ORSO Paninoteca (2019) - ein Review von TYiORi

ORSO: Paninoteca - Cover
1
Review
1
Rating
9.50
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Metal: Progressive Metal, Sludge


TYiORi
06.12.2019 09:40

Tagesangebot: post-metallische Perfektion. Wir wünschen Guten Appetit!

Herzlich Willkommen in der Sandwichbar und guten Appetit! Schon 2016 wurde von den fünf Schweizern von ORSO bei ihrer ersten EP "Primi Piatti" (dt. erster Hauptgang) die kulinarische Sprache bemüht. Während die 2015 gegründete Band bei Ihrem Debüt noch zu italienischen Gerichten und Desserts lud, stehen beim ersten Album nun belegte Brote aus der ganzen Welt auf der Speisekarte. Und das Beste schon vorweg: Auch wenn man die ganze Speisekarte bereits durchprobiert hat, darf man immer und immer wieder in die "Paninoteca" kommen und sich reichlich auftischen lassen. Herrlich!

Ohne große Umschweife wird zuerst der 'Sloppy Joe' serviert und man bekommt schon beim ersten Bissen alles mit, was einen bei diesem Sandwich erwartet: Die drei Gitarristen performen in allerbester Post-Rock-Manier und ein herrlich progressives Schlagzeugspiel macht gleich zu Anfang dieses Langspielers deutlich, dass man den Gesang bei dieser Band nicht vermissen wird. Die nachfolgenden Songs lassen keinen Fan post-metallischer Klänge hungrig zurück: Kein Gericht schmeckt wie das andere. Und so leicht die Thematik, die man dieser Veröffentlichung übergeholfen hat, auch erscheinen mag, so unglaublich fantastisch sind die Kompositionen: hypnotisch sich aufbauend; die Riffs, die raumgreifenden und schillernden Arpeggios, das superbe Rhythmusspiel. Ein Song mag etwas leichter verdaulich sein als der folgende, insgesamt handelt es sich aber überall um filigrane Rezepturen, die nicht beim ersten Mal alle geschmacklichen Finessen bereits preisgeben. So legt man diese CD einfach immer wieder in das Abspielgerät und während beim einen Durchgang das unglaublich massive 'Mitraillette' als das dem eigenen Gusto zusagendste erkoren wird, so ist es beim nächsten Mal vielleicht die schwedische Sandwichtorte 'Smörgåstårta', die einem zum Abschluss über 12 Minuten lang innerliche Jubelschreie entlockt. Mir persönlich wird dieses gut 70-minütige Menü wohl niemals langweilig werden. Das ist Post-Metal wie er einem so perfekt selten aufgetischt wird.

Das hier ist das richtige Album für die verschlafene Fahrt zur Arbeit am frühen Morgen, für verregnete Herbstnachmittage, für Grillabende im August; die richtige Musik für intime Clubkonzerte und für Festivalauftritte in der brütenden Nachmittagshitze. Dieses Album lässt mich in einer Weise frohlocken, wie es zuletzt vielleicht CULT OF LUNA 2013 geschafft hat. Wer "Paninoteca" nicht liebt, der kann kein guter Mensch sein.

Dieses Review erschien zuerst auf POWERMETAL.de

Punkte: 9.5 / 10