:Wumpscut: DJ Dwarf Five (2005) - ein Review von DarkForrest

:Wumpscut:: DJ Dwarf Five - Cover
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1 Review
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1 Rating
4.00
∅-Bew.
Typ: Single/EP
Genre(s): Dark Wave / Gothic: EBM


DarkForrest
14.01.2023 07:34

Was wäre ein modernes :Wumpscut:-Album ohne eine "DJ Dwarf"-Single, die im Vorfeld veröffentlicht wird? Auch zu Zeiten von "Evoke" war die obligatorische kleine Schwester des Hauptalbums schon fester Bestandteil von jedem größeren Release. Und so wurde auch "DJ Dwarf Five" kurze Zeit vor dem Album zu Promozwecken auf die Fans losgelassen. Damals war die Idee dahinter weniger, einfach nur noch mehr Remixes zu liefern - wie das bei den neueren Exemplaren der Fall ist - und vielmehr auf das kommende Album aufmerksam zu machen und vielleicht auch schon mal zu schauen, wie der ganze Spaß im Club ankommt.

Das bedeutet natürlich auch, dass wir kaum exklusives Material am Start haben, welches sich nicht auch auf "Evoke" finden lässt. Wenn ich "DJ Dwarf Five" also streng danach bewerten würde, was die CD heute noch im Vergleich zum Album zu bieten hat, wäre das vielleicht etwas unfair - immerhin wäre ich dafür mit meinem Review knapp 18 Jahre zu spät dran. Aber wir können ja trotzdem mal drauf schauen, was wohl der eigentliche Gedanke hinter diesem Output war und wie gut er seiner Aufgabe damals gerecht geworden sein dürfte.

Ein guter Vergleich wäre sicher "DJ Dwarf Four". Hier hatten wir ein Jahr zuvor eine Auswahl von Songs und Remixes aus "Bone Peeler" und nichts, was nicht auch später auf dem Album zu finden war. Trotzdem fand ich die CD sehr sinnvoll. Es war quasi eine etwas schlankere und gut zugängliche Version von "Bone Peeler" mit leichten Blick auf Clubtauglichkeit. Kaum ein Song war doppelt darauf zu finden, man konnte sich alles am Stück anhören und hatte eine gute Erfahrung und jeder Song oder Remix, der ausgewählt wurde, passte in ein gewisses Gesamtkonzept. "DJ Dwarf Five" ist ebenfalls eine Auswahl aus einzelnen Songs und Remixes des Hauptalbums und hat sogar noch einen exklusiven Remix im Gepäck, der nur hier zu finden ist - ganz gute Voraussetzungen also, um ebenfalls ein großartiges Ausgängeschild für das damals kommende Album zu sein, oder?

Naja… Ein paar Probleme gab es leider schon vorab: "Evoke" war in meinen Augen schon nicht gerade das beste :Wumpscut:-Album. Sicherlich war es nicht schlecht und mein letztes Review hat auch viel dazu beigetragen, dass ich mit "Evoke" etwas wärmer geworden bin, aber trotzdem dürfte es etwas leichter gewesen sein, ein "Bone Peeler" in ein gutes Licht zu rücken, als dieses etwas eigenwillige Album. Auch in Sachen Tanzbarkeit, Clubtauglichkeit und DJ-Freundlichkeit haben wir hier ein kleines Problem. Das eher ruhig gehaltene Album hat nicht unbedingt viele Clubhits am Start. Trotzdem könnte man mit einer geschickten Auswahl aus Songs und Remixes sicherlich eine ganz nette Playlist zusammenfriemeln, die vielleicht sogar im Schnitt besser klingt, als das eigentliche Album.

Den Anfang macht wie auf dem Album "Maiden". Meiner Meinung nach etwas langweilig, 1:1 denselben Opener zu verwenden und dann noch nicht mal einen wahnsinnig guten, aber okay: es ist poppig, für viele sicherlich gut zugänglich und es bereitet einen ganz gut auf die Stimmung von "Evoke" vor.

Direkt im Anschluss hätten wir "Churist Churist" - ebenfalls genau wie auf dem Album. Mit "Churist Churist" kann man aber eigentlich auch nichts falsch machen. Der Song ist nicht nur klasse, sondern durch seine Lyrics in Fantasiesprache und den Kontrast zwischen recht brachialen Vocals und angenehm leichter Musik sehr interessant. Das einzige, was mich irritiert, ist, dass man im späteren Verlauf auch noch die Version von Recently Deceased mit draufgepackt. Ich will nicht zu sehr meckern, wenn sich auf "DJ Dwarf Five" einer der besten Songs des Albums inkl. des besten Remixes von diesem Song befinden, aber ich weiß nicht, ob es bei insgesamt 9 Tracks wirklich mehrere Versionen desselben Songs braucht, oder ob man sich nicht besser für eine Version entschieden hätte.

Nun, bei "Hold" hat man genau das getan: sich für eine Version entschieden - leider für die schlechteste. Wer mein Review zu "Evoke" gelesen hat weiß, dass ich "Hold" in der ursprünglichen Version ziemlich langweilig finde. Allerdings hätten wir auf der Remix-CD gleich drei Versionen, die allesamt spannender klingen, bessere Promo für das Album wären und mit denen man wahrscheinlich auch im Club mehr anfangen könnte. Die einzige Erklärung, die ich habe, ist die, dass Sängerin Jane M. auf "DJ Dwarf Five" möglichst stark und unverfälscht vertreten sein sollte.

"Rush" in der Basisversion ist für mich jetzt auch nicht die spannendste Wahl. Sicherlich passt es ganz gut auf so eine Single und klingt als Song auch nicht furchtbar, aber es klingt halt nach einem ziemlich gewohnten :Wumpscut:-Filler. Vielleicht hätte man ja wenigstens die Reihenfolge so verändern können, dass "Rush" hier der Opener wäre - das hätte irgendwie etwas besser gepasst.

"Don't Go" beweist dann, dass es bei dieser CD wohl tatsächlich sehr um Jane M. gehen sollte - immerhin sind alle Tracks mit ihr auf dieser CD vertreten. "Don't Go" sogar zweimal - einmal im Original und einmal in der "Eighty 64c"-Version, die auf dem Album auch einfach als :Wumpscut:-Version bezeichnet wird. Beide Versionen finde ich nicht großartig, aber zumindest gegen den Remix kann ich wenig sagen: er repräsentiert "Evoke" ganz gut, passt gut auf eine "DJ Dwarf" und ersetzt die normale Version wunderbar. Warum man auch die normale Version draufgepackt hat, ist mir dagegen ein absolutes Rätsel und ich weiß nicht, wer sich diesen Song unbedingt zweimal hintereinander geben will.

"Obsessió" ist tatsächlich nur in einer Version vertreten und das leider in der meiner Meinung nach deutlich schlechteren. Das Original finde ich absolut großartig, während der Remix von Cerebral Apoplexy daraus eine etwas langweiligere Geschichte macht. Er ist sicherlich nicht komplett für die Tonne, aber einfach kein Vergleich zum Original. Ich bin hier auch etwas irritiert: "Evoke" ist eines der Alben mit den besten Remixes und trotzdem hält man diesmal im Gegensatz zu "DJ Dwarf Four" sehr an den teils deutlich schlechteren Original-Songs fest. Und wenn man sich dann mal traut, einen Song ausschließlich im Remix auf "DJ Dwarf Five" zu packen, dann einen von vielleicht zwei eher schwachen Remixes bei einem Song, der im Original schon großartig klingt. Vielleicht steht mein persönlicher Geschmack hier auch einfach nur sehr stark dem der Fans entgegen, aber teilweise hätte man kaum härter daran arbeiten können, dass ich die Auswahl nicht mag.

Bleibt nur noch der Song, für den ich mir die CD eigentlich gekauft habe: der Turmyte Remix zu "Just A Tenderness". Ich bin mir natürlich bewusst, dass ein Remix wahrscheinlich nicht so großartig sein wird, dass er den Kauf dieser seltsamen CD rechtfertigt, aber ich bin nunmal gierig und muss einfach jeden Song haben. "Just A Tenderness" war ein großartiger Song auf "Bone Peeler" und hat damals schon drei Remixes spendiert bekommen. Die Version von Turmyte kam offensichtlich etwas zu spät zur Party und wurde dann eben hier veröffentlicht. Mein Urteil nach einigen Malen hören: Joa… Ist ganz okay. Er hat als einziger rein instrumentaler Remix sicher seine Existenzberechtigung und durch die sehr elektro- / synthlastige Ausrichtung passt er von allen Remixes sogar am besten zu dem "Evoke"-Material. Ich kann also nicht meckern. Im Vergleich zum Original oder dem sehr merkwürdigen, aber großartigen Remix von F/A/V bleibt er zwar deutlich weniger im Gedächtnis, aber ich würde ihn schon als kleinen Pluspunkt für diese "DJ Dwarf" betrachten.

Tja und Pluspunkte kann "DJ Dwarf Five" auch ganz gut gebrauchen. Also gehen wir mal alle positiven Aspekte dieser CD durch. Zuerst einmal ist nicht jeder Song darauf furchtbar. "Churist Churist" ist sofort absolut großartig. Auch den Remix von "Don't Go" und wahrscheinlich auch "Rush" in der Standard-Version hätte ich ausgewählt. Und falls es darum ging, "Evoke" sogar als noch poppiger darzustellen, als es dann eigentlich werden sollte, dann ist das hier gelungen. Auf jeden Fall konnte man ziemlich klar die Message rüberbringen, dass das Album deutlich anders und experimenteller klingen würde als alles, was Ratzinger bis jetzt produziert hat.

Ansonsten trifft die Auswahl der Songs überhaupt nicht meinen Geschmack und mir ist auch nicht klar, was zum Beispiel "Don't Go" in gleich zwei Versionen darauf zu suchen hat. Nach ausgiebigem Hören von "Evoke" hätte ich definitiv größtenteils andere Songs für "DJ Dwarf Five" ausgewählt. Mit "Breathe" hätte man einen wirklich tanzbaren Song mit dabei gehabt. "Hold" wäre in so ziemlich jeder Version besser gewesen als im Original und auch der Remix von "Perdition", der auf dem Album etwas untergegangen ist, wäre hier schön zur Geltung gekommen. Damit ist "DJ Dwarf Five" für mich am Ende nicht schlecht gealtert - es war eher mal nie richtig gut.

Punkte: 4 / 10