DarkForrest

DarkForrest
Registriert seit: 25.12.2008

Zum Verkauf 3 Eingetragen 48
Bewertungen: 158 Reviews: 158
Genres: Blues, Comedy, Country, Dark Wave/Gothic, Elektronische Musik, Hardcore, House, Hörspiel/Hörbuch, Jazz, Klassik, Metal, Musical, Pop, Punk, Rap/Hip Hop, Reggae, Rock, Schlager, Singer/Songwriter/Liedermacher, Ska, Sonstiges, Soul/R&B, Soundtrack, Volksmusik/Folklore, World Music
Bewertungsverteilung von DarkForrest
0.5 1 1.5 2 2.5 3 3.5 4 4.5 5 5.5 6 6.5 7 7.5 8 8.5 9 9.5 10
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3.0: 4.1666666666667% (1x)

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4.0: 29.166666666667% (7x)

4.5: 25% (6x)

5.0: 25% (6x)

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6.5: 58.333333333333% (14x)

7.0: 79.166666666667% (19x)

7.5: 54.166666666667% (13x)

8.0: 100% (24x)

8.5: 95.833333333333% (23x)

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9.5: 25% (6x)

10.0: 12.5% (3x)

Die letzten Bewertungen
7.0 für Soko Friedhof: Black Magic (2013) (04.12.2021 07:19)
5.0 für Soko Friedhof: Ghosts Of Berlin (2012) (20.11.2021 07:56)
8.0 für Fear Factory: Archetype (2004) (01.11.2021 09:23)
8.5 für Fear Factory: Hatefiles (2003) (21.10.2021 20:05)
6.5 für Fear Factory: Linchpin (2001) (12.10.2021 19:10)
6.0 für Fear Factory: Digimortal (2001) (01.10.2021 19:47)
5.0 für Fear Factory: Concrete (2002) (18.09.2021 14:47)
4.0 für Fear Factory: Cars (1999) (07.09.2021 13:00)
8.5 für Fear Factory: Obsolete (1998) (07.09.2021 11:59)
Insgesamt 158 Bewertungen vorhanden. Alle anzeigen
Die letzten Reviews

04.12.2021 07:19 - Soko Friedhof: Black Magic (2013)

7.0 / 10
2013 haben Soko Friedhof ihr 13. Album veröffentlicht und das einzig richtige getan, was wohl auch jeder in dieser Situation gemacht hätte: 13 Tracks drauf gepackt. Nachdem diese Formalität schonmal geklärt wäre, stellt sich die ebenfalls nicht ganz unwichtige Frage danach, was einen darauf wohl so inhaltlich erwarten wird. Zum damaligen Zeitpunkt wäre ja fast alles denkbar gewesen. Nachdem die Soko schon ein paar Alben lang etwas in's Straucheln geraten war und mit "Ghosts Of Berlin" zumindest bei einem guten Teil der Fans wieder etwas besser ankam, wäre es ja naheliegend genau dort anzuknüpfen. Aber wer weiß? Vielleicht wollte man ja doch der goldenen Zeit der mittleren 2000'er nachjagen und unbedingt nochmal einen Clubhit wie "Blutrünstiges Mädchen" am Start haben. Oder vielleicht doch schon wieder etwas ganz anderes und neues? Der schwarze Schlager auf "Ghosts Of Berlin" war ja auch einigermaßen unerwartet und wer Gothic mal eben mit Assi Hip Hop kreuzt, dem ist doch eigentlich alles zuzutrauen, oder? Ein Blick auf das Cover und in's Booklet lässt aber direkt ganz klar den offensichtlichen, ersten Weg vermuten. Wieder haben wir David A. Line und Maria Von Lilienstein, die ihren Gothic-Fummel recht unironisch tragen, englischen Texte, starke Betonung auf Vocals, viel Gruftikitsch und außer, dass David A. Line diesmal versucht sich einen Bart stehen zu lassen scheint sich eigentlich gar nichts geändert zu haben. Dieser Eindruck bestätigt sich beim Hören dann aber doch nur zum Teil. Ja, das Muster, bei dem Von Lilienstein gesanglich stark mit einbezogen wird, meistens einer der Sänger pro Song im Vordergrund steht und sich die beiden gerne mal abwechseln bleibt erhalten. Und auch diesmal findet man nicht viel von den Parodien auf die schwarze Szene, die viele mit Soko Friedhof verbinden. Das hat damals leider auch dazu geführt, dass ich fälschlicherweise davon ausgegangen bin, es hier mit einem zweiten Teil von "Ghosts Of Berlin" zu tun zu haben, der wenig Neues zu bieten hat, sodass ich dem Album lange Zeit nicht die Aufmerksamkeit gegeben habe, die es eigentlich verdient. Dabei gibt es ein paar kleine Unterschiede, die aber das Ergebnis ziemlich stark beeinflussen. Zuerst einmal haben wir es nicht mehr mit einem derart klaren Konzeptalbum zu tun. Gewisse Themen (Jesus, Wiedergeburt, Okkultismus) erstrecken sich zwar über mehrere Songs, aber diesmal steht jeder einzelne Track auch ganz gut für sich alleine. Und musikalisch hat sich mehr getan, als es auf den ersten Blick scheint. Auch wenn die Vocals immer noch gut im Vordergrund stehen, wurde diesmal die musikalische Begleitung nicht so sträflich vernachlässigt wie auf dem Vorgänger. Die Elektro-Parts erzeugen wieder mehr Druck, die Melodien sind nicht mehr so flach und Gitarren sind jetzt wesentlich öfter zu hören. Der schwarze Schlager tritt auf "Black Magic" deutlich in den Hintergrund und Spuren von Pop Musik gibt es kaum noch. Stattdessen sind Gothic und Darkwave wieder die dominanten Genres. Interessanterweise habe ich schon von Leuten gehört, dass sie "Black Magic" dadurch etwas schwerer zugänglich fanden als den Vorgänger. Bei mir war es genau anders herum: an den seichten Sound von "Ghosts Of Berlin" musste ich mich erstmal gewöhnen und selbst dann klang für mich alles so ähnlich, dass ich jetzt schon weiß, dass ich auch nach intensivem Hören in einem halben Jahr die Hälfte der Songs nicht mehr im Kopf haben werde. "Black Magic" ist da deutlich abwechslungsreicher und hat einen viel markanteren Sound, der mir schon nach 1-2 Durchläufen den einen oder anderen Ohrwurm beschert hat. Aber okay - jeder hat ein anderes Genre, in dem er sich heimisch fühlt und "Black Magic" liegt wohl wieder etwas mehr in meiner musikalischen Komfortzone. Bevor ich mir die Songs der Reihe nach anschaue, würde ich aber noch schnell die drei Tracks rausfischen, die für mich nicht als vollwertige Songs durchgehen. Ja: wenn wir streng sind, haben wir hier eher mal 10 Songs, die durch Intros und kurze Zwischenstücke ergänzt wurden, um auf die angestrebte 13 zu kommen. Das ist jetzt aber keine direkte Kritik, denn solche Tracks gehören ja schon lange zur guten alten Soko-Tradition. Als Intro haben wir "Rise Again" - ein atmosphärischer Track mit ein paar Sprachsamples, der ein bisschen die Spannung erhöhen soll. Kann man in der Form immer so machen und ist ja auch im Metal nicht ganz unpopulär, allerdings sollte es dann auch gut zum Song passen, den es einleitet und das klappt hier nicht so ganz. "Rise Again" klingt völlig okay, bis dann der Titeltrack einsetzt, es einen harten Cut gibt und "Rise Again" ganz schnell vergessen ist. Damit stört dieses Intro zwar nicht, würde von mir aber auch nicht vermisst werden, wenn es fehlt. So ähnlich sieht es mit "Mind Control" aus: für sich alleine genommen hat es wenig Wert und eine Verschnaufpause mitten im Album erscheint mir nicht wirklich nötig. Etwas mehr aus der Reihe fällt ein kurzer Track namens "Kinski" mit dem berühmten Ausraster von Klaus Kinski aus der "Jesus Christus Erlöser" Performance - ihr wisst schon: den mit "Nein, er hat nicht gesagt "halt die Schnauze!". Er hat eine Peitsche genommen UND HAT IHM IN DIE FRESSE GEHAUEN!!!!". Der musikalische Beitrag davon für das Album mag sicher begrenzt sein, da ich aber den Ausraster für absolutes Gold halte und jedes Mal grinsen muss, wenn ich ihn höre, kann ich leider nicht anders, als den" Kinski"-Track großartig zu finden. So, nachdem wir das aus dem Weg hätten, kommen wir zu den Songs, die diese Bezeichnung auch verdient haben. "Black Magic" gibt gleich einen guten Eindruck, worauf ihr euch auf dem Album gefasst machen könnt. Beide Sänger liefern sich ein nettes Duett, insgesamt haben wir es mit eher leichter Kost zu tun aber durch den fetten Beat im Hintergrund und dezent gesetzten ruhigen Piano-Parts hat das Ding musikalisch direkt mehr Substanz als der durchschnittliche Song auf "Ghosts Of Berlin" und blieb mir deswegen auch viel besser im Gedächtnis. "Cry For Me" geht sogar noch etwas weiter und ergründet mal ein wenig Gothrock-Terrain. Ziemlich intensive Nummer, bei der die Soko aber auch ganz schön an ihre Grenzen kommt. Vor allem von Liliensteins Vocals können da teilweise nicht ganz mithalten. Aber trotzdem: die Tatsache, dass der Gesang hier manchmal etwas sehr gepresst wirkt hat für mich weniger Gewicht als die Tatsache, dass "Cry For Me" erstaunlich innovativ daherkommt und sich alles in allem immer noch gut anhört lässt. "Der Teufel Verführt Die Welt" bringt uns dann ganz soliden aber wenig abwechslungsreichen Gesang von A. Line. Das ist aber okay, denn die Abwechslung entsteht hier erneut durch die Musik dahinter, bei welcher sogar ein gesprochenes Sample fest in die Melodie integriert wurde. Mit "Heart Of Mary" wird es wieder etwas gefühlvoller. Obwohl dieser Song eher minimalistisch als bombastisch daherkommt und wirklich alles andere als frei von Kitsch ist, bin ich sehr angetan - gerade die Keyboards unterstreichen die Vocals wunderbar. Ein wenig poppig darf es dann aber doch noch werden: "I Kill People (In My Mind)" ist derartig gefällig, dass euch schon nach kurzem reinhören ein hartnäckiger Ohrwurm erwartet. Wurde für mich nach ein paar mal Hören schnell lästig, aber in geringer Dosis fand ich es ganz nett. "Worship Me" konnte aber mehr Interesse bei mir wecken. Fast 6 Minuten lang entfaltet die Mischung aus tanzbaren Beats und Von Liliensteins Stimme eine ziemlich hypnotische Wirkung, die mich trotz ihrer Gleichförmigkeit über den gesamten Zeitraum fesseln kann - nicht schlecht. Im letzten Drittel beginnt "Black Magic" für mich leider ziemlich zu schwächeln. "Since You Been Gone" und "Blood Of Jesus" finde ich beide ziemlich generisch. Zweiteres hat wenigstens noch eine einigermaßen treibende Melodie, während "Since You Been Gone" tatsächlich einfach nur so daherplätschert, ohne bei mir einen bleiben Eindruck zu hinterlassen. "Everywhere Outside" lässt mich dann nochmal aufhorchen. Hier wird eine schön melancholische Stimmung erzeugt und der Kontrast zwischen den langsamen Strophen und dem etwas intensiveren Refrain geht sehr gut auf. Der letzte Track "Monster" sagt mir persönlich zwar nicht unbedingt zu, aber zumindest weckt er mein Interesse, da auch er musikalisch ein wenig hervorsticht. Mit seinen schrammeligen Gitarren, dem etwas chaotischen Aufbau und den recht speziellen scheinbar unmelodischen Vocals erinnert er mich eher an etwas von "Festival Der Geisteskranken" als einen Song, den ich hier erwarten würde. Während "Ghosts Of Berlin" sehr schwach angefangen hat und sich dann immerhin ein bisschen steigern konnte, geht "Black Magic" also gegen Ende die Puste aus. Trotzdem ist zweiteres für mich ganz klar der Sieger, wenn ich beide Alben vergleiche und ich muss sagen, dass ich wirklich angenehm überrascht bin. Das Konzept aus ersteren Songs und größtenteils englischen Texten, die von A. Line und von Lilienstein vorgetragen werden, wurde hier sehr sinnvoll weiterentwickelt. Diesmal haben wir zwar keinen harten Cut in der Musik und "Black Magic" fühlt sich immer noch an wie ein Nachfolger zu "Ghosts Of Berlin" aber gleichzeitig wurde doch an genug Stellen geschraubt, dass man direkt raushören kann, welcher Song von welchem Album stammt. Vor allem musikalisch wurde diesmal nicht nur eine viel solidere Grundlage, sondern auch mehr Abwechslung geschaffen. Ist "Black Magic" ein absoluter Klassiker, der mit den ganz Großen mithalten kann? So weit würde ich nicht unbedingt gehen. Langweilige Songs sind hier durchaus vorhanden und während mir das eine oder andere Stück gut gefallen hat, hat es noch nicht ganz für das ultimative Gänsehaut-Feeling gereicht. Aber die Soko ist hier auf einem guten Weg und hat zum ersten Mal seit vier Alben etwas veröffentlicht, was ich als gut bezeichnen würde. [Review lesen]

20.11.2021 07:56 - Soko Friedhof: Ghosts Of Berlin (2012)

5.0 / 10
Anfang der 2010'er befand sich Soko Friedhof in einer ordentlichen Identitätskrise. Nachdem David A. Line in einem Zustand geistiger Umnachtung auf die Idee gekommen ist, seinem Projekt eine gute Dosis Assi-Rap im Stil von Blokkmonsta oder K.I.Z. zu verpassen und sich damit nicht einmal, sondern gleich zweimal öffentlich in die Hose geschissen hat, sollte "Back To Schwarz Vol. 1" (wir warten übrigens immer noch auf Vol. 2) es wieder richten. Das Ergebnis war ein seltsames Werk, das nicht so richtig wusste, was es darstellen sollte und einfach mal wild alles zusammen gemischt hat, wofür Soko Friedhof irgendwann mal stand. Das ganze hat ungefähr so gut zusammen gepasst wie Nutella und Salami. Es war immerhin eine leichte Steigerung von absolutem Rotz zu unterdurchschnittlich, aber es war klar, dass A. Lines kleines Sideproject zu diesem Zeitpunkt schon deutlich bessere Zeiten gesehen hat. Dass die Soko auch in der heutigen Zeit noch was reißen und ein paar neue Ideen auf den Tisch bringen kann, hat man schließlich ab 2016 bewiesen, indem das Projekt wieder in den Untergrund ging und dort im sehr kleinen Stil CDs veröffentlicht wurden, die teilweise auch echt was getaugt haben. Doch bevor es dazu kam, sollte es noch eine Zeit geben, in der drei Alben auf ganz konventionelle Weise in recht kurzen Abständen unter's Volk gebracht wurden - quasi die letzten Alben, die man noch ganz normal auf eBay oder Amazon erwerben konnte. Ich habe mir die als braver Fanboy natürlich auch alle pünktlich gekauft, allerdings war zu diesem Zeitpunkt die Luft für mich schon derart raus, dass ich in jedes davon nur mal kurz reingehört habe, ohne mich wirklich näher damit zu beschäftigen, bis "Devil's Mark" 2016 wieder mein Interesse geweckt hat. Habe ich diesen drei Alben eine faire Chance gegeben? Nö! Deshalb hole ich das jetzt mal nach. Den Anfang macht das 2012 erschienene "Ghosts Of Berlin", welches die undankbare Aufgabe hat, nach dem völlig unstrukturierten "Back To Schwarz Vol. 1" die künftige Marschrichtung vorzugeben. Der Name hat mich dabei direkt mal aufhorchen lassen, da das Album genauso heißt wie ein Klassiker auf "Die Geschichte Eines Werwolfs". Und tatsächlich haben wir es hier mal wieder mit einem Konzeptalbum zu tun. Soko Friedhof "Erzählen Geschichten, die das urbane Leben schreibt, ein dunkles Großstadtmärchen." - wie wir vom Text auf der Homepage erfahren. Im Booklet sehen wir einen traurig dreinschauenden David A. Line, der seinen Gothic-Look gänzlich unironisch zu tragen scheint, ein Großteil der Songtitel ist englisch und tatsächlich: es wird diesmal auf schwarzen Schlager gesetzt. Alles in allem ist das ungewohnt schwere Kost, nachdem man mit Soko Friedhof über viele Alben hinweg eigentlich eine Parodie der schwarzen Szene verbunden hat und ein Album wie "Ghosts Of Berlin" vielleicht eher als Output der Untoten erwarten würde. Es spricht aber auch dafür wie orientierungslos man damals war, wenn man sich nach all dem herumexperimentieren ausgerechnet an einer Mischung aus dem alten "Die Geschichte Eines Werwolfs" und klassischem schwarzen Schlager orientieren möchte. Aber okay: zumindest innerhalb der Soko war diese Ausrichtung damals noch ziemlich frisch und unverbraucht. Damit das ganze auch ordentlich aufgezogen wird, hat A. Line sich diesmal Unterstützung von Maria Von Lilienstein geholt, die beim letzten Album schon auf dem Cover posieren durfte, aber hier zusätzlich noch einen guten Teil der Vocals stellen darf. Überhaupt steht die gesangliche Leistung hier stark im Vordergrund, während die Musik hier teilweise eher nur nettes Beiwerk ist. Samples aus Filmen gibt's Soko-typisch aber weiterhin recht viele, die in die Songs eingebaut wurden. Ganz grob gibt es da gleich ein paar Sachen, die positiv auffallen, aber auch welche, die direkt nerven. Ich freue mich zum Beispiel, dass A. Line endlich wieder weibliche Unterstützung bei den Vocals bekommen hat. Auch muss man sagen, dass beide gesanglich einen guten Job machen. Die beiden harmonieren sehr gut zusammen, haben jeweils eine recht variable Stimme und setzen diese hier auch voll und ganz ein. Auf der anderen Seite klingt die Musik dafür oft erstaunlich einfach, austauschbar und fast schon billig. Der Sound wurde hier diesmal extrem glatt gebügelt. Eine gewisse Faszination von "Die Geschichte Eines Werwolfs" ging für mich ja davon aus, dass die Songs zwar balladesk bis kitschig, aber trotzdem noch ein gutes Stück weit abgefuckt waren. Auf "Ghosts Of Berlin" sucht man Ecken und Kanten vergebens. Auch sind die Songs inhaltlich sehr simpel gestrickt. Beim Songwriting hat man hier sehr auf Wiederholung gesetzt, sodass man die selben Lines innerhalb eines Songs immer und immer wieder zu hören bekommt und nach einer Minute schon genau weiß, wie sich der Rest des Tracks anhören wird. Das führt immerhin dazu, dass die einzelnen Songs selbst dann gut zur Geltung kommen, wenn man nur mit einem Ohr hinhört und dass das Album insgesamt sehr leicht zugänglich ist. Gleichzeitig wirkt das Album dadurch erschreckend oberflächlich und wird ziemlich schnell langweilig, wenn man versucht es aktiv zu hören. Aber mal sehen, was die einzelnen Songs so taugen. "Und Ich Breite Meine Schwingen!" hat damals glaube ich entschieden dazu beigetragen, dass ich in das Album lediglich reingehört habe, da es direkt mal eine abschreckende Wirkung auf mich hatte. Bevor wir gleich mit einigen Balladen hintereinander konfrontiert werden, geht es hier nochmal etwas flotter zur Sache. Allerdings klingt hier alles so kitschig und poppig, dass mir schon fast die Lust auf den Rest des Albums vergeht. Immerhin: Von Liliensteins deutscher Refrain und A. Lines englische Strophen sind gut aufeinander abgestimmt und während in den meisten Songs auf "Ghosts Of Berlin" ein Protagonist klar im Vordergrund steht, werden die Vocals hier schön im Duett aufgeteilt. Das etwas träge "In My Age" kann meine Laune leider nur geringfügig steigern. Wenn ich es in drei Worten beschreiben müsste, würde ich sagen: langsam, monoton, repetitiv. Gerade A. Line wirkt hier so, als müsste er seine Stimmbänder erst einmal aufwärmen. Nett finde ich die Elektromusik, die sich sehr dezent in ihrer Intensität steigert und dann wieder abklingt. Sehr ähnlich könnte man "Little Girl" beschreiben, nur dass sich diesmal Von Lilienstein mit einer etwas monotonen Gesangsleistung aufwärmen muss. Erst mit "Is There Anyone At Home?" bekommen wir etwas Abwechslung. Die fast schon festliche Musik bildet einen schönen Kontrast zu A. Lines tiefen und dunklen Vocals und die Melodie setzt sich ziemlich schnell im Kopf fest. Mit knapp 5 ½ Minuten ist mir dieses Spektakel etwas zu lang, da es sich doch etwas schnell abnutzt, aber dennoch bleibt der Song in Erinnerung. So richtig meine Aufmerksamkeit bekommt das Album aber bei "Breathing Together", auf dem Von Lilienstein mit einer sehr starken Gesangsleistung glänzen kann, bei der sie sehr gut die leisen Töne trifft und problemlos zwischen englischen und deutschen Lyrics wechselt. Zum ersten Mal bin ich halbwegs beeindruckt. Auch "Speak To Me!" kann ich mir ganz gut anhören. Treibende Beats und ein kräftiger Gesang von A. Line lassen den Song lebendig wirken und bringen endlich wieder etwas Tempo in das Album. Das eher poppige "Can You Make Me Whole Again?" klingt mir dagegen viel zu platt. Alleine der Refrain nervt schon. Das elektrolastige "The Tube" bringt fast alles mit, was "Speak To Me!" gerade schon demonstriert hat. Ich würde sagen, dass es noch etwas schneller daherkommt (und damit auch in Sachen Geschwindigkeit die Nummer 1 auf dem Album ist) dafür aber etwas an Kraft und Intensität vor allem bei den Vocals einbüßt. Kann man sich ganz gut anhören, aber ich weiß nicht, ob knapp 7 Minuten hätten sein müssen. Wirklich positiv überrascht hat mich dann wieder "Sodomie", welcher in Ansätzen sogar sowas ähnliches wie Härte mitbringt. Aber tatsächlich: wir hören schrammelige Gitarren und sehr kraftvolle Vocals von beiden Sängern und das geht auch noch so gut auf, dass ich einigermaßen begeistert bin. Im Gegensatz zu allen anderen Songs davor, kommt "Sodomie" auch als einzelner Song ohne das ganze Konzept des Albums zur Geltung. Für "The Devil Has An Eye On Me" zeigt sich A. Line nochmal von seiner zarten Seite. Der Gesang wirkt hier sehr soft und fast schon zerbrechlich, ohne dabei schwach rüber zu kommen, was ganz nett ist. Für etwas mehr Stimmung sorgt das erstaunlich fröhliche "Everybody Seems". Damit wäre dann doch noch eine Nummer auf dem Album für alle, die einfach nur gerne zu "Ghosts Of Berlin" abtanzen wollen. Den Abschluss macht dann A. Line, indem er mit "Breathing" nochmal den Song "Breathing Together" auf seine eigene Art interpretiert - mit Akustikgitarre und düsterer Stimme. Ein erstaunlich starker Abschluss und das perfekte Gegenstück zu "Breathing Together". Reicht das, damit mich das Album überzeugt? Nicht so ganz. Immerhin muss ich positiv anmerken, dass das Album nicht ganz so lieblos hingeschissen wirkt wie die letzten Alben davor. Dementsprechend gibt es auch keine richtig peinlichen Momente. Und die Kombination aus "Breathing Together" und "Breathing" sowie das sehr starke "Sodomie" zeigen mir, dass in dem Konzept durchaus Potential steckt und es eine ganz gute Idee war, dem Album nochmal eine Chance zu geben und mich nicht vom uninspirierten ersten Drittel abschrecken zu lassen. Es ist nämlich tatsächlich so, dass sich die guten Songs eher mal in der zweiten Hälfte verstecken. Trotzdem: Soko Friedhof kann mit mehreren wirklich guten Balladen dienen. Alleine auf "Die Geschichte Eines Werwolfs" haben wir "Ghosts Of Berlin", "Eliminate Your Pain" oder auch "Scum Of The Earth" und selbst ein Album wie "Devil's Mark", welches eher auf Classic Soko setzt hat "Drag Me To Hell". Einen derart bleibenden Eindruck kann bei mir leider kein einziger Song auf "Ghosts Of Berlin" hinterlassen und das ist schade. Als Soundtrack für Spaziergänge durch das nächtliche Berlin oder musikalische Untermalung für einen nebligen Novembertag taugt die CD aber durchaus mal für die eine oder andere Runde, gerade wenn man sie nebenbei im Hintergrund laufen lässt. Wer Soko Friedhof vor allem wegen Alben wie "Blutrünstiges Mädchen" oder "Klingeltöne Satans" schätzt, ist wohl nicht unbedingt die Zielgruppe von "Ghosts Of Berlin". Wer aber unkomplizierten schwarzen Schlager ohne zu große Ecken und Kanten sucht, könnte es dagegen aber wesentlich schlechter treffen als mit "Ghosts Of Berlin". [Review lesen]

06.11.2021 11:48 - Fear Factory: Bite The Hand That Bleeds (2004)

4.5 / 10
Fear Factory haben mit "Archetype" 2004 ein wirklich ordentliches Comeback hingelegt. Wirklich gute Songs sind einige drauf, trotzdem sieht es mit den Singles etwas mager aus. Immerhin haben wir Promo-Singles zu "Cyberwaste" (guter Song) und "Archetype" (hervorragender Song). Beide Singles hatten damals sicher ihren Nutzen wenn es darum ging, den Fans zu zeigen, dass Fear Factory wieder eine Sache sind und um etwas Hype um das neue Album zu generieren, bieten aber inhaltlich nicht besonders viel und dürften heutzutage nur noch knallharte Sammler anlocken. Ein paar Monate später kam dann allerdings doch noch eine dritte Single, die sich in zwei Bereichen etwas abheben sollte: der Song, der gewählt wurde, weicht sowohl stilistisch als auch in der Beliebtheitsskala bei den Fans ziemlich von den anderen beiden ab und diesmal sollte etwas mehr Content mit am Start sein. "Bite The Hand That Bleeds" sollte nämlich neben der Single noch eine DVD mit 5 Musikvideos rund um "Archetype" am Start haben. Ist das genug, um die Single kaufenswert zu machen? Ist "Bite The Hand That Bleeds" eine überhaupt gute Wahl für eine Single? Taugt der Song denn an sich was? Finden wir's raus! Was das ganze Stück so besonders machen dürfte ist wie sehr es vom Rest des Albums abweicht. Gerade nach "Digimortal" klingt "Archetype" wieder ziemlich hart und brutal, was von den meisten Fans (inklusive mir) sehr begrüßt wurde. "Bite The Hand That Bleeds" liefert da schon einen ordentlichen Kontrast. Wir haben es hier nicht nur mit einer waschechten Ballade zu tun - man könnte sogar darüber diskutieren, ob das überhaupt noch Metal ist oder nicht schon moderner Rock. Das Tempo ist wirklich langsam, die Vocals entweder clean oder ein Flüstern und der Text dreht sich diesmal nicht um epische Schlachten zwischen Mensch und Maschine, sondern um dysfunktionale Beziehungen. Bei vielen Fans kam das so mittelgut an. Ich habe von mehreren gelesen, dass "Archetype" quasi ab diesem Song langweilig wird. Ich kann das nicht unbedingt teilen. Alles in allem finde ich den Song ganz okay. Ist er ein Highlight auf "Archetype"? Definitiv nicht. Es gibt dort einige bessere Tracks. Trotzdem würde ich es den drei langweiligen Fillern "Undercurrent", "Default Judgement" und "Bonescraper" vorziehen. Zumindest sorgt es für etwas Abwechslung. Ein ganzes Album in diesem Stil stelle ich mir schrecklich langweilig vor, aber als kleine Auflockerung zwischen all der Action? Warum nicht? Das gleiche gilt für den Text, der mich immer wieder an "Leechmaster" vom Debüt denken lässt: nicht das wofür ich mir Fear Factory anmache, aber auch nett mal was anderes zu hören. Etwas anders ist es allerdings aus "Bite The Hand That Bleeds" eine Single zu machen, denn der Song repräsentiert halt "Archetype" mal gar nicht. Bei "Cyberwaste" und dem Titeltrack weiß man eigentlich ganz gut, was man vom Rest des Albums erwarten kann, aber wer nach "Digimortal" erstmal vorsichtig war und mittels dieser Single in "Archetype" reinhören wollte, dürfte völlig zu Unrecht abgeschreckt worden sein, sich das Album zu kaufen. Andererseits gab es bestimmt auch den einen oder anderen Fan softerer Klänge, dem die Single sehr zusagen, das Album jedoch eher überfordern dürfte. Damit ist "Bite The Hand That Bleeds" einfach keine gute Wahl für eine Single. Lustigerweise befindet sich auf der CD noch ein zweiter Track ohne Namen, der auf der Rückseite nicht aufgeführt ist. Und bevor ihr euch jetzt vor Aufregung in die Hose macht: er geht 9 Sekunden und besteht lediglich aus der Line "Nothing you say mattes to us!" aus dem Song "Cyberwaste". Betrachtet es als kleine Promo für "Cyberwaste" oder ein witziges kleines Easteregg. Das Ganze trägt zwar nicht wirklich was zur CD bei, schadet aber halt auch nicht. Aber wir haben ja noch eine ganze DVD… Insgesamt könnt ihr hier 5 Musikvideos bestaunen - wobei "Archetype" gleich in drei Versionen enthalten ist. "Bite The Hand That Bleeds" ist natürlich auch mit von der Partie. Wie man schon damals bei Resident Evil sehen konnte, hat es Fear Factory irgendwann wohl nicht mehr gereicht, den Soundtrack für irgendwelche unbekannten Games zu liefern und stattdessen wurden irgendwann Filme angepeilt. Diesmal sollte es SAW sein, welcher "Bite The Hand That Bleeds" im Score enthalten sollte, was wohl auch der Grund dafür ist, warum der Song überhaupt eine eigene Single spendiert bekommen hat. Abgesehen davon, dass sich jeder selbst fragen kann, wie passend es für einen Film wie SAW ist, dass ausgerechnet die Ballade des Albums für den Soundtrack ausgewählt wurde, ist das Musikvideo ziemlich gut gelungen. Es zeigt sowohl Szenen des Films als auch der Band und schafft es sogar noch das Thema der Lyrics mit unterzubringen. Alles wurde ganz gut miteinander verknüpft, man sieht die Band in rostigen Ketten und sogar ein paar Filmrequisiten wie die umgekehrte Bärenfalle, die nochmal extra für das Video rausgekramt wurden. "Cyberwaste" kennen wir schon von der Australian Tour DVD, aber der Vollständigkeit halber ist es hier nochmal vertreten. Nicht das spektakulärste Video. Man sieht die Band in einer leerstehenden Halle spielen und… naja das war's eigentlich auch schon. "Archetype" ist wie gesagt gleich dreimal am Start. Hinter dem Zusatz "Narrative" verbirgt sich das aufwendigere Musikvideo inklusive verschiedener Locations - ja, eine leerstehnde Fabrikhalle ist auch wieder mit dabei, aber auch ein Hausdach und ein paar Schnipsel, die sowas ähnliches wie eine kurze Geschichte erzählen. Alles in allem ganz nett gemacht. Hinter dem Zusatz "Performance" verbirgt sich dann doch nicht etwa eine Live-Performance von "Archetype", oder? Nein, natürlich nicht. Stattdessen ist es eine Version des Videos für alle, die nochmal gesondert ein Video haben wollen, welches die Band ausschließlich in der ollen Fabrikhalle sehen möchte. Obwohl "Cyberwaste" der härtere Song ist und wir im Prinzip das gleiche Szenario haben (Band spielt in leerstehnder Halle umgeben von irgendwelchen beliebigen Leuten), kommt "Archetype" selbst in dieser Form dynamischer und cooler rüber als "Cyberwaste" - keine Ahnung warum. Wirklich seltsam wird es bei bei der dritten Version von "Archetype". Je nachdem ob man auf das Backcover oder das DVD-Menü schaut steht da entweder "Anime" oder "Remix". Am Ende stimmt beides. Es handelt sich um den Remix von "Archetype" unterlegt mit Aufnahmen des Animes "Galerians: Rion" und meine Fresse ist das schrottig! Ich gebe zu, dass ich null Ahnung von Animes habe. Was mich aber direkt irritiert ist die seltsame 3D-Grafik, die ungefähr so aussieht wie eine gerenderte Cutscene aus einem PC-Spiel der frühen bis mittleren 90'er (nicht vergessen: wir reden hier über das Jahr 2004). Alles ist ziemlich over the top (was wohl in Animes nicht unbedingt untypisch ist), zwischendurch dürfen die Charaktere mit ihrem unfreiwillig komischen Voiceacting ziemlich oft dazwischen quatschen und gleichzeitig sehen wir immer wieder Shots von Sänger Burton C. Bell, der angestrengt versucht, das ganze möglichst ernsthaft zu verkaufen. Manch einer mag darin sicherlich einen gewissen trashigen Charme finden, ich empfinde dann doch eher Fremdscham. Das wär's dann auch schon - einmal der Song und einmal 5 Musikvideos. Reicht das für eine gute Single? Wenn ihr mich fragt: nö. Der Song an sich ist nicht schlecht, aber auch nichts besonderes und gänzlich ungeeignet für eine eigene Single und die Videos sind von stark schwankender Qualität, insgesamt aber nicht so gut gealtert. Es ist nett, dass man sich den Aufwand gemacht hat, noch eine DVD mit wirklich allen Musikvideos zu "Archetype" drauf zu legen. Das macht "Bite The Hand That Bleeds" zumindest minimal interessant für Sammler, aber mich hat es tatsächlich nicht vom Hocker gerissen - zumal man auch wirklich festhalten muss, dass das Album zu dem Zeitpunkt schon über ein halbes Jahr auf dem Markt war. Ich habe mir die DVD genau zweimal in Ruhe angeschaut: einmal kurz nach dem Kauf und einmal kurz vor dem Review und falls ich sie überhaupt nochmal anfassen werde, werden vorher wohl einige Jahre vergehen, in der diese CD-DVD-Kombination bei mir im Schrank verstauben wird. So gesehen hätte ich selbst von einem oder zwei lieblosen Remixes fast schon mehr gehabt, aber wollen wir mal nicht ganz so hart sein. Für den besonders eifrigen Sammler mag "Bite The Hand That Bleeds" vielleicht den einen oder anderen Blick wert sein, aber mein Spaß damit hielt sich in Grenzen. [Review lesen]

01.11.2021 09:23 - Fear Factory: Archetype (2004)

8.0 / 10
Obwohl Fear Factory sich 2002 getrennt haben, sollte "Digimortal" nicht ihr letztes Album bleiben. Bereits im Jahr 2004 hat man sich entschlossen ohne Gitarrist Dino Cazares weiter zu machen und im April unter dem neuen Label Liquid 8 das fünfte Album "Archetype" unter die Fans zu bringen. Den Platz von Cazares sollte Bassist Christian Olde Wolbers ausfüllen, während mit Byron Stroud Verstärkung am Bass hinzu gekommen ist. Damit wurde die eher kurze und nur zwei Alben umfassende Phase ohne Dino Cazares eingeläutet. Nachdem "Digimortal" (teilweise zu Recht) gar nicht mal so gut bei den Fans ankam, war die Band diesmal etwas vorsichtiger mit dem, was sie da veröffentlicht hat. Später hat man sogar zugegeben, dass "Archetype" eine Art Sicherheitsalbum geworden ist. Ein wenig wie damals "Cause For Conflict" von Kreator: beide Alben sind zu einer Zeit entstanden, in der die jeweilige Band sich in einer kleinen Identitätskrise befand und nachdem das vorherige Album den Fans etwas zu experimentell war - mit dem Ergebnis dass man ein paar Schritte zurück gerudert ist und versucht hat, ein Album aufzunehmen, mit dem man möglichst wenig falsch machen kann. Damit wäre "Archetype" auch das erste Album der Angstfabrik, welches dem Sound der Band kaum etwas neues hinzufügt, was wir so noch nicht gehört haben. Die Frage ist, ob das unbedingt schlecht ist. Fear Factory haben zu Roadrunner-Zeiten derart viele Stilmittel und Ausrichtungen in ihrem Sound untergebracht, dass es vielleicht sogar eine ganz gute Idee war, einfach mal inne zu halten und das was man schon hatte zu perfektionieren. Das ist hier zum Glück auch gelungen. Vielleicht mag es "Archetype" ein wenig an eigener Identität fehlen, dafür ist hier so ziemlich alles enthalten, was an den vorherigen Alben Spaß gemacht hat. Die Nu Metal Elemente von "Digimortal" sind in gewisser Weise noch da, nehmen hier aber nicht überhand und endlich steht ihnen ein wuchtiger Gitarrensound entgegen, während Raymond Herrera weiterhin unmenschliche Leistungen an den Drums vollbringt. Auch Sänger Burton C. Bell liefert hier seine bisher variabelste Performance ab. Hin und wieder sind seine Vocals so brutal wie schon seit "Soul Of A New Machine" nicht mehr und dann singt er doch wieder so melodisch, dass selbst Nicht-Headbanger was davon haben könnten. "Archetype" mag vielleicht weniger gewagt sein als andere Alben, aber dafür wirkt der Sound hier auf jeden Fall gut ausgereift. Gut finde ich auch, dass man sich nach langer Zeit mal wieder entschlossen hat, aus der Nummer kein Konzeptalbum zu machen. Nicht falsch verstehen: ich mag das Mensch VS Maschine Thema sehr und es macht Fear Factory ja auch einzigartig, aber nachdem man das drei Alben lang sehr restriktiv durchgezogen hat, freue ich mich über eine größere Vielfalt an Themen. So werden zum Beispiel in "Cyberwaste" Internettrolle oder in "Human Shields" Kriegsverbrechen angesprochen. Futuristische Motive sind damit zwar noch lange nicht vom Tisch, nehmen diesmal aber weniger Raum ein als auf so ziemlich jedem anderen Album der Band. Wer sich also eine epische Sci-Fi Story wünscht, könnte etwas enttäuscht werden. Falls euch diese Ausgangsbedingungen genauso gut gefallen wie mir, bleibt nur noch die Frage nach der Version und diesmal wird es leider etwas kompliziert. In der Roadrunner-Ära hatte man in der Regel den Luxus, sich einfach das Digipack des jeweiligen Albums zu besorgen und damit in den Genuss des ganzen Bonusmaterials zu kommen. Mit "Archetype" beginnt eine Zeit, in der die japanischen Fans mit exklusiven Tracks grundsätzlich bevorzugt werden. In diesem Falle wäre das ein Remix vom Titeltrack gewesen, den ich mir gerne angetan hätte, wenn es nicht etwas schwierig/teuer wäre, an diese Version zu kommen. Stattdessen bleibt je nach Region die Wahl zwischen einer von zwei Bonus-DVDs. Ich habe mich einfach mal nicht für das Making Ofs des Albums entschieden und stattdessen zur Australian Tour gegriffen. Wirklich umgehauen hat mich die DVD jedoch nicht. Wir haben einmal das Musikvideo zu "Cyberwaste", was für mich wenig nennenswertes beinhaltet, außer dass hier Mittelfinger geblurrt werden. Ja klar, Fear Factory sind eine amerikanische Band, aber ich glaube diese Art von Zensur werde ich immer etwas befremdlich finden. Der eigentliche Tour-Part besteht nicht etwa in Konzertaufnahmen, sondern komplett willkürlichen Momenten der letzten Tour, bei denen die Band sich dafür entschieden hat, mal schnell die Kamera auf irgendeinen random Scheiß zu halten: Raymond Herrera feiert Geburtstag, die Jungs machen sich was zu essen, jemand entdeckt den Mirror Effect der Kamera und nervt den Sänger damit. 2004 waren DVDs halt auch noch eine ziemliche Neuheit und da ging das wohl auch noch eher klar, irgendeinen Krempel zusammen zu schneiden und auf DVD zu packen, um etwas Bonus Material zu haben, aber für mich hat das in der Form leider so ziemlich keinen Mehrwert gegenüber der Vanilla-Version von "Archetype". Aber konzentrieren wir uns lieber auf das eigentliche Album: der Opener "Slave Labor" demonstriert direkt, dass diesmal wieder ein ordentlicher Härtegrad angestrebt wird. Schön im Midtempo ballern Schlagzeug und Gitarre, dass es eine wahre Freude ist und dank seines eingängigen Refrains bleibt auch alles sehr schnell im Ohr. "Cyberwaste" dreht Tempo und Härte dann auf Anschlag und nähert sich fast schon den alten Thrash Metal Zeiten an. Ein bisschen bekomme ich hier auch den Vibe von "New Breed" - sicherlich dank des brutalen Geknüppels erstmal gut anzuhören, aber langfristig fehlt mir dann doch etwas Struktur, um auch langfristig Spaß damit zu haben. Bei "Act Of God" zeigt Olde Wolbers, dass er gut von Cazares gelernt hat und ebenfalls dessen abgehackte und maschinengewehrartige Riffs beherrscht. Überhaupt wird hier sehr viel von dem angewendet, was auch auf "Demanufacture" schon gut funktioniert hat. Ein sehr kurzer aber interessanter Moment ist zu hören als plötzlich sehr tiefe, cleane Vocals auftauchen, die fast schon an Type O Negative erinnern. Ich frage mich, wie das ganze klingen würde, wenn man es etwas weiter ausbauen würde, aber so bleibt es erstmal bei diesen paar Sekunden. "Drones" macht mir ebenfalls sehr viel Spaß beim Hören. Alleine das Intro mit den Fear Factory typischen Riffs, die langsam Fahrt aufnehmen und von düsteren Ambient-Sounds begleitet werden ist klasse und ich bin froh, dass man sich endlich wieder Zeit für sowas genommen hat, statt wie auf "Digimortal" alles bevorzugt auf [Review lesen]

21.10.2021 20:05 - Fear Factory: Hatefiles (2003)

8.5 / 10
2003 waren Fear Factory immer noch getrennt und das Comeback ein Jahr später noch nicht wirklich in Sicht. Trotzdem pochte das Label auf weitere Releases, zu denen die Band sich damals vertraglich verpflichtet hatte. Mit "Concrete" wurde dafür 2002 schon ein altes, unveröffentlichtes Album ausgegraben, aber da man diesen Move natürlich nur einmal bringen konnte und die Band nicht zufällig noch mehr solcher Alben auf Halde hatte, blieb eigentlich nichts anderes übrig, als bereits veröffentlichtes Material nochmal innerhalb einer Compilation an den Mann zu bringen. Dieses Vorhaben hätte man jetzt unterschiedlich angehen können. Roadrunner entschieden sich erstaunlicherweise nicht für den offensichtlichsten Weg, einfach die erstbesten Songs, die in den Sinn kommen, auf eine lieblose Best Of zu pressen (genau das sollte erst drei Jahre später passieren). Stattdessen konzentriert man sich auf seltene Tracks und B-Seiten, die noch nicht jeder Fan zu hören bekommen hatte und davon hat sich in den gut zehn Jahren Bandgeschichte ja doch ein wenig angesammelt. "Hatefiles" ist da sehr spezifisch, was sich als selten genug qualifiziert, um auf die CD zu kommen. Mal als Bonustrack auf 'nem Digipack gelandet zu sein, reicht zum Beispiel nicht aus, sodass wir hier zum Beispiel nicht schon wieder "Concreto" oder sowas serviert bekommen. Die Kandidaten müssen schon exklusiv auf einer bestimmten Single oder Version der Single erschienen sein, um hier nochmal zu landen. So wäre zum Beispiel die normale Version von "Cars" nicht mit dabei, da die auch bei den Bonustracks auf "Obsolete" zu finden ist, während die beiden Remixes, die bis Dato nur auf der "Cars"-Single zu finden waren, fair Game sind. Die besonders gute Nachricht: bei 7 der 18 Tracks auf "Hatefiles" handelt es sich um gänzlich neues Material, welches damals noch gar kein Fan zuvor zu hören bekam. So eine Compilation ist ja meistens nicht unbedingt gut geeignet, um sie am Stück zu hören und "Hatefiles" ist inhaltlich ein besonders wilder Ritt aus regulären Songs, Remixes, Live-Aufnahmen und Instrumentals, dessen Songs von Death Metal über Nu Metal bis hin zu Hardstyle Techno reichen. Trotzdem hat man sich die Mühe gemacht, die Songs einigermaßen nach Genre zu sortieren, damit sich "Hatefiles" besser anhören lässt und zum Teil ist das sogar einigermaßen gelungen. Respekt dafür. Von den Grundvoraussetzungen her bietet "Hatefiles" also schonmal alles, was eine gute Compilation ausmacht. Jetzt stellt sich nur noch die Frage wie gut ausgewählt die bereits bekannten Songs sind und vor allem, ob das neue Material etwas taugt. Fangen wir mal ganz langweilig beim bekannten Material an. Wir haben neben den beiden Remixes der "Cars"-Single noch alles, was damals auf "Burn" exklusiv zu finden war - also ein paar zusätzliche Remixes, die es damals nicht auf "Remanufacture" geschafft haben. Dazu gesellt sich "Linchpin" und zwar in der damals noch nicht so alte "Australian Tour EP", die bisher lediglich den Australiern vorbehalten war und damit so manchem Fan entgangen sein dürfte. An sich ist von den Gaming Soundtracks bis zum fragwürdigen Remix von "Invisible Wounds" alles dabei, allerdings fehlt die Live-Version von "Edgecrusher". Man kann zwar argumentieren, dass "Replica" eh die bessere Aufnahmequalität hat, aber so fehlt natürlich am Ende ein Track, der weiterhin schwer zu bekommen bleibt. Persönlich geärgert hat mich auch, dass "The Gabber Mixes" nicht vollständig mit am Start ist. Es ist zwar cool "Manic Cure" endlich mal auf CD zu haben (und je nachdem, ob man mit Hardstyle Techno was anfangen kann, ist dieses Medley aus verschiedenen Songs auch ganz gut gealtert), aber der "Chosen Few Mix" von "Flashpoint" hat wirklich nicht mehr auf die CD gepasst? Auch hier kann die mangelnde Vollständigkeit für etwas Frust sorgen. Ja klar, über alle Original-Releases verteilt sind das zwar gerade mal zwei Tracks, aber sie fehlen halt und mir ist auch nicht ganz klar, warum. Spannender wird es aber natürlich eh bei dem, was bis dato unveröffentlicht war. Und da haben wir mit "Terminate" gleich einen ziemlichen Kracher. Entstanden ist der Song für das PS2-Game "The Terminator: Dawn of Fate" und man merkt klar, dass es aus der Nu Metal Phase der Band stammt. Wisst ihr noch: damals in den 2000'ern, als gefühlt jedes zweite Game und jeder Film unabhängig vom Kontext Nu Metal im Soundtrack haben musste? Lustigerweise steckt diese einfache Untermalung eines Videospiels aus meiner Sicht qualitativ mal eben fast das gesamte Album "Digimortal" in die Tasche. Alles klingt ziemlich episch und diesmal stimmt sogar die Produktion. Übrigens der letzte Song, den Fear Factory nach der Trennung nochmal schnell in ihrer bekannten Formation mit Dino Cazares und Raymond Herrera gleichzeitig aufgenommen haben. So, als nächstes stehen ein paar alternative Mixes bekannter Songs auf dem Programm. Den Anfang macht der "T.L.A. Big Rock Mix" von "Resurrection". War euch der geniale Klassiker von damals zu sperrig und nicht eingängig genug? Nein. Tja, mit diesem Mix bekommt ihr trotzdem eine stark vereinfachte Version des Originals, welches ein paar schöne Übergänge und einiges seiner musikalischen Vielfalt opfert, um einen etwas besseren Flow zu bekommen. Kein guter Tausch, zumal die Produktion hier seltsam dumpf mit viel zu viel Hall bei den Vocals daherkommt. Im krassen Gegensatz dazu ist der "Colin Richardson Mix" von "Body Hammer" der Version des Originals auf "Demanufacture" derart ähnlich, dass ich Probleme habe, überhaupt irgendwelche Unterschiede heraus zu hören. Vielleicht minimal in der Abmischung, aber… Hmm… Etwas kurioser ist dann wieder der "Colin Richardson Mix" von "Zero Signal". Der Unterschied ist hier, dass die Vocals deutlich anders klingen als in der Version, die auf "Demanufacture" verwendet wurde. Der Anteil an cleanen Vocals ist hier höher und alles klingt zwar nicht unbedingt unpassend, aber sehr ungewohnt, wenn man "Zero Signal" gefühlt 10000 mal in der anderen Version gehört hat. Ich bevorzuge zwar eindeutig die mir gewohnte Variante, aber interessant ist dieser Mix allemal. Der "Numanoid Mix" von "Cars" ist schlicht und einfach eine Version des Covers, bei dem Gary Numan alle Vocals übernimmt, statt sich mit Burton C. Bell abzuwechseln - nicht mehr und nicht weniger. Auch wenn ich hier erneut das Original bevorzuge, finde ich es ziemlich cool, dass es so eine Version überhaupt gibt und fange langsam an, Spaß daran zu haben, die Alternativen Varianten zu erkunden. Wirklich umgehauen hat mich aber die Demoversion von "Dark Bodies". Erwartet habe ich den eigentlichen Song in noch beschissenerer Qualität als schon auf "Digimortal", aber bekommen habe ich was ganz anderes. Zuerst einmal: ich liebe "Invisible Wounds (Dark Bodies)" so wie es ist. Gleichzeitig hat die Demoversion nochmal einen ganz anderen Reiz und unterscheidet sich stark von der späteren Version. Das ganze klingt schon eher nach einem Cover einer anderen Band oder so als hätte man Fear Factory gesagt, dass sie den gleichen Song bitte nochmal in einem anderen Genre spielen sollen. Ich höre hier jedenfalls sehr viel modernen Thrash Metal raus - teilweise mit recht beeindruckenden Growls. Ziemliche Perle, die da ausgegraben wurde. Bleibt nur noch der "Spoetnik Mix" von "New Breed", der nicht so genau weiß, ob er sich damals auf "Burn" oder den "Gabber Mixes" wohler gefühlt hätte. Fear Factory sind hier wieder voll und ganz im Techno-Modus und ich muss sagen, die Nummer ist ordentlich treibend. Die digitale Stimme ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig und es ist halt schon wieder ein elektrolastiger Remix von "New Breed". Ich finde es eh lustig, wie dieser Song, der als reiner Metalsong recht unspektakulär daherkommt, offenbar als in Remix-Form so richtig aufblüht. Am Ende ist der "Spoetnik Mix" nichts worum ich mich reißen würde, aber nett und auf "Hatefiles" sehr passend. So, wie bewerte ich das ganze jetzt? Natürlich sind die "Hatefiles" kein vollwertiger Ersatz für ein neues Album unserer Industrial-Helden. Aber wenn ich das ganze nach den Kriterien einer Compilation mit Raritäten bewerte, dann bin ich einigermaßen beeindruckt. Die Auswahl ist umfangreich, es gibt ordentlich viel neues Zeug, was hier zum ersten Mal veröffentlicht wurde und wenn man bedenkt, dass es sich hierbei nicht um die größten Hits der Band, sondern um verworfene Songs und B-Seiten handelt, dann sind hier ein paar echt krasse Dinger dabei. Sogar die scheinbar unmögliche Aufgabe, die Songs so anzuordnen, dass man es sich halbwegs am Stück anhören kann, wird hier einigermaßen gut bewältigt. Wenn nicht gerade zwei Songs fehlen würde, dann würde mir ehrlich gesagt kaum etwas einfallen, wie man das ganze Vorhaben denn besser hätte aufziehen sollen. Als Überblick über das Schaffen der Band ist "Hatefiles" natürlich gänzlich ungeeignet, aber als vertiefendes Werk für fortgeschrittene Fans und endgültiger Schlussstrich für die Roadrunner-Ära der Band mehr als in Ordnung. [Review lesen]

12.10.2021 19:10 - Fear Factory: Linchpin (2001)

6.5 / 10
"Digimortal" sollte sich als eher umstrittenes Fear Factory Album rausstellen. Die einen fanden es kacke und konnten mit dem erhöhten Nu Metal Anteil wenig anfangen, andere fanden es stark und verteigen das Album bis heute. Was jedoch feststeht: es konnte kommerziell nicht so ganz die durch "Obsolete" sehr hoch gesteckten Erwartungen erfüllen. Auch gab es nicht so wahnsinnig viel Support für die Tour damals und auch nicht mehr ganz so absurd viele Releases um das Album drum herum, wie das noch bei "Demanufacture" oder eben "Obsolete" der Fall war. Trotzdem gab es mit "Digimortal" und "Invisible Wounds (Dark Bodies)" immerhin zwei Promo-Singles und mit "Digital Connectivity" sogar zum ersten Mal eine Live-DVD zu entdecken. Und mit der Single zu "Linchpin" durfte man sogar ein paar exklusive Songs bestaunen, die es nicht auf das Album geschafft haben. Die normale Single bietet dabei neben dem namensgebenden "Linchpin" zwei bis dato noch nicht veröffentlichte Tracks. Das alleine sorgt schon dafür, dass "Linchpin" vielleicht mal einen Blick wert ist. Australische Fans wurden ca. 1 Jahr später allerdings nochmal mit einer ganz eigenen Version von "Linchpin" verwöhnt - der sogenannten "Special Australian Tour EP". Was ist so "special" daran? Nun, neben einem alternativen Cover finden sich darauf nicht drei, sondern stolze sieben Songs und sogar eine handvoll Videos über die Entstehung der Band und das Album "Digimortal" hat es auf die CD geschafft. Damals als Teenager in Deutschland und als Internet wirklich für viele von uns noch Neuland war, war es kaum möglich, auch nur von der Existenz einer derart aufgemotzten Version zu wissen. Heutzutage ist es ja zum Glück relativ simpel, sich ein Exemplar via Import klar zu machen und zu schauen, was ich damals alles verpasst habe, aber fangen wir erstmal bei dem an, was auch der Rest der Welt zu hören bekommen hat. Den Einstieg macht "Frequency" und ich bin mir nicht ganz sicher wann und unter welchen Umständen dieser Song entstanden ist. Er klingt allerdings schon vom ersten Riff an der deutlich nach Nu Metal - scheint damals also aktuell gewesen zu sein. Vielleicht einfach ein Song, den man nicht mehr auf "Digimortal" unterbringen konnte. Das würde auch passen, denn er geht in eine ähnliche Richtung wie "What Will Become" ist aber weniger eingängig und hat ein paar komische Momente, die den Song nirgends so richtig hinführen und ein etwas seltsames Ende, sodass ich verstehen könnte, wenn man "Frequency" einfach verworfen hätte. Um auf so einer Single aufzutauchen reicht die Qualität aber gerade so noch aus. Anschließend hätten wir dann den Star der Single, "Linchpin" selbst - laut einem aktuellen Interview mit Dino Cazares übrigens der am meisten auf Spotify und Co gestreamte Song der Band ever, der offenbar Metalheads und solche, die eigentlich mit dem Genre nichts weiter anfangen können, gleichermaßen befriedigt. Ich war ja nicht gerade erfreut darüber, dass Fear Factory auf "Digimortal" ihre Songs bewusst simpler gestaltet haben, muss aber zugeben, dass es bei "Linchpin" super funktioniert hat, das was die Band rüberbringen wollte in weniger als 3 ½ Minuten und ohne viel Beiwerk auf den Punkt zu bringen. Der Song ist knackig, melodisch hat ordentlich Power, ist dabei aber abwechslungsreich und ständig passiert irgendwas. Nicht das anspruchsvollste, was die Jungs je geschrieben haben, aber unkomplizierte Unterhaltung, wie sie idealerweise klingt. Was mich aber wundert: warum wird "Linchpin" hier so stiefmütterlich behandelt? Zumindest auf der "Tour EP" wäre doch eine Live-Aufnahme denkbar, oder? Vielleicht auch ein Remix? Nein? Dann eine frühe Version des Songs oder wenigstens ein alternativer Cut? Nope - keine Chance! Einfach nur der Song "Linchpin" in der Version, wie er auf "Digimortal" zu bestaunen war. Das tut der Nummer selbst jetzt keinen Abbruch, aber theoretisch hätte man dann die Single/EP auch "Frequency" nennen können, ohne dass es einen großen Unterschied gemacht hätte. Die nächsten beiden Songs wurden für das PS1-Game "Demolition Racer" geschrieben. "Machine Debaser" ist dabei ein Instrumental, welches in eine sehr ähnliche Richtung geht wie "Full Metal Contact", einem der Bonustracks auf "Digimortal". Insgesamt vielleicht etwas abgerundeter und ausgereifter. Man merkt aber, dass es eher als Hintergrundmusik entworfen wurde und weniger, um es sich einfach nur ohne Kontext anzuhören. Trotzdem ist es für so eine Nummer überraschend abwechslungsreich und definitiv für meine nächste Playlist vorgemerkt, wenn ich mal wieder ein Rennspiel zocke, bei dem mir der Soundtrack nicht zusagt. Der nächste Song "Demolition Racer" (übrigens schon exklusiv für die EP) ist gerade einmal 50 Sekunden lang und wahrscheinlich eher als Intro oder Teaser für das Game gedacht. Interessanterweise hat er aber sogar Vocals und Lyrics. Als "Song" im eigentlichen Sinne sicherlich schwer zu bewerten, aber als nette kleine Kuriosität für Fans sicher ganz interessant. Auch ein Remix von "Invisible Wounds (Dark Bodies)" ist mit am Start - der Song vom ganzen Album, bei dem ein Remix am wenigsten Sinn macht, abgesehen vielleicht von "Memory Imprints (Never End)". Der "Suture Mix" ist dann auch eher mal ein Art Neuschnitt mit einigen neuen Effekten und sogar sporadisch eingefügten Piano-Parts und naja… der Song profitiert nicht wirklich davon. Das Original wird dadurch jetzt nicht so sehr verunstaltet, dass man es sich nicht mehr anhören kann, ist in dieser Fassung aber eindeutig die minderwertige Version. Zum Abschluss sind sogar noch zwei Live-Aufnahmen mit am Start. Wer jetzt etwas von der "Digimortal"-Tour erwartet, wird allerdings enttäuscht. Beide Aufnahmen sind schon ein bisschen was älter, dafür bekommen wir mit "Replica" und "Edgecrusher" aber auch zwei echte Klassiker. Ich habe mich ja schon das eine oder andere Mal über die Live-Performance von Fear Factory lustig gemacht. Ich weiß nicht, ob der ganz spezielle Stil der Band live einfach schwer replizierbar ist, aber Burton C. Bell und Co zählen zu den wenigen Bands, die im Studio deutlich besser klingen als live. Immerhin: beide Aufnahmen auf der "Linchpin"-EP klingen immer noch ein gutes Stück besser als das, was ich selbst so an Live-Erfahrungen mit Fear Factory machen durfte. "Replica" wurde 1996 in Phoenix, Arizona aufgenommen und die Taktik hier war offenbar einfach so brutal und mit so viel Power wie möglich zu spielen, damit es nicht so auffällt, wenn man nicht jeden Ton trifft und das funktioniert sogar ziemlich gut. Vielleicht liegt es auch daran, dass "Soul Of A New Machine" zu dem Zeitpunkt noch nicht so lange her war, aber ich bekomme hier noch massive Thrash- und Death Metal Vibes, was dem Song eine interessante neue Richtung gibt. "Edgecrusher" stammt von der "Obsolete"-Tour '99 und ist wenigstens ein Song, der auch in Australien aufgenommen wurde. Der Sound ist hier etwas speziell. Die Gitarren klingen ziemlich verwaschen und die Vocals sind oft viel zu leise. Der Fehler liegt hier wohl eher bei der Soundtechnik oder Aufnahmequalität an sich und weniger bei der Band. Auf der anderen Seite kommen Stimmung und Atmosphäre hier richtig schön rüber (besser als bei "Replica") und auch das Publikum rastet richtig schön aus. Die beiden Live-Songs sind entgegen aller Erwartungen also doch ein ziemliches Plus. Und als ob das noch nicht genug ist, gibt es auf der CD noch einen Multimedia-Part mit ein paar kurzen Videos, die unter anderem Interviews zeigen, bei denen sich die vier Bandmitglieder zur Entstehungsgeschichte von Fear Factory äußern oder wir ihnen dabei über die Schulter schauen können, wie sie gerade "Digimortal" aufnehmen. Gerade für Fans ein sehr netter Zusatz. Damit ist "Linchpin" insgesamt eine echt stabile EP geworden, die aber vor allem was für sehr treue Fans sein dürfte. Klar: wer nicht genug von Fear Factory oder speziell "Digimortal" bekommen kann, der bekommt hier einiges zu hören und zu sehen und den einen oder anderen exklusiven und bis dato unveröffentlichten Song zu bestaunen. Klar ist aber auch, dass ein guter Teil davon nicht unbedingt mit dem sonstigen Material mithalten kann, aber eben auch nicht dafür produziert wurde, um es mit den großen Hits aufzunehmen oder zum neuen Geheimtipp der Band zu werden. So sind zum Beispiel "Demolition Racer" oder der Remix zu "Invisible Wounds (Dark Bodies)" zwar qualitativ nicht besonders hochwertig, aber schon interessant anzuhören. Für den Fear Factory Fan, der richtig tief einsteigen will, ist "Linchpin" allemal zu empfehlen, dann aber möglichst als EP. Einsteiger brauchen sich aber nicht unbedingt die Mühe machen, sich das Teil extra zu importieren und sollten sich vielleicht erstmal "Demanufacture" oder "Obsolete" geben. [Review lesen]

01.10.2021 19:47 - Fear Factory: Digimortal (2001)

6.0 / 10
Fear Factory konnten in den 99'ern eine ordentliche Erfolgsstory verzeichnen. Erst der Durchbruch mit "Demanufacture" und dann konnten sie tatsächlich mit "Obsolete" noch einen draufsetzen. 2001 hätte der Nachfolger "Digimortal" oberflächlich betrachtet eigentlich so einiges mitgebracht, um genau daran anzuknüpfen: er ist wieder drei Jahre nach dem Vorgänger erschienen, ein Konzeptalbum, welches die "Mensch VS Maschine"-Trilogie abschließt und mal wieder hat man den Sound in eine etwas progressivere Richtung geschraubt. Doch "Digimortal" ist nicht der absolute Höhepunkt der Band geworden, sondern stattdessen ein finanzieller Flop, nach welchem sich die Band erst einmal aufgelöst hat. Okay, das war etwas fies formuliert. Der Grund für die Trennung waren eher mal Differenzen innerhalb der Band, welche sich um die musikalische Ausrichtung drehten und natürlich hat sich "Digimortal" auch ein paar mal verkauft, aber im Gegensatz zu den beiden Vorgängern fällt schon auf, dass es bei den Fans nicht so gut ankam. Mir ging's ja ähnlich: obwohl ich es nicht direkt grottig fand, bin ich mit dem vierten Album der kalifornischen Kampfmaschinen nie so richtig warm geworden und kann sogar die Fans verstehen, welche davon ordentlich enttäuscht waren. Und nein: meine Kritik ist nicht, dass man sich musikalisch weiterentwickelt hat. Der musikalische Fortschritt war schon immer eine der Stärken der Band. Hätte man sich mit "Demanufacture" nicht nochmal neu erfunden und immer wieder Alben im Stil von "Soul Of A New Machine" aufgenommen, dann wären Fear Factory niemals so groß geworden wie Ende der 90'er. Aber die Richtung, in die man sich entwickelt spielt eben auch eine Rolle. Tendenziell ist die Truppe damals komplexer und facettenreicher geworden und hat immer die Elemente betont, welche die Band einzigartig gemacht haben und eben damals noch nicht so oft zu hören waren. "Digimortal" geht einen fast schon gegenteiligen Weg. Sänger Burton C. Bell meinte damals selbst "We don't need to play a song seven minutes long if we can get the idea across in four minutes." - man wollte seine Songs also weniger komplex gestalten, um so vielleicht etwas zugänglicher zu werden. Das fühlt sich aber gleichzeitig auch wie ein Schritt nach vorne und drei Schritte zurück an, zumal dadurch am Ende tatsächlich alles generischer klingt. Auch schwierig: vom Thrash- und Death-Metal der alten Tage sind wir mittlerweile meilenweit entfernt und jetzt werden auch die Industrial-Metal-Einflüsse deutlich zurück gefahren. Was bleibt sind jede Menge Groove Metal und Nu Metal, welche jetzt massiv in das Album gepumpt werden, um die Lücke zu füllen. Persönlicher Geschmack hin und her: 2001 waren beide Genres nicht mehr der komplett neue heiße Scheiß und die Szene derart übersättigt damit, dass ich mir gut vorstellen kann, dass dadurch die neuen Fans nicht unbedingt in Scharen ausgerechnet zu Fear Factory geströmt sind. Aber nicht nur inhaltlich wurden ein paar fragwürdige Entscheidungen getroffen. Die Produktion ist diesmal mehr als gewöhnungsbedürftig. Gerade wenn man sich vorher am Sound von "Demanufacture" oder "Obsolete" sattgehört hat, hat hier alles die Power von einem feuchten Furz. Die Vocals klingen auch dann zahm, wenn Burton C. Bell aggressiv shoutet. Ich dachte damals ohne Scheiß, dass die Tour zu "Obsolete" nachhaltig seine Stimmbänder abgefuckt hat oder er sich hier zumindest extra schont, um genau das zu vermeiden. Spätere Alben, auf denen er wieder "normal" klingt, sprechen aber doch gegen diese These. Dino Cazares beschränkt sich nicht nur auf wesentlich simplere und langweiligere Riffs - es fehlt auch der Punch dahinter. Und Christian Olde Wolbers geht am Bass völlig unter. Lediglich die Double-Bass-Attacken von Raymond Herrera haben das ganze - obwohl ein gutes Stück abgeschwächt - einigermaßen unbeschadet überstanden, sodass das Schlagzeug jetzt im Vergleich zum Rest der Band etwas übermächtig klingt. Dafür wurde diesmal wirklich übermäßig viel an Effekten, Samples und sonstigem Beiwerk hinzugefügt. Mit der Zeit gewöhnt man sich ein wenig daran, aber so ganz ist mir nicht klar, warum man den Sound derart abschwächen musste. Dass es hier und da mal etwas ruhiger zugeht, stört mich dabei gar nicht. Aber man will ja hier offenbar gerade Kontraste zwischen soften und brachialen Passagen schaffen. So fehlt aber der Payoff nach einer ruhigen Stelle im Song komplett. Stellt euch vor, das Album würde Anlauf nehmen und mit den Hufen scharren, nur um dann einigermaßen gemütlich auf euch zuzujoggen, statt einen vollen Sprint hinzulegen. Das klingt einfach fucking irritierend. Um direkt mal einen Überblick zu bekommen, wie sich das alles auf das Album auswirkt, sind die ersten beiden Songs eigentlich direkt super geeignet. "What Will Become" hat ein extrem simples Gitarrenriff, nicht besonders viel Inhalt und setzt voll und ganz auf den Refrain, den man selbst im Vollrausch direkt nach einem mal Hören verinnerlicht haben dürfte. Sobald ein paar sehr nette Drums doch mal etwas Druck machen, wird das Tempo direkt hart ausgebremst, indem einfach mal ein paar Sekunden gar nichts passiert, außer dass ein wenig geflüstert wird - natürlich ohne entsprechenden Payoff im Anschluss. "Damaged" setzt auf genau dieselbe Formel: wenig Inhalt, simple Riffs - hey, sogar das Flüstern nach dem zweiten Refrain ist mit dabei! Minimale Unterschiede hören wir darin, dass das Riff doch etwas Cazares-typischer klingt, die Vocals in den Strophen dafür aber auch etwas unbeholfener. Finde ich an den ersten beiden Songs alles scheiße? Nicht unbedingt. Sie sind sogar ziemliche Ohrwürmer und nettes Fast Food für zwischendurch, aber eben auch extrem austauschbar. Gerade als ich Angst bekomme, dass das ganze Album jetzt knallhart diesen Stil durchzieht und ich hier 11 mal den gleichen Song serviert bekomme, hält der Titeltrack doch etwas Variation bereit. Vor allem der ultramelodische Refrain weiß echt zu gefallen. Ja, das klingt schon sehr poppig, aber Burton C. Bell liefert seine ultracleanen Vocals hier gut ab und gerade solchen Momenten schmeichelt die Produktion natürlich besonders. "No One" ist da fast schon das perfekte Gegenbeispiel - einer der wenigen Versuche, durchgehend hart zu klingen, aber natürlich wird dafür niemals genug Druck aufgebaut. Die Vocals nähern sich mal wieder dem Nu Metalschen Sprechgesang an und alles in allem klingt "No One" wie ein "Edgecrusher" für Arme. So, aber jetzt wird's endlich mal gut: "Linchpin" macht einfach Spaß und hat sich zurecht lange im Live-Set gehalten. Das charakterische Eröffnungsriff reißt einfach mit und hat nunmal wirklich das Zeug Metaler weltweit spätestens wenn der Sänger "Can't take me apart!" schreit zum Hüpfen zu bringen (und einen Teil vielleicht auch dazu, genervt mit den Augen zu rollen). Meiner Meinung nach ein starker Song, der ganz gut gealtert ist. Aber es wird sogar noch besser: "Invisible Wounds (Dark Bodies)" ist eine schön intensive Halbballade, welche über weite Strecken angenehm melancholisch klingt, zwischendurch aber auch einiges an Power aufbieten kann. Nichts davon steht im Widerspruch zum Konzept oder Sound des Albums, aber es zeigt, dass Fear Factory auch einigermaßen anspruchsvolle Nu Metal Songs kreieren können, bei denen man nicht nach einer Minute direkt weiß, wie der Rest des Songs klingt. "Acres Of Skin" ist nicht mehr ganz so spannend. Es schlägt in eine ähnliche Kerbe wie "No One" und hat dementsprechend die selben Probleme. Wenn man mir in einem Monat einen von beiden Songs vorspielen würde, weiß ich auch nicht genau, ob ich sofort blind sagen könnte, um welchen von beiden es sich handelt. So, jetzt kommt der ultimative Aufreger des Albums: bei "Back The Fuck Up" experimentieren Fear Factory sehr stark mit Hip Hop und werden dabei sogar durch Rapper B-Real bei den Vocals unterstützt - wie können sie nur?! Ich vertrete jetzt einfach mal die unbeliebte Meinung, dass das Ganze gar nicht mal so schlecht geworden ist, wie es von vielen Fans im Nachhinein immer gemacht wurde. Burton C. Bell und B-Real harmonieren ganz gut, die Übergänge zwischen Metal und Hip Hop sind nahtlos und eine gewisse Härte ist hier ja doch raus zu hören. Fear Factory waren ja eigentlich schon immer offen für neue Genres, egal ob Hardcore Punk, Industrial Rock oder sogar ausgerechnet New Wave - warum also nicht auch Hip Hop? Würde ich mir ein ganzes Album in dem Stil kaufen? Nein! Würde ich "Back The Fuck Up" als absolutes Highlight auf "Digimortal" bezeichnen? Nein! Aber ich finde es insgesamt gelungen. Und es bringt etwas Abwechslung rein und die kann "Digimortal" ganz gut gebrauchen. Mit "Byte Block" traut sich dann das erste Mal die 5-Minuten-Marke zu überschreiten - mit längerem Intro und allem. Das ist nicht schlecht, auch wenn ein guter Teil der Zeit tatsächlich durch das Intro und eine sehr lange, ruhige Passage, die sich ziemlich zieht, eingenommen wird. Der Rest klingt wieder ziemlich konventionell, kann mich aber durch seinen Refrain überzeugen. "Hurt Conveyor" mag ich auch ganz gerne. Hier wird vor allem auf Geschwindigkeit gesetzt und die wird deutlich besser transportiert als die "Härte" eines "No One". Eine richtig nette Überraschung gibt es dann zum Schluss. Man hat es sich bei aller Simplifizierung dann doch nicht nehmen lassen, das Album mal wieder mit einem langen und ungewöhnlichen Song zu beenden. "(Memory Imprints) Never End" ist langsam und klingt extrem kühl und melancholisch zugleich. Auch wenn das nicht den Nerv von jedem Fan treffen wird, bin ich sogar einigermaßen begeistert wie stark dieser Epilog klingt. Oh, aber da war ja noch was: auch "Digimortal" kommt auf Wunsch als Digipack mit ein paar Bonustracks. Vier sind es an der Zahl und diesmal konnte ich nicht wirklich herausfinden, woher sie stammen und in welchem Kontext sie aufgenommen wurden - außer "Full Metal Contact", welches glaube ich Teil des Soundtracks für ein Rennspiel darstellt. Es ist ein recht kurzes Instrumental, welches aber gut nach vorne prescht und einen viel satteren Sound liefert, als man es von "Digimortal" gewohnt ist. Für ein Rennspiel sicher nicht der schlechteste Song, aber eben auch extrem simpel - selbst für ein Instrumental. Als nette Kuriosität aber ganz cool. "Dead Man Waking" und "Repentance" sind beide ganz nett und überzeugen vor allem durch ihren ordentlichen Sound, der dem von "Digimortal" ebenfalls deutlich überlegen ist. Der Wechsel in den Vocals von heftigen Shouting und cleanem Gesang erinnert an eine Mischung der ersten drei Alben. Lediglich inhaltlich wirken sie etwas farblos. "Strain Vs. Resistance" reißt aber so richtig mit - Wow! Ordentliches Tempo und 3 ½ Minuten permanent auf die Fresse. Jetzt weiß ich wieder, was ich auf "Digimortal" vermisst habe. Damit ist auch diesmal das Digipack die überlege Version des Albums. Vielleicht nicht absolut essenziell, aber zumindest wird man hier etwas entschädigt, wenn einem das Main-Album nicht hart genug war. Auch wenn ich jetzt viel auf "Digimortal" und seinen Sound rumgehackt habe: komplett furchtbar finde ich es nicht. Es hat mich sogar ein paar mal positiv überrascht. Songs wie "Linchpin", "Invisible Wounds (Dark Bodies)" oder "(Memory Imprints) Never End" zeigen, dass Fear Factory auch im Nu Metal souverän agieren können und auch zwischendurch kommt immer mal wieder gute Laune auf, wenn man nicht unbedingt auf anspruchsvollen Metal aus ist. Die schwache Produktion ist allerdings schon ein fettes Minus und der Anteil an Songs, die lediglich als Filler taugen ist hier schon deutlich erhöht. Am Ende würde ich sagen, dass wir es hier mit Fear Factory Light zu tun haben. "Digimortal" ist eher mal was für Fans, die offen für ein paar Experimente sind. Neulinge steigen besser bei "Demanufacture" oder "Obsolete" ein und Nu Metal Fans dürften mit klassischen Nu Metal besser bedient sein. [Review lesen]

18.09.2021 14:47 - Fear Factory: Concrete (2002)

5.0 / 10
2002 war sicher kein leichtes Jahr für Fear Factory Fans. Nach ihrem vierten Album "Digimortal" hat Sänger Burton C. Bell die Band verlassen, worauf sie sich im Anschluss auflöste - das erste Mal in der Bandgeschichte (erst letztes Jahr sollte es zu einer ganz ähnlichen Situation kommen). Trotzdem stand mit "Concrete" plötzlich im selben Jahr noch ein neues Album in den Regalen. Hatten die Kalifornier etwa noch so viel Material übrig, um noch schnell ein neues Album auf den Markt zu werfen? Nein, aber gleichzeitig waren sie vertraglich Roadrunner noch ein weiteres Album schuldig - also musste man etwas tiefer kramen, um etwas zu finden, was man noch auf CD pressen könnte. Praktisch wäre in so einer Situation, wenn man jetzt zufällig in der Vergangenheit mal ein Album aufgenommen hätte, ohne es zu veröffentlichen. Na, was für ein Glück, dass die Jungs zufällig noch genau sowas in der Hinterhand hatten. Bevor nämlich das eigentliche Debüt "Soul Of A New Machine" auf die Hörer losgelassen wurde, hat man bereits unter dem Namen "Ulceration" einen ersten Versuch gewagt, ein Album aufzunehmen und heraus kam "Concrete". Da die Band jedoch nicht mit der Arbeit des Producers zufrieden war, ist es nie zu einer Veröffentlichung gekommen. Wirklich geschadet hat das beiden Seiten aber nicht. Der damals noch unbekannte Ross Robinson wurde zu einem der gefragtesten Producer im Nu Metal Bereich und sollte unter anderem für Korn oder Slipknot arbeiten und Ulceration haben sich in Fear Factory umbenannt und mit "Soul Of A New Machine" einen zweiten, wesentlich erfolgreicheren, Versuch für ein Debüt gestartet. 2002 wurde das alte "Concrete" dann also doch wieder ausgegraben und wer "Soul Of A New Machine" kennt, hat zumindest eine grobe Ahnung, was einen hier erwarten könnte - zumal ca. die Hälfte der Songs von "Concrete" später nochmal für genau dieses Album neu aufgenommen wurde. Für Leute, die durch "Demanufacture" und "Obsolete" verwöhnt oder gar mit dem noch gefälligeren "Digimortal" eingestiegen sind, dürfte "Concrete" aber eine ziemliche Herausforderung sein. Während das Debüt schon im ziemlichen Kontrast zu den industriallastigen Sci-Fi inspirierten Werken steht und noch sehr stark auf Death Metal setzt, haben wir hier quasi den gleichen Stil nur nochmal mit einer deutlich ungeschliffeneren Produktion. Um ehrlich zu sein habe ich es mir schlimmer vorgestellt, als es am Ende klingt. Man darf ja auch nicht vergessen, dass wir es hier mit keiner Demo zu tun haben, sondern mit einem vollständig produzierten Album, welches damals so in der Form theoretisch zum Release bereit gewesen wäre. Während der eine oder andere Fan die Produktion aber total abfeiert und findet, dass diese der Band viel besser steht als alles, was danach kommt, würde ich das jetzt auch nicht unbedingt unterschreiben. Für mich ist es ein zweischneidiges Schwert: einerseits kommen gerade die Instrumente hier noch besser zur Geltung, die Gitarren klingen schön knackig und der Bass rumpelt, dass es nur so eine Freude ist. Aber auch die Growls klingen hier mitunter Death Metal as fuck. Auf der anderen Seite ist auch "Concrete" bei weitem kein reines Death Metal Werk und sobald cleaner Gesang, Samples und alles andere in den Vordergrund rücken, was man so an Industrial Metal erwarten würde, schwächelt die Produktion ziemlich. So hat man am Ende Songs, welche auf "Soul Of A New Machine" deutlich besser zur Geltung kommen und solche, denen die ursprüngliche Produktion besser gerecht wird. Aber allein die Tatsache, dass man sich bei jedem Song darüber Gedanken machen kann, auf welcher CD er besser klingt, spricht ja schon für eine gewisse Daseinsberechtigung von "Concrete". Etwas mehr Gedanken mache ich mir da schon eher inhaltlich. Gefühlt hat man "Concrete" schon ganz gut ausgeschlachtet, sodass die guten Songs bereits bekannt sein dürften, während es sicherlich seinen Grund haben dürfte, warum der Rest nicht nochmal released wurde. Aber geben wir der ganzen Sache mal eine faire Chance. Die ersten paar Songs kennen wir schon. "Big God / Raped Souls", welches später den zweiten Teil von "Soul Of A New Machine" einleiten sollte, ist diesmal das Intro und macht einen erstaunlich guten Job dabei mit seinem kurzen Monolog am Anfang und der sowieso großartigen Arbeit an den Drums, das Album einzuleiten. Ich würde sogar fast soweit gehen zu sagen, dass es als Intro besser passt als "Martyr". Auch "Arise Above Oppression" kennen wir schon und ich stand dem Song schon immer etwas ambivalent gegenüber. Auf der einen Seite steht sein wunderbar antiautoritärer Text auf der anderen Seite wenig musikalische Abwechslung, um dem ganzen etwas mehr Struktur zu geben. Auf "Concrete" kommt dazu, dass der Song mittendrin nach 1.57 Minuten abbricht. Soll sicher so, klingt aber absolut nicht gut. "Concrete" - quasi der Titelsong - sollte erst etwas später unter dem Namen "Concreto" zu Zeiten von "Demanufacture" als Bonustrack neuveröffentlicht werden. Das ist interessant, da "Concreto" schon einen deutlich moderneren Sound hat und hier im starken Gegensatz zum Original steht und was soll ich sagen - das Original macht mit seinen extrem tiefen Growls richtig Bock und gibt dem Song eine ganz andere Richtung als "Concreto". Ich mag am Ende beide Versionen, ohne sagen zu können, welche mir definitiv besser gefällt, bin aber froh, die Auswahl zu haben. "Crisis" ist dagegen ein Song, der auf "Soul Of A New Machine" ganz klar besser zur Geltung kommen sollte. Wir haben zwar auch hier schon alles dabei, was es auch später zu hören geben sollte inklusive der Samples aus "Full Metal Jacket", aber da "Crisis" schon vergleichsweise progressiv ist, steht ihm die neuere Produktion einfach besser. "Escape Confusion" ist mehr oder weniger unabhängig von der Produktion ein toller Song, aber gerade der fast schon doomige Anfang gefällt mir in der ursprünglichen "Concrete"-Produktion sogar ein wenig besser. "Sangre De Niños": Yay! Endlich ein ganz neuer Song! Ich bin etwas enttäuscht, dass die Lyrics nicht spanisch sind, obwohl es dann sehr nach einem alten Brujeria-Werk klingen würde - kurz, brutal aber auch nicht gerade ausgereift. Bei meinem Review zu "Obsolete" habe ich mich noch gewundert, woher der Song "Soulwound" stammt. Tja, es scheint tatsächlich die Neuauflage von "Soulwomb" zu sein, welches wir hier zu hören bekommen, klingt aber derart anders, dass man schon genau hinhören muss und leider auch deutlich besser als das Original. "Soulwomb" klingt derart chaotisch und desorganisiert, dass es mich fast schon wundert, dass man sich überhaupt nochmal damit beschäftigt hat. "Echoes Of Innocene" sollte dagegen "Concrete"-exklusiv bleiben, was eigentlich sehr schade ist, denn der Song hat mehr zu bieten als manch anderer Track, der es auf das offizielle Debüt geschafft hat. Ein herrlich schweres und langsames Intro im Stil von "Escape Confusion" und ein paar cleane Vocals, die zwischendurch nur von Drums begleitet werden hätten für mich alleine schon das Potential für eine Neuauflage gehabt. So bleibt "Echoes Of Innocene" zumindest einer der wenigen Songs, für die "Concrete" sich noch wirklich lohnt. "Dragged Down By The Weight Of Existence" ist dagegen wieder zweimal vorhanden und in beiden Versionen irgendwie okay. Außer der Tatsache, dass es hier den längsten und später als "W.O.A." dann den kürzesten Namen auf dem Album haben sollte, kann ich zwischen beiden Versionen keinen riesigen Unterschied finden. "Deception" ist wieder exklusiv, unter 30 Sekunden lang und erfüllt für mich aber auch nicht die Standards für einen guten Grindcore-Song, weshalb Fear Factory auch gut daran getan haben, sich von diesem Stück zu trennen. "Desecrate" und "Suffer Age" sind beide schon bekannt und bei beiden mag ich tatsächlich die alten Versionen ein Stück weit mehr mit der einzigen Einschränkung, dass bei zweiterem leider das Sample aus "Full Metal Jacket" fehlt, was schade ist, da es wirklich perfekt in den Song hinein passt und so einen schönen WTF-Moment geschaffen hat, als plötzlich Gunnery Sergeant Hartman zu hören war. "Anxiety" ist schon wieder ordentlich kurz, wenig originell und ebenfalls eher mal Füllmasse, die verständlicherweise nicht mit auf "Soul Of A New Machine" übernommen wurde. Etwas überrascht bin ich, hier schon das groovige "Self Immolation" zu hören, was damit seiner Zeit ja fast schon ein Stück voraus ist. Die "Concrete"-Version klingt aber viel ranziger als der spätere Track und gerade von Seiten der Vocals fast schon auf Demo-Niveau und ich finde es absolut geil! Ich bin eh schon großer Fan von dem Song, aber von dieser Version geht eine derart rohe Energie aus, dass ich kurz davor bin zuzugeben, dass sich hier sogar von einem Song vom Kaliber eines "Self Immolation" die bessere Version befindet. Als nächstes hätten wir "Pisschrist". Echt? Sogar ein späterer "Demanufacture"-Track findet sich hier wieder? Nicht wirklich - wahrscheinlich fand man einfach nur den Titel so gut, dass man ihn wiederverwenden wollte, denn außer dem Namen haben beide Songs gar nichts miteinander gemein. Diese Version von "Pisschrist" ist wie manch andere Songs auf "Concrete" nicht ohne Grund nicht mehr veröffentlicht worden. Zum Abschluss hätten wir noch "Ulceration", also den Song, welcher den damaligen Bandnamen trägt. Originell ist hier, dass der Mittelpart recht sinnvoll durch Samples aus "Exorcist 3" ergänzt wurden. Der Rest ist ziemliche Durchschnittsware - nicht wirklich gut, nicht wirklich schlecht, qualitativ unter dem, was wir später von der Band gewohnt sein sollten. Tja und das wäre es dann auch schon. Wirklich grässlich klingt "Concrete" für mich nicht. Ich kann ja etwas raurer produziertem Death Metal eh einiges abgewinnen und bin sogar positiv überrascht, dass es Songs gibt, die mir richtig gut gefallen und die es in der Form nur auf "Concrete" gibt. Ganz so gerechtfertigt war es also vielleicht doch nicht, das Album jahrelang im Regal verstauben zu lassen und zu ignorieren. Auf der anderen Seite richtet es sich schon an wirklich große Fans von "Soul Of A New Machine" und die meisten Songs sind ganz interessant, um sie sich mal anzuhören, damit man weiß was damals noch so alles an unveröffentlichtem Material herumgegeistert ist, aber nichts was ich mir unbedingt öfter anhören muss. Und eine Sache ist einfach verdammt schade: die Umstände unter denen "Concrete" released wurde. Es musste halt noch zwingend ein Album her, also hat man das ganze einfach mal etwas lieblos in die Diskographie geklatscht. Stellt euch mal vor, was möglich gewesen wäre, wenn man etwas mehr Arbeit und Mühe hinein gesteckt hätte. In erster Linie richtet sich "Concrete" ja an Leute, die musikalisch in die frühen 90'er und Anfänge von Fear Factory eintauchen wollen. Eine Bonus-CD mit Live-Aufnahmen aus der Zeit oder ein paar ganz alten Songs von den Demos wäre da sehr effektiv gewesen. Theoretisch hätte man sogar noch einen Schritt weiter gehen und eine Brücke zum neuen Sound der Band schlagen können - entweder indem man noch weitere der alten Songs neu aufnimmt oder vielleicht sogar jemanden findet, der wahnsinnig genug ist, den einen oder anderen Remix aus dem alten Material zu erschaffen. Möglichkeiten hätte es sicher einige gegeben. Mir ist schon klar, dass damals im Jahr 2002 als die Band sich frisch getrennt hatte, dafür nicht gerade die besten Bedingungen vorhanden waren, aber ich kann ja auch nur das bewerten, was wir am Ende bekommen haben. So bleibt es dann bei genau dem Album, welches wir damals nicht bekommen sollten - das Original "Concrete" - nicht mehr und nicht weniger. Ein netter Einblick in alte Zeiten mit ein paar versteckten Highlights aber eben auch jeder Menge Songs bei denen man sich fragen kann, ob es sich gelohnt hat, sie nochmal auszugraben. [Review lesen]

07.09.2021 13:00 - Fear Factory: Cars (1999)

4.0 / 10
Die limitierte Digipack-Version von "Obsolete" hat im wesentlichen alle Bonustracks und B-Seiten versammelt, welche um die Zeit herum erschienen sind, es aber nicht auf das reguläre Album geschafft haben - alle bis auf eine kleine EP: nämlich "Cars". Moment mal: "Cars" befindet sich doch auf dem Digi von "Obsolete"! Das stimmt schon, wenn man nur die Promo-Single berücksichtigt, aber gleichzeitig gibt es auch eine EP-Version mit ganzen drei eigenen Songs. Ob das jetzt so aufregend ist, wie es klingt und es sich lohnt, sich doch noch 'ne CD extra zu "Obsolete" dazu zu kaufen? Es gibt nur einen Weg, das heraus zu finden… Zuerst aber mal ein paar Worte zum Song "Cars". "Cars" ist ein Cover vom gleichnamigen New Wave Song von Gary Numan. Damit haben sich Fear Factory direkt mal was vorgenommen, denn das Original befindet sich jetzt stilistisch nicht gerade nah am Industrial Metal. Aber in der Vergangenheit sollten die Kalifornier ja schon öfter mal zeigen, dass wie flexibel sie sind und dass sie vom Hardcore Punk im Stil von Agnostic Front bis hin zu Progressive Rock a la Head Of David alles mögliche gekonnt mit ihrem eigenen Stil verbinden können. In letzterem Fall sogar mit einer eigenen Single zu "Dog Day Sunrise". Von daher erscheint eine Single/EP zu "Cars" von Gary Numan dann doch nicht mehr so weit hergeholt. Tja und tatsächlich: "Cars" klingt auch in der Fear Factory Version ziemlich geil. Alleine wie man es geschafft hat, die Synthesizer mit den Gitarren zu verknüpften ist schon recht beeindruckend, aber als Sahnehäubchen hat man es sogar geschafft Gary Numan selbst dazu zu bewegen gemeinsam mit Burton C. Bell in diesem Cover ein kleines Duett zu singen. Das ist schon echt cool. Das kann man jetzt als Metalhead mögen oder nicht, aber zumindest an der Umsetzung kann man definitiv nicht meckern und auch wenn ich kein großer Gary Numan Fan bin, kenne und mag ich das Original, was dazu führt, dass mein Geschmack hier quasi doppelt getroffen wird. Soweit - so gut. Unnötig verwirrend wird es jetzt allerdings bei dem, was man daraus gemacht hat. Wir haben einmal die Promo-Single mit einer Version von "Cars" mit dem zusatz "Remix" und eben die EP mit einer etwas längeren Version, welche ebenfalls mit dem Zusatz "Remix" versehen wurde. Da ich die Single nicht habe, kann ich jetzt nicht genau sagen, inwieweit die beiden Versionen sich unterscheiden, aber um es noch verwirrender zu machen gibt es noch eine Version ohne den Zusatz "Remix", welche als Bonusmaterial auf "Obsolete" erschienen ist, die gleiche Länge wie die EP-Version hat und minimal anders klingt. Die EP-Version hat zum Beispiel ein paar nette Synths weniger, wurde dafür um ein paar nicht ganz so spannende Industrial-Samples erweitert. Alles in allem aber nichts, was beim Hören großartig auffällt. Mein Punkt ist allerdings der: warum überhaupt diese Verwirrung? Konnte man die Dinger nicht einfach ordentlich benennen und auf die EP sowohl die EP-Version als auch die Single-Version inkludieren? Bei "Dog Day Sunrise" hat das ja damals auch ordentlich funktioniert. Klar mag das jetzt kleinlich wirken, aber wenn man sich schon entscheidet, "Cars" in mehreren Versionen zu releasen und ich mich für die EP entscheide, dann achte ich auf solche Details und das ist für mich leider ein klares Minus, trotz gutem Song. Aber wir haben ja noch den eigentlichen Grund, warum ich zur EP und nicht zur Promo-Single gegriffen habe: zwei exklusive Remixes von "Obsolete"-Songs. Den Anfang macht "Descent" im "Falling Deeper Mix". Von allen Songs auf "Obsolete" wäre die Ballade "Descent" bei mir ziemlich weit hinten als Wahl für einen Remix gelandet, aber ich bin gespannt. Der Anfang ist maximal weird: nackte, cleane langgezogene Vocals ohne Musik oder jeden Kontext, was mir einen ähnlichen Vibe wie das Bild einer geschälten Blaubeere gibt: ich weiß genau, dass es nunmal so aussieht, aber es in der Form präsentiert zu bekommen wirkt trotzdem maximal komisch. Aber das sind ja nur die ersten paar Sekunden. Danach gibt es mal wieder ordentlich Turntable-Action und gefühlt wird hier eine ähnliche Richtung angestrebt wie damals mit "Burn" auf "Remanufacture", nur dass man sich hier sehr auf das Scratching verlässt. Die erste Hälfte des Songs haben wir quasi nichts anderes als die Vocals und einen DJ, der scratcht, was das Zeug hält, bis gnädigerweise doch noch ein paar Gitarren reingemischt werden. Die Idee ist dabei nicht unbedingt schlecht (wenn auch nicht originell), aber nachdem man durch die Remixes auf "Remanufacture" doch schon ziemlich verwöhnt ist, wirkt dieses Werk hier einfach verdammt trocken. Etwas besser gefällt mir der "Urban Assault Remix" von "Edgecrusher", der sich irgendwo zwischen Trip Hop und Industrial Metal bewegt. Auch hier haben wir nicht den gleichen Aufwand und die gleiche Qualität dahinter wie auf "Remanufacture", aber immerhin: der Remix wirbelt "Edgecrusher" schon ziemlich durcheinander und gibt dem Song nochmal eine ganz neue Richtung, die am Ende auch noch ganz angenehm zu hören ist. Erinnert mich ein bisschen an den "Deep Dub Trauma Mix" von "Scumgrief" damals auf "Fear Is The Mindkiller". Für das was es ist, ist dieser Remix völlig in Ordnung, am Ende aber leider auch der einzige richtige Kaufgrund für diese EP. Rechnen wir mal ab, was wir am Ende haben: ein verdammt gutes Cover, welches wir aber auch woanders in etwas besserer Form finden und selbst auf der fucking EP nicht in jeder Version zu finden ist und zwei Remixes in unterschiedlich guter Qualität. Das ist insofern okay, dass mit dem "Urban Assault Remix" von "Edgecrusher" tatsächlich ein hörenswerter Song auf der EP und zwar nur auf dieser EP ist, reicht aber wirklich nicht aus, dass ich mich um diese Version von "Cars" kloppen würde. Wenn ihr riesengroße Fans von Fear Factory Remixes seid und ihr auch ein paar Einbußen an Qualität hinnehmen würdet, um zumindest noch ein paar Remixes zu Songs von "Obsolete" zu haben, dann könnte die "Cars"-EP vielleicht ein Geheimtipp sein. Wenn ihr Fear Factory eher als reine Metalband mögt und deren Cover und Remix-CDs eh schon seit "Fear Is The Mindkiller" ignoriert, dann gibt es hier für euch rein gar nichts zu holen. [Review lesen]

07.09.2021 11:59 - Fear Factory: Obsolete (1998)

8.5 / 10
Normalerweise gilt ja immer das dritte Album einer Band als das berühmte "Make it or break it" - Album, mit dem die Band entweder groß rauskommt oder untergeht. Fear Factory waren da allerdings etwas ungeduldiger und haben schon mit ihrem zweiten Album "Demanufacture" ein derart erfolgreiches und beliebtes Album abgeliefert, mit welchem sie nicht nur ihren künftigen Stil finden, sondern auch direkt in der Szene berühmt werden sollten. Nach zahlreichen Singles, EPs, Re-Releases, einem Soundtrack für ein PC Game und einem eigenen Remix-Album, welches wiederum nochmal eigene Singles hervorgebracht hatte, hat man so ziemlich alles aus "Demanufacture" rausgeholt, was möglich war. Man hätte höchstens noch ein Live-Album mit Schwerpunkt auf dieses Album rausbringen können, aber da die Truppe live leider nicht so stark ist und vor allem Sänger Burton C. Bell clean keinen einzigen Ton trifft, hat man das vernünftigerweise besser sein lassen. 1998 war es dann also so weit: ein neues Album musste her. "Obsolete" sollte in die Fußstapfen von "Demanufacture" treten und erneut ein Konzeptalbum sein, welches eine zusammenhängende Geschichte mit dem Thema "Mensch gegen Maschine" erzählt. Um es gleich vorweg zu nehmen: auch "Obsolete" kam verdammt gut an, hat sich noch besser verkauft als "Demanufacture" und viele Fans, schwören bis heute darauf, dass "Obsolete" das Magnum Opus der Band sei und nicht "Demanufacture". Irgendwas haben die Abrissbirnen aus Kalifornien also definitiv richtig gemacht. Ähnlich wie beim Vorgänger wurde wieder viel Material um das Album herum veröffentlicht. Ich zähle alleine 5 Promo-Singles, die eine oder andere EP, wieder ein Soundtrack zu einem Game und hier und da auch mal 'ne Split. Wirklich viel exklusives Material kam dabei aber nicht rum. Zum Glück gibt es auch diesmal wieder eine Digipack-Version, auf welcher alle 5 Tracks, die außerhalb von "Obsolete" erschienen sind, nochmal zusammengekratzt und als Bonus hinzugefügt wurden. Das spart einem nicht nur das Suchen irgendwelcher einzelnen Singles, sondern ist am Ende des Tages doch nochmal einiges an extra Content, weshalb ich auf jeden Fall zum Digipack raten würde. Das eigentliche Album macht da weiter, wo "Demanufacture" aufgehört hat - also nicht nur thematisch, sondern auch musikalisch. Erwartet nicht so einen heftigen Sprung wie zwischen den ersten beiden Alben: im wesentlichen gibt es hier den gleichen Stil wie beim Vorgänger. Das heißt aber immerhin auch, dass alles, was die Band damals groß gemacht hat, hier immer noch vorhanden ist - egal ob Cazares abgehackte Gitarrenriffs, Bells Wechsel zwischen aggressiven Shouts und fast schon steril wirkenden cleanen Vocals und natürlich Herrera, welcher gefühlt mit Drumsticks in den Händen geboren wurde. Ein paar kleinere Experimente werden hier allerdings doch gewagt, teilweise sogar recht radikale Schritte, in denen man sich erstmals in Nu Metal Gefilde vorwagt. Allerdings passiert das auf "Obsolete" noch so selten und wohldosiert, dass es nicht wirklich viel am grundlegenden Stil, welcher mit Industrial Metal, Groove Metal und Death Metal eh schon sehr bunt zusammen gewürfelt ist, ändern kann. Los geht es sehr effektiv mit dem Opener "Shock". Kein langes Intro, keine große Einführung, sondern sofort das volle Aufgebot an Fear Factory Power - ein Song, mit dem man die Massen innerhalb weniger Sekunden direkt zum Moshpit mobilisieren kann. Was hier ein wenig hervorsticht ist der Refrain, welcher vor allem bei den Vocals deutlich ruhiger ausfällt als der Rest. Natürlich ist das nicht der erste Fear Factory Song mit cleanem Refrain, aber die Art und Weise wie hier Spannung aufgebaut und dann plötzlich wieder entzogen wird, ist irgendwie neu. Es mag Leute geben, die das furchtbar antiklimaktisch finden, aber ich finde es eher mal effektiv und es gibt dem Song eine recht eigene Note. Konstanter auf die Fresse gibt es bei "Edgecrusher". Dafür wird hier munter mit verschiedenen Genres experimentiert. Falls ihr euch am Anfang noch nicht genug über den leicht angedeuteten Sprachgesang wundert, dürften euch zumindest die später eingesetzten Turntables und das Scratching auffallen. Und hier muss ich wirklich zugeben, dass ich beeindruckt bin: normalerweise kann ich damit im Metal rein gar nichts anfangen und genau sowas wurde in den späten 90'ern viel zu inflationär eingesetzt, weshalb Nu Metal auch nie mein Ding. Aber speziell im Fall von "Edgecrusher" passt es einfach perfekt, nimmt nicht überhand und gefällt sogar mir erstaunlich gut. "Smasher/Devoured" geht da schon wieder etwas traditioneller zur Sache und konzentriert sich auf das, was schon auf "Demanufacture" funktioniert hat. Entsprechend liegt der Fokus hier auf Industrial Metal und das auch in ordentlich umgesetzter Form. Besonders fies ist hier die Hookline, die derart oft in fast allen denkbaren Arten von Vocals wiederholt wird, dass ihr nach dem Konsum von "Smasher/Devoured" garantiert einen hartnäckigen Ohrwurm haben werdet. Auch "Securitron (Police State 2000)" scheint sich ein paar Ideen vom Vorgänger auszuborgen. Stellenweise erinnert es mich recht stark an "H-K (Hunter Killer)" - das fängt schon beim ausgiebigen Intro an und zeigt sich danach in einzelnen, doch ziemlich ähnlichen Elementen. Musikalisch ist es auch ähnlich solide inszeniert (besonderes Kompliment hier mal wieder an Cazares), aber irgendwie können die Vocals hier nicht ganz mithalten. In der Mitte gibt es einen sehr schön angepissten Part, der klasse klingt, dazwischen kommen sie mir aber etwas lustlos daher. Warum also nicht gleich mal einen Song zwischendurch einbauen, bei dem der Sänger etwas verschnaufen kann? "Descent" wäre nämlich genau das: eine langsame Ballade mit Focus auf cleane Vocals, die sicher nicht bei jedem Fan gut ankam. Ich bin dagegen einigermaßen begeistert. Auch hier haben wir einen gewissen Neuigkeitswert, die Gitarren klingen hier regelrecht hypnotisch und in den Vocals steckt trotz allem irgendwie mehr Power als im Song davor. Mehr zur Sache geht es dann dann wieder bei "Hi-Tech Hate". Also wirklich: der Song ballert ordentlich. Erinnert mich sogar wieder an das gute alte "Soul Of A New Machine", nur etwas besser produziert. Vielleicht nicht gerade der erinnerungwürdigste Song auf "Obsolete", aber die 4 ½ Minuten Dauerfeuer finde ich tatsächlich für zwischendurch mal ganz erfrischend. Wirklich viel kann ich eigentlich auch nicht gegen "Freedom Or Fire" sagen, aber trotzdem kommt es mir am Ende wie ein Filler vor, der wenig zum Gesamtkunstwerk beizutragen hat. Dabei sind die einzelnen Elemente gar nicht schlecht und es ist alles da, was einen guten Fear Factory Song so ausmachen würde, aber trotzdem konnte alles nicht so gut miteinander verknüpft werden, dass das Gesamtpaket für mich wirklich stimmig ist - auch etwas, was mich ein bisschen an das Debütalbum erinnert - nur eben diesmal im negativen Sinne. Der Titeltrack macht seine Sache da schon wieder besser. Bei all den seit "Demanufacture" immer komplexer werdenden Songs ist es nett, mal wieder einen [Review lesen]

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