:Wumpscut: DJ Dwarf Two (2001) - ein Review von DarkForrest

:Wumpscut:: DJ Dwarf Two - Cover
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1 Review
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1 Rating
6.50
∅-Bew.
Typ: Single/EP
Genre(s): Dark Wave/Gothic


DarkForrest
01.05.2021 20:46

Okay zugegeben: "Wreath Of Barbs" auf dem gleichnamigen Album war ein wirklich gelungener Song, sogar eines der Highlights. Und klar: der eine oder Remix hat sich da angeboten. Warum nicht auch gleich eine Single dafür mit mehreren Remixes wie sie ja auch "Deliverance" spendiert bekommen hat? Gerne doch! Vielleicht auch gleich 2 Singles? Oh, okay… Mit jeweils 7 bzw. 8 Remixes? Naja ähm… Und eigener Promo-Single, welche für diese nochmal extra etwas Hype generiert? Uff!

Ja, man kann glaube ich sagen, dass aus "Wreath Of Barbs" so ziemlich alles rausgeholt wurde, was irgendwie ging. Die Remixes auf dem 2014'er Re-Release vom Album sollten bei weitem nicht die einzigen sein, mit welchen dieser Song begehrt wurde. Ein Jahr nach dem Album sollten 2002 zwei verschiedene Singles folgen, welche sich ausschließlich diesem Song widmen - einmal die "Classic Remixes" und einmal die "Freestyle Remixes". Das ganze erinnert ein wenig an den "Totmacher"-Overkill von 1999, nur dass diesmal quasi beide CDs einzeln released wurden, wobei 2005 mit "Wreath Of Barbs: Selected Remix Works" noch eine weitere CD auf den Markt gebracht wurde, welches eine Art Best Of der beiden CDs darstellt, damit auch der größte :Wumpscut:-Fan irgendwann überhaupt nicht mehr durchblickt.

Und in all diesem Chaos wurde schließlich noch "DJ Dwarf Two" veröffentlicht. Normalerweise bezieht sich ja jede DJ Dwarf auf ein bestimmtes Album. Das Problem diesmal: es gab bis "Bone Peeler" 2004 erstmal kein weiteres Album. Trotzdem sollten 2002 und 2003 jeweils DJ Dwarfs erscheinen, was "DJ Dwarf Two" zusammen mit "DJ Dwarf Three" (welches sich ein Jahr später auf "Preferential Tribe" beziehen sollte) zu ziemlichen Exoten macht. Was ebenfalls damals noch eine größere Rolle gespielt hat war der DJ-Part. Im Gegensatz zu den heutigen DJ-Dwarfs, welche eher als kleine Addons mit zusätzlichen Remixes gedacht sind, ist "DJ Dwarf Two" noch voll und ganz als DJ-Promo statt für den normalen Handel erschienen.

Das bedeutet: der eigentliche Zweck bestand darin, dass DJs das Ding im Club spielen und schonmal schauen, wie die Menge darauf reagiert. Ich habe in meiner Version sogar einen Fragebogen für DJs, in dem ich ankreuzen kann, ob ich es "richtig fett" oder "schlimm" finde und ob ich glaube, dass es "ein Smasher" oder "eine Nullnummer" wird. Bis zum 15.04.2002 hätte ich Zeit den Krempel auszufüllen und abzuschicken. Na ich glaube, da bin ich leider doch etwas spät dran um eine Karriere als DJ zu beginnen und die Reaktionen der Crowd auf "Wreath Of Barbs" zu checken.

Was am Ende auch klar sein sollte: das hier ist eine der wenigen DJ Dwarf Singles ohne exklusiven Inhalt. Wir haben hier lediglich zwei Versionen vom Original-Song und zwei Remixes, die so auf der CD mit den "Classic Remixes" zu finden sind - von den "Freestyle Remixes" ist hier ebenfalls nichts zu finden. Heutzutage ist "DJ Dwarf Two" also höchstens was für Sammler. Damals vor Erscheinen der beiden Remix-CDs war es sicherlich interessanter. Wenn wir also einen genaueren Blick auf die 4 Tracks werfen, dann am besten aus damaliger Perspektive ohne die Erkenntnis "Naja, auf den beiden Singles gibt's das ja eh schon alles mit noch viel mehr Inhalt.".

Wir haben auf "DJ Dwarf Two" einmal "Wreath Of Barbs" in der ganz normalen Album-Version, was cool ist, wozu aber wenig gesagt werden muss und im "Radio Mix", welcher den Song um gut eine Minute gekürzt hat. Ähnlich wie bei "Deliverance" wurde dieser wieder einmal handwerklich sehr geschickt umgesetzt, sodass der Song nichts von seiner Atmosphäre einbüßt. Im Gegensatz zu "Deliverance" bevorzuge ich für das normale Hören zwar das Original, aber wenn ich versuche mich in einen DJ hinein zu versetzen, dann kann ich mir sehr gut vorstellen, dass der "Radio Mix", der immerhin auch über 4 Minuten geht und vor allem kein so langes Intro hat, die bessere Wahl zum Auflegen darstellen dürfte.

Der "Heavy Extended Remix" versucht quasi das Gegenteil davon und testet, wie weit sich "Wreath Of Barbs" strecken lässt, ohne scheiße zu klingen. Die Antwort: knapp 9 Minuten. Dementsprechend ist das Ganze auch nicht mit sowas wie zum Beispiel dem "Grave Digger Party Remix" von Totmacher zu vergleichen. Wir haben hier kein ausuferndes Medley aller Remixes, sondern "Wreath Of Barbs", welches die ganze Zeit über ziemlich genau wie das Original klingt, aber eben sehr, sehr lang ist. Ich würde sagen, das ganze klingt okay, aber es wird wirklich kaum neuer Inhalt hinzugefügt. Es ist zwar ganz nett, dass es trotzdem keine absolut grässlichen Längen oder andere Ungereimtheiten hat, aber es ist jetzt auch nichts, was ich mir in der Länge gut aktiv anhören kann. Falls ihr aber Lust habt, "Wreath Of Barbs" mal als Hintergrundbeschallung zu hören, wäre das wohl der Track der Wahl.

Schließlich hätten wir noch den "Neuroticfish Remix", welcher auf der eigentlichen Single dann als "Neuroticfish Remix 2" betitelt wurde - ja, es gibt noch einen und der hier ist der meiner Meinung nach bessere. Auch hier wurde der eigentliche Song in seiner Struktur wenig verändert, aber dafür ordentlich aufgemotzt. Wir haben jetzt zusätzlich zu den durch Vodcoder stark verfremdeten Vocals von Rudy sehr düstere weitere männliche Vocals und zwischendurch ein paar tiefe E-Gitarren. Das harmoniert alles perfekt miteinander und gibt dem Song einen ordentlichen Gothrock-Anstrich. Damit macht dieser Remix alles genau richtig und ist wirklich eine Bereicherung für das Original.

Damit wäre die kürzeste DJ Dwarf ever auch schon vorbei. Schwer ein abschließendes Fazit zu geben, denn das Ding war weder je für den offiziellen Verkauf gedacht, noch stellt sich heutzutage die Frage, ob es sich lohnt, die CD zu kaufen. Es ist vielmehr interessant, dass sie in der Form überhaupt existiert. Vom reinen Inhalt her betrachtet ist sie sicherlich gut. Nichts Überwältigendes. Sie dürfte damals ihren Zweck erfüllt haben, es ist kein Schrott drauf, aber ich bin mir auch nicht sicher, ob selbst damals so eine große Nachfrage nach noch mehr "Wreath Of Barbs" bestand, dass es nötig war Remix-Singles dazu unbedingt auf diese Art zu bewerben.

Punkte: 6.5 / 10