Ordensburg Legenden Des Krieges (2014) - ein Review von metal lounge

Ordensburg: Legenden Des Krieges - Cover
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0.50
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Metal: Black Metal



04.11.2015 12:44

ORDENSBURG, bei so einem Namen muss man ja sofort aufmerksam werden.

Und dann die Titel der Lieder. Achtung, hier liegt der Verdacht, es handele sich um eine BM-Truppe weit am rechten Rand, verdammt nahe. Das Label Hammerbund ist ja auch nicht gerade für rein schöngeistige Naturverehrer-Bands bekannt, wenn man sich nur mal im Netz ansieht, was die so alles vertreiben.
Encyclopedia Metallum nennt dankenswerterweise auch schon das Stichwort Nationalismus, eine eigene Website der Band habe ich jetzt nicht gefunden, aber das heißt ja nichts. Von den Metal Archives kann man sich dennoch auch in diesem Falle mit einem Klick in den tiefen braunen Musiksumpf begeben und dort hoffentlich schnell wieder heraus finden.

Da muss ich gar nicht lang hören, wie ORDENSBURG wohl klingen mögen. Es wird sich um 100 mal gehörten, rauhen, menschenverachtenden und übermenschenverherrlichenden BM handeln. Eine kritische Betrachtung der Band zu den genannten Themen halte ich für ausgeschlossen. Dagegen spricht schon die Ästhetik des Covers. Ich meine dort im Hintergrund die Ordensburg Vogelsang in der Eifel mit ihrem markanten Turm zu erkennen. Und überhaupt, das Lied: „Wir Folgen Dir Zu Ruhm Und Ehr“. Ja, wem denn bloß? Dem Hauptmann, dem gleichen armen Schwein im Graben? Oder doch dem größten Hauptmann aller Zeiten mit dem feschen Chaplinbärtchen?

Ordensburgen sollten immerhin die SS-Schulungszentren für die zukünftigen arischen NS-Eliten nach dem selbstverständlich heldenhaft verlustreich gewonnenen gewaltigen Weltanschauungskrieg werden. Ja, es gab auch im Mittelalter schon Ordensburgen, das weiß ich auch, aber der Deutsche Orden damals war ja eigentlich auch primär an der nicht gerade zimperlichen Ausbreitung des Reiches v. a. gegen Osten hin interessiert. Hierauf kann man sich also schon mal nicht rausreden. Aber das will eine Band wie ORDENSBURG auch nicht, denke ich mal.

Ich halte es jetzt eher mit dem großen Liedermacher Konstantin Wecker und seinem Lied „Empört Euch“ (vom 2011er Album „Wut und Zärtlichkeit“) und möchte diesen Text weniger als Rezension verstanden wissen, sondern als Bitte an die Moderatoren, die Band mal genauer anzusehen und geg. aus Musiksammler auszumerz…, Entschuldigung, zu entfernen. Ansonsten könnt ihr auch gerne meinen Text löschen.

Bei der Gelegenheit: Wollt ihr nicht doch mal das Feld „Ohne Wertung“ einführen? So muss ich jetzt ja Punkte für diese Truppe vergeben. 0,5 Punkte für Menschen, die, selbst wenn sie keine rechten Hardliner sein sollten, so doch zumindest unsäglich dumm sein müssen? Ich muss ja hier viel mit Mutmaßungen arbeiten, die sich aber doch schon längst selbst bestätigt haben. Hier ist eigentlich alles klar. Nein, einen Punkt für das Vermögen auch dieser Truppe, ihren völkischen Heldenkriegerschund in eine Ästhetik einzubinden, die doch irgendwie eine gewisse Ausstrahlung hat. Oh, der Sumpf……, doch nur 0,5. Diese Punktezahl ist, um das abschließend zu sagen, für eine vermeintliche NSBM-Band freilich das Stalingrad (Song Nr. 6), und hier ist keine geschichtsfälschende Verklärung, sondern die absolute, tatsächliche Niederlage gemeint. Euer Endkampf (Song Nr. 7) ist abgesagt.

(Architekturästhetisch hat übrigens auch die Burg Vogelsang einiges zu bieten, Blut-und-Boden-Moderne in Stein samt umliegender "Wikingersiedlung". Sollte man sich auf jeden Fall mal ansehen! Lohnt sich wirklich.)

Punkte: 0.5 / 10