DarkForrest

DarkForrest
Registriert seit: 25.12.2008

Zum Verkauf 3 Eingetragen 38
Bewertungen: 115 Reviews: 115
Genres: Blues, Comedy, Country, Dark Wave/Gothic, Elektronische Musik, Hardcore, House, Hörspiel/Hörbuch, Jazz, Klassik, Metal, Musical, Pop, Punk, Rap/Hip Hop, Reggae, Rock, Schlager, Singer/Songwriter/Liedermacher, Ska, Sonstiges, Soul/R&B, Soundtrack, Volksmusik/Folklore, World Music
Bewertungsverteilung von DarkForrest
0.5 1 1.5 2 2.5 3 3.5 4 4.5 5 5.5 6 6.5 7 7.5 8 8.5 9 9.5 10
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4.5: 26.315789473684% (5x)

5.0: 15.789473684211% (3x)

5.5: 21.052631578947% (4x)

6.0: 31.578947368421% (6x)

6.5: 47.368421052632% (9x)

7.0: 78.947368421053% (15x)

7.5: 47.368421052632% (9x)

8.0: 100% (19x)

8.5: 73.684210526316% (14x)

9.0: 57.894736842105% (11x)

9.5: 31.578947368421% (6x)

10.0: 15.789473684211% (3x)

Die letzten Bewertungen
5.5 für Soko Friedhof: Mondo Cannibale (2018) (29.11.2020 08:35)
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Insgesamt 115 Bewertungen vorhanden. Alle anzeigen
Die letzten Reviews

29.11.2020 08:35 - Soko Friedhof: Mondo Cannibale (2018)

5.5 / 10
Mit "Mondo Cannibale" hat David A. Line 2018 das zweite vollwertige Soko-Album aus dem Underground heraus veröffentlicht, welches ausschließlich über den eigenen Shop bestellt werden kann. Nach dem extrem umfangreichen und sehr ordentlichen "Devil's Mark" liegt meine Messlatte natürlich einigermaßen hoch. Diesmal gibt's keinen 2-CD-Exzess, sondern lediglich eine CD im schlichten Cardsleeve, wobei das Cover ein ziemlich witziges Gimmick ist. Ja, es wirkt vielleicht etwas krude, aber dafür wurde es von David A. Line handgezeichnet. Und damit meine ich jetzt nicht, dass er sich einmal 5 Minuten hingesetzt und ein Cover gekritzelt hat, welches dann auf jedes Cardsleeve gedruckt wird. Nein: jedes Mal wenn jemand das Ding bestellt setzt er sich hin und kitzelt Cover und Tracklist auf ein weißes Cardsleeve, sodass jedes einzelne Exemplar von "Mondo Cannibale" auch ein bisschen ein Unikat ist. Dafür gibt's schonmal direkt Pluspunkte. Auch der Titel ist zumindest mal was neues. "Mondo Cannibale" war soweit ich weiß der Film, der die riesige Welle an italienischen Exploitation-Filmen zum Thema Kannibalismus losgetreten hat, die mit "Cannibal Holocaust" ihren Höhepunkt gefunden hat. Und tatsächlich findet sich der Name nicht nur auf dem Cover wieder. Keine Ahnung, ob das ganze offiziell als Konzeptalbum gedacht war, aber bis auf 1, 2 abweichende Songs zieht sich das Thema Kannibalismus mal mehr und mal weniger stark durch die ganze CD. Auch musikalisch folgt diesmal alles einer etwas klareren Linie. 8/9 Songs sind deutsch und David setzt bei den Vocals hier schon sehr häufig darauf die Songs eher einzusprechen als zu singen. Das ist nicht unbedingt neu und wenn alles mit einem ordentlichen Beat unterlegt ist oder dem eine gute Melodie entgegensteht, dann kann da so manch geiles Ergebnis bei rauskommen. Hier haben wir aber unseren größten Schwachpunkt auf "Mondo Cannibale" - die Musik ist oft… schwierig. Mal ist sie selbst so simpel, dass die Songs am Ende kaum Inhalt haben und mal passt sie wenig zu den Vocals zusammen oder wirkt in sich selbst schon komplett unfertig. Das macht es manchmal ziemlich anstrengend, sich "Mondo Cannibale" anzuhören und überhaupt in das Album reinzukommen. Öfter und aufmerksam hören hilft zumindest ein bisschen, macht aber auch einige Momente noch deutlicher, die zumindest mir gar nichts gegeben haben. Das geht schon direkt bei "Das Fleisch Der Toten" los, aus dem man vielleicht noch ganz gut ein kurzes Intro hätte basteln können, aber bis auf den kurzen melodischen Refrain, der nicht wirklich zur unterlegen Musik passt, gibt es hier für mich zu wenig, was einen eigenständigen Song über knapp 3 ½ Minuten tragen kann. "Die Kannibalen" hat leider ähnliche Probleme und langweilt mich kaum weniger als Song Nummer 1. Das Tempo ist etwas schneller, die Atmosphäre fast schon fröhlich aber das was durch minimal aufwendigeres Songwriting das Niveau das Songs erhöht wird durch den etwas albernen Humor wie die Schmatzgeräusche am Ende wieder zunichte gemacht. "Raunacht" erinnert mich dagegen wieder total an "Das Fleisch Der Toten". Ich muss mir schon beide Songs direkt nebeneinander anhören um zu erkennen, dass hier doch nicht einzelne Elemente 1:1 übernommen wurden. Ebenfalls seltsam: der Song beginnt 12 Sekunden lang, macht einen harten Cut und beginnt dann nochmal. Keine Ahnung, ob das Absicht war oder da beim Abmischen was schief gelaufen ist, aber es klingt jedes Mal beim Hören richtig kacke. Zwischendurch kann "Raunacht" sogar etwas Stimmung aufbauen, die aber immer genau dann verpufft, wenn es gerade anfängt intensiver zu werden und man damit rechnet, dass jetzt sowas wie ein Höhepunkt kommen könnte. Für die nächsten zwei Songs entfernt sich das Album sowohl textlich als auch musikalisch vom eigentlichen Konzept. Wer hätte gedacht, dass die Soko irgendwann nochmal das Müllmann-Thema aus "Jesussaft" aufgreift? "Trash (Müllmann 2)" macht aber genau das und erinnert mich gleichzeitig daran, dass David A. Line ja eigentlich gute Musik kann. Okay, vielleicht wird hier auch einfach nur mein persönlicher Geschmack getroffen: treibende Melodie, schräge Texte und Sample-Overkill - so mag ich Soko Friedhof. Aber es kann wohl niemand bestreiten, dass hier wirklich alles sauber umgesetzt wurde, auch wenn dieser Song eigentlich thematisch und musikalisch null auf "Mondo Cannibale" passt. "Where The Pain Begins" ist der einzige englische Song (der ebenfalls inhaltlich und musikalisch eher wie ein Fremdkörper auf dem Album wirkt). Englischer Text heißt eigentlich immer, dass David zwangsläufig singen muss und auch hier werden wir nicht enttäuscht. "Where The Pain Begins" ist im Herzen eine dieser klassischen eher langsamen melancholischen Soko-Nummern auf englisch. Ich mag sowas ja sehr gerne nur leider kann "Where The Pain Begins" nicht so ganz mit den Klassikern mithalten. Es klingt jetzt nicht direkt schlecht, aber wenn ich es mir jetzt mal auf eine CD mit vergleichsweise hohem Anteil solcher Songs wie z.B. "Die Geschichte Eines Werwolfs" oder von mir aus auch CD 1 von "Devil's Mark" denke, dann würde es gegen Songs wie "Ghosts Of Berlin" oder "Drag Me To Hell" überhaupt keine Chance haben. Dafür wirkt es zu generisch und auch die etwas hektische Musik arbeitet eher gegen den Gesang als ihn zu unterstreichen. Damit ist es zwar gut, um auf "Mondo Cannibale" etwas Abwechslung zu haben, aber als eigenständiger Song nichts wirklich erwähnenswertes. "In Aller Herrgottsfrühe" kann da schon deutlich besser punkten. Ich ungefähr so hätte ich mir eigentlich das ganze Album vorgestellt. Recht unkonventionelle Musik, textlich nicht ohne und allgemein beunruhigende Atmosphäre, die durch gut gewählte Samples unterstrichen wird - spätestens dann, wenn Roland Freisler zu Wort kommt, dessen Worte beim Prozess gegen Graf Schwerin von Schwanenfeld sich offenbar recht gut zu eignen scheinen, um sie in Songs einzubauen. Hier tragen sie im Gegensatz zu "Schäbiger Lump" von :Wumpscut: aber eher zur sehr beklemmenden Stimmung von "In Aller Herrgottsfrühe" bei. Dagegen holt mich "Ich Glaube An Den Mann" überhaupt nicht ab. Textlich vielleicht noch ganz interessant, aber musikalisch fast ganz ohne Grundlage. Dafür ist "Heidenspass" das dritte Highlight für mich auf "Mondo Cannibale" - sehr fesselnde Melodie, guter Humor und ein paar nette Gimmicks wie das dezent eingebaute Wolfsgeheule sorgen dafür, dass wir hier eine wirklich runde Sache haben. "Trommler Auf Ruinen" ist etwas experimenteller, gefällt aber durch etwas mehr Variation bei den Vocals und das Thema, dass durch den Fokus auf Trommelschläge auch musikalisch ganz gut umgesetzt wurde. Keine absolute Offenbarung aber ein ganz netter Abschluss. Um "Mondo Cannibale" zu einem guten Album zu machen reicht das aber für mich leider nicht mehr aus. Nach dem mich "Devil's Mark" so positiv überrascht hat, bin ich diesmal doch leicht enttäuscht. Das Kannibalen-Konzept hatte eigentlich viel Potential. Aber irgendwie hat es dann an der Umsetzung gehapert "Mondo Cannibale" fängt echt zäh an und braucht seine Zeit, um zumindest etwas besser zu werden. Einiges kann ich mir ja noch damit erklären, dass sicherlich jeder Geschmack verschieden ist - gerade wenn es um so ein vielseitiges Projekt wie Soko Friedhof geht - und meiner diesmal einfach nicht so ganz getroffen wurde. Manche Songs wirken aber auch einfach unfertig und halbgar. Während "Devil's Mark" gefühlt Material für zwei gute Alben gehabt hätte, sehe ich bei "Mondo Cannibale" eher mal die Grundlagen für eine gute EP, aber in der Form wie es am Ende rauskam, ist es mir doch etwas zu holprig. Immerhin: "Trash (Müllmann 2)", "In Aller Herrgottsfrühe" und "Heidenspass" sind wirklich klasse und reißen einiges raus. Dazwischen gibt's auch mal gute Momente, sodass "Mondo Cannibale" auch nicht wirklich schlecht geworden ist und vielleicht trifft es ja auch genau den Geschmack des einen oder anderen Fans. Zum Einstieg oder Wiedereinstieg würde ich aber eher mal "Devil's Mark" empfehlen, falls heutzutage noch jemand Bock auf die Soko hat. [Review lesen]

23.11.2020 08:18 - :Wumpscut:: Preferential Legacy - Music For A German Tribe (1995)

8.0 / 10
So, Zeit mal wieder ganz tief in die alten Prä-"Music For A Slaughtering Tribe"-Songs von :Wumpscut: abzutauchen. Zum Glück gibt es heutzutage verschiedene Möglichkeiten an selbige heran zu kommen, ohne sich irgendwie die alten Tapes organisieren zu müssen. "The Menser Tracks" hatte damals einen Schwerpunkt auf die alten Sampler-Beiträge aus Rudy Ratzingers früher Schaffenszeit, aber natürlich gibt es auch Compilations, die sich etwas näher mit "Defcon" und "Small Chambermusicians" befassen, den ersten beiden eigenständigen Werken von :Wumpscut:. Die erste Möglichkeit wäre da wohl "Preferential Legacy", welche als Beilage zur super limitierten "Bunkertor 7" Box erschien. Nun, an diese heran zu kommen, dürfte extremst schwierig und teuer sein, aber wenigstens nicht unmöglich wie die Chance eines der beiden ursprünglichen Werke in die Finger zu bekommen. Aber natürlich gibt es noch einen dritten Weg: 2003 wurde "Preferential Legacy" zusammen mit der ebenfalls streng limitierten Bonus-CD der "Embryodead"-Box namens "Music For A German Tribe" als "Preferential Tribe" neu released. Das dürfte einige Fans ziemlich angepisst haben. Zuerst einmal haben dadurch natürlich sowohl "Preferential Legacy" als auch "Music For A German Tribe" deutlich an Exklusivität verloren und zweitens sieht es etwas doof aus, wenn auf dem ursprünglichen Release von "Preferential Legacy" der Text "Not To Be Released Once Again" zu finden ist - ups. Zumindest muss man Rudy zugute halten, dass er im Booklet von "Preferential Tribe" darauf eingeht, dass er dieses Versprechen leider doch nicht halten konnte. Ein schlechter Deal ist "Preferential Tribe" jedenfalls nicht. Ihr bekommt ein ganz hübsch gestaltetes Digipack voller Anatomiezeichnungen, mit ein paar Backroundinfos zu den Songs und dem Hinweis ":Wumpscut: is no profacist and/or racist project/art - free your mind for a 2nd thought", welcher später noch interessant werden dürfte. Noch wichtiger als die äußere Gestaltung dürften aber die zahlreichen Bonustracks sein und hier bekommt ihr so einiges geboten. Beide CDs sind voll damit, sodass man locker eine dritte CD alleine aus Bonustracks hätte reinpacken können. Verschwenden wir also keine Zeit, das hier wird eine Weile dauern… Los geht's mit "Music For A German Tribe" - einer kleinen Compilation aus deutschen Versionen bekannter :Wumpscut: Songs zwischen "Music For A Slaughtering Tribe" und "Embryodead". Bevor wir aber an's eigentliche Herzstück der CD kommen, werden wir noch von einigen Bonustracks verwöhnt. Zuerst wäre da ":Wumpscuts: erstes Cover" und zwar "All Cried Out". Das Ding stammt ursprünglich von Alison Moyet aus dem Jahr 1984 und wurde später nochmal von den No Angels gecovert. Mit anderen Worten: wir haben es hier mit hardcore Popmusik zu tun und dementsprechend ist das :Wumpscut: - Cover auch extrem bizarr. Stellt euch verzerrte Industrial Vocals vor, die einen Popsong singen und ihr wisst, was ich meine. Heutzutage, wo so unendlich viele Metalbands irgendwelche Popsongs gecovert haben ist der Witz zwar etwas alt geworden, aber 2003 war ein EBM-/Industrialprojekt, welches sich "All Cried Out" annimmt doch eine ziemlich lustige Idee. Der erste "richtige" :Wumpscut:-Song wäre dann "Overkill (Death For The Masses)", ein vollwertiger neuer Song, der sehr nach dem kurz bevorstehenden Album "Bone Peeler" klingt und mit seiner imposanten Präsentation und dem eher gemächlichen Tempo schonmal einen kleinen Vorgeschmack gab, wie in etwa die nächsten :Wumpscut: klingen sollten, ohne es direkt auf das Album geschafft zu haben. Ich finde die Umsetzung im Falle von "Overkill (Death For The Masses)" echt extrem gut gelungen. Als nächstes hätten wir ein paar Remixes von :Wumpscut: für andere Projekte am Start. Los geht's mit "Achtung" von der Blutharsch. Wahrscheinlich dürfte dieser Song der Hauptgrund für die Distanzierung von rechtem Gedankengut am Anfang sein, denn Rudy hat damals ziemlich viel Kritik dafür abbekommen, dass er und Albin Julius gelegentlich füreinander remixen. Ich kann nicht viel zu der Blutharsch sagen, außer dass Neofolk leider nicht mein Ding ist und ich auch mit dem Remix von "Achtung" wenig anfangen kann. Im Gegensatz zum späteren "Hail, The Philosopher's Stone" Remix, der mir tatsächlich ein bisschen gefallen hat, komme ich an dieses Arrangement aus martialischem "Achtung! Der Blutharsch!!!" Schreien, extrem dumpfen Sound und Filmsamples aus "Die Brücke" nicht dran. Nichts gegen minimalistischen Angriff auf die Ohren, aber hier muss ich passen. "The Voice" (im Original von Cleen) ist da schon deutlich gefälliger. Ein netter, kleiner tanzbarer instrumentaler Remix und eine ziemlich unverfängliche Geschichte. Das Original kenne ich zwar nicht, aber zumindest der Remix gefällt. Das Sahnestück unter den Remixes ist für mich aber "Aura" im Original von Das Ich. Hier treffen wirklich zwei großartige Projekte aufeinander. Auch wenn ich zum Beispiel den VNV Nation Remix von "Destillat" sehr feier, bin ich froh dass hier dem Impuls widerstanden wurde, einen weiteren Remix für die Tanzfläche draus zu machen. Stattdessen wurde die ohnehin schon dichte Atmosphäre des Originals nochmal hochgeschraubt. "Marta Arnau Marti (Slaughter)" kann ich nicht so ganz einordnen. Ich tippe mal auf komplett neuen Song von :Wumpscut:, der sehr in die Ambient-Richtung geht, auf der zweiten Hälfte von "Music For A Slaughtering Tribe" nicht aufgefallen wäre und die ASMR-Freunde unter den :Wumpscut: Fans glücklich machen dürfen. Mich stört er zwar nicht, aber mir würde auch nichts fehlen, wenn er es nicht auf die Compilation geschafft hätte. So, erste Ladung Bonusmaterial ist durch - auf geht's zu "Music For A German Tribe"! Die Qualität der Übersetzungen schwankt etwas. Da ich mich aber schon ganz gut an die englischen Versionen gewöhnt hatte, war es eher mal merkwürdig, den jeweiligen deutschen Gegenpart zu hören. Eine Ausnahme wäre aber gleich mal "Soylent Grün", welches ich aus zwei Gründen dem Original vorziehe: erstens ist die Qualität der Vocals hier auf einem aktuelleren Stand, wodurch sie etwas mehr Punch haben als im Original. Und zweitens wurden auch damals schon deutsche Filmsamples verwendet (da man laut Booklet damals keine englische Version auftreiben konnte). Der deutsche Text passt in meinen Ohren etwas besser dazu. Auch das eine oder andere Detail wie eine ganz neue Textpassage machen "Soylent Grün" für mich am Ende zur überlegenen Version. Auch "Schwarzer Tod" ("Black Death") und "Sag Warum" ("Tell Me Why") sind ziemlich präzise übersetzt, wobei ersteres in den Parts von Selene immer noch französisch bleibt und die letzten Parts ebenfalls in englischer Sprache belassen wurden. Etwas holprig mit der Übersetzung wird es meiner Meinung nach bei "Verflucht Bis Ihr Verhungert" ("Crucified Division") und "In Der Nacht" ("In The Night"), wobei ich hier aber auch sagen muss, dass die beiden Originale von der "Gomorra" - EP für mich derart perfekte Songs sind, dass meine Messlatte hier nur unrealistisch hoch sein kann. Ähnliches gilt für "Krieg" ("War") - absolut perfekter Song, der hier mehr zu verlieren als zu gewinnen hat. Etwas seltsam auch, dass Rudy sich entschieden hat im Refrain bei "War" statt "Krieg" zu bleiben. "Stirb Im Winter" ("Die In Winter") wurde immerhin nicht nur einfach übersetzt, sondern deutlich erwartet und geht durch das sehr lange instrumentale Intro jetzt 7.38 Minuten, was ich als großen Gewinn sehe. "Schaltet Den Schmerz Ab" ("Turns Of The Pain") ist dagegen deutlich kürzer, komplett Instrumental und die Samples wurden durch deutsche Samples aus dem Film "12 Monkeys" ersetzt. Etwas seltsam, aber Manfred Lehmann (also den deutschen Sprecher von Bruce Willis) mal in einem :Wumpscut:-Song zu haben ist an sich schon großartig. Damit wäre CD 1 durch. Größtenteils haben die Songs durch die deutschen Texte zwar nicht viel gewonnen, aber es ist trotzdem spannend sie mal in dieser Version zu hören und da die Qualität der Originale schon wirklich abartig hoch ist, können sie durch leicht veränderte Lyrics auch nicht entstellt werden. Das hat sich also schonmal gelohnt und wir haben erst die Hälfte hinter uns! CD 2 beginnt direkt mit "Preferential Legacy", da hier die Bonustracks nach hinten verlagert wurden. "Preferential Legacy" ist nochmal ein ganz eigenes Biest. Wir haben hier eine Auswahl an Stücken aus "Defcon" und "Small Chambermusicians" mit ein paar weiteren alten Sachen, die ich nicht ganz zuordnen konnte. So ziemlich alles ist instrumental, sehr minimalistisch gehalten und auch das Bonusmaterial später versucht sich in etwa in dieses Konzept zu fügen. Nun, das wird keine leichte Kost und als ich das erste Mal reingehört habe konnte ich damit fast gar nichts anfangen. Das hat sich im Laufe der Zeit geändert, aber ich gebe zu: man muss sich schon echt drauf einlassen. Los geht's mit "The Hellion" vom "Defcon Tape". Ein paar elektronisch-orchestrale Sounds eröffnen die ganze Geschichte und erinnern mich etwas an "Overtures" von "The Menser Tracks" - also eigentlich nichts besonderes… Bis plötzlich ein extrem episches und geiles Gitarrenriff losbricht, welches mir erstaunlich bekannt vorkommt. Tatsächlich wurde das so einfach vom gleichnamigen Judas Priest-Song übernommen und elektronisch etwas aufgemotzt. Für den einen oder anderen Metal-Puristen sicher ein Sakrileg sondergleichen, aber ich finde es tatsächlich erstaunlich geil in dieser Version - steinigt mich. Die nächsten beiden Songs sind auch gleichzeitig Nummer 2 und 3 auf "Defcon". "Phase Shifter" ist extrem weird. Eine Aneinanderreihung von… Geräuschen vermischt mit diversem Stöhnen und die Tatsache, dass ich damit tatsächlich etwas anfangen kann ohne bewusstseinserweiternde Drogen zu konsumieren macht mich im besten Fall wahrscheinlich zu so einer Art Hipster. Ein angenehm sanfter Übergang führt uns dann zu "Throbberstalk", welches wieder etwas mehr Harmonie und Melodie in die ganze Geschichte bringt. Nichts wirklich beeindruckendes, aber ganz nett, um nach "Phase Shifter" wieder eine etwas neutralere Stimmung zu generieren. "Pornography" ist inhaltlich ganz interessant, da es Samples von Dead Kennedys Frontmann Jello Biafra enthält, die im Rahmen des Skandals um das "Frankenchrist" - Cover entstanden sind. Das Problem ist leider die Umsetzung. Die musikalische Grundlage, aber auch die Platzierung der Samples sind irgendwie so random, dass ich diesen Track schon nach einer Minute über habe. "Wound" (der erste Track, den ich keinem bestimmten Release zuordnen konnte) klingt angenehm melancholisch und schwer und kreiert mit einfachsten Mitteln eine ziemlich traurige Stimmung. Mit "Batavion" kommen wir auf "Defcon" zurück, bleiben aber im langsam-melancholischen Tempo, wobei "Batavion" doch etwas komplexer klingt als "Wound". Nett ist der dezente Hauch von Marschmusik und immer wenn ich mir diesen Song anhöre, fühle ich mich stark an Echtzeit-Strategiespiele aus dieser Zeit erinnert. Zumindest ist die Vorstellung, daß als Hintergrundmusik bei C&C zu hören für mich nicht so weit hergeholt. Das wäre es dann erstmal mit "Defcon". Keine Ahnung, wo die nächsten beiden Songs herstammen, aber "Capitolo Finale" bringt wieder etwas mehr Tempo in die ganze Nummer und klingt voll und ganz nach EBM der frühen 90'er Jahre. Ob das gut oder schlecht ist, sei jedem selbst überlassen zu beurteilen, aber ich kann's mir geben. "Total War" ist Grund Nummer 2, warum der Hinweis, dass :Wumpscut: kein rechtes Projekt ist, vielleicht doch eine gute Idee ist, damit Neulinge nicht direkt abgeschreckt werden. Dass Rudy davon besessen scheint, alle möglichen menschlichen Abartigkeiten musikalisch zu verarbeiten und gerne auch einfach mal unkommentiert stehen zu lassen ist ja kein großes Geheimnis. Und auch das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte ist da gerne mal das Ziel. In "Total War" zeigt sich das durch die Verwendung von Ausschnitten aus Goebbels Sportpalastrede und Hitlers Rede an SA und SS vom Reichsparteitag 1936. Rein musikalisch betrachtet könnte das ganze sowohl besser als auch schlechter umgesetzt sein. Das Grundgerüst klingt ziemlich nach "Default" (so wie viele Songs damals, was aufgrund des Songtitels auch mit einer gewissen Ironie einhergeht), wobei es hier und da ein paar recht aggressive Nuancen hat, was der Stimmung ganz gut tut. Um den totalen Krieg auf eure Boxen zu bringen, reicht es aber noch nicht aus. Zum Abschluss vom "Preferential Legacy"-Part gibt es noch 4 Songs von "Small Chambermusicians". Den Anfang macht das hypnotische "Crucified", welches man am besten selbst gehört haben muss, um sich darunter etwas vorzustellen zu können, aber originell ist es allemal. "Stomp" ist wohl auch eher was für Liebhaber. Recht einfaches Gestampfe (na zumindest der Titel passt), der von seinen doch recht charakteristischen verzerrten Sounds lebt, die ich aber eher unangenehm finde. "Irak2" ist streng genommen wohl doch neu, da wir auf "Small Chambermusicians" "Irak 1" haben und ich weiß jetzt auch nicht wie sehr sich beide Versionen unterscheiden. Würde mich gar wundern, wenn für "Irak2" nochmal ordentlich am Original herumgeschraubt wurde, denn für so frühes Material klingt das Endprodukt doch erstaunlich ausgereift. Mit "Lamandier" haben wir dann einen verdammt beeindruckenden Abschluss. Orgelklänge, Operngesang, Bomben - und alles so arrangiert, dass dabei ein sehr beklemmender Eindruck zurückbleibt. Wenn man sich auf "Preferential Legacy" einlassen kann, dann kann das ganze eine sehr lohnenswerte Erfahrung sein. Die meisten Songs sind vom Aufbau her wirklich einfach gehalten und die Stimmung wird hier nicht durch Lyrics, sondern das Zusammenspiel der musikalischen Elemente und Samples erzeugt. Das großartige "Torschlüsspanik" von Dioxyde scheint eindeutig von dieser frühen Zeit aus Rudys Schaffen inspiriert zu sein. Und was ich speziell "Preferential Legacy" zu gute halten muss ist die Auswahl und Zusammenstellung der Songs, denn es funktioniert verdammt gut, sich das ganze am Stück anzuhören, auch wenn die einzelnen Songs von verschiedenen Releases stammen. Ein paar merkwürdige Momente oder Passagen, die mich komplett kalt lassen haben sich zwar auch eingeschlichen, aber insgesamt konnte meine Begeisterung für "Preferential Legacy" von Jahr zu Jahr wachsen. Ganz fertig sind wir aber noch nicht, denn auch CD 2 hat ihre Bonustracks. Los geht es mit "God (A Tribute To Dive)", welches recht krude und damit vage nach altem :Wumpscut: Song klingt, sich aber meiner Meinung nach schlecht irgendwo besonders gut einordnen lässt. Wirklich viel dazu sagen kann ich auch nicht, weil es relativ spurlos an mir vorbei gegangen ist. "Red Water (In Loving Memory Of Jojo)" ist ein recht langes und entspanntes Instrumental. Passt hier ziemlich gut drauf und fügt sich schön in die gesamte Stimmung der CD, auch wenn man am moderneren Sound direkt merkt, dass es neuer ist als das, was wir davor gehört haben. "Crang March" kommt mit dem Vermerk "Prev. Unreleased". Keine Ahnung, ob Rudy das Ding schon länger in der Hinterhand hatte, aber auch hier würde ich sagen, dass es soundtechnisch neu klingt, aber vom Stil her so als hätte man einfach noch einen neuen Song für "Defcon" oder "Small Chambermusicians" entworfen - ziemlich cool. Beim nächsten Song wurden die Kritiken um auf die CD zu passen wohl etwas gelockert. "Hang Him Higher" ist definitiv kein Song, der gut zu "Preferential Legacy" passt, nur weil man die Vocals weglässt. Das Original ist damals auf "Blutkind" erschienen und war für mich definitiv eines der Highlights darauf. In dieser Version ist es für mich immer noch irgendwie okay, aber das Zusammenspiel aus Musik, Vocals und Samples war für mich immer so ziemlich genau das, was "Hang Him Higher" großartig gemacht hat und in dieser Version ist jetzt halt leider nur noch ⅓ davon übrig. "C.B.T." und "Against Decay" gehen so nahtlos ineinander über, dass ich die beiden fast schon eher als einen Song sehe, den man gar nicht so sauber an einer Stelle trennen kann. Auch dieses Klangerlebnis ist eher etwas für Leute, die auf eine klare Melodie verzichten können. Ich kann mich ganz gut drauf einlassen und freue mich über die einzelnen Elemente, die sich darin verstecken - zum Beispiel eine kurze Passage, in der Selene ein paar französische Zeilen einspricht, womit ich überhaupt nicht gerechnet hätte. Zum Abschluss gibt es noch eine erweiterte Version von "Dried Blood Of Gomorrha". Dieses recht extreme Instrumental fand ich auf der "Dried Blood" - EP schon echt klasse und die etwas längere und erweiterte Version macht die Sache nur noch besser. So, gut 140 Minuten hat es gedauert, sich durch beide CDs zu hören und was sofort auffällt ist die Tatsache, dass "Preferential Tribe" kein liebloses Aufwärmen alter Releases ist, um mal schnell etwas Geld abzugreifen oder um jeden Preis im Jahr 2003 etwas auf den Markt zu werfen. Beide CDs sind zwei komplett unterschiedliche, aber in sich selbst recht stimmige Werke, die auch heute noch verdammt gut funktionieren. Allerdings würde ich "Preferential Tribe" auf keinen Fall mit einer Best Of verwechseln und Neueinsteigern auch nicht unbedingt empfehlen. "Music For A German Tribe" bietet sich eher an, wenn man die Originale schon kennt und "Preferential Legacy" ist eine etwas spezielle und nicht so leicht zugängliche Erfahrung, die mich am Anfang auch erst abgeschreckt hat. Für alle, die mit :Wumpscut: von "Music For A Slaughtering Tribe" bis "Embryodead" was anfangen können, sollte an dieser Compilation als vertiefendes Werk aber eigentlich kaum ein Weg vorbei führen. [Review lesen]

14.11.2020 13:08 - Soko Friedhof: Devils Mark (2016)

8.5 / 10
Ich glaube bei Soko Friedhof hat sich der Stil im Laufe der Jahre so oft geändert, dass es schwierig ist, überhaupt noch ein Genre zu finden, welches das Projekt beschreibt. Mittlerweile fühle ich mich auch etwas doof, dass ich mich irgendwann mal über den einen oder anderen Stilbruch aufgeregt habe. Ich bin zwar immer noch der Meinung, dass sich auch diverse Kotbrocken in der Soko-Diskographie befinden, die auch heute noch kaum hörbar sind, aber ich kann es David A. Line auch nicht wirklich übel nehmen, dass er sich auf seiner Spielweise namens Soko Friedhof austobt. So richtig ernst sollte man das Sideproject von Untoten eh nicht nehmen. Deshalb war es auch immer etwas bekloppt, darauf zu hoffen, dass A. Line sich doch bitte endlich mal auf alte Stärken berufen und jetzt mal wieder ganz doll unbedingt ein Soko-Album rausbringen soll, welches so klingt wie früher. Die letzten drei Alben "Ghosts Of Berlin", "Black Magic" und "Satan And I" haben eh eher die Richtung des schwarzen Schlagers im Untoten Stil eingeschlagen und ich habe sie mir zwar brav gekauft, aber kaum reingehört. Na, vielleicht sollte ich das mal nachholen - am Ende entdecke ich noch ein paar Perlen. Danach wurde es aber ziemlich ruhig um die Soko. Vielleicht hat David A. Line sich ja einfach nur auf Untoten konzentriert oder keine Idee mehr gehabt, was er mit seinem Sideproject anfangen sollte… … oder auch nicht. Am Ende hat sich rausgestellt, dass der gute David mir heimlich und unwissentlich meinen Wunsch von damals erfüllt hat: sich auf alte Stärken von Soko Friedhof zu berufen und dabei komplett Back to the Roots zu gehen. Und das geht eigentlich nur, wenn er sich wieder in den berliner Underground zurück zieht, aus dem er einst gekommen ist. So hat er tatsächlich seit 2016 mittlerweile zwei Soko Friedhof Alben und eine Split mit Untoten veröffentlicht, obwohl ich den Begriff "veröffentlicht" hier sehr großzügig verwende. Im Saturn werdet ihr die CDs jedenfalls nicht finden, auch auf eBay, Amazon oder sogar Discogs könnte das etwas eng werden. Hey, selbst Wikipedia ist sich noch nicht bewusst darüber, dass nach "Satan And I" irgendwas kam. Aber im online Shop von David A. Line lässt es sich tatsächlich finden: das erste neue Underground Album von Soko Friedhof namens "Devil's Mark". Nachdem ich mich durch den eindeutig nicht für Smartphones konzipierten Shop gekämpft habe, kam einige Tage später ein nach Kippenrauch riechender Umschlag bei mir an, welcher "The Devil's Mark" beinhaltete. Die äußerst aufwendig gestaltete CD - Box mit Deluxe Booklet… Ne, wem will ich hier was vormachen - es gibt weder ein Jewelcase, noch ein Booklet, noch ein richtiges Cover. Einfach nur zwei schwarze Papersleeves mit den CDs drin. Selbst die Tracklist musste ich der Homepage entnehmen und die ist auch noch falsch, was beim ersten Hören für ordentlich Verwirrung gesorgt hat. Die CDs selbst sind aber ziemlich hübsch gestaltet. Die etwas abgefahrene Collage erinnert mich ein bisschen an das Cover vom "Hat Megatonnen Gift In Sich" - Sampler, den außer mir vielleicht noch drei Personen auf der Welt kennen. Zumindest an der Quantität kann ich schonmal nicht meckern - zwei CDs, die beide locker die Länge eines ganzen Albums erreichen und insgesamt auf fast 1 ½ Stunden Laufzeit kommen. Selbst thematisch kann man fast beide CDs als jeweils eigenständiges Album betrachten. CD1 hat den ganz klassischen grufti-satanistischen Stil von damals als die Welt noch in Ordnung war, während CD2 etwas experimenteller ausgefallen ist und sich am von der Soko noch nicht ganz so ausgetrampelten Pfad der politischen Themen ausprobiert - dabei vor allem die Flüchtlingskrise, die 2016 noch auf einem ziemlichen Höhepunkt war. Tja, wenn man in den 2010'ern den deutschen Spießer noch triggern will und Satanismus alleine nicht mehr reicht, muss man schon ein bisschen mit der Zeit gehen, oder? Aber fangen wir erstmal in Ruhe mit CD1 an. Nach dem kurzen Intro "I" geht es direkt mit dem Titeltrack "The Devil's Mark" los, der das Intro wiederum ziemlich cool in den eigentlichen Song einbaut und ich bin sofort verzaubert: extrem tanzbarer Sound, der hier fast ohne Vocals, mit ein paar Samples und einer recht einfachen Melodie zusammengebastelt wurde. Könnte für meinen Geschmack locker länger gehen als die knapp 2 Minuten. Was hat A. Line gleich nochmal zum nächsten Song "Geschöpf Der Nacht" zu sagen? "Ein erbärmlicher Versuch, einen Hit zu wiederholen, was natürlich scheitern musste.". Ganz so hart würde ich damit nicht in's Gericht gehen, zumal er eher mal melancholisch daherkommt, statt als Tanzflächenhit. Die dezenten Gitarren im Hintergrund und die Vocals verleihen dem ganzen auch etwas Tiefe. Leider geht beides hinter dem ganzen monotonen Elektrokrempel etwas unter. Schlecht ist das Ergebnis auf keinen Fall, aber auch schnell ausgereizt. Von mir aus hätte dieser Song hier zwei Minuten gehen können und "Devil's Mark" dafür etwas länger. Nach dem kurzen Übergang "Güte" wird es mit "Fleischwolf" etwas härter. Ziemlich aggressive Beats, härtere Vocals von A. Line und Lyrics die auch nicht ganz ohne sind erinnern auch thematisch etwas an die Horrormetzgerei-Zeit von "Mord" und "Drom" mit einem entscheidenden Unterschied: "Fleischwolf" kann man sich tatsächlich gut anhören. Sicher keine musikalische Revolution, aber um kurz einen Song zu haben, der etwas mehr knallt, ist das Ding allemal gut. "Drag Me To Hell" ist so ziemlich das ganze Gegenteil: traurig, langsam, ruhig, extrem melancholisch. Bei den schmachtenden Vocals hier kommt man kaum auf die Idee, dass der gleiche Mann vorher noch "Fleischwolf" gesungen hat. Alle Achtung! Es ist schon etwas länger her, dass Soko Friedhof einen Song beigesteuert hat, der mir wieder richtig Gänsehaut macht. Etwas epischer kommt "Lucifer, My Lord" daher. Alleine die Musik und Samples lassen mich an etwas experimentellere Werke von :Wumpscut: denken. Wenn jetzt noch Rudy Ratzingers verzerrte Stimme auftauchen würde, wäre mein Tag perfekt. So weit kommt's dann leider doch nicht und die Vocals, die wir haben passen tatsächlich nur bedingt rein, aber am Ende würde ich sagen, dass "Lucifer, My Lord" als solider Filler in Ordnung geht. "Genesis (Ich Bin Der Herr)" macht aber schon deutlich mehr Spaß. Das Tempo ist ordentlich, die Musik in Kombination mit dem Text gibt der ganzen Nummer ein angenehm trashiges Darkwave-Feeling. "Build Something New" ist einer dieser langsamen, schweren Songs, der mich ziemlich stark an "Eliminate Your Pain" von ganz früher erinnert. Nach billiger Kopie klingt hier aber zum Glück nichts. Die Atmosphäre ist wirklich ordentlich und gefühlt wird das Ding mit jedem Mal hören besser. "Nightmare" ging bei den ersten 2-3 Durchläufen bei mir etwas unter, weil es weder einen besonders fiesen Ohrwurmcharakter hat, noch wie "Fleischwolf" oder "Drag Me To Hell" eine besonders extreme Ausprägung des Albums bedient. Trotzdem ist es ein echt sehr gut umgesetzes Stück, dass ebenfalls ein paar mal gehört werden muss, um besser zu werden. An das gut 5-minütige "Dragon" komme ich dagegen bis heute nicht so ganz dran. Bei weitem kein schlechter Song und wahrscheinlich das groovigste Stück auf der CD, aber mehr als ein netter Filler wird das ganze wohl nicht mehr für mich werden. Dann doch lieber das catchige "Körperfresser" die englischen Strophen und der deutsche Refrain passen wie Arsch auf Eimer zu der sonst eher simplen Melodie - super zum Tanzen. Wer es noch gesangslastiger möchte, kommt vielleicht mit "River Of Blood" auf seine Kosten. Obwohl es dem Song nicht an Tempo fehlt, hat er leider seine Längen, aber der Refrain kommt verdammt gut und entschädigt für einiges. Das ziemlich kurze "Finde Das Licht" geht bei mir fast schon als Dark Ambient Nummer durch. Sowas hat es bei mir immer etwas schwerer, da ich meine Gruftimucke doch mit etwas mehr Melodie mag, aber als kurze Atmosphärische Zwischennummer kann ich das so stehen lassen. Mit gitarrenlastigen "Fliegen" kommt jetzt zum Abschluss genau der Song, der mir noch gefehlt hat. Ein schrammeliger, dreckiger nostalgischer Ausflug in die Zeit, in der David unter Sonic Malade irgendwas zwischen Punk und Gothic rausgehauen hat. Danke dafür! Da ging mir doch glatt das Herz auf! Hey, alleine das war schon wirklich großartige Unterhaltung, die Soko Friedhof wirklich wieder neues Leben eingehaucht hat. Ganz so wie in der Zeit vor "Blutrünstiges Mädchen" sind hier die Melodien eher schlicht, der Einsatz von Samples heftig und der Humor eher subtil und trotzdem funktioniert alles perfekt. Und das beste: wir haben noch eine ganze CD vor uns! CD2 öffnet mit dem Intro "Alakba", welches mit seinem leicht orientalisch angehauchtem dezenten Gesang und dem Maschinengewehrfeuer im Hintergrund nicht nur eine angenehm hypnotischen Atmosphäre verbreitet, sondern bestimmt auch einen guten Teil der Hörer direkt in der ersten Minute vergrault - perfekt! Ähnlich wie auf CD1 wird das Intro wieder recht gekonnt in den ersten Song - diesmal "Achtung, Achtung!" - eingebaut. Okay, jetzt bewegt sich der Stil etwas mehr in der Zeit zwischen "Klingeltöne Satans" und "Totengräber", ist also weniger dezent und sorgt direkt für sehr viel Action und Provokation, was für mich absolut okay ist, da dieses Actionfeuerwerk ganz gut umgesetzt wurde. Wirklich gut trifft meinen Humor aber "Wer Deutschland Nicht Liebt", welches die bekannten "Wer Deutschland Nicht Liebt, Soll Deutschland Verlassen" Sprechchöre auf den PEGIDA-Demos damals mit einem netten Beat unterlegt und ein paar ausgewählten Samples aus den Interviews mit den PEGIDA - Anhängern garniert. Und was soll ich sagen? Die Wutbürger können - wenn richtig abgemischt - erstaunlich musikalisch sein. Bonuspunkte gibt's von mir dafür, dass David A. Line es geschafft hat, einen Song zu schreiben, mit dem er wahrscheinlich sowohl gute Teile des rechten als auch linken Lagers anpissen wird. "Lauf Um Dein Leben, Lauf" könnte so ebenfalls recht locker auf einem Soko-Album der späten 2000'er zu finden sein, ohne großartig aufzufallen. Auch hier gibt's ein ordentliches Tempo, deutsche Texte, eine klare Struktur und nichts, was unangenehm auffällt, aber auch wenig was unbedingt hängen bleibt. "Bangbangbang" ist ähnlich wie "Wer Deutschland Nicht Liebt" eine ganz nette Collage aus Soundschnipseln von politisch eher fragwürdigen Gestalten - egal ob Trump oder irgendwelche Salafisten, die Deutschland als Kriegsgebiet betrachten. Auch hier haben wir einen ganz netten Mix, der die ganzen bekloppten Leute doch ganz gut in's Ohr gehen lässt. "Tötet Das Schwein" ist weniger mein Ding. Die ganze Musik auf der das alles aufgebaut ist klingt schon ziemlich billig und so langsam könnte David mal mit etwas ausgefalleneren Vocals kommen als seinem deutschen Sprachgesang. Tja, "Je Suis" erfüllt mir genau den Wunsch. Ein etwas langsamer Song in dem David tatsächlich singt und das auch noch auf Französisch - unterlegt mit einem echt kranken Beat, extrem passenden Samples, die gefühlt extra für diesen Song entwickelt wurden und eine unerwartete Härte, die doch von der Nummer ausgeht… Alles klar, ich bin schon ruhig. Alles geil, bitte weiter so! Grüß Gott ist ebenfalls nett und bleibt bei der Formel "langsam und hart zugleich". Die Gitarren im Hintergrund machen da fast schon eine brauchbare NDH-Nummer draus. Okay "Das Saugen Des Vampyrs" danach ist ein ziemlicher Mindfuck. Keine Ahnung, wie ich das hier beschreiben soll, aber diesen Ohrwurm werdet ihr so schnell nicht mehr los. Rockiger Song für zwischendurch gefällig? Dann könnt ihr ein wenig zu "Maskenmann" abgehen. Auch das hier ist jetzt keine Offenbarung, aber völlig in Ordnung. "Join Me" könnte neben den politischen Soundcollagen mit der experimentellste Song auf "Devil's Mark" sein. Hier geht eine ganze Menge ab, melodischer Gesang, catchiger Beat, ganz gefällige Synths und extrem aggressive Samples werden hier bunt zusammengewürfelt. Ich glaube nicht, dass was für jeden ist, aber ich bin einigermaßen begeistert. Der Abschluss "Sexual Impulses" hat eine Menge Potential und erinnert mich angenehm an "Jesussaft". Leider sind die elektronischen Arrangements etwas zu plump, um wirklich für einen gut abgerundeten Song zu sorgen, was etwas schade ist. Damit sind wir jetzt wirklich einmal komplett durch und ich bin wirklich sehr angenehm überrascht. CD1 dürfte so ziemlich jeden Wunsch des Soko-Nostalgikers erfüllen. CD2 kann zwar nicht zu 100% mithalten, bietet aber immer noch mehr als solide modernere Soko-Qualität mit dem einen oder anderen WTF-Moment und hat mich direkt mehr in ihren Bann gezogen als alles, was unter der Soko die Jahre davor rauskam. Bis auf ein paar holprige Momente hat sich "Devil's Mark" verdammt gut geschlagen und hey: ich erwarte bei 27 Songs keine 27 Volltreffer. Schade, dass wahrscheinlich nicht besonders viele Leute diesen Reboot der Soko zu hören bekommen haben. Falls euch Soko Friedhof zuletzt also etwas langweilig geworden sein sollte und ihr euch auch nur halbwegs vorstellen könnt, David A. Line nochmal 'ne Chance zu geben, wäre "Devil's Mark" allemal noch einen Versuch wert. [Review lesen]

08.11.2020 08:26 - Dying Source: Dark Waters (2010)

4.5 / 10
"Good Music is a Dying Source" - Dieser Aussage aus dem Booklet von "Dark Waters" würde ich nicht widersprechen. Aber kann man auch anders herum sagen, dass Dying Source gute Musik ist? Die Frage lässt sich gar nicht mal so einfach beantworten. Letztes Jahr um die Zeit bin ich durch meine Sammlung gegangen und habe mich etwas näher mit der EP "Rise And Decay" von der kleinen Schweinfurter Truppe befasst. Das Ergebnis war in Ordnung aber nicht überwältigend. Allerdings war mein Interesse in so weit geweckt, dass ich mir mal deren Album "Spheria" geben wollte. Dieses habe ich bis heute nicht finden können, aber einzelne Songs auf Youtube waren doch ziemlich vielversprechend. Stattdessen bin ich jetzt spontan über deren erste EP "Dark Waters" gestolpert, welche nur ein Jahr vor "Rise And Decay" abgefeuert wurde. Wenn "Rise And Decay" zwar ganz gute Ansätze hatte, aber noch nicht ganz so ausgereift klang wie das, was ich bis jetzt vom "Spheria" Album hören durfte, dann wäre die Vorgänger-EP ja eigentlich nicht gerade die beste Wahl, aber die Neugier hat am Ende doch gesiegt und ich habe zugeschlagen und bin einmal tief in die dunklen Gewässer gesprungen. Ich habe mich ja bei "Rise And Decay" etwas über das hässliche Cover lustig gemacht. Nun, besser als die braun-graue Matschorgie von "Rise And Decay" ist das Cover von "Dark Waters" allemal, aber einen guten Künstler schien damals trotzdem wohl keiner der Jungs in seinem Bekanntenkreis gehabt zu haben. Sieht ein bisschen so aus als wenn die Suchbegriffe "Black Water" und "Stock Image" das Coverbild damals in der Google-Bildersuche auf der ersten Seite ausgespuckt hätten. Aber scheiß auf das Cover, solange die Musik etwas kann! Hier wären ja jetzt 3 Szenarien denkbar. 1) Die Band hat sich von Release zu Release deutlich weiterentwickelt und an Qualität gewonnen. Das wäre gut für die Band und schlecht für mich, wenn ich jetzt deren mit Abstand schlechteste Werk hätte. 2) Beide EPs sind in etwa auf dem gleichen Level - das wäre etwas langweilig zu reviewen, wenn es einfach nur mehr desselben gäbe, aber okay. 3) wir haben es hier mit einem verstecktem Juwel zu tun und Dying Source haben hier eine Qualität abgeliefert, an die sie nie wieder herangekommen sind. Lösen wir es mal direkt auf: es ist irgendwas zwischen 1) und 2). "Dark Waters" ist wirklich keine Katastrophe und auch hier merkt man direkt, dass die Jungs ihre Instrumente beherrschen. Genau wie auf "Rise And Decay" bekommen wir Melodic Death Metal ohne viel Brimborium drum herum serviert - diesmal sogar ganze 8 Songs, was für knappe 30 Minuten Laufzeit sorgt. Wo wir einen Zuwachs an Länge haben, müssen wir aber leider auch Abstriche bei der Qualität machen. Zuerst einmal ist "Dark Waters" nicht besonders abwechslungsreich. Fast alles ist im Midtempo, die Growls von Sänger Lupus sind Standard Death Metal Growls ohne große Variation, die sich erst auf "Rise And Decay" etwas entwickelt haben und textlich konnte ich bis jetzt auch noch nicht viel raushören, was aus der Masse an vertonter schlechter Laune, Herzschmerz und inner struggles irgendwie hervorstechen konnte. Dazu kommt, dass die Soundqualität hier ebenfalls nicht die beste ist. Es ist jetzt kein ekelhaftes Gematsche oder so und man hört auch jedes einzelne Instrument heraus - ja versteht sogar die Lyrics, aber irgendwas klingt seltsam. Die Vocals und Rhythmusgitarre sind davon weniger betroffen, aber die Leadgitarre klingt extrem schwach und das Schlagzeug sehr blechern und ohne wirklich viel Power. Man gewöhnt sich mit der Zeit daran, aber verglichen mit neueren Werken klingt es einfach nicht schön. Was die Truppe dafür gut schafft: die Songs sind teilweise zwar recht simpel aufgebaut, gehen aber direkt einfach so runter. Man muss sich "Dark Waters" nicht 5 mal anhören, bis man drin ist, sondern hat direkt nach dem ersten Durchlauf den einen oder anderen Ohrwurm. Das macht es zwar tatsächlich etwas langweilig, wenn man vorhat, es öfter hintereinander zu hören (so wie ich zu diesem Review), weil man recht schnell schon alles verinnerlicht hat, was die Scheibe zu bieten hat - trotzdem finde ich es gut, direkt so abgeholt zu werden. Der Opener "Let Me Go!" beschreibt dieses Phänomen eigentlich perfekt. Der Refrain ist direkt ziemlich catchy und lässt mich schneller mitwippen als ich gedacht hätte, wird aber innerhalb des Songs so oft wiederholt, dass man es nach den gut 4 Minuten direkt schon etwas über hat. "Desire" kommt mir doch irgendwie bekannt vor… Ah ja: offenbar fand die Band es so gut, dass sie den Song nochmal auf "Rise And Decay" eingespielt haben. Dort ist von dem Ding bei mir nicht besonders viel hängen geblieben, ohne dass ich jetzt direkt etwas schlechtes über den Song sagen konnte. Naja, hier haben wir genau das gleiche nochmal in etwas schlechterer Qualität, die dem Gitarrensolo am Ende nur bedingt gut tut. Fast schon etwas holprig wird es mit "A Memory". Dieser Song hat einen sehr merkwürdigen Fluss - teilweise sehr monoton zusammenhängend, dann wieder ganz unvermittelt recht abgehackt. Ich gebe zu: mich verwirrt das Ding eher. "Blame" - gleichzeitig wahrscheinlich der schnellste und härteste Song auf "Dark Waters" (trotzdem natürlich noch im Midtempo) trifft da meinen Geschmack schon eher. Nette und einfache Melodie mit ein paar Momenten, in denen Lupus mal etwas mehr Kraft aus seiner Stimme holt. Auch "Done By Me" gefällt mir direkt. Sehr geiles Riff und alleine die erste Minute, in der die Band ohne Sänger ihr Können unter Beweis stellt ist ein geiler Moment, auch wenn sich dann später die Vocals ebenfalls als sehr brauchbar erweisen sollten. Ich könnte mir "Done By Me" in einer Version mit ordentlicher Abmischung sogar als eine richtig geile Geschichte vorstellen. "Reborn" legt auch kein schlechtes Tempo vor, hat dabei aber ein bisschen die Abwechslung vergessen. Trotzdem: ziemlich solide Nummer und zusammen mit "Blame" einer der etwas schnelleren Momente auf "Dark Waters". "Evil Inside" schwankt die ganze Zeit zwischen extrem generischer und langweiliger Struktur und einigen Momenten dazwischen, die mich immer mal wieder interessiert aufhorchen lassen. Vielleicht noch nicht ganz ausgereift das ganze, aber das Potential ist definitiv da. Mit "Vertrauen" gibt's am Ende sogar einen Song in deutscher Muttersprache. Mal abgesehen davon, dass er mit 2.42 Minuten recht kurz ausgefallen ist, bringt er aber nicht besonders viel mit, was ihn besonders positiv oder negativ von den anderen Songs abhebt. Damit wäre "Dark Waters" dann durch ohne einen besonders guten oder schlechten Eindruck zu hinterlassen. Das hier ist quasi einfachster Melodic Death, der trotzdem irgendwie funktioniert. Bis auf die merkwürdige Abmischung der Instrumente, die meinen Geschmack nicht so recht treffen will und ein paar kurzen etwas ungelenk wirkenden Momenten gibt es hier wenig, was den Hörgenuss direkt verdirbt. Auf der anderen Seite wurden aber gleich dazu fast alle Momente vergessen, die "Dark Waters" zu etwas besonderem hätten machen können. "Rise And Decay" hatte zumindest hier und da die eine oder andere Stelle, den einen oder anderen Song, der wirklich Lust auf mehr gemacht hat. Das hier kann ich mir dagegen zwar anhören ohne genervt zu sein und wenn ich mir mal eine Death Metal Playlist mache, kann ich mir die mit Songs von "Dark Waters" strecken, ohne dass die Qualität zu sehr abnimmt, aber das würde mir alles nicht reichen, um Fan zu werden. Aber jeder hat ja mal klein angefangen und im Falle von Dying Source scheint die Entwicklung ja in die richtige Richtung gelaufen zu sein. Aber zumindest aktiv anstrengen würde ich mich nicht, um "Dark Waters" in die Sammlung zu bekommen. [Review lesen]

01.11.2020 13:42 - FGFC820: Hanging Garden, The (2005)

7.0 / 10
FGFC820's "The Hanging Garden" war sehr lange Zeit ziemlich weit oben auf der Liste meiner Most Wanted CDs. Selbst als die beiden EBM/Industrial-Kriegshelden Rexx Arkana und Dräcos mit "Homeland Insecurity" das dritte Mal mit einem FGFC820-Album in die Schlacht gezogen sind, waren sie jetzt nicht super bekannt. Da kann man sich natürlich vorstellen, dass die Auflage für die Debüt - EP nicht besonders groß gewesen sein kann. Zusammen mit der noch selteneren Single "For Emergency Use Only" ist das definitiv eine der CDs von dem Duo, an die man nicht so schnell kommt. Zumindest im Falle von "The Hanging Garden" bin ich letztes Jahr auf Discogs über einen griechischen Händler gestolpert, der dafür einen recht saftigen Preis haben wollte. Ich habe in der Situation natürlich das einzig vernünftige getan und damit meine ich natürlich nicht, nochmal 5 Jahre zu warten, bis evtl. ein besseres Angebot aufploppt. Offenbar gibt es zwei Versionen von "The Hanging Garden" - beide im Gegensatz zu späteren Werken unter Razorburn Records veröffentlicht, beide als CDr erschienen, aber mit dem Unterschied, dass eine Version wohl in einer schmucken DVD - Hülle mit Poster kommt, während ich mich mit der Slim-CD-Case Version mit Sticker begnügen musste. Da beide Versionen aber inhaltsgleich sind, ist es mir eigentlich egal, ob ich jetzt unnötig viel Kohle für die schlechtere Version rausgehauen habe. Die Frage ist wohl eher, ob die Songs darauf den ganzen Aufwand auch wert waren. Zumindest muss ich direkt sagen, dass hier an der Anzahl nicht gespart wurde. 8 Stück sind für so eine EP ganz ordentlich und es ist eine sehr nette und bunte Mischung aus allem möglichen dabei. Und falls der Titel der EP den einen oder anderen schon stutzig gemacht hat: jep, wir haben es hier mit einem Cover des gleichnamigen Songs von The Cure zu tun. Mal abgesehen davon, dass es nicht so oft vorkommt, dass jemand sein Debüt nach einem Coversong benennt, haben die britischen Gothrocker doch recht wenig mit unseren beiden amerikanischen Elektro-DJs zu tun. Mein Interesse war also schon von Anfang an mehr als geweckt. Wie klingt also der Opener "The Hanging Garden" und damit technisch gesehen der erste Song von FGFC820? Tatsächlich ziemlich wenig nach FGFC820, aber auch wenig nach The Cure. Nun, letzteres war zu erwarten, aber nicht auf die Art und Weise, die ich vermutet hatte. Rexx Arkanas Vocals sind doch in der Regel recht eindeutig - hart, laut, brutal, ordentlich verzerrt. Das heißt nicht, dass die Songs drum herum einseitig sind. FGFC820 haben die einen oder andere Ballade wie "Forsaken" oder "Love Until Death" am Start und können wirklich eine Vielzahl an Emotionen und Eindrücken hinterlassen. Allerdings immer, indem sie Tempo, Lyrics oder die ganzen elektronischen Arrangements drum herum entsprechen anpassen. Rexx Arkanas Vocals bleiben meist laut und hart. Das ist bei "The Hanging Garden" doch schon auffällig anders - obwohl immer noch digital verzerrt, wurden sie deutlich heruntergefahren, klingen viel dezenter, ja manch einer würde sogar sagen, dass der Mann hier fast schon singt - schockierend, ich weiß. Dazu kommt, dass auch die gesamte Musik dem melancholischen Text angepasst wurde und das Endergebnis deutlich ruhiger klingt als das etwas schnellere Original. Dazu kommen einige sehr kreative Elemente wie der Hintergrundgesang, der einen sehr afrikanischen Vibe vermittelt. Das geht alles perfekt auf und macht "The Hanging Garden" echt zu etwas besonderem, wenn man sich darauf einlassen kann, einen FGFC820-Song zu hören, der einem nicht die Anlage um die Ohren fliegen lässt. Und hey: so sollte doch ein Cover idealerweise klingen - es fügt dem Original etwas ganz neues hinzu, klingt aber auch nicht wie ein typischer Song der Band, die ihn covert. Der Babylon Remix von "The Hanging Garden" ist da ein sehr netter Vergleich. Falls ihr euch fragt, wie das Cover geklungen hätte, wenn die beiden es in ihrem typischen Stil interpretiert hätten, bekommt ihr hier den entsprechenden Gegenentwurf zum ersten Song. Die Vocals knallen hier wie man es gewohnt ist, die Musik ballert etwas mehr und es vergeht kaum ein Moment, in dem der Bass eurer Anlage nicht voll und ganz beansprucht wird. Natürlich weniger originell als die ursprüngliche Version, aber trotzdem ein sehr gelungener Remix. Mit "Resolution Number One" haben wir den allerersten von mittlerweile 12 Resolution-Songs. Das sind kurze instrumentale Stücke, die auf den Alben und EPs alle paar Songs mal das ganze Geschehen etwas auflockern. Während die neueren Resolution-Songs etwas an Komplexität zugenommen haben, sind vor allem die früheren Vertreter meistens extrem minimalistisch und "Resolution Number One" demonstriert das auch gleich sehr deutlich. Ich würde das ganze fast schon eher als einminütige Soundcollage bezeichnen, in der diverse Störgeräusche halbwegs melodisch aneinander gereiht wurden, statt als Song im klassischen Sinne. Erwartet also nichts tanzbares. Trotzdem ist es ganz nett für das was es ist und zeigt wie FGFC820 auch aus fast nichts etwas machen können. Der nächste Song "World Of God" wurde so vom (damals) kommenden Album "Urban Audio Warfare" vorweggenommen. Insgesamt auf jeden Fall einer der ambitionierteren Songs. Mit seinen fast 6 Minuten Laufzeit braucht es alleine 1 ½ Minuten Zeit bis, sich Rexx Arkana überhaupt erst zu Wort meldet. Ansonsten haben wir hier einiges an Tempowechseln, Sprachsamples und sonstigen Spielereien, die so einen Song mit Inhalt füllen. Ich weiß, dass ich damals auf "Urban Audio Warfare" zwar nie ein Problem mit "World Of God" hatte, mir die etwas simpleren Songs, die mit weniger Aufwand mehr ausgedrückt haben aber immer etwas lieber waren. Das hat sich hier kaum geändert. Es gibt hier definitiv einige schöne Momente zu bestaunen und es wird beim Anhören sofort klar, dass die Jungs hier Handwerk beherrschen, aber weniger hätte es auch getan. Nun, der Soman Body Remix versucht sich genau daran und macht eine clubtaugliche Nummer aus "World Of God". An der Struktur des Originals wurde wenig verändert, aber die Elektronik gleich mal hochgefahren, sodass gar nicht erst irgendwelche ruhigen Momente aufkommen können. Das klingt am Anfang nett, bis man merkt, wie repetetiv das ganze schnell wird. Für die Tanzfläche geht das sicher so klar, auch um es komplett im Hintergrund zu hören. Aber wenn ihr versucht, auch den Remix aktiv anzuhören (okay, ist wahrscheinlich auch 'ne beknackte Idee) dann wird es sehr schnell langweilig. Zeit für einen neuen Resolution-Song! "Resolution Number Two" ist etwas länger, ähnlich minimalistisch aber etwas zugänglicher als Teil 1. Auch hier haben wir es ganz sicher mit keiner Offenbarung zu tun, aber das Tempo und der Klang insgesamt sind fast schon entspannt, passen sich ganz gut an die eh schon etwas ruhigere Atmosphäre der EP an und lassen einen nochmal kurz durchatmen, bevor es in die letzte Runde geht. Zum Abschluss erwarten uns noch zwei Instrumentals namens "Malfunction" und "Cold Front". Alle beide mögen damals vielleicht noch etwas komplexer gewesen sein als der übliche Resolution-Song, aber auf den neueren Alben wären sie wahrscheinlich nicht viel mehr als das. Wer hier also zum Abschluss noch zwei vollständig ausgefleischte Songs erwartet, könnte etwas enttäuscht werden. Zumindest "Malfunction" kommt mit einer echt ordentlichen Dynamik daher und hat etwas mitreißendes, sodass ich es mir gut und gerne zwischendurch mal geben kann. "Cold Front" mag technisch gesehen vielleicht sogar etwas komplexer sein, kann bei mir aber nicht so richtig zünden. Das liegt vielleicht daran, dass es wenig originell klingt. Während "Malfunction" doch ziemlich nach FGFC820's eigenem Stil klingt, könnte "Cold Front" auch die Grundlage für ein beliebiges Stück von Suicide Commando, :Wumpscut: oder Hoccico sein, welches es am Ende nie geschafft hat, released zu werden und dann auf irgendeiner Compilation verwurstet wurde. Insgesamt liefen FGFC820 hier einen wirklich ordentlichen ersten Eindruck ab, der aber auch etwas Luft nach oben übrig lässt. Wenn ich mir tatsächlich zuerst "The Hanging Garden" geholt und angehört hätte, dann wäre mein Interesse zumindest soweit geweckt worden, dass ich weiter drangeblieben wäre und mich von einem der drei Alben hätte verzaubern lassen. Gerade wenn ich "The Hanging Garden" aber mit späteren Werken vergleiche, kann ich fehlen mir hier die etwas kraftvolleren Momente - ihr wisst schon: die Songs, die einem komplett die Birne abreißen, die Bude auseinander nehmen und absolutes Chaos auf der Tanzfläche veranstalten. Immerhin ist das im Laufe der Jahre zu einer absoluten Stärke der beiden Jungs geworden. Auf "The Hanging Garden" lässt sich das eher mal erahnen. Dafür hat die ganze EP eine etwas ruhigere, fast schon melancholische Atmosphäre, was natürlich auch nicht schlecht sein kann. Anfangen würde ich als jemand, den das Projekt interessiert, jetzt nicht unbedingt mit "The Hanging Garden". Für Fans, welche die Alben gehört und für gut befunden haben, dürfte diese EP aber mehr als interessant sein und die eine oder andere Überraschung bieten. Ich würde sie also zumindest für Leute empfehlen, die sich mit dem Projekt schon etwas besser auskennen, aber wahrscheinlich sollte ich eher mal viel Glück dabei wünschen, sie in die Hände zu bekommen. Ich versuche in der Zeit irgendwie an "For Emergency Use Only" zu kommen. [Review lesen]

24.10.2020 10:59 - Brujeria: Viva Presidente Trump! (2016)

7.0 / 10
Pünktlich zur US-Wahl 2016 sind Brujeria nicht nur mit einem neuen Album zurück von den Toten auferstanden, sondern haben mit der Single "Viva Presidente Trump!" auch noch ihren Beitrag zum Wahlkampf geleistet und bekennen sich dabei als große Trumpunterstützer. Macht überhaupt keinen Sinn? Wenn man der Logik des Songs folgt dann irgendwie schon (mal eine kleine Übersetzung): "I actually want him to be president gabacho Because he wants war and so do we I want the Trumpy president to win Because if he starts something, we’re definitely gonna finish it" Leider bin ich kein Vinylsammler und habe die Single gerade nicht bei mir rumliegen, aber ich habe etwas besseres: Es gibt ein inoffizielles Bootleg mit dem selben Namen, welches sämtliche Singles enthält, die bis 2016 veröffentlicht wurden. Ein wenig wie die "The Singles" Compilation, nur etwas aktueller. Natürlich fehlen hier die späteren Singles "Americon Czar" und "Covid 666" aber für jeden, der keinen Bock hat, sich alle Singles einzeln zu besorgen und reine CD-Sammler wie mich ist das hier zumindest die effizienteste Methode, um an den ganzen alten Krempel zu kommen. Insgesamt kann "Viva Presidente Trump!" mit stolzen 20 Songs von sehr unterschiedlicher Qualität aufwarten. Das ganze wurde in keiner wirklich logischen Reihenfolge angeordnet, aber es fängt grob bei den neuen Sachen an und endet irgendwo beim fragwürdigen Genuss, der richtig alten Grindcore-Singles. Mein Beitrag zur aktuellen US-Wahl wird jetzt also darin bestehen, die ganzen Brujeria-Singles durchzugehen, mit "Viva Presidente Trump!" anzufangen und mich schließlich langsam bis zu der prähistorischen Urscheiße namens "¡demoniaco!" durchzugwühlen. "Viva Presidente Trump!" beginnt sehr ähnlich wie "Pito Wilson" damals mit einer kleinen Rede von Donald Trump. Im Gegensatz zu Pete Wilson wird dieser zwar nicht im Intro erschossen, sondern im Outro mit Macheten zerhackt, aber man muss ja auch auf ein bisschen Abwechslung achten. Der Song an sich ist mehr als ordentlich geworden. Er beginnt recht gemütlich, steigert sich immer weiter und nimmt zwischendurch ein echt krankes Tempo auf. Auch die B-Seite "Pared De Muerte" hat mich direkt überzeugt und klingt nach nichts, was wir von der Band schon gehört haben. Insgesamt deutlich roher und fast schon eher im Thrash Metal Bereich kommt das Ding fast ein Song auf "Raza Odiada" in geiler Qualität daher. Besonders der Drummer durfte sich hier ordentlich austoben und auch auf einem guten Album könnte "Pared De Muerte" trotz seiner Einfachheit gut mit dem Lineup an Songs mithalten. Damit wäre "Viva Presidente Trump!" schonmal eine sehr gelungene Single. Wenn ich hier jetzt Feierabend machen würde, dann hätte ich an der ganzen Sache rein garnichts auszusetzen und jeder, der einzelne Vinyls von Brujeria sammelt hat eigentlich gar keine andere Wahl, als sich die Single gefälligst zu holen. Als nächstes hätten wir die recht umfangreiche "Marijuana"-Single, wobei der Song "Marijuana" wahrscheinlich die beste Methode ist, wirklich jeden, der ihn hört anzupissen, immerhin handelt es sich um ein waschechtes Cover von "Macarena" - ja genau: der "Macarena"-Song von Los del Rio, der alle in den 90'ern genervt hat. Ihr dürft gerne mal raten durch welches Wort "eeeeehhhh Macarena!" im Refrain ersetzt wurde. Auch wenn das ganze ein extrem seltsamer Pop-Metal-Hybrid ist, finde ich die Scheiße sogar ziemlich gelungen. Was soll ich sagen: man bleibt dem Original schon sehr treu, behält sich aber aber Juan Brujos typische Growls, recht knackige Gitarren und natürlich die typischen Brujeria-Lyrics. Damit wäre "Marijuana" eigentlich sowohl für Metalheads als auch Fans des Originals ungenießbar, aber für einen Song, der so gar nicht ernst gemeint ist, kann ich ihn mir zumindest ab und zu erstaunlich gut anhören. Mit "Matando Güeros '97" haben wir auf dieser witzigen Single eine kleine Überraschung - wie der Name schon sagt eine Neuauflage des Klassikers "Matando Güeros". Das Original war für mich eines der wenigen Highlights auf dem gleichnamigen Album und die neue Version kann das Original nochmal deutlich toppen. Viel bessere Soundqualität gibt es allerdings kaum. Erstaunlicherweise klingt "Matando Güeros '97" schlechter als der Durchschnittssong auf "Raza Odiada", aber das stört mich nicht unbedingt. Dafür wurde die Nummer inhaltlich erweitert und geht jetzt über 3 Minuten - sehr geile Sache. Schließlich gibt es noch eine kurze Promo. Eigentlich könnte ich sagen, dass diese ja kaum als echter Song zu werten wäre, sondern eher als kurzer 40-Sekunden-Ausschnitt, aber gleichzeitig haben wir ja auch noch mehrere "Songs" vor uns, die diese Grenze zeitlich unterschreiten. Schließlich hat die "Marijuana"-Single noch 3 Livesongs, die aus irgendeinem Grund auf diesem Bootleg ganz nach hinten verlegt wurden. Mit "Pito Wilson", "Hechando Chingazos" und "Matando Güeros" wurden direkt schonmal drei sehr geile Songs gewählt. Die Qualität der Aufnahmen ist etwas speziell - erwartet auf jeden Fall keinen Hochglanzsound. Ich habe damit aber im Prinzip kein Problem. Alles klingt so als wäre es in einer kleinen Halle aufgenommen worden und vor allem Vocals und Publikum sind sehr gut zu hören, was für mich eigentlich immer ein großes Plus ist. Als nächstes hätten wir die gesamte "¡Machetazos!"-EP. Was mir sofort auffällt ist, dass der Sound extrem seltsam verzerrt klingt. Ich kann das jetzt nur mit den Songs vergleichen, die später auch auf "Matando Güeros" erschienen sind, aber teilweise sind die Qualitätsunterschiede schon brutal. "Padre Nuestro" zählt interessanterweise nicht zu den Songs, die es später auf "Matando Güeros" geschafft haben und das ist schade, da er ernsthaft eine der besseren Nummern auf der EP ist. Es gibt halbwegs sowas wie eine Struktur und die angenehm schleppenden Gitarren geben dem ganzen fast schon etwas doomiges. Auch "Molestando Miños Muertos" geht absolut in Ordnung. Die kreischenden Gitarren, die wie Fingernägel auf einer Tafel klingen und Juan Brujos Stimme, nach dem er offensichtlich reichlich Dämonenblut getrunken hat bilden einen doch ganz faszinierenden Kontrast, wenn man auf sowas steht. Viel mehr positives lässt sich zu "¡Machetazos!" dann auch leider nicht sagen. "Poseidos" ist ein Song, der ebenfalls nicht nochmal rereleased wurde und ich verwende den Begriff "Song" hier sehr großzügig. Es ist eher eine Art musikalische "Erfahrung" . Ungefähr so dürfte es klingen, wenn ihr euch alle von Brujeria besungenen Drogen gleichzeitig einschmeißt und dann einen beliebigen Song der Band anhört. Der Rest, der aus "Machetazos (Sacrificio II)", "Castigo Del Brujo" und "Cristo De La Roca" war für mich auf "Matando Güeros" schon langweilig und kann hier nun nochmal in schlechterer Qualität bewundert werden. Zwischen die beiden ganz alten EPs hat sich dann noch die eigentlich neuere "El Patrón"-Single eingeschlichen, die in genau der Form dann ja auch als kleiner Bonus noch auf "Raza Odiada" mit drauf war. Der eigentliche Song "El Patrón" ist wirklich ordentlich, eher langsam und düster gehalten nur das Outro nimmt mir etwas zu viel Platz weg. Die B-Seite "Hermanos Menéndez" geht in eine sehr ähnliche Richtung - Midtempo-Zerstörer an dem es wenig zu meckern gibt, der aber auch wenig an hohen Wiedererkennungswert mitbringt. Insgesamt würde ich auch hier sagen, dass beide Songs von der Soundqualität her auf "Viva Presidente Trump!" merkwürdig verzerrt klingen. Keine Ahnung, ob das bei der ursprünglichen Single auch so war oder ob hier minderwertige Technik verwendet wurde, um das ganze von Vinyl auf CD zu bekommen, aber auch hier seid ihr mit den Versionen auf "Raza Odiada" wesentlich besser bedient. Zum Abschluss hätten wir noch die "¡demoniaco!"-EP mit "Seis, Seis, Seis", "Sacrificio", "Santa Lucia" und "Papa Capado", sodass sich jetzt endlich auch ein breiteres Publikum davon überzeugen kann, dass jeder mal klein angefangen hat, obwohl ein guter Teil der Band 1990 ja doch auch schon Erfahrungen aus anderen Projekten mitgebracht hat. Das ganze klingt so als wäre die Band völlig stoned gewesen, hätte alles mit toten Katzen als Instrumente eingespielt und mit einer Kartoffel aufgenommen. Zu Forschungszwecken vielleicht noch interessant, aber irgendwie auch migränefördernd. Tja, wie bewertet man jetzt ein Bootleg wie "Viva Presidente Trump!"? Ausschließlich anhand der musikalischen Qualität wird schwierig, denn die schwankt hier mehr als auf so ziemlich jeder anderen von mir reviewten CD. Anhand dessen wie gut das Ding seiner Funktion gerecht wird, alle Singles zu vereinen? Auch da kann man wenig falsch machen, solange halt alles draufgehen wurde, was hier definitiv der Fall ist, auch wenn die Reihenfolge und teilweise die Soundqualität nicht optimal sind. Also würde ich jetzt einfach mal frei nach Gefühl 7 Punkte geben. Insgesamt bin ich froh "Viva Presidente Trump!" im Regal stehen zu haben, zumal sich doch auch einige Perlen darauf finden lassen, wenn man die ganze Schlotze mal beiseite schiebt. [Review lesen]

17.10.2020 08:46 - Brujeria: Brujerizmo (2000)

9.0 / 10
Im Jahr 2000 haben Brujeria ihr drittes Album rausgehauen und sind soundtechnisch endlich auf einem völlig neuen Level angekommen. Was auf "Raza Odiada" schon so ganz leicht angedeutet wurde, wird auf "Brujerizmo" nun komplett durchgezogen, sodass wir hier jetzt deutlich zugänglicheres Material haben. Das gefällt sicher nicht jedem und soweit ich das gesehen habe ist "Brujerizmo" sogar vergleichsweise unbeliebt und ich kann auch ein wenig verstehen warum. Vom Grindcore-Sound eines "Matando Güeros" ist nun gar nichts mehr übrig geblieben. Stattdessen gibt es hier Death Metal mit sehr, sehr deutlichem Groove Metal Einschlag. Das Tempo der meisten Songs wurde deutlich gedrosselt. Der Sound klingt glasklar und sauber, jedes einzelne Element ist gut heraus zu hören und es wird schon recht stark auf wohlklingende Riffs gesetzt. Selbst das viel später erschienene "Pocho Aztlan" setzt da wieder auf etwas mehr Tempo Chaos. Das dürfte klarerweise die alten Fans, die mit diesem neuen Sound wenig anfangen können ziemlich verschreckt haben. Auf der anderen Seite ist "Brujerizmo" jetzt auch nicht unbedingt das erste Album, welches ich jemandem, der gelegentlich mal Metal hört und es eher ruhig und melodisch mag, in die Hand drücken würde. Vergleicht man "Brujerizmo" mit dem, was zum Beispiel Dino Cazares mit seinem Hauptprojekt Fear Factory um diese Zeit gemacht hat, dann klingt ersteres schon deutlich angefuckter. Die Weiterentwicklung ist auch eher mal musikalischer Natur. Thematisch geht es weiterhin um Drogen, Waffen, Satanismus und ja: natürlich auch Sperma. Genau wie früher sollte man das ganze nicht zu ernst nehmen, gleichzeitig hält sich die Truppe in der Präsentation auch nicht gerade zurück. Alleine das Cover beschreibt das schon ganz gut und auch wenn ich dafür ganz sicher in die Hölle komme, muss ich bei dieser komplett bescheuerten Idee jedes Mal grinsen. Ansonsten fällt noch auf, dass das Brujeria-Kartell mittlerweile ziemlich viel Verstärkung bekommen hat und vor allem bei den Vocals jetzt einige Backroundsänger ihr Unwesen treiben. Am interessantesten dürfte wohl Backroundsängerin Pititis sein. Ja, richtig gehört: es gibt diesmal female Background Vocals. Zum Glück versucht Pititis hier gar nicht erst zu singen, sondern schreit ungefähr so, dass sich das ganze schon in etwa in den Gesamtsound des Albums einfügt. Gleichzeitig wird sie jetzt auch nicht inflationär verwendet und ist immer genau dann zur Stelle, wenn etwas Abwechslung ganz gut passt. Aber auch Juan Brujo hat ein paar neue Tricks gelernt und seine Vocals um ein paar höhere Schreie erweitert. Einen etwas unfairen Vorteil hat "Brujerizmo" vielleicht, weil ich mit genau diesem Album auf die Band gestoßen bin. Ich musste mich also eher mal bei den ersten beiden Alben auf einen neuen Sound einstellen, wäre aber wohl auch nicht bei Brujeria so sehr hängen geblieben, wenn ich mit "Matando Güeros" angefangen hätte. Aber genug Vorgeplänkel. Es warten gut 35 Minuten feinster Death Metal auf uns. Also Kippen aus und anschnallen - das wird wild! Ganz ohne Intro geht es auch hier nicht und wir hören am Anfang eine Art mexikanisches Kinderlied? Keine Ahnung. Das ist so dermaßen leise, dass ich natürlich erstmal die Lautstärke komplett hochgeschraubt habe um dann völlig unvermittelt vom ersten Gitarrenriff weggeklatscht zu werden. Okay: Rest in Peace Trommelfell… Auch wenn der Opener und Titelsong nicht allzu experimentell ist und viele neue Elemente erst später zum Tragen kommen, entscheidet sich hier im Prinzip schon, ob ihr dieses Album mögen werdet oder nicht. Das Tempo ist deutlich gedrosselt, dafür sind die Riffs wuchtig und der Song hat einen ordentlichen Flow. "Vayan Sin Miedo" ist ein wenig schneller und bietet zum ersten Mal die Möglichkeit zu hören, was hier alles an Vocals aufgefahren wurde. Für sich alleine gesehen hat das Ding gar nicht so viel zu bieten, was es zu etwas besonderem macht, aber als Übergang zwischen dem etwas langsameren "Brujerizmo" und "La Traicion" funktioniert es ziemlich gut. "La Traicion" ist ebenfalls nicht unbedingt schnell, aber doch recht intensiv. Juan Brujo holt hier alles aus seiner Stimme raus und auch die eher langsamen Gitarren knallen ordentlich und beweisen, dass Härte nicht unbedingt mit Tempo gleich zu setzen ist. "Pititis, Te Invoco" gewinnt den Preis für das zweitbeste Songintro (Nein, der erste Preis geht nicht an den Opener). Definitiv kreativ - jedenfalls habe ich noch nie vorher einen Song gehört, der durch Macheten eingeleitet wurde. Die Nummer selbst ist ein wirklich geiles Duett zwischen Juan Brujo und Pititis - Glückwunsch an beide. "Laboratorio Cristalitos" ist mit 1.31 Minuten der kürzeste Song, aber was alles in diese Kurze Zeit gepresst wurde, kann sich echt hören lassen: Ein Killer-Riff, ziemlich heftige Drums, der geballte Hass in Vocalform und warum nicht noch ein paar Explosionen und Maschinengewehrsalven dazu? Ebenfalls richtig stark ist "Brujerizmo" aber natürlich auch, wenn es ganz offen zum eher langsamen Tempo steht. "Division Del Norte" ist eine sehr langsame Death Metal Hymne, die eigentlich nie alt wird. Nicht nur ein absolutes Highlight auf "Brujerizmo" sondern der Band insgesamt. Aber auch "Marcha De Odio" ist kaum weniger großartig. Der "Marsch Des Hasses" hat nicht nur einige sehr Interessante Spielereien mit dem Tempo und den Vocals zu bieten, sondern klingt tatsächlich ein wenig wie ein Marsch. Auch an "Anti-Castro" habe ich so gar nichts auszusetzen. Zwischendurch extrem catchy (im guten Sinne), aggressiv und abwechslungsreich. Den Preis für das beste Songintro gewinnt dann "Cuiden A Los Ninos", das mit einer spanischen Version von "The Witchdoctor" beginnt und recht schnell in - mal wieder - sehr geile Riffs überleitet. Muss man in der Form am besten selbst gehört haben. Der Rest des Songs kann aber ebenfalls überzeugen. Auch hier stehen die Vocals wieder ziemlich hervor - vor allem wie Juan Brujo sich in den Strophen immer mehr steigert und am Ende komplett übersteuert. "El Bajon" dürfte so ziemlich der schnellste Song auf "Brujerizmo" sein. Übersetzt bedeutet das wohl so viel wie "Der Absturz" (also bezogen auf Drogen), was ziemlich gut durch die komplett chaotischen Backroundvocals wiedergespiegelt wird. Da die Band offenbar nicht ohne einen Song über Sperma auskommt gibt es mit "Mecosario" jetzt den ultimativen "Mecos!!!" - Song. Das ist beim ersten oder zweiten Mal hören tatsächlich ziemlich lustig, aber irgendwann nerven vor allem die weiblichen "Mecos!!!" - Schreie im Hintergrund doch etwas. Dann doch lieber "El Desmadre", bei welchem der Name Programm ist, denn das dürfte wohl der chaotischste Song auf "Brujerizmo" sein. Perfekt für gut 1 ½ Minuten unverfänglichen Spaß und um mal kurz ein bisschen durchzudrehen. Der Abschluss sollte aber natürlich richtig geil sein und mit "Sida De La Mente" haben wir auch genau den richtigen Kandidaten. Langsam aber kraftvoll walzt es alles platt und kombiniert so ziemlich alles, was "Brujerizmo" in den 12 Songs davor großartig gemacht hat. Zurück bleibt eigentlich nur der äußerst befriedigende Eindruck, dass Brujeria mit ihrem dritten Album endlich genau meinen Geschmack getroffen haben. Ein klein wenig braucht das Ding zwar um sich warm zu laufen, aber spätestens so ab "Laboratorio Cristalitos" reiht sich eigentlich ein Meisterwerk an das nächste. Vielleicht trifft "Brujerizmo" nicht gerade den Geschmack von jedem Metalhead - vielleicht ist die Zielgruppe dafür sogar sehr klein - aber ich werde mir jetzt jedenfalls erstmal direkt einen zweite Dosis davon in die Hörgänge jagen. [Review lesen]

09.10.2020 19:29 - Brujeria: Raza Odiada (1995)

6.5 / 10
So langsam laufen sich Brujeria warm: während ich mit dem Debüt "Matando Güeros" nur bedingt etwas anfangen konnte, trifft der Nachfolger "Raza Odiada" schon etwas mehr meinen Geschmack. Ob man die neue Entwicklung nun mag oder auch nicht, ist es doch beeindruckend wie schnell sich die Band entwickelt hat, denn gerade einmal zwei Jahre hat es gedauert, bis das zweite Album in den Startlöchern stand. Dazwischen hatten unsere satanistisch veranlagten Druglords sogar noch etwas Zeit mit ihrer "El Patrón" Single Pablo Escobar himself zu huldigen. Musikalisch dürfte "Raza Odiada" am wenigsten klar einem festen Genre zuzuordnen sein. Die Grindcore-Einflüsse von "Matando Güeros" sind zwar noch da, aber deutlich zurückgefahren. Insgesamt überwiegt Death Metal, aber dazwischen darf es auch mal punkig bis groovig sein. Vor allem Dino Cazares und Raymond Herrera scheinen hier ein paar Einflüsse aus den guten alten Tagen der Fear Factory Anfangszeit mitgebracht zu haben. Soundtechnisch klingt jetzt alles etwas sauberer und die Drums nicht mehr ganz so sehr nach Maschinengewehrfeuer, wodurch sie auch live leichter zu replizieren sein dürften. Die Gitarren sind weiter richtig schön tief gestimmt und auch der Bass ist wieder gut zu hören, was ja für mich ja durchaus eine der größten Stärken von "Matando Güeros" war. Obwohl seit dem letzten Album nicht viel Zeit vergangen ist, schwankt die Qualität der Songs etwas. Manches klingt wie aus älteren Zeiten ausgegraben und manches ist auch tatsächlich aus älteren Zeiten ausgegraben und klingt entsprechend. "Padre Nuestro" hatten wir zum Beispiel schon auf der ¡Machetazos! EP. Außerdem sind merkwürdigerweise direkt beide Songs der "El Patrón" Single dabei. Einerseits nett, dass das Album die Single quasi ersetzt und ich sie mir nicht extra kaufen muss, andererseits wirkt das Album dadurch auch ein auch künstlich aufgeblasen. Wenn man alles am Stück hört, wirkt "Raza Odiada" auch nicht unbedingt wie aus einem Guss, was witzig ist, da "Pocho Aztlan", welches in einem Zeitraum von immerhin 16 Jahren entstanden ist, wesentlich geradliniger wirkt. Was auch gleich auffällt: Viele Songtitel sind Fortsetzungen von Songs des Vorgängers. Dazu muss ich natürlich sagen, dass Brujeria trotz des rauen Songs recht tiefgründige Texte haben, die ihre eigenen kleinen Geschichten erzählen. Es lohnt sich also schon, sich vorher noch einmal thematisch mit den entsprechenden Vorgängersongs auf "Matando Güeros" auseinander zu setzen. Und bevor mir irgendeiner die Scheiße glaubt, die ich hier schreibe: natürlich beziehen sich die Songs eher mal grob thematisch aufeinander und wer die Texte halbwegs ernst nimmt, hört wahrscheinlich eh die falsche Band. Ihr müsst euch also nicht unbedingt "Chingo De Mecos" (Spermaladung) geben,um in den lyrischen Hochgenuss von "Chingo De Mecos II" (Spermaladung II) zu kommen. Der erste Eindruck von "Raza Odiada" ist gleich mal ganz ordentlich. Jello Biafra, Sänger von den Dead Kennedys schlüpft zu Beginn in die Rolle des damaligen erzkonservativen Gouverneurs von Kalifornien Peter Wilson (dessen Name hier zu Pito Wilson - hö hö, Pito heißt Schwanz - verunglimpft wurde) und hält eine kleine Rede, die etwas unsanft von Sturmgewehren unterbrochen wird. Die ersten Riffs dröhnen los und der Moshpit kann beginnen. Ziemlich geile Art, das Album zu beginnen und zahlreiche Youtube Videos von Konzerten die so eröffnet wurden zeigen, dass man so echt gut Stimmung in den Laden kriegen kann. "Colas De Rata" gibt ordentlich Gas, ist kurz und schnell. Und hey: ich bin nicht abgeschreckt. Das Ding geht verdammt gut ab und die Backroundvocals tragen einen guten Teil zur Qualität bei. Richtig groovig und fast schon entspannt wird es mit "Hechando Chingazos (Greñudos Locos II)" - wahrscheinlich der erste richtig hartnäckige Ohrwurm, den Brujeria je rausgehauen haben. Fast schon punkig wird es, wenn die Mexikaner uns mit "La Migra (Cruza La Frontera II)" zeigen, wie man sicher über die Grenze in die USA kommt. Sehr geile Nummer, die mit Mariachi-Screams verfeinert wirklich positiv hervorsticht. "Revolucion" ist da etwas bodenständiger, aber auf eine recht angenehme Art. Das Ding mag zwar eher einfache Kost sein, aber durch das eher langsame Tempo und den fast schon hypnotischen Refrain trotzdem ein ziemlicher Hinhörer. Über "Consejos Narcos" gibt's dann ein paar Ratschläge vom Drogendealer. Für alle spanisch sprechenden unter uns mag das ganze textlich ganz lustig sein, aber außer der leichten Comedywirkung hat die Nummer musikalisch leider wenig zu bieten. Auch "Almas De Venta" holt mich wenig ab. Schnell, chaotisch und wenig Struktur - hätte also bis auf den guten Sound fast schon besser auf "Matando Güeros" gepasst. "La Ley Del Plomo" wäre dann so ziemlich das Gegenteil davon - für Brujeria-Verhältnisse sehr langsam, vor allem bei den Vocals, mit einem schön wuchtig, schwerem Sound. Definitiv ein Highlight! Aber wer hätte gedacht, dass "Chingo De Mecos" unbedingt eine Fortsetzung braucht? Genau: ich auch nicht. Trotzdem gibt's für euch hier "Los Tengo Colgando (Chingo de Mecos II)". Ein ähnlicher Filler wie vorher schon, dafür wieder mit jeder Menge ¡Meeeecoooos! So langsam aber sicher nimmt die Qualität von "Raza Odiada" ab, denn auch "Sesos Humanos (Sacrificio IV)" zieht an mir vorbei, ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, ist aber immerhin auch schnell vorbei. Bei "Primer Meco" frage ich mich so langsam, wer bei der Truppe dafür verantwortlich war, die thematischen Schwerpunkte zu setzen, aber gut: dann eben ein Song über's Wichsen. Auch hier wird eher auf Humor gesetzt, den ich mit 12 sicher großartig gefunden hätte. Und ganz ehrlich: die Texte sind mir eigentlich komplett Latte - ich kann eh kein spanisch und muss den Scheiß immer vorher googlen, wenn ich wissen will worüber hier eigentlich gegrowlt wird - aber leider hat die Musik drum herum nunmal hier nicht besonders viel zu bieten. Einen kleinen Schub an Qualität gibt es dann nochmal gegen Ende mit der "El Patrón" Single. Der namensgebende Song "El Patrón" und "Hermanos Menéndez" klingen zwar beide vom Sound her fast wie aus einer anderen Zeit - naja, nur ein Jahr, aber trotzdem deutlich schrammeliger als der Rest - sind aber ganz ordentlich aufgebaut und gehen beide völlig klar. "Padre Nuestro" ist irgendwie noch von damals aus den Anfangstagen der Band übrig geblieben, ohne es auf "Matando Güeros" geschafft zu haben wie ein guter Teil der anderen Songs und wird jetzt eben hier verwurstet. Ich sage mal so: ich wäre jetzt nicht traurig gewesen, darauf zu verzichten, aber er tut auch nicht besonders weh. Ist halt musikalisch schon hart primitiv. Zum Abschluss gibt es mit "Ritmos Satánicos" ein sehr angemessenes Outro. Knapp sieben Minuten lang werden wir erst von einem fast schon doomigen Gitarreninstrumental in unseren Bann gezogen, bevor Juan Brujo eine Art satanisches Gebet spricht. Sehr, sehr stimmungsvoll! Und irgendjemand hat diesmal sogar mitgedacht und dieses Outro wirklich an's fucking Ende gepackt, ohne wie bei "Matando Güeros" noch das Single-/EP-Füllmaterial hinten dran zu kleben. Sehr gut. Bei der schwankenden Qualität finde ich "Raza Odiada" gar nicht mal leicht zu bewerten. Einerseits wurden qualitativ hier im Vergleich zum Vorgänger einige Schritte nach vorne getan. Beide Alben sind zwar irgendwie voll von eher belanglosen Songs, die sich nicht so sehr aus der Masse abheben und haben ein paar echte Highlights. Dennoch ist die Qualität des Füllmaterials diesmal schon um einiges besser und die Highlights sind zahlreicher. Natürlich ist das auch nur meine subjektive Meinung. Mir ist schon klar, dass die Grindcore-Fans, die "Matando Güeros" abgefeiert haben, "Raza Odiada" bestenfalls nicht mehr so schön ranzig finden und schlimmstenfalls der Meinung sind, dass Brujeria sich hier total verkauft haben und ab "Raza Odiada" nur noch kommerziellen Dreck machen. (-; Auf der anderen Seite baut das Album gerade in der zweiten Hälfte leider kontinuierlich ab und wirkt immer noch nicht ganz ausgereift. Gerade wenn ich es mit der Zeit ab "Brujerizmo" vergleichen, fallen mir nochmal ein paar deutliche Qualitätsunterschiede auf, aber die Truppe ist mit "Raza Odiada" schon ganz eindeutig auf dem richtigen Weg und das in recht großen Schritten. Für netten unkomplizierten Spaß zwischendurch taugt mir das Ding jedenfalls allemal. [Review lesen]

27.09.2020 22:04 - Brujeria: Matando Güeros (1993)

4.0 / 10
Ich glaube jeder kennt den Moment, in dem sich eine Band, die man klasse findet musikalisch in eine Richtung bewegt, die man nicht mehr ganz so klasse findet. Manchmal ist es aber auch genau anders herum: man entdeckt eine Band, findet das aktuelle Material geil und wenn man sich die ganz alten Sachen anhört, dann ist man doch ganz froh über die Weiterentwicklung. Bei mir ist Brujeria ein ziemlich gutes Beispiel dafür. Angefangen mit "Brujerizmo" habe ich mich ziemlich schnell in die Band verliebt und kann mir das meiste sehr gut geben. Aber das Debütalbum… puh, das wird schon schwieriger. Als "Matando Güeros" 1993 released wurde gab es immerhin schon 2 EPs der 1989 gegründeten Truppe, die eher mal im Grindcore zu verorten waren. Abgesehen davon, dass sämtliche Texte der Band spanisch sind, geben sich die Jungs als von FBI gesuchte Drogenbarone aus und treten größtenteils maskiert auf. Natürlich wurde recht schnell klar, dass sich zum Beispiel hinter dem Pseudonym Asasino Fear Factory Gitarrist Dino Cazares oder hinter Hongo der Napalm Death Bassist Shane Embury verbergen. Das Lineup hat im Laufe der Jahre immer mal wieder gewechselt aber insgesamt kann "Matando Güeros" schon mit einer gewissen Starpower aufwarten. Gerade in den Anfangsjahren haben Brujeria so ziemlich jede Möglichkeit genutzt um im sehr christlich geprägten Mexiko möglichst unangenehm aufzufallen. Dazu zählen zum Beispiel die Albumcover, welche Bilder des reißerischen mexikanischen Magazins ¡Alarma! zeigen, auf denen echt Leichen zu sehen waren. Auf "Matando Güeros" gibt es neben ein paar verstümmelten Leichenteilen im Booklet einen abgetrennten und angekokelten Kopf auf dem Cover, der freundlich in die Kamera schaut und promt zum Bandmaskottchen namens Coco Loco wurde und auf bisher jedem der vier Alben in irgendeiner Form zu sehen ist - quasi die etwas abgefucktere Variante von Iron Maidens Eddy. Auch bei den Texten halten sich die Mexikaner nicht zurück. Diese drehen sich auch aber nicht ausschließlich um Drogenkonsum, Satanismus, sexuelle Perversion oder illegales Einwandern in die USA. Gerade "Matando Güeros" tut so ziemlich alles um möglichst so gar nicht politisch korrekt zu sein. Ich meine alleine der Albumtitel lässt sich in etwa mit "Weiße töten" übersetzen. Wirklich ernst zu nehmen ist das ganze natürlich nicht. Alles ist eine extrem überzogene Parodie auf das Leben im mexikanischen Kartell. Das wird offenbar auch durch die Tatsache unterstrichen, dass die Texte ursprünglich auf Englisch geschrieben und dann erst in's Spanische übersetzt wurden. Das kann ich als jemand der kein spanisch spricht natürlich nicht beurteilen, aber das gibt dem Ganzen natürlich nochmal einen dilletantischen und trashigen Touch, der auf diesem Album eher als Pluspunkt zu werten ist. Apropos dilletantisch: im Vergleich zu dem, was Brujeria später rausgehauen haben klingt "Matando Güeros" schon sehr… einfach. Während die Songs von Album zu Album immer ausgefeilter wurden und sich zum Death Metal entwickelt haben, gibt es hier noch recht eindeutigen Grindcore mit leichtem Death Metal Einschlag. Das merkt man schon daran, dass "Matando Güeros" auch mit 19 Songs gerade mal auf gut 30 Minuten kommt. Damit hat es das Album schonmal nicht unbedingt leicht bei mir, da Grindcore für mich jetzt nicht unbedingt das Genre der Wahl ist. Was ich aber lobend erwähnen muss: Der Sound und die Produktion sind ordentlich. Natürlich klingt es im Vergleich zu späteren Werken (gerade zum fast schon zu glatt gebügelten "Pocho Aztlan") ziemlich ranzig, ist aber immer noch Meilen entfernt von irgendwelchen Standard - Grindcore - Keller Rumpelrotzbands der frühen 90'er. Wenn man spanisch spricht, besteht eine gute Chance die Texte zu verstehen, man hört die einzelnen Instrumente gut raus, der Bass kommt nicht zu kurz und die Gitarren sind angenehm tief gestimmt, was "Matando Güeros" einen ziemlich eigenen Sound im positiven Sinne gibt. Dass wir hier erfahrene Veteranen aus anderen Projekten am Start haben, schadet sicher auch nicht unbedingt. Der Inhalt ist da fast schon das größere Problem, denn der ist trotz großer Quantität an Songs überschaubar. 3 der 4 Songs der ersten EP "¡Demoniaco!" wurden hier neu eingespielt, was eine ganz gute Idee ist, da die Qualität der Originale grottig ist. Die darauf folgende EP "¡Machetazos!" wurde dagegen 1:1 übernommen und etwas lieblos an's Ende von "Matando Güeros" drangeklatscht. Nach dem kurzen Intro "Pura De Venta" werden gleich mal 3 sehr kurze Songs durchgeknüppelt. "Leyes Narcos" ist schnell und aggressiv, hat aber fast gar keine Struktur, sondern wirkt so, als ob das einzige wichtige Kriterium für den Song "hart und schnell" gewesen wäre. "Sacrificio" hat immerhin ein nettes Riff und der donnernde Bass, der immer mal wieder durchkommt ist ebenfalls ganz nett. "Santa Lucía" hat es dagegen wieder sehr eilig, ist nach 41 Sekunden vorbei, Juan Brujo versucht seine Lyrics so schnell es geht hinter sich zu bringen und hängen bleiben natürlich gar nichts. Mit dem Titelsong "Matando Güeros" haben wir hier allerdings eine kleine Perle, die nicht nur endlich mal die 2 Minuten - Marke überschreitet, sondern ihrer Zeit fast schon voraus ist. Ein überraschend grooviger Sound, nette Backroundvocals, die das Ding absolut livetauglich machen und soetwas wie eine basale Struktur machen das Ding nicht nur zu einem Song, der diese Bezeichnung auch verdient, sondern schon zu einem echten Klassiker der Band und einen der wenigen Songs, für die sich die Anschaffung des Albums echt lohnt. "Seis Seis Seis" ist ähnlich wie der Titel (sechs sechs sechs) im Vergleich wieder sehr simpel gestrickt, aber ich mag irgendwie den Kontrast zwischen den etwas langsamen Stellen und den Highspeed - Parts und die plötzlichen Tempowechsel. "Cruza La Frontera" und "Greñudos Locos" haben dagegen beide sehr wenig, was sie irgendwie hervorstechen lässt. "Chingo De Mecos" bleibt auch eher mal im Gedächtnis, weil Juan Brujo so voller Inbrunst "Mecoooos!" (Sperma) brüllt,als durch musikalische Qualität. "Narcos - Satánicos" kann immerhin auf recht simple Art durch seine Gitarren überzeugen. "Desperado" lässt sich etwas Zeit, damit sich das gar nicht mal so schlechte Gitarrenriff entfalten kann. "Culeros" ist eine etwas eigenartige Nummer - keine Drums, kein Bass, nur ein paar ganz einfache, schrammelige Gitarrenakkorde und ein paar Vocals, die fast ausschließlich aus "Culeros!" (Arschlöcher!) bestehen - ja, so tief ist der Anspruch schon gesunken. "Misas Negras" mit dem alternativen Titel "Sacrificio III" hat mit dem ersten "Sacrificio" eher textlich als musikalisch zu tun, denn hier gibt es nichts als 1:21 Minuten Dauerfeuer. Deutlich spannender ist da schon der Song mit dem netten Titel "Chinga Tú Madre" (fick deine Mutter) - ein recht langes Instrumental, das mit seinem coolen Gitarrengeschrammel eher mal fast schon wie eine klassische Thrash Metal Nummer klingt als nach Grindcore. Gefällt mir aber sehr gut. "Verga Del Brujo/Estan Chingados" ist aus zwei Songs zusammengesetzt. Ersterer gefällt mir sogar ganz gut, da eher langsam und düster. Zweiterer ist ist eher ein spoken Outro, das mir als jemand, der kein spanisch spricht, nicht besonders viel bringt. Allerdings wäre das ein ziemlich gelungener Abschluss für "Matando Güeros" und war sicher auch so gedacht, wird aber ein bisschen dadurch versaut, dass am Ende ja noch die ¡Machetazos! EP kommt. Immerhin: "Molestando Miños Muertos" würde ich mal ganz vorsichtig als drittes Highlight betrachten. Gerade die abgeguckt verzerrten Gitarren sind schon irgendwo ein Hinhörer. "Machetazos (Sacrificio II)" ist ziemlich basslastig, was nett ist, hat aber sonst wenig, was mich dazu bewegen würde, mir unbedingt noch diese EP zu holen. "Castigo Del Brujo" hat ein ganz angenehmes Midtempo und macht gar nicht mal so einen schlechten Job dabei, mich zum Headbangen zu bewegen, "Cristo De La Roca" finde ich dagegen komplett langweilig. Es endet recht abrupt und plötzlich, bevor es überhaupt interessant werden konnte. Damit ist die Ausbeute an geilen Songs auf "Matando Güeros" doch recht mager. Ja, der Titelsong ist ein ziemlicher Kracher, "Chinga Tú Madre" rockt und auch "Molestando Miños Muertos" geht völlig klar. Der Rest ist entweder irgendwie noch hörbar oder ziemlich schrottig. Ich habe es wirklich immer mal wieder probiert, aber ich will einfach nicht warm mit dem Album werden. Selbst wenn ich mir 'ne Random Playlist von Brujeria mache, fallen die Songs auf "Matando Güeros" qualitativ schon eher unangenehm auf, sind allerdings eh kurz genug, dass man sie nicht überspringen muss. Natürlich fühlt man sich immer ein bisschen wie ein Arsch, wenn man so über den Klassiker pisst und ich kann zumindest einzelne Songs und die Tatsache, dass der Sound deutlich schlimmer hätte sein können als positive Punkte gegenhalten, die mich etwas beschwichtigen. Im Vergleich zu dem, was später noch kommen soll, kann "Matando Güeros" für mich aber null mithalten. [Review lesen]

23.09.2020 21:02 - In Flames: Subterranean (1995)

9.5 / 10
Wenn man alteingesessene In Flames Fans fragt, was so die besten Alben der Band sind, dann wird wahrscheinlich die überwältigende Mehrheit sagen, dass die Schweden ihr goldenes Zeitalter von "The Jester Race" 1997 bis hin zu "Clayman" im Jahr 2000 hatten - sicher auch nicht ganz ungerechtfertigt. Über die neueren Werke dürften sich die Fans dagegen wohl nicht ganz so einig sein. Was in der ganzen Diskussion aber gerne mal hinten runter fällt sind die Werke vor "The Jester Race". Da hätten wir eine kleine Demo aus dem Jahr 1993, "Lunar Strain" von 1994 und "Subterranean" von 1995. Während ich die ersten beiden (bis jetzt) noch nicht wirklich aktiv gehört habe, verbinde ich mit der "Subterranean" - EP dagegen einiges, die steht bei mir nämlich schon sehr lange im Schrank. Quasi bevor ich mich davon überzeugen konnte, wie gut das ganze Zeug aus den späten 90'ern klingt habe ich das Ding mal ganz zufällig in einem kleineren Plattenladen in Dänemark gefunden. Da ich von In Flames lediglich "Come Clarity" kannte und für gut befunden hatte, habe ich einfach mal zugegriffen, ohne wirklich zu wissen, was ich mir da geschnappt habe und so schließlich meine ersten Erfahrungen mit Old School In Flames gemacht. Ursprünglich kam das "Subterranean" mit 5 Songs raus, wurde aber auf späteren Veröffentlichungen nachträglich noch um 4 sehr interessante Stücke erweitert. Was viele nicht wissen: Anders Fridén, der heute von der Truppe gar nicht mehr wegzudenken ist, war nicht immer Sänger bei In Flames. Die Band hatte am Anfang ziemliche Probleme, einen festen Sänger zu finden. Auf "Lunar Strain" war das noch Mikael Stanne. Auf den ursprünglichen 5 Songs auf "Subterranean" dann Henke Forss. Das ist ganz lustig, da aktuell kein einziges Mitglied mehr bei In Flames ist, welches an "Subterranean" beteiligt ist. Ebenfalls lustig: jeder der 4 etwas neueren Bonus Tracks hat einen jeweils anderen Sänger, sodass die 9 Tracks der "Subterranean" - Version, die ich hier habe insgesamt von 5 Sängern vorgetragen werden. Vergleiche zu "Lunar Strain" kann ich jetzt keine ziehen, da ich das Album ja nicht wirklich gut kenne, aber es soll wohl noch ziemlich roh und amateurhaft klingen, was mich etwas überrascht, da "Subterranean" nicht nur einen ordentlichen Sound hat, sondern die Jungs ihre Instrumente durchaus zu beherrschen scheinen. Wie beim guten alten Göteborger Melodic Death Metal üblich, nehmen die Gitarren eine ziemlich große Rolle ein und sind cool in Szene gesetzt. Einige Riffs und Soli wirken dabei wirklich angenehm komplex und durchdacht. Aber auch darüber hinaus kann ich hier keine wirklichen Schwachpunkte finden. Selbst Henke Forss, der wohl kaum jemandem groß in Erinnerung geblieben sein dürfte, macht hier einen soliden Job. Ja, die Stimme von Anders Fridén sollte später ein gutes Stück einprägsamer sein, aber die Vocals stören jetzt auch nicht oder fühlen sich wie ein Fremdkörper an oder sowas. Sehr stimmungsvoll eingeleitet wird die EP durch "Stand Ablaze", welches mit einem Keyboardintro beginnt, bevor sich die ganze Spannung dann in den ersten Gitarrenriffs entlädt. Obwohl der Song insgesamt doch ziemlich straight forward ist, sorgen die beiden Lead Gitarristen Jesper Strömblad und Glenn Ljungström für einige sehr interessante Momente, die aus der ganzen Nummer gut hervorstechen und finden ein gutes Tempo im oberen Mittelfeld. "Everdying" schafft sogar noch mehr Abwechslung, hat einige Tempowechsel zu bieten und variiert auch sehr angenehm im Härtegrad mit ruhigen Akustiggitarren im Hintergrund und dann doch wieder recht brachialen Passagen. Gut die letzte Minute besteht dann aus reinen Akustiggitarrenklängen. Diese klingen wunderschön, nur der Übergang erscheint mir etwas abrupt und unsauber, sodass sich das Outro nicht so gut in den Rest des Songs einfügen will. Das knapp 6 minütige "Subterranean" ist für mich der melodischte Song auf der EP, klingt wunderbar verträumt und ist wie der Rest der EP vollgestopft mit vielen netten musikalischen Spielereien, die hier alle perfekt ineinander übergehen. "Timeless" ist ein rein instrumentales Akustiggitarrenstück, nicht unähnlich dem Outro von "Everdying". Ebenfalls wieder sehr schön anzuhören und eine gute Gelegenheit um nochmal Luft zu holen, bevor sich die reguläre EP mit "Biosphere" ihrem Ende nähert. Insgesamt der schnellste der 5 Songs und natürlich wieder mit einigen Killer - Riffs ausgestattet. Damit wäre schon die Basis - EP eine wirklich ordentliche Geschichte. Die 4 neuen Songs haben aber auch einiges zu bieten. Zuerst einmal hätten wir zwei ältere Versionen von Songs auf "The Jester Race". Der erste wäre "Dead Eternity", der sich fast inhaltsgleich auf dem nächsten Album wiederfindet. Der größte Unterschied dürfte darin bestehen, dass hier noch Jocke Götberg und nicht Fridén an den Vocals ist. Zuerst einmal allgemein: "Dead Eternity" ist ein verdammt geiler Song: Melodie geil, Text geil, Songwriting geil - alles geil! Wenn ich die Versionen vergleiche, dann haben beide ihre eigenen Vor- und Nachteile. Die Ursprungsversion klingt zwischendurch etwas weniger gut abgerundet - merkt man zum Beispiel am sehr genuschelten gesprochenem Intro und einigen Übergängen, die mir in der neuen Version besser gefallen. Dafür kommt mir das Tempo hier etwas schneller vor und ich kenne Jocke Götberg sonst zwar gar nicht, aber er steckt hier eine unglaubliche Power rein. Alleine der komplett übertriebene Scream bei "Nothing can help you nooooooooooooow!" - Alter… "Inborn Lifeless" hat es mit anderen Lyrics später als "Dead God In Me" auf's Album geschafft. Hier wurde etwas mehr geändert. Neben Per Gyllenbäck als ursprünglichen Sänger und den eben erwähnten anderen Lyrics klingt "Inborn Lifeless" noch etwas einfacher gestrickt und hat in dieser Version auch noch nicht das umfangreiche Outro von "Dead God In Me". Schlecht klingt auch die ursprüngliche Version nicht, im direkten Vergleich bevorzuge ich aber das Remake. So oder so ist es aber spannend zu hören, wie sich der Song entwickelt hat. Zum Schluss gibt es noch zwei Cover, die ursprünglich auf irgendwelchen Tribute Samplern rausgekommen sind. Da hätten wir erstmal "Eye Of The Beholder" (im Original natürlich von Metallica und hier mit einem Robert Dahne bei den Vocals). Insgesamt wird sich sehr am Original orientiert, was für mich okay ist, da es an diesem eigentlich auch wenig zu verbessern gibt. Seltsam ist da schon eher, einen klassischen In Flames Song mit weitestgehend cleanem Gesang zu hören. Mit "Murders In The Rue Morgue" bekommen wir zumindest nachträglich auf "Subterranean" doch noch einen Song mit Anders Fridén, welcher der alten Iron Maiden Nummer mit seinem Gesang nochmal eine ganz neue Richtung gibt. Dazu kommt das etwas schnellere Tempo. Auch wenn ich dafür sicher mit Tomaten beworfen werde, mag ich dieses Cover mehr als das Original - einfach weil Melodic Death mehr nach meinem Geschmack ist. Ich glaube aber, dass man sich recht einig darüber sein kann, dass beide Cover durchaus gelungen sind. Damit endet dann auch die erweiterte Version von "Subterranean" und ich habe mal wieder eine CD vor mir, an der ich erstaunlich wenig zu meckern habe. Klar: keiner kann "The Jester Race", "Whoracle" und den anderen genreprägenden Alben der Band ihren Einfluss und ihre Qualität absprechen, aber für mich persönlich setzt "Subterranean" noch einen drauf mit seinen leicht folkigen Elementen wie den Akustikparts und den (für mich persönlich) noch effizienter eingesetzten Leadgitarren. Dadurch bin ich jedes Mal fast überrascht, dass sie nur aus ursprünglich 5 Songs besteht. Die sind nämlich so abwechslungsreich und dicht mit Inhalt bepackt, dass es nach deutlich mehr klingt und spätestens im 9 - Song - Re-Release als vollwertiges Album bei mir durchgeht. Wer auch nur im entferntesten was mit Melodic Death Metal anfangen kann, sollte sich diese Perle unbedingt geben. [Review lesen]

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