Morbid Angel Illud Divinum Insanus (2011) - ein Review von Monolith

Morbid Angel: Illud Divinum Insanus - Cover
12
Reviews
69
Ratings
5.76
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Metal: Death Metal, Industrial Metal


Monolith
30.03.2016 03:34

Oh yeah! Man stelle sich vor Atari Teenage Riot würden mit Azagthoth ein Album machen. So ungefähr würde sich ein solcher Mix zweier völlig unterschiedlicher Genres anhören (und Atari Teenage Riot würden sich für mich endlich mal hörbar machen). Ich meine es gab schon viele Ideen im Metalgenre, im Grunde genommen hat man mittlerweile wirklich fast alles gemixt. Am Anfang kamen in mir Gedanken von Cybergrind auf, als ich das Album gehört habe The Berzerker, eine der bekannteren Vertreter dieses Subgenres, kamen mir dabei in den Sinn. Doch falsch! Morbid Angel haben hier nicht einfach ein paar Electronicsounds bzw. Electrodrums genommen und dann einfach ein paar Riffs drübergeschmiert. Im Gegenteil: "I" schien für Azagthoth auch sowas wie Inspiration zu heißen und so mischt er schon auf "Too extreme!" gekonnt, fast schon professionell beide anfangs völlig unpassende Genres miteinander. Und nein, mir braucht jetzt keiner irgendwelche Bandnamen wie Korn, Slipknot, Rage against the Machine etc. aufzählen. Hört euch "I" erstmal an und erzählt mir dann, das Album hätte, bis auf den enorm unüblichen Genremix, irgendwelche Ähnlichkeiten mit den anderen Bands!

Wer diese bipolaren Tracks nicht abkann, für den haben Morbid Angel noch ein paar Trostpflaster. "Existo Vulgore" kommt völlig ohne Electrodrums aus. Leider haben Morbid Angel kaum mehr etwas von ihrem einst individuellen Stil beibehalten. Bis auf die Soli klingt das meiste von Morbid Angel völlig austauschbar, entweder wie Deicide oder wie eine von mittlerweile tausenden vorhandenen Death Metalbands. Hin und wieder kann man dem ein oder anderen Riff etwas abgewinnen, doch das war es auch schon. Groß Abzüge will ich deshalb aber nicht machen. Wie bereits bei "H" erwähnt, brauche ich nicht alles durchschnittliche gleich mit schlecht gleichsetzen. Dann gibt es eben keine 9 oder 10 Punkte, aber auch nichts unter 7, sondern bleibt im Rahmen des Passablen. Obwohl: "I am Morbid" hat wirklich einen enormen Old School Touch. Nicht wirklich "Altairs of Madness" Qualitäten, aber doch deutlich weg vom bisher eintönigen Geprügel. "Ten more Dead" geht wieder in eine Andere Death Metal Sparte, grooviger und kompromissloser als "I am Morbid", das ziemlich im Death 'n' Roll Stil gehalten war. Was die reinen Death Metal Tracks angeht herrscht hier also die Abwechslung. Das ist wirklich erfreulich, zumal, man auf den letzten 3 Alben ununterbrochen die Ohren zertrümmert bekam.

Ich habe jetzt eigentlich auch gar nicht wirklich Lust auf die puren Death Metaltracks einzugehen, die klingen allesamt ganz toll und ganz nett, gibt es allerdings mittlerweile wie Sand am Meer. Viel interessierter zeige ich mich an den völlig unkonventionellen Mixtracks. Und da haben wir gleich einen weiteren Kandidaten: "Destructors vs. the Earth-Attack". Und meine Güte haben Morbid Angel hier dick aufgetragen! Ich komme mit dem aufzählen gar nicht nach! Neben Electronic-Einlagen hier und da kommt ein grooviger Standardriff auf dem die Vocals klingen, als ob ein paar Höhlenmenschen grunzend um Feuer tanzen. Wirklich sehr eigenartig. Ein paar Sachen kann ich diesem Experiment abgewinnen, aber manches hier ist dann doch eher zuviel des Guten und manchmal ist es besser nicht den gesamten Rahmen zu sprengen, das kann ganz schnell nach hinten losgehen...

Überspringen wir also nun "Nevermore" und "Beauty meets Beast" und machen mit "Radikult" weiter. Das hier klingt doch eher nach härteren Slipknot als wirklich nach ausgefallenem Electronic Death Metal... Umso überraschender, dass der anfangs groovige Stil in ein wütendes Solo übergeht, ehe man wieder in den Nu Metal zurückwandert. Der Großteil des Stücks mag monoton sein, aber die Solopassagen reißen wirklich viel, womit "Radikult" an den entsprechenden Stellen durchaus zu überzeugen weiß. Auch der Abspann des Tracks kann sich übrigens hören lassen!

Mit "Profundis - Mea Culpa" haben wir jetzt zum krönenden Abschluss endlich einen gänzlich gelungenen Mix. Nicht nur bomben die Electronicspuren, auch bildet der Death Metalanteil mit diesem ein herrliches Gemisch, das den typisch vertrackten Stil von Morbid Angel perfekt erweitert. Ein ganz großes Kino und etwas, das ich auf "I" gerne öfters in dieser Qualität gehört hätte. Falls Morbid Angel auf ihrem nächsten Album soetwas erneut machen, sollten sie vorhaben soetwas erneut zu machen, hoffe ich, dass dieser Track der Mindeststandard für solche Experimente wird.

Ja, Old School Morbid Angel Fans haben ein wirklich hartes Los gezogen. Von allen Death Metal Pionieren der ersten Stunde musste ausgerechnet diese einen solchen Stilbruch durchziehen, und zu allem Übel gehören Morbid Angel nicht einmal zu den releasefreudigen. Ich kann durchaus nachvollziehen, wie Freunde von "A" und "B" sich fühlen, wenn ihre Band soetwas abzieht. Akhanarit erwähnte ja schon, dass die Band mit ihrem Debüt zu einer wahren Institution geworden sind. Aber bei allem Respekt und Mitleid gegenüber den Fans erster Stunde und den Puristen, das macht "I" für mich nicht weniger hörenswert. Ohne jetzt Salz auf das blutende Herz streuen zu wollen, aber falls Morbid Angel auf ihrem nächsten Album so weitermachen hoffe ich wirklich, dass sie weniger zimperlich mit den Experimenten sind und eine gute Balance finden, es soll sich am Ende ja gut anhören. Falls sie sich wieder zu ihren Wurzeln bekennen wollen, umso besser.

Punkte: 8.5 / 10


Morbid Angel: Illud Divinum Insanus

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Tracklist:

  1. Omni potens
  2. Too extreme!
  3. Existo vulgoré
  4. Blades for baal
  5. I am morbid
  6. 10 more dead
  7. Destructos vs. the earth / attack
  8. Nevermore
  9. Beauty meets beast
  10. Radikult
  11. Profundis mea culpa