The Hellacopters High Visibility (2000) - ein Review von Lord

Hellacopters, The: High Visibility - Cover
2
2 Reviews
18
18 Ratings
8.92
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Rock: Alternative Rock, Rock'n'Roll


Lord
10.09.2010 09:28

Für mich ist es bis heute ihr Bestes; das im Jahr 2000 veröffentlichte Traumalbum "High visibility".
Klar, es fehlt ihm vordergründig etwas der Rotz des Debüts "Supershitty to the max" und von "Payin' the dues", dafür ist das exzellente Songwriting ausgereifter, packender und vielschichtiger. Robert "Strings" Dahlqvist, der sich 1999 nach Dregens Abgang back to the Backyard Babies der Band anschloss, konnte auf diesem Album erstmals sein ganzes Können unter Beweis stellen und das zeigt deutlich auf, was für ein Gewinn er für die Band ist. Man sollte das Album "We play for pleasure" von Thunder Express mal auschecken, da singt Dahlqvist auch noch; verdammt hammer!

Sie wurden ruhiger, gingen musikalisch weg vom direkten Garage-Rotzrock im Sinne von "MC5" oder "Union Carbide Productions", hin zu souligeren 60s/70s-Klängen, die auf den Nachfolgealbum und dem Andersson-Sideproject mit Scott Morgan "The Solution" noch deutlich intensiver zum Zug kommen sollten. Da ich schon immer ein Fan des 60/70er Rocks war und auch die Motown-Sachen, sowie den Detroit-Soul und -Garagerock verehrte, kam mir die minimale Stiländerung gut rein und ich lehnte sie zu keiner Sekunde ab, so wie das leider irgendwelche Hardliner taten, die immer nur die x-te Wiederholung von "Supershitty.." hören wollten.

Highlights gibt es auf der Scheibe einige - "High visibility" besteht fast nur aus solchen:
Leader für mich ist das tiefschürfende, wunderbare "No song unheard". Dieser Song ist der vertonte Sonnenaufgang nach einer schlaflosen Nacht. Ein Aufbruch, etwas hinter sich zurück lassen, wehmütig aber dennoch hoffnungsvoll. Wunderbar! Es hat in seiner Stimmung was von "Lady love" von Robin Trower.
Doch da ist auch noch das wunderbare "Throw away heroes"; packend und wunderschön wie das Strahlen der Sonne an einem Frühlingsmorgen. Auch dieser Song fängt diese melancholische Stimmung perfekt ein - ein Stück Einsamkeit.
"Toys and flavors" ist heute zurecht ein Band-Klassiker; welch eine fantastische Melodie, was für ein Feeling - phänomenal!
Aber auch die etwas schnelleren Songs "Sometimes i don't know" und "Baby borderline" reissen zu 100% mit. ...wie gesagt, eingentlich gibt es nur Highlights. So auch das Silky Hargreaves-Cover "You're too good to me baby" (im Original sehr soulig), das sich in der Hellacopters-Fassung anhört wie alte KISS.

Was soll ich sagen - das Album zählt seit 10 Jahren zu meinen allerliebsten Werken in Sachen Musik, ich lege es regelmässig und gerne auf. "No song unheard" ist Soundtrack einer Zeit als ich die Nächte zum Tag gemacht habe und auf dem Heimweg kaputt und fertig, den Song immer und immer wieder reinziehend - mal allein, mal mit Kumpels - der Sonne entgegen fuhr. Er wurde zum Hit des Momentes und noch heute bedeutet er mir und meiner Clique sehr viel, jeder weiss wofür er steht. Ein Ausnahme-Song, der Gefühle direkt in's Herz zu transportieren vermag, ein Meisterwerk.

Schade gibt es die Band nicht mehr - ihr Vermächtnis ist allerdings riesengross, ein unheimlich wertvoller Schatz!! Wer die band nicht kennt, dem lege ich diese Scheibe an's Herz - wer diese Scheibe der band noch nicht hat; KAUFEN!!

Volle 10 Punkte, die ich aus tiefstem Herzen mit reinem Gewissen gebe!

Punkte: 10 / 10