DarkForrest

DarkForrest
Registriert seit: 25.12.2008

Zum Verkauf 3 Eingetragen 53
Bewertungen: 184 Reviews: 184
Genres: Blues, Comedy, Country, Dark Wave/Gothic, Elektronische Musik, Hardcore, House, Hörspiel/Hörbuch, Jazz, Klassik, Metal, Musical, Pop, Punk, Rap/Hip Hop, Reggae, Rock, Schlager, Singer/Songwriter/Liedermacher, Ska, Sonstiges, Soul/R&B, Soundtrack, Volksmusik/Folklore, World Music
Bewertungsverteilung von DarkForrest
0.5 1 1.5 2 2.5 3 3.5 4 4.5 5 5.5 6 6.5 7 7.5 8 8.5 9 9.5 10
1 0 1 2 1 2 3 9 7 7 7 15 19 21 17 25 25 13 6 3

0.5: 4% (1x)

1.0: 0% (0x)

1.5: 4% (1x)

2.0: 8% (2x)

2.5: 4% (1x)

3.0: 8% (2x)

3.5: 12% (3x)

4.0: 36% (9x)

4.5: 28% (7x)

5.0: 28% (7x)

5.5: 28% (7x)

6.0: 60% (15x)

6.5: 76% (19x)

7.0: 84% (21x)

7.5: 68% (17x)

8.0: 100% (25x)

8.5: 100% (25x)

9.0: 52% (13x)

9.5: 24% (6x)

10.0: 12% (3x)

Die letzten Bewertungen
3.0 für :Wumpscut:: :Blondi: (2005) (06.02.2023 20:34)
7.0 für :Wumpscut:: Extra Dose (2005) (02.02.2023 20:25)
6.0 für :Wumpscut:: Evoke | Don't Go (2005) (20.01.2023 18:49)
4.0 für :Wumpscut:: DJ Dwarf Five (2005) (14.01.2023 07:34)
6.5 für :Wumpscut:: Evoke (2004) (09.01.2023 20:34)
6.0 für Soko Friedhof: Grabschönheiten (2005) (02.11.2022 17:19)
8.0 für :Wumpscut:: Bone Peeler (2004) (20.09.2022 16:23)
Insgesamt 184 Bewertungen vorhanden. Alle anzeigen
Die letzten Reviews

06.02.2023 20:34 - :Wumpscut:: :Blondi: (2005)

3.0 / 10
Manche Dinge sind einfach etwas unglücklich. Zum Beispiel gibt es jede Menge wirklich großartige :Wumpscut:-Alben. Denen stehen nur recht wenige Alben von Mastermind Rudy Ratzinger gegenüber, mit denen ich nicht so viel anfangen konnte. Aber es gibt sie. Eins davon wäre "Evoke": am Ende kein schlechtes Album und sogar besser, als ich es in Erinnerung hatte, aber für mich auf keinen Fall eines seiner besten. Tja und jetzt ratet mal, zu welchem Album es ausgerechnet unglaublich viele passende Singles und EPs gibt. Wir hatten jetzt schon das Album mit Remix-CD, "DJ Dwarf Five", ein Vinyl mit 2 Songs und die "Extra Dose"-Mini-CD… Und wir sind immer noch nicht fertig. Mit ":Blondi:" haben wir noch eine weitere CD aus dem "Evoke"-Zyklus und so langsam kann ich dieses schlecht gerendete Monster vor dem steril weißen Hintergrund auf jedem Cover nicht mehr sehen. "Blondi" war ein Song, der ursprünglich nur in der "Evoke"-Box enthalten war. Insgesamt war die Box zumindest rein musikalisch vielleicht nicht der beste Deal, wenn man dafür auf die Remix-CD verzichten musste, aber immerhin bekam man einen komplett exklusiven Song. Einen sehr interessanten obendrein. Stilistisch passt er zwar gut auf "Evoke", klingt aber etwas weniger glatt gebügelt und lässt ein wenig den etwas größeren Stil durchblicken, den ich auf dem Album vermisst habe. Ich schätze, es ist ganz sinnvoll, "Blondi" auch noch auf CD für die Leute zugänglich zu machen, die nicht im Besitz der Box sind. Interessant ist, dass man diesem Song gleich eine ganze EP widmet. Da bin ich natürlich gespannt, welche Remixes und Versionen es von "Blondi" gibt und… Oh, wie war das? Der Song befindet sich gar nicht auf der CD?! Ja richtig gelesen: ":Blondi:" beinhaltet trotz des identischen Namens nicht den Song "Blondi". Großartig! Aber schauen wir mal kurz über die kleine Enttäuschung hinweg und konzentrieren uns auf die 6 Tracks, die sich tatsächlich auf dieser EP befinden und stellen fest, dass diese leider auch nicht gerade weltbewegend sind. Am Ende dreht sich alles um 2 Songs des Albums "Evoke" - nämlich um "Rush" und um "Don't Go", also zwei Songs, die ich beide nicht überragend fand, aber die damals wohl einigermaßen beliebt waren, wenn man bedenkt, dass sie es beide auf die "DJ Dwarf" geschafft haben. "Rush" gibt es im Original und dazu noch in drei Remixes. Und ja: jeder einzelne Remix ist bereits bekannt. Immerhin ist der Remix vom Blutharsch enthalten. Der ist nicht nur sehr gut, sondern auch darüber hinaus nur auf der "Extra Dose" erschienen und damit einigermaßen selten. Ansonsten hätten wir noch die Versionen von Dismantled und Naked Beat von der Remix-CD. Die ebenfalls sehr gute Version von Suicide Commando fehlt aus irgendeinem Grund. Auf der anderen Seite hätten wir "Don't Go" im schwachen Original und im "Eighty 64c Shortcut". Das klingt erstmal nach einer neuen Version, ist aber letztlich nur der "Eighty 64c Remix" von "DJ Dwarf Five" bzw. die "By :Wumpscut:" Version von der Remix-CD. Dadurch, dass der Remix mittlerweile drei verschiedene Namen hat, wird er allerdings nicht origineller. Der Remix ist insgesamt natürlich besser als das Original, aber für mich immer noch nicht weltbewegend. Und natürlich fehlt hier auch eine Version, nämlich der "Full Cut Remix", den es nach wie vor nur auf dem Bonus-Vinyl der Box gibt. Es hätte mich jetzt auch eher mal überrascht, wenn er mit dabei gewesen wäre, aber so bleibt es jetzt bei zwei Versionen von "Don't Go". Tja, und das war's dann auch schon. ":Blondi:" kommt leider komplett ohne exklusive Tracks aus. Das ist schade, aber das wäre jetzt auch nicht unbedingt eine Katastrophe, wenn wenigstens ein vernünftiges Konzept hinter dem irreführenden Namen stecken würde. Ich denke da zum Beispiel an "DJ Dwarf Four", welches für sich genommen eine ganz interessante Art war, "Bone Peeler" zu hören, ohne dass irgendwelche exklusiven Tracks drauf waren. Aber das hier? Wer hat sich denn bitteschön gedacht, zwei Songs von "Evoke" in jeder Version (bis auf jeweils eine) auf eine CD zu packen, diese CD nach einem dritten Song zu benennen, der da nicht mit drauf ist und es dabei zu belassen? Am Stück lässt sich das eh relativ schlecht durchhören, denn wer will schon 4 mal hintereinander "Rush" und dann zweimal "Don't Go" hören? Und auch der brachiale Blutharsch-Remix von "Rush" passt null mit dem sanften "Don't Go" zusammen. Ich habe am Ende zwei Theorien dazu, was das hier sein soll. Ich könnte mir vorstellen, dass sich ":Blondi:" an Leute richtet, die "Evoke" und vielleicht auch :Wumpscut: noch nicht kennen und das ganze vielleicht sogar für den internationalen Markt bestimmt war. Dazu würde passen, dass man zwei recht gegensätzliche Songs gewählt hat - "Rush" als klassischen und etwas härteren :Wumpscut:-Song und "Don't Go" als experimentelle Elektro Pop Nummer, die "Evoke" repräsentieren soll. Allerdings weiß ich nicht, warum man sich dann überhaupt auf zwei Songs beschränken sollte. "DJ Dwarf Five" fand ich schon grenzwertig, aber selbst diese CD macht einen viel besseren Job, einen Überblick über das Album zu geben. Das experimentelle "Evoke" ist meiner Meinung nach eh nicht unbedingt gut geeignet, um einen Auszug daraus zu erstellen. Warum sollte man es hier überhaupt gleich zweimal versuchen? Die andere Theorie ist, dass ":Blondi:" dazu dienen soll, Besitzer der Box mit weiteren Remixes zu versorgen und zumindest einen kleinen Ausgleich zur Remix-CD zu liefern. Allerdings passt dazu wieder nicht, dass diese die Hälfte der Tracks auf der EP eh schon haben dürften und beide Songs durch das Fehlen von je einem Remix eh unvollständig sind. Am Ende weiß ich wirklich nicht, an wen sich das hier richten und wie ich das Teil bewerten soll. Wenn ich nur ganz streng nach der Qualität der Tracks gehe, dann ist es sicherlich nicht furchtbar, aber auch alles andere als großartig. Da man hier aber wirklich rein gar nichts verpasst, wenn man die Doppel-CD und evtl. noch "Extra Dose" hat, bietet ":Blondi:" aber wirklich für niemanden einen echten Mehrwert. Wenn hier wenigstens eine etwas größere Spannbreite an guten Songs und Remixes am Start wäre, dann wäre ich etwas gnädiger, aber so ist das hier für mich persönlich der allererste wirklich schlechte Release von :Wumpscut:. [Review lesen]

02.02.2023 20:25 - :Wumpscut:: Extra Dose (2005)

7.0 / 10
Nach der Doppel-CD zu "Evoke", der zugehörigen "DJ Dwarf Five" und einem Bonus 12'' Vinyl sind wir immer noch nicht mit dem 2005'er Album von :Wumpscut: fertig. "Evoke" hat sich als sehr ergiebiges Album erwiesen und so wurden wir wirklich mit allerhand Releases beschenkt. Nachdem wir in der "Evoke" - Box ein schönes großes Vinyl gefunden haben, gucken wir uns doch mal den zweiten Tonträger der Box an: mit einer 8cm Mini-CD mit dem Namen "Extra Dose" haben wir größentechnisch auf jeden Fall das perfekte Gegenstück zum Vinyl gefunden. Was befindet sich auf der CD? Remixes - ganz einfach nur weitere Remixes. Ironischerweise hat dieses kleine, niedliche Ding mehr Tracks und eine längere Laufzeit als das große Vinyl. Nun, im ersten Moment dachte ich, dass wir es hier mit einer Art abgespeckter Remix-CD zu tun haben. Man muss nämlich dazu sagen, dass die "Evoke"-Box ohne die Bonus-CD auskommt. "Extra Dose" gab es also nicht zur Remix-CD oben drauf, sondern anstelle der Remix-CD. Das ist natürlich ziemlich kacke für Leute, die nur das Boxset haben, da ich finde, dass "Evoke" im Vergleich zu anderen Alben von :Wumpscut: sehr stark durch die Remix-CD aufgewertet wird. Interessanterweise ist "Extra Dose" allerdings größtenteils eine ganz eigenständige Sache. Lediglich ein bekannter Remix befindet sich darauf und das wäre die Recently Deceased Version von "Churist Churist" - auf jeden Fall einer der besten Remixes auf "Evoke" und das perfekte Gegenstück zum Original. Natürlich fehlen damit immer noch viele großartige Songs der Bonus-CD, aber wenn man einen einzigen Remix hätte wählen müssen, der auf dieser Mini-CD und damit in der Box vertreten ist, dann hätte man es kaum besser treffen können. Spannender wird es allerdings mit den anderen drei Songs. Zuerst hätten wir einen Remix von "Rush". Remixer wäre diesmal Der Blutharsch - ein Name, der direkt ein ziemlich abgefahrenes Hörerlebnis verspricht. Dieser Remix ist nicht zu 100% exklusiv hier zu finden, aber ich denke man kann sagen, dass er nicht sehr verbreitet ist. Zuerst einmal: das Original lässt sich so gut wie gar nicht mehr raushören. Hätte man mich das Ding blind hören lassen und hinterher gefragt, welcher Song das war, wäre ich wohl ziemlich ratlos gewesen. So wie auch der klassische Blutharsch-Song ist dieses Stück stilistisch schwer einzuordnen. Es hat eigene Vocals, was immer ein Plus ist, donnernde Drums und interessante Samples (ich würde sagen, unter anderem aus Kinskis "Jesus Christus Erlöser", wenn ich das richtig raushöre). Ist sicher nichts für jeden, aber nachdem ich ein bisschen gebraucht habe, um rein zu finden, liebe ich es. Absolut dämonisch das Ganze! Die nächsten beiden Remixes sind wirklich exklusiv und überraschenderweise haben wir noch einmal "Perdition" und zwar von Naked Beat. Nicht unbedingt ein Song von dem ich noch einen Remix erwartet hätte, aber hey: Naked Beat haben sich rangetraut und ähnlich wie Cerebral Apoplexy einen Remix erschaffen, der sich stark an der Melodie von "Perdition" orientiert, sonst aber eine ganz eigene Geschichte ist. Trotzdem klingt diese Version hier deutlich anders als die von Cerebral Apoplexy. Naked Beat's Version ist etwas langsamer und melancholischer. Dabei auch etwas minimalistischer (wie man das von dem Projekt ja kennt). Ich bin angenehm überrascht - schönes Gegenstück zum Original und dem anderen Remix. Den Abschluss macht eine weitere Version von "Just A Tenderness" - diesmal von Cynical Front. Mit über 6 Minuten ist das hier die längste Version, die mir bekannt ist. Ähnlich wie der Turmyte Remix ist diese Version hier rein instrumental und ich bin mir etwas unsicher: einerseits mag ich "Just A Tenderness" an sich sehr gerne und das Potential für gute Remixes ist auch ganz klar da, aber irgendwann wird es auch ein bisschen viel. Dazu kommt, dass er in eine ähnliche Richtung geht wie der Remix von Turmyte, letzterer aber aus weniger Laufzeit mehr macht. Der Cynical Front Remix klingt nett, aber auch nicht wahnsinnig kreativ. Es ist nette Hintergrundbeschallung und auch ganz cool, dass es diesen Remix gibt, aber gerade bei der Konkurrenz, die er hat, ist er auch schnell wieder vergessen. Und das wäre es dann auch mit "Extra Dose". Alles in allem bin ich mit dieser Extradosis "Evoke" doch sehr zufrieden. Ersetzt sie die Remix-CD? Nein. Wenn ich die Wahl zwischen der Box und der Doppel-CD hätte, dann würde ich mich auch mit dem Vinyl jederzeit für zweiteres entscheiden. Allerdings ist diese kleine CD eine sehr nette Ergänzung für alle Leute, die von "Evoke" nicht genug bekommen können. Im Gegensatz zu "DJ Dwarf Five" ist sie auch sehr gut gealtert und ganz passend und liebevoll zusammengestellt. Sicherlich eher eine nette Spielerei als ein absolutes Muss, aber von den ganzen Releases um "Evoke" herum für mich persönlich der sinnvollste. [Review lesen]

20.01.2023 18:49 - :Wumpscut:: Evoke | Don't Go (2005)

6.0 / 10
Zweimal sollte Rudy Ratzinger sich dafür entscheiden, in seine Special-Box-Releases tatsächlich mal etwas Sinnvolles zu packen. "Sinnvoll" ist hier sicherlich sehr subjektiv, aber ich persönlich brauche jetzt nicht unbedingt allen möglichen Ramsch, mit denen man als Käufer der Boxes teilweise zubombardiert wird. Aber immerhin: bei der "Evoke"-Box ist neben einem echt hässlichen ärmellosen Shirt, Postkarten und einem Kalender auch ein weiterer Tonträger dabei. Und sogar noch besser: wie schon bei "Bone Peeler" kann man sich den ganzen Flohmarkt-Billomerch-Boxset-Krempel, der nur unnötig viel Platz wegnimmt auch sparen und sich das Ding einfach separat organisieren. Und auch diesmal handelt es sich um ein 12'' Vinyl. Für "Evoke"-Verhältnisse sieht das sogar ziemlich gut aus. Ich mag ja die ganzen sterilen Artworks zu "Evoke" überhaupt nicht, aber von allen zugehörigen Tonträgern hat dieser hier noch das beste Cover. Das Vinyl zu "Bone Peeler" war damals orange und dementsprechend hat man hier die einzige richtige Entscheidung getroffen, diesmal ein weißes Vinyl zu verwenden. Also rein optisch bin ich auch dieses Mal sehr zufrieden. Inhaltlich erwarten uns wieder zwei Remixes - also auf jeder Seite einer. Wir erinnern uns: letztes Mal hatten wir eine super krass lange XL-Version von "Our Fatal Longing" und einen echt enttäuschenden Remix von "Rise Again". Also einmal eine ziemlich spannende Idee, für die ein Release auf Vinyl wie gemacht schien und ein Filler. Diesmal wird es etwas ausgeglichener. Auf keiner von beiden Seiten befindet sich ein derart langer Track wie die XL-Version von "Our Fatal Longing", aber man merkt schon, dass diesmal beide Songs darauf ausgelegt wurden, eine ordentliche Länge zu erreichen, um das 12'' Vinyl überhaupt zu rechtfertigen. Auf der A-Seite finden wir wie "Evoke" im "Werkkraft 64c Remix", der immerhin auf stattliche ~8 Minuten Laufzeit kommt. Wie auch schon bei "Our Fatal Longing" wurde am eigentlichen Song nicht wahnsinnig viel verändert oder hinzugefügt, sondern das Original eher mal auf eine längere Laufzeit gebracht. Das führt natürlich dazu, dass der Song etwas gestreckt wirkt, was aber nicht unbedingt schlecht sein muss - kommt eben immer auf die Wahl des Songs und die Umsetzung an. Beides finde ich hier gelungen. "Evoke" ist ein sehr guter Song und tatsächlich einer, den ich mir gerne auf dem gleichnamigen Album mehrmals hintereinander angehört habe. Er lebt an sich einfach sehr von seiner Stimmung und Atmosphäre und die einzelnen Elemente über eine längere Spielzeit verteilt zu hören, macht Spaß. Etwas skeptischer war ich bei der "Eighty 64c Full Cut" - Version von "Don't Go" auf der B-Seite. Ich mag diesen Song einfach nicht und halte ihn sogar für den schlechtesten auf "Evoke". Immerhin hat man sich als Grundlage für diesen Track für den etwas besseren "Eighty 64C Mix" und nicht für das Original entschieden. Auch hier haben wir keine grundlegend neue Version, sondern eher mal eine etwas längere Version des eigentlichen Remixes. Ein paar nette Ergänzungen lassen sich jedoch hier und da trotzdem finden - zum Beispiel den Anfang und das Ende, welche beide zumindest in meinen Ohren verdächtig nach "Tainted Love" klingen. Da ich den Song eigentlich nicht mag, könnte man fast davon ausgehen, dass ich eine noch längere Version total ablehnen müsste. Überraschenderweise finde ich "Don't Go" in dieser Version aber am gelungensten. Ich weiß auch nicht… Die paar netten, kleinen Details, die hinzugefügt wurden, stehen dem Song ganz gut und für sehr leichte Unterhaltung im Hintergrund taugt mir dieser Remix sogar ganz gut. Überhaupt passt hier das Hörerlebnis diesmal bei beiden Tracks zum Medium. Es ist ganz nett, sich dieses Vinyl aufzulegen und die längeren Versionen ein wenig im Hintergrund laufen zu lassen und keiner von beiden Songs wirkt irgendwie fehl am Platz. Auf der anderen Seite haben wir einmal die beste Version vom schlechtesten Song eines mittelmäßigen Albums und eine sehr spezielle und exotische Version eines ziemlich guten Songs. Schwer, da überhaupt sowas ähnliches wie einen Gesamteindruck zu formulieren… Ich würde sagen, dass das hier schon irgendwo etwas für absolute Hardcore-Fans ist und idealerweise auch etwas für Leute, die wirklich alles aus "Evoke" rausholen wollen. Vermisst hätte ich persönlich am Ende wahrscheinlich nicht viel, wenn ich dieses Vinyl nicht hätte, aber es ist nett, mal ausgiebig reingehört zu haben und es bei Bedarf auflegen zu können. Insgesamt zumindest eine etwas runder Sache, als das Vinyl zu "Bone Peeler". [Review lesen]

14.01.2023 07:34 - :Wumpscut:: DJ Dwarf Five (2005)

4.0 / 10
Was wäre ein modernes :Wumpscut:-Album ohne eine "DJ Dwarf"-Single, die im Vorfeld veröffentlicht wird? Auch zu Zeiten von "Evoke" war die obligatorische kleine Schwester des Hauptalbums schon fester Bestandteil von jedem größeren Release. Und so wurde auch "DJ Dwarf Five" kurze Zeit vor dem Album zu Promozwecken auf die Fans losgelassen. Damals war die Idee dahinter weniger, einfach nur noch mehr Remixes zu liefern - wie das bei den neueren Exemplaren der Fall ist - und vielmehr auf das kommende Album aufmerksam zu machen und vielleicht auch schon mal zu schauen, wie der ganze Spaß im Club ankommt. Das bedeutet natürlich auch, dass wir kaum exklusives Material am Start haben, welches sich nicht auch auf "Evoke" finden lässt. Wenn ich "DJ Dwarf Five" also streng danach bewerten würde, was die CD heute noch im Vergleich zum Album zu bieten hat, wäre das vielleicht etwas unfair - immerhin wäre ich dafür mit meinem Review knapp 18 Jahre zu spät dran. Aber wir können ja trotzdem mal drauf schauen, was wohl der eigentliche Gedanke hinter diesem Output war und wie gut er seiner Aufgabe damals gerecht geworden sein dürfte. Ein guter Vergleich wäre sicher "DJ Dwarf Four". Hier hatten wir ein Jahr zuvor eine Auswahl von Songs und Remixes aus "Bone Peeler" und nichts, was nicht auch später auf dem Album zu finden war. Trotzdem fand ich die CD sehr sinnvoll. Es war quasi eine etwas schlankere und gut zugängliche Version von "Bone Peeler" mit leichten Blick auf Clubtauglichkeit. Kaum ein Song war doppelt darauf zu finden, man konnte sich alles am Stück anhören und hatte eine gute Erfahrung und jeder Song oder Remix, der ausgewählt wurde, passte in ein gewisses Gesamtkonzept. "DJ Dwarf Five" ist ebenfalls eine Auswahl aus einzelnen Songs und Remixes des Hauptalbums und hat sogar noch einen exklusiven Remix im Gepäck, der nur hier zu finden ist - ganz gute Voraussetzungen also, um ebenfalls ein großartiges Ausgängeschild für das damals kommende Album zu sein, oder? Naja… Ein paar Probleme gab es leider schon vorab: "Evoke" war in meinen Augen schon nicht gerade das beste :Wumpscut:-Album. Sicherlich war es nicht schlecht und mein letztes Review hat auch viel dazu beigetragen, dass ich mit "Evoke" etwas wärmer geworden bin, aber trotzdem dürfte es etwas leichter gewesen sein, ein "Bone Peeler" in ein gutes Licht zu rücken, als dieses etwas eigenwillige Album. Auch in Sachen Tanzbarkeit, Clubtauglichkeit und DJ-Freundlichkeit haben wir hier ein kleines Problem. Das eher ruhig gehaltene Album hat nicht unbedingt viele Clubhits am Start. Trotzdem könnte man mit einer geschickten Auswahl aus Songs und Remixes sicherlich eine ganz nette Playlist zusammenfriemeln, die vielleicht sogar im Schnitt besser klingt, als das eigentliche Album. Den Anfang macht wie auf dem Album "Maiden". Meiner Meinung nach etwas langweilig, 1:1 denselben Opener zu verwenden und dann noch nicht mal einen wahnsinnig guten, aber okay: es ist poppig, für viele sicherlich gut zugänglich und es bereitet einen ganz gut auf die Stimmung von "Evoke" vor. Direkt im Anschluss hätten wir "Churist Churist" - ebenfalls genau wie auf dem Album. Mit "Churist Churist" kann man aber eigentlich auch nichts falsch machen. Der Song ist nicht nur klasse, sondern durch seine Lyrics in Fantasiesprache und den Kontrast zwischen recht brachialen Vocals und angenehm leichter Musik sehr interessant. Das einzige, was mich irritiert, ist, dass man im späteren Verlauf auch noch die Version von Recently Deceased mit draufgepackt. Ich will nicht zu sehr meckern, wenn sich auf "DJ Dwarf Five" einer der besten Songs des Albums inkl. des besten Remixes von diesem Song befinden, aber ich weiß nicht, ob es bei insgesamt 9 Tracks wirklich mehrere Versionen desselben Songs braucht, oder ob man sich nicht besser für eine Version entschieden hätte. Nun, bei "Hold" hat man genau das getan: sich für eine Version entschieden - leider für die schlechteste. Wer mein Review zu "Evoke" gelesen hat weiß, dass ich "Hold" in der ursprünglichen Version ziemlich langweilig finde. Allerdings hätten wir auf der Remix-CD gleich drei Versionen, die allesamt spannender klingen, bessere Promo für das Album wären und mit denen man wahrscheinlich auch im Club mehr anfangen könnte. Die einzige Erklärung, die ich habe, ist die, dass Sängerin Jane M. auf "DJ Dwarf Five" möglichst stark und unverfälscht vertreten sein sollte. "Rush" in der Basisversion ist für mich jetzt auch nicht die spannendste Wahl. Sicherlich passt es ganz gut auf so eine Single und klingt als Song auch nicht furchtbar, aber es klingt halt nach einem ziemlich gewohnten :Wumpscut:-Filler. Vielleicht hätte man ja wenigstens die Reihenfolge so verändern können, dass "Rush" hier der Opener wäre - das hätte irgendwie etwas besser gepasst. "Don't Go" beweist dann, dass es bei dieser CD wohl tatsächlich sehr um Jane M. gehen sollte - immerhin sind alle Tracks mit ihr auf dieser CD vertreten. "Don't Go" sogar zweimal - einmal im Original und einmal in der "Eighty 64c"-Version, die auf dem Album auch einfach als :Wumpscut:-Version bezeichnet wird. Beide Versionen finde ich nicht großartig, aber zumindest gegen den Remix kann ich wenig sagen: er repräsentiert "Evoke" ganz gut, passt gut auf eine "DJ Dwarf" und ersetzt die normale Version wunderbar. Warum man auch die normale Version draufgepackt hat, ist mir dagegen ein absolutes Rätsel und ich weiß nicht, wer sich diesen Song unbedingt zweimal hintereinander geben will. "Obsessió" ist tatsächlich nur in einer Version vertreten und das leider in der meiner Meinung nach deutlich schlechteren. Das Original finde ich absolut großartig, während der Remix von Cerebral Apoplexy daraus eine etwas langweiligere Geschichte macht. Er ist sicherlich nicht komplett für die Tonne, aber einfach kein Vergleich zum Original. Ich bin hier auch etwas irritiert: "Evoke" ist eines der Alben mit den besten Remixes und trotzdem hält man diesmal im Gegensatz zu "DJ Dwarf Four" sehr an den teils deutlich schlechteren Original-Songs fest. Und wenn man sich dann mal traut, einen Song ausschließlich im Remix auf "DJ Dwarf Five" zu packen, dann einen von vielleicht zwei eher schwachen Remixes bei einem Song, der im Original schon großartig klingt. Vielleicht steht mein persönlicher Geschmack hier auch einfach nur sehr stark dem der Fans entgegen, aber teilweise hätte man kaum härter daran arbeiten können, dass ich die Auswahl nicht mag. Bleibt nur noch der Song, für den ich mir die CD eigentlich gekauft habe: der Turmyte Remix zu "Just A Tenderness". Ich bin mir natürlich bewusst, dass ein Remix wahrscheinlich nicht so großartig sein wird, dass er den Kauf dieser seltsamen CD rechtfertigt, aber ich bin nunmal gierig und muss einfach jeden Song haben. "Just A Tenderness" war ein großartiger Song auf "Bone Peeler" und hat damals schon drei Remixes spendiert bekommen. Die Version von Turmyte kam offensichtlich etwas zu spät zur Party und wurde dann eben hier veröffentlicht. Mein Urteil nach einigen Malen hören: Joa… Ist ganz okay. Er hat als einziger rein instrumentaler Remix sicher seine Existenzberechtigung und durch die sehr elektro- / synthlastige Ausrichtung passt er von allen Remixes sogar am besten zu dem "Evoke"-Material. Ich kann also nicht meckern. Im Vergleich zum Original oder dem sehr merkwürdigen, aber großartigen Remix von F/A/V bleibt er zwar deutlich weniger im Gedächtnis, aber ich würde ihn schon als kleinen Pluspunkt für diese "DJ Dwarf" betrachten. Tja und Pluspunkte kann "DJ Dwarf Five" auch ganz gut gebrauchen. Also gehen wir mal alle positiven Aspekte dieser CD durch. Zuerst einmal ist nicht jeder Song darauf furchtbar. "Churist Churist" ist sofort absolut großartig. Auch den Remix von "Don't Go" und wahrscheinlich auch "Rush" in der Standard-Version hätte ich ausgewählt. Und falls es darum ging, "Evoke" sogar als noch poppiger darzustellen, als es dann eigentlich werden sollte, dann ist das hier gelungen. Auf jeden Fall konnte man ziemlich klar die Message rüberbringen, dass das Album deutlich anders und experimenteller klingen würde als alles, was Ratzinger bis jetzt produziert hat. Ansonsten trifft die Auswahl der Songs überhaupt nicht meinen Geschmack und mir ist auch nicht klar, was zum Beispiel "Don't Go" in gleich zwei Versionen darauf zu suchen hat. Nach ausgiebigem Hören von "Evoke" hätte ich definitiv größtenteils andere Songs für "DJ Dwarf Five" ausgewählt. Mit "Breathe" hätte man einen wirklich tanzbaren Song mit dabei gehabt. "Hold" wäre in so ziemlich jeder Version besser gewesen als im Original und auch der Remix von "Perdition", der auf dem Album etwas untergegangen ist, wäre hier schön zur Geltung gekommen. Damit ist "DJ Dwarf Five" für mich am Ende nicht schlecht gealtert - es war eher mal nie richtig gut. [Review lesen]

09.01.2023 20:34 - :Wumpscut:: Evoke (2004)

6.5 / 10
Das Review zu Rudy Ratzingers 2005'er Album "Evoke" ist für mich ein ziemlich umfangreiches Projekt. Das hat zwei Gründe: einmal, weil es ziemlich viel Material um das Album herum anzuhören gab, aber vor allem auch, weil ich mit "Evoke" nie so ganz warm geworden bin. Lustigerweise war der Vorgänger "Bone Peeler" bei vielen Fans offenbar nicht so beliebt, was mich etwas verwundert hat. Klar: es war jetzt nicht super innovativ, aber für mich eine echt runde Sache. Auf der anderen Seite scheint "Evoke" deutlich beliebter zu sein, während ich mich lange Zeit wirklich schwer mit dem Album getan habe. Vieles daran hat mich regelrecht abgeschreckt und obwohl ich immer mal wieder halbherzig versucht habe, es mir am Stück anzuhören, wollte der Funke nie so recht überspringen. Aber vielleicht habe ich mir ja auch einfach nie genug Zeit genommen, um mich mal etwas tiefer mit "Evoke" zu befassen und dem Album nie die Liebe gegeben, die es verdient. Von daher könnte das Review vielleicht die Gelegenheit sein, meine Meinung noch einmal zu überdenken. Wie immer habe ich das Album die letzten Wochen rauf und runter gehört, mir jeden Song und Remix sehr bewusst gegeben und alles immer mal wieder im Hintergrund laufen lassen und zumindest kann ich jetzt schonmal sagen, dass es sich insoweit gelohnt hat, dass ich doch ein paar interessante Aspekte von "Evoke" entdecken konnte, die mir vorher verborgen waren. Aber vielleicht klären wir erstmal, was an dem ganzen Ding so sehr anders klingt als zum Beispiel an einem "Bone Peeler". Am stärksten sticht hier auf jeden Fall der Sound oder eher sogar schon das Genre hervor. Während "Bone Peeler" innerhalb der experimentellen Phase von :Wumpscut: wahrscheinlich das konventionellste Album war, hat "Evoke" auf jeden Fall einen sehr eigenen Stil. Ich glaube, ich habe den Sound auf "Wreath Of Barbs" als eher clean, kalt und steril bezeichnet. "Evoke" geht da nochmal drei Schritte weiter. "Wreath Of Barbs" hat sich trotz allem noch eine gewisse Härte und EBM-Nähe bewahrt, während hier alles sehr glatt wirkt und teilweise ziemlich starke Einflüsse von Popmusik eine große Rolle spielen. Wie schon auf "Wreath Of Barbs" hat Ratzinger sich reichlich weibliche Unterstützung bei den Vocals geholt, diesmal die eigenen Vocals aber drastisch zurückgefahren. Bei mehreren Songs übernimmt er lediglich die Backing Vocals, drei der 11 Songs sind komplett instrumental und wenn er dann doch mal zu Wort kommt, dann oft mit einem weniger harten Klang in der Stimme. Für mich macht das alles "Evoke" eher schwerer zu konsumieren, wobei ich mir natürlich vorstellen kann, dass das Album für die meisten dadurch eher zugänglicher werden dürfte. Ein paar Songs wären meiner Meinung nach sogar fast schon radiotauglich gewesen, wobei wir hier natürlich insgesamt immer noch ein :Wumpscut:-Album vor uns haben und das Gesamtwerk wahrscheinlich immer noch weit davon entfernt sein dürfte, etwas für den Mainstream zu sein. Recht passend hervorgehoben wird das alles durch das sehr steril wirkende Albumcover. Auf allen Releases rund um "Evoke" finden wir ein schlecht gerendertes Monster vor leerem weißen Hintergrund, welches mit seinen nicht vorhandenen Texturen so aussieht, als würde es aus einem Videospiel aus den frühen 90'ern stammen. Fairerweise muss man sagen, dass 2005 auch nun schon wieder lange her ist, aber ich fand das Ding auch damals schon potthässlich. Aber wichtig sind ja die inneren Werte und davon gibt es diesmal wirklich viele. Schon die Basis-Version mit ihren 11 Songs ist knapp eine Stunde lang. Die 2-CD Version mit den ganzen Remixes überschreitet die 2-Stunden-Marke dann locker. Auf Wunsch gab es mit der "Evokebox" noch eine 12'' Vinyl-Single und eine Mini-CD dazu, die beide auch separat erhältlich waren und natürlich erschien im Vorfeld auch die obligatorische "DJ Dwarf". Außerdem gab es noch eine obskure Single namens ":Blondi:". Für heute belassen wir es aber erstmal bei der Doppel-CD. Eine angenehme Überraschung ist hier übrigens die Verteilung der Remixes. Bis auf die drei Instrumentals hat jeder Song mindestens einen Remix spendiert bekommen und mehr als drei Remixes für einen Song werdet ihr hier nicht finden. Das macht die Remix-CD deutlich besser am Stück hörbar als die letzte Remix-CD mit ihren "Your Last Salute" Overkill. Gehen wir doch mal alles Song für Song durch und vergleichen die einzelnen Versionen. "Maiden" startet direkt mit einer gewissen Jane M., welche den Großteil der Vocals des Songs übernimmt. Sie wird immer mal wieder auftauchen und Ratzinger beim Singen Gesellschaft leisten. Während sie auf dem Rest des Albums eher mal den ruhigen Gegenpol zu Ratzinger bildet, wirkt ihr Gesang bei "Maiden" fast schon auf eine aufdringliche Art fröhlich. Sie spielt hier definitiv die Hauptrolle und sowohl die Musik als auch Ratzingers Background Vocals sind eher einfach gehalten, um Jane M. mehr zur Geltung zu bringen. Als Intro wirkt das eher ungewöhnlich, aber man erkennt zumindest direkt, in welche Richtung das Album gehen soll. "Maiden" ist vielleicht sogar von allen Songs auf "Evoke" derjenige, der am unnatürlichsten klingt, da er zwar poppig, aber immer noch leicht aggressiv ausfällt. So als wollte jemand, der immer harte EBM- und Industrialmusik gemacht hat, auf Krampf einen Popsong aufnehmen. Erinnert mich fast an das Cover zu "All Cried Out" damals, nur dass dieses ironisch war, während "Maiden" ernst gemeint ist. Es klingt für mich noch nicht einmal direkt schlecht und ist auch wirklich mal was anderes, hat aber einen sehr seltsamen Vibe. Die "Nesorton (VS :W:)" - Version vom selben Song klingt etwas weniger exzentrisch. Alles kommt etwas ruhiger daher, die weiblichen Vocals wurden leicht überarbeitet und klingen etwas weicher, die Vocals von Ratzinger fehlen fast ganz und die Musik klingt etwas gesetzter. Dadurch klingt "Maiden" in dieser Version ein wenig runder, aber auch etwas langweiliger als im Original. In der Version von Laittog wird dagegen ein komplett anderer Ansatz verfolgt. Der Song klingt deutlich aggressiver und diesmal sind lediglich die Vocals von Ratzinger zu hören. Fast so als wäre das Ziel, den Song so abzumischen, dass er möglichst wie ein klassischer :Wumpscut:-Song klingt. Das funktioniert allerdings nur bedingt und will am Ende nicht so recht passen. Viiiel mehr Potenzial hat da schon der zweite Song "Churist Churist". Die Musik kommt angenehm leicht daher, während Ratzinger mit seinen Vocals ein ordentliches Gegengewicht schafft. Derart inbrünstig und aggressiv hören wir ihn selten auf "Evoke". Noch interessanter wird das Ganze durch ein paar gut platzierte Samples und die Tatsache, dass er den Song in einer selbst ausgedachten Fantasiesprache singt. "Churist Churist" ist im Original für mich ein absolutes Highlight auf "Evoke" - umso beeindruckender, dass Recently Deceased mit ihrer Version locker mithalten können. Eigentlich würde ich es eher als ein Cover bezeichnen. Diesmal haben wir auf der einen Seite schwere stampfende Industrialmucke und auf der anderen Seite weibliche Vocals, die mich stark an Aleta Wellings Auftritte auf früheren :Wumpscut:-Alben erinnern. Ein absoluter Traum! Brain Leisure und Sacdar haben es da schwer, mitzuhalten, wo die Messlatte jetzt schon so hoch liegt. Beide Versionen ähneln sich recht stark und haben daraus instrumentale und gut tanzbare Remixes gemacht. Ich kann mir beides sehr gut anhören, wobei die Version von Sacdar fast schon wie eine erweiterte Version vom Brain Leisure Remix klingt. Insgesamt finde ich die Version von Sacdar aber etwas stimmiger. Wirklich poppig wird es dann mit "Don't Go". Jane M. und Ratzinger liefern sich hier ein Duett und auch wenn die Idee sicherlich ganz süß ist, langweilt mich die Umsetzung sehr. Musikalisch klingt alles sehr flach und eintönig und die Tatsache, dass der Song fast eine Minute Intro benötigt, bis er so richtig loslegt, macht die Sache nicht besser. Die Vocals von Jane M. haben mir zu viel Hall in der Abmischung, aber wenigstens macht sie einen besseren Job als Ratzinger, der hier beim Singen weniger so klingt, als wollte er sein Gegenüber davon überzeugen zu bleiben, sondern eher als wäre er ähnlich gelangweilt wie ich. Die eher kurz gehaltenen Lyrics setzen auch eher auf sich ständig wiederholende Hooks, die sich zwar schnell im Kopf als Ohrwurm festsetzen, aber in dieser Form schnell nerven. Immerhin findet sich auf der Remix-CD eine Version direkt von :Wumpscut:, mit der Rudy ein paar seiner Fehler selbst beheben konnte. Musikalisch gibt es jetzt ein etwas passenderes Fundament, die Vocals von Jane M. sind deutlich besser abgemischt und die von Ratzinger fehlen ganz. Immer noch kein wirklich guter Song, für mich aber auf jeden Fall die bessere Version. Ich würde sogar sagen, dass man insgesamt besser gefahren wäre, wenn man einfach diese Version auf CD 1 gepackt und die andere ganz weggelassen hätte. Ein Song, der bei mir nach ein paar Mal hören wirklich besser geworden ist, ist der Titeltrack. Beim oberflächlichen Drüberhören ist der mir früher nicht so sehr im Gedächtnis geblieben, aber mittlerweile konnte er seine Wirkung bei mir voll und ganz entfalten und ich bin sehr angetan. Ein eher ruhiger Song, der mich irgendwie hypnotisiert hat. Die Naked Beat Version gefällt mir dagegen nicht ganz so gut. Normalerweise kenne ich es so, dass die Remixes von Naked Beat den Song eher stark vereinfachen, wie der Name schon sagt, die Beats in den Vordergrund rücken und damit minimalistische Unterhaltung versprechen. Bei "Evoke" würde der Song stattdessen eher mal mit Effekten und sonstigen Zeugs zubombardiert, sodass mir das Gesamtergebnis einfach zu überladen wirkt. Mit "Tomb" haben wir unser erstes Instrumental - ein melancholisches Zusammenspiel aus Violine und elektronischen Klängen und wer meine Reviews kennt, weiß, dass ich das liebe. Das einzige, was ich "Tomb" anlasten könnte, wäre die Tatsache, dass es sehr ähnlich klingt wie damals "Draussen" auf "Boeses Junges Fleisch" - vielleicht insgesamt etwas cleaner und harmonischer. Im direkten Vergleich mag ich "Draussen" mit seinen Ecken und Kanten mehr, aber insgesamt kann ich "Tomb" eine Menge abgewinnen. Mit "Hold" wird es dann wieder sehr poppig. Im Prinzip bietet "Hold" fast das Gleiche wie "Don't Go" inklusive aller Stärken und Schwächen. Mich konnte es leider nicht so recht überzeugen, aber ich bin ziemlich beeindruckt von dem, was andere Projekte daraus gemacht haben. Zuerst einmal hätten wir die Version von Yendri. Das Original wurde in seiner Grundstruktur nicht wahnsinnig stark verändert, allerdings wurde so einiges an Effekten hinzugefügt, was den Song ziemlich schräg und teilweise verzerrt klingen lässt. Fast ein wenig wie die F/A/V Remixes auf "Bone Peeler" nur nicht ganz so abgefuckt, aber auf jeden Fall genug, um "Hold" etwas interessanter klingen zu lassen. Wirklich schwer beeindruckt hat mich aber die Version von Kirlian Camera - ebenfalls ein Cover. Schon alleine die Musik wirkt so viel interessanter und dynamischer als beim Original. Auch die Sängerin macht aus dem Material deutlich mehr als Jane M.. Okay, vielleicht ist der Vergleich etwas unfair, zumal es wohl zum Konzept vom Original gehört hat, die Lyrics bewusst emotionslos vorzutragen (zumindest gehe ich davon aus), während die Sängerin von Kirlian Camera deutlich mehr mit ihrer Stimme transportieren kann. Abwechslungsreich ist das Ganze auch noch und mit einer kleinen orchestralen Passage als Bonus am Ende kann mich diese Version für die gesamte knapp 7.45 Minuten Laufzeit begeistern. Ganz stark! Naked Beat haben es mit ihrem Remix natürlich schwer, dagegen anzukommen, aber immerhin besinnen sie sich hier auf ihre Stärke, die Beats in den Vordergrund zu rücken und schaffen ein deutlich solideres musikalisches Grundgerüst als wir es im Original haben. Damit wäre "Hold" glaube ich der erste :Wumpscut:-Song mit drei Remixes, die alle drei deutlich besser sind, als das Original, an den ich mich erinnern kann. Das nächste Instrumental nennt sich "Krolok" und lebt von recht minimalistischen Klängen mit gut platzierten Samples. Genretechnisch kratzt es schon fast am Ambient und wenn die Produktion nicht ganz so sauber wäre, dann würde es fast schon so wie die ganz frühen Werke von :Wumpscut: klingen. Als kleinen Einschub zwischen den Songs finde ich es wunderbar. Einzeln hat es aber keinen wirklich bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Mit "Breathe" haben wir gleich das nächste Instrumental, welches sich aber kaum stärker von "Krolok" unterscheiden könnte. Zuerst einmal: nachdem "Bone Peeler" inhaltlich nicht übermäßig kontrovers war, hätte ich nicht unbedingt damit gerechnet, ausgerechnet auf "Evoke" einen Song zu finden, der etwas heftiger ist, aber Samples aus dem Film "Betrayed" sorgen dafür, dass man ihn vielleicht lieber nicht in der Playlist haben möchte, wenn man Besuch hat. Falls ihr euch nicht daran stört, dass er in seinem Schock-Faktor sehr offensichtlich ist, bekommt ihr aber einen richtig ordentlichen tanzbaren Techno-Song und damit auch den einzigen seiner Art, der sich auf "Evoke" finden lässt. Dann hätten wir noch "Rush". Obwohl der Song ein paar ganz nette Momente hat, wie zum Beispiel eine Sirene, die ganz gut in den Song integriert wurde oder einen sehr eingängigen Refrain, fehlt mir hier ein bisschen das Besondere. Er sticht auf "Evoke" eher mal dadurch hervor, dass er vergleichsweise hart ist und Ratzinger alleine an den Vocals beteiligt ist. Auf einem anderen Album würde es sich sicher ganz gut als Opener machen. Auch "Rush" hat die klassische Naked Beat Behandlung bekommen und das ist auch recht gut gelungen. Als Quasi-Instrumental in minimalistischer musikalischer Ausführung klingt es angenehm unheilvoll und düster. Suicide Commando haben ebenfalls auf einen instrumentalen Ansatz gesetzt, aber daraus einen fröhlich vor sich hinstampfenden Industrial-Song gemacht. Etwas simpel vielleicht, aber ein Remix, der mir gute Laune macht. Dismantled haben dagegen das Original deutlich erweitert und aufgemotzt. Diese Remix ist quasi ein "Rush" auf Steroiden - gleicher Song, aber lauter und brutaler. Warum auch nicht? Passt ganz gut zur Thematik, aber ist mir fast schon too much. Ganz unauffällig auf vorletzter Stelle versteckt sich "Perdition" - ein Song, der sich eindeutig auf das falsche Album verirrt hat. Als wuchtiger, dunkler Song mit sehr klassischem :Wumpscut:-Sound klingt er viel mehr nach "Bone Peeler", als nach "Evoke". Von der Qualität her würde ich ihn eher als netten Filler bezeichnen, aber immerhin schafft er musikalisch ein wenig Abwechslung. Entgegen aller Erwartungen hat sogar "Perdition" einen Remix bekommen und zwar von Cerebral Apoplexy. Der klingt sogar ganz nett und hat außer der Melodie mit dem Original überhaupt nichts gemeinsam. Er wirkt deutlich elektronischer, leichter und unbeschwerter - netter Kontrast. Den Abschluss darf mit Obsessió wie schon auf "Bone Peeler" ein Song mit Clara S. am Mikrofon machen - auch hier wieder mit katalanischen Lyrics und eher eingesprochen als gesungen und trotzdem mit erstaunlicher Intensität in der Stimme. Schade, dass wir diesmal keinen deutschen Song dabei haben, sonst wäre "Evoke" ein Album in vier Sprachen gewesen. Im Vergleich zu "Your Last Salute" wirkt das Ganze auf einem Album wie "Evoke" nicht mehr ganz so fremd, sondern fügt sich hier bestens in's Gesamtbild. Auch musikalisch wurde das Ganze wieder wunderbar vertont. Diesmal wirkt alles weniger melancholisch, dafür deutlich mehr trippy mit teilweise sehr weirden Elektrosounds und etwas, was an Kehlkopfgesänge erinnert. Der Remix von Cerebral Apoplexy macht daraus eine etwas simpler Elektronummer, die einerseits nicht unterschiedlich genug ist, um dem Original etwas Grundlegendes hinzuzufügen, aber dann doch das Original zu sehr verändert, als dass es noch super stimmig ist. Sicher kein furchtbarer Remix, aber ein etwas unnötiger. Damit wären wir einmal durch und ich muss sagen, dass es sich für mich gelohnt hat, mich doch nochmal etwas intensiver mit "Evoke" zu befassen. Habe ich das Album am Ende doch noch lieben gelernt? Nicht wirklich. Ein paar Schwierigkeiten, die das Album hat und Songs, die wirklich nicht meinen Geschmack treffen, sind mir sogar noch bewusster geworden. Es ist zumindest eine interessante Idee von Ratzinger gewesen, seinen Sound mal etwas drastischer zu verändern und mit Elektro- und Pop zu experimentieren. Teilweise wirkt es aber auch ein wenig erzwungen oder zu trocken und blutleer. Von allen :Wumpscut:-Alben war und ist das hier für mich das erste, welches wirklich größere Probleme hat. Auf der anderen Seite verstecken sich hier aber auch ein paar echte Perlen wie "Churist Churist", "Obsessió" oder der Titeltrack, die sich erst so richtig offenbaren, wenn man sich drauf einlässt. Wirklich positiv aufgefallen ist mir diesmal auch die Remix-CD. Obwohl ich ein paar sehr exotische Sachen wie den Haus Arafna Remix von "Rise Again" oder die krassen Sachen von F/A/V diesmal etwas vermisse, stimmt hier die Gesamtqualität. Remixes sind ja immer eine ziemlich Frage des persönlichen Geschmacks und oft endet so eine Remix-CD damit, dass ich mir die 2-3 Remixes rauspicke, die mich ansprechen und den Rest dann vergesse. Aber hier hat wirklich fast jeder einzelne Remix seinen Platz und seine Berechtigung. In einigen Fällen wird das Original sogar deutlich aufgewertet. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass mir die Remix-CD diesmal besser gefallen hat, als das eigentliche Album. Mein Favorit wird "Evoke" wohl nicht mehr werden, aber es ist am Ende tatsächlich besser, als ich es immer in Erinnerung hatte und ich tat dem Album sicher auch Unrecht, indem ich es weitestgehend ignoriert habe. Am Ende ist es "okay" bis "gut", aber definitiv nicht großartig. Sicher kein guter Einstieg, wenn man :Wumpscut: gar nicht kennt, aber vielleicht ganz nett für jeden, dem Ratzinger sonst so laut oder hart ist oder alle, die "Wreath Of Barbs" besser fanden als "Bone Peeler". [Review lesen]

09.12.2022 06:27 - Soko Friedhof: Geschichte Eines Werwolfs, Die (2002)

9.0 / 10
Ein Soko Friedhof Album als "merkwürdig" oder "ungewöhnlich" zu bezeichnen mag seltsam erscheinen - irgendwie sind die Dinger ja alle etwas weird auf ihre Art. Aber ein Album stach für mich für lange Zeit immer aus deren Diskographie: Album Nummer 3 - "Die Geschichte Eines Werwolfs". Während die meisten Soko-Alben relativ bunt, schrill und trashig daherkommen, geht es hier die meiste Zeit nicht nur etwas ruhiger, sondern auch ein gutes Stück subtiler zur Sache. Und während David A. Line inhaltlich meistens ein eher loses Konzept auf seinen Alben verfolgt ist das hier eines der Alben, auf denen der rote Faden etwas deutlicher zur Geltung tritt und wohl auch soetwas wie eine durchgehende Geschichte erzählt wird: unter anderem werden hier Elemente aus dem Buch "Berlin Alexanderplatz" von Alfred Döblin verarbeitet und auch der Mordfall von Witten soll wohl bei der Entstehung des Albums eine große Rolle gespielt haben. Ich bin mal ganz ehrlich: Ich raffe das Konzept des Albums nicht. Vielleicht liegt es daran, dass ich "Berlin Alexanderplatz" nie gelesen habe oder ich bin einfach zu doof oder nicht künstlich begabt genug dafür. Glückwunsch an jeden, der das etwas merkwürdige Albumcover, das Buch und die einzelnen Songs miteinander in einen sinnvollen Gesamtkontext bringen kann - ich vermag das nicht. Wobei ich aber sagen muss, dass einzelne Songs und Lyrics auch für sich alleine genommen bei mir ganz gut funktionieren. Interessant dürfte auch die Zeit sein, in der das Album entstanden ist: 2001 ermordete das Ehepaar Ruda einen bekannten auf brutale Art und Weise. Beide waren Spinner, aber leider Spinner, die mit der schwarzen Szene in Verbindung gebracht wurden. Als Folge wurde medial ein großer Kübel Scheiße über die ganze Szene ausgekippt und deren Mitgliedern von Satanismus über rechte Ideologien so ziemlich alles böse unterstellt, was man finden konnte. Besonders hart hat es an der Stelle :Wumpscut: und Soko Friedhof erwischt, da sich am Fluchtauto bzw. der Wohnungstür der Täter Sticker der beiden Projekte befanden. Während Rudy Ratzinger das Ganze in einem eigenen Song verarbeitete, der eine Art Collage aus den beklopptesten Aussagen aus der Berichterstattung über den Fall war, wurde "Die Geschichte Eines Werwolfs" zumindest mehr oder weniger durch die Geschehnisse beeinflusst, auch wenn bis auf ein kurzes Zitat aus den Nachrichten in einem der Songs nie ganz so direkt auf den Fall eingegangen wird. Aber kommen wir mal zum eigentlichen Album, denn da haben wir ein bisschen was vor uns. Ganze 18 Songs warten diesmal auf uns und auch wenn die Songlänge durch viele kürzere Songs und Interludes stark variiert, kommen wir am Ende auf ca. 1 Stunde Laufzeit. Los geht's mit dem Intro "Die Geschichte Eines Werwolfs" und… naja. Ich habe mich ja schon über das Intro von "Im Beichtstuhl Der Begierde" beschwert, aber das hier gibt mir noch weniger. Ich nenne es mal eher "Geräusche" mit einer stark verzerrten Stimme drüber. Ein bisschen cool ist, dass es zwischen den Songs immer mal wieder auftaucht und damit eine Art Themen für das Album bildet, aber es klingt schon ziemlich schrottig. Aber das war ja nur das Intro. Wesentlich cooler wird es dann direkt mit "Ghosts Of Berlin" - eine unaufgeregte, melancholische Nummer, in der A. Line mit sehr tiefen und dunklen Vocals glänzen kann. Obwohl der Song recht kurz und simpel aufgebaut ist, trifft er bei mir direkt in's Schwarze. Mit dem "Totenkopfmausgedicht" haben wir dann ganz kurz ein wenig dunkle Lyrik, mit der ich wieder etwas weniger anfangen kann (wir hatten ja schon etabliert: ich bin dumm) und nachdem jetzt gerade mal einer von drei Tracks ein Song im engeren Sinne ist, könnte man sich so langsam Sorgen darüber machen, wie viel Musik wirklich in "Die Geschichte Eines Werwolfs" steckt, aber zum Glück wird es ab jetzt etwas melodischer und im Vergleich zu "Im Beichtstuhl Der Begierde" gibt es hier tatsächlich etwas weniger Ambient-Füllmaterial. "Fliegengott" ist der erste längere Song und obwohl die Grundzutaten hier noch die selben sind wie auf dem Debütalbum, kann man hier ganz gut erkennen, wie weit sich die Soko schon entwickelt hat. Auch auf bei "Fliegengott" haben wir einen einfachen Elektro-Sound, nur sehr dezente Vocals und Sprachsamples als Grundgerüst. Das Tempo ist hier aber eher mittel bis langsam und trotzdem ist der Song schön intensiv und hat eine fast schon hypnotische Wirkung. Spannend ist, dazu gleich danach im Kontrast "Bizarre Dreams" zu hören - wahrscheinlich von allen Songs auf diesem Album derjenige, der am besten auf "Grabschönheiten" gepasst hätte. Hier haben wir eher mal Elekto-Daueraction und schrammelige Gitarren. Klingt gar nicht mal so unähnlich wie "Schwarzer Mund" vom Debüt und während ich finde, dass "Schwarzer Mund" damals vergleichsweise komplex klang, klingt "Bizarre Dreams" im Vergleich zum restlichen Album fast schon primitiv. Auch das zeigt, wie schnell sich die Soko entwickelt hat. Davon abgesehen mag ich "Bizarre Dreams" aber in seiner rohen Wildheit - zumal es davon auf "Die Geschichte Eines Werwolfs" tatsächlich eher wenig zu bewundern gibt. Genau das zeigen dann auch schon die nächsten beiden Songs sehr deutlich. "Biberkopfs Prayer" hat sehr zarte, fast schon verletzlich klingende Vocals und "Scum Of The Earth" hat trotz fetten Beats einen etwas gesetzteren Sound und geht in eine sehr unironische Darkwave-Richtung. Beides sehr gute, wenn auch etwas kurze Songs. "I Was Your Slave Again" ist dann wieder sehr gewöhnungsbedürftig. Punkte gibt's auf jeden Fall für Experimentierfreude, denn genretechnisch wagt man sich hier sehr aus der Komfortzone. Ich würde das am ehesten noch als Trip Hop bezeichnen, bei welchem Greta Csatlos die Vocals stellt. Mir etwas zu abgespaced, aber zumindest interessant. "Painting The Dead" ist dagegen wieder total mein Ding - ein sehr atmosphärischer, langsamer Song, bei dem A. Line schon wieder zeigt, dass er auch die leisen Töne gut treffen kann. Mit 5 Minuten Laufzeit hat die ganze Nummer auch genug Raum, sich zu entfalten - zum Beispiel, indem sich ganz dezent im Laufe des Songs Schlagzeug und Gitarre dazu mischen. Sowas könnte ich mir auch ganz gut am Ende eines Albums vorstellen. Hier in der Mitte ist es sicher auch ganz gut aufgehoben, allerdings bildet das folgende "Asylum" schon einen sehr harten Kontrast, indem es einem gleich mal mit Keyboards bombardiert. Trotzdem mag ich "Asylum" mit seiner eher beschwingten Atmosphäre ganz gerne - lockert das Album etwas auf. … zumindest für kurze Zeit, bis wir "Eliminate Your Pain" zu hören bekommen - Ebenfalls eine ruhige Ballade, aber diesmal eine mit der A. Line sich wirklich übertroffen hat. Für mich persönlich der absolute Höhepunkt wenn es um stillere oder ernsthaftere Soko-Songs geht. Gänsehaut ist hier bei mir fast schon in dem Moment garantiert, in dem ich mir das anhöre. Ein unglaublich starkes Stück! Der nächste Song "Satans Bed" schneidet netterweise "Eliminate Your Pain" nicht abrupt ab, im Gegenteil: der Übergang zwischen den Songs ist so nahtlos, dass beide Songs sich einen Track auf der CD teilen, auch wenn sie auf der Rückseite als zwei getrennte Songs gelistet sind. "Evil World" ist dann noch einmal etwas klassischeres Soko-Material: ein wenig schneller, ein wenig anarchischer und etwas weniger schwer. Trotzdem ist daraus eine sehr runde Sache geworden. "The Church (Alexanderplatz)" ist ein etwas weirdes, kurzes Instrumental, aber als kleiner Appetithappen für zwischendurch ganz nett. "All Through This Night" ist so ein bisschen der letzte richtige, offizielle Song des Albums und passenderweise wird hier nochmal das Thema der ruhigen Ballade voll und ganz durchgezogen - ich meine, A. Line singt uns hier mehr oder weniger ein Schlaflied zum Abschied. Als kleines Outro gibt es dann "Sex And The Single Vampire" - ziemlich kurz, ziemlich experimentell und nicht wahnsinnig spannend, aber auch nicht störend. Ganz fertig sind wir hier aber noch nicht, denn wir haben noch eine Club Version von "Fliegengott" am Start. Wahnsinnig viel hat sich hier nicht zum Original geändert. Neu ist, dass es mit einem kurzen Ausschnitt aus der Berichterstattung über den Mordfall von Witten beginnt und mit deutlich mehr und stärker hervorgehobenen Vocals kommt. Die ganze Musik dahinter bleibt aber gleich. Für mich persönlich eine sehr sinnvolle Ergänzung zum Original - vielleicht sogar die Variante, die ich bevorzuge. Allerdings hatte ich sie eher "With Vocals", "Voiced Version" oder wie auch immer genannt, denn wirklich tanzbarer wird das Stück für mich dadurch nicht. Aber egal… sehr nett ist, dass wir ganz zum Abschluss sogar nochmal ein eigenes, kleines Outro bekommen. Auch dieses kurze Instrumental ist jetzt nichts besonderes, aber ein sehr angenehmer und sanfter Ausklang für "Die Geschichte Eines Werwolfs". Damit wären wir dann auch einmal komplett durch mit diesem kleinen Highlight aus der Soko-Diskographie, welches eindeutig mehr Liebe und Aufmerksamkeit verdient hätte. Ich denke gar nicht mal, dass "Die Geschichte Eines Werwolfs" bei den Fans schlecht ankam, aber mit "Blutrünstiges Mädchen" wechselte A. Line den Stil der Soko wieder ein gutes Stück in Richtung Clubhits und das auch sehr erfolgreich. So einige Alben die wieder etwas tanzbarer und ironisch waren, sollten schließlich veröffentlicht werden und selbst auf den Best Ofs ist "Die Geschichte Eines Werwolfs" erschreckend unterrepräsentiert. Erst 2012, als Soko Friedhof an einem Punkt angelangt war, an dem gar nicht mehr klar war, in welche Richtung es künftig gehen sollte, hat man mit "Ghosts Of Berlin" (das genauso heißt wie der erste richtige Song auf diesem Album hier) wieder ein annähernd vergleichbares Album geschaffen, welches eine durchgängige Geschichte erzählte und mit ruhigeren Songs liebäugelte. "Die Geschichte Eines Werwolfs" hat im direkten Vergleich für mich die Nase aber deutlich vorn. Während "Ghosts Of Berlin" sicherlich deutlich professioneller wirkt, ist es mir etwas zu glattgebügelt und austauschbar. Außerdem liegt der Fokus schon stark auf Pop und schwarzem Schlager. "Die Geschichte Eines Werwolfs" hat dagegen zwar einige Ecken und Kanten, ist dafür aber auch sehr experimentell, abwechslungsreich und hat vor allem eine sehr eigene Stimmung, die so nie wieder repliziert werden konnte. Das Album ist sicher nicht perfekt. Bei 18 Songs ist zwangsläufig der eine oder andere dabei, der mich nicht umhaut. Teilweise sind mir auch die Übergänge zwischen den Songs zu hart und unpassend. Auf der anderen Seite muss ich aber echt sagen, dass der Anteil wirklich guter Songs hier sehr hoch ist und sich ein paar absolute Highlights des gesamten Schaffens von Soko Friedhof darunter befinden. Auch als Gesamtwerk kann ich es mir super anhören. Vielleicht nicht der beste Einstieg für Leute, die die Soko zum ersten Mal hören wollen, aber für mich eines der besten Soko Friedhof Alben. [Review lesen]

15.11.2022 08:03 - Soko Friedhof: Im Beichtstuhl Der Begierde (2001)

7.0 / 10
"Im Beichtstuhl Der Begierde" ist das zweite Album von David A. Lines Nebenprojekt Soko Friedhof und gleichzeitig das erste Mal, dass die Soko ihre Songs weder als Teil eines Samplers, noch als Gratisbeilage in einem Magazin veröffentlicht hat. So zu sagen ist das hier also das erste klassische Album, welches von Anfang an im Jewelcase mit allem drum und dran einzeln gekauft werden konnte. Lustigerweise war bis zu meinem Review gerade dieses Album eines der Soko Friedhof Alben, die ich am wenigsten komplett gehört habe. Die wichtigsten Songs hatte ich natürlich gut im Kopf, aber an fast alles, was es später nicht auf die erste "Best Of" geschafft hat, hätte ich mich jetzt so spontan nicht erinnern können. Also war es auch für mich eine spannende Erfahrung, mir "Im Beichtstuhl Der Begierde" die letzten Wochen immer mal wieder am Stück zu geben. Obwohl ich das Ganze nicht als Konzeptalbum verstehe, sind Name und Cover ganz passend gewählt - Kirche und Erotik spielen hier eine besonders große Rolle und ziehen sich als roter Faden durch die ganze CD. Wie schon bei "Grabschönheiten" gibt's wieder 12 Songs, allerdings hatte man sich hier seit dem Debüt schon ein gutes Stück weiterentwickelt. Vocals sind jetzt nicht mehr die absolute Ausnahme und Tracks, die nur aus Musik und Sprachsamples bestehen, haben jetzt ungefähr den gleichen Anteil wie etwas komplexere Songs. Der Sound ist ebenfalls etwas besser geworden. Die Drums stammen zwar immer noch aus dem Drumcomputer, aber klingen nicht mehr ganz so beschissen und wurden diesmal auch auf ein vernünftiges Maß heruntergefahren und stechen jetzt nicht mehr ganz so penetrant hervor. Sehr interessant ist hier eine gewisse Dichotomie zwischen tanzbaren und weniger tanzbaren Songs. Auf "Grabschönheiten" war alles recht einfach gehalten, aber zumindest einigermaßen melodisch. Hier haben wir jetzt ein paar echte Brecher, die ordentlich die Tanzfläche füllen dürften auf der einen Seite. Auf der anderen Seite sind die Songs ohne Vocals jetzt zwar experimenteller geworden, gehen aber teilweise kaum noch als Songs durch und haben eher etwas von Interlude, die für ein wenig extra düstere Stimmung sorgen. Das Intro "Luzifers' Rising" wäre da auch gleich mal so ein Beispiel. Ich fand ja schon das Intro auf "Grabschönheiten" speziell, aber hiermit kann ich noch weniger anfangen. Inhaltlich ist einfach wenig da, aber wirklich in Stimmung bringt es mich auch nicht. Aber gut - ist ja nur ein Intro. Der Titeltrack ist da schon interessanter. Obwohl wir auch hier recht simple Elektromusik und Sprachsamples als Basis haben, klingt das Ganze ungewöhnlicher und kreativer als das meiste, was "Grabschönheiten" in diese Richtung zu bieten hatte. Bibelzitate treffen hier auf Filmzitate aus "Warlock" und einer Menge Gestöhne - dazu ein paar dunkle stampfende Beats und wir haben einen nicht gerade tanzbaren oder melodischen, aber doch sehr faszinierenden und fesselnden Track. Mit "Perversion Bizarre" haben wir dann den ersten richtigen Clubhit der Soko. Und was soll ich noch großartig dazu sagen: er hat für mich absolut den Test der Zeit bestanden. Alleine der Takt der Musik ist absolut geil. A. Line gibt dem Ganzen mit geflüsterten Vocals die perfekte eigene Note und Greta Csatlos ergänzt es im Refrain wiederum mit ihren Vocals - übrigens das erste Mal, dass wir sie so direkt für die Soko singen hören dürfen. Als nächstes hätten wir dann "Das Bluthörspiel", das direkt an den Titeltrack anknüpft: wieder wird viel gestöhnt und wieder werden wir mit Bibelzitaten konfrontiert. Diesmal gibt's aber noch weniger Musik als noch beim "Beichtstuhl Der Begierde" und lässt das Ganze eher wie ein etwas schlecht platziertes Interlude, als wie einen richtigen Song wirken. Nachdem mich "Perversion Bizarre" richtig in Fahrt gebracht hat, hätte ich jetzt zwar nicht unbedingt das Bedürfnis, davon jetzt so ausgebremst zu werden, aber okay… Das Album nimmt immerhin mit "My Mother Wears Black" recht schnell wieder Fahrt auf. A. Line zeigt hier, dass er auch wunderbar düstere Vocals beherrscht und beschert uns hier einen ganz feinen Darkwave Song, der fernab von Parodie oder over the top Schockeffekten absolut ernst zu nehmen ist - coole Sache. Mit "Thru The Looking Glas (Now!)" geht es qualitativ ähnlich hochwertig weiter. A. Line liefert sich hier ein wunderbares Duett aus seinen eigenen und gut dazu passenden weiblichen Vocals in einem eher langsamen Song, der schon als Ballade durchgehen könnte. Der Sound wirkt hier ziemlich rau und unpoliert, was dem Song meiner Meinung nach aber eher zugute kommt. "Schau Mich Nicht So Böse An" finde ich wieder etwas schwierig - sehr experimentell das Ganze. Neben minimalem Beitrag vom Drumcomputer setzt der Track vor allem auf Mönchsgesänge im Hintergrund. Wenn ich mir das einigermaßen aufmerksam anhören will, klingt das für mich ziemlich doof. Lustigerweise funktioniert es etwas besser, wenn ich das Album am Stück im Hintergrund laufen lasse. Wirklich an's Herz gewachsen ist es mir trotzdem nicht. Absolut großartig ist dagegen wieder "Are U Psycho?" - sehr stimmungsvolle und atmosphärische Strophen, die viel Spannung aufbauen, die sich dann im Refrain wiederum sehr gelungen entladen kann. Für Soko-Verhältnisse ein ziemlich anspruchsvoller Song, den ich bis heute absolut liebe und der für mich aus der Diskographie von Soko Friedhof nicht mehr wegzudenken ist. Damit kommen wir dann zum letzten Drittel von "Im Beichtstuhl Der Begierde" und das ist leider ein ziemlicher Krampf für mich. "Luzifers' Decline" ist ein reiner Ambient-Track, der sicherlich einigermaßen stimmungsvoll ist, aber auch schnell langweilig wird und für mich auch eher zum 2-Minuten-Interlude getaugt hätte, als zu einem vollwertigen Song mit über 4 Minuten Laufzeit. "Botschaft" geht in eine ganz ähnliche Richtung, nur mit noch mehr Ambient und noch weniger Musik. Die Samples sind ganz interessant, da wir hier sowohl welche aus dem aktuellen aber auch dem kommenden Album "Die Geschichte Eines Werwolfs" anhören können. Ein paar Sprachsamples, die rückwärts abgespielt werden, sind auch dabei. Wer weiß… vielleicht ergibt sich ja eine ganz sinnvolle "Botschaft" aus der ganzen Nummer, wenn man den Track rückwärts abspielt. Ich habe darauf allerdings keine Lust und so bleibt der Song für mich ein ganz witziges Gimmick, was nach einem Mal Hören langweilig wird. Ein kleines Highlight ist dann aber noch "Ficken Und Töten" - wunderschön beknackter Song, der auch gut auf "Grabschönheiten" gepasst hätte, den man nicht allzu ernst nehmen sollte, der aber rein musikalisch gut ballert. Etwas lästig ist, dass "Botschaft" quasi nahtlos in "Ficken Und Töten" übergeht und man beide Tracks so voneinander getrennt hat, dass man bei zweiterem noch ungefähr 40 Sekunden des ersteren hat - blöd, wenn man nur "Ficken Und Töten" hören will. Ganz zum Schluss gibt es noch das Outro "Exit", welches über 9 Minuten lang ist, aber nach gut 40 Sekunden plötzlich ausblenden. Hmm… das Backcover sagt 52 Sekunden, was eigentlich auf einen Hidden-Track schließen lassen dürfte. Nur wartet man gut 8 Minuten lang vergebens drauf und darf einfach nur Stille genießen. Hätte man komplett weglassen können. Im Prinzip hätte man für meinen Geschmack "Ficken Und Töten" irgendwo mitten im Album unterbringen und die ganze Show mit "Luzifers' Decline" beenden können, aber mich fragt ja keiner. Was bleibt, ist ein etwas unglücklicher Abschluss für ein doch ganz nettes Album, mit dem sich die Soko im Vergleich zu den mittelmäßigen Anfängen ein bisschen steigern konnte. Teilweise haben wir hier eine beeindruckende Dichte an absoluten Hits und Klassikern wie "Perversion Bizarre", "Are U Psycho?" oder "My Mother Wears Black". Auf der anderen Seite haben wir hier extrem viel Füllmaterial, Intros, Outros und Interludes, die für mich kaum als richtige Songs durchgehen und die ich auch nicht vermissen würde, wenn sie fehlen würden. Vielleicht tu ich dem Album damit ja auch Unrecht und es will sich mir nicht als Gesamtwerk erschließen, aber wenn man das ganze atmosphärische Beiwerk weglassen oder zumindest deutlich kürzen würde, hätte man hier das bessere Album gehabt. Immerhin: man kann es tatsächlich ganz gut im Hintergrund laufen lassen, was dafür sorgt, dass einzelne Songs tatsächlich besser zur Geltung kommen, als wenn man sie einzeln hören würde - trotzdem werde ich "Das Bluthörspiel" oder "Botschaft" wohl eher weglassen, wenn ich mir mal wieder eine Soko Friedhof Playlist mache. [Review lesen]

02.11.2022 17:19 - Soko Friedhof: Grabschönheiten (2005)

6.0 / 10
Soko Friedhof, das Side-Project von Untoten, hat es im Laufe der Jahre geschafft, den einen oder anderen Song rauszupumpen, mit dem sie auch ganz unabhängig vom Main-Project etwas Bekanntheit in den Clubs erlangen konnten. Das goldene Zeitalter dürfte für die Soko wohl die Mitte der 2000'er mit Hits wie "Blutrünstiges Mädchen" oder "Uniform" gewesen sein. Aber auch lange danach sollte David A. Line mit seiner Soko noch am Start sein und einigermaßen regelmäßig CDs in sehr unterschiedlich starker Qualität auf den Markt werfen. Angefangen hat das ganze allerdings als ein Underground-Projekt von vielen. Damals, als die Untoten noch schrammligen Grindcore / Punk machten, gab es im Berliner Underground eine ganze Handvoll Bands mit ähnlichem Sound und Soko Friedhof war neben Projekten wie Engelwerk, Candys Thrash Till Death oder Festival Der Geisteskranken nur ein Kandidat von vielen, welcher der schwarzen Szene kranken und abgefuckten Sound geliefert hat. Insgesamt war das ganze vielleicht ein wenig elektronischer und gruftiger als der Rest dieser bunten Truppe an Bands, aber gerade die frühen Soko-Werke klangen noch deutlich mehr nach dem Rest vom berliner Underground als zum Beispiel ein "Blutrünstiges Mädchen". Das erste richtige Album, was nach ein paar Sampler-Beiträgen 1999 im minimalistischen Cardsleeve als Beilage zum "Maul"-Magazin erschien nennt sich "Grabschönheiten" und wurde passenderweise 2005 - also ein Jahr nach dem Erfolg von "Blutrünstiges Mädchen" - nochmal neu aufgelegt, damit die neu gewonnenen Fans direkt mal hören konnten, wie bescheiden die Soko damals angefangen hat. "Grabschönheiten" hat damals noch auf einen sehr minimalistischen Ansatz gesetzt. Vocals gibt es hier fast gar keine. Stattdessen wurden Sprachsamples (unter anderem aus der deutschen Version von "Akte X" oder der englischen Version von "The Evil Dead") nicht nur hier und da mal eingestreut wie bei vielen anderen Bands aus der Szene, sondern bilden hier einen wichtigen musikalischen Grundpfeiler. Daneben haben wir recht simple Elektro-Arrangements, hier und da mal ein paar schrammligen Gitarren und erstaunlich viele Drums. Die Gitarren klingen angenehm dreckig, nehmen nicht zu viel Platz ein und wurden offenbar von irgendwem selbst gespielt. Bei den Drums bin ich mir da nicht so sicher. Entweder haben wir es hier mit einem sehr schlechten Drumcomputer zu tun oder irgendwer hat in der Kanalisation von Kreuzberg ein Schlagzeug aufgestellt und im Vollrausch einfach mal ein bisschen drauf rumgehauen. Gut klingt das jedenfalls nicht. Überhaupt klingt alles furchtbar amateurhaft. Das kann man als positiv oder negativ betrachten, aber wirklich rund klingt das Ganze oft noch nicht. Inhaltlich ging es damals schon viel um's Okkulte und Satanistische - gewürzt mit einer ordentlichen Prise Erotik und sicher auch nicht ganz ohne Ironie, aber wir sind hier definitiv noch nicht im Comedy- oder Parodiebereich angekommen wie auf ein paar späteren Soko-Alben. Nachdem David A. Line in all den Jahren auf wirklich fast allen Arten versucht hat zu schockieren, wirkt "Grabschönheiten" schon recht dezent. Vielleicht konnte sich damals der eine oder andere Katholik noch darüber aufregen - heutzutage dürfte dieses Album allerdings nicht mehr das Mittel erster Wahl sein, um seine Eltern zu schockieren. Trotzdem: ein gewisser Shock-Value und ziemlich viel Angefucktheit sind hier auch heute noch zu finden, wirken hier aber etwas subtiler als so manch späterer Angriff David A. Lines auf den guten Geschmack. Das muss aber nicht unbedingt schlecht sein und ist mir deutlich lieber als ein plumpes Pornorap-Album wie "Mord" oder "Drom". Insgesamt werden uns hier 12 Tracks geboten, auch wenn uns auf der Rückseite der CD nur 10 Stück versprochen werden. Das Intro und "Bondage" werden einfach mal unterschlagen. Ist ja an sich nicht schlecht, wenn man mehr bekommt, als einem versprochen wird, sorgt aber direkt mal für Verwirrung, wenn man sich das Album digitalisieren will. Das "Intro" ist eh eine etwas merkwürdige Geschichte, da es mit seinen knapp 3 ½ Minuten eher mal ein vollwertiger Song ist. Gleichzeitig will er nicht so recht zum Rest des Albums passen mit seinen Violinen und der eher gothiclastigen Atmosphäre, die später im Album überhaupt nicht mehr aufgegriffen werden. Für sich genommen ohne Kontext kann ich damit aber auch wenig anfangen, da das ganze eher Spannung aufbaut, ohne dass es so etwas wie einen richtigen Payoff gibt. Als Intro für ein Live-Konzert stelle ich mir das ziemlich geil vor. So in der Form kann ich damit aber wenig anfangen. "... Und Ass Sein Herz" geht da schon etwas mehr nach vorne: wir haben hier ein paar treibende Beats, gut platzierte dezente Keyboards und sehr passende Samples. Alles ist recht stumpf und repetitiv, aber auf eine Art und Weise, die gut passt und so gewollt ist. "Blutende Maria" hat eine ganz coole Idee: man bedient sich Sprachsamples von einem monotonem satanistischen Singsang aus einer "Akte X" - Folge, welche die Musik begleiten sollen. Darauf war man wohl so stolz, dass daraus der Titeltrack für den Sampler "A Tribute To Sexmania - Blutende Maria" geworden ist, welcher auf dem Sampler auch mehrmals in verschiedenen Versionen vertreten ist. Was in der Theorie ganz nett klingt, ist in der Praxis weniger mein Ding. Der "Gesang" passt nicht mit der etwas zu schnellen und chaotischen elektronischen Musik zusammen und beißt sich eher damit. Außerdem hört der Track aus irgendeinem Grund mitten im Song plötzlich auf, was mich jedes Mal beim Hören leicht irritiert. "Klistier" kommt musikalisch etwas entspannter daher und Samples harmonieren hier super mit der sehr eingängigen und fast schon hypnotischen Musik. Bloß die absolut ranzigen Drums nerven hier etwas, aber insgesamt kann ich mir "Klistier" ganz gut anhören. "Bondage" besteht quasi aus zwei Teilen. Die erste Minute ist eine wilde Kakophonie aus allen möglichen kaputten menschlichen und tierischen Lauten, die man sich vorstellen kann, und aus irgendeinem seltsamen Grund bin ich ein großer Fan davon. Aber auch der zweite Part in Form einer erotischen Ballade kann sich auch heute noch sehr gut hören lassen. Keine Ahnung, warum dieser Song es nicht auf den "A Tribute To Sexmania" - Sampler geschafft hat, denn dort würde er perfekt hinpassen. Nachdem Soko Friedhof auf späteren CDs straight up mit Porno-Samples experimentiert hat, klingt das hier fast schon zahm, aber musikalisch ist es irgendwie gut gealtert. Auch "Schwarzer Mund" kann mich heute noch ziemlich begeistern. Zum ersten Mal werden wir hier mit Vocals konfrontiert und die sind angenehm düster und harmonieren perfekt zu den treibenden Elektro-Klängen. Das ganze klingt für mich fast wie eine sehr basale Version von "Die Rache Der Hurenkinder" - vielleicht etwas weniger kultig, aber wenn das Ding so wie es ist im Club laufen würde, wäre ich auf der Tanzfläche. Weniger gut gealtert ist für mich "Friedhofsruhe". Ich weiß, dass ich den Track ganz früher mal irgendwie faszinierend fand, aber mittlerweile ist mir das Ding bestehend aus ein paar Samples aus "The Evil Dead" und den hier sehr präsenten Shitty-Drums doch etwas zu einfach gestrickt. Wenn man's sehr minimalistisch mag, dann kann man das vielleicht ganz interessant finden, aber mein Ding ist das heute nicht mehr. Ein echter Klassiker ist dagegen "S.A.T.A.N.". Alleine das Intro ist so herrlich bekloppt, dass ich heute immer noch grinsen muss, wenn das Ding läuft. Aber auch abseits des WTF-Faktors kann man sich "S.A.T.A.N." gut anhören. "Go To Hell" hat ebenfalls Vocals, klingt aber im Gegensatz zu "Schwarzer Mund" etwas punkiger und ranziger - eigentlich ein typischer Song für Festival Der Geisteskranken. Für sich genommen nicht unbedingt eine Offenbarung, aber nett für ein wenig Action zwischendurch. Die nächsten beiden Songs sind nicht unbedingt schlecht gealtert - sie waren eher mal für meinen Geschmack nie gut. "Das Ist Meine Hölle" klingt wie eine chaotische Mischung von Sound und Samples, die überhaupt nicht miteinander harmonieren will. "Gott Lebt" ist zumindest von der Idee her in Ordnung, aber derart scheiße abgemischt, dass mir bei den viel zu lauten Drums und willkürlichen Schnipseln aus Operngesang (?) jedes Mal die Ohren bluten. Bleibt nur noch "Fake Me!". Offenbar muss ich meine Aussage von vorhin zurücknehmen: schon auf "Grabschönheiten" hören wir ziemlich plumpe Porno-Samples. Davon mal abgesehen geht "Fake Me!" ziemlich gut nach vorne. Außer den Samples haben wir gut nach vorn stampfende Mucke, die ordentlich Druck macht und gernretechnisch schon fast an den Grenzen zu Industrial kratzt. Das ist ganz nett, aber reicht auch nicht wirklich aus, um mir länger im Gedächtnis zu bleiben. Und dieser Eindruck, den der letzte Song hinterlässt, beschreibt eigentlich das ganze Album recht gut. "Grabschönheiten" hat sicher seine Momente. "Bondage", "S.A.T.A.N." oder "Schwarzer Mund" gehören zum Beispiel dazu - alles gute Songs, die ich mir heute noch anhören kann. Der Großteil geht aber eher mal irgendwie nur in Ordnung, verblasst aber komplett gegen spätere Soko-Klassiker. Und zwischendurch kann die Musik sogar ziemlich nerven. Das Problem bei diesen ganz alten Songs ist, dass die Soko ihren Stil noch nicht so richtig gefunden hat. Ist jetzt zwar nicht so, dass Soko Friedhof überhaupt soetwas wie einen einheitlichen Stil hätte, aber zumindest sticht das eine oder andere spätere Album doch etwas mehr hervor, während "Grabschönheiten" noch zu sehr im Berliner Underground unterwegs ist und dort einfach nicht so richtig mit "Festival Der Geisteskranken", "Engelwerk" oder "Untoten" mithalten kann, wenn es darum geht, einfach nur einen maximal gestörten Sound zu fabrizieren. Vielleicht war die Soko ja auch ursprünglich nicht als ernsthaftes Projekt, sondern eher als A. Lines musikalische Spielwiese (oder Mülleimer) gedacht, aber in dem Fall würde ich leider sagen: Joa, hört man auch. Auf der anderen Seite ist es wieder spannend zu hören wie fast jede spätere Facette von Soko Friedhof im Ansatz auf "Grabschönheiten" zu erkennen ist: treibender Elektro, Gothic-Kitsch, Parodie und Comedy, Erotik, billige Schocker - alles ist hier in einer sehr einfachen Form enthalten. Nur während spätere Alben gerne mal eines dieser Konzepte mehr oder weniger erfolgreich in den Vordergrund rücken und mehr auf eine Karte setzen, haben wir hier fast das gesamte Spektrum, aber in etwas oberflächlicherer Form. Um sich einzelne gute Stücke rauszupicken oder eine kleine Reise in die Vergangenheit zu machen, ist "Grabschönheiten" allemal geeignet, aber als Einstieg in die Soko würde ich es ehrlich gesagt niemandem empfehlen. [Review lesen]

06.10.2022 07:09 - :Wumpscut:: Our Fatal Longing / Rise Again (2004)

5.5 / 10
"Bone Peeler" war ein echt umfangreiches Album mit echt umfangreicher Remix-CD, welches eine echt umfangreiche "DJ Dwarf"-Promo CD hatte. Egal ob man das Album jetzt mochte oder nicht (ich fand's ja gut), muss man auf jeden Fall sagen, dass nach den drei Jahren Wartezeit mengenmäßig gut was an Material rumgekommen ist. Ganz fertig sind wir damit aber trotzdem noch nicht. Obwohl die Kombination aus Album und DJ Dwarf damals schon recht etabliert war, gab es in dieser experimentellen Phase von :Wumpscut: immer noch mindestens eine Single obendrauf, die nicht so recht in's Bild passen wollte. Dieses Mal sollte sie in Form von einem 12'' Vinyl kommen, welches einerseits Teil der limitierten "Bone Peeler"-Box war, aber wohl auch in sehr kleiner Quantität separat gekauft werden konnte. Optisch macht das Ding ganz gut was her. Das Cover entspricht zwar dem von der "DJ Dwarf Four", aber ich muss sagen, dass es in groß als Vinylcover nochmal besser zur Geltung kommt. Eigentlich ein sehr schlichtes Konzept mit den OP-Instrumenten, aber im Vergleich zu so manchen Unfall, die Rudy Ratzinger seine Werke gedruckt hat, mag ich den eher dezenten Stil. Dass das Vinyl orange ist, gibt dem ganzen einen netten Touch. Bei der Tracklist fragt man sich dann direkt, warum es nicht auch ein 7'' getan hätte - immerhin sind nur zwei Songs drauf. Aber wenn man dann auf die Laufzeit von über 20 Minuten schaut, dann wird klar, dass hier selbst die 2-Track-Single naja… umfangreich ist. Beide Songs sind Remixes oder besser gesagt spezielle Versionen von bekannten Songs aus "Bone Peeler" - einmal "Our Fatal Longing" und einmal "Rise Again". Beide Tracks unterscheiden sich aber recht stark. Fangen wir mal mit "Our Fatal Longing" an. Hier fand ich es ein wenig schade, dass der Song auf "Bone Peeler" keinen Remix spendiert bekommen hat. Tja und nun endlich… hat der Song erneut keinen Remix spendiert bekommen. Hinter dem sperrigen Namen ":W: XL Time-Doubled Version" steckt nämlich genau das, was draufsteht: eine Version des Songs, die einfach nur auf über 13 Minuten "gestreckt" wurde, ohne dass wirklich neue Elemente hinzugefügt wurden. In der Theorie klingt das absolut scheiße. In der Praxis funktioniert es aber erstaunlicherweise viel besser als es sollte. Zuerst einmal hört man direkt raus, dass sich hier Mühe gegeben wurde - wir haben hier jetzt also keinen Loop von immer dem selben Refrain oder so. Stattdessen wurden alle Elemente von den Vocals oder die einzelnen elektronischen Parts bis hin zu dem Sample vom Fritz Haarmann Lied auseinander gebaut und neu sortiert. Da hat man jetzt ein paar komplett neue Kombinationen - meistens welche, die etwas dezenter klingen, wie zum Beispiel nur die Keyboards oder nur die Vocals mit einem leichten Beat. Das gibt dem Song insgesamt sogar nochmal eine etwas andere Richtung. Schon im Original fand ich den Song rein musikalisch recht entspannt, was einen netten Kontrast zu Rudys Vocals gegeben hat, die hier durchaus eine gewisse Härte haben. Das wird in dieser Version jetzt noch mehr betont. Ich muss sagen, dass ich die lange Version tatsächlich sogar mehr mag als das Original. Es macht sowohl Spaß, den Song bewusst zu hören und alle einzelnen Parts auf sich wirken zu lassen, als auch die Platte einfach mal aufzulegen und im Hintergrund laufen lassen. Gute Arbeit also bei "Our Fatal Longing". Auf der B-Seite hätten wir dann einen etwas klassischeren Remix: den Naked Beat Remix von "Rise Again" - immerhin auch knapp 8 Minuten lang. Da ich das Original mag und "Rise Again" auf "Bone Peeler" schon zwei Remixes hatte, hab ich mir jetzt nicht gerade vor Aufregung in die Hose gemacht, als ich den Titel gelesen habe, aber die Idee passt trotzdem schon ganz gut. Immerhin war ein Remix davon auf "Bone Peeler" eine eher einfache, zugänglichere und tanzbare Version von "Rise Again" und der andere extrem experimentell (wenn auch sehr geil). Von dem, was ich bis jetzt von Naked Beat gehört habe, kann man also eine eher ruhige und minimalistische Nummer erwarten, quasi eine Interpretation des Songs, die wir in der Form noch nicht hatten. Aber im Gegensatz zur anderen Seite der Single, klingt dieser Remix in der Theorie ganz nett, aber die praktische Umsetzung ist leider nicht so sehr mein Fall. Ja, der Song ist jetzt tatsächlich minimalistischer, aber dafür klingt jetzt alles irgendwie sehr leblos und trist. Im Vergleich zu den anderen beiden Remixes von Naked Beat fehlt mir hier die eigene Komponente, die dem ganzen einen Wiedererkennungswert gibt. Und mit knapp 8 Minuten zieht sich der ganze Spaß schon extrem. Auf der Remix-CD von "Bone Peeler" wäre das hier für mich als einer der schlechteren Remixes gnadenlos untergegangen. Tja und viel mehr gibt es zu dieser Single auch nicht zu sagen. Auf der einen Seite ein sehr nettes gelungenes Experiment, das hier in genau dieser Form auch besser zur Geltung kommt, als wenn man es auf die Remix-CD des Albums verbannt hätte und auf der anderen Seite ein enttäuschender Remix. Durch zwei Songs geteilt ergibt das bei mir ziemlichen Durchschnitt. Schlecht ist die Single auf keinen Fall, aber eben auch nicht wirklich gut. Falls man eh schon mit der Box geliebäugelt hat, wäre dieses Vinyl neben T-Shirts, Postern und was weiß ich nicht alles, wohl eher mal eins der besseren Extras, die diese Versionen immer beinhalten. Separat und als einzelne Geschichte (und so bewerte ich diese Single ja jetzt auch) ist das ganze aber eigentlich nur was für Leute, die :Wumpscut: UND "Bone Peeler" sehr mögen UND unbedingt jedes kleine bisschen aus dem Album rausquetschen wollen. Alle anderen dürften nicht viel verpassen, wenn sie das hier überspringen. [Review lesen]

20.09.2022 16:23 - :Wumpscut:: Bone Peeler (2004)

8.0 / 10
Drei Jahre mussten :Wumpscut:-Fans auf ein neues Album warten, bis 2004 endlich Nachschub geliefert wurde. Und auch wenn das nicht lange klingt, sind drei Jahre für :Wumpscut:-Verhältnisse relativ lang - vor allem wenn man bedenkt, dass ab diesem Zeitpunkt für die nächsten 12 Jahre jährlich mindestens ein Album plus eine DJ-Dwarf-Single erschienen ist. Aber schließlich war es dann soweit: "DJ Dwarf Four" gab schon erstaunlich viele Einblicke in das angekündigte Album und wenig später war es dann da: "Bone Peeler" - das neue vollwertige :Wumpscut:-Album. Auf jeden Fall merkt man direkt, dass sich einiges an Material angesammelt hat. Das Album an sich ist mit seinen 12 Songs bereits über eine Stunde lang. Wie üblich konnte man neben der normalen Version auch wieder eine umfangreiche Fanbox mit allerlei Merch bestellen und auf Wunsch gab es diesmal sogar eine Remix-CD, was zumindest damals ein kleines Novum war. Während die Remix-CD mittlerweile auf Wunsch immer direkt mit dabei ist und auch die früheren Alben einige Jahre später im Nachhinein noch eine Bonus-CD spendiert bekommen haben, war "Bone Peeler" quasi das erste Album, welches von Anfang an mit einer ganz normalen Remix-CD im Hintergrund konzipiert wurde. ("Preferential Legacy" und "Music For A German Tribe", die sich nicht auf das jeweilige Album beziehen, zähle ich hier mal nicht mit.) Mit der Remix-CD kommt man dann zusammen sogar auf eine beeindruckende Spielzeit von gut 136 Minuten - "Bone Peeler" ist also ein ziemlicher Brocken. Noch spannender als die Länge ist hier natürlich die Frage danach, wie das alles klingt - vor allem wenn man bedenkt, dass Ratzinger sich damals noch in seiner experimentellsten Zeit befunden hat. "Boeses Junges Fleisch" liebäugelte damals mit deutschen Texten und Techno und "Wreath Of Barbs" hatte einen kalten, recht sterilen Sound und viel weibliche Unterstützung bei den Vocals. "Bone Peeler" klingt dagegen fast schon wieder traditionell, wobei ich noch nicht sagen würde, dass man hier zurück zu den Wurzeln geht. Alles in allem fällt das Album wieder etwas weniger experimentell aus, vieles klingt nach typischen :Wumpscut: der mittleren bis späten 90'er, aber gleichzeitig wirkt der Sound cleaner, die Songs melodischer und die Präsentation bombastischer als damals. Am ehesten lässt sich das Ganze wohl noch mit "Embryodead" vergleichen - beide Alben sind gut für Einsteiger geeignet und haben eine intensivere erste Hälfte und werden gegen Ende ruhiger und atmosphärischer, wobei auf "Bone Peeler" beides weniger stark ausgeprägt ist. Wirklich schnelle oder laute Songs sucht ihr hier genauso vergebens wie reine Dark-Ambient-Songs. Deshalb überrascht es auch nicht, dass das Meiste auf "Bone Peeler" im mittleren Tempo abläuft. Kleinere Samples aus Filmen und anderen Medien werden ja bei :Wumpscut: oder generell in dem Genre immer mal wieder eingesetzt, um die Songs zu garnieren. Hier ist das aber schon sehr stark ausgeprägt. Derartige Samples kommen auf diesem Album nicht nur oft vor, sondern wurden auch erstaunlich gut in die Musik integriert. Das hören wir schon direkt beim ersten Track "Crown Of Thorns", welches aber gleichzeitig auch einen etwas unspektakulären Opener darstellt. Selten fing ein :Wumpscut:-Album derart sanft an, was nicht unbedingt schlecht sein muss. Allerdings reißt mich das ganze noch nicht so richtig mit. Lediglich der super melodische Refrain mit verzerrten Vocals hat mich ziemlich beeindruckt und bleibt gut im Gedächtnis hängen. Da wäre also noch ein wenig Verbesserungspotential für Remixes und davon haben wir gleich zwei. Zum einen hätten wir den Ansatz von Suicide Commando, der es auch bereits auf "DJ Dwarf Four" geschafft hat - kein Wunder, da dieser versucht, möglichst tanzbar zu sein. Das ist er auch bis zu einem gewissen Grad, allerdings erst ab der zweiten Hälfte, davor zieht er sich ein wenig. Ich mag ihn trotzdem mehr als das Original, da er von Anfang an etwas einzigartiger klingt, allerdings finde ich es schade, dass er so lange braucht, um wirklich in Gang zu kommen. Schließlich hätten wir dann noch den Remix Naked Beat und der Name ist hier echt Programm. Dieser Remix ist sehr minimalistisch: Auf Vocals wurde bis auf den Refrain verzichtet und wir haben hier neben dem nackten Beat nur die basalsten Elemente, die teilweise komplett neu arrangiert wurden. Trotzdem lässt sich das Original noch ganz gut erkennen. Nach 1-2 Anläufen, die ich gebraucht habe mich daran zu gewöhnen, ist das für mich die bevorzugte Version von "Crown Of Thorns", welches eh nicht dafür gemacht war, Wände einzureißen, aber in dieser Version einen sehr entspannten und eigenständigen Sound hat. Mit "Just A Tenderness" zeigt "Bone Peeler" dann eben im zweiten Anlauf, dass es doch ordentlich Durchschlagskraft besitzen kann. Der Song ist angenehm düster und dreckig - auch ohne Tempo oder Härte eines "Bunkertor 7" oder "Music For A Slaughtering Tribe". Stattdessen bleibt es irgendwo sehr melodisch, was durch die extrem hypnotischen Synthlines besonders deutlich betont wird. Obwohl das Original schon großartig ist, haben sich hier gleich drei Projekte drauf gestürzt, um einen Remix daraus zu machen. Zuerst hätten wir da Nersoton - ein etwas minimalistischerer Ansatz, wenn auch nicht ganz so sehr wie bei Naked Beat. Beim ersten Mal hören konnte ich damit sehr wenig anfangen, da ich unbewusst immer wieder auf Momente aus dem Original gewartet habe, die am Ende dann nicht kamen. Nach ein paar Anläufen sind mir nach und nach aber ein paar eigenständige Merkmale aufgefallen, die für sich eine ganz nette Atmosphäre schaffen. So hätten wir zum Beispiel einen Beat, der sich wie ein Herzschlag durch den ganzen Remix zieht oder Marschgeräusche, welche dem ganzen einen eigenartigen Rhythmus und auch dem Remix eine ganz andere Ausrichtung als das Original geben. Als nächstes wäre F/A/V dran und bei diesem Projekt erwarte ich nichts geringeres als etwas sehr verwirrendes - und ich wurde nicht enttäuscht! Alles klingt hier merkwürdig verzerrt. Die Vocals, die Synthlines und alles andere, was das Original ausgemacht hat, sind hier noch da, passen aber nicht mehr richtig zusammen. Irgendwas haut hier einfach überhaupt nicht mehr hin - als hätte man den Song lange genug angekokelt, bis er etwas angeschmolzen ist. Dazu dann noch ein paar scheinbar überhaupt nicht passende Samples und irgendwo in der Distanz ein paar Streichinstrumente. Und trotzdem: am Ende des Tages klingt es genau so wie es klingen soll und fügt sich zu einem wunderbaren Gesamtwerk, das wahrscheinlich nicht jedermanns Sache ist. Der Remix von Plastic Noise Experience ist da schon wieder deutlich entspannter. Falls ihr eine möglichst tanzbare Version von "Just A Tenderness" mit Betonung auf treibende Beats haben wollt, bekommt ihr die hier - auch noch handwerklich sehr gut zusammengebastelt von jemandem, der sein Handwerk sehr gut versteht. "March Of The Dead" kommt dann schon wieder etwas bodenständiger daher: sehr direkt, hart und mitunter vielleicht etwas stumpf, aber durchaus effektiv. Hier wird ohne Kompromisse nach vorne marschiert und auch wenn der Song etwas Variation vermissen lässt, haut er gut genug rein, um einem ganz gut die Zeit zu vertreiben. Vielleicht nicht die beste Vorlage für einen Remix, aber F/A/V haben es trotzdem versucht, aber leider nicht so erfolgreich wie bei "Just A Tenderness". Der Remix klingt nicht komplett verkehrt, ist mir persönlich aber nicht abgefuckt genug (ja, ich habe merkwürdige Standards). So wie er jetzt geworden ist, ist er mir aber etwas zu nah am Original - lediglich etwas schneller und mit allerlei Samples, Effekten und anderen Krempel überfrachtet. "Fear In Your Eyes" ist der erste Song, der es nicht im Vorfeld auf "DJ Dwarf Four" geschafft hat und ich kann ein wenig verstehen, warum. Auch wenn er eine sehr nette Synth-Hook hat und schon ganz gut im Gedächtnis bleibt, ist er für mich eher Hintergrundbeschallung. Er geht musikalisch in eine ähnliche Richtung wie "Crown Of Thorns", bleibt dabei aber noch etwas flacher. Insgesamt sicherlich ganz nett, aber kein Highlight. "Rise Again" ist da schon wieder eine ganz andere Nummer: ein wunderbar düsterer, atmosphärischer EBM-/Goth-Song, der echt süchtig macht und den ich mir immer wieder anhören könnte. Auf der "DJ Dwarf" gab es ihn lediglich im Datom-Remix, der die ganze Nummer ein wenig tanzbarer und leichter verdaulich macht und das auch verdammt gut. Auch wenn ich das Original bevorzuge, habe ich gegen diesen Remix überhaupt nichts einzuwenden. Komplett umgehauen hat mich aber der Remix von Haus Arafna, der ganz sicher nicht jeden Geschmack treffen dürfte. Der Song wurde hier sehr stark modifiziert und ist jetzt eine recht minimalistische Dark Ambient Nummer mit gesprochenen Lyrics und bei allem Minimalismus klingt das Ergebnis doch erstaunlich aufwendig und hochwertig. Gerade auf "Bone Peeler", welches eher gefällige Songs hat, ist so ein Remix natürlich wirklich Gold wert. "Final Warning" teilt ein ähnliches Schicksal wie "Fear In Your Eyes": überhaupt nicht auf "DJ Dwarf Four" vertreten, es muss ohne Remixes auskommen, klingt eher flach und ähnelt zu stark einem anderen Song - in diesem Fall "Fallen Angel", da Rudy hier ebenfalls auf starke Vocal-Präsenz setzt, wobei hier die Musik für mich leider zu sehr in den Hintergrund tritt und der Song einige Längen hat. Wie es besser geht, zeigt dann im Anschluss direkt das gerade erwähnte "Fallen Angel" - sehr starke Vocals von Rudy an der Stelle, ohne dass der Rest zu sehr vernachlässigt wird. Wir haben hier ein paar echt krasse Hooks und einen Song, der ebenso aggressiv wie mitsingbar ist. Wirklich eine kleine Perle, die im Laufe der Zeit ein wenig in Vergessenheit geraten ist. Schade, dass es hier keinen Remix gibt. So langsam neigt sich "Bone Peeler" dem Ende zu und wird etwas ruhiger. "And Life Goes On" drosselt schon einmal ordentlich das Tempo und stampft etwas langsamer voran. Trotzdem bleibt es dabei ziemlich wuchtig und sehr elektro-lastig mit ein paar saftigen Beats im Gepäck. Auch "Our Fatal Longing" kombiniert ein eher langsames Tempo mit immer noch gut vorhandener Power. Als netten Twist wird der Song durch eine Art Orgel (?) begleitet und hat mal wieder eine ziemlich einprägsame Melodie. Etwas inflationär wird hier im Hintergrund das von einer Kinderstimme gesungene Fritz Haarmann Lied verwendet. Ich bin immer kein riesen Fan von pseudogruseligen Kinderstimmen und hier beißt es sich sogar ein wenig mit dem Rest vom Song, aber davon mal abgesehen finde ich "Our Fatal Longing" sehr gelungen. Zum Abschluss hin werden die letzten drei Songs zum Glück nochmal ein gutes Stück experimenteller. "Scavanger" versucht es mit den leisen Tönen und lässt sich ganz gut mit Songs wie "Stillbirth" am Ende von "Embryodead" vergleichen und hätte stilistisch vielleicht auch auf "Wreath Of Barbs" gepasst. Sowas braucht bei mir grundsätzlich immer ein bisschen was und am Anfang konnte ich mit "Scavanger" wirklich eher wenig anfangen, aber mittlerweile mag ich die etwas melancholische und trostlose Stimmung, die es verbreitet. Noch besser wird es für mich aber mit "In The Peace Of The Night" - dem einzigen Song, den ich wirklich sehr auf "DJ Dwarf Four" vermisst habe und ebenfalls eine versteckte Perle in der wahnsinnig umfangreichen :Wumpscut:-Diskografie. Mit seinen über 8 Minuten hat das Teil nicht nur eine epische Länge, sondern auch inhaltlich einiges zu bieten. Stilistisch ist das ganze schwer greifbar und gar nicht mal so einfach zu beschreiben, außer vielleicht, dass hier alles an düsterer Atmosphäre, trauriger Stimmung aber doch auch ganz gut einprägsamen Parts aufgefahren wird, wovon "Bone Peeler" schon die ganze Zeit davor profitiert hat. Der etwas unkonventionelle Aufbau des Songs sorgt vielleicht dafür, dass man sich erstmal reinfinden muss, fesselt danach aber umso mehr. Witzigerweise findet sich hier sogar auf CD 2 ein Club Cut, der ähnlich dem Club Cut von "Crown Of Thorns" auf "DJ Dwarf Four" eher mal eine gekürzte Version des Songs ist. Da hier auf knapp 5 Minuten gekürzt wurde und das Ganze auch in dieser Version immer noch ganz gut anhörbar ist, ist das eine einigermaßen beeindruckende Leistung. Warum finde ich das trotzdem witzig? Erstmal: wer braucht sowas? Unter den Songs von "Bone Peeler", die ich nie im Club spielen würde, wäre "In The Peace Of The Night" locker unter den Top 3. Und wenn wir schon sowas haben: warum dann nicht auf der "DJ Dwarf"? Wenn sich ein Song dafür angeboten hätte (exklusiv) darauf veröffentlicht zu werden, dann doch wohl dieser Cut. Aber wir sind noch nicht am Ende, sondern haben sogar noch einiges vor uns. Der Song, auf den sich die meisten Künstler zum remixen gestürzt haben, ist "Your Last Salute" - mit dem Ergebnis von stolzen 5 Remixes und fast jede Version davon geht so um die 5-6 Minuten, sodass fast eine halbe Stunde nur durch diesen Song ausgefüllt wird. Also auf in den "Your Last Salute"-Overkill! Erstmal zum Song an sich: das Konzept ist sehr interessant, wenn auch nicht komplett neu: eine Frauenstimme spricht die Lyrics auf etwas monotone Art und Weise ein. Diesmal ist es allerdings nicht Aleta Welling, sondern eine Dame, die hier einfach nur als Clara S. aufgelistet wird. Als netter kleiner Twist ist der ganze Text jedoch auf Katalanisch, was sich erstaunlich gut anhört. Der Rest ist eine ganz abwechslungsreiche Mischung aus eher melancholischen Violinen und den üblichen Industrial-Arrangements, die man aus den langsameren Songs von :Wumpscut: schon kennt. Auch wenn hier gar nicht so viel neu erfunden wird, wird es in "Your Last Salute" doch irgendwie sehr schön aus ganz unterschiedlichen Elementen zusammengesetzt und verleiht dem Album einen gelungenen Abschluss. Bleiben noch die Remixes. Der Airforge Remix und der Datom Remix haben nicht nur ungefähr die gleiche Länge und klingen recht ähnlich, sondern haben auch in etwa die gleiche Wirkung: sie lockern das Original auf und machen es tanzbarer - der Datom Remix vielleicht noch etwas mehr als der Airforge Remix, weshalb dieser wohl auch auf der "DJ Dwarf" zu finden war. Naked Beat haben sich auch daran ausgetobt und ähnlich wie bei "Crown Of Thorns" den Fokus wieder etwas stärker auf Rhythmus und Beats gelegt, hier aber etwas mehr vom ursprünglichen Song beibehalten - insgesamt der längste und wahrscheinlich auch komplexeste Remix. Schließlich hätten wir noch Laittog mit einem ebenfalls sehr entspannten Remix, wobei ich allerdings zugeben muss, dass in der Fülle irgendwann alles anfängt für mich recht ähnlich zu klingen und "Your Last Salute" in all seinen Versionen zu einer einheitlichen Masse wird. Nur die Jungs von Das Ich lassen mich hier nochmal aufhören, da ihr Remix nicht nur kurz und knackig ist, sondern dem Song doch nochmal ein neues Soundgewand gibt - guter Job. Ob es jetzt wirklich 5 Remixes von diesem einen Song gebraucht hätte, weiß ich nicht - zumal ich "Your Last Salute" gar nicht mal so geeignet dafür finde. Dem Original gibt es eigentlich wenig hinzuzufügen, während andere Songs wie "Our Fatal Longing" oder "Fallen Angel" wohl ganz spannend in einer anderen Version zu hören gewesen wären. Klar kann man Rudy das jetzt nicht unbedingt übel nehmen - ich weiß ja nicht, wie da üblicherweise das Prozedere ist und ich denke nicht, dass er alleine darüber bestimmt, welcher Künstler sich jetzt welchen Remix vornimmt, aber insgesamt 6 mal "Your Last Salute" ist schon ziemlich brutal und macht das Hörerlebnis ziemlich sperrig, falls ihr mal vorhabt, die Remix-CD am Stück zu hören. Mein Fazit für "Bone Peeler" fällt aber trotzdem sehr positiv aus. Ich war immer wieder etwas überrascht, dass es bei vielen Fans gar nicht mal so gut angekommen ist. Ja: die Aggressivität aus alten Tagen kehrt hier nicht komplett zurück und wenn man sehr kritisch ist, dann könnte man Rudy hier unterstellen, dass er es mit "Bone Peeler" quasi allen Leuten recht machen wollte, aber für mich ist das Ergebnis eine verdammt runde Sache und ich finde man merkt, dass er sich damals etwas mehr Zeit gelassen hat, bevor er "Bone Peeler" rausgehauen hat. Insgesamt finde ich das Album sehr stabil in seiner Qualität. Vielleicht gibt es hier nicht ganz so heftige musikalische Experimente, für :Wumpscut:-Verhältnisse eher weniger schockierende Songs, kaum absolut abartig gute Highlights, die mich lange zum Nachdenken gebracht haben und manche Songs klingen sogar zu ähnlich. Gleichzeitig fällt die Qualität hier auch kaum unter ein gewisses Niveau. Während meistens mal ein langweiliger oder komplett bekloppter Song auf dem typischen :Wumpscut:-Output vertreten ist, kann ich hier überhaupt nicht sagen, dass mir ein Song gar nicht gefallen hat. Selbst bei den Remixes haben wir hier eine stabile Qualität und das will schon was heißen. Damit ist "Bone Peeler" für :Wumpscut:-Fans und -Interessierte eher mal leichte Kost und kein Album, dass man erst dreimal gehört haben muss, bis es *klick*macht, was ich aber vollkommen in Ordnung finde. Auch der Umfang ist beeindruckend. Ich würde sogar so weit gehen, dass ich sagen würde, dass es "Bone Peeler" besser getan hätte, sich von ein paar Songs und Remixes zu trennen, um eine etwas knackigere Erfahrung daraus zu machen, bin aber alles in allem mehr als zufrieden. [Review lesen]

Insgesamt 184 Reviews vorhanden. Alle anzeigen