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Registriert seit: 06.04.2015
| Zum Verkauf | 0 | Eingetragen | 319 |
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| Bewertungen: | 2874 | Reviews: | 180 |
| Genres: | Blues, Comedy, Country, Dark Wave/Gothic, Elektronische Musik, Hardcore, House, Hörspiel/Hörbuch, Jazz, Klassik, Metal, Musical, Pop, Punk, Rap/Hip Hop, Reggae, Rock, Schlager, Singer/Songwriter/Liedermacher, Ska, Sonstiges, Soul/R&B, Soundtrack, Volksmusik/Folklore, World Music | ||
| 0.5 | 1 | 1.5 | 2 | 2.5 | 3 | 3.5 | 4 | 4.5 | 5 | 5.5 | 6 | 6.5 | 7 | 7.5 | 8 | 8.5 | 9 | 9.5 | 10 |
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0.5: 0.43290043290043% (3x)
1.0: 0.14430014430014% (1x)
1.5: 0.57720057720058% (4x)
2.0: 0.28860028860029% (2x)
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6.0: 2.4531024531025% (17x)
6.5: 4.9062049062049% (34x)
7.0: 18.614718614719% (129x)
7.5: 39.249639249639% (272x)
8.0: 84.992784992785% (589x)
8.5: 95.238095238095% (660x)
9.0: 100% (693x)
9.5: 42.279942279942% (293x)
10.0: 21.789321789322% (151x)
8.5 / 10
13 Songs im Country Stil im kleinen Club. Da fragt sich ein wenig Country Musik-Affiner wie ich: Muss das sein? Ergibt das Sinn?
Aber nun, bei dieser Band hatte ich schon die Hoffnung, dass auch Country Sinn macht. Und klar, nach John Denver klingen Amy und ihre Mitstreiter (gottseidank) nicht.
Im April 2025 traf sich die Band mit Freundinnen und Freunden im legendären mexikanischen Restaurant El Coyote in Los Angeles und nahm die Songs in einem Take zwanglos auf. Zwei neue, unveröffentlichte Lieder und eine Coverversion von Slim Dustys ´Lights On The Hill´ sind darunter.
Vor allem zeigen schon die ersten beiden Songs ´Big Dreams´ und ´Hertz´, wie viel Substanz die meisten Kompositionen der Band haben, dass sie auch in diesem sparsamen, eher ruhigen Konzept sehr gut funktionieren. Und Amy hat einfach eine originelle Stimme und hat auch hier ihre atemberaubende Hyperaktivität nicht verloren.
´Hertz´ legt in dieser Version sogar noch eine Schippe Sehnsucht und Melancholie drauf. Sehr stark. Amy, unterstützt vom schüchternen männlichen Backgroundgesang, trägt das Album fast alleine. Aber auch die drei Mitmusiker sind in sehr guter Spiellaune. ´Bailing On Me´ kommt dann schon punkig schräger inklusive Gitarrensolo.
Das Kraftausdrücke Festival ´Jerkin’´ widmet Amy gleich einschlägigen Politikern. Klasse. Das fiese, neue ´Fella´ wird als lockerer Mitsingtitel gespielt.
AMYL AND THE SNIFFERS haben einfach die Street-Credibility, die bei der Band immer und gerade auch in diesem abgespeckten musikalischen Konzept funktioniert. ´Chewing Gum´ ist sehr vorlaut gesungen und hat trotzdem wirklich viel Country-Seligkeit. Und der Gesang sorgt laufend für die notwendige Originalität.
´Facts´ funktioniert auch gut im (gesanglich) schrägen musikalischen Kontext. Das am Anfang der Band geschriebene ´Caltex Cowgirl´ passt natürlich wie die Faust auf das Auge und zeigt die schon sehr früh entwickelte Vorliebe für das Country-Genre. ´Snakes´ macht hörbar Spaß. Genau so ´Me And The Girls´, der Abschlusstrack des letzten Albums. ´Don’t Need A Cunt (Like You To Love Me)´ schwankt zwischen Punk und Country.
Die angesprochene Cover-Version und der zweite neue Song ´Bag Of Cocaine´ (typischer schräger Humor der Band von einer inzwischen sehr heiser gewordenen Amy vorgetragen) sind ein gelungener Abschluss einer Spaß machenden Veröffentlichung.
Die Band nimmt die Platte und sich selbst nicht allzu Ernst und gerade deshalb machen die 13 Songs auch sehr viel Spaß. Das heißt aber nicht, dass die Band auch in diesem andersartigen Kontext nicht sehr professionell agieren würde.
´Truth Or Consequences´ kommt jetzt selbstverständlich von der Wertigkeit nicht an die letzten beiden Platten heran, ist aber auch als Projekt schwerer zu beurteilen und soll einfach Vergnügen bereiten. Und das macht es. Den zugehörigen Film gibt es Ende August in ausgewählten Kinos.
Die Platte ist super, wie alles dieser Band, und ich gebe....
https://www.saitenkult.de/2026/08/27/country-album-der-ueberflieger-amyl-and-the-sniffers/ [Review lesen]
9.0 / 10
SNOWY hat bei den letzten Alben seinen Sound immer mehr verfeinert, aber auch songdienlicher und kompakter gespielt. ´Unfinished Business´, das letzte Album von 2024, war einer seiner stärksten Momente seiner Solo-Karriere. Da waren jetzt meine Erwartungen schon ziemlich hoch, auch wenn der gute Snowy mittlerweile schon 78 Jahre zählt.
´Open Water´ beginnt sanft und lyrisch und wechselt in einen entspannten Rhythmus über. Snowy gelingt es sofort, mit wenigen, klug gesetzten Tönen, den Song in eine verspielte, melodische Richtung zu bewegen. Hier zeigt sich, weniger kann mehr sein und Snowy führt uns gleich in seine fremde, angenehm rhythmische Musikwelt mit leichten Fusionsanklängen. Mutig, zu Beginn mit dem einzigen Instrumentalstück zu starten, aber Verkaufsstrategien haben Snowy noch nie interessiert. Schließlich wird die Platte wieder in voller Unabhängigkeit veröffentlicht.
´Lost In The Blues´ kommt schon erwartbarer mit ebenfalls spannendem Rhythmus und Snowys trockenem, lakonischen und doch hin und wieder jetzt auch etwas brüchig klingenden Gesang. Gekrönt wird der Song vom ersten starken Solo. Und sein Gitarrenspiel ist sehr edel mit einem schönen Sound. Zum Schluss gibt es spärlichen Applaus im Studio.
´Just The Way It Is Today´ ist auch klassischer Blues-Stoff, zumindest von den Lyrics. Auch hier ist der Rhythmus von leichten südamerikanischen Rhythmen geprägt. ´Three Long Years´ ist rockiger angelegt. Und hier wendet er sich auch wieder privaten philosophischen Themen zu. Auch ´Music All My Life´ setzt sich – wie einige andere Songs – textlich mit seiner musikalischen Karriere auseinander. Musikalisch sehr cool und entspannt und erinnert an seinen Fusionssound der ersten Jahre seiner Solo-Karriere nach dem Ausstieg bei THIN LIZZY.
Der zweite Teil der Platte wird mit einem kräftigeren Blues-Shuffle namens ´Whole Bunch Of Nothing´ eingeleitet und zeigt Nuancen von Hard Rock mit doppelten Gitarrenlinien, die mehr nach WISHBONE ASH als LIZZY klingen. ´Minefield´ setzt sich mit der Welt, Lügnern, windigen Geschäftsleuten, Influencern, “Widowmakers” wie Putin und Entfremdung auseinander. Ein klarer Höhepunkt, auch musikalisch. Der Song leitet Snowys sozialkritischen Ansätze ein, wenn man das so nennen darf oder soll.
´Win Some Lose Some´ ist auch ziemlich dynamisch und rockt im Mittelteil ordentlich. Das epische und titelgebende ´The Finishing Touch´ ist einfach großartig. Und ein weiterer Versuch, zu verstehen, wie Männer wie Trump oder Putin (auch wenn sie hier nicht namentlich genannt werden) alleine die komplette Welt in die Dunkelheit stürzen können. “How can they sleep at night…”, fragt sich Snowy. Starkes Statement. Starker Song.
´The Blues Away´ ist zum Schluss einer dieser wunderschönen Blues-Titel, die Snowy so genial beherrscht. Und ein Abgesang auf sein Leben. Ja wirklich. Traurig. Aber noch kann er die richtigen Töne aus seiner Gitarre herausholen und findet es meist auch okay. Britisches Understatement wie immer und auch sehr emotional im Abgang. Hoffentlich wird das nicht seine letzte Platte. Der Titel weist darauf hin, die vorherige Platte war noch “unfinished”. Das wäre sehr bedauerlich, denn Snowy hat auch zu meiner musikalischen Sozialisation beigetragen. Mit ´Chinatown´ und ´Renegade´ und ich habe ihn mit 16 Jahren live mit THIN LIZZY gesehen.
Eine weitere starke Platte von Snowy, ein weiteres Alterswerk im positiven Sinne. Textlich steckt eine Art von philosophischen und deskriptiven Rückblick auf sein Leben und seine Biographie dahinter. Und er versucht abermals die Welt und die derzeit negativen Veränderungen zu erklären, was er nicht kann.
Der Vorgänger hat mir aufgrund seiner stärkeren Konzentration auf den Blues Rock zunächst noch ein wenig besser gefallen, aber das sind Nuancen. Außerdem hat sich ´The Finishing Touch´ im zweiten Teil dann deutlich gesteigert, was zur selben Notenbewertung führt. Snowy ist nach wie vor sehr wertvoll für die qualitativ anspruchsvolle Musik. Und hat ein intimes Musikverständnis, das direkten Kontakt zum Konsumenten aufbaut.
Wir wollen mehr von ihm hören und ihn nicht mit dieser starken Platte verlieren!
https://www.saitenkult.de/2026/06/29/snowy-white-the-finishing-touch/ [Review lesen]
8.5 / 10
San Francisco Multiinstrumentalistin Leila Abdul-Rauf, die auch Sängerin und Gitarristin in der Death Metal-Band VASTUM (auch sehr empfehlenswert!) ist, legt ein beängstigendes Album vor. Seit ´Cold And Cloud´ 2013 hat sie ihren eigenen Stil entwickelt. Es klingt zunächst in dem langen Intro wie direkt aus der Vorhölle. Metallische Schläge, dann düstere Chöre. ´Stripped Before The Eye Of Death´ sorgt schon als Songtitel für eine Extra-Portion Gänsehaut. Auf dunkle musikalische Grundlagen legt sich der düstere Gesang von Leila, meistens in multipler Version.
´Eros Anima´ ist etwas einfacher zugänglich, durch so etwas wie wiederkehrende Ton- und Melodie-Folgen und fanfarenähnliche Harmonien. Was aber permanent bleibt, ist eine gewisse Düsternis und unterdrückte Aggression. Hier singt Leila gleichberechtigt zur gruseligen Musik im Vordergrund. Es gibt Einflüsse von VELVET UNDERGROUND und Elektronik. Immer wiederkehrende Fanfaren zwischen Gladiatoren-Filmmusik und Horror-Movie-Soundtracks.
Nach dem brummigen ´Senex Rule´ mit tiefen vokalistischen Basstönen von Gastsänger Gregory C. Hagan (auch bei VASTUM aktiv) zerschmettert ´Fracured Body´ mit okkulten Gesängen jegliches Wohlfühlklima. Der Titelsong erinnert gesanglich irgendwie an das beeindruckende Frühwerk von der Schweizer Künstlerin Anna Aaron (´I’ll Dry Your Tears Little Murderer´).
Zwei längere Titel beenden das Album sehr spannend. ´A Requiem For Ishtar´ ist nur noch einen schmalen Grat vom Wahnsinn entfernt. Auch hier setzt der variantenreiche Gesang von Leila Kristallisationspunkte zwischen Halbwelt und dem Reich des Hades. Einer der (vielen) Höhepunkte des Albums. ´Return To Anu´ ist ein gespenstischer, aber auch etwas “hellerer” Abschluss von ambitionierten 37 Minuten origineller Musik.
Das ist alles so spannend und faszinierend, dass mir nur eine hohe Wertung möglich ist. Auch wenn ich ehrlicherweise noch nicht den kompletten Zugang zu dem Album gefunden habe, so hat mich das Album von Anfang an fasziniert.
https://www.saitenkult.de/2026/05/12/leila-abdul-rauf-andros-insidium/ [Review lesen]
9.5 / 10
Diese Show aus Cleveland ´Live At The Agora´ (eine WMMS-Radioübertragung) von der ´Jailbreak´-Tour vom 11.05.1976 wurde schon auf dem längst vergriffenen CD-Box-Set „1976“ veröffentlicht. Jetzt gibt es das ca. 65 Minuten lange Konzert zum ersten Mal offiziell auf doppeltem transparentem Vinyl zum “Record Store Day 2026” in einer Auflage von 4.000 Stück
Die Trackliste enthält fünf Klassiker von ´Jailbreak´ sowie Songs von ´Fighting´ und ´Nightlife´ sowie als kleine Überraschung zum Schluss noch ´Little Darling´. Der Song wurde als Single veröffentlicht, als Gary Moore nach dem Ausscheiden von Eric Bell Philip Lynott und Brian Downey übergangsweise vor ´Nightlife´ aushalf.
Das Konzert ist fantastisch, zeigt eine Band mit unglaublicher Energie und fügt den großartigen Auftritten auf der ´Live And Dangerous Box´ ein weiteres Highlight hinzu. Roh (zu Beginn noch mit ein paar Rückkopplungen, dann deutlich besser werdend) und heavy (besonders der Bass von Philip). Die beste Live-Band ihrer Zeit. Das lässt sich nicht leugnen. Und das beste THIN LIZZY Line-up. Amen.
Weitere kleinere Abweichungen vom damaligen “Normalprogramm” sind eine deutlich längere Version von ´It’s Only Money´ von ´Nightlife´ und eine langsame, erweiterte Version von ´Romeo And The Lonely Girl´ vom ´Jailbreak´-Album. Brian Robertson versucht sich ganz ordentlich als Backgroundsänger und es gibt ein starkes Gitarrensolo von Scott Gorham. Dazu kommen die üblichen Klassiker, die sich auch auf ´Live And Dangerous´ fanden, in spannenden Versionen („We have a single out at the moment. It’s a new single …called ´The Boys Are Back In Town´”). Also jede Menge Höhepunkte.
Am Ende kommen die obligatorischen Jams für das Publikum mit ´Baby Drives Me Crazy´ (Philip kämpft hörbar erfolgreich um das Publikum), das frühe Lyrics des erst im November zur Veröffentlichung anstehenden ´Boogie Woogie Dance´ von ´Johnny The Fox´ adaptiert. Philip spielte gerne mit Lyrics von neuen Songs im Live-Test. Und es gibt eine gewaltige Version von ´Me And The Boys…´ mit unglaublichem Powerdrumming des einzigartigen Brian Downey, obwohl der sich auch schon vorher auf ´Sha-La-La´ ausgetobt hat. Und Brian Robertson zeigt einmal mehr seine erstaunlichen Gitarrenkünste (Philip: “Don’t mess with the Kid”!). Eine unglaubliche Dynamik.
Dann rundet zum Schluss der genannte Überraschungstrack ´Little Darling´ das Album ab. Fantastisch. Die beste Besetzung der besten Band in Topform. Die Verpackung mit einem abgewandelten Cover-Design von ´Jailbreak´ des hochbegabten Jim Fitzpatrick. Und die transparenten Vinylplatten sind wirklich schön und von der Pressung von hoher Qualität. Ich bin kein großer Fan des “Record Store Day”. Aber dieses Album ist definitiv sein Geld wert.Ein weiterer Live-Klassiker von THIN LIZZY aus dem Jahr 1976.
https://www.saitenkult.de/2026/04/19/thin-lizzy-live-in-cleveland-1976-record-store-day-2026/ [Review lesen]
8.5 / 10
Gabe Stillman, Gitarrist und Sänger aus Pennsylvania, hat den Gibson Guitar Award 2019 gewonnen und jetzt nach ´Just Say The Word´ 2021 ein neues Album eingespielt. Er beginnt mit dem Titelsong sehr locker und entspannt. Mit viel Orgel und weiblichem Background Gesang. Eine soulige Blues Rock-Variante (was aber insgesamt auf dem Album eher die Ausnahme bleibt – vor allem im Hinblick auf die Background-Sängerinnen).
´Yesterday’s Donuts´ kommt mit breiter Gitarre und gekonntem Gesang. Dafür, dass er als eher stiller Mensch charakterisiert wird, hat er doch sehr gute Entertainment-Qualitäten. Auf dem Cover setzt er übrigens auf eine abgewetzte Fender-Gitarre und nicht auf Gibson. Mit dem siebenminutigen ´The Man I Supposed To Be´ holt er aber dann die ganz große Gitarre heraus und es wird deutlich, warum er diesen Gitarren-Award gewonnen hat. Sein Gitarrenspiel zitiert dabei Größen wie Stevie Ray Vaughan. Uff, das kam jetzt eher unerwartet, auch wenn die ersten beiden Songs schon gut waren. Eine Wahnsinns-Gitarre.
Shame Shame´ ist der nächste Song, wo die Gitarre seiner guten Stimme deutlich Konkurrenz macht. Was beeindruckt, ist die Leichtigkeit wie er die Gitarrentöne aus der Fender schüttelt. ´I’ve Got To Use My Imagination´ erinnert an die Blues-Welle in Großbritannien Ende der 60er Jahre. Auch die Band exzellent bei ´Living Your Life´. ´Gentle On My Mind´ , ein alter von John Hartford geschriebener Titel, den auch Glen Cambell und Dean Martin aufgenommen haben, zeigt zum Schluss noch einmal ganz andere musikalische Aspekte.
Insgesamt ein Super-Album eines Hoffnungsträgers der Gitarrenmusik und des Blues Rock. Auch wenn “Blues Rock” bei Gabe zu kurz greift. Gute Songs und ja, ´The Man I Supposed To Be´ ist eine der besten gitarristischen Leistungen, die ich in letzter Zeit gehört habe. Mit dem Song würde er mindestens 99,5% der anderen Gitarristen von der Bühne blasen. Ein klarer Hoffnungsträger.
https://www.saitenkult.de/2026/03/07/gabe-stillman-what-happens-next/ [Review lesen]
8.5 / 10
Diese alte Formel gilt seit fast 60 Jahren: Nimm eine tighte Rhythmusgruppe, eine Gitarre, die bis zum Anschlag aufgedreht wird, und einen Sänger, der singt, als würde er morgens nach dem Aufstehen mit heißen Kohlen und Whiskey gurgeln. Fertig ist der erdige Rock, der seit CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL in den 60er-Jahren erfolgreich ist und in den 70er-Jahren in den Southern Rock von LYNYRD SKYNYRD und anderen mündete. Später in der kommerziellen Version von Tom Petty wurden weitere Millionen Platten verkauft.
WHISKEY MYERS aus Palestine, Texas, ist so eine Band, die einfach präsent ist – vor allem live – und diese US-amerikanische Musik vorbildlich spielt. Mehr in Richtung 70er-Jahre und der talentierte Frontmann Cody Cannon hat das Album komplett geschrieben. 2008 erschien das Debüt ´Road Of Live´ und seitdem hat die Band einige Southern-Perlen mit viel Erfolg veröffentlicht. ´Time Bomb´ zeigt gleich als Opener die vokalistischen Künste von Cody, der mit seiner Power-Stimme wirklich mit jedem Southern Rock-Sänger mithalten kann.
´Tailspin´ kommt schwerer und schleppend daher und wäre auch ein schöner LYNYRD SKYNYRD-Titel geworden. Bei ´Rowdy Days´ und ´Icarus´ zeigt Cody und die Band, das auch die leiseren Zwischentöne ohne Problem auf hohem Niveau gespielt werden können. ´Midnight Woman´ ist so ein Titel, wo man sich in der Fantasie gleich in der rauchigen (na, muss eigentlich nimmer sein) Bar wiederfindet. Am Tresen, wo viele volle und leere Longdrink-Gläser vor einem stehen, die konsumiert werden, bis die Erdanziehungskraft einen zwangsweise vom wackeligen Hocker auf den staubigen Holzboden abstürzen lässt (kommt eigentlich auch nicht mehr vor). Wer dieses Bild vor seinen Augen hat und das irgendwie gut findet, ist hier richtig angekommen.
´Born To Do´ kann auch Country-Musik ein- und ausatmen. ´Rock’n’Roll´ mit starkem Riff macht seinem Namen alle Ehre und ist eine Hymne, die jedes Cowgirl und jeden Cowboy vor Sehnsucht zum Weinen bringt. Das ist 100%ig ehrliche Musik. So und nicht anders. Auch ´Ramblin’ Jones´ atmet die unverwüstliche Wüstenmusik der Südstaaten. Ein kräftiger Beat, knarrende Gitarren und Codys virtuoser Gesang mit männlichen Background-Chören reicht zum Wohlfühlen. ´Monsters´ ist eine Ballade, die vor Gold glänzt. Diese Stimme!
Immer der gleiche alte Scheiß. Und wie ich diesen von Herzen liebe. Hervorragend. Diese Musik stirbt nie aus.
https://www.saitenkult.de/2025/10/08/whiskey-myers-whomp-whack-thunder/ [Review lesen]
10.0 / 10
Mit ´Fighting´ hatte sich der Vierer bestehend aus Philip Lynott, Brian Downey, Scott Gorham und Brian Robertson endgültig warmgespielt und war bereit, den Thron im Hard Rock mit dem nächsten Output zu übernehmen. Und dieser Anspruch wurde zumindest in künstlerischer Hinsicht erfüllt. ´Jailbreak´, die sechste Veröffentlichung, wird von vielen als das Referenzwerk von THIN LIZZY angesehen. Warum das so ist? Dafür gibt es einige Gründe, die ich aus meiner Sicht nennen möchte:
Das Album lieferte mit fünf Songs die meisten Songs für ´Live And Dangerous´, dem – meiner bescheidenen Meinung nach – besten (Live-)Album aller Zeiten.
Im Gegensatz zu anderen Veröffentlichungen (´Johnny The Fox´, ´Chinatown´, ´Renegade´ oder auch mit Abstrichen ´Thunder And Lightning´) waren die Songs der zweiten Seite mindestens gleichwertig zu denen der ersten Seite. Bei den anderen genannten Veröffentlichungen war dies aus meiner Sicht nicht durchgehend der Fall.
Mit dem furiosen Titelsong, ´Warriors´ (für mich ist die Studio-Version ausnahmsweise noch deutlich stärker als die Live-Version), dem hämmernden ´Emerald´, ´The Boys Are Back In Town´ und ´Cowboy Song´ gibt es fünf absolute LIZZY-Klassiker. ´Jailbreak´ besticht durch ein trockenes Riff, gepaart mit den coolen Lyrics von Philip Lynott und den heulenden Polizeisirenen. Bessere Songs als ´Warriors´ oder ´Emerald´ kann man aus meiner Sicht gar nicht schreiben. Ein Höchstmaß an filigraner Gitarrenarbeit, geniale Texte, wie bei ´Warriors´ – “I am the warrior. I serve the death machine. Losers or conquerors. All flash past on my silver screen. Death is no easy answer, for those who wish to know. Ask those who have been before you. What fate the future holds. It ain’t pretty” – die nur Philip Lynott schreiben konnte und eine Songstruktur, die vom üblichen Text-Chorus-Schema weit entfernt ist. Auf dem stahlharten ´Emerald´ finden sich eines der besten Gitarrenduelle der Rockgeschichte und ein fantastischer kurzer, aber prägnanter Text zur irischen Historie. ´The Boys Are Back In Town´ der Überraschungshit, der in den USA in die Hitparade stürmte und als Song für die Vietnam-Veteranen interpretiert wurde und THIN LIZZY endlich half, den lästigen ´Whiskey In The Jar´-Schatten zu vertreiben, mit dem die Band vor ´The Boys…´ oft identifiziert wurde. Und mit ´Cowboy Song´ einen weiteren zukünftigen Live-Gassenhauer.
Entscheidend ist bei ´Jailbreak´ die geschlossene Mannschaftsleistung, die auch die schnörkellose Produktion von John Alcock und das geniale futuristische Cover von Jim Fitzpatrick mit dem (in den ersten Versionen) herausnehmbaren Blatt umschließt. Dazu der feste Rahmen der Songs, der diese Geschlossenheit fast schon im Sinne eines Konzeptalbums unterstützte. Die anderen vier, weniger bekannten Songs sind nahezu gleichwertig zu den fünf genannten, wie das kämpferische und doch ruhige ´Fight Or Fall´ , das gitarrentechnisch hochwertige ´Angel From The Coast´ und die eher melodischen ´Romeo And The Lonely Girl´ und ´Running Back´.
´Jailbreak´ ist sicher auch noch im Gedächtnis, weil die Band mit diesem Output den kommerziellen Durchbruch schaffte und das Album neben ´Live And Dangerous´ das bestverkaufte Album ist. Wenn dann auch der künstlerische Eindruck nur mit der Höchstnote bewertet werden kann, dann bleibt nur die Benennung “Meisterwerk”. ´Jailbreak´ ist mindestens ein Klassiker, der in allen Rock-Rankings für immer ganz oben stehen muss. Und (mit einigen anderen) das beste LIZZY-Studioangebot darstellt.
https://www.saitenkult.de/2020/02/17/thin-lizzy-6/ [Review lesen]
8.5 / 10
26 Jahre ist Ally Venable im April geworden und die texanische Gitarristin ist schon seit über zehn Jahren in der Blues Szene präsent. Zunächst als ALLY VENABLE BAND und dann schlicht nur unter ihrem Namen. Ally ist eine gute Sängerin mit Soul in der Stimme und ihr Gitarrensound ist sehr warm und exzellent. Auch wenn sie aus Texas stammt, spielt sie meist einen geschliffenen Blues Rock mit Schnittmengen zu anderen Musikarten und nicht den schlichten, rauen Texas Blues.
Schon der Opener ´Brown Liquor´ mit Unterstützung von Gast Christone “Kingfish” Ingram kann voll überzeugen und die Gitarren sind stark. Alle zwölf Songs sind eher kompakt ausgefallen und finden den richtigen Mix aus Eingängigkeit und musikalischer Power. ´Maybe Someday´ ist mit Bläsern unterlegter Hochglanz Blues. Der Titelsong hat auch ordentliche Hard Rock-Elemente zu bieten. Da ist er dann doch der elektronische, trockene Texas Blues. Das Wah-Wah-Solo ist einfach stark.
´Do You Cry´ zeigt auch die sanftere Seite und Ally kann ihren Gesang mit in den Mittelpunkt einbringen. Und das Wah-Wah-Pedal wird im Solo wieder voll durchgetreten. ´Legends´ integriert Reggae-Rhythmen und Pop gekonnt in den Blues-Rahmen. Das passt.
´Keep Me In Mind´ ist eine locker aus der Hüfte geschossene Ballade ohne zu viel Süße. Beim klassischen Blues-Rocker ´Unbreakable´ unterstützt Shemekia Copeland, Tochter von Blues-Legende Johnny Copeland, gesanglich mit viel Soul in ihrer Stimme. ´Stepping Stone´ ist ein klassischer und trotzdem aufregender Laid-Back-Blues mit vielen dynamischen Elementen, die Spannung erzeugen. ´Feel That Sting´ bringt leichte Boogie Rock- und Glam Rock-Elemente ein. Auch sehr stark. Mit dem nervösen ´Black Cat´ endet ein Album, das viel Vergnügen bereitet und auf einem hohen Qualitätsniveau eingespielt wurde.
Das Coverartwork ist für mich eine Persiflage auf die gängigen Rock-Machos. Ally hat so viel Talent, dass sie sich dem Machotum nicht anpassen muss. Die Produktion von Tom Hambridge ist klar und trotzdem auch robust. Ally ist schon zu einer festen Attraktion in der Blues-Rock-Society geworden. Mit ´Money & Power´ kann sie das untermauern und hat ein starkes Stück Blues Rock aufgenommen, mit vielen anderen guten Musikerinnen und Musikern. Reinhören.
https://www.saitenkult.de/2025/05/12/ally-venable-money-power/ [Review lesen]
8.5 / 10
Sauber. Deshalb liebe ich die Rock Musik so. Es ist im Prinzip ganz einfach wie bei ROKETS. Rechts eine aufgedrehte Gitarre, links eine voluminöse Gitarre, in der Mitte Bass und Drums, die die Musik vor sich hertreiben und dazu ein Sänger, der heiser singt, nicht sehr variabel, aber genau der richtige Sänger am richtigen Ort ist. Und in welchem Land wird so ein sauberer, harter Straßenrock fabriziert? Australien? Klar, aber hier nicht. Finnland? Genau. Aus dem Land, wo die HANOI ROCKS oder die legendären SMACK stammen, da wurde schon immer richtiger Rock gemacht. Trocken, kernig und mit der 100%igen Glaubwürdigkeit. Vielleicht liegt es an der Dunkelheit? Kälte? Egal, was zählt ist das Ergebnis.
Aus Helsinki kommen ROKETS und ´Bad Choices´ ist Album Nr. 3. Zurück zum Anfang. Gitarre, Gitarre, Bass und Drums, Gesang und fertig ist der starke Opener ´Bad Choices´. Das passt, ist eine Mischung aus Punk, Riffs in Tradition von AC/DC und ROSE TATTOO und ein Schuss Finnland (siehe oben). Neun Songs geht es Schlag auf Schlag. ´Overload´ kommt etwas differenzierter. ´Louisa´ muss eine ganz Wilde sein, denn der Songs schüttelt einen durch und animiert zum Mitsingen. Der ´White Raven´ stürzt sich aus der Höhe auf dich. Es gibt kein Entkommen. Und schließlich die ´Wheels To Kill´, die dich einfach plattwalzen – ohne Chance!
Die Geschwindigkeit und der Aufbau der Songs wird immer wieder variiert. Aber nur so viel, dass es den krachigen und energiereichen Gesamteindruck nicht stört. ´Diamonds And Dust´ ist noch einmal mit mehr Melodien gefüllt, bevor ´Lights Out´ endgültig die Lichter bei der Hörerin / dem Hörer ausbläst. Wow. Natürlich ist die Platte vorbildlich unter 30 Minuten. Mehr geht nicht. Doch, eigentlich schon, aber es kann ja einfach wieder beim Titelsong gestartet werden.
Gitarrensoli gibt es auch. Immer wieder. Die sind wichtig für die Abwechslung, aber nicht wirklich wichtig. Klingen auch nicht so exzellent wie bei Angus Young. Ist egal. Die Produktion ist in Schweden erfolgt. Ja, die skandinavischen Nachbarn sind da professioneller, wo es professioneller sein muss. Furztrocken ist die Produktion geworden. So muss das sein. Sauber.
https://www.saitenkult.de/2025/05/23/rokets-bad-choices/ [Review lesen]
8.0 / 10
Ganz schön viel Power bringt Erja Lyytinen, Jahrgang 1976, auf ihrem Studioalbum ´Smell The Roses´ an die Hörerin / den Hörer. ´Smell The Roses´ heißt auch der Opener, der auf Basis von Blues Rock eine sehr eigene, irgendwie sehr moderne Mischung präsentiert. Der finnischen Gitarristin und Sängerin gelingt mit ihrem ungehobelten sowie gleichzeitig virtuosen Gitarrenspiel und ihrer Powerstimme eine verwinkelte Spielart des Blues.
´Going To Hell´ heißt das nächste Kraftpaket. Im Mittelteil eher Prog Rock lastig, bis ein leidenschaftliches Gitarrensolo wieder zum Blues zurückführt. Mit Festivalauftritten und durch die Mitwirkung im finnischen Fernsehen hat Erja in den letzten Jahren für Aufmerksamkeit gesorgt. Allerdings ist Erja keine Anfängerin. Seit rund 25 Jahren veröffentlicht sie in verschiedenen Konstellationen Alben.
´Abyss´, der dritte Song, bringt es auf über sieben Minuten Spielzeit und verlässt auch immer wieder den engen Bluesrahmen. Und hier steht Erjas Gesang zunächst im Vordergrund. Aber auch die Gitarre wird wieder offensiv eingesetzt. Der Song ist ganz schön verwinkelt und befördert immer wieder neue Aspekte ins Hirn des musikalischen Konsumenten.
´Dragonfly´ vermag auch psychedelische und Hard Rock-Elemente integrieren. Langweilig wird es hier nicht. Allerdings muss die Musik schon mit einer gewissen Konzentration konsumiert werden. Nicht so einfache Kost. ´Wings To Fly´ ist etwas sanfter und straighter. ´Stoney Creek´ kann dann auch Southern Rock-Traditionen zitieren ohne dass Erja ihren eigenen Sound und Weg verleugnet.
Ihre Musik und ihre Gitarre sind oft recht komplex, auch durch ein paar Improvisationen, lassen aber jederzeit das musikalische Rückgrat erkennen, das heißt, es wirkt nicht zu unstrukturiert. ´Empty Hours´ heißt am Schluss die Ballade, die emotionale Spuren hinterlässt. Und Erja zeigt sich von ihrer empathischen Seite. Ihr Gesang erinnert gar an die “reifere” Kate Bush. Ein klarer Höhepunkt des Albums.
Songwriting und Produktion hat die begabte Finnin alles selbst gemacht. Beeindruckend.
https://www.saitenkult.de/2025/05/13/erja-lyytinen-smell-the-roses/ [Review lesen]
Bedankt euch bei deutschen Abmahn-Anwälten
Leider passiert es immer wieder, dass Abmahnungen für angebliche Copyright-Verletzungen ins Haus flattern. Ganz häufig ist es der Fall, dass auf dem Frontcover ein Foto oder eine Grafik eines Fotografen oder Künstlers genutzt wird, was dann nur mit dem Namen der Band und dem Titel des Albums versehen wurde. Das ursprüngliche Foto/Kunstwerk ist somit immer noch sehr prominent zu sehen. Die Abmahner nutzen zumeist automatisierte Prozesse, die das Netz nach unlizensierten Nutzungen der Werke ihrer Mandanten durchsuchen und dabei Abweichungen bis zu einem gewissen Prozentgrad ignorieren. Somit gibt es also häufig angebliche Treffer. Obwohl das Foto/Kunstwerk von den Plattenfirmen oder Bands ganz legal für die Veröffentlichung lizensiert wurde, ist dies den Abmahnern egal, ganz oft wissen die ja nicht einmal, was für eine einzelne Veröffentlichung abgemacht wurde. Die sehen nur die angebliche Copyright-Verletzung und fordern die dicke Kohle.
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