzen Outros ist für mich klar, dass GORGOROTH wieder voll zurück sind. Das einzige was mich an "Quantos Possunt Ad Satanitatem Trahunt" ein wenig stört, ist der sehr dominant im Vordergrund stehende und recht technische Drumsound, an dem man sich jedoch recht schnell gewöhnt. Pests Gesang beeindruckt mich dafür ungleich mehr als alles, was Gaahl so in den letzten zehn Jahren vom Stapel gelassen hat. Die bewusste Reduzierung des Durchschnittstempos lässt viel mehr Raum für eingängiges Songwriting, und zu guter Letzt haben die Bergener so viele tolle Melodien am Start, dass ich nicht umhin kann, der Band die beste Leistung seit 1996 zu attestieren. Vielleicht müsste die Scheibe mit einem halben Zähler weniger auskommen, wenn ich mich nicht so sehr darüber freuen würde, dass Infernus und Co. mich erstmals seit dreizehn Jahren wieder auf ganzer Linie begeistern können. Aber so kann ich nicht anders, als fast ans Optimum zu gehen. Velkommen tilbake! Anspieltipps: Prayer, Rebirth, Satan-Prometheus Ursprünglich veröffentlicht unter: http://www.powermetal.de/review/review-Gorgoroth/Quantos_Possunt_ad_Satanitatem_Trahunt,14819.html [Review lesen]

21.09.2009 00:58 - The Devil's Blood: Time Of No Time Evermore, The (2009)

7.5 / 10
Oh, eine Band, welche die Fetzen fliegen lässt, wenn die Leute darüber diskutieren. Daran ist sicherlich der Hype schuld. Dabei vergisst man gerne, dass die Band eher wenig dafür kann, ob sie gehypet wird. Daher bemühe ich mich einfach mal, mich darauf zu konzentrieren, was ich höre, wenn das Teufelsblut aus den Boxen tropft und die ganze Schreibe der Kollegen in Print- und Online-Magazinen zu vergessen. Dann komme ich zu dem Schluss, dass "The Time Of No Time Evermore" ein grundsolides bis gutes Okkult-Rock-Scheibchen im Siebziger-Gewand ist, das nicht nur "nicht weh tut", sondern streckenweise sogar einen sehr guten Eindruck hinterlässt. Die organische Produktion läuft mir voll rein, ich liebe den warmen 70s-Heavy-Rawk-Sound, und dabei ist es mir egal, ob den COVEN, BLUE CHEER oder THE GRATEFUL DEAD schon besser zelebriert haben oder nicht. Momentan ist er nicht überpräsent und die Holländer machen sicher nichts falsch, diesem eher raren und doch so schönen Genre zu frönen. Die Okkult-Thematik an sich finde ich zwar interessant aber von den bisher gelesenen Interviews her etwas zu abstrus. Man hat das Gefühl, die Band nehme sich viel zu ernst. Der Gesang aus des Teufels Mund ist in Ordnung, reißt mich aber auch nicht völlig vom Hocker, wobei es wenige Female-Fronted-Bands gibt, die das schaffen. Zu guter Letzt bleibt das Songwriting, das ich zwar angenehm finde, aber mit unter etwas zu nölig, perseverativ und langatmig. Das führt alles in allem zu soliden 7,5 Punkten, und die stehen recht emotionslos und vom Hype untangiert. Es ist also durchaus ein Album, das angenehm im Hintergrund mitläuft und auch mal den Fuß mitwippen oder den Nacken wohlwollend und vielleicht sogar leicht mitgerissen zucken lässt, aber ein richtig großes Feuer entfacht die Band bei mir nicht. [Review lesen]

22.08.2009 19:13 - Týr: Eric The Red (2003)

10.0 / 10
Bei vorliegender Scheibe handelt es sich um die Wiederveröffentlichung des zweiten Albums der Wikinger von den einsamen Färöer-Inseln, das bereits vor knapp drei Jahren über das färingische Label Tutl erschienen war. Die Erstauflage scheint nun vergriffen zu sein, so dass sich Napalm Records dankenswerter Weise der Sache angenommen haben und "Eric The Red" für den europäischen Markt wieder erhältlich machen. Das ist auch bitter nötig, handelt es sich bei TYR doch um einen der eigenständigsten und aufregendsten Newcomer des neuen Jahrtausends im Sektor des epischen Metals traditioneller Prägung. Seinerzeit hörte ich in Gestalt des Openers 'The Edge' nur ein einziges Hörbeispiel von TYR, das die Jungs auf ihrer Homepage zum Herunterladen anboten, und das war genug, um mich dazu zu bringen, noch in der selben Nacht beide Scheiben der Band quasi ungehört zu ordern. Selten hat mich das Hören nur eines Stückes derart in Euphorie hinsichtlich einer Gruppe versetzt, wie eben dieser geniale Einstieg von "Eric The Red". Das Stück arbeitet mit leicht doomigen Riffs, gigantischen Gitarrenharmonien, wunderschönen akustischen Motiven und Heri Joensens kristallklarem und völlig einzigartigem Gesang. Dazu treten epische Chöre im Refrain, progressive Arrangements und vielschichtige, unvergessliche Hooklines, die ihresgleichen suchen. Gesungen wird in Englisch und Färingisch, was dem Ganzen noch zusätzlichen Reiz verleiht. Besser kann man nicht in eine Scheibe einsteigen. 'Regin Smiður' erklingt dann komplett in Färingisch und gibt sich entsprechend folkloristischer. Schließlich basiert auch die Melodie auf einer alten Volksweise von den Schafsinseln. Der Text befasst sich natürlich mit dem Nibelungen-Schmid Regin. Mit 'Dreams' verlegen sich die Musiker wieder auf eigene Kompositionstalente und zelebrieren eine wunderschöne Halbballade mit sehr viel Tiefgang und unglaublicher Emotionalität in der Stimme. Danach wird sich bei dem irischen Volkslied 'The Wild Rover' der eine oder andere verwundert die Ohren reiben, erkennt er doch darin die Melodie der unsäglichen deutschen Verballhornung 'An der Nordseeküste' wieder. Doch keine Sorge, auch dieses Stück hat bei TYR die nötige Würde und wirkt kein bisschen albern. Um eine erneut traditionelle Inselmelodie haben die Färinger sodann die Ode an den Steuermann 'Stýrisvølurin' gestrickt, die unglaublich mächtig und episch aus den Boxen klingt. Mächtigste Chöre krönen den Refrain dieses ebenfalls in der Muttersprache der Musiker verfassten Stückes. Das nächste metallisierte Volkslied 'Ólavur Riddararós' ist dann dynamischer und etwas beschwingter, ohne das epische Grundgerüst des TYR-Sounds zu sprengen. Weiter geht es mit einer großartigen, doomigen Eigenkomposition namens 'Rainbow Warrior', bei der Heri erneut sehr viel Emotionen in den Gesang legt. Daran schließt sich mit 'Ramond Hin Unge' das letzte Volkslied an, das dieses Mal aus Dänemark stammt und folgerichtig in dänsicher Sprache gesungen wird. Toller mehrstimmiger Gesang und sehr fesselnde Akustikgitarren prägen den Anfang des Stückes, das durch das Hinzutreten der Stromgitarren eine gewaltige Dynamik entwickelt und dazu noch mit sehr anspruchsvollen Gitarrensoli glänzt. Abgeschlossen wird der reguläre Teil dieses Albums mit dem siebenminütigen Titelstück, das TYR noch einmal in ihrer ganzen Brillanz zeigt. Die wiederum in englischer Sprache gesungene Eigenkomposition ist das komplexeste und progressivste Stück der Scheibe, das sich in ausgedehnten, teils entrückten Instrumentalpassagen ergeht, dabei aber nicht auf zahlreiche eingängige Gesangsmelodien, große Chöre und fesselnde Hooks verzichtet, dazu aber auch noch richtige Tempoverschärfungen mit harten Riffs aufbieten kann. Um es vollends kurz zu machen: "Eric The Red" ist aus meiner Sicht ein rundum perfektes Album, das auf unnachahmliche Weise die Eckpunkte Prog, Doom, Folk, Epic und Viking Metal zu einer komplett einzigartigen Synthese vereint, die ihresgleichen sucht und vermutlich niemals finden wird. Vorliegende Neuauflage bereichert ein ganz großes Werk noch um zwei der besten Stücke vom ebenfalls grandiosen Debütalbum "How Far To Asgard", so dass es für Freunde origineller und epischer Metalklänge eigentlich keine Ausrede geben kann, sich "Eric The Red" nicht zuzulegen. Muss man haben. Punkt. Anspieltipps: Komplett alles, ohne Ausnahme. Ursprünglich veröffentlicht unter: http://www.powermetal.de/review/review-Tyr/Eric_The_Red__Re-Release_,7286.html [Review lesen]

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