Refuge Solitary Men (2018) - ein Review von TheBard

Refuge: Solitary Men - Cover
1
1 Review
7
7 Ratings
8.14
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Metal: Heavy Metal, Power Metal, Speed Metal



22.07.2018 15:53

Als es geheissen hat, Refuge würden ein eigenes Album veröffentlichen, nahm ich dies mit gemischten Gefühlen auf. Zum einen freute ich mich selbstverständlich auf dieses Release, Hardcore-Rage-Fan, der ich bin. Gleichzeitig aber fragte ich mich, ob ein solches Album überhaupt Sinn macht, war der Zweck von Refuge seit der Gründung im Jahre 2014 doch jener, klassische Rage-Alben ("Perfect Man" (1988) bis "The Missing Link" (1993)) auf der Bühne aufleben zu lassen. Die Besetzung war es nicht, die mir Sorgen bereitete, ist diese doch mit jener dieser vergangenen Jahre identisch; die Frage ist bloss: Kann das Trio die alte Mentalität auf einem neuen Album aufleben lassen, die klassische Stilistik imitieren? "The Missing Link" erschien vor einem Vierteljahrhundert, das "Rage Classic Lineup" bestehend aus Manni Schmidt, Chris Efthimiadis und natürlich Mastermind Peavy Wagner haben in dieser Zeit unterschiedliche Erfahrungen gesammelt, haben sich musikalisch weiterentwickelt. Kann eine solche Reunion erfolgreich sein?
Der Opener "Summer's Winter" geht beim ersten Hören direkt ins Ohr, zaubert jedem ehrlichen Ragehead ein breites Grinsen ins Gesicht. Es ist ein unkomplizierter, temporeicher Song, der ohne Vorgeplänkel zum Headbangen animiert. Diesem gelungenen Einstieg folgt sogleich der Höhepunkt des Albums: "The Man In The Ivory Tower". Der zweifellos charaktervollste Song auf der Scheibe, der klingt, als wäre er ein verlorengegangener Track von "The Missing Link" oder "Trapped!". Ein wahrer Genuss!
Leider vermögen es die nachfolgenden Songs des Albums leider nicht, dieses Niveau zu halten. Es muss hier betont werden, dass es auf der Scheibe keinen einzigen schlechten Song gibt; für sich genommen kommen alle überaus professionell daher, sind gut zu hören, machen Laune. Allerdings folgen die meisten dieser Tracks demselben Schema. Es sind alles kompakte, relativ schnelle Songs, welche einen ihrer Fülle wegen aber schlichtweg nicht vom Hocker hauen können. Das generischste Stück des Albums ist wohl "Mind Over Natter", welcher sich unverkennbar nach Rage anhört, allerdings mit keinem hervorragenden Merkmal auf sich aufmerksam machen kann. Die übrigen Songs sind sich in ihrer Form einfach zu ähnlich, um an dieser Stelle einzelne aufzählen zu können, wenngleich "We Owe A Life To Death" und "Hell Freeze Over" als Anspieltipps gelten dürfen. Das siebenmütige "Waterfalls", welches leider auch kaum Akzente setzen kann, bildet vor einer leicht fehl am Platze wirkenden Neuaufnahme von "Another Kind Of Madness" den Abschluss dieses Albums.
"Solitary Men" abschliessend zu bewerten ist durchaus eine diffizile Aufgabe. Wie gesagt findet sich auf dem Album kein einziger schlechter Song, es lässt sich gut von Anfang bis Ende durchhören; es macht zweifelsohne Laune. Wenn man aber bedenkt wofür Refuge stehen; nämlich Rage von '88 bis '93, muss man sagen, dass das Ziel nicht erreicht wurde. Die Songs sind insgesamt zu uniform, klingen viel eher nach Rage der letzten Jahre, statt der angestrebten alten Zeiten. Songs im Stile von "Waiting For The Moon" ("Reflections Of A Shadow") oder "A Pilgrim's Path" ("Perfect Man") sucht man leider vergebens. Letzten Endes hat es den Anschein als mag Peavy sich nicht mehr aus seiner Komfortzone herausbewegen, in welcher er sich im Laufe der Jahre bei Rage eingenistet hat. "Solitary Men" ist über weite Strecken leider nicht so ungeschliffen und kreativ ausgefallen, wie es die Alben der Refuge-Jahre gewesen sind. Es scheint, als habe man sich den musikalischen Spielraum zu eng gesteckt, um tatsächlich zu überzeugen. Man hat sich leider zu wenig erlaubt. Schade.
Für einen Ragehead trotzdem allemal einen Kauf wert.

Punkte: 7 / 10