Thin Lizzy Renegade (1981) - ein Review von Philomena

Thin Lizzy: Renegade - Cover
1
1 Review
28
28 Ratings
8.73
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Metal: Hardrock, Heavy Metal
Rock: Folk Rock, Hardrock


Philomena
08.04.2015 17:48

Was soll ich sagen? Wieder etwas, wie „der extrem hohe LIZZY- Standard der vorherigen Veröffentlichungen wurde gehalten“? Das wäre sicher nicht ganz falsch. Oder: „Auf der zweiten Seite fällt die Platte leider dann doch ein bisschen auseinander“. Das wäre auch nicht ganz falsch, aber etwas zu hart.´Renegade´ ist wie der Nachfolger ´Thunder And Lightning´ unter LIZZY-Supportern etwas umstritten. Ist die eine (´Renegade´) etwas zu soft und keyboardlastig, erscheint die andere (´Thunder And Lightning´) manchen zu hart oder gar schon böser Heavy Metal.Zu den Fakten: ´Renegade´ war die zweite Platte mit Snowy White, produziert zum ersten Mal mit Unterstützung von dem 2018 leider verstorbenen Chris Tsangarides (produzierte u. a. Gary Moore, JUDAS PRIEST, BLACK SABBATH oder ANVIL) und einem schönen Coverartwork – wenn auch ohne Unterstützung von Jim Fitzpatrick. Darren Wharton war 18-jährig mit seinen Keyboards endgültig fest in die Band aufgenommen worden, auf dieser Platte für mich allerdings mit eher gemischten Ergebnissen. Zu meiner Bewertung: ´Angel Of Death´, der Opener, ist sicher die beste Leistung von Darren Wharton. Die geisterhaften Keyboardklänge zu Beginn passen großartig zu einem der epischsten und stärksten Songs der LIZZY-Geschichte. Ein denkwürdiges Lied mit apokalyptischem Text von Philip – vom Großbrand in San Francisco über Hitlers hinterhältigen Überfall auf Polen bis zum von Nostradamus vorhergesagten Untergang unserer Welt. Das kann einem nicht nur derzeit richtig Furcht einflößen, auch wenn die Prophezeiung für Ende des 20. Jahrhunderts datiert war („In the sixteenth century there was a French philosopher by the name of Nostradamus. Who prophesied that in the late twentieth century, an Angel of death shall waste this land. A holocaust the likes of which this planet had never seen. Now, I ask you. Do you believe this to be true?“). Mit ´Renegade´ geht es eher ruhig und nachdenklich, aber auf gleicher extrem hoher Qualitätsstufe weiter. Ein leichter DIRE STRAITS-Einfluss ist zu hören, der wohl von Philips Zusammenarbeit mit Mark Knopfler von ´Solo In Soho´, seiner Soloplatte herrührt. Ein ganz starker Song.´The Pressure Will Blow´ ist wie ´Leave This Town´ anschließend guter LIZZY-Standard – nicht mehr, aber auch nicht weniger. ´Hollywood´ ist auch ein richtig ordentlicher Opener der zweiten Seite und wurde als Single veröffentlicht. ´No One Told Him´ ist auch völlig okay mit klugen Lyrics.Dann wird es aber schwierig. Ich will die drei folgenden Songs gar nicht so sehr kritisieren. Jeder für sich ist okay. Aber von ´Angel Of Death´ zu ´Fats´, der Hommage von Philip für den Jazz-Pianisten Fats Waller, ist es doch ein abenteuerlicher, langer Weg. Das sprengt dann auch die oftmals große Bandbreite von LIZZY-Alben. Schöner Funky-Bass von Philip zumindest. Auch das folgende, stark gesungene ´Mexican Blood´ wäre auf einem der von mir hochgeschätzten Solo-Alben von Philip besser aufgehoben gewesen. Richtig ärgerlich wird es bei ´It’s Getting Dangerous´ – ohne die den Song zukleisternden Keyboards wäre das ein extrem starkes Stück von THIN LIZZY geworden. Mich stören die Keyboards hier enorm. Der Text und die melancholische Stimmung des Songs sind prinzipiell extrem gut.Insgesamt finde ich ´Renegade´ aber trotzdem ziemlich stark, nicht nur aufgrund der ersten zwei genialen Songs. Snowy White reichte es allerdings dann. Er hatte sich nie so richtig in die Band integriert und suchte das Weite und es gab wieder einen freien Posten an der Gitarre.

Punkte: 9 / 10


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