Summoning With Doom We Come (2018) - ein Review von Son_Goku_SSJ3

Summoning: With Doom We Come - Cover
2
Reviews
5
Ratings
9.20
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Metal: Black Metal, Epic Metal



01.02.2018 17:26

Mit „With Doom We Come“ haben wir es bereits mit dem achten Album der bekannten „Tolkien-Black-Metaller“ zu tun. Stilistisch gibt es keine großen Überraschungen. Das neue Album ist aber kein Aufguss alter Großtaten. Vielmehr perfektionieren die Masterminds Protector und Silenius den Stil, den sie bereits mit dem 1995er Werk „Minas Morgul“ eingeschlagen haben. Klang dieses noch wie mit einem Spielzeugkeyboard eingespielt, hat sich die Band von Album zu Album stetig verbessert und ist mit dem neuesten Output soundtechnisch auf der Höhe ihres Schaffens.

Was macht das Album also so gut? Oder besser gefragt: Welche Bewertungskriterien müssen erfüllt werden, damit man Musik generell als „gut“ bezeichnen kann? Jedes Genre, Sub-Genre und die Interpreten selbst haben ihre Eigenheiten, wodurch man hier keine eindeutige Antwort geben kann. Summoning schaffen aber das, was für mich persönlich ein Indikator dafür ist, dass meine Ohren in den Genuss von etwas wirklich Überragendem gekommen sind: Bilder im Kopf zu erzeugen. Natürlich profitieren sie von ihrem Mittelerde-Konzept, da die darauf basierenden Filme und Bücher einen regelrechten Hype entfacht haben. Und wenn dann auch noch die Umsetzung und das Songwriting hervorragend sind, steht einem Meisterwerk nichts mehr im Weg.

Hier möchte ich sowohl ein paar Worte über die Musik selbst verlieren als auch die Bilder, die die Musik in meinem Kopf erschafft, in Form von Text niederschreiben.

CD 1 - With Doom We Come

01 Tar-Calion
Das Album beginnt mit einem etwas untypischen Intro. Es ist verhältnismäßig lang - für einige vielleicht sogar ein bisschen zu lang - und beinhaltet ein paar geloopte Sprach-Samples. Die etwas aggressiven und arroganten Sätze „Kneel before your conquerer!“ und „My day will come!“ lassen mich darauf schließen, dass dieses Lied aus Sicht des Antagonisten erzählt wird, der vor hat, das Reich der Protagonisten zu erobern, was diese aber noch vor dem Erstschlag zu verhindern versuchen. In meiner Geschichte spielen - ganz klischeehaft - Angehörige der Rassen aus „Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“ die Hauptrollen: Magier, Elben, Zwerge, Menschen und natürlich Hobbits. Die Reise beginnt.

02 Silvertine
Gesanglich wird das Album von der fiesen, kalten Stimme von Silenius eingeläutet. Die Reise scheint gefährlich und ein Aufeinandertreffen mit Orks und anderen bösen Gestalten wahrscheinlich zu sein. Der Name des Liedes bezeichnet einen Berg im Nebelgebirge, den die Helden erklimmen müssen. Wie aus dem Nichts erklingt eine epische Fanfare. Zum ersten Mal breitet sich Gänsehaut aus. Obgleich aller Widrigkeiten stellen sich die Helden mutig dem bevorstehenden Abenteuer entgegen. Der Refrain ist großartig und catchy. Und damit ich mich nicht bei jedem Lied wiederholen muss: Das trifft - mit offensichtlicher Ausnahme der Instrumentals - auf jeden Song zu. Die Hitdichte, die hier geboten wird, ist dem „Stronghold“-Album ebenbürtig.

03 Carcharoth
Hier übernimmt Protector den Gesang. Seine warme Stimme, ein paar zarte Flötenklänge und der langsame Rhythmus erschaffen ein friedvolles Wald-Setting. Die Stimmung überschlägt sich alsbald. Nicht sofort sondern schleichend. Sie wirkt dramatischer. Fast schon bedrohlich. Es gibt einen ersten Kampf gegen den titelgebenden Wolf, der das größte je lebende Exemplar seine Gattung gewesen sein soll. Das Ertönen einer Trompete, durch die sich die Atmosphäre schlagartig ändert, signalisiert den triumphalen Sieg.

04 Herumor
Silenius übernimmt hier wieder das Mikrofon. Töne ähnlich einer Celesta erklingen. Eine anmutige Atmosphäre macht sich breit. Die Helden befinden sich im Reich der Waldelben und sind überwältigt von dem majestätischen Anblick ähnlich Thranduils Hallen. Gegen Ende bekommt man erstmals einen Chor zu hören. Man wird von der großen Anzahl der im Düsterwald lebenden Elben übermannt. Das Geheimnis um den wahren Gegner wird enthüllt: Herumor, ein Untergebener Saurons.

05 Barrow-downs
Ein kurzes Instrumental. Zeit zum Durchatmen. Immerhin ist das Kopfkino bereits seit mehr als 32 Minuten in vollem Gange. Für die Helden ist es ebenfalls Zeit, sich auszuruhen und Kräfte zu sammeln. Die Ruhe vor dem Sturm.

06 Night Fell Behind
Der Hauptkampf steht bevor. Die Strophen noch etwas schwermütig gesungen, machen den Eindruck einer Schlacht mit großen Opfern. Auf Grund des Naturells von Protectors Stimme passen die melancholischeren Stücke ein bisschen besser zu ihm als zu Silenius. Hier zeigt er aber im Chorus, wie kräftig und stark seine Stimme sein kann, was sich auch auf die Atmosphäre des Liedes auswirkt. Die Helden erheben sich zum finalen Schlag und gewinnen die Schlacht. Teile der Lyrics wurden vom Gedicht „The Cavalier‘s Song“ von William Motherwell übernommen. Dort heißt es „Our business is like men to fight, and hero-like to die!“ Nicht alle Helden haben die Schlacht überlebt.

07 Mirklands
Hier dominieren Pianoklänge und hohe Töne ähnlich eines Cembalo. Silenius sing hier unter anderem „Good bye, proud world, I’m going home.“ Einer der Helden ist dem Tode nahe und verabschiedet sich von der Welt der Lebenden. Sein neues Zuhause wird das Jenseits sein, wo er seinen Seelenfrieden finden wird. Auch die Überlebenden verlassen das Schlachtfeld und kehren nach Hause zurück. Sie trauern während ihrer Heimreise über den Verlust der Gefallenen.

08 With Doom I Come
Ohne große Überraschung singt hier wieder Protector. Er und Silenius haben sich im Laufe des Albums immer abgewechselt. Das laute Rascheln von Glöckchen, das von einem Tamburin stammen könnte, gibt den Rhythmus vor. Wie zu Beginn der Reise tönt auch hier eine Flöte, die eine folkige Atmosphäre erzeugt. Die Helden durchqueren einen friedlichen Wald mit einer lebendigen Flora und Fauna. Nach ziemlich genau vier Minuten stellen sich die Härchen abermals auf, wenn die Melodie im Chorus eine drastische Wende vollzieht. Die Helden sind in ihre Heimat zurückgekehrt und werden vom Volk gefeiert. Die Meister der Epik schaffen es in diesem Lied ein weiteres Mal, die Haare nicht ruhig auf der Haut liegen zu lassen, wenn in der zweiten Hälfte ein kräftiger, stolzer Chor ertönt. Die Helden erhalten die Ehre, die ihnen gebührt. Am Ende bekommt man einen in einer kryptischen Sprache - vielleicht sogar die Schwarze Sprache von Mordor - gehaltenen Monolog zu hören. Hat der Antagonist etwa überlebt? Will ihn jemand rächen? Oder ist ein völlig neuer Feind aufgetaucht? Morgoth wird in den Lyrics erwähnt. Könnte er es sein?

CD 2 - As Echoes from the World of Old

01 As Echoes from the World of Old
Das erste Lied auf der Bonus-Disc der Special Edition. Wenn „With Doom We Come“ die Hauptgeschichte darstellt, könnte „As Echoes from the World of Old“ der Epilog sein. Der tanzbare Rhythmus und die unbeschwerte Atmosphäre lassen Bilder einer Feier nach dem glorreichen Sieg lebendig werden. Neben dem gerade erst erlebten Abenteuer wird - wie man den Lyrics entnehmen kann - von einem alten König erzählt. Das könnte der Beginn eines neuen Abenteuers sein.

02 And Wonder Walks the Forest Eaves
Hierbei handelt es sich um ein kurzes, instrumentales Outro. Man kann das Abenteuer im Kopf noch einmal Revue passieren lassen. Die Geschichte ist zu Ende.

Unabhängig davon, welche Intention Protector und Silenius hatten, als sie die Musik komponierten und die Texte verfassten, ist das meine persönliche Geschichte, die das Album erzählt. Die Titel und Texte (und ein kleines bisschen Hilfe von Freund Google) können natürlich Aufschlüsse über die wahre Natur der Lieder geben. Die Musik alleine reicht aber auch aus, um seiner Fantasie freien Lauf lassen zu können. Hört es euch an und seid gespannt, was für ein Film vor eurem inneren Auge abläuft. Es wird nämlich definitiv nicht derselbe sein.

Punkte: 10 / 10


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