:Wumpscut: Wreath Of Barbs [Freestyle Remixes] (2002) - ein Review von DarkForrest

:Wumpscut:: Wreath Of Barbs [Freestyle Remixes] - Cover
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7.50
∅-Bew.
Typ: Single/EP
Genre(s): Dark Wave/Gothic: EBM, Industrial


DarkForrest
15.05.2021 07:28

Im Jahr 2002 hat Rudy Ratzinger zu "Wreath Of Barbs" nicht nur eine, sondern gleich zwei Singles veröffentlicht - okay, viel mehr anderes kam in diesem Jahr ja auch nicht. Das Konzept der beiden Singles ist eigentlich recht simpel: eine Single mit klassischen, unkomplizierten und gut hörbaren Remixes und eine Single für die exotischeren Geschmäcker - ein wenig wie die "Totmacher"-Single, nur dass beide CDs separat veröffentlicht wurden.

Wenn wir uns allerdings die zweite CD - die ":Freestyle Remixes:" anschauen, dann würde ich sogar sagen, dass diese noch ein Stückchen weiter geht als CD 2 von "Totmacher". Was ihr hier zu hören bekommt unterscheidet sich schon recht stark von den ":Classic Remixes:". Die einzelnen Remixes sind mitunter sehr experimentell und gehen zum Teil auch ziemlich gut in den Dark Ambient- oder Noise-Bereich. Während bei den ":Classic Remixes:" der eigentliche Song noch sehr gut rauszuhören, ist das bei den ":Freestyle Remixes:" wirklich nicht immer so und manchmal müsst ihr schon genau hinhören, um überhaupt zu erkennen, welcher Song hier eigentlich geremixed wurde.

Was ziemlich cool ist: meistens gehen die Songs komplett nahtlos ineinander über. An manchen Stellen geht das so weit, dass das mehrere Songs wie ein einziger Remix klingen, der zwischendurch nur mal die Ausrichtung etwas verändert. Das zusammen mit der Tatsache, dass "Wreath Of Barbs" hier teilweise oft nicht mehr sehr stark nach "Wreath Of Barbs" klingt, sorgt dafür, dass sich die ":Freestyle Remixes:" erstaunlich gut am Stück hintereinander hören lassen. Normalerweise wird sowas bei Remix-CDs ja schnell mal repetitiv und man hat den eigentlichen Song sehr schnell über, was hier nicht so ein großes Problem ist.

Genau wie die ":Classic Remixes:" werden die ":Freestyle Remixes:" mit dem "Radio Mix" eingeleitet. Da beide CDs getrennt released wurden, macht das hier zumindest einigermaßen Sinn, wobei wir es hier natürlich schon mit einem ziemlichen Kontrastprogramm im Vergleich zum Rest der CD zu tun haben. Hier könnt ihr das Original noch einmal in der ursprünglichen Form hören, bevor dieses gleich ordentlich durcheinander gewirbelt wird. Den ersten Remix stellt mal wieder Der Blutharsch. Diese Version ist noch nicht ganz so stark verfremdet wie spätere Remixes - die Melodie und die Vocals sind noch sehr gut erkennbar. Allerdings wirkt alles ziemlich verzerrt, düster und mit neuen Samples und Effekten wie irgendwelchen Streichinstrumenten überlagert. "Wreath Of Barbs" klingt hier so als würde es in Flammen stehen und langsam schmelzen. Und es wird ab hier nicht besser…

Press To Transmit haben sich gleich mit zwei Remixes beteiligt. Beide sind recht spezielle Werke, bei denen alle möglichen Sounds (Stöhnen, Vinylknistern, Störfrequenzen, Chorgesänge und vieles, vieles mehr) zu einem Song arrangiert wurden. Einzelne Samples von "Wreath Of Barbs" sind hier einfach nur eine weitere Zutat in dieser wilden Collage. Immerhin: beide Remixes haben hier einen recht prominenten Beat, der sich wie ein roter Faden durch die Songs zieht und etwas Struktur gibt. Das macht es für Leute, die mit dieser Art von Musik wenig anfangen können, doch etwas leichter dem Ganzen zuzuhören und gibt zumindest etwas, woran man sich ein wenig orientieren kann. Beide Remixes gehen so gut ineinander über, dass es eher wie ein einziger abgefahrener Trip wirkt, wobei der zweite Part noch etwas elektronischer und düsterer klingt als der erste.

Verglichen damit wirkt der Remix von F/A/V fast schon wieder gut strukturiert und melodisch und das will etwas heißen, denn der "F/A/V Remix" hat zwar irgendwo soetwas wie eine sehr klare Melodie aber alles andere klingt dafür sehr stark verfremdet und distanziert. Wirklich bedrohlich wird es dann mit dem "Anaesth Remix". Wir haben hier zwar noch die Vocals, welche sehr leise und zögerlich daherkommen, aber von einem Meer aus Soundeffekten terrorisiert werden, welches so klingt, als ob es direkt aus der Hölle kommt. Irgendwas, was den Song irgendwie tanzbar macht oder zumindest eine einfache Melodie wie im "F/A/V Remix" sucht man hier vergebens.

Es geht aber noch spezieller: der "Decomposed Remix" bietet euch kaum noch etwas, was die meisten Leute als Musik im klassischen Sinn bezeichnen würden, sondern einfach nur einen monotonen Takt und ein paar Hintergrundgeräusche - hier mal ein statisches Brummen, da mal ein Windzug und das muss auch schon reichen. Wer hier noch etwas von "Wreath Of Barbs" raushören will, braucht schon geübte Ohren. Nachdem die Ambient- und Noiseanteile hier ihren Höhepunkt erreicht haben, wird die Single mit den letzten beiden Remixes wieder etwas zugänglicher. Auch hier gibt es wieder zwei Contest Gewinner, die sich freuen durften, ihre eigenen Remixes auf der CD wiederzufinden.

Zuerst hätten wir Dismantled.org. Dieser Remix ist deutlich gefälliger als die letzten Stücke, die wir gehört haben, hat zwischendurch aber immer mal wieder ein paar abgefahrenere Momente, die sich mit den melodischen Passagen abwechseln und ist bei den ":Freestyle Remixes:" schon ganz gut aufgehoben. Der "Overflow-110 Remix" dagegen hätte für mich als einziger Song auch locker zu den ":Classic Remixes:" gepasst, denn dieser ist definitiv leichter verdauliche Kost als der Rest dieser CD. Am ehesten eine sehr entspannte und gechillte Version vom Original. Aber warum auch nicht - nach all dem Wahnsinn davor hat man sich wohl einen angenehmen Ausklang verdient.

Nett ist auch insgesamt die Platzierung der Songs. Es beginnt sehr konventionell mit dem "Radio Mix" wird ganz langsam immer abgefuckter und lockert mit den beiden Contest Gewinnern wieder ganz langsam auf, was ebenfalls nochmal dazu beträgt, dass man sich die CD gut am Stück anhören kann.

Und wie finde ich sie jetzt insgesamt? Erstaunlich gelungen! Ich bin immer noch der Meinung, dass "Wreath Of Barbs" sich nicht sooo gut für konventionelle Remixes anbietet. Die ":Classic Remixes:" waren völlig in Ordnung, aber eben auch wenig spannend. Die ":Freestyle Remixes:" dürften dagegen einige Fans abschrecken und ich weiß auch nicht wie groß die Zielgruppe insgesamt ist, die sich auf derart experimentelle Musik einlassen mag, aber mir hat dieser Trip ganz gut gefallen. Natürlich kriegt ihr damit weder die Tanzflächen voll, noch würde ich mir die ":Freestyle Remixes:" anmachen, wenn ich einfach nur gut tanzbare Mucke möchte, die gut in's Ohr geht. Aber wenn es mal was anderes sein darf und ich in Stimmung für etwas weirdes und unheimliches bin, dann erfüllt diese CD ihren Zweck mehr als ordentlich und bleibt bei mir auch deutlich besser im Gedächtnis hängen als die ":Classic Remixes:".

Punkte: 7.5 / 10