Megaherz Komet (2018) - ein Review von DarkForrest

Megaherz: Komet - Cover
1
1 Review
3
3 Ratings
8.17
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Metal: Industrial Metal


DarkForrest
28.04.2018 08:19

Dass ich mich so schnell nochmal auf ein neues Megaherz Album einlasse, hätte ich kurz nach dem Release von “Zombieland” nicht gedacht. Das Teil war ziemlich grottig und es schien mir relativ klar, in welche Richtung sich die Band entwickelt. Die “Erdwärts” EP war zwar etwas besser (auch wenn ich heute überhaupt nicht mehr verstehe, was mich damals geritten hat dem Ding ganze 7.5 Punkte zu geben), aber große Hoffnungen auf ein gutes Album hatte ich eigentlich nicht mehr.

Ein anstehendes Konzert hat mich dann doch nochmal bewogen, entgegen aller guten Vorsätze zuzugreifen und ich muss sagen, dass Megaherz mal wieder überraschen. Schon die äußere Gestaltung bringt frischen Wind in die Band. Klar ist Soviet-Kitsch als Covermotiv nicht unbedingt etwas, was man nicht schon oft genug gesehen hat, aber die ganze Gestaltung des Albums inkl. passender Uniformen für die Band ist nach dem ganzen Horror-Clown Krempel mal eine nette Abwechslung.

Ein kurzes Blick auf die Tracklist verrät 2 Dinge: Es gibt wieder eine Version mit Bonus CD (diesmal vorrangig mit Live Aufnahmen) und es gibt keine Neueinspielungen alter Songs mehr, was ich sehr begrüße. Klar, einerseits hätte ich es immer noch nett gefunden, wenn man sich mal das Debütalbum vorgenommen hätte. Aber so sehr mich eine aktuelle Version von “Wer Bist Du” oder “Schlag Zurück” mal interessieren würden, kommt das für mich nicht an neues Material heran und gerade zuletzt hat das mit dem Songrecycling echt Überhand genommen.

Mit “Vorhang Auf” hätten wir dann auch gleich einen wirklich guten Opener, der wirklich gut passt, um das Album zu eröffnen. Okay, vielleicht geht ihm etwas an Tiefe ab, aber das macht er an Tempo und Tanzbarkeit direkt wieder wett. Der Titelsong geht eher in eine andere Richtung und meine Fresse finde ich den gut! Es ist immer schwierig etwas zu beschreiben, was einfach nur gut passt, aber ich würde sagen, dass er eine wunderbar verträumte Stimmung rüberbringt und einfach sehr frisch klingt. Vieles von dem, was Megaherz so raushauen (egal ob gut oder schlecht) hat man irgendwie schonmal gehört. “Komet” klingt da ziemlich neu und trifft meinen Geschmack sehr gut.

Mit “Scherben Bringen Glück” sind wir beim ersten Song angelangt, der rein vom Stil her nicht unbedingt meinen Geschmack trifft - zu glattgebügelt und poppig. Aber: wenn ich ehrlich bin, unterhält mich “Scherben Bringen Glück” ganz gut. Während mir solche Songs auf “Zombieland” noch total auf den Sack gingen, merkt man hier, dass die Nummer nicht einfach nur schnell zusammengewichst wurde, sondern ganz gut was an Qualität und Abwechslung darin steckt. Immernoch kein Highlight, aber ich kann es mir gut und gerne anhören, ohne dass es nervt. “Horrorclown” trifft dagegen direkt meinen Geschmack: schnell, hart und gut umgesetzt. Nichts, was man nicht schon 100 mal von Megaherz gehört hat und ein Stück, das einfach fetzt - bleiben keine Wünsche offen.

“Von Oben” überrascht mich auf eine ähnliche Art wie “Scherben Bringen Glück”. Eigentlich müsste ich das Teil hassen: kitschige Ballade Deluxe inkl. inflationärem Piano Einsatz. Aber mal alle Klischees beiseite - ich kann es mir ganz gut anhören. Piano und Gitarren wirken hier wunderbar harmonisch zusammen und lassen “Von Oben” kraftvoll wirken, auch ohne besonderes Tempo. Auch wenn das hier lustigerweise schon der dritte Song ist, der darauf zurückgreift, den letzten Refrain mit “Whooohooo” in den Vocals zu unterlegen, fühle ich mich nicht gelangweilt. Auch hier sicher keine Offenbarung, aber für das was es ist macht es seine Sache verdammt gut. Bei “Tiefenrausch” brauchte ich ein bisschen um wirklich reinzukommen. Beim ersten Reinhören klang es mir einfach zu sehr nach Eisbrecher Ripoff. Ein paar Durchläufe und vor allem aber das Konzert haben es mir dann doch schmackhaft gemacht. Vor allem im Refrain zeigt Lex mal wieder, dass seine Gesangleistung gar nicht mal so einseitig ist.

“Schwarz Oder Weiß” wirkt auf mich genau umgekehrt zu “Scherben Bringen Glück” und “Von Oben”. Genretechnisch trifft hier alles direkt meinen Geschmack. Alleine für das Gitarrenriff müssten sich auch eine Menge Metalbands nicht schämen. Aber bei all der Härte kommt “Schwarz Oder Weiß” doch etwas zu stumpf und uninspiriert daher, um bei mir wirklich Eindruck zu hinterlassen (“Horrorclown” zeigt ja, wie man's richtig macht). Das Ergebnis ist dann ungefähr das gleiche wie bei “Scherben Bringen Glück” oder “Von Oben”: absolut legitimes Füllmaterial aber nix, was mir wirklich langfristig in Erinnerung bleibt. Gerade jetzt, wo ich Bock auf etwas originelles habe kommt “Heldengrab” daher und liefert. Megaherz beweisen hier schon wieder, dass sie endlich mal seit längerem wieder die leiseren Töne treffen können, schrauben die Gitarren zurück und machen Platz für Synthesizer. Wirklich nett, auch wenn ich jetzt einen hartnäckigen Ohrwurm habe.

Mit “Nicht In Meinem Namen” kommt dann noch eine Nummer, die dank Anti-AfD Attitüde bei vielen Fans eher so semi ankam, da sich die Band ja hier klar politisch irgendwo positioniert. Ich kann die Aufregung nicht unbedingt verstehen. Also abgesehen davon, dass es jetzt nicht unbedingt besonders originell oder “rebellisch” ist heutzutage in irgendeiner Form “gegen Rechts” zu sein, kann ich textlich nichts daran finden, was in irgendeiner Weise als zu starke politische Propaganda ausgelegt werden könnte, die so einer Band nicht gerecht wäre (aber gut, mein letztes Review war auch zu ‘nem Weena Morloch Album). Musikalisch habe ich hier jedenfalls gar nichts auszusetzen - schönes mittelschnelles Stück, das nicht so schnell langweilig wird.

Erst gegen Ende geht “Komet” dann ein bisschen die Puste aus. “Trau Dich” ist eher tanzbar und erinnert mich sogar ein bisschen an das uralte “Beiss Mich” aus “Himmelfahrt”, während ich “Nicht Genug” gar nicht so richtig zuordnen kann. Beide Songs kommen mir nicht so richtig in die Gänge. Gleichzeitig mecker ich hier aber auch auf hohem Niveau, jedenfalls deutlich höher als auf “Zombieland”, da hätten sie nämlich das Niveau des Albums eher mal gehoben, aber hier gehen sie unter.

Bevor ich zum Fazit komme haben wir aber natürlich noch eine Bonus - CD, hauptsächlich mit Live Aufnahmen. Soweit ich weiß waren Megaherz auf dem Konzert Support für Unheilig, außerdem war “Zombieland” zu der Zeit das aktuelle Album. Das sorgt für eine kitschige Songauswahl macht die Sache aber in zweierlei Hinsicht interessant. Erstens habe ich mich gefragt, ob man den lahmen Nummern zumindest live etwas leben einhauchen kann, zweitens ob sich nicht einfach nur mein Geschmack geändert hat und ich mit den langsamen Stücken nicht einfach mittlerweile mehr anfangen kann als damals, ohne dass sich die Qualität dieser auf “Komet”so sehr gebessert hat. Spoiler: 2 mal nein. Auch wenn ich mir jetzt, später die ollen Schnulzen von “Zombieland” live gebe, nerven sie. Das betrifft vor allem “Für Immer” und “Roter Mond” (die sich sogar hartnäckig bis zur Komet-Tour gehalten haben) und “Gegen Den Wind”, welches ich damals schon kacke fand und selbst unter Einbezug vom Publikum nicht zu retten ist.

Auch “Glorreiche Zeiten” wäre von der “Erdwärts”-EP genau der Song gewesen, den ich nicht mit auf Tour genommen hätte. Tja und dann bleiben nur noch “Himmelssürmer” (ja, auch “Zombieland” hat Lichtblicke) und “Jagdzeit”. Die sind dagegen beide richtig gut im Live-Set richtig gut aufgehoben und bringen etwas Qualität hinein. Ansonsten kam ich auch noch die Soundqualität der Aufnehmen loben - passt alles. Ganz hinten klebt dann noch ein kleiner Bonustrack an der zweiten CD. Mit “Unbesiegbar” zeigen Megaherz, dass sie auch heute noch schlechte Songs machen können. Absolut langweilig, lahm und uninteressant würde er sich gut in das Gesamtbild von “Zombieland” fügen. Vielleicht ist das Teil ja auch schon älter und als bisher nicht verwendetes Abfallprodukt von damals auf der Bonus CD gelandet.

Okay, CD 2 reißt mich nicht vom Hocker. Sicherlich irgendwie “interessant”, aber wirklich mal eine Bonus CD, auf die man verzichten kann, es sei denn man ist Hardcore-Fan der Band, mag das Vorgängeralbum oder ist so zwanghaft wie ich, der sich alles an Material zusammenklauben muss. Das eigentliche Album wird dadurch aber nur wenig geschmälert. “Komet” hat mich wirklich positiv überrascht. Endlich wieder Abwechslung, endlich wieder etwas Härte, endlich wieder innovative Songs, die ich mir auch nach 3 Tagen noch anhören kann. Klar wird hier das NDH-Rad nicht neu erfunden, aber mein Geschmack wurde damit endlich mal wieder getroffen. So kann's weitergehen!

Punkte: 8 / 10


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