DarkForrest

DarkForrest
Registriert seit: 25.12.2008

Zum Verkauf 3 Eingetragen 36
Bewertungen: 99 Reviews: 99
Genres: Blues, Comedy, Country, Dark Wave/Gothic, Elektronische Musik, Hardcore, House, Hörspiel/Hörbuch, Jazz, Klassik, Metal, Musical, Pop, Punk, Rap/Hip Hop, Reggae, Rock, Schlager, Singer/Songwriter/Liedermacher, Ska, Sonstiges, Soul/R&B, Soundtrack, Volksmusik/Folklore, World Music
Bewertungsverteilung von DarkForrest
0.5 1 1.5 2 2.5 3 3.5 4 4.5 5 5.5 6 6.5 7 7.5 8 8.5 9 9.5 10
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5.0: 18.75% (3x)

5.5: 18.75% (3x)

6.0: 31.25% (5x)

6.5: 43.75% (7x)

7.0: 81.25% (13x)

7.5: 56.25% (9x)

8.0: 100% (16x)

8.5: 75% (12x)

9.0: 62.5% (10x)

9.5: 31.25% (5x)

10.0: 12.5% (2x)

Die letzten Bewertungen
8.5 für Ewigheim: Schlaflieder (2016) (05.07.2020 21:33)
7.5 für Ewigheim: Nachruf (2013) (19.06.2020 17:49)
9.5 für Ewigheim: Bereue Nichts (2012) (07.06.2020 10:32)
9.5 für Ewigheim: Dürrer Mann (2012) (23.05.2020 19:57)
7.0 für Ewigheim: Heimwege (2003) (21.05.2020 19:43)
6.5 für Ewigheim: Mord Nicht Ohne Grund (2002) (08.05.2020 21:17)
9.0 für :Wumpscut:: Bunkertor 7 (1995) (23.04.2020 08:08)
9.0 für Face Down: Will To Power, The (2005) (23.03.2020 20:37)
Insgesamt 99 Bewertungen vorhanden. Alle anzeigen
Die letzten Reviews

05.07.2020 21:33 - Ewigheim: Schlaflieder (2016)

8.5 / 10
Auch wenn ich kein besonders großer Fan der kalten Jahreszeit bin, hat diese doch einen gewissen Reiz: es besteht immer die Chance, mit neuem Material von Ewigheim verwöhnt zu werden. Außer "Bereue Nichts" und die zugehörige "Dürrer Mann" EP sind bis jetzt nämlich sämtliche CDs der Thüringer im Herbst oder Winter released worden, was ja auch perfekt zu den melancholischen Alben passt. Nachdem uns zwei Jahre zuvor mit "24/7" das Warten auf das nächste "richtige" Album mehr als versüßt wurde, war es im Herbst 2016 dann endlich soweit: "Schlaflieder" stand vor der Tür. Ich hatte mir das Album direkt vorbestellt und mir voller Vorfreude aufgehoben, um es nach Feierabend auf dem Weg von der Arbeit nach Hause zu hören. Die Atmosphäre war perfekt: es war herbstlich, wurde langsam dunkel, leicht neblig und ich ließ mich knapp 50 Minuten von den Klängen von Ewigheim einlullen. Tja und ganz am Ende war ich erstmal richtig enttäuscht. Es gab vielleicht 1 - 2 Songs, denen ich direkt etwas abgewinnen konnte. Der Rest war mir zu energielos und zu wenig abwechslungsreich. Aber ich weiß ja, dass manche Songs etwas länger brauchen und ich habe der CD noch ein paar Durchläufe gegeben. Wenig später war ich dann doch in die "Schlaflieder" verliebt. Was war passiert? Ich denke ich bin einfach mit den falschen Erwartungen an das Album herangegangen. "24/7" war voller Power und in den neuen Songs mehr als abwechslungsreich. "Schlaflieder" schaltet ein paar Gänge runter, fährt seinen ruhigen Stil aber dafür sehr konsequent. Während "Nachruf" ein etwas seltsamer Kompromiss zwischen hart und zart war, gibt es jetzt wieder eine Menge Balladen. Manch einer mag da an das gute alte "Heimwege" denken, aber auch wenn sich Fans dieses Albums sicher auch von "Schlaflieder" angesprochen fühlen dürften, wird hier weniger herumexperimentiert. Ewigheim behalten hier ihren Stil, auf den sie sich auf "Bereue Nichts" geeinigt und welchen sie danach kultiviert haben bei und schaffen damit ein ruhiges und verträumtes Album, was auch eine ordentliche Leistung ist. Etwas, was auf "Schlaflieder" besonders auffällt, ist der rote Faden. Nicht nur musikalisch geben sich Yantit, Allen B. Konstanz und Schwadorf konsistenter als bisher, auch thematisch soll sich diesmal viel um Schlaf und (geplatze) Träume drehen. Und wer genau hinhört, wird bestimmte Elemente finden, die gleich in mehreren Songs auftreten - sei es die Anrede des Hörers als "Mein Freund" oder die Metapher des süßen Weines, von dem man sich auch schnell mal übergeben muss, wenn man nicht vorsichtig ist - um mal nur zwei zu nennen. Besitzer des Digipacks bekommen diesmal übrigens nicht nur einen, sondern gleich zwei Bonustracks - es lohnt sich also zu dieser Variante zu greifen. So, vier Absätze gelabert und noch auf keinen Song eingegangen. Den Anfang macht konsequenterweise gleich das "Schlaflied". Auch hier gibt es kein großes Intro, sondern das Album legt direkt los, was aber okay ist und deutlich besser funktioniert als noch auf "Nachruf" mit "Zwischen Menschen". Das ruhige "Schlaflied" führt wirklich behutsam in's Album ein und wird netterweise tatsächlich von Konstanz so ähnlich wie ein Schlaflied vorgetragen, was gleich mal Innovationspunkte gibt und erstaunlich gut funktioniert. Man weiß wirklich, dass man ein ruhiges Album vor sich hat, wenn ein Song im gemütlichen Midtempo wie "Himmelsleiter" im Vergleich eine der schnelleren Nummern ist. Obwohl wir auch hier sicher eher mal geringe Metalanteile haben, setzen die Gitarren doch in den richtigen Momenten sehr schöne Akzente, halten sich aber auch im richtigen Moment im Hintergrund. Etwas schwerer tu ich mich da schon mit dem knapp 5 ½ minütigen "Mondlied". Es ist lang, schwer, träge, hat diesen hypnotischen Rhythmus und einen passend deprimierenden Text. Insgesamt passt es zwar in allen Belangen wunderbar auf "Schlaflieder", lässt mir aber dafür, dass es sich so zieht ein paar auflockernde Momente vermissen. Ich meine damit jetzt nichts, was die gesamte Atmosphäre stört, aber wenn ich im Vergleich "Stahl Trifft Kopf" oder "Am Meer" höre, dann wird mir dort die Zeit etwas kreativer genutzt. Auch "Ein Stück Näher" ist nicht ganz einfach. Wir haben hier ein paar sehr rockige Gitarren, die das Album etwas auflockern und ein bisschen Tempo hineinbringen. Leider wirkt ein Großteil der musikalischen Untermalung doch etwas austauschbar. Trotzdem hat der Song seine Momente. Gerade in den Passagen, in denen selbige soweit zurückgefahren wird, dass Konstanz fast auf sich allein gestellt ist und dabei einen verdammt guten Job macht, horche ich doch interessiert auf. Wirklich fesselnd wird es dann wieder bei "Einmal Noch" und Ewigheims Beweis, dass sie es mittlerweile drauf haben, ihre Balladen zu perfektionieren. Die Formel aus ruhigen Strophen und Refrain mit schweren Gitarren geht hier voll auf. Dann wird das ganze noch sehr emotional vorgetragen und wir haben beste Gänsehautgarantie. Auch "Dies Ist Der Preis" trifft voll in's schwarze. Obwohl wenn wir hier weit vom Doom Metal entfernt sind, klingt der Song angenehm düster und schwer. Erreicht wird das durch ziemlich cleveres Songwriting und gutes Timing der einzelnen Elemente. Genau wegen solchen Songs sind mir die "neueren" Alben ab 2012 lieber als die Klassiker. Im Anschluss gibt es den einen Song, der bei mir direkt beim ersten Hören zünden konnte, nämlich "Besessen Und Entseelt" - natürlich der Song, der auf diesem Album am meisten Gas gibt - wie sollte es auch anders sein? Aber was soll ich sagen: Hier ist es wirklich schwer ruhig zu bleiben und ich war fast schon erstaunt, "Besessen Und Entseelt" bei der Livetour zu "Schlaflieder" nicht zu hören. Worauf es aber letztlich bei so gefälligen Songs auch ankommt: er hat den Test der Zeit bestanden, sich wenig abgenutzt und nervt auch nach knapp 4 Jahren noch nicht. "Wir, Der Teufel Und Ich II" ist eher thematisch als musikalisch eine Fortsetzung zum ersten Teil auf "24/7". Im Gegensatz zu episch - orchestralen Klängen gibt es diesmal eine ruhige (ja wie sollte es auf "Schlaflieder" auch anders sein?) Elektroballade, die mich sogar ein wenig an Samsas Traum erinnert, zumindest erscheint mir die Vorstellung, Alexander Kaschte genau diesen Song singen zu hören, nicht komplett abwägig. Das Konzept geht aber auf und ganz nebenbei wird etwas Abwechslung geschaffen, ohne am Tempo etwas drehen zu müssen. Den Abschluss des regulären Albums bietet ein Song, der einfach nur "..." genannt wurde, da er laut Konstanz "sprachlos machen" soll - okay. Am Ende geben sich Ewigheim hier tatsächlich erstaunlich ernst - jeder einzelne Pianoanschlag scheint hier mit Bedacht gewählt und der ebenfalls sehr ernste Text kommt dieses Mal ohne die übliche Portion Sarkasmus und schwarzen Humor aus. Das trägt dazu bei, dass das ganze Album ähnlich wie "Heimwege" nicht so gut einfach mal so am Stück zu hören ist, ist in der Umsetzung aber gut gelungen. Mit den beiden Bonustracks gibt's auf der anderen Seite als Zugabe noch etwas Classic Ewigheim. "Des Teufels Schönstes Kind" macht einfach nur Spaß zu hören und hätte gut auf "Bereue Nichts" gepasst und mit "Negativ" gibt sich die Band mit einem Augenzwinkern ihrer pessimistischen Grundhaltung hin, ein wenig wie bei "Mal Ehrlich" nur mit etwas soliderer musikalischer Grundlage. Durch die überdurchschnittliche Songlänge ist "Schlaflieder" damit dann nach 9 bzw. 11 Songs auch schon gut ausgefüllt. Ich muss sagen, dass ich ziemlich beeindruckt bin. Es kommt nicht oft vor, dass so ein fast durchgängig ruhiges Album mir so ein breites Lächeln auf's Gesicht zaubert. Die ersten Anlaufschwierigkeiten wundern mich im Nachhinein nicht, denn rein musikalisch ist das meiste hier softer als ich es gewohnt bin. Das braucht bei mir immer ein bisschen. Dafür wurde "Schlaflieder" mit jedem Mal hören für mich besser und hat sich auch heute noch nicht abgenutzt. Trotzdem ist es ähnlich wie "Heimwege" kein Album, welches ich mir immer gut am Stück geben kann, dafür ist es mir dann doch zu düster - schwer. Kleinere Makel finden sich tatsächlich nur in recht seltenen Momenten, die nicht ganz meinen Geschmack treffen und natürlich bleibt diesmal die Abwechslung etwas auf der Strecke - dafür gibt's 'nen stabilen roten Faden und manchmal kann man eben nicht beides haben. Unterm Strich bleibt "Schlaflieder" aber nach wie vor ein sehr gutes Album. [Review lesen]

28.06.2020 20:40 - Ewigheim, Sun Of The Sleepless: 24/7 (2014)

9.0 / 10
Drei Jahre sollten vergehen bis Ewigheim nach dem 2013'er "Nachruf" mit "Schlaflieder" ihr nächstes reguläres Album raushauen. Das heißt aber nicht, dass die Thüringer bis dahin unproduktiv waren. Immerhin stand 2014 das 15 - jährige Bandjubiläum an und da will man natürlich nicht mit leeren Händen dastehen. Zur Feier des Tages wurde den Fans mit "24/7" nochmal etwas musikalischer Schwermut für zwischendurch mit auf den Weg gegeben. Jetzt stellt sich gleich mal die Frage, was diese CD mit dem neuen Bandlogo und der eher ungewöhnlichen Farbgebung auf dem Cover, in der neben schwarz und Weiß auch Orange vorkommen darf, eigentlich sein soll. Auf dem Sticker ist vom Album zum 15. Jubiläum der Band zu lesen. Ein Album ist "24/7" aber sicher nicht. Aber auch für eine EP ist es zu umfangreich. Am ehesten haben wir hier wohl eine Compilation. Warum bin ich da so pingelig? Ich meine, solange die Musik darauf geil klingt, ist es doch scheißegal, zu welcher Kategorie dieser schöne Tonträger zählt, oder? "Naja…" würde ich jetzt sagen - einige Fans wären vielleicht etwas weniger enttäuscht gewesen, wenn man ihnen kein vollwertiges Album beworben hätte, sondern wenn von Anfang an klar gewesen wäre, worauf der unbedachte Ewigheim Hörer sich hier einlässt, denn an sich halte ich "24/7" für weit besser als seinen Ruf. Was bekommen wir den jetzt genau für unser hart verdientes Geld? Wir hätten da auf der Tracklist: 5 komplett neue Songs, eine alternative Version eines bekannten Songs, 4 Remixes, ein Cover eines Ewigheim - Songs von einer anderen Band und 2 Videoclips. Definitiv nicht übel, wenn man offen für (wie auch immer geartete) Aufbereitung von bekanntem Material ist und nicht nur ausschließlich neue Songs erwartet. Eigentlich sogar eine ziemlich gute Mischung aus alt und neu. Man hätte auch ganz einfach ein reines Remixalbum raushauen können und wäre damit sicher auch durchgekommen. Mühe hat man sich also schon gemacht. Jetzt ist natürlich die Frage offen, wie das neue Material denn so klingt. Ich meine, man kann ja auch einfach 5 Songs, die für die bisherigen Alben nicht gut genug waren, draufrotzen und der Fisch ist geputzt. Das ist hier zum Glück nicht passiert. Ich bin sogar fast schon schockiert wie verdammt gut die 5 Stücke geworden sind, die hier mal so ganz nebenbei auf dieser Compilation veröffentlicht wurden. Das geht schon direkt mit "Tanz Um Dein Leben" los, welches nicht nur thematisch an das großartige "Der Tanz Der Motten" anknüpft, sondern auch musikalisch wieder zutiefst tanzbar und melancholisch zugleich ist. "Nicht Mehr" dreht das Tempo ordentlich hoch. Ein Song, der Tempo und Härte vor allem durch elektronische Elemente schafft ist eine spannende Idee, die hier absolut klasse umgesetzt wurde. Und sobald man das Gefühl hat, dass der Song gut nach vorne geht, wird das Tempo nochmal gesteigert. Etwas gefälliger wird es dann mit "24/7" - ja, der Song klingt für Ewigheim Verhältnisse schon sehr nett und angenehm. Trotzdem nervt mich dieser Ohrwurm nicht - auch nicht nach häufigem Hören. Ich denke das liegt daran, dass hier sämtliche Instrumente neben dem goldigen Gesang von Konstanz ihren Platz haben und auch wunderbar zur Geltung kommen. Selbst die Gitarren klingen hier angenehm kernig, ohne dass sie die Grundatmosphäre des Songs versauen - überhaupt ein Problem, welches man im Vergleich zu dem mir in dieser Hinsicht zu zahmen "Nachruf" auf "24/7" offenbar gut gelöst hat. Aber auch Fans von epischen Songs, mit leichten Klassikelementen kommen dank "Wir, Der Teufel & Ich" nicht zu kurz. Sehr ordentliche und abwechslungsreiche Nummer, die sich zum Beispiel auch vor "Der Prophet" auf "Heimwege" nicht verstecken muss. Vielleicht geht "Wir, Der Teufel & Ich" zwar nicht ganz so weit und hat auch keinen Operngesang, aber dafür auch ausschließlich Momente, die technisch sauber umgesetzt sind und musikalisch in's Schwarze treffen. Mit "Gloria" wird noch eine wirklich beeindruckende Hymne draufgelegt, die stilistisch ganz gut alle bisherigen Songs miteinander verbindet und diesen Part von "24 /7" perfekt abschließt. Wenn diese 5 Songs so als EP veröffentlicht worden wären, hätte ich nicht anders gekonnt als 10/10 Punkte zu geben, denn bis jetzt gibt es gar nichts auszusetzen. 5 neue, qualitativ extrem hochwertige Songs, die sich musikalisch auch noch ziemlich stark voneinander unterscheiden. Da war jemand sehr kreativ und auf so eine Compilation wie "24/7",auf der es nicht unbedingt einen musikalischen roten Faden braucht passen sie natürlich wie übermäßiger Zigarettenkonsum zu Texteschreiber Yantit. Leichte Schwächen offenbaren sich erst beim restlichen Material, aber wer hofft, dass ich jetzt verbal über alles andere drüberpisse, dürfte wohl auch enttäuscht werden. Ich sagte ja leichte Schwächen. Am meisten tut es mir wahrscheinlich um die verpasste Chance leid, einen älteren Song musikalisch nochmal etwas zu modifizieren. Die Möglichkeiten wären ja fast unendlich und Potential wäre auch noch dagewesen. Überlegt mal: ganz alte Songs von "Mord Nicht Ohne Grund", die man technisch abrunden könnte, das eine oder andere Stück von "Heimwege", das Konstanz nochmal neu einsingt, damit die Vocals besser rüberkommen oder auch sehr gerne was von "Nachruf", was gitarrenmäßig nochmal aufgemotzt wird, um endlich etwas mehr Punch zu bekommen. Stattdessen entscheidet man sich für "Schneemann 2.1" - ein Song, der vorher schon absolut perfekt so war wie er war und auf der "Dürrer Mann" EP eine ziemliche Exklusivstellung hatte, die durch die Wiederveröffentlichung nun verloren geht. Es kam wie es kommen musste: mit den leicht veränderten Gitarren und dem präsenteren Schlagzeug klingt der Song zwar immer noch gut aber jetzt eben minimal schlechter als das Original. Dann doch lieber der Laibach Remix von "Heimweg". Eine ungewöhnliche Wahl - hätte nicht gedacht, von so einem ruhigen Song mal einen Remix zu hören. Obwohl er in dieser Fassung deutlich konzentrierter und auf den Punkt gebracht präsentiert wird haben wir es hier aber immer noch mit einer Ballade und keinem Clubhit zu tun. Laibach haben aber gute Arbeit geleistet. Nachdem ich mich erst einmal an diese Version gewöhnen musste, bin ich sogar einigermaßen begeistert. Das Original war mir teilweise etwas zu speziell - den Remix dagegen kann ich mir gut und gerne immer mal wieder geben. Ebenfalls eine etwas seltsam anmutende Entscheidung ist es Sun Of The Sleepless "Der Tanz Der Motten" Covern zu lassen. Ich hatte vorher von der Band noch nie etwas gehört aber es klingt ziemlich nach Ambient Black Metal mit etwas Doom - Einschlag. Tja und die lassen wir jetzt mal das melodisch - rockige "Der Tanz Der Motten" covern. Da ich das Original sehr liebe habe ich mir ernsthafte Gedanken um meine Ohren bei der Idee gemacht und eigentlich damit gerechnet wie ein angespisster Fanboy zu schimpfen wie man diesen schönen Song nur so vergewaltigen kann. Aber nein: musikalisch ist man durch das langsame Tempo und die düsteren Vocals so weit vom Original entfernt, dass man es auch als ganz neue Kreation betrachten kann, die mit dem Original nicht mehr viel zu tun hat, aber stilistisch gleichzeitig wieder super auf eine Ewigheim CD passt. Wirklich gefreut habe ich mich auch auf den Soko Friedhof Remix von "Die Augen Zu". Wer hätte gedacht, dass sich diese beiden großartigen Projekte mal zusammen tun? Und dann auch noch einer der besten "Nachruf" - Songs! Alles in allem ist die Nummer sehr elektronisch, qualitativ hochwertig und musikalisch überraschend dezent geworden. Nicht schlecht, aber ich komme nicht drum herum mich zu fragen wie geil es geworden wäre, wenn wir es hier mit einem Cover zu tun gehabt hätten und David A. Line die Vocals selbst eingesungen hätte. Das wurde immerhin 6 Jahre später mit "Leiche Zur See" nachgeholt und hat auch klasse funktioniert. Das hier ist zwar auch durchaus nett, aber so beißt sich die Stimme von Konstanz ein bisschen zu sehr mit der Musik. Der Neue Weltordnung Remix von "Morgenrot" ist ebenfalls nett. Viel mehr kann ich dazu gar nicht sagen. Eine eher gemütliche Alternative zum Original. Kann ich gut anhören. Exklusiv für die 2000 Besitzer der Digipack - Version gibt es noch den Bluter Remix von "Nachruf". Seltsame Wahl für einen exklusiven Track, aber okay. An der Grundstruktur des Songs wurde wenig verändert, aber dafür wurden die Gitarren hochgedreht und das ganze mit zusätzlichen Beats ausgestattet. Klingt simpel, da mir "Nachruf" als Album aber genau in diesen Belangen etwas zu fad war hat man hier ziemlich einfach sehr gute Arbeit geleistet und den Song für mich gut aufgewertet - sehr nett. Als nette Beilage gibt es noch zwei Videoclips zu "Dürrer Mann" und "Heimweg" die soweit ich weiß neu gedreht wurden - im Falle von "Heimweg" also 10 Jahre nach dem eigentlichen Song. Alles recht minimalistisch aber doch ganz ansprechend, auch wenn mir Musikvideos eigentlich recht egal sind. So, damit wären wir fertig, eine 6 Jahre alte Compilation einer kleinen Gothic Metal Band bis in's kleinste Detail auseinander zu nehmen. "24/7" hat sich dabei sehr gut geschlagen. Bis auf ein paar kleine konkrete Verbesserungsvorschläge, die ich da hätte bin ich doch sehr positiv überrascht. Man hat hier nicht mal eben zwischen zwei Alben Kohle angreifen wollen, sondern wirklich heißes Material geliefert. Die 5 neuen Songs sind durch die Bank klasse und selbst die Remixes (die ja immer sehr Geschmackssache sind) wirken alles andere als billig. Größtenteils sind das schon sehr eigenständige Werke, die sich stark vom Original unterscheiden und die Handschrift des jeweiligen Künstlers tragen. Für komplette Ewigheim - Neulinge ist das vielleicht nicht gerade die Best Of, mit der man die Sammlung idealerweise starten sollte, aber Fans dürften damit wenig falsch machen. Ich bin jedenfalls immer wieder für eine Runde zu haben. [Review lesen]

19.06.2020 17:49 - Ewigheim: Nachruf (2013)

7.5 / 10
Nach ihrem Comeback "Bereue Nichts" waren Ewigheim offenbar gut in Fahrt, denn gerade einmal gut 1 Jahr später ging's mit "Nachruf" gleich weiter. Pünktlich zum Nikolaus 2013 stand das Ding in den Regalen und die Erwartungen waren auf meiner Seite natürlich groß, nachdem der Vorgänger so ziemlich alles richtig gemacht hat, was man nur richtig machen konnte. Die Grundvoraussetzungen sind jedenfalls schonmal gut: am Sound und Stil der Band wurde diesmal verhältnismäßig wenig verändert - man merkt, dass das Projekt mit "Bereue Nichts" endlich seine Ausrichtung gefunden hat. Trotzdem schreibe ich "verhältnismäßig" - also so im Vergleich zu den unterschieden zu und zwischen den älteren Alben. Denn ein zweites "Bereue Nichts" ist es dann doch nicht geworden. Hier und dort wurde dann doch an der einen oder anderen Schraube gedreht, um etwas frischen Wind in die Welt von Blut, Kot, Blumen und Sonnenschein zu bekommen. Auch wenn am festen Lineup der Thüringer nichts verändert wurde, sind die jetzt wieder Gastmusiker am Start, darunter Frau N. Feind (was für ein Wortspiel) an der Violine und hey: "Blutkehle" M. Roth darf im Bonustrack mitsingen. Ansonsten fällt vor allem auf, dass die Härte wieder etwas herunter gedreht wurde. Auch wenn nach wie vor in jeden Song Gitarrenriffs ihren Platz finden, treten sie diesmal etwas dezenter auf und machen öfter mal Platz für ausgiebigen Keyboardeinsatz. Das in Kombination mit leicht gedrosseltem Tempo und den üblich melancholischen Texten verleiht "Nachruf" wieder eine etwas dunklere und melancholischere Atmosphäre - im Gegensatz zum eher rock- und metallastigen "Bereue Nichts". Das dürfte denen, die es nicht ganz so hart mögen und auf langsame Balladen bestehen ganz gut gefallen, bringt aber auch das eine oder andere Problem mit sich. Ziemlich ungewohnt: zum ersten Mal gibt es gar kein Intro. Stattdessen geht es direkt los mit dem ersten Song "Zwischen Menschen" - für mich ein etwas unglücklicher Start. Der Song geht halt sehr schnell zur Sache: schon in unter einer halben Minute der erste Refrain. Leute, gebt mir doch erstmal Zeit zum Aufwärmen! Auch so kann mich "Zwischen Menschen" nicht so ganz überzeugen. Unter 3 Minuten ist dafür zu kurz - zumindest, wenn man mehrere Strophen, ein Gitarrensolo und eine ruhige Keyboardpassage einbauen will. So kann nichts so richtig seine Wirkung entfalten und alles wirkt etwas lieblos und unfertig. Könnte ich mir zum Beispiel irgendwo als unreleased Track auf einer Compilation vorstellen oder aber nicht so direkt als Intro. Dafür haben wir mit "Die Augen Zu" gleich danach eine totsichere Nummer am Start. Warum totsicher? Weil man damit einfach so gut wie nichts falsch machen kann. Wenn ihr das Album gerade ganz neu für euch entdeckt, dann dürfte die Chance recht hoch sein, dass "Die Augen Zu" einer von zwei Songs sein dürfte, die zuerst hängen bleiben. Bei dem gefälligen Midtempo und dem eingängigen Refrain auch kein Wunder und das meine ich gar nicht abwertend, denn originell genug ist es ja und nutzt sich auch nicht so schnell ab. Stellt euch einfach eine rundum gelungene NDH - Hymne vor. "Am Meer" geht dagegen in eine ganz andere Richtung und lässt sich ein wenig mit "Stahl Trifft Kopf" auf dem Vorgängeralbum vergleichen. Also weder musikalisch noch inhaltlich, aber einfach was die Funktion auf dem jeweiligen Album angeht. Ihr werdet es wahrscheinlich ein paar mal hören müssen, bis es bei diesem gut 5 Minuten langen und etwas schwerfälligen Wälzer so richtig klickt (zumindest war das bei mir so). Danach konnte ich allerdings einige sehr nette Details schätzen lernen: zum Beispiel wie gut Gitarre und Keyboard zwischendurch harmonieren oder eine sehr ruhige Stelle, in der erstere ganz Pause macht und uns nur das Keyboard mit ganz dezentem Schlagzeugeinsatz verwöhnt. Das ist cool, allerdings fehlt mir mir am Ende doch das gleiche Payoff, dass ein "Stahl Trifft Kopf" oder "Der Letzte Mensch" noch bieten konnten. Während die beiden nämlich wirklich episch daherkamen, plätschert "Am Meer" doch so an einem vorbei. Da ist mir persönlich dann klarer Doom Metal doch etwas lieber. "Heimweh" schafft es dagegen mich auch in knapp 3 Minuten zu verzaubern. Das Tempo ist gut, der Text angenehm skurril und vor allem klingt es nach nichts, was man in der Form schonmal gehört hat. "Ein Nachruf" wäre dann das zweite eher einsteigerfreundliche Stück. Auch hier empfängt euch direkt ein gefälliges Keyboard und der Refrain ist absolut mitsingbar. Kein Wunder, dass "Ein Nachruf" und "Die Augen Zu" sich auch länger im Liveset halten konnten. Auch hier habe ich nichts einzuwenden - einfach nur ein sauber umgesetztes Ding, das gut in's Ohr geht. "Himmelfahrt" und "Falsches Herz" offenbaren dann aber gleich ein weiteres Problem von "Nachruf". Beide Songs sind ziemlich straight forward, etwas schneller und versuchen ein wenig mehr Gas zu geben, was aber nicht so richtig gelingen mag. Während "Staubfrei", Morgenrot" oder "Schmutzengel" wirklich guten Metal auffahren konnten und ein paar nötige Höhepunkte an Härte gesetzt haben, fehlt es den beiden Kandidaten hier eindeutig an Nachdruck. Das merkt man unter anderem daran, dass man auch hier ganz hartnäckig das Keyboard in den Vordergrund stellt, anstatt einfach mal die Gitarren mehr glänzen zu lassen. Auch Allen B. Konstanz ist mir mit seinen Vocals vor allem bei "Falsches Herz" eindeutig zu zahm. Das Ergebnis kann sich am Ende zwar immer noch hören lassen, geht aber im Vergleich zu den Songs mit mehr Ecken und Kanten für mich etwas unter - Schade. Wirklich schwierig wird es dann aber bei "Liebes Lied" - eine knapp 5 Minuten langen Ballade, die sehr auf leise Töne setzt. An sich ist das keine schlechte Idee, aber mit dem Konzept von "Nachruf" scheint das Ganze kaum noch kompatibel zu sein. "Heimwege" schien fast schon auf Balladen spezialisiert zu sein und in diesen Momenten am besten zu funktionieren und selbst "Bereue Nichts" hätte da mit "Was Bleibt…" einen ganz eigenen Ansatz, indem im richtigen Moment schwermütige aber gleichzeitig wichtige Riffs ausgepackt wurden. "Liebes Lied" ist dagegen für mich nichts ganzes und nichts halbes. Nichts ist hier wirklich kraftvoll oder vermag irgendwo Eindruck hinterlassen. Es klingt bestenfalls noch nach einem Song, den Rammstein damals für "Rosenrot" geschrieben haben, der allerdings damals nicht den Qualitätsstandards der Berliner genügt hat. "Glück Im Unglück" ist dagegen wieder eine sehr solide Nummer, die alles ganz gut kombiniert, was Ewigheim so ausmacht. Und "Wenn Es Am Schönsten Ist" ist endlich wieder etwas mutiger. Das Teil ist so auf die Fresse kitschig, geht damit aber gleichzeitig so angenehm schwarzhumorig um, dass die Thüringer damit davon kommen. Ich mag's jedenfalls sehr. Der Bonustrack für alle Digipack - Besitzer dürfte die Fans wieder ein wenig spalten, da es hier viel Blutkehle und damit entsprechend viel gutturalen Gesang gibt. Für mich aber einer der absoluten Höhepunkte auf "Nachruf". Im Vergleich zu "Mord Nicht Ohne Grund", auf dem M. Roth schonmal mitwirken durfte ist auch eine sehr deutliche Entwicklung rauszuhören. Es klingt jetzt nicht mehr wie ein absoluter Kulturschock für Ewigheim - Fans und der Übergang zwischen Gothic Metal und Dark Metal ist hier erstaunlich gut gelungen - wohl auch, weil Konstanz und Roth sich hier diesmal ein echtes Duett liefern. Dafür lohnt sich der Kauf der limitierten Version allemal. Unterm Strich ist "Nachruf" ein gutes Album geworden, aber leider kein geniales, welches mit "Bereue Nichts" mithalten kann. Der ganz eigene Stil von Ewigheim ist hier immer noch vorhanden, gefällt mir gut, bietet aber auch genug Weiterentwicklung für die kurze Zeit seit dem letzten Release. Auch gibt es hier einige Highlights in der gesamten Diskographie von Ewigheim. Denn wenn "Nachruf" mal funktioniert, dann funktioniert es wirklich gut. Trotzdem scheint der eine oder andere Song sein volles Potential nicht so recht entfalten zu können und leider wird's zwischendurch sogar auch mal langweilig. Es wirkt fast so als wollten die Thüringer diesmal auf Nummer sicher gehen und es allen recht machen. Größtenteils ist das wohl auch ganz gut gelungen und man hört raus, dass die Jungs mittlerweile ein sehr eingespieltes Team sind, aber etwas mehr Wumms oder mutige Ideen wären hier wohl das gewesen, was ein echt gutes zu einem großartigen Album macht. Empfehlen kann ich's trotzdem und missen möchte ich es auch nicht mehr. [Review lesen]

07.06.2020 10:32 - Ewigheim: Bereue Nichts (2012)

9.5 / 10
Nach gut 8 Jahren Pause liefern uns Ewigheim endlich doch noch ihr make it or break it - Album "Bereue Nichts" und legen hier Tatsächlich einen wichtigen Wendepunkt in der Bandgeschichte hin. Endlich haben sie ihren Stil gefunden, den sie so auch ungefähr bis heute spielen werden. Neben Yantit und Allen B. Konstanz ist jetzt auch erstmalig Lead Gitarrist Schwadorf an Board, was das Projekt gleich mal etwas Gitarrenlastiger macht. Überhaupt soll ab jetzt etwas mehr Metal durchdringen, das Tempo wieder etwas weiter anziehen und eine klarere musikalische Linie gefahren werden. Damit war und ist sicherlich nicht jeder begeistert und ich kann mir gut vorstellen, dass gerade Anhänger des Albums "Heimwege" die ganze Entwicklung als Rückschritt betrachten - kein aufwändiges Streicherensemble mehr, keine ultrasoften Balladen ohne Schlagzeug und Gitarre mehr und etwas weniger Variation zwischen den Song im Vergleich zu den ersten beiden Alben. Das ist zwar soweit alles richtig, aber ich würde dem entgegen halten, dass Ewigheim dafür jetzt einen Stil gefunden haben, den sie wirklich können und sich damit auch etwas weniger Schwankungen in der Qualität der einzelnen Songs ergibt. Und endlich sowas wie eine klare musikalische Identität zu haben, anstatt wild mit allen möglichen Genres zu experimentieren ist vielleicht auch ganz nice. Und natürlich muss man ganz klar sagen: "Bereue Nichts" ist immer noch ein sehr abwechslungsreiches Album. Eine Sache, welche die neueren Ewigheim Alben eh ganz gut hinbekommen fällt mir auf "Bereue Nichts" allerdings nochmal ganz besonders auf - eine gute Mischung aus Songs, die sofort zu fesseln wissen und solchen, die ein paar Hördurchläufe brauchen. Das klingt banal, aber ohne eingängigere Songs wie "Morgenrot" oder "Dürrer Mann" wäre es ein etwas zähes Unterfangen, sich mit dem Album anzufreunden (was am Ende auch dazu geführt hat, dass ich ziemlich lange nicht so ganz an "Heimwege" drangekommen bin). Auf der anderen Seite sorgen komplexere Songs wie "Stahl Trifft Kopf" oder "Der letzte Mensch" dafür, dass das Album auch nach zehn Mal hören noch neue Songs zu bieten hat, die man nach und nach so langsam schätzen lernt. Eingeleitet wird "Bereue Nichts" mit einer Mischung aus Intro und Titelsong. "Heimkehr / Bereue Nichts" ist tatsächlich ein etwas merkwürdiges Gebilde, in welchem Konstanz zuerst ca. 1 ½ Minuten eine fast a capella Nummer hinlegt, bevor dann die Instrumente einsetzen und der eigentliche Song beginnt. Dabei sind beide Teile so übergangslos miteinander verbunden, dass es Sinn macht, sie zu einem Song zusammen zu legen. Überhaupt ist der ganze Aufbau recht spannend, da wir hier eine ganze Menge zu hören bekommen. Zuerst das Intro, welches ein ganz klein wenig an das "Vorspiel" aus "Heimwege" erinnert - nur deutlich besser umgesetzt und selbstbewusster von Konstanz vorgetragen. Danach geht es eingängig im Midtempo weiter, bis es plötzlich richtig langsam wird, Konstanz zum Sprechgesang übergeht, wieder ein catchy Refrain kommt und schließlich in einen Schlusspart übergeht, der nochmal komplett anders als der Rest des Stückes klingt. Wichtig hierbei ist, dass trotzdem alles gut miteinander harmoniert, der Song weder sperrig noch überladen klingt und auch die einzelnen Parts sich hören lassen können. So ein Songwriting muss man auch erstmal hinbekommen. Deutlich direkter geht dagegen "Staubfrei" zur Sache. Das Tempo ist durchweg ordentlich, die Gitarren fetzen und Konstanz gibt auch bei den Vocals ordentlich Gas. Wahrscheinlich zu viel Metal für alle, die Ewigheim eher ruhig mögen - ich find's natürlich geil. Vom Tempo her ist "Stahl Trifft Kopf" dann das komplette Gegenteil davon. Jetzt sind wir eindeutig im Doom Metal angekommen und wie bei vielen Doom Metal Songs wird "Stahl Trifft Kopf" mit jedem Mal hören besser. Am Anfang war es tatsächlich etwas Arbeit sich diesen 6.22 Minuten Klopper mit seinen schleppenden Gitarren zu geben aber mittlerweile ist es für mich nicht nur ein absolutes Highlight auf "Bereue Nichts" sondern in der gesamten Diskographie von Ewigheim. Wenn ihr das durchgehalten habt, werdet ihr dafür dann auch gleich mit dem deutlich zugänglicheren "Morgenrot" empfangen. Die Keyboards und der gemütliche Refrain sorgen dafür, dass hier alles sofort hängen bleibt. Gerade aber in den Strophen geht Konstanz sowohl textlich als gesanglich ganz schön zur Sache und ist zwischendurch kurz vorm Growlen, womit er bei mir direkt Bonuspunkte sammelt. Das anschließende "Schatten" zeigt dann, dass Ewigheim auch kurze Songs können. Trotz gerade mal ca. 2 Minuten Laufzeit haut der Song ziemlich rein und hey: manchmal ist nach einer Strophe und einem Refrain nunmal schon alles gesagt. "Schmutzengel" kommt dagegen wieder etwas konventioneller daher und setzt ähnlich wie "Morgenrot" auf Kontraste zwischen härteren und melodischeren Parts, wobei hier im Gegensatz zum "Morgenrot" eher mal die Strophen melodisch sind und im Refrain ordentlich losgeheizt wird, wozu vor allem auch die Backroundshouts ihren Beitrag leisten. Wenn bis jetzt auf "Bereue Nichts" gefehlt hat, dann wohl die ruhige Ballade. "Was Bleibt…" versucht diese Lücke zu füllen, macht das aber auf eine doch recht andere Art als etwa "Mondtier" oder "Odem". Streichinstrumente sind hier weit und breit nicht zu hören und auch ohne ordentliche Gitarrenriffs geht es hier einfach nicht. Trotzdem hält sich "Was Bleibt…" zunächst erst einmal zurück, lässt Konstanz anfangs nur mit Keyboard begleitet singen, bevor der Song sich langsam an Intensität steigert bis wir irgendwann bei den schweren Gitarren im Refrain sind. Kombiniert das mit dem düsteren Text und wir haben eine 1A melancholische Nummer, die aber eben immer noch eindeutig im Metal angesiedelt ist. "Dürrer Mann" kennen wir schon durch die gleichnamige EP. Ähnlich wie "Morgenrot" durch seine Keyboards sehr melodisch, gut tanzbar und eine prima Möglichkeit, beim ersten Mal hören direkt einen Ohrwurm zu haben. Ganz anders dagegen "Der letzte Mensch", welches definitiv Zeit und mehrere Anläufe braucht. Wenn man sich allerdings drauf einlässt, bekommt man eine wahrlich epische Nummer, die sich wirklich Zeit lässt, langsam an Intensität aufzubauen und dann ordentlich reinhaut. Damit wäre "Bereue Nichts" offiziell zuende, allerdings gibt es noch ein wenig Bonusmaterial. Zuerst hätten wir da einen Hidden Track, der ein musikalisch begleiteter Zusammenschnitt aus den Monologen des Protagonisten des Films "Menschenfeind" von Gaspar Noé darstellt. Das klingt ziemlich random gelingt aber erstaunlich gut. Ich persönlich fand den Film nie besonders spannend oder erkenntnisreich, aber in dieser Zusammenstellung gelingt es Ewigheim eine ordentlich bedrückende Stimmung daraus zu erzeugen. Eigentlich das perfekte Outro. Für alle Besitzer der limitierten Digipack Version gibt es allerdings als Abschluss das keyboardlastige "Mal Ehrlich", auf dem die Band so richtig schön ihrem Zynismus frönt. Definitiv gut genug, um sich die limitierte Version zu kaufen und als Bonustrack auch passend, aber im Vergleich zur düster - schweren "Der Letzte Mensch" / Hidden Track - Kombination ganz hinten auf dem Album nicht gut aufgehoben. Wenn ihr euch das so am Stück anhört geht das jedenfalls mal gar nicht. Ansonsten habe ich aber große Probleme auch nur irgendetwas zu finden, worüber ich bei "Bereue Nichts" meckern kann. Einfach jeder Song trifft meinen Geschmack, das Album macht auch 8 Jahre später noch Spaß und endlich ist die ganze Nummer mal eine wirklich runde Sache inkl. musikalischen roten Faden, der das Album zusammenhält. Jedem, der mit Ewigheim noch nicht so sehr vertraut ist würde ich genau dieses Album als Einstieg in die Welt von Blut, Kot, Blumen und Sonnenschein empfehlen. [Review lesen]

23.05.2020 19:57 - Ewigheim: Dürrer Mann (2012)

9.5 / 10
Als Ewigheim nach "Heimwege" ganze 8 Jahre nichts mehr von sich haben hören lassen, war ich mehr oder weniger überzeugt davon, dass sich das Projekt in die Reihe der Eisregen - Sideprojects einfügen wird, die mal 1-2 Alben spendiert bekommen haben und dann doch recht schnell vergessen wurden und wir nichts neues mehr von der Blut, Kot, Blumen und Sonnenschein - Fraktion mehr bekommen werden. Da ich nicht regelmäßig Musikmagazine lese und auch die totgeglaubte Band nicht weiter verfolgt habe, kann man sich vielleicht meine Überraschung vorstellen, als ich auf einem Festival an einem Stand schon halb angetrunken durch die CDs gewühlt habe. "Ah ja, Ewigheim: "Mord Nicht Ohne Grund"... "Heimwege"... "Dürrer Mann"... was?!". Nein, ich hatte nicht all die Jahre irgendeine extrem seltene EP übersehen, sondern Ewigheim waren definitiv zurück und einen Monat später sollte darauf auch gleich ein neues Album folgen. Welche bessere Werbung könnte es dafür geben, als schon mal eine EP vorweg zu veröffentlichen? Was beinhaltet die "Dürrer Mann" EP? Den Song "Dürrer Mann", des (damals) kommenden Albums "Bereue Nichts", eine alternative Version dieses Songs, ein exklusives Intro zu diesem Song und ein komplett neuer und exklusiver Song. Das ist für eine EP (als welche sie nunmal beworben wird) nicht wahnsinnig viel und wäre für mich eher eine umfangreiche Single, aber zumindest jeder Song scheint hier seinen Platz zu haben und eine halbwegs sinnvolle Rolle einzunehmen, also ist das schon okay. Bei "Mord Nicht Ohne Grund" habe ich mich ja ein wenig an den gesprochenen Intros zu den Songs gestört und dabei ganz vergessen, dass sie nicht ganz zu 100% nur auf dem Debüt vorkommen. "Satan" ist quasi das Intro zu "Dürrer Mann". Hier muss ich allerdings sagen, dass es mir sehr gut passt. In gut 30 Sekunden wird die Stimmung des Songs gut eingefangen und dieser sowohl musikalisch als auch inhaltlich auf das nötigste runtergebrochen. Die Tatsache, dass es als Extra Track ausgelagert wurde ist auch ein Plus, obwohl ich "Dürrer Mann" tatsächlich bevorzugt mit dem Intro "Satan" höre. So richtig los geht's aber natürlich mit "Dürrer Mann" - hier mit dem verheißungsvollen Zusatz "edit" hinter dem Namen. Ich bin ganz ehrlich: Ich habe keine Ahnung, inwieweit sich diese Version von der Album Version unterscheidet, außer dass sie wohl 4 Sekunden weniger Laufzeit hat. Die Wahl des Songs für die EP erscheint mir dagegen echt sinnvoll. Im Vergleich zu "Heimwege" gibt sich "Bereue Nichts" ja wieder etwas schneller, metallastiger und zugänglicher und "Dürrer Mann" spiegelt das sehr gut wieder. Könnte auf dem Album sogar der tanzbarste und eingängigste Song sein. Alleine die Melodie bleibt schon sehr schnell hängen. Die Musik bildet hier wieder eher einen Kontrast zum doch recht deprimierenden Text, womit eine große Stärke von Ewigheim genutzt wird. Und obwohl das ganze fast schon poppig klingt, kann ich es mir auch öfter anhören, ohne dass es anfängt zu nerven. Zum direkten Vergleich gibt es danach gleich den Bluter Remix von "Dürrer Mann". Die basics bleiben so erhalten, während an 1-2 Schrauben gedreht wird: alles ein bisschen minimalistischer, etwas elektronischer, experimenteller und ganz wichtig: eine kurze Gastpassage der Blutkehle, die so dezent platziert wurde, dass sie kaum auffällt. Das alles lässt den Song fast schon nach Ewigheim aus den frühen 2000'ern klingen. Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich zwar das Original bevorzugen, aber als nette Zugabe nehme ich es sehr gerne mit. Zum Schluss hätten wir noch "Schneemann" und bei Ewigheim dürfte wohl jedem klar sein, um welche Art von "Schnee" es hier geht. Das Ergebnis ist ein ruhiger, verträumter Song, der ziemlich nach deutscher Härte klingt und bei dem Konstanz passend dazu mehr als je zuvor nach Till Lindemann klingt. Das dem Song für mich aber nichts aus - ich bin großer Fan und würde alleine dafür die EP wärmstens empfehlen. Nach gut 12 Minuten sind wir dann auch schon durch mit dem dürren Mann und ich kann bin heute immer noch so begeistert wie damals. Guter Song als Konzept? Check! Interessantes Exklusivmaterial? Check! Macht die EP Bock auf das Album und gibt ungefähr das wieder, was ihr auf "Bereue Nichts" erwartet könnt? Check! Und die wichtigste Frage: klingt alles geil? Check! Ich müsste jetzt also die Lupe auspacken um ein paar Fehler zu finden. Wenn ich das mache, dann könnte man sich daran stören, dass 2 vollwertige Songs, ein Intro und ein Remix für eine EP etwas mager (oder dürr, höhö) sind. Auch ist der Bluter Remix jetzt nicht das absolute Nonplusultra. Ich mag ihn, aber bei nur 4 Tracks fallen kleine Makel bei einem Track genug in's Gewicht, um nicht absolute Höchstwertung zu geben. Aber genug gemeckert. Wenn ihr Ewigheim mögt, braucht ihr definitiv "Dürrer Mann", wenn ihr die ersten beiden Alben habt und wissen wollt, wie es mit der Band weitergeht, braucht ihr definitiv diese "Dürrer Mann". Selbst wenn ihr keinen Plan von Ewigheim habt und mal ganz unverbindlich reinhören wollt, ist "Dürrer Mann" nicht die schlechteste Idee für den Anfang, sollte die EP doch einen ganz guten Einblick in das geben, was das Projekt so kann. Das in gut 12 Minuten ist natürlich auch irgendwo eine Leistung. [Review lesen]

21.05.2020 19:43 - Ewigheim: Heimwege (2003)

7.0 / 10
Ewigheim haben mit "Mord Nicht Ohne Grund" ein ganz gutes, aber doch auch etwas ausbaufähiges Debüt hingelegt. Nach gerade einmal zwei Jahren sollte dann schon mit "Heimwege" die Fortsetzung folgen und für gut acht Jahre das letzte Album bleiben. Nun sind Ewigheim nach wie vor eine durchaus abwechslungsreiche Band, doch während sie seit ihrem Comeback 2012 auf einen recht konsistenten Stil setzen, klingen die ersten beiden Alben… anders. "Mord Nicht Ohne Grund" war ziemlich experimentell, bunt zusammengewürfelt und roh. "Heimwege" ist dagegen das mit Abstand ruhigste Album der Band. Und ja: das hat mich tatsächlich abgeschreckt und dazu geführt, dass ich lange Zeit nur einzelne Songs ausgiebig gehört habe, während ich dem Album als Gesamtwerk kaum eine Chance gegeben und mir stattdessen lieber immer wieder das neuere Material gegeben habe, wenn es mal Ewigheim sein sollte. Dabei gibt sich das Album nach außen doch recht selbstbewusst: der Sticker, der auf dem Digipack klebt, sagt mir "Featuring Members of: Eisregen and The Vision Bleak… erinnern die Songs zuweilen an ruhigere Rammstein - Stücke oder warten mit einem (Gothic -) Doom - Einschlag der Marke Type O Negative auf.". Na das nenne ich mal Namedroping! Außerdem haben wir laut Booklet neben Eisregens Theresa "2T" Trenks an der Geige noch ein ganzes fucking Streichensemble unter der Leitung von Allen B. Konstanz am Start. Und als ob das noch nicht genug wäre, gibt's auf Wunsch diesmal sogar eine zweite Bonus - CD. Am Ende dürfen wir zwar beruhigt feststellen, dass wir es hier nicht mit einem Rammstein - oder Type O Negative - Ripoff zu tun haben, sondern sich die Band weiterhin ihren eigenen Stil bewahrt hat. Auf der anderen Seite gibt man sich hier sowohl musikalisch als auch textlich anspruchsvoller als mir das auf allen anderen Ewigheim Alben aufgefallen ist - manchmal auch mehr als es dem Album gut tun würde. Ruhige Songs, Balladen, eine düstere und nachdenkliche Grundstimmung: alles nichts ungewöhnliches bei Sänger Allen B. Konstanz und Texter Yantit. Allerdings nimmt das hier wirklich schon extreme Ausmaße an. Die ganz ruhigen Stücke sind hier keine Ausnahme, sondern durchaus häufig vertreten und Gitarre und Schlagzeug werden dafür deutlich mehr geschont als sonst. Auch textlich macht sich das bemerkbar. Vor allem der schwarze Humor und die teils recht grotesk dargestellten Situationen des Vorgängers aber auch der neueren Alben fehlen hier fast komplett. Dafür sind die Texte düsterer und melancholischer denn je. Manche mögen "Heimwege" genau dafür. Allerdings ist es so natürlich auch gerne mal recht schwere Kost, die einen ganz gut runterziehen kann. Beispielhaft dafür ist schon das dezente "Vorspiel", welches das Album ganz ruhig einleitet - anders als der merkwürdige "Einlauf" des Vorgängers. So richtig los geht's dann aber mit "Das Rad Der Käfer" und wahrscheinlich auch dem Grund, warum irgendjemand darauf gekommen ist, Ewigheim mit Type O Negative zu vergleichen. Alles läuft hier sehr langsam. Die Gitarren klingen fast schon doomig, die Vocals eher hypnotisch. Ganz dezent mischen sich auch gleich die ersten Streichinstrumente zusammen mit dem Keyboard in den Hintergrund. Für mich persönlich ist das "ganz gut". Ich kann hier wirklich nichts finden, was ich objektiv bemängeln könnte und ich kann auch grundsätzlich mit diesem Tempo etwas anfangen, aber um es mir wirklich oft und gerne anzuhören ist es mir zu monoton. Ganz anders sieht es mit "Der Tanz Der Motten" aus. Meine Güte - Ich liebe "Der Tanz Der Motten". Von den Gitarren her sehr rockig geraten ist es ein absoluter Ohrwurm, der trotzdem nie nervt und textlich für mich als gelungene Metapher genau on Point. Einer dieser Songs, die irgendwie nie alt werden. Wirklich schräg wird es dann mit "Mondtier" - einer von mehreren Songs, die komplett ohne Gitarre auskommen. Stattdessen geben die Synthesizer und die traurige Violine dem Song einen sehr eigenwilligen Touch. Ewigheim haben sich hier jedenfalls sehr weit aus ihrer musikalischen Comfort Zone gewagt. Ich habe hier fast schon das Gefühl Element Of Crime zu hören. Davon abgesehen eignet sich der Song perfekt dazu, innerhalb kürzester Zeit deprimiert zu werden, falls das als etwas positives zu werten ist. "Leib Im Laub" hebt weder die Stimmung noch das Tempo, aber zumindest erinnert die Gitarren daran, dass wir es doch noch mit einem Gothic Metal Album zu tun haben. Diese angenehm schweren und schleppenden Gitarrenriffs sind auch gleichzeitig das, was den sonst etwas eintönigen Song rettet und ihm sowas wie ein Alleinstellungsmerkmal gibt. "Humus Humanus" ist wahrscheinlich der Song, der am ehesten nach klassischem Ewigheim klingt. Schön melodisch und eine fröhliche beschwingte Atmosphäre mit fröhlichem Text, der von Bienen, Blumen und Natur handelt: erwachsen aus einer verwesenden menschlichen Leiche - genau mein Humor. (-: Wirklich ambitioniert gibt sich dann "Der Prophet". Hier wird versucht Metal mit klassischer Musik zu mischen. Auch wenn Bands wie Fleshgod Apocalypse das mittlerweile etwas spannender inszenieren können, bin ich zum größten Teil doch ziemlich beeindruckt vom Ergebnis. Dafür, dass Ewigheim vor allem damals nur ein recht kleines Sideproject war klingt das doch alles ziemlich episch. Auch der Gesang von Konstanz in den Strophen, der zwischendurch ein bisschen nach Dennis Mikus von Eisheilig klingt, ist mal was neues. Zu viel des Guten wird es mir erst gegen Ende. Die Passage mit dem Operngesang würde noch irgendwie klargehen, aber wenn zum Schluss Konstanz dann selbst versucht das Ding in dem Stil zuende zu bringen: Nope, dafür geben seine Gesangskünste nicht genug Variation her, auch nicht mit Unterstützung vom Heldentenor an seiner Seite. Wie könnte man dieses Album jetzt perfekt abschließen? Mit einer sehr langsam, langen und traurigen Hardcore - Ballade? Warum nicht gleich mit zwei davon? "Odem" treibt dieses Konzept besonders weit und hätte eigentlich besser ganz an das Ende gepasst. Hier haben wir als Instrumentale Begleitung lediglich Piano und Violine, was den Gesang ganz gut hervor hebt. Ganz gelungen, aber mal wieder einmal eher schwere Kost. Der Abschluss "Heimweg" ist nicht unbedingt leichter und fröhlicher, aber musikalisch etwas breiter aufgestellt. Mit 6.35 Minuten aber für mich persönlich zu lang. Dafür ist nicht genug Grundlage da, um mein Interesse die ganze Zeit bei dem Song zu lassen. Da "Heimwege" als einziges Ewigheim Album eine Bonus CD hat, sind wir hier aber noch nicht fertig. Für Fans des Vorgängers dürften die 4 Bonus Tracks interessant sein, denn sie heben sich doch sehr vom Hauptalbum ab und fahren genau die experimentelle Schiene, die zuvor "Mord Nicht Ohne Grund" gefahren ist. "Im Leib Der Wahrheit" konzentriert sich zum Beispiel wieder sehr auf elektronische Elemente und hat wie schon die Songs auf "Mord Nicht Ohne Grund" zu leise Vocals. Ganz nette Auflockerung und auf der "B-Seite" mehr als okay, aber kein Song, der lange in Erinnerung bleibt. Ganz im Gegensatz zu "Der Bauer Im Ruin" mit seinem ganz leichten Country Touch. Das ist nicht nur sehr innovativ, sondern bringt auch einen der mitsingbarsten Refrains von Ewigheim mit, den man sich vorstellen kann - echt klasse. "Nur Meine Liebe Zählt" klingt dagegen fast gar nicht mehr nach Ewigheim - besteht es doch so gut wie nur aus ein paar treibenden Beats und ein paar Samples. Definitiv nicht das, was ich erwarten würde, wenn ich mir Ewigheim anmache, aber auf der Bonus CD gut aufgehoben. Wer Lust auf skurrile Texte und wilde Experimente bei den Vocals hat und vielleicht auch den Hidden Track auf "Mord Nicht Ohne Grund" mochte, kommt mit "Wenn Schweine Fliegen" nochmal auf seine Kosten. Die Bonus CD bietet vielleicht quantitativ nicht viel, aber ist doch ein sehr sinnvolles Extra für alle, die mal ein wenig Abwechslung vom eigentlichen Album brauchen und die letzte Gelegenheit für Fans erster Stunde nochmal die ganz klassische Urform von Ewigheim zu hören. "Heimwege" als Gesamtkunstwerk hat sich für mich dann doch besser geschlagen, als ich es in Erinnerung hatte. Ich habe es wirklich etwas zu Unrecht so lange vernachlässigt. Es ist definitiv weniger eintönig als ich dachte und so mancher Song sticht doch sehr positiv heraus. Auch wirkt es im Vergleich zum Vorgänger abgerundeter und technisch ausgereifter. Man muss die Jungs auch für ihren Mut loben, so sehr auf ihr Streichensemble und ruhige Balladen zu setzen und damit vielleicht dem einen oder anderen, der hier mehr Metal erwartet, vor den Kopf zu stoßen. Trotzdem kommt mir "Heimwege" manchmal etwas zu hochtrabend daher und wird den eigenen Ansprüchen nicht immer gerecht. Ja: die Texte sind interessanter und tiefgründiger als vieles im deutschsprachigen Metal und bieten definitiv mehr als das meiste im NDH Bereich, sind aber auch nicht gerade hochintellektuell oder eignen sich, um stundenlang darüber zu philosophieren. Und klar: musikalisch ist "Heimwege" recht innovativ, aber auch nicht gerade hochkomplexer Progressive Metal. Am Ende des Tages bin ich ganz froh, dass Ewigheim ihren Sound noch einmal geändert und auf etwas zugänglichere Alben gesetzt haben, auch wenn ich für diese Meinung von Fans des Albums sicherlich mit Tomaten beworfen werde. Das heißt nicht, dass ich "Heimwege" nicht mag. Im Gegenteil: an manchen Stellen ist es großartig. Allerdings muss ich auch wirklich in Stimmung für genau die doch recht spezielle Atmosphäre dieses Albums sein. Außer "Der Tanz Der Motten", "Humus Hunanus" und evtl. "Der Prophet" eignet sich hier recht wenig für eine Ewigheim - Playlist. Am Stück hört es sich besser. Allerdings kann ich es mir auch nicht besonders oft in kurzer Zeit am Stück geben. So bleibt es natürlich irgendwo etwas ganz besonderes und ich bin froh, dass es "Heimwege" gibt. Ein zweites Album in dem Stil hätte ich aber auch gar nicht gebraucht. Was bleibt ist eine Steigerung zu "Mord Nicht Ohne Grund" und immer noch etwas Luft nach oben. [Review lesen]

08.05.2020 21:17 - Ewigheim: Mord Nicht Ohne Grund (2002)

6.5 / 10
Blut, Kot, Blumen und Sonnenschein: beste Zusammenfassung für die eigene Musik, die ein Künstler so geben kann, oder? Eine Beschreibung, bei der man fast schon zwangsläufig Bock drauf bekommen bekommen muss, mal rein zu hören, was Ewigheim so zu bieten haben. Die einzelnen Mitglieder von Eisregen haben ja wirklich zahlreiche Nebenprojekte auf die Beine gestellt - Eisblut, Transilvanian Beat Club und Marienbad sind nur ein paar davon, von kleinen Black Metal Projekten wie Panzerkreutz mal ganz abgesehen. Aber während die meisten Nebenprojekte es gerade mal auf 1-2 Alben bringen, ist Ewigheim mit seinen 6 Alben und mehreren EPs wesentlich produktiver. 1999 haben sich Yantit von Eisregen und Allen B. Konstanz von The Vision Bleak zusammengetan und bilden bis heute die Stammbesetzung, bei der Yantit die Texte schreibt und Allen sie vorträgt. Stilistisch ist das dann irgendwo zwischen Gothic Metal und deutsche Härte einzuordnen. Während zum Beispiel Eisblut den Fokus eher auf Deathmetal und viel Gewalt in den Texten setzen, darf bei Ewigheim eher melancholische Stimmung aufkommen. Heutzutage sind die Jungs natürlich ein eingespieltes Team, das seinen Stil gefunden hat. Aber 2002 bei ihrem Debüt "Mord Nicht Ohne Grund" klang das noch ganz anders. Hier wurde ziemlich munter mit allen möglichen Einflüssen experimentiert und die Nähe zu Eisregen ist auch noch deutlich hörbar - schon alleine durch die Gastparts der Blutkehle und von Theresa Trenks. Auch elektronische Einflüsse waren noch deutlich hörbarer und alles wirkt sehr bunt zusammengesetzt. Ist das schlecht? Nicht unbedingt. So viel Abwechslung wie hier, findet ihr wahrscheinlich auf keinem anderen Ewigheim Album und die eine oder andere recht mutige und abgefahre Kreation gibt es hier auch zu bewundern. Dabei ist die Tracklist mit sieben Songs, einem Intro und einem Hidden Track recht überschaubar. Aber da hier wirklich kaum ein Song wie der zweite klingt, ist das irgendwie in Sachen Inhalt schon okay so. Eingeleitet wird "Mord Nicht Ohne Grund" mit dem Intro "Einlauf". Das ist so ein bisschen das wonach es klingt und hat dadurch keinen wirklichen musikalischen Mehrwert - naja, außer ihr könnt den Geräuschen, wie sich jemand 'nen Einlauf verpasst etwas abgewinnen. Der erste Songs, der diese Bezeichnung verdient "Ein Böser Scherz" startet dann wieder mit einem derart harten Übergang, dass sich mir der Sinn des Intros nicht wirklich erschließt. Ansonsten haben wir hier von allem, was das Album ausmacht ein wenig. Eingängige Gitarren, dezenter elektronischer Klang, makaberer Text, die ruhige Stimme von Allen B. Konstanz und keine allzu großen Experimente. Dadurch wahrscheinlich auch der Song, der am ehesten noch auf späteren Alben nicht so sehr auffallen würde. Gleichzeitig aber auch eine tolle Einstiegsdroge: wenn euch "Ein Böser Scherz" gefällt, dann wahrscheinlich auch der Rest vom Album. Etwas, was mir das ganze Album aufgefallen ist, aber hier besonders prägnant auftritt sind die etwas zu leise abgemischten Vocals in den Strophen. "Kinderwald" drosselt dann das Tempo ein Stück, setzt etwas mehr auf Keyboards und ist mir persönlich eindeutig zu monoton. Ich kann verstehen, warum manche Leute das mögen, aber mich langweilt dieser Song jedes Mal. Ab dem nächsten Song "Rückgrat" wird auf einmal ein neues Feature eingeführt, welches die ersten beiden Songs nicht hatten: vor jedem Song gibt Allen eine kleine gesprochene Einführung immer so um die 30 Sekunden. Beim ersten und zweiten Mal hören klingt das nach einer echt coolen Idee, aber glaubt mir: das wird sehr schnell lästig, wenn man einfach nur den Song hören will. Clever wäre es vielleicht gewesen, den gesprochenen Text an das Ende des vorherigen Songs zu setzen, so wie das üblicherweise mit den Ansagen auf Livealben gehandhabt wird. So bin ich dann doch ganz froh, dass man die Idee auf späteren Alben nicht mehr aufgegriffen hat. Oh, und auch hier haben wir das Problem, dass die Stimme ganz klar zu leise ist. Der Song "Rückgrat" an sich ist dafür großartig. Erstaunlich hart für Ewigheim - Verhältnisse. Gerade im Refrain klingt Allen so angepisst wie sonst eigentlich nie. "Leiche Zur See" wählt dagegen wieder einen ganz anderen Ansatz und ist eine angenehm zynisch - melancholische Halbballade, die wunderbar durch Theresa Trenks Violine abgerundet wird. Auch live eine klasse Erfahrung. "Dein Zweck" könnte so mit die experimentellste Nummer auf dem Album sein. Laaanges Intro, die Gitarren auf ein Minimum zurückgefahren und der Gesang in den Strophen mehr geflüstert als gesungen um dann recht unvermittelt im Refrain wieder die volle Palette aufzufahren. Irgendwie nichts, was man sich mal nebenbei als Ohrwurm geben kann, aber immer mal wieder ein interessantes Hörerlebnis. Beim Titelsong "Mord Nicht Ohne Grund" wird dann voll auf Rückendeckung von Eisregen gesetzt - mit Theresa an der Violine und Blutkehle M. Roth bei den Vocals. Das hätte man so auch auf ein Eisregen - Album bringen können und es wäre nicht aufgefallen. Hier sticht es dagegen ziemlich hervor. Der Song an sich ist etwas durchwachsen. Ein paar Stellen inklusive Refrain finde ich etwas langweilig, aber wenn nach traurig - melodischem Beginn auf einmal die Gitarren kicken und die Blutkehle losgrowlt, dann ist das ein verdammt geiler Moment. Zum Schluss wird es mit "Ewigheim" nochmal richtig elektronisch. Für Leute wie mich, die kein Problem damit haben, zu ihrem Metal einen ordentlich tanzbaren Beat serviert zu bekommen aber natürlich überhaupt kein Problem. Klingt alles ziemlich experimentell, fehlt mir in der Form aber auch ein wenig auf späteren Alben. Wer etwas geduldig ist, bekommt am Ende noch einen unbekannten Hidden Track, welcher nochmal wesentlich abgefahrener klingt - sehr obskur, aber nicht schlecht und als Hidden Track auch am sinnvollsten platziert. Ich erspare mir mal die Mühe zu versuchen, das Gehörte zu beschreiben - zieht's euch selbst rein. Eine finale Bewertung für "Mord Nicht Ohne Grund" zu geben ist gar nicht so einfach. Wenn es gut ist, dann ist es verdammt gut und einige Stellen sind verdammt nochmal genial. Auch einzelne Songs wie "Leiche Zur See", "Ewigheim" oder "Rückgrat" sind klasse. Trotz der ganzen Jahre und Alben, die mittlerweile vergangen sind ist der Erstling auch ganz gut gealtert. Gleichzeitig nutzt er sich auch relativ schnell ab. Oft am Stück kann ich mir das Album kaum anhören und selbst von den guten Songs habe ich nach ein paar Durchläufen erstmal genug. Dazu kommen wirklich einige Ungereimtheiten wie die spoken Intros, den "Einlauf" oder recht öden Songs wie "Kinderwald". Rein objektiv bewertet ist die ganze Nummer gerade im Vergleich zu dem, was später noch so von Ewigheim kam wohl nicht so gut. Subjektiv betrachtet mag ich's aber trotzdem und kann es irgendwo zwischen mittelmäßig und gut einordnen. [Review lesen]

23.04.2020 08:08 - :Wumpscut:: Bunkertor 7 (1995)

9.0 / 10
Die alten :Wumpscut: Alben sind ja so eine Wissenschaft für sich. Alleine schon die Frage danach, was überhaupt zu den alten Alben zählt. Ich habe jetzt schon öfter gelesen, dass "Bunkertor 7" von einigen Fans gar nicht mehr als eines der Alben mit ganz ursprünglichem :Wumpscut: Sound betrachtet wird. Echt? Für mich war das eigentlich immer einer der :Wumpscut:-Klassiker schlechthin. Teilweise wird angemerkt oder auch kritisiert, dass es viel langsamer, leiser und weniger hart als beispielsweise ein "Music For A Slaughtering Tribe" sei. Naja, ich denke das ist Ansichtssache. Auch "Music For A Slaughtering Tribe" hatte eine gute Anzahl Songs, die weder durch Lärm noch durch Härte überzeugen. Hört euch einfach mal "The Day's Disdain" oder "My Life" an und urteilt selbst, ob deren Selling Point darin besteht, alles nieder zu reißen. Trotzdem muss man fairerweise sagen, dass sich schon etwas im Sound verändert hat, aber nicht erst mit "Bunkertor 7", sondern für mich schon ab den beiden EPs "Dried Blood" und "Gomorra". Wer die Dinger gehört hat, sollte eigentlich nicht vom Sound von "Bunkertor 7" überrascht sein. Wo genau liegt denn jetzt meiner Meinung nach der Unterschied zu den ganzen alten Sachen wie "Defcon" oder eben dem ersten richtigen Album "Music For A Slaughtering Tribe"? Insgesamt geht es auf "Bunkertor 7" etwas harmonischer zu. Alles ist melodischer und in Sachen Härte auch ausgeglichener. Das heißt zwar, dass es ganz krasse Lärmgranaten wie "Koslow" oder "Bleed" tatsächlich kaum noch gibt, aber eben auch weniger von dem minimalistischen Dark Ambient Kram wie "She's dead" oder "Float". Das macht die Sache schonmal definitiv besser anhöhrbar und auch für Neulinge, die eine Kostprobe von Classic :Wumpscut: haben wollen zum besseren Einstieg als "Music For A Slaughtering Tribe". Falls man sich dann tatsächlich dazu entschieden haben sollte, sich "Bunkertor 7" zuzulegen, stellt sich natürlich noch die Frage nach der Version, denn diese sind schon wie beim Vorgänger zahlreich. Es ist das erste Album, was in der bei späteren Alben sehr populären Box Version heraus kam - inklusive Shirt, Postkarten, Bonus LP mit alten Songs von "Defcon" und "Small Chambermusicians" und heute wahrscheinlich schwerer zu bekommen als Klopapier. Irgendwann gab es dann noch die Re-Sample Version, welche nochmal in Remix Form neu aufgelegt wurde. Wenn ihr aber am meisten "Bunkertor 7" für eure Kohle haben wollt, dann bietet sich vielleicht die 2011 erschienene Final Edition mit sowohl dem Original als auch der Re-Sample Version an. Da ich pragmatisch veranlagt bin und habe ich mich natürlich für letztere entschieden, welche übrigens in einem extragroßen Jewelcase kommt, damit man am Ende nicht weiß, wo man es sich hinstellen soll, da es so eigentlich immer in der Sammlung hervorsticht. So haben wir jetzt also ein Album und eine CD mit Remixes bzw. "Prestigious Remixes" wie es auf der CD heißt. Eigentlich fast das gleiche Konzept wie bei den neueren Alben mit Bonus CD, aber eben nur fast. Auf den neueren Alben sind die Remixes ja eher willkürlich gewählt, sodass es gerne mal zwei bis drei geeignete Songs gibt, welche die Grundlage für alle Remixes auf der Bonus CD stellen. Hier wurde dagegen jeder einzelne Song genau einmal neu abgemischt, was die Sache doch etwas spannender macht. Gehen wir doch diesmal zur Abwechslung nicht alles CD für CD, sondern Song für Song durch und schauen, wie sich original und Remix unterscheiden. Grundsätzlich machen die meisten Remixes die Songs eher tanzbar und schleifen einige Ecken und Kanten ab, was sich sowohl positiv als auch negativ auf die jeweiligen Stücke auswirken kann. Als Besonderheit gibt's diesmal sogar mit "Open Gate" ein eigenes Intro und mit "Close Gate" ein eigenes Outro, was man in der Form auf anderen :Wumpscut: Alben nicht zu hören bekommt, soweit ich mich jetzt richtig erinnere. Beides zwar für sich genommen nichts besonderes, aber gleichzeitig wird die Atmosphäre des Albums mit beiden Tracks ganz gut eingefangen und ist als Einführung bzw. Ausklang eine nette Spielerei. Hier wurde übrigens auch auf der Remix CD nichts verändert. Der erste "richtige" Song "Torn Skin" geht dann eher gemütlich los und: ja, das klingt seltsam für einen Song, welcher mit Schreien / Stöhnen beginnt und Lyrics wie "Give me your warm Skin, now wrap it around. You will get it back when your corpse is found." enthält. Wenn man davon aber mal absehen kann, dann hat es :Wumpscut: 1-Mann-Armee Rudy Ratzinger hier geschafft einen sehr harmonischen Song mit angenehmen ruhigem Akustiggitarrenintro und sehr weichen Synths zu erschaffen, dass nebenbei noch recht tanzbar geworden ist. Der Remix versucht es trotzdem noch etwas tanzbarer zu machen. Die elektronischen Elemente scheinen hier etwas dominanter und der Beat etwas mehr catchy. Am Ende mag ich beide Versionen sehr und obwohl sich beide hörbar unterscheiden, haben sie beide eine sehr ähnliche Wirkung auf mich. Bei "Dying Culture [2nd Movement]" wird es schon interessanter. Auf "Dried Blood" hatten wir ja schon den Vorgänger "Dying Culture [First Movement]". Im Prinzip ist es hier der gleiche Song aber auf Speed. Es geht deutlich mehr ab und er wurde an den richtigen Stellen aufgemotzt, sodass ich diese Version dem eh schon sehr nettem Original vorziehe. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie man da noch einen drauf setzen will, da wir ja hier quasi schon einen Remix haben. Zum Glück hat man nicht versucht, den Remix vom Remix noch extremer zu gestalten, sondern geht einen ganz anderen Weg und nimmt wieder deutlich Tempo raus. Stattdessen haben wir recht minimalistische Arrangements mit düsteren Pianoklängen im Hintergrund, die den perfekten Kontrast zu den harten Vocals und Samples bilden. Ich liebe es total in dieser Version. Mit "Bunkertor 7 [German Texture]" wird es dann wieder etwas schneller. Während Rudy heute munter zwischen deutschen und englischen Texten wechselt und zwischendurch auch mal ganze Alben auf deutsch veröffentlicht hat, war das damals noch eine Neuheit und ist hier auch der einzige Song mit deutschen Lyrics. Geschadet hat es jedenfalls nicht, immerhin haben wir einen absoluten Klassiker und Ohrwurm. Der Remix kann irgendwie nicht mehr viel neues beitragen. Ja, etwas tanzbarer und gefälliger klingt er durchaus und nachdem ich mich daran gewöhnt habe, dass jemand an diesem Klassiker rumgefummelt hat, kann ich mich auch drauf einlassen, aber ich bevorzuge doch das Original. Richtig schön brutal wird's dann mit "Mortal Highway". Hier bekommt man noch ganz gut das, was der eine oder andere vielleicht von "Music For A Slaughtering Tribe" vermissen mag: gepflegten und kompromisslosen Lärm vom feinsten. Diesen Song auf der richtigen Lautstärke laufen lassen und es ist komplett unmöglich, ruhig sitzen zu bleiben. Den Remix stellt diesmal nicht der Meister persönlich, sondern das Projekt Stillste Stund. Auch hier wird eher eine andere Richtung eingeschlagen als bei Original. Hier fehlen mir aber eindeutig die wuchtigen Klänge. Wenn man die mal weglässt wird ein kleines Problem, welches sogar einige Songs auf "Bunkertor 7" haben, recht deutlich. Musikalisch kann das Album einiges bieten, aber wenn wir wirklich nur bei den Texten und Vocals bleiben, haben wir gar nicht mal so viel Inhalt. Man verlässt sich hier schon sehr auf markante Hooklines und wenn man mal einen guten Teil der Musik runterschraubt wird's schnell stumpf und repetitiv. Bei "Corroded Breed" geht's mir ähnlich: das Original ist ein absoluter Klassiker, der in den richtigen Momenten schnell und hart daherkommt, aber im Hintergrund genug Spielereien bereit hält, um nicht langweilig zu werden. Der Haujobb Remix ist an sich nicht schlecht, aber auch hier stehen die Vocals viel zu sehr im Vordergrund, die gefühlt zusätzlich nochmal etwas krasser verzerrt wurden und jetzt doch etwas sehr nach Gejaule klingen. Auch hier war es natürlich von Anfang an schwierig, mit dem Original mitzuhalten. Vielleicht hat "Die In Winter" da mehr Remix Potenzial? Dieser Song, mit dem ich früher eher wenig anfangen konnte, ist mir im Laufe der Jahre doch ein wenig an's Herz gewachsen. Zumindest vom Tempo her, geht es fast schon gemütlich zu und Rudys Art, den Text wie ein Gedicht vorzutragen weiß ich mittlerweile mehr zu schätzen als früher, als ich einfach nur noch mehr Lärm wollte. Der :Wumpscut: Remix lässt dabei erstaunlich viel unverändert. Ich würde sogar sagen, dass der Eindruck und die Atmosphäre, die das Ding vermittelt 1:1 so bestehen bleiben. Alles klingt ein bisschen moderner, aber "Die In Winter" bleibt hier klar "Die In Winter". Mit "Bunkertor 7 [Reprised]" haben wir das erste Instrumental auf dem Album und streng genommen schon ein Remix zum eigentlichen "Bunkertor 7", auch wenn der eigentliche Song nur noch im Ansatz zu erkennen ist hinter den ganzen stampfenden Industrial Sounds. Ich habe mich damals sofort in das Teil verliebt und für eine schnelle Dosis Krach bin ich dafür auch heute noch jederzeit zu haben, zumal sich der Krach doch auch immer wieder sehr nett mit richtig ruhigen Passagen abwechselt. Falls ihr euch jetzt fragt, wie man das noch remixen soll - die Antwort lautet: gar nicht. Dieser Remix ist in als einziger Song in gar keiner Version auf der zweiten CD. Ebenfalls etwas langsamer kommt "Capital Punishment" daher und ähnlich wie "Die In Winter" sind die Lyrics hier eher mal als angenehme Ausnahme etwas interessanter als das meiste auf "Bunkertor 7". Trotzdem geht "Capital Punishment" für mich noch einige Schritte weiter als "Die In Winter", legt ab der zweiten Hälfte nochmal deutlich an Intensität zu und wird richtig kraftvoll, so dass selbst ich davon Gänsehaut bekomme. Der Remix schafft es tatsächlich, daraus eine tanzbare Clubnummer zu machen und dabei erstaunlich wenig von der ursprünglichen Atmosphäre einzubüßen. Keine Ahnung, ob das nötig war. Beeindruckend, dass es gelungen ist, ist es aber trotzdem. "Thorns" ist nach Ratzingers Aussage nur mal eben aus einer Laune heraus entstanden und zeigt, wie sehr der gute Rudy damals echt auf dem Höhepunkt seines Schaffens gewesen sein muss, wenn dann so etwas dabei herauskommt. Eigentlich wirklich nur ein recht simpel gestricktes Instrumental mit dezenten Synths und Akustiggitarren und trotzdem kann ich es mir immer wieder anhören. Das gruselige daran: der Remix, der die Gitarren noch etwas mehr in den Vordergrund rückt und ganze sechseinhalb Minuten geht, gefällt mir sogar noch besser. Ich will gar nicht wissen, wie oft ich beide Versionen schon in der Endlosschleife gehört und mich komplett in ihnen verloren habe. "Tell Me Why" ist der einzige Song vom Originalalbum mit dem ich bis heute wenig anfangen kann. Weder die komischen Flöten (?) Sounds, noch der ganze Aufbau an sich reißen mich so richtig mit und ich hätte überhaupt kein Problem damit gehabt, wenn das Album stattdessen mit "Thorns" geendet wäre. Der Remix kann es da eigentlich nur besser machen und was soll ich sagen? Genau das tut er. Jetzt ist das ganze eine wirklich ordentliche Industrialnummer, zu der ich im Club jederzeit meinen alten Hintern auf die Tanzfläche schwingen würde. Vielleicht sogar weniger originell als die Ursprungsversion, aber definitiv näher an meinem persönlichen Geschmack dran. Selbiger wird mit "Bunkertor 7" auch als Gesamtkunstwerk erstaunlich gut getroffen. Insgesamt eine sinnvolle Weiterentwicklung zu "Music For A Slaughtering Tribe" bzw. wurde das Niveau der überragenden EPs hier fast über ein ganzes Album aufrecht gehalten. Das ist schon eine Leistung in so kurzer Zeit so viel geiles Material raus zu hauen. Wirkliche Schwächen gibt es kaum. Mal der eine oder andere Song, der nicht so ganz zündet und an manchen Stellen vermisse ich sogar die primitive und brutale Wut eines "Music For A Slaughtering Tribe". Aber wenn wir auf der anderen Seite einen deutlich abgerundeteren Sound, eine viel höhere Trefferquote an guten Songs und nach wie vor mehrere echte Meisterwerke haben, geht das so total klar. Die Remix CD ist auch eine ziemliche Bereicherung. Wenn ich mich zwischen Original und Re-Sample Version entscheiden müsste, würde ich zwar das Original bevorzugen, aber wenn man schon beide Versionen am Stück haben kann, würde ich definitiv zu beiden CDs raten. Wenn ich mir ein eigenes "Bunkertor 7" aus der jeweils von mir bevorzugten Version zusammenstellen würde, dann wären wir schon sehr nah am perfekten Album dran. Falls jemand sich für :Wumpscut: interessieren sollte und nicht weiß, wo er einsteigen soll, würde ich zumindest für die klassischen Releases "Bunkertor 7" in genau dieser Version empfehlen - dazu vielleicht noch "Fuckit" in der 2-CD Version für die moderne Variante und ihr habt das perfekte Einsteigerset. [Review lesen]

23.03.2020 20:37 - Face Down: Will To Power, The (2005)

9.0 / 10
Ihr sucht noch einen Geheimtipp für ordentlichen aggressiven Thrash-/Deathmetal ohne viel Bullshit? Face Down könnte da Abhilfe schaffen. Während das Debüt "Mindfield" noch etwas langsam in die Gänge kam und auf Groove angehauchten Thrash à la Pantera setzte, ist den Schweden 1997 mit dem Nachfolger "The Twisted Rule The Wicked" ein absolutes Meisterwerk gelungen - geil ist da gar kein Ausdruck! Tja und das war's dann auch schon… vorerst. 2004 haben sich die Jungs dann neu gegründet, mit einer Demo zurückgemeldet und 2005 dann auch mit "The Will To Power" ein neues Album veröffentlicht. Tja und dann war's das auch schon fast wieder. 2008 gab's als letztes Lebenszeichen noch eine Split mit Remasculate (die ich eher so mittel fand) und 2011 war dann ganz schluss. War in der zweiten Phase die Luft raus? Nicht unbedingt. "The Will To Power" war damals das Album mit dem ich zu der Band gekommen bin und da ich mich dann sofort auf alles andere an Material gestürzt habe, kann es so scheiße nicht gewesen sein. Allerdings ist mir eine Sache damals entgangen: das Ding wurde auch in einer Version released, die mir die ganze Zeit so nicht bekannt war - eine DVD Box mit zwei zusätzlichen Songs von der 2004'er Demo, was ich jetzt kürzlich erst bemerkt habe. Holy Fuck! Natürlich habe ich direkt das einzige gemacht, was jeder vernünftige Mensch in der Situation machen würde, meine reguläre Version an einen anderen Metalhead weiter gegeben und mir besagte Special Edition geholt. Wollen wir mal schauen, wofür ich den Extraplatz im Regal jetzt eingetauscht habe: "This limited Edition includes not only the ultra brutal Album "The Will To Power", but also an extra special DVD with three live Songs from the best and largest Metal Festival of Scandinavia… Sweden Rock Festival 2005. You will also get a "behind the scene" Photo Shot Gallery. Two Bonus songs are also included on the CD." Wow! Okay, um ehrlich zu sein: die Livesongs und Fotogallerie gab's auch auf der Version, die ich vorher hatte. Aber dafür gibt's hier neben einem hübschen Booklet im Großformat noch einen Sticker und ein Poster. Aber scheiß drauf - eigentlich ging's mir nur um Vollständigkeit und die beiden Bonus Songs. Wo ich dem netten Text auf der Verpackung aber direkt recht gebe ist bei dem Prädikat "ultra brutal". Sänger Marco Aro scheint nach seiner Zeit bei The Haunted deutlich angepisster als vorher, die Gitarren klingen ordentlich knackig und die Härte wurde nochmal deutlich angezogen. Abwechslung ist zwar noch da und ganz selten gibt es mal etwas ruhigere Momente (also so für wenige Sekunden) ansonsten versucht die Band gar nicht erst die leisen Töne zu treffen. Stattdessen wird eher mit dem Monstertruck drüber gefahren. Trotzdem hat "The Will To Power" etwas, was "Think Twice" nicht mehr hatte - ein ordentliches Intro. Der erste Song "Drained" prescht nämlich nicht direkt drauf los, sondern baut nach und nach an Intensität auf. Nicht, dass hier unnötig Zeit verschwendet wird oder so, aber so wird das Album wirklich gut eingeleitet. Überhaupt kann "The Will To Power" eins verdammt gut: die Reihenfolge und Platzierung der Songs macht durchweg Sinn und die Übergänge sind großartig. Klingt nach Kleinscheißerei aber hört euch das Album mal am Stück an und achtet drauf. Wird oft unterschätzt. "Blood Tiles" schafft es sogar noch ein klein wenig mehr Härte aus der ganzen Nummer zu kitzeln und die Gitarren dreschen nur so auf einen ein, dass es eine wahre Freude ist. Für etwas mehr Abwechslung sorgt dann "Heroin" - sowohl textlich als musikalisch. Die hypnotische Melodie am Anfang und zwischendurch ist ein ziemliches Highlight, unerwartete Tempowechsel lassen hier nichts langweilig werden und Drogenkonsum dürfte ein einigermaßen frisches Thema für Face Down sein. Nicht zu vergessen Marco Aros Schrei nach ca. ⅔ des Songs. "Insanity" setzt dagegen auf altbewährtes und kann dementsprechend auch nicht viel falsch machen. Tempo ist recht weit vorne, Refrain einprägsam und alles in allem ist der Song hochgradig moshbar. Als nächstes hätte wir meinen Nummer 1 Song, wenn ich mal richtig angepisst bin - seit mittlerweile über 10 Jahren - nämlich "The Will To Power", welcher sich mit einem der am miesesten gelaunten Serienmörder ever, Carl Panzram, beschäftigt und sein Zitat "I wish you all had one neck and that I had my hands on it." mal eben zum Refrain macht. Musik und eingestreute Zitate gehen hier super Hand in Hand und ganz langsam klingt es mit Pianogeklimper aus, welches gleichzeitig das Intro für "Grey" ist - wie gesagt: klasse Übergänge. "Grey" beginnt dann sehr melancholisch wechselt aber geradeso noch in gutturalen Gesang bevor man sich wundern kann. Ziemlich coole Leistung, traurig melodische Elemente mit dem brutalen Sound der Band so gut und nahtlos unter einen Hut zu bringen. Die Lyrics, welche vor Trauer und Wut nur so strotzen, tun dazu ihr übriges. Mut "Heretic" hätten wir dagegen wieder etwas mehr Business as usual zu einem von Face Downs Lieblingsthemen - das Christentum. Musikalisch wird hier alles geboten, was "Insanity" auch schon auf dem Kasten hatte. Das ist okay, aber "The Delusion" bietet da zumindest ein wenig mehr Abwechslung mit seinem gesprochenen Intro und dem leicht abgehackten Gesang. Mit "War Hog" wird gegen Ende nochmal richtig aufgedreht - herrlich übertriebene Nummer, bei der Marco Aro sich komplett die Seele aus dem Leib schreit. Den Abschluss des regulären Albums bietet dann "The Unsung". Nichts experimentelles wie "One Eyed Man" auf "Mindfield" oder "With Unseeing Eyes" auf "The Twisted Rule The Wicked" aber doch mit deutlich langsameren Tempo als die restlichen Songs. Schöner Abschluss. Zum Schluss bleiben nur noch die beiden Bonus Songs "My Sacrifice" und "Strife", die neben "Heretic" auf der 2004'er Demo, an die ich nie dran gekommen bin, zu hören waren. Zumindest kann ich verstehen, dass man sich dafür entschieden hat "Heretic" auf das Album zu nehmen, da das ganz klar der ausgereifteste der drei Songs ist. Schlecht sind die anderen trotzdem beide nicht. Am ehesten mag ich noch "My Sacrifice" als gutes und kompromisslose Headbangmaterial ohne viel drum herum. "Strife" klingt dagegen ein klein wenig unfertig, aber trotzdem noch gut hörbar. Werfen wir zum Schluss noch einen Blick auf die DVD. Der Inhalt ist leider echt mager. Warum nur drei live Songs? Trotzdem weiß ich die Aufnahmen zu schätzen, denn so leicht findet man gar kein Livematerial der Jungs. Und was soll ich sagen: sie machen ihre Sache gut. Insgesamt geht der Sänger recht brutal zur Sache, was dazu führt, dass er bei der etwas schnelleren Nummer "Life Relentless" nicht jeden Ton trifft, aber dafür gibt er dem damals auf "Mindfield" noch etwas ruhigeren "Holy Rage" eine ganz andere Richtung - definitiv mehr Rage als Holy. Und hey: selbst "My Sacrifice" geht hier ziemlich gut nach vorne. Ein paar Kleinigkeiten passen vielleicht nicht ganz. Zum Beispiel klingen die Background Vocals echt beschissen - autsch. Und was ist mit dem Publikum los? Wo sind die Moshpits? Warum zerlegen sich die Leute nicht gegenseitig? Wenn ich die Chance gehabt hätte die Band mal live zu sehen würde ich nicht nur dastehen und ein wenig headbangen. Überhaupt wirkt der ganze Rahmen recht klein für "The best and largest Metal Festival of scandinavia", auch wenn sie das Ding jetzt sicher nicht geheadlined haben. Und die schwedischen Ansagen von Aro sind doch echt nett. Ansonsten gibt es zum Schluss nur noch eine Fotostrecke in der man die Band in irgendwelchen Sanddünen klettern und posieren sieht unterlegt mit einem endlos Loop von "Heroin" - okay. Gut, das Bonusmaterial holt jetzt nicht wahnsinnig viele Punkte raus. Das ist aber auch nicht unbedingt nötig, denn "The Will To Power" ist für sich genommen schon ein fantastisches Album. Face Down haben endlich die Härte und Power erreicht, die der Musik genau gerecht wird ohne, dass es stumpf und uninspiriert klingt wie auf "Think Twice". Die Songs wirken hier alle noch sehr durchdacht und haben hier und da ein paar auflockernde Elemente. Kein Song klingt hier nicht gut. Einziges Manko wäre für mich, dass im direkten Vergleich zum perfekten Vorgänger ein bisschen Abwechslung fehlt. Songs wie "Heretic", "Insanity" oder "Blood Tiles" sind für sich alle nett, leisten zusammen aber irgendwann kaum noch einen neuen Beitrag zum Gesamtkunstwerk. Trotzdem: wenn ihr härteren Metal mögt - hört euch den Scheiß unbedingt an! [Review lesen]

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