DarkForrest

DarkForrest
Registriert seit: 25.12.2008

Zum Verkauf 3 Eingetragen 68
Bewertungen: 245 Reviews: 245
Genres: Blues, Comedy, Country, Dark Wave/Gothic, Elektronische Musik, Hardcore, House, Hörspiel/Hörbuch, Jazz, Klassik, Metal, Musical, Pop, Punk, Rap/Hip Hop, Reggae, Rock, Schlager, Singer/Songwriter/Liedermacher, Ska, Sonstiges, Soul/R&B, Soundtrack, Volksmusik/Folklore, World Music
Bewertungsverteilung von DarkForrest
0.5 1 1.5 2 2.5 3 3.5 4 4.5 5 5.5 6 6.5 7 7.5 8 8.5 9 9.5 10
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2.0: 5.7142857142857% (2x)

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3.0: 5.7142857142857% (2x)

3.5: 11.428571428571% (4x)

4.0: 34.285714285714% (12x)

4.5: 31.428571428571% (11x)

5.0: 28.571428571429% (10x)

5.5: 22.857142857143% (8x)

6.0: 51.428571428571% (18x)

6.5: 80% (28x)

7.0: 74.285714285714% (26x)

7.5: 80% (28x)

8.0: 100% (35x)

8.5: 85.714285714286% (30x)

9.0: 48.571428571429% (17x)

9.5: 22.857142857143% (8x)

10.0: 8.5714285714286% (3x)

Die letzten Bewertungen
8.0 für Combichrist: Get Your Body Beat (2006) (19.01.2026 20:26)
8.5 für Combichrist: Everybody Hates You (2005) (02.08.2025 06:59)
6.5 für Combichrist: Kiss The Blade (2003) (11.06.2025 18:36)
7.5 für Godslave, Impactor: Thrashed (2009) (11.05.2025 20:38)
8.0 für :Wumpscut:: DJ Dwarf Ten (2010) (19.04.2025 07:23)
Insgesamt 245 Bewertungen vorhanden. Alle anzeigen
Die letzten Reviews

19.01.2026 20:26 - Combichrist: Get Your Body Beat (2006)

8.0 / 10
Das 2007’er Album “What The Fuck Is Wrong With You People” konnte damals durch eine Sache ganz besonders glänzen: die ziemlich starke Dichte an wirklich ordentlichen Hits. Egal ob “Electrohead” oder “Fuck That Shit” - wir hatten hier eine gute handvoll echt herausragender Tracks. Einer davon war “Get Your Body Beat”, welcher als einziger eine eigene Single spendiert bekommen hat. Eigentlich hätte “What The Fuck Is Wrong With You People” Potential für deutlich mehr eigenständige Releases gehabt, aber immerhin hat man bei “Get Your Body Beat” wirklich alles mögliche investiert und in die CD geballert, was ging. Abgesehen davon, dass der Song im Film “The Gene Generation” vorkam und wir wiederum Filmszenen im Musikvideo zu sehen bekommen, haben wir auf der CD ganze 6 Remixes und 3 exklusive Tracks. Das klingt vom Konzept her schon mal sehr gut und auch wenn ich mir eine ähnliche Single oder EP zum Beispiel auch für “Electrohead” gewünscht hätte, muss ich sagen, dass “Get Your Body Beat” eine wirklich gute Wahl war und natürlich auch einiges an Potential für gute Remixes hergibt. Es beginnt auch gleich mit besagtem Song, angeblich in der Album Version. Allerdings wurde der Track gegenüber der Album Version etwas modifiziert und zum Beispiel um das Intro gekürzt. “Single Version” wäre wahrscheinlich zutreffender gewesen, aber ganz ehrlich: ich bin froh, dass es den Song auch in einer etwas knackigeren Version gibt, die sofort zur Sache kommt. Damit ist das hier schonmal direkt ein Gewinn, wenn auch etwas irreführend betitelt. Dann haben wir “Products” in der “Life Composer Version”. Hier steht jetzt nicht explizit, dass es ein exklusiver Track ist, aber ich habe den Song weder in dieser noch in einer anderen Version jemals irgendwo anders gesehen. Im Vergleich zum eher technolastigen “Get Your Body Beat” klingt das hier ziemlich heavy und auch etwas weniger gefällig. Hat etwas gedauert, bis ich damit was anfangen konnte, aber mittlerweile finde ich gefallen dran. Auch wenn es nicht ganz so melodisch ist, klingt es wie etwas, das in einem ranzigen kleinen Underground-Club ziemlich gut kommen würde. Definitiv exklusiv ist jedenfalls der Track mit dem schönen Namen “What The Fcuk”. Stilistisch hätte er voll und ganz auf “What The Fuck Is Wrong With You People” gepasst: elektrolastiger Aggrotech mit aggressiven Vocals und Lyrics. Qualitativ kann das Ganze aber nicht unbedingt mithalten und wäre dann auf dem Album neben “Red” und “In The Pit” einer der etwas unausgereifteren Songs gewesen. Schwierig finde ich hier einerseits das Verhältnis zu Vocals und der restlichen Musik, bei dem die Stimme von LaPlegua erstaunlich schwach klingt und hier deutlich in den Hintergrund gedrängt wird. Außerdem fehlt mir hier sowas wie ein roter Faden, ein Refrain, ‘ne markante Hookline - halt irgendwas, das Wiedererkennungswert hat. Damit war es wohl tatsächlich eine gute Idee, “What The Fcuk” nicht mit auf das Album zu packen, aber gleichzeitig ist es auch nicht schlecht genug, um es gar nicht zu veröffentlichen und somit ist es auf dieser CD schon ganz gut aufgehoben. Als nächstes beginnt der Remix-Marathon. Zuerst haben wir den “Käpt’n Mix” von Sascha Konietzko - ziemlich simpler, aber gleichzeitig interessanter Ansatz, den Song einfach etwas minimalistischer wirken zu lassen, indem man die Musik etwas einfacher gestaltet und gleichzeitig die nackten Vocals mehr in den Vordergrund stellt, die hier auch etwas roher und kantiger wirken. Ist jetzt nicht unbedingt das, wie ich mir den Song am Ende vorstelle, aber als etwas kuriose Alternative doch ziemlich gelungen. Als nächstes haben wir den “Rotten Blood Remix” von Amdusica - einem mexikanischen Projekt, von dem ich zu meiner Schande vorher noch nie gehört habe. Allerdings sollte ich da wohl mal reinhören, denn der Remix trifft sehr gut meinen Geschmack. Der grundlegende Song ist noch gut raus zu hören, klingt jetzt aber so, als stamme er von einem anderen EBM oder Industrial Künstler wie Hocico oder Suicide Commando. Hier wurden quasi beide Stile zu einem sehr gelungenen und stimmigen Remix zusammengefügt. Den kürzesten Remix haben dann Spetsnaz mit gerade mal 3 ½ Minuten beigetragen. Das Ganze wirkt eher wie ein kurzer, sehr simpler Elektro-Track, über welchen zufällig die Vocals von “Get Your Body Beat” gelegt wurden. Mit dem eigentlichen Song hat das ganze aber kaum noch was zu tun, gleichzeitig wird hier wenig Interessantes Eigenes beigesteuert. Klingt nicht komplett kacke, aber schon sehr unspektakulär. Point 45 schaffen es dann, mich mit ihrem sehr eigenwilligen “Shooting Up Remix” eher mal zu irritieren. Alles klingt hier sehr zerhackt und voller Störgeräusche und Glitches. Ein bisschen so, als ob man “Get Your Body Beat” hört, während man gerade einen Schlaganfall hat. Das ist natürlich so gewollt, aber nicht wirklich was für mich. Handwerklich ist es sicherlich ganz gut umgesetzt, aber irgendwie nicht mein Geschmack. Ganz anders dagegen der “Tortured Remix” von Manufactura. Nach einem kurzen WTF-Moment mit einem Porno-Intro werden wir einfach mal 5 Minuten mit feinstem Hardstyle-Techno zugebombt. Ist das handwerklich gut umgesetzt? Keine Ahnung, aber es trifft ziemlich gut meinen Geschmack. Perfekt um einfach mal 5 Minuten den Kopf komplett auszuschalten und ordentlich abzuspacken. Als letztes hätten wir dann den Remix von Sergio Mesa und das Ding ist, dass er in eine recht ähnliche Richtung steuert wie der “Shooting Up Remix”. Auch hier wurde sehr viel rumgeshraubt und der eigentliche Song ein gutes Stück abstrakter gemacht. Trotzdem lässt es sich für mich noch gut anhören. Irgendwie schafft er es auch, über 7 Minuten einigermaßen frisch und originell zu klingen und bietet damit einen ganz ordentlichen Abschluss für die Remixes. Ganz durch sind wir damit aber noch nicht. Mit “DNA AM” erwartet uns noch ein exklusiver Track. Keine Ahnung, ob das ganze thematisch irgendwie mit “The Gene Generation” verknüpft ist. Auf jeden Fall haben wir hier einen instrumentellen, sehr ruhigen und melancholischen fast schon Ambient-Track mit ein paar Sprachsamples, die sich gut in das Genetik-Thema einfügen - unter anderem von Genforscher Dr. Craig Venter. Ein ziemlich überraschendes, aber schönes Ende für die CD. Damit sind wir durch und ich bin echt zufrieden mit “Get Your Body Beat”. Man bekommt hier inhaltlich einiges geboten und größtenteils kann die Qualität hier echt mithalten. Die Quote an Remixes, die hier meinen persönlichen Geschmack treffen, ist auch erstaunlich hoch. “Get Your Body Beat” ist jetzt nicht unbedingt eine EP, die man sich gut am Stück anhören kann. Gleichzeitig spiegelt sie auch nicht unbedingt das wieder, was man so auf “What The Fuck Is Wrong With You People” zu hören bekommt - dazu liegt der Fokus zu sehr auf einem Song bzw. irgendwelchen B-Seiten-Songs. Ich würde es also nicht unbedingt empfehlen, um einen Einblick in das zugehörige Album zu bekommen. Als Ergänzung zu “What The Fuck Is Wrong With You People” für den Fall, dass man einfach noch mehr will - vor allem mit Fokus auf “Get Your Body Beat” - kann ich die CD aber absolut empfehlen. [Review lesen]

11.01.2026 10:02 - Combichrist: What The F**k Is Wrong With You People? (2007)

8.5 / 10
Zwei Jahre nachdem Andy LaPlegua mit seinem Projekt Combichrist und dem zweiten Album “Everybody Hates You” einen ziemlich großen musikalischen Sprung im Vergleich zum Vorgänger hingelegt hatte, sollte er Anfang 2007 mit “What The Fuck Is Wrong With You People?” erneut zuschlagen. Ganz so drastisch wie letztes Mal sollte sich der Stil dieses Mal nicht ändern - zumindest hat man hier keinen kompletten Genre-Wechsel vollzogen und bleibt im EBM/Industrial/Aggrotech-Bereich. Trotzdem sind auch dieses Mal gewisse Entwicklungen herauszuhören. Der Sound ist größtenteils noch etwas melodischer und tanzbarer geworden. Ich würde außerdem sagen, dass die Tracks stilistisch etwas einheitlicher klingen und LaPlegua ein gutes Stück mehr von seinen Vocals einsetzt, was am Ende auch dafür sorgt, dass wir hier mehr Potential für gute Live-Songs haben. Ist “What The Fuck Is Wrong With You People?” dadurch mainstreamtauglicher geworden? Ganz so weit würde ich noch nicht gehen. Ja, wir sind hier mittlerweile ein gutes Stück von den Rhythm & Noise Tracks der Anfangstage entfernt und die meisten Songs hier eröffnen sich einem sofort, ohne dass man erstmal reinkommen muss. Außerdem gibt es hier wahrscheinlich mehr clubtaugliche Tracks als auf den beiden Alben davor. Andererseits wurde an Tempo und Härte kaum etwas gedreht, sodass man schon ein Freund der härteren elektronischen Musik sein muss, um damit Spaß zu haben. Die Lyrics sind dieses Mal abgefuckter denn je und der “Parental Advisory Content” Sticker, auf den LaPlegua sicherlich sehr stolz ist, ist nicht umsonst auf dem Cover. Ob man das cool und edgy oder einfach nur peinlich findet, bleibt jedem selbst überlassen. Bei mir ist es wahrscheinlich ein wenig von beidem, wobei Combichrist auch eines der Projekte ist, das ich nicht unbedingt wegen der Lyrics höre. Wie schon beim Vorgänger kann man sich auch dieses Mal aussuchen, ob einem das normale Album reicht, oder es noch eine Bonus-CD dazu geben soll. Entscheidet man sich für zweiteres, dann bekommt man auch dieses Mal ein komplettes eigenständiges Album als Bonus, welches über 50 Minuten an neuem Material bietet und genretechnisch stark vom Hauptalbum abweicht, was für sich genommen und unabhängig von der Qualität schon cool ist. Aber auch das eigentliche Album ist mit 14 Tracks über 72 Minuten ein ziemlicher Brocken geworden. Jetzt muss das Material darauf nur noch gut sein. Combichrist machen es dieses Mal spannend, denn mit “5am [Afterparty]” haben wir erstmal ein knapp einminütiges Intro im Stil einer Voicemail, dass zumindest inhaltlich einen kleinen Vorgeschmack darauf gibt, wie oft einem das Wort “Fuck” noch so im Laufe des Albums erwarten wird. Ich vergesse meistens, dass es dieses Intro gibt, da es weder etwas Sinnvolles zum Album beiträgt, noch irgendwie stört. Also springen wir gleich mal zum ersten richtigen Song. “What The Fuck Is Wrong With You?” ist dann im Prinzip der Titeltrack und wir werden mal wieder richtig gut in's Album eingeführt. Das Ganze ist nicht übermäßig komplex aufgebaut, ballert an den richtigen Stellen und hat einen sehr prägnanten Refrain - also genau die richtigen Zutaten für einen absoluten Ohrwurm, der den anderen Tracks zwar nicht die Show stiehlt, aber trotzdem Lust auf den Rest des Albums macht. “Electrohead” ist schon etwas ungewöhnlicher - der Name ist hier definitiv Programm und wir haben einen der elektro-lastigsten Combichrist-Songs überhaupt. Der Beat ist hier wahnsinnig treibend und auch wenn der ganze Spaß recht simpel aufgebaut ist und sich nach etwa der Hälfte quasi einfach nur nochmal wiederholt, macht “Electrohead” so viel Spaß, dass es auch die ganzen 6 Minuten über weder monoton noch repetetiv wird. Danach sticht “Adult Content” etwas hervor, denn der Track kommt ziemlich oldschoolig daher. Wir haben hier recht minimalistische elektronische Arrangements, in die ein paar einfache Sprachsamples gemischt wurden. Technisch gefühlt etwas sauberer umgesetzt, als auf dem Debütalbum und in besserer Soundqualität, aber ansonsten fühle ich mich doch sehr stark in die ganz frühen Rhythm ‘n Noise Zeiten zurückversetzt. Für sich genommen und wenn man es einzeln hört, klingt “Adult Content” echt gut, nur auf “What The Fuck Is Wrong With You People” geht es ein wenig unter - vor allem so weit vorne im Album, wo sich eher mal die großen Hits aneinander reihen. So zum Beispiel “Fuck That Shit” - der perfekte Song, um knapp 6 Minuten lang einfach nur den Kopf auszumachen und ordentlich abzugehen. Vor allem live oder im Fitnessstudio ist das Teil ganz wunderbar, um einen ordentlich in Bewegung zu halten, aber selbst mit Kopfhörern fällt es mir nicht leicht, nicht zum Beispiel im Bus die “Fuck That Shit!” Hookline laut mitzusingen. Eine kurze Verschnaufpause bietet “Brain Bypass”, das vielleicht eine ähnliche Rolle einnimmt wie “Who’s Your Daddy, Snakegirl?” auf “Everybody Hates You”. “Brain Bypass” ist ebenfalls instrumental, recht lang, sehr minimalistisch und passt gefühlt ähnlich gut auf die Bonus-CD wie auf das Album. Dieses Mal werden ganze 8 ½ Minuten gefüllt und am Anfang konnte ich damit fast gar nichts anfangen. Die Art, wie die Sprachsamples zusammengeschnitten wurden, fand ich verwirrend und irgendwie hat mir der rote Faden gefehlt. Nachdem ich es oft genug gehört habe, um mich in dem Song zurecht zu finden, gefällt er mir aber ganz gut und auch wenn er sich noch stärker vom Rest des Albums unterscheidet, als “Adult Content”, passt er mir besser in das Hörerlebnis, wenn ich das Album am Stück höre - vielleicht, weil er so dominant ist, dass er nicht so leicht untergehen kann oder weil ich die Pause ganz passend finde. Denn danach kommt mit “Get Your Body Beat” der nächste richtig große Hit, der sich ansonsten wahrscheinlich ein wenig mit “Fuck That Shit” gebissen hätte. “Get Your Body Beat” ist ähnlich elektronisch wie “Electrohead” und löst dabei einen ähnlichen Bewegungsdrang aus, wie “Fuck That Shit”. Ist dabei auch ziemlich gut gealtert und wird auch nach häufigem Hören nicht wirklich langweilig. Auf jeden Fall eine gute Wahl, um daraus eine Single zu machen. Mit “Deathbed” wird es dann etwas langsamer, aber auch brachialer. Im Vergleich zu den Songs dafür, haben wir vergleichsweise viele Lyrics und Strophen, die etwas komplexer aufgebaut sind. Im Refrain entlädt sich dann die ganze Energie. Auf Seiten der Vocals haben wir auch definitiv eine ordentliche Grundlage, aber die elektronische Musik vermag hier nicht so richtig die passende Stimmung aufzubauen. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass “Deathbed” als Metal-Song mit der aktuellen musikalischen Aufstellung von Combichrist deutlich stimmiger klingen würde. Auch mit “In The Pit” bin ich nicht ganz zufrieden. Der Song hat einen relativ geilen Refrain, der sich auch gut ins Gehör hämmert, aber dort überhaupt hin zu kommen ist schon ziemlich umständlich. Die erste Minute passiert fast gar nichts und danach gibt es erstmal ziemlich lange Gesangspassagen, die nirgendwo so richtig hinführen. Holt mich nicht so richtig ab. Auf der anderen Seite haben wir dann wieder “Shut Up And Swallow”. Der ganze Spaß geht fast 6 Minuten und lässt sich ebenfalls lange Zeit, bis es richtig los geht, funktioniert aber trotzdem so viel besser als “In The Pit”. Das liegt unter anderem daran, dass der Song schon mit einer ziemlichen Intensität startet, aber trotzdem gut Spannung aufbaut und sich immer mehr steigern kann, bis LaPleguas Vocals einsetzen, die hier perfekt angepisst und brutal klingen. Schöne Sache. Bei “Red” wird leider wieder die Bremse angezogen. Auch hier: ruhiger Anfang, der sich dann irgendwann zu einem intensiven Refrain steigert. Spätestens mit “A Throat Full Of Glas” sollte LaPlegua zeigen, dass auch das bei Combichrist gut funktionieren kann, aber selbst wenn hier der Refrain etwas mehr Power hat, klingt “Red” für mich wie eine etwas unausgereiftere Version von “A Throat Full Of Glas”. Mit “Are You Connected” wird es dann zum Glück endlich wieder unkompliziert und tanzbar. Gefühlt ist das hier der schnellste Song auf dem Album. Vielleicht nicht super brachial und ohne edgy Lyrics, aber er geht trotzdem gut nach vorne und macht einfach Spaß. Okay, mit “Give Head If You Got It” kommen auch wieder Fans der anspruchsvollen Lyrics und gesellschaftskritischen Themen auf ihre Kosten. Man kann von Lines wie “All you feminist cunts, you know that you want it” sicherlich halten, was man will, aber ähnlich wie bei “Are You Connected” haben wir auf der musikalischen Seite perfekte elektronische Klänge, die wirklich gut in's Ohr gehen. Den Abschluss macht dann “All Your Bass Belongs To Us” - ein Instrumental, bei dem der Name Programm ist und nochmal alles an elektronischer Power aufgefahren wird, was man so zu bieten hat. Ordentliches Ende für das eigentliche Album. Die Bonus-CD gestaltet sich diesmal etwas anders, als bei “Everybody Hates You” - ja, es ist auch dieses Mal sehr elektronisch und minimalistisch, aber weniger atmosphärisch. Statt Dark Ambience haben wir ein paar sehr simple Loop-Tracks, die, wenn man sie hintereinander hört, theoretisch auch einen einzigen großen Track bilden könnten. Gar nicht mal so einfach, was zu den einzelnen Tracks zu schreiben, da sie sehr ähnlich klingen und wenig “Inhalt” im klassischen Sinne bieten, aber probieren wir es mal. “God Warrior” ist hier schon eine kleine Ausnahme, da wir hier zumindest noch ein paar Sprachsamples haben und zwar in Form einer komplett irren Kandidatin der amerikanischen Version von Frauentausch, die damals wohl ein ziemlicher Vorreiter zu den heutigen Internetkuriositäten war und die ich vorher auch nicht kannte. Aber: das psychotische Geschrei passt hier erstaunlich gut zu den dröhnenden Bässen und hämmernden Beats, was “God Warrior” zu einem der wenigen Songs auf CD 2 macht, die auch ganz gut für sich stehen können. Ab “Dead Again” wird es dann allerdings etwas stumpf und monoton - so wie es ja auch gewollt ist. Immerhin: die Kombination einzelner Samples ist hier ganz stimmig, aber dafür, dass der ganze Spaß über 4 ½ Minuten geht, passiert mir hier zu wenig. Etwas mehr Variation dabei, wie man die einzelnen Elemente zumindest anordnet, wäre vielleicht nicht verkehrt gewesen. “Verdammt” gefällt mir schon wieder etwas besser. Auch wenn es anfangs fast noch stumpfer ist, entwickelt sich das Stück zumindest ein wenig, indem hier neue Elemente eingefügt werden, die dann auch erstaunlich stimmig klingen. Lustig: es wurden die Sprachsamples von damals aus “Penalty Shot” recycled, die auch hier ziemlich gut rein passen. “AM” drosselt das Tempo dann zunächst, baut aber nach und nach eine ziemlich imposante Soundkulisse auf. Schöne Entwicklung, die sich dank der eher kurzen Spielzeit auch nicht zu lange zieht. Bei “Dawn Of Man” ist es fast anders herum. Hier haben wir einen relativ langen Track, der sich während der Spielzeit kaum verändert. Dafür sind die einzelnen Sounds an sich ziemlich cool. Hätte jetzt vielleicht nicht unbedingt knapp 6 Minuten gehen müssen, ist aber in Ordnung. Ich finde, dass “Jack Torrence” da einen ganz guten Kompromiss aus den beiden Songs davor bildet: mittlere Laufzeit, ganz gutes Tempo von Anfang an und trotzdem noch genug Entwicklung, dass es nicht langweilig wird. Ein kleines Highlight auf der Bonus-CD ist dann “Another Corpse Under My Bed”. Die einzige Verbindung zu “The Corps Under My Bed” auf dem Vorgänger, die ich hier sehe sind die gleichen Sprachsamples, die hier allerdings deutlich dezenter verwendet wurden. Davon mal abgesehen ist “Another Corpse Under My Bed” einfach eine super tanzbare Instrumental-Nummer, die man so fast auch auf eins der älteren Alben als regulären Track hätte packen können. “Body:Part” fällt dagegen wieder etwas simpler aus. Das ganze klingt sehr minimalistisch mit etwas komisch komprimiertem Sound, aber ganz coolen Samples dazwischen. “Hal 9000” klingt sehr ähnlich nur qualitativ etwas besser. Ähnlich wie “Body:Part” zieht sich der Track ganz schön in die Länge und mittlerweile fängt es langsam an, etwas ermüdend zu werden. Zum Glück sind wir mit “Shut Up And Bleed” dann auch am Ende der Bonus-CD angekommen und haben hier nochmal einen richtig geilen, brachialen Abschluss, bei dem uns alles mögliche an Electrosounds um die Ohren gefeuert wird, was man noch so übrig hatte. Ich glaube, es ist einfach schwierig, die einzelnen Songs auf der zweiten CD zu beurteilen. “God Warrior”, “Another Corpse Under My Bed” und “Shut Up And Bleed” sind die einzigen Tracks, die ich mir separat anmachen würde und die wirklich ein eigenständiges Erlebnis bieten. Der Rest ist denke ich auch weniger dafür gemacht, dass man ihn aufmerksam hört und sich bewusst Gedanken darüber macht. Als Hintergrund-Beschallung geht die Bonus-CD aber in Ordnung. Und das Album an sich? Auf jeden Fall kann man sagen, dass wir auch hier wieder ein gutes Combichrist-Album haben. Im Vergleich zu “Everybody Hates You” dürfte “What The Fuck Is Wrong With You People” etwas größere Schwankungen in der Qualität haben. Highlights wie “Get Your Body Beat”, “Fuck That Shit” oder “Shut Up And Swallow” hauen so dermaßen rein, dass sie Qualitätsstufen erreichen, die auf dem Album davor offenbar noch nicht möglich waren. Daneben gibt es einige gute und solide Songs, die dem Durchschnitt von “Everybody Hates You” in nichts nachstehen. Auf der anderen Seite gibt es hier mit “In The Pit”, “Deathbed” oder “Red” auch ein paar Songs, die wirklich nicht zünden wollen, was auf dem Vorgänger weniger stark ausgeprägt war. Trotzdem möchte ich “What The Fuck Is Wrong With You People” nicht in meiner Sammlung missen und wenn man hören will, was die elektronische Zeit von Combichrist so groß gemacht hat, dann kommt man an diesem Album eigentlich nicht vorbei. Die Bonus-CD ist ein netter Zusatz, im Gegensatz zum Vorgänger aber nicht ganz so obligatorisch und eher was für Hardcore-Fans. [Review lesen]

02.08.2025 06:59 - Combichrist: Everybody Hates You (2005)

8.5 / 10
2005 war es endlich soweit: Nach mehreren EPs, die schonmal einen kleinen Vorgeschmack lieferten, in welche Richtung sich Combichrist entwickeln sollte, war mit “Everybody Hates You” endlich das zweite Album am Start. Im Vergleich zum sehr minimalistischen Vorgänger “The Joy Of Gunz” hat sich diesmal wirklich viel getan. Zuerst einmal hat sich Andy LaPlegua jetzt Verstärkung in Form von Mr Bjoern Peterson am Keyboard und der Gitarre geholt und zieht Combichrist nicht mehr als Soloprojekt durch. Dazu kommt, dass das ganze Projekt spätestens zu diesem Zeitpunkt schon ein gutes Stück bekannter war - auch international und dementsprechend die Songs auch in mehr Clubs gelaufen sind. Vor allem hat sich aber der Sound ziemlich stark verändert. Während am Anfang noch eine recht minimalistische Mischung aus Rhythm and Noise und Aggrotech vorherrschte, haben wir es jetzt am ehesten mit EBM/Industrial, gewürzt mit einer guten Prise Techno zu tun. Alles klingt etwas melodischer, mitunter vielleicht auch zugänglicher, aber weiterhin sehr intensiv - nur eben auf eine andere Art und Weise. Auf “Everybody Hates You” finden wir auch die ersten richtigen Tanzflächen-Klassiker, die mir damals so in den Clubs aufgefallen sind. Deshalb sind “Blut Royale” und “This Shit Will Fuck You Up” auch genau die beiden Songs, die mich damals zu Combichrist geführt haben. Daneben gibt es aber auf dem Album eine ganze Menge anderer Tracks zu entdecken, die mitunter nicht ganz so bekannt sind. Insgesamt haben wir alleine auf CD 1 ganze 13 Songs, die dank ihrer Länge zusammen locker eine Stunde überschreiten. Wem das noch nicht genug ist, der kann sich mit der 2-CD-Version nochmal knapp eine Stunde Combichrist holen. Interessanterweise haben wir es hier nicht einfach nur mit einer Remix-CD zu tun, sondern mit einem eigenständigen kleinen Dark Ambient-Album, welches sich stilistisch ziemlich stark vom Hauptalbum unterscheidet. Es gibt also viel zu entdecken. Los geht der ganze Spaß aber zuerst einmal mit dem Clubhit “This Shit Will Fuck You Up”, welcher den Hörer ohne lange Intros oder viel Zeit zu verschwenden, direkt in den neuen Sound einführt. Tja, und was soll ich dazu noch sagen? Das Ding geht wirklich brutal ab. Auf “Sex, Drogen Und Industrial” hatten wir mit dem gleichnamigen Song ja schon einen kleinen Vorgeschmack, wie es klingt, wenn Combichrist eine weibliche Computerstimme mit brachialsten Technosound verbinden und ich bleibe dabei, dass der Track eher mal unterschätzt wird, aber mit “This Shit Will Fuck You Up” wird das Ganze nochmal ein gutes Stück gesteigert. Leider gibt es mit “Enjoy The Abuse” schon recht früh im Album die erste kleine Schwachstelle. Der Track startet etwas umständlich (die erste halbe Minute hätte man sich fast sparen können) und geht dann irgendwann im Laufe der Zeit zu LaPleguas Vocals über. Die sind zwar schön aggressiv, aber irgendwie will aus der Kombination aus kurzen Gesangspassagen und der eigentlichen Musik kein wirklich guter roter Faden entstehen - erst recht keiner, der im Kopf bleibt. Dazu kommen die Lyrics. Grundsätzlich finde ich es ja lustig, wenn LaPlegua irgendwie edgy sein will und schockieren möchte und oft entstehen dadurch ganz lustige Texte, wenn man sie nicht zu ernst nimmt, aber das hier ist halt sehr einfach gestrickt. Für mich ist der Text hier mit seinen sehr einfachen Reimen, die von einem Zwölfjährigen stammen könnten, leider zu hohl, um “heftig” zu sein. Obwohl ich jetzt mit “Enjoy The Abuse” sehr hart in's Gericht gehe, finde ich ihn nicht komplett scheiße. Immerhin ballert er ordentlich drauf los und ist irgendwie anhörbar, aber das Album hat definitiv besseres zu bieten. Zum Beispiel “Today I Woke To The Rain Of Blood”. Ebenfalls versehen mit kraftvollen Vocals, aber mit deutlich treibenderer Musik, die das Ganze tragen kann. Ich würde sagen, dass das hier einer der technoideren Tracks ist, der permanent ein ordentliches Tempo hinlegt und bei dem es sehr schwer fällt, ruhig sitzen zu bleiben. Die Melodie geht direkt in's Ohr und abgerundet wird alles durch sehr ordentlichen Sample-Einsatz. Nach diesem Brecher wird das Tempo bei “I’m Happy Anyway” wieder ziemlich gedrosselt und das leider auch auf eine recht langweilige Art und Weise. Der Track ist einfach unglaublich schwerfällig, kommt gar nicht erst so richtig in die Gänge und zieht sich auch ziemlich in die Länge. Nicht furchtbar, aber langweilig. Zum Glück lässt der nächste Banger nicht lange auf sich warten. Mit “Blut Royale” hätten dann den zweiten Club-Klassiker und er hat über all die Jahre nichts von seiner Power und Eingängigkeit verloren. Der Rhythmus ist wahnsinnig treibend und LaPlegua dreht hier voll auf. Nach dem bisherigen Muster müsste jetzt eigentlich ein schwacher Track folgen, aber “Who’s Your Daddy, Snakegirl?” durchbricht diesen Kreislauf zum Glück. Dabei ist es allerdings eher unkonventionell im Vergleich zum restlichen Album und eher minimalistisch aufgestellt. Als reines Instrumental, welches weder besonders komplex, noch wahnsinnig hart oder laut ist, erinnert es fast schon an die Dark Ambient Tracks der Bonus-CD und wäre dort zumindest nicht gänzlich unpassend. Hat bei mir ein paar Anläufe gebraucht, bis es gezündet hat, gefällt mir mittlerweile aber gut, lockert das Album ein wenig auf und nutzt die knapp 6 ½ Minuten Laufzeit auch gut aus, ohne langweilig zu werden. “Feed Your Anger” ist dagegen wieder etwas konventioneller. Wobei hier sowohl bei der Musik, als auch den Vocals nicht einfach nur auf Härte und Tempo, sondern auch auf einen sehr angenehmen Flow gesetzt wird. Schöne Mid-Tempo-Nummer, um nach “Who’s Your Daddy, Snakegirl?” so langsam wieder Fahrt aufzunehmen. Mit “God Bless” wird dann auch gleich wieder Vollgas gegeben. Ist inhaltlich vielleicht etwas cringe, wenn die (diesmal weiblichen) Vocals einfach nur bekannte Serienmörder aufzählen und wir ansonsten keine anderen Lyrics haben, aber sorry: musikalisch ist das Ganze einfach unglaublich geil. Sehr elektrolastig, unterhaltsam und gleichzeitig sehr melodisch. Der Ohrwurm ist danach quasi garantiert. Etwas schwerer tu’ ich mich mit “Happy Fucking Birthday”, welches eigentlich auch nicht gerade sehr komplex daherkommt. Bis auf ein sehr simples musikalisches Grundgerüst wird die ganze Nummer von einer (diesmal männlichen) Computerstimme getragen. Aber im Gegensatz zu Songs wie zum Beispiel “This Shit Will Fuck You Up” ist diese nicht einfach nur Beiwerk, welches den Song ergänzt, sondern Teil der Musik selbst und quasi immer präsent. Irgendwie ist das ganz cool und irgendwo auch interessant und furchtbar nervig gleichzeitig. Ich kann mich bis heute nicht entscheiden, ob ich “Happy Fucking Birthday” mag oder es kacke finde. Etwas eindeutiger ist da schon “This Is My Rifle” - stabiler Elektro-Song mit starker Melodie, guten Samples und Zitaten aus “Full Metal Jackett”. Damit kann man eigentlich nichts falsch machen. Geht vielleicht ein wenig auf dem Album neben dem einen oder anderen dominanteren Song etwas unter, ist für sich genommen aber ein wirklich ordentlicher Song. Noch etwas besser kommt aber “Like To Thank My Buddies” mit seinen hämmernden Beats und dem unglaublichen Tempo. Dazu die tiefen, monotonen und fast schon stumpfen Vocals und wir haben einen perfekten Kontrast, der super aufgeht. Live kommt das ganze zwar noch etwas besser, wie wir auf “Sex, Drogen Und Industrial” rausgefunden haben, aber auch diese Version hat ihren ganz eigenen Reiz. “Lying Sack Of Shit” spielt direkt danach ganz ähnliche Stärken aus. Wäre für mich auch ein Song, der wunderbar Live funktionieren würde und zu dem man ähnlich gut eskalieren könnte. Aber auch in dieser Version stimmt die Kombination aus Tempo, Härte und der Möglichkeit, sich einfach mal wunderschön auszutoben. Mit “Without Emotions” wird dann das reguläre Album auf eine ähnliche Art abgeschlossen, wie es begonnen hat: eine weibliche Computerstimme vor einem krassen Klanggewitter an Musik. “Without Emotions” ist definitiv alles, nur nicht emotionslos und nochmal ein ziemlich gewaltiges Ende für ein eh schon starkes Album. Aber bevor wir das Fazit ziehen, haben wir ja noch ein ganzes Dark Ambient-Album, durch das wir uns hören können. Man muss hier wirklich nochmal betonen, dass wir hier einen starken Kontrast zum eigentlichen “Everybody Hates You” haben. Die Songs hier sind alle Instrumental, sehr minimalistisch und viel weniger für die Tanzfläche geeignet. Wenn man in der passenden Stimmung ist, können sie genau die richtige Atmosphäre liefern, aber zumindest bei mir hat es ziemlich lange gedauert, bis ich überhaupt damit warm geworden bin und irgendeine Verwendung für die Bonus-CD gefunden habe. Davor habe ich sie vielleicht 2-3 mal angehört und sonst eigentlich immer ignoriert. Dabei ist “The Undertaker” eigentlich noch ein ganz gefälliger Einstieg. Ja, es geht schon ziemlich crazy los, da wir den ganzen Track durch ein ziemlich irres Kinderlachen begleitet werden, aber davon abgesehen haben wir hier eine ganz stimmige Melodie und zumindest als kleines Interlude ähnlich wie “Who’s Your Daddy, Snakegirl?” wäre “The Undertaker” jetzt nicht gänzlich fehl am Platz auf dem Hauptalbum. “Red Signal” macht es einem da schon etwas schwerer und gibt dem Hörer nicht ganz so viel, woran er sich festhalten kann. Als roter Faden haben wir einen sehr einfachen, aber trotzdem kraftvollen Beat, der sich wie ein Herzschlag durch den ganzen Song zieht und sehr sanft und vorsichtig durch einzelne Samples ergänzt wird. Aber wenn man sich drauf einlässt, dann kann das Ganze eine ziemlich hypnotische Wirkung haben. Mit “Wreckage” tu’ ich mich dann allerdings auch schon etwas schwerer. Auch hier haben wir ein paar sehr einfache Samples und elektronische Arrangements, allerdings fehlt mir ein wenig der rote Faden. Die einzelnen Elemente sind an sich ganz okay bis interessant, aber gefühlt werden sie hier ziemlich willkürlich knapp 6 Minuten in allen möglichen Kombinationen zusammengewürfelt und das war's. Nicht komplett uninteressant, aber eher als Hintergrundbeschallung geeignet und etwas sperrig, wenn man es aktiv hören möchte. “Rubber Toy” ist dagegen für mich das Highlight auf CD 2. Es wirkt fast schon zurückhaltend und sanft und steigert sich nur ganz langsam in seiner Intensität. Dadurch wirkt es sehr durchdacht, aber auch nachdenklich und melancholisch. Verfeinert wird das alles dann noch durch die extrem weirden Sounds, die ab 2.45 Minuten zu hören sind. Ein sehr seltsamer, aber gleichzeitig sehr schöner und kreativer Track. Mit “Below” haben wir wieder einen ziemlichen Stilbruch, der seinem Namen aber auch wirklich gerecht wird. Begleitet werden die ganze 7 ½ Minuten durch einen sehr durchdringendes Dröhnen und extrem gleichförmige düstere, schwere und gedämpfte Klänge. Man hat hier wirklich das Gefühl, irgendwo sehr tief unter der Erde auf etwas dämonisches gestoßen zu sein. Im Verlauf des Stückes haben wir dann noch ein paar Piano-Parts, die das Ganze ein wenig abwechslungsreicher, aber nicht weniger creepy machen. “Fever” klingt ein kleines bisschen melodischer, als “Below” aber nicht weniger fremdartig. Dieses Mal haben wir ein paar ziemlich seltsam angeordnete Elektro-Sounds, die von einem düsteren und schweren Piano begleitet werden. Mit seinen knapp 5 Minuten ist “Fever” zumindest im Vergleich zu den anderen Tracks auf der CD eher kurz, aber als Ergänzung zu “Below” oder Übergang zum nächsten Track ziemlich passend. Es geht tatsächlich noch weiter in die Tiefe. Mit “Beneath Every Depth” wird der Sound nochmal etwas surrealer. Im Vergleich zu “Below” und “Fever” klingt die Musik (sofern man sie noch so nennen kann) aber weniger bedrohlich und stellenweise fast schon beruhigend, wenn auch immer noch befremdlich - insbesondere auch durch ein permanentes Atmen, welches man im Hintergrund hört, wenn man genau darauf achtet. Mit “The Corps Under My Bed” nimmt das Album kurz vor Ende nochmal eine komplett andere Richtung an. Plötzlich haben wir dramatische/traurige fast schon orchestrale Musik, welche durch einen Monolog aus (wahrscheinlich) einem Kriegsfilm begleitet wird. An sich ist das eine sehr starke Kombination, aber leider störe ich mich an 2 Dingen. Einmal passt es für mich nicht so ganz in das Gesamtkonzept der CD. Etwas weiter vorne oder vielleicht noch ganz zum Abschluss würde es vielleicht einen Platz haben, aber hier stört es ein wenig die schön organische Entwicklung hin zu immer abstrakter Musik und ist mir zwischen den anderen beiden Tracks etwas zu konventionell. Auf der anderen Seite weiß ich nicht, was ich davon halten soll, dass der gleiche Monolog einfach 6 mal hintereinander unverändert wiederholt wird. Sicherlich ist das inhaltlich so gewollt und ich hätte auch ein paar Ideen, was das Ganze evtl. ausdrücken soll, aber die doch recht eindrucksvolle Kombination aus der Musik und dem Gesprochenen nutzt sich so leider recht schnell ab. Den Abschluss macht dann “Long Gone”, welches ähnlich wie “Beneath Every Depth” sehr abstrakt klingt, aber anders als “Below” nicht auf eine akut bedrohliche, sondern fast schon friedliche Art und Weise. Und damit ist dann auch die Bonus-CD durch. Sicherlich nichts für jeden, aber nachdem ich mich mal richtig drauf eingelassen habe, bin ich tatsächlich echt angetan davon. Sie ist ungewöhnlich, extrem atmosphärisch und überzeugt auf eine komplett andere Art als das Main-Album. Damit ist “Everybody Hates You” eine sehr schöne Entwicklung von eh schon ganz netten “The Joy Of Gunz” zu einem neuen und frischen Stil. Songs, die einfach alles nieder reißen wie “This Shit Will Fuck You Up”, “Blut Royale” oder “Today I Woke To The Rain Of Blood” fallen deutlich mehr in's Gewicht als die paar wenigen Stücke, die nicht so ganz zünden können und selbst die Filler sind hier in der Regel mehr als stabil. Dazu dann noch die Bonus-CD, die um einiges interessanter ist, als eine einfache Remix-CD und wir haben hier direkt mal über 2 Stunden richtig ordentliche Unterhaltung mit Combichrist at it’s best. [Review lesen]

01.07.2025 21:52 - Combichrist: Sex, Drogen Und Industrial (2004)

4.5 / 10
Bevor Combichrist mit “Everybody Hates You” mit einem ziemlich veränderten Sound gegenüber dem Debütalbum ein neues Kapitel in der Geschichte von Andy LaPleguas Projekt einleiten sollte, gab es gleich zwei kleinere Releases, die schonmal einen kleinen Vorgeschmack auf das Album gaben. Da hätten wir einmal das “Blut Royale”-Vinyl, aber auch die EP “Sex, Drogen Und Industrial”. Praktischerweise beinhaltet “Sex, Drogen Und Industrial” die “Blut Royale”-Single fast komplett, weshalb wir uns hier auch auf die EP konzentrieren und damit quasi beide Releases abdecken können. Das Booklet macht mit dem Versprechen “Combichrist fügt Ihnen und den Menschen in Ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu. Combichrist kann tödlich sein.” schonmal einiges an Vorfreude und insgesamt haben wir hier auch relativ viel Material, mit dem ich mich, meine Ohren und meinen Musikgeschmack auch so richtig schön schädigen kann. Ganze 8 Tracks sind hier am Start, wobei sich die EP mit ihrer Tracklist deutlich unter Wert verkauft, da gleich drei davon nicht gelistet sind. Alle 8 Tracks sind außerdem so ~5 Minuten lang - man muss also gar nicht viel rechnen, um darauf zu kommen, dass “Sex, Drogen Und Industrial” in etwa Albumlänge hat. Wenn jetzt auch noch die Qualität so stabil ist, dann kann eigentlich nichts mehr schief gehen… Fangen wir mal mit der “Blut Royale”-Single an. Hier steht natürlich “Blut Royale” selbst im Vordergrund - ein wirklich geiler Song auf “Everybody Hates You”. Hier bekommen wir den ganzen Spaß allerdings als Instrumental oder für die Freunde schlechter Wortspiele als "Instru-Mental". Fairerweise muss man sagen, dass sich “Blut Royale” selbst ohne Vocals immer noch ganz gut hören lässt. Trotzdem ist es in der Form schon ein ziemliches Downgrade gegenüber dem Original. Ist vielleicht eine andere Erfahrung, wenn man im Gegensatz zu mir die EP vor dem Album gekauft und zuerst die instrumentale Version gehört hat. Macht dann vielleicht auch etwas Neugier auf das Album, aber eigentlich sehe ich keinen Gewinn darin, den Song ohne Vocals zu haben. Cool wären vielleicht auch beide Versionen gewesen oder sogar ein Remix. Das bekommen wir beides nicht, sondern stattdessen zwei Songs, die es auf kein Album geschafft haben und bei denen ich halt leider auch sehr gut verstehen kann, warum, da sie für Combichrist-Verhältnisse erstaunlich langweilig klingen. “Tractor” ist für mich hier von den beiden der schlimmere Kandidat. Die erste Minute passiert fast nichts und selbst danach nur sehr wenig. Die Vocals klingen irgendwie so, als wäre LaPlegua auf Valium und das musikalische Grundgerüst ist viel zu simpel aufgebaut, um das ganze Ding 5 Minuten lang zu tragen. Und damit meine ich nicht den guten alten Minimalismus von “The Joy Of Gunz”, sondern eher simpel in Form von “da steckt keine Power dahinter”. Im Prinzip hat man nach der Hälfte eh schon alles gehört, was “Tractor” zu bieten hat. Stellt euch jetzt bei den Lyrics noch ein paar sehr weit hergeholte Fahrzeug-Metaphern vor, die so auch von einem Grundschüler stammen könnten und ihr wisst, was euch erwartet. Hier hätten wir auch den einzigen Unterschied zum Vinyl: dort gibt es noch eine kürzere Version von “Tractor” - für mich persönlich jetzt nicht unbedingt ein guter Selling Point für das Vinyl. Nicht ganz so schlimm finde ich dagegen “Anatomy”. Wenn wir ganz genau sind, dann ist “Anatomy” für mich sogar in jeder Hinsicht besser als “Tractor” - leider halt eben nur geringfügig besser. Also wir haben wieder 5 Minuten Laufzeit, einen eher einfachen Sound und nicht unbedingt viel Power dahinter. Die Vocals klingen schon etwas mehr danach, wie spätere Combichrist-Vocals so klingen sollten, aber immer noch zu soft. Die Tatsache, dass die Lyrics im Prinzip ausschließlich aus der Line “I don't know what to do. So senseless. There is no sense at all.” bestehen, hilft nicht unbedingt dabei, den Track weniger langweilig zu machen. Aber immerhin ist die Musik, die dahinter steht, dieses Mal ein wenig treibender und abwechslungsreicher. “Anatomy” kann man irgendwie schon so machen, ist dann aber auch so ungefähr das Minimum, was ich mir von einem Combichrist-Song erwarten würde. Das Fazit für die “Blut Royale”-Single fällt also schon mal deutlich schlechter aus, als erwartet. Aber vielleicht kann “Sex, Drogen und Industrial” das Gesamtwerk ja noch retten. Hier dreht sich natürlich alles um den Song “Sex, Drogen und Industri” (ja, etwas abweichender Name vom Titel der EP). Wir haben hier zuerst zwei Remixes und erst danach den eigentlichen Song, der seltsamerweise noch nicht mal auf der Tracklist aufgeführt ist. An sich ist “Sex, Drogen und Industri” ein Instrumental, welches allerdings - ähnlich wie “This Shit Will Fuck You Up” noch von einer weiblichen Computerstimme begleitet wird, was Anfang der 2000’er irgendwie auch etwas cooler war, als es heute ist. Los geht's mit dem Remix von LowTech. Dieser ist für mich ein zweischneidiges Schwert. Wenn er alles auffährt, was er zu bieten hat, dann macht er ziemlich viel Bock und erreicht erstaunliche Höhen. Dazu muss er allerdings erst einmal kommen und bis dahin hat er leider echt viel Leerlauf. So als Hintergrundmusik geht er schon in Ordnung, aber die meiste Zeit kommt er tatsächlich ziemlich schlicht und starr daher. Da ist der Remix von Soman schon etwas interessanter. Die Computerstimme wurde hier durch eine echte Frauenstimme ersetzt, die auf sehr laszive Art den Titel “Sex, Drugs And Industrial” ausspricht, um die Verwirrung um den Songnamen perfekt zu machen. Wir haben hier mehr oder weniger das Gegenteil vom LowTech-Remix. Hier ist der Track nämlich grundsätzlich sehr treibend und spaßig und wird nur zwischendurch mal durch ein paar etwas sperrige Momente unterbrochen. Das Tempo ist aber hoch und der Remix an sich recht abwechslungsreich. Trotzdem wird die Qualität mit der ursprünglichen Version sogar noch mehr gesteigert. Das einfache “Sex, Drogen und Industri” ist unkompliziert, aber verdammt effektiv. Ein einfacher, aber unglaublich treibender Rhythmus und ein paar Samples, die ziemlich süchtig machen. Für mich ist der Track ein bisschen wie der kleine Bruder von “This Shit Will Fuck You Up”. Das hätte vom Stil her gut auf “Everybody Hates You” gepasst und wäre da einer der besseren Songs gewesen. Die beiden Remixes sind insgesamt ganz nett, aber das Original ist wirklich ein kleines Highlight. Auf Position 66 bzw. 69 gibt es dann noch zwei Hidden Tracks. Zuerst gibt es nochmal einen kleinen Ausflug zu “The Joy Of Gunz” mit dem “Combicritters Remix” von “Vater Unser”. Mal abgesehen davon, dass hier die gleichen Sprachsamples verwendet werden, erkenne ich in diesem Remix nichts von “Vater Unser” wieder, aber vielleicht fehlt mir dazu auch das richtige musikalische Gehör. Das ist ungünstig, denn “Vater Unser” hat für mich unter anderem deshalb so gut funktioniert, weil die Musik so gut auf die Samples zugeschnitten war. Hier haben wir jetzt ganz solide Beats und Industrial-Arrangements, die allerdings etwas austauschbar wirken. Theoretisch hätte man hier auch jeden anderen Song von “The Joy Of Gunz” oder gar “Sex, Drogen und Industri” als Grundlage nehmen können und wäre damit wahrscheinlich sogar besser gefahren. Ganz zum Schluss gibt es dann eine Live-Aufnahme von “Like To Thank My Buddies” - aufgenommen auf dem Infest 2004 und ich bin echt positiv überrascht. Der Song sollte auf dem Album später ein gutes Stück anders und auf seine Art ebenfalls ziemlich klasse klingen, aber live kommt er nochmal deutlich brutaler rüber. Dass die Qualität der Aufnahme nicht gerade super clean ist, hilft sogar eher mal dabei, die Stimmung noch besser zu transportieren und einen ziemlich guten Eindruck davon zu vermitteln, wie heftig Combichrist-Konzerte Mitte der 2000’er waren. Obwohl “Sex, Drogen und Industrial” gegen Ende ein gutes Stück zulegt und gerade mit “Sex, Drogen und Industri” und “Like To Thank My Buddies” zwei große Highlights am Start hat, bin ich vom Gesamkunstwerk leider nicht so ganz überzeugt. Vielleicht ist es auch einfach nur nicht so richtig gut gealtert. Damals war es immerhin sieben Wochen auf Platz 1 in den deutschen Alternative Charts. Sicherlich mag es damals einiges an Neuigkeitswert gehabt und davon gezeugt haben, wie sehr sich Combichrist in kurzer Zeit entwickelt hat, aber gleichzeitig bewegt es sich für mich an einem etwas ungünstigen Punkt, an dem der rohe und brutale Sound vom Debüt fehlt, man aber noch nicht so richtig zum neuen Stil gefunden hat. Gerade die “Blut Royale”-Single zieht den Schnitt auch etwas runter. Da mochte ich tatsächlich die etwas weirde “Kiss The Blade”-EP noch etwas mehr. Ich würde “Sex, Drogen und Industrial” am ehesten als Ergänzung zu “Everybody Hates You” sehen. Wenn ihr das Album mögt, davon unbedingt noch mehr wollt und euch gewisse Qualitätseinbußen nicht abschrecken, dann könnte die EP was für euch sein. Ansonsten lässt sich das Ganze aber auch ganz gut überspringen, ohne dass ihr einen wirklich wichtigen Teil der Combichrist-Geschichte verpasst. [Review lesen]

11.06.2025 18:36 - Combichrist: Kiss The Blade (2003)

6.5 / 10
Nachdem Andy LaPlegua mit seinem damals neuen Projekt Combichrist das erste Album “The Joy Of Gunz” rausgebracht hat, sollte er nur 2 Jahre später auf “Everybody Hates You” seinen Sound ziemlich drastisch von Rhythm and Noise in Richtung Industrial / Aggrotech ändern. Zwischen den beiden Alben sollte es aber eine Phase geben, in welcher unter Combichrist gleich 3 EPs rausgepumpt wurden. Dabei sollte “Kiss The Blade” nicht nur die erste, sondern auch gleichzeitig die seltenste und unbekannteste von den 3 EPs werden. “Blut Royale” war damals immerhin ein ziemlicher Clubhit und “Sex, Drogen und Industrial” war quasi eine Erweiterung zu “Blut Royale” und hat den Erfolg von Combichrist nochmal weiter zementiert. “Kiss The Blade” ist dagegen zu einer Zeit entstanden, als Combichrist noch nicht ganz so groß war und war damals auf 667 Exemplare oder wie LaPlegua es nannte “667 Motherfuckers” limitiert. Seit 2010 gibt es immerhin eine Compilation namens “Noise Collection Vol. 1”, auf der sich neben “The Joy Of Gunz” und “Sex, Drogen und Industrial” auch die gesamte “Kiss The Blade” EP befindet, aber da alle 667 CDs in weniger als einer Woche verkauft waren, blieben die Songs darauf für ein paar Jahre ziemliche Raritäten und die Original-EP ist auch heute noch nicht ganz so leicht zu bekommen. Hat mich auch etwas Zeit gekostet, sie zu einem vernünftigen Preis zu kriegen. “Kiss The Blade” kam damals zu Halloween raus und der Song an sich bezieht sich in seinen Lyrics auch auf Michael Myers. Keine Ahnung, ob irgendwann mal der Wunsch bestand, einen Soundtrack zu einem Halloween-Film zu machen, aber soweit ich weiß, wurde 2003 nichts in diese Richtung gedreht und bis sich später Rob Zombie an den Filmen versuchte, sollten auch noch ein paar Jahre vergehen. Man merkt aber, dass die EP kurz nach “The Joy Of Gunz” rausgebracht wurde, denn der Sound ist hier noch sehr ähnlich, wobei ich “Kiss The Blade” aber in 2 Teile gliedern würde. Zuerst hätten wir zwei Versionen von dem Song “Kiss The Blade” an sich, welcher schon etwas moderner klingt und danach gibt's noch drei instrumentale Tracks, die sehr nach den Rhythm and Noise Material vom ersten Album klingen. Lustigerweise gibt es keinen Song, der einfach nur “Kiss The Blade” heißt, also betrachte ich einfach mal den “Motherfucker 667 Mix” als das Original. Was direkt ziemlich fetzt: das gute alte Halloween-Theme wurde hier gleich am Anfang verarbeitet. Danach folgen ein paar mit Beats unterlegt Vocals von LaPlegua und im Anschluss ein paar unterschiedliche Arten das Halloween Theme zu samplen. Auch wenn der Sound hier noch nicht ganz so saftig klingt wie auf späteren Combichrist-Alben, hört sich diese Version von “Kiss The Blade” schon ziemlich nach klassischem Industrial an, hat auch einen eher konventionellen Aufbau und geht gut in's Ohr, auch wenn man seine harte elektronische Musik nicht ganz so exotisch mag. Gefällt mir ganz gut. Für alle die sich fragen, wie “Kiss The Blade” auf “The Joy Of Gunz” geklungen hätte, bietet sich der “Frequensy Carbone 667 Mix” an. Elemente wie das Halloween Theme und einzelne Fetzen der Vocals sind hier zwar noch vorhanden, aber ansonsten ist hier alles deutlich heavier, brachialer, experimenteller und deutlich weniger strukturiert. Aber, wenn man so wie ich auf diese Art von Lärm steht, dann ist dieser Remix eine gute Art, um noch etwas mehr Power aus dem Song ziehen zu können. Mit “Minus One” wird es dann sogar noch kompromissloser. Hier haben wir einen Track, der selbst auf “The Joy Of Gunz” vergleichsweise simpel und grobschlächtig daherkommen wäre. Aber: in diesem Genre gefallen ja oft die einfachen Songs besonders und gerade durch seine Stumpfheit kann “Minus One” tatsächlich ganz gut punkten. Wir haben hier zwar wenig mehr als einen fetten Beat und ein paar Industrial-Samples, aber immerhin alles gut aufeinander abgestimmt und zielsicher in die Fresse. Ist jetzt kein Meisterwerk, aber es erfüllt seinen Zweck. Das kann ich über “The Well” leider nicht sagen. Der Sound ist hier ähnlich minimalistisch, die Ausführung aber unnötig umständlich. Insgesamt ist der Track eher subtil, leise und im mittleren Tempo, was okay ist, aber immer dann wenn er entweder etwas Fahrt aufnimmt oder zumindest anfängt, in sich stimmig zu klingen, wird der ganze Flow durch irgendein neues Element hart unterbrochen. Auch die Sprachsamples passen nicht so richtig hinein. Dadurch ziehen sich die gut 6 Minuten von “The Well” ziemlich in die Länge. Lustigerweise bedient sich “Penalty Shot” jetzt nicht grundlegend anderer Elemente, haut aber viel besser rein. Das Tempo ist hier ordentlich hoch und egal ob Beats oder Sprachsamples: hier dröhnt alles in voller Härte in die Ohren. Und gerade, wenn es nach ca. ⅔ anfängt, sich etwas abzunutzen, wird der Song plötzlich elektronischer, klingt deutlich anders, schafft es, den Wechsel aber perfekt in das Gesamtkonzept zu integrieren. Für mich ein kleines Highlight auf der EP. Insgesamt geht “Kiss The Blade” für mich als Ergänzung zum Debütalbum voll in Ordnung, ist jetzt aber auch keine Offenbarung. Es klingt ein wenig so, als hätte LaPlegua ein Ideen gehabt, wie er Combichrist in Zukunft weiterentwickeln möchte und die allerersten Impulse in diese Richtung zusammen mit ein paar ungenutzten Tracks von “The Joy Of Gunz” direkt noch bis Halloween veröffentlichen wollen. Dafür ist die EP dann auch ganz ordentlich geworden. Aus damaliger Sicht mag es vielleicht auch interessanter gewesen sein, als heute, aber naja… selbst damals ist daraus jetzt kein wirklicher Hit entstanden. Aus heutiger Sicht wäre “Kiss The Blade” entweder was für Fans, die ihre Sammlung vervollständigen wollen oder für alle, die speziell den frühen Combichrist Sound schätzen und davon unbedingt mehr wollen. 667/1000 Motherfuckers wäre sicherlich eine angemessene Bewertung, da das aber nicht geht, nehme ich mit 6.5/10 Punkten das, was dem am nächsten kommt. [Review lesen]

29.05.2025 08:00 - Godslave, Thrashtanica: Thrashed Volume II (2010)

9.0 / 10
2010 waren Godslave gerade damit beschäftigt, an ihrem zweiten richtigen Album zu arbeiten, welches dann Anfang 2011 auf die Fans losgelassen wurde. Trotzdem haben sie es sich nicht nehmen lassen, sich gegen Ende des Jahres noch ein zweites Mal mit einer kleineren Thrash Metal Band zusammen zu tun und “Thrashed Volume II” rauszuhauen. Nachdem beim Vorgänger die Jungs von Impactor an der Seite von Godslave standen, sind dieses Mal Thrashtanica mit dabei. Impactor sind jetzt schon keine besonders große Band - Thrashtanica aus Weilburg kannte und kenne ich außerhalb dieser Split dagegen überhaupt nicht. Laut Metal Archives haben sie sich 2013 aufgelöst und neben einer Demo und eben dieser Split in den 7 Jahren ihres Bestehens auch nichts weiter veröffentlicht. Wir gehen diesmal also wirklich tief in den Underground. Aber bleiben wir noch vorher kurz bei Godslave. Ich habe mir “Thrashed Volume II” damals zum Release besorgt und war mir nach einem etwas durchwachsenen Debütalbum und einer sehr nicen EP etwas unsicher, ob ich beim zweiten Album “Into The Black” nochmal zuschlagen sollte. Diese Split sollte am Ende den Ausschlag geben und da mich “Into The Black” echt umgehauen hat, sogar dazu führen, dass ich der Band bis heute treu bin. Dabei ist Godslaves Beitrag zu “Thrashed Volume II” am Ende recht simpel, aber effizient ausgefallen. Genauso wie auf der ersten “Thrashed” haben die Saarländer hier zwei Songs beigesteuert - dieses Mal sind jedoch beide Tracks exklusiv und vorher in keiner anderen Form erschienen. Zuerst hätten wir “Metal Machines”. Moment mal - das gab es doch schon auf “Bound By Chains”! Stimmt, aber hier haben wir eine komplette Neuauflage und wenn man beide Tracks hintereinander hört, ist es schon extrem beeindruckend, wie sehr Godslave ihren Sound in nur zwei Jahren weiterentwickelt haben. Ich finde nach wie vor, dass “Bound By Chains” ein absolut solides Album ist, aber die Produktion hält es definitiv zurück. “Metal Machines” ist ein schönes Beispiel - ein kurzer, schneller Thrash-Song, dessen Power man in der Original-Version zwar erahnen kann, die aber noch nicht so richtig durchkommt. Bei der 2010’er Version kommt alles dermaßen übertrieben brutal daher, dass es einfach nur eine Freude ist. Der Slavegrunter schreit sich hier die Seele aus dem Leib und um alles noch mehr over the top zu gestalten, wurden die Vocals im Refrain mit ‘nem Vodcoder verzerrt. Vielleicht nicht jedermanns Sache, aber gerade als kleines Gimmick auf so ‘ner Split, passt das super. Macht mir tatsächlich bis heute Lust, mal mit dem jetzigen Sound der Band noch irgendeins von den ganz alten Stücken neu aufgelegt zu bekommen. Ich denke da an “King” oder “The Curse” - auch wenn das wahrscheinlich nie passieren wird. “T.N.A.” ist dagegen ein komplett neuer Song, der im Gegensatz zum sehr schnellen und kurzen “Metal Machines” auch etwas konventioneller und melodischer aufgebaut ist. Sowohl das Riff als auch der Refrain sind gleichzeitig dermaßen brutal und eingängig, dass ich davon sehr lange Zeit einen extrem hartnäckigen Ohrwurm hatte, der sich auch heute noch ziemlich schnell einschleicht, sobald ich “T.N.A.” anmache. Dazu kommt der angenehm bekloppte Text (mit der Abkürzung ist hier definitiv nicht die Wrestling-Promotion gemeint) und so lustige Gimmicks wie der extrem hohe Schrei am Ende. Für mich eine absolute Perle dieser Song. Der Übergang zu Thrashtanica ist ein wenig plötzlich, aber auch deren Tracks haben sehr viel Potenzial. Zuerst einmal sei zu erwähnen, dass man hier extra für “Thrashed Volume II” 2 eigene Songs aufgenommen und nicht einfach nur irgendwas von der Demo mit drauf gehauen hat. Im Gegensatz zu dem sehr wuchtigen und fast schon übertriebenen Sound von Godslave, klingen Thrashtanica hier etwas geerdeter. Das Ganze ist definitiv technisch nicht ganz so ausgereift wie bei Godslave, aber zum Beispiel im Gegensatz zu Impactor etwas stimmiger, da die Songs hier recht gut zu dem Sound passen. Beide Songs haben bei mir allerdings ein paar Anläufe gebraucht, bis sie so richtig gezündet haben, vor allem “Pinchin Street Torso”, welches über 5 Minuten geht und relativ komplex aufgebaut ist. Gefühlt stecken hier drei Songs drin und immer wenn man denkt, dass man so ungefähr den Aufbau verstanden hat, nimmt “Pinchin Street Torso” nochmal eine komplett andere Wendung und fügt irgendwas neues hinzu. Die einzelnen Elemente sind aber durchaus stimmig. Auch wenn hier nicht alles so sehr heraussticht wie bei Godslave, vor allem die Gitarren etwas mehr Power vertragen könnten und der Sänger Arnold Friedrich nicht ganz dieselbe Spannbreite an Vocals mitbringt, wurde hier doch das beste aus dem gemacht, was man zur Verfügung hatte. Das wiederum führt zu ziemlich vielen kleinen Highlights, die dann doch in Erinnerung bleiben, wie zum Beispiel die Line “I wonder, how you look from the inside.”, die wirklich creepy rübergebracht wurde. “Humania” ist auf der anderen Seite ein etwas konventionellerer Thrash-Song. Es dominiert ein sehr stabiles Riff, der Aufbau des Songs ist durchschaubarer und man lässt hier eher seine Power als seine Kreativität spielen. Das stört aber überhaupt nicht, denn “Humania” setzt das, was es möchte, super um und damit im Hintergrund würde ich mich jederzeit in den Moshpit werfen. Damit haben Thrashtanica zwei sehr unterschiedliche, aber erstaunlich stabile Songs beigetragen. In Kombination mit Godslave, die hier ebenfalls sehr positiv hervorstechen, sorgt das dafür, dass “Thrashed Volume II” mehr als nur eine solide Split geworden ist und wir hier nochmal eine ordentliche Steigerung zum Vorgänger haben. Obwohl der ganze Spaß ja eigentlich nur ein kleiner Snack für zwischendurch ist, habe ich die CD damals rauf und runter gehört und kann sie mir heute immer noch sehr gut geben. Jeder Thrash Metal Fan, der irgendwie die Chance hat, an eins der 222 Exemplare ran zu kommen, hat meine Empfehlung, sich das Ding zuzulegen. [Review lesen]

11.05.2025 20:38 - Godslave, Impactor: Thrashed (2009)

7.5 / 10
Nachdem Godslave ihr erstes Album und ihre erste EP am Start hatten, wurde Ende 2009 ein neues Format gestartet. Im Dezember erschien das erste Mal “Thrashed” - eine Reihe von Split-CDs, bei denen man jedes Mal mit einer anderen Thrash Metal Band zusammen zockt. An sich also nichts neues, aber ich mochte die “Thrashed”-Splits immer, zumal mitunter auch ganz coole Ideen dabei rauskamen, wie die gegenseitige Cover-Aktion mit Eradicator. Auf der ersten “Thrashed” sollten sich Godslave eine kleine Thrash Metal Truppe aus dem Rheinland namens Impactor als Partner suchen. Der ganze Spaß kam damals als Cardsleeve raus und war auf 222 Exemplare limitiert. Ich habe immer noch die 59 bei mir rumliegen. Zumindest von Godslaves Seite sind auf den “Thrashed”-CDs auch einige ehemals exklusive Songs, die es nicht auf die Alben geschafft haben und da die CDs auch recht schnell vergriffen waren, hatten wir es hier einige Zeit mit ziemlichen Raritäten zu tun. Die “10/10” Compilation, auf der alle vorher “Thrashed” exklusiven Songs dann re-released wurden, hat das Problem mit der Rarität dann aber behoben, sodass auch Fans, die später dazu gekommen sind, in den Genuss der Tracks kommen durften. Bevor wir uns die Songs angucken, vielleicht noch ein kleiner Blick auf die beiden Bands. Godslave standen damals noch recht am Anfang ihrer Karriere, hatten aber zumindest schon ein Album und eine EP, auf der sie sich im Vergleich zum Debüt auch ein gutes Stück weiterentwickelt haben. Impactor dagegen haben sich zwar schon 2005 gegründet, aber erst 2009 so richtig mit Releases durchgestartet und hatten zum Zeitpunkt von “Thrashed” erst eine Demo und eine EP am Start. Im Gegensatz zu Godslave habe ich Impactor nach der Split auch nicht mehr weiter verfolgt. Man merkt aber, dass Godslave etwas mehr Zeit hatten, ihren Stil zu entwickeln, als Impactor. Das fällt teilweise bei der Soundqualität, aber auch beim Aufbau der Songs auf. Aber zum Glück treten die Bands ja nicht gegeneinander an, sondern gehen beide mit dem Ziel an den Start, uns mit Thrash Metal ordentlich in den Arsch zu treten. Godslave machen den Anfang und schicken mit “Our School” gleich mal einen komplett neuen Songs in's Rennen, der bis zur besagten “10/10” Compilation exklusiv auf “Thrashed” bleiben sollte. Der ganze Spaß ist mit knapp 2 ½ Minuten recht kurz und chaotisch. Und wie man es erwarten würde, wird das Ding durchweg in einem sehr flotten Tempo gezockt. Durch den etwas chaotischen Aufbau und die Tatsache, dass “Our School” ohne Intro und alles sofort zur Sache kommt, hat es damals ein wenig gedauert, bis der Song wirklich bei mir hängen blieb. Mittlerweile ist “Our School” aber für mich einer der guten alten Godslave-Klassiker, der für seine kurze Spielzeit auch erstaunlich viel Abwechslung bietet. Und auch wenn Lyrics, in denen es im Grunde darum geht, dass die Band auf alle Konventionen scheißt und ihr eigenes Ding durchzieht, gerade im Thrash Metal alles andere als originell sind, kaufe ich es den Jungs hier ab, zumal sie das bis heute so leben. Im krassen Kontrast dazu haben wir dann “Wings Of Wrath”, welches so auch auf der “Out Of The Ashes” EP drauf ist. Im Gegensatz zu “Our School” haben wir hier ein kleines Intro, eine konventionellere Spielzeit, einen klassischeren Aufbau und insgesamt deutlich melodischere Momente. Das heißt nicht, dass “Wings Of Wrath” nicht trotzdem brutal abgeht, allerdings ist es zusammen mit “Slaves To The Black” wahrscheinlich das Aushängeschild der EP gewesen, was auch daran lag, dass einfach super unkompliziert in's Ohr geht und dort bleibt. Damit ist es auch eine gute Wahl für die “Thrashed”-Split, wobei ich es persönlich nach vorne gepackt hätte, um für einen besseren Spielfluss zu sorgen, aber das ist wirklich Kritik auf hohem Niveau. Impactor legen dann mit “The Forest Burns” los. Auf der Demo befindet sich ein Track namens “Daniel, The Forest Burns” und da ich besagte Demo nie gehört habe, weiß ich nicht, ob es 1:1 derselbe Track ist oder man ihn für “Thrashed” nochmal neu aufgenommen hat. Beides wäre auf seine eigene Art cool, aber auf jeden Fall weiß ich es zu schätzen, dass man nicht einfach nur 2 Songs der aktuellen EP auf die Split geballert hat. Ich habe ja schon erwähnt, dass Impactor hier noch etwas unorganisierter klingen, als Godslave, muss aber sagen, dass “The Forest Burns” mir trotzdem gut gefällt. Irgendwie fügt sich alles, was die Band hier schon zu bieten hat, gut zusammen und der etwas rumpelige Sound passt gut zum Song an sich. Dazu noch ein wirklich geiles Gitarrenriff oben drauf und wir haben einen ordentlichen, unkomplizierten Thrash-Song, der ganz gut Bock macht. So ganz kann “Downstairs”, welches kurz vorher auf der “Prepare For Impact” EP erschienen ist, nicht mithalten. Für mich ist der Song etwas zu ambitioniert für das, was Impactor dann am Ende zu bieten haben: knapp 6 Minuten Laufzeit, unnötig komplexer Aufbau und allerhand ruhigere Passagen, die hier nicht so recht passen wollen. Das fällt schon in den ersten etwa 45 Sekunden auf, wenn der Sänger erst versucht bedrohlich zu flüstern und der Schrei, in dem sich dann die ganze Spannung entlädt, nicht genug Power hat, um für einen wirklich geilen Moment zu sorgen. Auch sonst ist “Downstairs”irgendwie ein zweischneidiges Schwert. Wir haben hier ein paar sehr geile Momente, wenn das Tempo ordentlich gesteigert wird und selbst ein paar Experimente (zum Beispiel das Sample mit dem Polizeifunk) funktionieren ganz gut. Dann gibt es aber auch wieder ein paar etwas sehr unsaubere Übergänge oder unfreiwillig komische Momente, zum Beispiel wenn der Sänger sich an Vocals in extra hoher Tonlage probiert. Insgesamt ist “Downstairs” zumindest interessant mit ein paar guten Ansätzen, holt mich aber nicht so richtig ab. Die Split an sich mag ich dagegen ganz gerne. Alleine das Konzept ist schon sehr cool und sollte im Laufe der Zeit sogar noch verbessert werden - Schade, dass Godslave nach 4 Runden damit aufgehört haben. Und der Großteil der Songs weiß durchaus zu gefallen. Der Name ist hier definitiv Programm, denn auf “Thrashed” gibt es 4 mal ordentlichen und unkomplizierten Thrash Metal - nicht mehr und nicht weniger. Als Godslave-Fan bin ich eh froh, das Ding in meiner Sammlung zu haben, aber auch unabhängig davon wäre “Thrashed” eine nette Sache für alle Fans des Genres, die Lust haben, mal in kleinere Vertreter des Thrash Metal rein zu hören. [Review lesen]

19.04.2025 07:23 - :Wumpscut:: DJ Dwarf Ten (2010)

8.0 / 10
Auch in den 2010’ern hat Rudy Ratzinger nicht nur die Tradition fortgesetzt, jedes Jahr ein :Wumpscut:-Album zu Ostern zu releasen, sondern auch die passende DJ Dwarf dazu zu liefern. Dementsprechend war es auch im April 2010 wieder soweit: “DJ Dwarf Ten” wurde auf die Fans losgelassen, um das damals kommende Album “Siamese” anzukündigen. Im Gegensatz zum Vorgänger “DJ Dwarf Nine” haben wir dieses Mal keine ganz so enorme Umfangsbombe, sondern knackige 8 Tracks, aber immerhin auch wieder ein ganz gutes Album als Grundlage, welches eine ganze Menge geeignete Songs für potentielle Remixes bereit hält. Eigentlich würde man ja direkt erwarten, dass vor allem die beiden Hits “Boneshaker Baybee” und “Loyal To My Hate” promoted werden sollen, was allerdings nur zur Hälfte stimmt, denn seltsamerweise fehlt hier von “Loyal To My Hate” jede Spur. Vielleicht habe ja nur ich das so wahrgenommen, dass der Song in den Clubs ziemlich durch die Decke ging, oder der Erfolg war damals noch nicht absehbar, aber es ist schon merkwürdig, dass “Loyal To My Hate” in gar keiner Form auf “DJ Dwarf Ten” zu finden ist. Okay, das Original ist etwas sehr lang, aber gerade da hätte sich dann ja ein DJ Dwarf Cut angeboten. Zur Not hätte man auch einfach den Remix von Solar Fake nehmen können, der sich ebenfalls wunderbar angeboten hätte, um “Loyal To My Hate” schon mal im Vorfeld in die Clubs einzuführen. “Boneshaker Baybee” ist dagegen auf “DJ Dwarf Ten” zu finden. Einmal hätten wir da den Video Cut - also eine etwas kürzere Version. Im Gegensatz zu “Loyal To My Hate” würde ich zwar sagen, dass so eine Version bei dem eh schon knackigen “Boneshaker Baybee” nicht wirklich nötig ist, aber sie stört auch nicht. Außerdem haben wir noch den Remix von R@zorbla.de, welcher so auch auf der Remix-CD zum Album zu finden ist. Und warum auch nicht? Es ist zwar nicht mein Lieblings-Remix von “Boneshaker Baybee”, aber auf jeden Fall einer der tanzbarsten und wahrscheinlich sogar von allen Remixes auf der gesamten Bonus-CD genau der, den ich so auch auf die DJ Dwarf gepackt hätte. Netterweise ist das dann auch der einzige Track, den man doppelt hat, wenn man sowohl die “DJ Dwarf Ten”, als auch “Siamese” mit Bonus-CD hat. Auch immer beliebt sind :Wumpscut:-Remixes für andere Künstler. Im Vergleich zu “DJ Dwarf Nine” fällt dieser Part mit zwei Songs diesmal etwas kürzer aus. Zuerst hätten wir “God Is In The Rain” - im Original von Suicide Commando. Ein wirklich großartiger Song, den ich damals auch im Original rauf und runter gehört habe. Der Remix geht in Ordnung, kommt für mich aber nicht an das Original heran. Alles klingt hier etwas sanfter, während das Original einfach mehr Punch hat. Um mal eine andere Version von “God Is In The Rain” zu hören, ist es aber trotzdem ganz nett. Es geht verregnet weiter mit “Rain Stigmata”, welches im Original von Solar Fake ist. Im Gegensatz zu “God Is In The Rain” kannte ich den Song vorher nicht, da Solar Fake jetzt nicht so ganz mein Genre ist. Lustigerweise scheint Ratzinger dieses mal besonders entspannt drauf zu sein, denn während :Wumpscut: Remixes in der Regel etwas härter ausfallen, kommt auch “Rain Stigmata” in diesem Remix etwas ruhiger daher - und das bei einem Solar Fake Song. Aber ich muss sagen, dass ich das gar nicht mal so verkehrt finde, denn es unterstreicht die ruhigen und verträumten Aspekte des Songs und auch wenn der Track dadurch etwas auf “DJ Dwarf Ten” hervorsticht, mag ich es, hier etwas klassischen Darkwave hören zu können. Auch ein Remix von “Siamese” hat sich auf die EP verirrt und anhand der 4 Beispiele auf der Remix-CD wurde uns eigentlich ziemlich eindrucksvoll demonstriert, dass sich gerade “Siamese” nicht unbedingt gut für Remixes eignet. Ken Silver versucht sich trotzdem daran und kommt damit auch noch erstaunlich weit. Ich bin wirklich total überrascht! Der Remix von Ken Silver baut zwar so einige Elemente des Originals, die über Vocals und Samples hinausgehen mit ein, ist am Ende aber eine super tanzbare Geschichte für die Tanzfläche, die sich komplett anders anfühlt als das Original und durchgehend ein ordentliches Tempo vorlegt. Mit dem großartigen Original ist das hier im Prinzip gar nicht mehr zu vergleichen, sondern einfach ein cooler Track für sich, der aber ganz wunderbar auf “DJ Dwarf Ten” passt. “Killuh” hat hier gleich nochmal zwei exklusive Remixes bekommen. Auf dem Album ging es mir mit “Killuh” ähnlich wie mit “Siamese” - großartiger Song, aber wenig Potential für Remixes. Hier haben wir jetzt zuerst einmal den Versuch von Oordrop, dem Track irgendetwas sinnvolles hinzuzufügen. Wahnsinnig viel wurde dabei nicht verändert. Etwas beatlastiger und dynamischer das ganze, vielleicht sogar minimal clubtauglicher. Wenn man unbedingt “Killuh” für die Tanzfläche braucht, dann wahrscheinlich am besten in dieser Version. Das Original kommt für mich immer noch besser, aber dieser Remix kann für mich als Alternative auch gut und gerne so stehen bleiben. Auf der Remix-CD waren Advent Resilience ja sehr aktiv vertreten und wenn es zu irgendeinem Song einen Remix gab, dann war das Duo zwangsläufig mit am Start - außer bei “Killuh”, was aber auch nur daran lag, dass der Advent Resilience Remix von “Killuh” schon hier rausgeballert wurde. Wie zu erwarten, wurde auch hier wieder ein instrumentaler Track draus gemacht, der sehr elektronisch, dezent, aber trotzdem treibend daherkommt. Für sich genommen erstmal etwas unspektakulär, aber ziemlich nette Hintergrundmusik. Zum Abschluss gibt es noch ein klein wenig mehr Advent Resilience - nämlich mit einem etwas verspäteten Remix von “Autophagy Day”. Der Song hat mich auf dem Vorgängeralbum “Fuckit” schon im Original und dem Virus Remix extrem beeindruckt und ein Remix von Advent Resilience klingt da natürlich wie ein absoluter Traum. Tja und was soll ich sagen? Ungefähr so geil, wie ich mir das Ganze vorgestellt habe, ist es dann auch tatsächlich geworden. Auch als Instrumental ohne die harten Vocals kann “Autophagy Day” überzeugen, wobei hier wirklich fast gar nichts mehr vom Original geblieben ist. Aber die extrem cleanen und kalten, fast schon sterilen Sounds geben “Autophagy Day” nochmal ein ganz neues Gesicht und Advent Resilience eine gute Chance zum Schluss noch einmal hervorzustechen. Obwohl “DJ Dwarf Ten” etwas kürzer ausgefallen ist, bin ich mit dem Endergebnis sehr zufrieden. Aus damaliger Sicht war es eine super Promo für “Siamese” und geeignetes Futter für die Clubs. Und selbst aus heutiger Sicht haben wir hier einen gute handvoll exklusive Tracks und nette Überraschungen, die größtenteils qualitativ gut überzeugen können. [Review lesen]

23.03.2025 07:18 - :Wumpscut:: Siamese (2010)

8.5 / 10
2010 sollte “Siamese” ein neues Jahrzehnt für :Wumpscut: einleiten. Dabei hält sich der Mann hinter dem Projekt - Rudy Ratzinger - im wesentlichen an die selbe Formel, die er in den 2000’ern perfektioniert hat: jedes Jahr gegen Ostern ein neues Album, das wahlweise auch mit Remix-CD daherkommt und von einer “DJ Dwarf”-Single begleitet wird. Ich habe :Wumpscut: damals noch nicht ganz so konsequent verfolgt wie heute und war mit der Masse an Releases etwas überfordert. Deshalb habe ich zwar den einen oder anderen Song von “Siamese” mitbekommen, das Album an sich war aber eins der letzten aus der :Wumpscut:-Diskographie, die mir geholt und komplett angehört wurde. Wenigstens bin ich aber damals ziemlich entspannt an die Remix-CD gekommen, da auch eine normale 2-CD-Version existiert, durch die man in den Genuss der Remixes kommen kann, ohne sich für teures Geld die Box mit T-Shirt, Schlüsselanhänger und haste nicht gesehen zu holen. Als kleine Besonderheit gibt es sogar noch eine Version mit Bonus-DVD. Ohne sie mir wirklich angeschaut zu haben, glaube ich aber dass ich nicht so wahnsinnig viel verpasst habe. Musikvideos und Slideshows waren Anfang der 2000’er noch ein sehr cooles Gimmick, aber auch 2010 schon etwas angestaubt. Musikalisch waren :Wumpscut:-Alben um diese Zeit herum ja meistens innerhalb des Albums recht abwechslungsreich, aber dafür untereinander etwas austauschbar. Oft fehlt da ein klarer Stil, der Album X von Album Y unterscheidet. Dieses Problem ist bei “Siamese” gar nicht mal so ausgeprägt. Ratzinger macht hier zwar einen großen Bogen um so ziemlich jede Innovation und setzt auf altbewährte Stärken, dafür gibt es aber diesmal zumindest im Ansatz einen musikalischen roten Faden. Im Gegensatz zu den etwas cleaneren “Schädling” und “Fuckit” hat “Siamese” jetzt wieder einen etwas kantigeren Sound, der sich dem von “Body Census” oder “Cannibal Anthem” annähert. Dazu kommt, dass hier meistens ein ziemlich hohes Tempo gefahren wird und die Songs angenehm hart rüberkommen. Kombiniert wird das alles dann noch mit recht eingängigen Melodien. Wirklich back to the roots würde ich das ganze also nicht nennen, denn dafür ist es zu melodisch, aber gleichzeitig ist “Siamese” schon eines der Alben, auf denen es wieder deutlich mehr auf die Fresse gibt - vielleicht vergleichbar mit einem “Bone Peeler”, wenn die Produktion etwas rauer wäre. Das hat natürlich den Vorteil, dass fast jeder Song sofort in’s Ohr geht und “Siamese” im ersten Anlauf direkt viel Spaß macht. Auf der anderen Seite bleibt wenig Raum für die Songs, sich zu entfalten oder für den Hörer, etwas Neues zu entdecken, wie das teilweise bei den experimentelleren Alben so war. Wenn man eine der Versionen mit 2 CDs hat, dann bekommt man hier über 2 Stunden Unterhaltung geboten, wobei dieses Mal vor allem die Remix-CD sehr ergiebig ist. Ganze 19 Remixes werden geboten und auch wenn sehr viele davon Varianten der beiden Hits “Boneshaker Baybee” und “Loyal To My Hate” sind, ist die Auswahl insgesamt etwas größer als bei den letzten Remix-CDs. Am Ende hat nämlich tatsächlich fast jeder Song mindestens einen Remix spendiert bekommen. Legen wir einfach mal mit “Falling From Lucifer’s Grace” los, bei dem schonmal keine Kompromisse gemacht werden. Hier gibt es fast pausenlos auf die Fresse und die wenigen kurzen Pausen werden mit ziemlich bizarrem Söhnen gefüllt. Durch den exzessiven Gitarreneinsatz nähern wir uns hier schon fast dem Industrial Metal an, was mir natürlich sehr gut gefällt. Auch wenn ich nicht genau weiß, ob das eine gute Grundlage zum remixen ist, haben sich Advent Resilience trotzdem dran versucht und ich bin zwiegespalten. Alles, was das Original großartig gemacht hat (vor allem die Gitarren und die Vocals) fehlen hier, während die Melodie erhalten bleibt und ich kriege im ersten Moment Vibes von diesen komischen 8-Bit-Versionen von Metal Songs, die ich meistens ziemlich kacke finde. Wenn man aber genauer hinhört, dann merkt man schon, dass hier echte Profis am Werk waren, die aus dieser nicht so guten Idee wirklich das Beste rausgeholt haben. Das gleicht sich dann irgendwie aus und führt zu einem ganz soliden Remix. Als nächstes haben wir einen der beiden großen Hits auf “Siamese”, nämlich “Boneshaker Baybee” und ja: das Ding ist unglaublich catchy. Obwohl es im Gegensatz zu “Falling From Lucifer’s Grace” ohne Gitarren auskommt, erinnert es mich zumindest teilweise an Rob Zombie, was wohl an den Vocals, dem kranken Rhythmus und den ganz passenden Lyrics liegen dürfte. So markant der Song auch ist: ein wenig hat er sich bei mir in den letzten 15 Jahren dann doch abgenutzt, aber alles in allem, bleibt “Boneshaker Baybee” ein sehr stabiler Track, der hier auch die meisten Remixes abstauben konnte. Gleich 7 mal dürfen wir uns “Boneshaker Baybee” auf der Remix-CD geben. Das mag auch daran liegen, dass es mal wieder einen Contest gab und es die drei besten Remixes auf die CD geschafft haben. Darunter R@zorbla.de, welcher schon den einen oder anderen Remix-Contest davor für sich entscheiden konnte. Seine Version von “Boneshaker Baybee” ist relativ simpel aufgebaut, beinhaltet alle Vocals und relevanten Parts des Originals und macht das ganze clubtauglicher und tanzbarer. Und warum auch nicht? Kam damals im Club ganz gut und da der Remix passenderweise auch auf der DJ Dwarf drauf war, hatte man mit ihm gutes Promo-Material. Darüber hinaus kann ich mir dieser etwas simpleren Version aber nicht ganz so viel anfangen. Viel eher mein Ding ist dann schon eher die Interpretation von Sektor 0 - ebenfalls ein Contest Winner. Das wesentlich düsterere Instrumental, nimmt das Original so stark auseinander, dass dieses nur noch im Ansatz zu erkennen ist und konfrontiert einen mit bedrückenden/beklemmenden Sounds, bleibt dabei aber trotzdem angenehm melodisch. Spoiler: für mich knapp der beste Remix von “Boneshaker Baybee”. Aber auch Contest Winner Nummer 3 Ustkraltor sorgt für starke Konkurrenz. Ustkraltor ist mir schonmal positiv auf der Remix-CD von “Fuckit” aufgefallen und auch hier macht der Remix einfach nur Spaß. Das ganze Ding ist eine ziemlich simple Geschichte mit ordentlich Speed und allerlei Effekten, die etwas over the top sind, aber gerade das macht für mich ja den Reiz aus. Dann gibt es da noch den “Epogaist Remix” von Max Breit. Das einzige, was wir jetzt noch bräuchten wäre ein sehr experimenteller und schräger Remix - am besten mit vielen Ambient-Elementen Das bekommen wir hier zwar nicht ganz, aber wir kommen der Sache mit diesem Remix wohl am nächsten. Was wir hier haben sind zumindest ein paar ruhige Momente und etwas merkwürdige Samples, am Ende lebt der Remix aber von einem recht simplen aber fesselnden Beat. Ganz interessante Ansätze, aber es hätte für meinen Geschmack ruhig noch experimenteller werden können. Als nächstes steht Raisswolf auf dem Plan und dieser Remix ist sehr basal - zusammen mit dem Remix von R@zorbla.de der einzige mit Vocals und ansonsten sehr nah am Original, allerdings hier und da mit ein paar Verfeinerungen. Handwerklich ist das Ding durchaus gut gemacht, aber im Vergleich zum Original zu unspektakulär und im Vergleich zum Remix von R@zorbla.de zu wenig tanzbar. Dann haben wir noch XSRY - Contest Winners Nummer 4 und ein Projekt, das ich nur dadurch kenne, dass es später auf “Madman Szpital” einen richtig guten Remix von “Ich Bin Der Tod” hervorbringen sollte. Der Remix von “Boneshaker Baybee” kann da leider nicht mithalten. Er trägt zwar definitiv die XSRY-Handschrift mit seinen sehr düster-melancholischen Sounds und dem eher minimalistischen Ansatz. Allerdings zieht es sich extrem. Der Remix geht über 5 Minuten und bietet so gar keine Abwechslung. Die ersten 30 Sekunden wirken vielleicht vielversprechend, allerdings passiert danach gefühlt nichts neues mehr. Nicht komplett kacke, aber langweilig. Den Abschluss bietet dann Advent Resilience, ein Duo, das für mich schon fast synonym für :Wumpscut:-Remixes steht und das hier noch öfter vorkommen wird. Beim Remix von “Boneshaker Baybee” merkt man direkt die Erfahrung, die die beiden mit :Wumpscut:-Tracks haben. Allerdings muss ich gleichzeitig sagen, dass die ganze Nummer recht simpel ausfällt und sich sehr auf einen eingängigen Beat verlässt. Damit beißt es sich etwas mit dem Remix von Max Breit. Die Version von Max Breit ist dabei etwas interessanter, die von Advent Resilience dafür besser umgesetzt. Trotzdem hätte ich nicht unbedingt beide Remixes gebraucht. Überhaupt war das jetzt ein ziemlicher Overkill. Sicherlich war hier viel verwertbares Material dabei, aber ca. die Hälfte der Remixes würde ich jetzt auch nicht vermissen, wenn sie fehlen würden. Nach so vielen Remixes geht's zurück zum Main-Album und damit zum Titeltrack und der ist mal wieder wirklich beeindruckend geworden: unglaublich düster, schwer und dramatisch. Die Lyrics sind cool, da man sie wörtlich nehmen oder auf wirklich viele andere Facetten der eigenen Persönlichkeit übertragen kann, die für den bösen siamesischen Zwilling stehen. Knapp 5 Minuten ist der Track lang und trotz seines gemäßigten Tempos, plätschert er nicht einfach nur vor sich hin, sondern überrascht immer wieder durch teilweise recht abrupte Wechsel der Melodie. Wirklich ein klasse Song, aber keiner von denen ich mir unbedingt einen Remix erwartet hätte und trotzdem gibt's davon direkt mal 4 Stück, also here we go: Zuerst haben wir den “Overdrive Remix” von Advent Resilience und der ist ungefähr das, was man erwarten würde: eine instrumentale, tanzbare Version von “Siamese”. Man kann den Song dahinter zwar noch erkennen, aber von der eigentlichen Stimmung ist quasi nichts mehr übrig. Für sich genommen ist er ganz nett, aber ziemlich belanglos. Etwas seltsam ist der Remix von E-Works 978, der sehr simpel aufgebaut ist. Im Zentrum steht ein Rhythmus, der nicht so recht zum Rest des Songs passen will und um den sich dann die einzelnen Samples des eigentlichen Songs drehen. Er ist keine drei Minuten lang und wirkt irgendwie unfertig. Hier und da sind ein paar interessante Ansätze zu erkennen, aber es bleibt halt wirklich bei den Ansätzen, wodurch das ganze eher wie ein früher Konzept für einen Remix wirkt und nicht wie ein fertiges Werk, das man so auf CD bringen würde. Einen etwas anderen Ansatz verfolgt der Remix von Mortiis. Hier geht alles ein wenig mehr in die Ambient-Richtung und der Song wurde auf ein paar ganz simple Elemente heruntergebrochen, die dann nach und nach so aufploppen. Wenn es gut umgesetzt wird, bin ich für sowas immer sehr zu haben. Als positives Beispiel fallen mir da ein paar Remixes von Advent Resilience auf der neuen Remix-CD von “Bone Peeler” ein, die erst letztes Jahr erschienen ist. Der Mortiis Remix von “Siamese” kann da nicht so ganz mithalten. Zu viel Keyboardgeklimper und zu lange Laufzeit dafür, dass wir hier eher wenig Abwechslung haben. Auch der Taiko Remix haut mich nicht vom Hocker. Ich würde das Ding vielleicht auch eher als Alternative Version bezeichnen. Der Song ist in seiner Struktur mit allen Vocals etc. nämlich erhalten, wird hier aber um ein paar Effekte ergänzt oder etwas aufgemotzt. Das klingt jetzt nicht furchtbar, aber gerade ein Song wie “Siamese”, der im Original schon sehr stark und intensiv war, profitiert kaum davon, dass man da viel dran herumschraubt. So bleibe ich dann doch lieber klar beim Original. Die Remixes von Advent Resilience und Mortiis gehen irgendwie noch in Ordnung, weil sie dem Original nochmal eine ganz neue Richtung geben. Die anderen beiden hätte man sich sparen können. Der nächste Track wäre dann “Ziribit” - gleichzeitig der einzige Song, der schon von Haus aus ein Instrumental ist. Er startet mit etwas seltsamen elektronischen Hundegebell, aus welchem sich dann aber recht schnell eine halbwegs sinnvolle Klangbasis entwickelt. Im Vordergrund steht hier aber recht melodisches Keyboardgeklimper. :Wumpscut: hat ein paar sehr starke Instrumentals, die eher ruhig und unheimlich daherkommen. Ich denke hier an “Tomb” oder “Draussen”. In diese Kategorie fällt “Ziribit” eindeutig nicht. Dafür ist es zu kraftvoll und dynamisch. Aber auch hier haben wir ein paar starke Tracks wie zum Beispiel “Mankind’s Disease”, mit welchem “Ziribit” wahrscheinlich am ehesten zu vergleichen ist, ohne aber an dessen Qualität heranzukommen. Dazu wirkt es nämlich etwas zu unfertig. Man hat fast das Gefühl, dass Ratzinger hier einfach mal eben mit ein paar Samples herum improvisiert und dann das erste halbwegs passable Ergebnis auf das Album gepackt hat. Als Grundlage sicherlich okay, aber als fertiges Ergebnis noch nicht ganz ausgereift. “Auf Wiedersehen Im Massengrab” geht ein wenig neben dem starken “Siamese” unter, was schade ist. Auch “Auf Wiedersehen Im Massengrab” ist ebenfalls eher langsam und sehr düster und vielleicht ist es auch etwas schlecht auf dem Album platziert, da wir ja gerade erst “Siamese” hatten und nach dem kurzen Zwischenhappen “Ziribit” jetzt vielleicht ein schnellerer Track gepasst hätte. “Auf Wiedersehen Im Massengrab” ist etwas einfacher aufgebaut, wirkt aber gleichzeitig etwas sperriger als “Siamese”, was es etwas schwerer macht, mit dem Song warm zu werden. Trotzdem mag ich die beklemmende Atmosphäre, gepaart mit den brachialen Effekten und Explosionen ganz gerne. Es gibt dazu sogar einen Remix und der stammt natürlich von Advent Resilience. Hier wurde wirklich großartige Arbeit geleistet. Im Grunde geht der Song hier in eine deutlich andere Richtung und ist wesentlich schneller und melodischer. Gleichzeitig werden Tempo und Spannung hier langsam aufgebaut und ein paar der düsteren Samples des Originals verwendet, sodass ein guter Teil der Atmosphäre erhalten bleibt. Damit gefällt mir der Remix sogar ein bisschen besser als das Original. “Teufelszeug” ist dagegen wieder ziemlich simpler und unkomplizierter Spaß. Wir haben hier einfache, deutsche Lyrics, einen eingängigen und mitsingbaren Refrain und sicherlich wenig musikalischen Anspruch, aber durch den etwas roheren Sound klingt der ganze Spaß auch nicht zu poppig. Gefällt mir in der Kombination eigentlich sehr gut. Wem das zu hohl war, der wird mit “Bam Bam” wahrscheinlich auch nicht unbedingt viel mehr Spaß haben. Der Name ist hier eigentlich Programm und es wird nochmal richtig auf die Kacke gehauen. Auch wenn mich jetzt Oldschool-Fans mit Tomaten bewerfen, klingt “Bam Bam” für mich ein wenig wie :Wumpscut: zu Anfangszeiten - “Default” kommt mir hier in den Sinn - mit einem etwas moderneren Sound. Und ganz ehrlich: das alleine klingt schon extrem geil. “Loyal To My Hate” ist dann wieder deutlich Mainstream-tauglicher. Soweit ich das im Kopf habe ist das einer der letzten großen Hits von :Wumpscut: gewesen, den ich so in den Clubs erlebt habe. Nicht, dass es danach keine :Wumpscut:-Songs mehr gegeben hätte, die dieses Kriterium erfüllt haben, aber ich glaube, dass sich die Szene in den 2010’ern ziemlich verändert hat und die Nachfrage deutlich geschrumpft ist. “Loyal To My Hate” habe ich damals allerdings so oft gehört, dass es fast schon genervt hat. Andererseits ist das Ding aber auch schon unglaublich catchy. Die Melodie geht sofort in's Ohr und ist dabei auch noch einigermaßen originell und die Beats sind extrem treibend. Kein Wunder, dass es dazu gleich 5 Remixes auf die Bonus-CD geschafft haben. Zuerst haben wir Solar Fake und wie bei dem Künstler zu erwarten, wurde hier nicht wahnsinnig viel geändert, außer dass der Song noch clubtauglicher gemacht wurde. Das Original hatte nämlich ein Problem: es war fast 7 Minuten lang. Der Solar Fake Remix kürzt das Ding auf knackige 4 Minuten runter und betreibt hier und da ein wenig Finetuning, damit auch die letzten ruhigeren Momente maximal tanzbar sind und warum nicht? Ist ja legitim, davon eine Clubversion zu haben. Natürlich dürfen auch Advent Resilience hier nicht fehlen. Also bekommen wir auch zu “Loyal To My Hate” einen Remix, der so klingt wie man ihn von Advent Resilience erwarten würde: instrumental, sehr elektronisch und noch etwas treibender als das Original. Geht so komplett in Ordnung, sticht aber wenig hervor. Kreativer ist da schon der Remix von Thermonuclearity, welcher langsamer anfängt, etwas dezenter auftritt, aber gleichzeitig trotzdem mit ziemlich fetten Beats aufwarten kann. Finde ich ganz nett, da er das Original ziemlich auf den Kopf stellt. Wen ich hier schon etwas vermisst habe, war Yendri. Aber bei “Loyal To My Hate” darf sich dann schließlich auch sie austoben. Das Ergebnis klingt etwas ungewöhnlich - fast 5 Minuten recht gleichförmige, dramatische Musik mit einem Hauch von den einzelnen Elementen aus “Loyal To My Hate”. Da das ganze handwerklich sehr ordentlich gemacht ist, kann ich eigentlich nichts sagen, weiß aber nicht, zu welchem Anlass man das hören sollte. Zuletzt haben wir dann mit Suicide Commando nochmal ein ziemliches Schwergewicht und einen ebenfalls sehr interessanten Ansatz. In diesem Remix wurde der Song so angepasst, dass er so klingt wie ein Song von Suicide Commando. Hätte man jetzt noch eigene Vocals am Start gehabt, wäre es eine komplette Neuinterpretation gewesen, wobei ich überrascht bin, wie gut die Vocals von Ratzinger (wenn auch elektronisch etwas überarbeitet) zu der Musik von Suicide Commando passen. “Blood Stigmata” bringt gegen Ende nochmal ein wenig frischen Wind in das Album. Ziemlich cool ist das Spinett (oder was auch immer für ein Instrument das am Anfang ist) und wie es in den Song integriert wurde. Ansonsten ist “Blood Stigmata” mit seinem Mid-Tempo ein ziemlich guter Allrounder. Elektronische Tanzbarkeit und guter Flow werden hier dank der brachialen Vocals mit der nötigen Härte vereint. Der letzte eigentliche Song “Killuh” bietet dann nochmal eine kleine Überraschung. Clara S., die wir zuletzt auf “Evoke” gehört haben, ist wieder zurück und spricht ähnlich monoton wie schon bei “Your Last Salute” und “Obsessio” die Vocals auf katalanisch ein. Entweder man liebt es oder man hasst es, aber ich bin da grundsätzlich ein großer Fan von. Das über 7 Minuten lange “Killuh” kann qualitativ auch locker mit seinen beiden Vorgängern mithalten. Ist sicherlich nicht der originellste, aber trotzdem ein sehr gelungener Abschluss für das Album. Aber auch von “Killuh” gibt es tatsächlich einen Remix und der ist natürlich von Advent Resili… Oh ne, doch nicht. Diesmal darf Yendri sich daran versuchen. Ich weiß tatsächlich nicht, warum die ganzen Songs mit Clara S. unbedingt Remixes brauchen. Ich finde sie bieten sich dafür gar nicht mal so gut an, aber hey: wenn man nach einer Version von “Killuh” sucht, die so auch im Club laufen könnte: hier ist sie. Nach über 2 Stunden ist dann schließlich Feierabend und auch wenn “Siamese” das Rad nicht neu erfindet, ist es für mich eins der besseren modernen :Wumpscut:-Alben. Kein Song nervt so richtig ab und die Dichte an Highlights ist doch erstaunlich groß. Ratzinger hat dieses Mal, anstelle vom Experimentieren, auf seine bewährten Stärken gesetzt und daraus nochmal ein ziemlich rundes Album gemacht. Ich würde sagen, wer grundsätzlich auch mit den neueren :Wumpscut:-Alben was anfangen kann und zum Beispiel “Bone Peeler” mag, kann hier eigentlich nichts falsch machen. Auch für :Wumpscut:-Neulinge, die bei der Fülle an Alben gar nicht wissen, wo sie einsteigen sollen, gibt es schlechtere Ausgangspunkte als “Siamese”. Die letzte offene Frage ist noch, ob sich die Remix-CD lohnt und ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Immerhin gestaltet sie sich bei der Songauswahl ein gutes Stück abwechslungsreicher als die Male davor und gleichzeitig geht die Qualität der Remixes größtenteils echt in Ordnung. Die Anzahl von Tracks, die hier komplett überflüssig erscheinen, ist diesmal angenehm gering. Gleichzeitig fehlt mir hier der eine oder andere Remix, der mich so richtig vom Hocker haut und das Original nochmal deutlich aufwertet. Der Remix von “Auf Wiedersehen Im Massengrab” von Advent Resilience ist vielleicht noch am ehesten ein Kandidat, aber die letzten drei Alben hatten jeweils noch krassere Highlights auf der Remix-CD. Sagen wir mal so: ähnlich wie beim Album weiß man auch bei der Bonus-CD, was man hat. Wenn man :Wumpscut:-Remixes generell mag, dann wird man zufrieden sein. Ansonsten reicht auch die reguläre Version von “Siamese”. [Review lesen]

22.02.2025 07:44 - Combichrist: Joy Of Gunz, The (2003)

8.0 / 10
Es ist ein bisschen gruselig, wenn man in den 2000’ern die schwarze Szene erlebt und Combichrist immer als eines der neueren Projekte innerhalb der Szene gesehen hat, nur um dann irgendwann festzustellen, dass dieses neue Projekt mittlerweile auch schon weit über 20 Jahre alt ist. Aber immerhin hat sich Andy LaPlegua all die Jahre ziemlich gut mit Combichrist halten können und sein Projekt immer wieder weiterentwickelt. Im Laufe der Zeit kamen und gingen zahlreiche Mitglieder und die Genres haben sich zum Teil drastisch geändert. Da ist es doch mal ganz lustig, auf die Anfänge zu schauen und 22 Jahre später noch einmal das Debütalbum “The Joy Of Gunz” unter die Lupe zu nehmen. Für alle, die noch nicht ganz so alt sind wie ich: damals hat LaPlegua Combichrist als Soloprojekt gestartet und war eher so im Rhythm ‘n’ Noise unterwegs. Den ganzen Techno-/Aggrotech-Krempel und die noch späteren (Industrial-)Metal-Einflüsse kann man sich bei “The Joy Of Gunz” also wegdenken und dementsprechend geht es hier sehr minimalistisch zu. Drums und Gitarren, die später einen festen Platz bei Combichrist bekommen sollten, fehlen hier und gleichzeitig ist ein guter Teil der Tracks instrumental bzw. wird von Sprachsamples getragen. Das ist vielleicht erstmal etwas gewöhnungsbedürftig - gerade wenn man wie die meisten Combichrist als Aggrotech-Project mit edgy Lyrics a la “Shut Up And Swallow” kennengelernt hat oder vielleicht sogar eher die Metal-lastigen Releases gewohnt ist. Ich falle da vielleicht etwas aus der Reihe, denn obwohl ich durch “This Shit Will Fuck You Up” auf Combichrist gekommen bin, war “The Joy Of Gunz” das erste Album, was ich mir gekauft und komplett gehört habe. Ich fand's damals ganz gut, wenn auch etwas gleichförmig. Ein paar Lieblingstracks habe ich seitdem immer mal wieder gehört, aber das Gesamtwerk ist im Laufe der Zeit dann doch hinter den späteren Alben bei mir etwas untergegangen. Hier muss man auch sagen, dass bei “The Joy Of Gunz” ein recht minimalistischer Sound auf einen ziemlich großen Umfang trifft. Über 60 Minuten Laufzeit, die sich auf 15 Tracks erstreckt, ist nicht wenig. Und wenn der ganze Sound dann etwas einfacher und weniger zugänglich gehalten ist, dann mag das Album vielleicht bei den ersten Hördurchläufen etwas überwältigend und unübersichtlich wirken. Der Opener “Intruder Alert” hat mir am Anfang das Album auch nicht direkt schmackhaft gemacht. Das verwendete Sprachsample war mir am Anfang etwas zu nervig und die einzelnen Bausteine haben sich für mich nicht so richtig gefügt. Mittlerweile mag ich “Intruder Alert” aber ein gutes Stück mehr. Es ist einer der paar Songs mit echten Vocals und Lyrics, wobei “I only came to make some noise. I only came to dance.” zur Eröffnung super passt und gerade dadurch, dass die Vocals hier ziemlich eigen klingen, wirkt der Track ziemlich abwechslungsreich. Mit “Joy To The World” wird das Tempo etwas gesteigert. Vocals im eigentlichen Sinne gibt es hier nicht. Stattdessen wird Charles Manson hier die Stimme gegeben - begleitet von hämmernden Beats. Klingt im Ergebnis ziemlich irre, aber gleichzeitig auch gut tanzbar - erstaunlich gute Kombination. “You Will Be The Bitch Now” legt in Sachen Tempo und Härte sogar noch mehr nach und verliert mich dann irgendwie. Das Ganze ist eine wilde Mischung aus Samples, Elektro-Sounds und Stimmengewirr. Mir persönlich ist es etwas zu chaotisch, um Spaß damit zu haben. Potential ist zwar da, aber die meiste Zeit ist “You Will Be The Bitch Now” eher nervig und unangenehm zu hören. “Winteryear” ist da schon wieder etwas anderes. Der erste komplett rein instrumentale Track, der auch ohne Sprachsamples auskommt, ist eigentlich sehr simpel aufgebaut, dröhnt ordentlich los und steht “You Will Be The Bitch Now” in Sachen Härte in kaum etwas nach. Der einzige Unterschied ist, dass der ganze Spaß etwas übersichtlicher und weniger überladen wirkt und schon bin ich zufrieden. Etwas zwiegespalten bin ich noch bei “Play Dead”. Die Lyrics “That's right - lay down - play dead - be dead” sind erstmal nicht sehr originell, werden aber auch nicht besser, wenn man sie 17 mal wiederholt. Interessanterweise ist diese stumpfe Line am Anfang sehr dominant und nervt etwas, rückt später aber in den Hintergrund und fügt sich dann immer besser in die etwas komplexer werdende Musik ein. “Play Dead” startet also nicht unbedingt großartig, wird während der Laufzeit aber graduell besser. “Turmoil” ist mit unter 3 Minuten recht kurz, hat aber einen sehr einzigartigen Sound. Zum Teil bekommen wir hier ruhige Ambient-Sounds, die aber sehr gekonnt mit elektrolastiger Musik gepaart wurden. Damit gibt es bei “Turmoil” ein paar der wenigen Momente, in denen das Album sich mal traut, ein paar ruhigere Töne anzuschlagen. Richtig gut gefällt mir auch “Master Control”. Es beginnt recht simpel, entwickelt sich aber konstant weiter und wird um immer wieder neue Elemente ergänzt, die perfekt ineinander greifen. Schön intensiv geht es dann auch mit “Vater Unser” weiter. Der Name ist hier Programm, da wir ein paar Kinder das Vater Unser aufsagen hören, was erstaunlich gut als Kontrast zu einer der brachialsten Soundkulissen auf dem ganzen Album funktioniert. “Vater Unser” ist einer der komplexeren, aber auch brutaleren Tracks auf “The Joy Of Gunz”. Danach bekommen wir ein paar etwas simplere, aber sehr stabile Songs zu hören. “Line Of The Dead” ballert nach einem kurzen Intro mit treibenden Beats los und lässt die gesamten knapp 5 Minuten kaum nach, ohne dass es dabei zu monoton oder gar langweilig wird. “Bulletfuck” ist ähnlich minimalistisch, beatlastig und treibend wie “Line Of The Dead”, hat hier und da aber ein paar dezente Breaks und Tempowechsel am Start, damit es nicht zu langweilig wird. “Human Error” geht dabei etwas unter. Der Track ist ziemlich chaotisch und obwohl er zu keinem Zeitpunkt irgendwie schlecht klingt, schafft er es mit seinen unter drei Minuten Laufzeit und dem etwas seltsamen Aufbau nicht so richtig, bei mir einen bleibenden musikalischen Eindruck zu hinterlassen. Ein Song, der zwar kaum im Gedächtnis bleibt, aber auch nicht schadet. Anders dagegen: “God Wrapped In Plastic”, welches ich sehr eindrucksvoll finde. Diesmal wird es wieder elektronischer und deutlich düsterer. Vom Klang her erinnert mich der Song fast ein wenig an Dioxyde und hätte so vielleicht sogar auf “Torschlüsspanik” erscheinen können, was bei mir immer ein großes Kompliment ist. “History Of Madness” ist dann wieder ein schneller und chaotischer Song. Klingt im ersten Moment einem “Human Error” nicht unähnlich, wirkt aber ein gutes Stück ausgereifter. Der Sound ist etwas markanter, mit knapp 5 Minuten Laufzeit kommt er gut zur Geltung und auch der Aufbau wirkt etwas durchdachter, sodass “History Of Madness” beim Hören ganz gut Spaß macht. Gegen Ende kommt LaPlegua nochmal in's Experimentieren. “Shrunken Heads For All Vacations” ist ein ruhiger Ambient-Track, der fast schon eine psychedelische Atmosphäre bietet. Mit über 7 Minuten hat er auch die Zeit, sich voll zu entfalten und nach all der Action davor ist sowas jetzt genau das, was ich zum Abschluss gebrauchen kann. Eigentlich könnte man das genauso stehen lassen, aber mit “This Is The Joy Of Gunz” haben wir noch einen Hidden Track, der es nicht auf die offizielle Tracklist geschafft hat. “This Is The Joy Of Gunz” ist wieder deutlich konventioneller als sein Vorgänger. Mit fetten Beats, einem ordentlichen Tempo und dezenten Sprachsamples bekommen wir hier einfach nur noch ein wenig mehr “The Joy Of Gunz” und auch wenn das gar nicht nötig gewesen wäre, nehme ich es gerne an, da ich den Sound von diesem Album mag. Damit schlägt sich “The Joy Of Gunz” unterm Strich auch heute noch erstaunlich gut. Es hat einen für Combichrist-Verhältnisse sehr eigenen Sound und ist halt schwer mit dem Rest von LaPleguas Schaffen zu vergleichen. In Sachen Tempo und Härte steht es späteren Alben eigentlich in nichts nach, aber natürlich ist es weniger melodisch, sehr minimalistisch und teilweise fehlt vielleicht auch ein wenig die Abwechslung. Ich mag’s aber und kann mir so einen Sound eigentlich immer ganz gut geben. Was auch auffällt, ist eine sehr stabile Qualität der Tracks - fast jeder einzelne Song kann mich überzeugen. Ausgerechnet am Anfang gibt es mit “You Will Be The Bitch Now” und “Play Dead” Songs, die vielleicht nicht so richtig zünden wollen, aber mit der Zeit nimmt die Qualität der einzelnen Songs für mich eher mal zu. Außerdem stehen dem auch Highlights wie “Master Control”, God Wrapped In Plastic” und “Shrunken Heads For All Vacations” gegenüber. Falls ihr “The Joy Of Gunz” bisher verpasst habt, ist es auf jeden Fall mal einen Versuch wert, dort hinein zu hören. [Review lesen]

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Warum sind die Cover-Bilder verpixelt?

Bedankt euch bei deutschen Abmahn-Anwälten

Leider passiert es immer wieder, dass Abmahnungen für angebliche Copyright-Verletzungen ins Haus flattern. Ganz häufig ist es der Fall, dass auf dem Frontcover ein Foto oder eine Grafik eines Fotografen oder Künstlers genutzt wird, was dann nur mit dem Namen der Band und dem Titel des Albums versehen wurde. Das ursprüngliche Foto/Kunstwerk ist somit immer noch sehr prominent zu sehen. Die Abmahner nutzen zumeist automatisierte Prozesse, die das Netz nach unlizensierten Nutzungen der Werke ihrer Mandanten durchsuchen und dabei Abweichungen bis zu einem gewissen Prozentgrad ignorieren. Somit gibt es also häufig angebliche Treffer. Obwohl das Foto/Kunstwerk von den Plattenfirmen oder Bands ganz legal für die Veröffentlichung lizensiert wurde, ist dies den Abmahnern egal, ganz oft wissen die ja nicht einmal, was für eine einzelne Veröffentlichung abgemacht wurde. Die sehen nur die angebliche Copyright-Verletzung und fordern die dicke Kohle.

Da Musik-Sammler.de nachwievor von privater Hand administriert, betrieben und bezahlt wird, ist jede Abmahnung ein existenzbedrohendes Risiko. Nach der letzten Abmahnung, die einen 5-stelligen(!) Betrag forderte, sehe ich mich nun gezwungen drastische Maßnahmen zu ergreifen oder die Seite komplett aufzugeben. Daher werden jetzt alle hochgeladenen Bilder der Veröffentlichungen für NICHT-EINGELOGGTE Nutzer verpixelt. Wer einen Musik-Sammler.de Nutzeraccount hat, braucht sich also einfach nur einmal anmelden und sieht wieder alles wie gewohnt.