Lord

Lord
Registriert seit: 08.04.2010

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Bewertungen: 606 Reviews: 179
Genres: Blues, Comedy, Country, Dark Wave/Gothic, Elektronische Musik, Hardcore, House, Hörspiel/Hörbuch, Jazz, Klassik, Metal, Musical, Pop, Punk, Rap/Hip Hop, Reggae, Rock, Schlager, Singer/Songwriter/Liedermacher, Ska, Sonstiges, Soul/R&B, Soundtrack, Volksmusik/Folklore, World Music
Bewertungsverteilung von Lord
0.5 1 1.5 2 2.5 3 3.5 4 4.5 5 5.5 6 6.5 7 7.5 8 8.5 9 9.5 10
6 3 1 11 3 8 8 7 11 12 9 14 18 29 26 64 83 81 89 123

0.5: 4.8780487804878% (6x)

1.0: 2.4390243902439% (3x)

1.5: 0.8130081300813% (1x)

2.0: 8.9430894308943% (11x)

2.5: 2.4390243902439% (3x)

3.0: 6.5040650406504% (8x)

3.5: 6.5040650406504% (8x)

4.0: 5.6910569105691% (7x)

4.5: 8.9430894308943% (11x)

5.0: 9.7560975609756% (12x)

5.5: 7.3170731707317% (9x)

6.0: 11.382113821138% (14x)

6.5: 14.634146341463% (18x)

7.0: 23.577235772358% (29x)

7.5: 21.138211382114% (26x)

8.0: 52.032520325203% (64x)

8.5: 67.479674796748% (83x)

9.0: 65.853658536585% (81x)

9.5: 72.357723577236% (89x)

10.0: 100% (123x)

Die letzten Bewertungen
10.0 für David Bowie: ★ (2016) (21.01.2016 09:14)
2.0 für Bubi Eifach: Album #1 (2014) (11.12.2015 20:44)
7.0 für Pink Floyd: Endless River, The (2014) (09.11.2014 10:29)
9.0 für Weyers, The: Within (2013) (31.10.2014 00:29)
9.5 für Bryan Adams: Reckless (1984) (26.08.2014 09:53)
8.5 für Vio-lence: Eternal Nightmare (1988) (25.07.2014 17:40)
9.0 für Rancid: Let's Go (1994) (15.05.2014 13:53)
6.5 für Mando Diao: Infruset (2012) (08.05.2014 13:32)
Insgesamt 606 Bewertungen vorhanden. Alle anzeigen
Die letzten Reviews

21.01.2016 09:14 - David Bowie: ★ (2016)

10.0 / 10
Als ich die Scheibe einen Tag vor offiziellem release als Vinyl in den Händen hielt, konnte ich nicht ahnen, welch tragischer Inhalt sie transportiert – ein Omen, eine Todesbegleitung. 3 Tage später war David Bowie tot. Einer der Grössten für mich, seit Kindesalter... Damals waren es Songs wie „Tonight“, „Blue Jean“, „Modern love“, „Absolute beginners“ oder „This is not America“ die mir imponierten – später dann, als ich mit 13 „Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof-Zoo“ las/sah, entdeckte ich den weitaus kreativeren, innovativeren und düsteren Bowie der 70er Jahre. Die Alben „Low“ und „Station to Station“ und das hochgelobt geniale „Heroes“ wurden zum ständigen Begleiter und Basis meiner musikalischen Reise durch sämtliche mir damals unbekannten Territorien und halfen mir, auch jenseits der Norm kreierte Musik anzunehmen und zu verstehen. 2003 hatte ich das grosse Glück den Meister persönlich live sehen zu dürfen in Zürich – es ist bis heute ein unvergessener Abend voller Magie, Schönheit und Geborgenheit. Ich war an diesem Abend vollends glücklich. ...und nun ist er tot... zurück bleibt sein üppiger Back-Katalog. Und tragischerweise das Album, das er an seinem 69. Geburtstag veröffentlicht hatte – wohl wissend, dass seine Zeit auf Erden aufgebraucht ist. Mitunter dieser Umstand macht die packenden 8 Songs zu einer einsamen Insel, die ich seit 2 Wochen regelmässig besuche und innehalte. Isoliert, einsam und allein für knapp 45 Minuten. Vielleicht rede ich es mir ein, aber ich habe das Gefühl ganz nah am LEBEN zu sein, wenn ich die Songs höre.. und auch nah bei David Bowie. Allein dieses Geschenk macht die Platte unverzichtbar. Die Verstörtheit des genial kaputt-düsteren Titelsongs „Blackstar“ ist für mich ein ungelöstes Rätsel – selbst jetzt, wo ich den Sinn dahinter etwas besser zu fassen kriege. Als ich im Vorfeld das schräge Video dazu sah, fühlte ich mich in eine andere Welt versetzt – ich kann es nicht in Worte fassen, aber ich glaube JEDER hat sich vor diesem Video auf eine Art und Weise gefürchtet – zurecht, wie wir heute wissen.. Die Symbiose aus Akustik und Visualität ist mächtig. Stark. Beeindruckend. Perfekt! Schräg auch, dass das Lied rückwärts relativ ähnlich kingt wie vorwärts.. Ähnlich bei „Lazarus“. Was war das? Was habe ich da gesehen? Was gehört? Wie soll ich das einordnen? Und wie damit umgehen? Die Fragen stell ich mir auch jetzt noch... Schwer. Apathisch. Müde. Gebrochen. „..everybody knows me now..!“ Die Songs der Platte sind weitgehendst unzugänglich arrangiert – wenn man jedoch genau hinhört und die weitgehendst nervösen Beats und das häufig angewandte jazzige Saxofon „ausblendet“ - wenn man das denn will – erkennt man eine ziemlich melodische, eingängige Struktur der Songs, die weitaus zugänglicher sind als sie erscheinen. Bowie schafft es aus einem kommerziellen Song unser Gehör so zu täuschen, dass es sich wenig kommerziell, wenig eingängig anhört und gar schräg klingt. Das ist grosse Kunst! Das Unterbewusstsein nimmt jedoch den Kern der Songs wahr, darum wird das Album auch gerne gehört und – klar, auch dem Umstand seines Todes wegen – geliebt und gekauft. Grosse Melodien der Traurigkeit, des Leidens und der puren Melancholie kann man gut in „'Tis a pity she was a whore“ hören; der Song ist einfach nur wunderschön, wenn man die "wirren" Elemente mal wegnimmt (was ich allerdings nie tun würde, da sie den Song noch intensiver machen). Was für eine wundervolle, verletzliche Melodie, was für eine Akkordabfolge.. Auch bei dem letzten Song auf Blackstar „I can't give everything“; wunderbar. Bei sich. Bereit. Aufgeräumt. Für mich die schönsten, wenn wohl auch traurigsten Songs des Albums. Klar, „Blackstar“ - der Song – ist keine konventionelle Single, schon gar nicht mit dem verstörenden Clip – ebenso wenig ist es das abgehackte, sich wie auf speed aufbäumende, kalte und distanzierte „Sue (or in a season of crime)“. Sie sind wenig eingängig, unbequem – hässlich schier... passend zur aussaugenden, dem Tod dienenden Krankheit, an der Bowie litt, als er die Songs verfasste: Krebs. Nicht zuletzt wohl deswegen klingen Parts in den Songs immer wieder panisch und gebrochen. Dann wieder geklärt und sicher. Und trotzdem traurig... So in „Dollar days“: „..It’s all gone wrong but on and on - the bitter nerve ends never end. I’m falling down... Don’t believe for just one second i’m forgetting you - I’m trying to... I’m dying to..“! Man muss Blackstar nicht mögen. Man muss Bowie nicht mögen. Das ist völlig ok! Es gehört ja unter Rezensenten schon fast zum guten Ton, dass man Bowies Musik hochjubelt. Der Mann hat es geschafft: Einst von Kritikern verrissen und abgetan, haben die Avantgardisten seine Musik für sich beansprucht und dem gemeinen Hörer zu verstehen gegeben, dass sie wenig Musikverständnis oder -kenntnis haben, wenn sie Bowie ablehnen.. wer will das auf sich sitzen lassen? Und so bekam Bowie eine Art der Narrenfreiheit; seine Musik musste nicht eingängig oder klar nachvollziehbar sein. Er hätte Fürze in Dosen verkaufen können und jeder hätte den künstlerischen Anspruch gesucht und von sich behauptet ihn gefunden und verstanden zu haben – selbst wenn es schlicht keinen gab. Wer das schafft, der kann nur ein Genie sein. Blackstar jedoch ist viel zu genial als dass dieses Muster zutrifft. Das ist keine „gekünstelte Kunst“ – das ist pure Wahrheit, Trauer und Schönheit. Ein Omen, eine Begleitung in den Tod, ein Tagebuch und ein letzter flüchtiger Blick hinter das Visier eines begnadeten Künstlers. Die Songs jagen und verfolgen mich, wenn ich sie nicht hören kann, wenn ich unterwegs bin - sie ziehen mich magisch an, ich kriege nicht genug davon. Es ist wie eine Art von positivem Zwang: Ich will die Scheibe immer wieder hören. Sowas hatte ich vorallem als ich noch jünger war... Das zeigt die Wirkung/Intensität der Scheibe deutlich auf - sie ist wie ein Freund der einem Wärme und Trost spendet, einem einen Bilck auf Abgründe, Hässlichkeit, Vergänglichkeit und gleichzeitig Schönheit, Perfektion und Glück schenkt. Was für ein Geschenk, was für ein (überlebens-) grosses Album mit dem sich David Bowie hier von uns verabschiedet! [Review lesen]

08.02.2015 09:48 - Manic Street Preachers: Everything Must Go (1996)

10.0 / 10
Die ersten vier Alben der Manic Street Preachers wissen alle uneingeschränkt zu gefallen und zu überzeugen – zwar änderte sich der Stil nach dem Verschwinden von Texter und Zweitgitarrist Richey James Edwards merklich Richtung Britpop, doch fiel das beim ersten Album – dem Vorliegenden – der Band als 3-Kopf-Team nicht negativ ins Gewicht. Die 2 besten Alben jedoch sind für mich das letzte mit Edwards - „The holy bible“ - und das erste ohne ihn; „Everything must go“. Unterschiedlicher könnten sie allerdings kaum sein. Ich habe es im Review zu „The holy bible“ schon erwähnt, dass sich die Alben gegenüberstehen wie „Die Schöne und das Biest“, wo „The holy bible“ ganz klar den Platz des Biestes einnimmt. Und auch einnehmen will... „Everything must go“ - veröffentlicht im Mai 1996 – ist die Schöne. Die Wunderschöne sogar. Die Göttliche. Ein bezauberndes, magisches Album. Es fing alles mit dem Gedicht von Nicky Wire an – dem Bassisten, der neben Richey Edwards für die Texte der Preachers zuständig war. Nach Edwards Verschwinden schrieb er „A design for life“ als Gedicht über die Arbeiterklasse in Wales. Die Band wollte eigentlich ohne Richey gar nicht mehr weiter machen, zu sehr fehlte er ihnen, zu wichtig war er für die Band. Sänger James Dean Bradfield bekam das Gedicht in die Hände und war schwer angetan von dem was er da las - und schrieb eine bezaubernd schöne, unendlich traurige und tiefschürfende Melodie dazu, wie sie besser nicht komponiert werden kann. Mit diesem Song als Grundlage sassen die 3 zusammen und beschlossen ohne Richey es nochmal zu versuchen. So begann der Prozess des Songwritings und die Entstehung von dem göttlichen Überalbum „Everything must go“. ...und es sollte anders klingen als (in erster Linie) zuvor der fiese Bastard „The holy bible“, der geprägt war von Richeys Psychosen, Phobien und sonstigen Problemen. „Everything must go“ wirkt auf mich wie die trauernde Witwe, die wieder Lebensmut fasst und merkt, dass es weitergehen muss und kann. Aufbruchstimmung! ...frei brechen aus alten Schemen, Vorwärtsdrang, abheben – die Vergangenheit mit einem tieftraurigen weinenden Auge hinter sich lassen – aufbrechen zu neuen Ufern, zu neuen Taten. Selten gelang es einer Band diese Stimmung wie ein roter Faden über die volle Distanz der 12 Songs umfassenden Scheibe aufrecht zu erhalten und durchzuziehen. Es passt alles zusammen, verbindet sich und mengt sich in- und untereinander. Soll nicht heissen, dass „Everything must go“ ein nur positives, leichtes Album ist – nein, es ist traurig. Es ist melancholisch... aber es ist wunderschön. Es ist eine aufmunternde und anmutende Trauer. Der Melodienreichtum auf dieser Platte ist unerreicht. Es scheint keine Grenzen zu geben und so unlogisch die Akkordfolgen erscheinen, desto schöner und glänzender strahlen sie. Neben der Hitsingle „A design for life“ muss ich da klar den Titeltrack „Everything must go“ erwähnen: Das ist etwas vom Schönsten was je geschrieben wurde. Was für ein weittragender Refrain – ich habe das Bild eines gepflasterten Platzes vor mir, auf dem weisse Tauben sitzen und dann alle gleichzeitig gen Himmel fliegen – so klingt das Orchester im Refrain. Oder das kraftvolle „Enola/Alone“: Diese Melodie geht tief unter die Haut. Weittragend schön, herzergreifend. In knapp 20 Jahren nie langweilig geworden. „Australia“ und „The girl who wanted to be God“ gehen in eine ähnliche Richtung wie der Titeltrack und bilden somit die Eckpfeiler der Scheibe. Ein Trio, das zusammen das Fundament ergibt auf dem sich andere Songs in ihrer Schönheit und Pracht entfalten können – so auch der tieftraurige Rausschmeisser „No surface all feeling“ oder das geknickte, unauffällige leicht düstere „Small black flowers that grow in the sky“, das bei mir in den ersten Jahren ein Schattendasein fristete und etwas „Stiefmütterlich“ behandelt wurde: Es sprach mich nicht an. Es war mir zu wenig pompös. Und genau das ist die Scheibe an sich: Pompös. Orchestral. Episch. Fast pathetisch. Aber nicht kitschig! Das erste Album, das klar Richtung Britpop ging, das viele Streicher und Keyboards enthält – weg vom dreckig-kaputten dem Grunge verwandten Vorgänger – hin zum Mainstream. Der erste richtig grosse Erfolg für die Manic Street Preachers. Ich mochte es der Band immer gönnen. Ich liebe „Everything must go“ heute noch uneingeschränkt. Leider waren die Nachfolgealben dann in meinen Augen alle deutlich schlechter, später teilweise dann gar nichtssagend. Egal, die ersten 4 hatten es in sich.. Und die Schöne und das Biest werden unsterblich sein. Für immer. [Review lesen]

08.02.2015 09:13 - Manic Street Preachers: Holy Bible, The (1994)

10.0 / 10
Einem solchen Überalbum kann man mit Worten nicht gerecht werden, unmöglich - es ist neben "Everything must go" das für mich stärkste Album der 4 Waliser und verhält sich in seiner Gegensätzlichkeit zu seinem Nachfolger wie "Die Schöne und das Biest": "The holy bible" ist klar das Biest: Verstörend, verzweifelt, sperrig, vertrackt, unkonventionell, depressiv, beängstigend, kaputt und destruktiv. "Everything must go" ist die Schöne: Melancholisch-schön, ausgeglichen, sehnsüchtig, befreiend, aufatmend, aufbrechend, frei. Das Album war bei seiner Veröffentlichung 1994 ein Flop, nachdem sich seine zwei Vorgänger relativ gut verkauften, grad in Grossbritannien. Bei mir allerdings war die Platte (im Herbst 1994 als Picture Disc gekauft) schon von Anbeginn weit vorne: Fesselnd, attraktiv, anziehend, schön. "The holy bible" spricht einen Teil meines Inneren an, der wohl auch irgendwie kaputt und verzweifelt sein muss - und wenn man diese Seite in sich hat, dann wirkt das Album eben gleichzeitig auch schön, oder irgendwie wie ein Zuhause. Angekommen... Schwer zu beschreiben. Wohl wie Junkies einen Schuss Heroin beschreiben: Sie wissen, dass es den Körper zerstört, die Seele raubt, dass es dreckig und kaputt ist - aber es fühlt sich anscheinend wunderschön wohltuend an, wie die offenen Arme Gottes, die sie wärmen und festhalten und ihnen für eine kurze Zeit das ultimative Glück der Geborgenheit bringt... Aber eben - Heroin vs. Glück.. Paradoxon. Genauso "The holy bible" vs. schön. Die Texte des damals schon relativ psychisch labilen Richey James Edwards gehen unter die Haut - damals von Vielen als Gepose und selbstmitleidig empfunden, waren sie Vorbote der bitteren Wahrheit. Und so wollte Edwards auch verstanden werden: "Die heilige Schrift" seiner Wahrheit soll das Album sein, ein offenes Buch - nackt, schutzlos. Visier offen! Niemand - oder Wenige - nahmen ihn ernst. Ein halbes Jahr nach Veröffentlichung der Scheibe war er weg. Spurlos verschwunden. Bis heute weiss man nicht, ob er nun tot oder einfach nur untergetaucht ist – seine Leiche wurde nie gefunden. Sein Auto hingegen fand man im Februar 1995, vor 20 Jahren also, bei einer Brücke - eine Brücke die davor schon Negativschlagzeilen machte wegen vielen Selbstmorden. Die Band sollte an jenem Tag zu Promoterminen aufbrechen.. Dazu kam es nie. Richey erschien nicht mehr. Er litt an Depressionen, Alkoholsucht, Anorexia nervosa (Art Magersucht), Selbstzerstörung - eigentlich an fast allem was nicht sonderlich erstrebenswert ist. Seine Weltansichten schienen gestört, wirr und unlogisch - zumindest wenn man vom gesellschaftlichen Massstab, der Norm, ausgeht. Sie war halt anders... Wahrer. Ehrlicher. Und das ist das beängstigende an seinen Texten; sie sind ja nicht geistiger Unsinn eines Idioten der nicht weiss wovon er spricht. Im Gegenteil. Bereits auf dem Vorgänger "Gold against the soul" schrieb er "From despair to where" - niemand konnte ahnen, dass diese Aussage bittere Wahrheit werden würde. Die Scheibe beinhaltet u.A. Gesellschaftskritik, Ängste und Leiden. Sie ist nicht einfach zu konsumieren und lässt einem verstört zurück. Die Texte - "Die in the summertime" oder "4st. 7lb." - öffnen klar die Augen für das Unschöne, das nicht perfekte, dennoch will man weg gucken. Man will die Wahrheit der Betroffenen nicht sehen und hören. Lieber wieder TV anmachen, Gute Zeiten, schlechte Zeiten mit happy end, und sich ablenken. Opium des Volkes. "The holy bible" ist das pure Gegenteil von dieser Wohlfühlwelt - was wiederum gegenteilig ist zur Religion, zur "Heiligen Schrift", die ja Opium sein soll und vielleicht teilweise auch ist. Vom Denken abhalten. Keine eigene Meinung bilden. Wie Lemminge oder blökende Schafe der Herde folgen. Insofern stellt sich wirklich die Frage, was denn nun die Wahrheit ist..? Und ich als Christ stell mir diese Frage. Wahrscheinlich irgendwie beide Herangehensweisen. Musikalisch ist es für mich eine der interessantesten Scheiben der 1990er, wenn nicht gar eine der interessantesten und intensivsten ever. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man auf solch unorthodoxe Akkordfolgen kommt, wie man überhaupt Melodien zu dermassen verzweifelten Texten schreiben kann, ohne dass es sich nur noch nach Verderben und Disharmonie anhört... "This is yesterday" - der sicherlich positivste Song auf "Holy bible" - ist schon beinahe bejahend. Schön und leicht. "She is suffering" wirkt eigentlich logisch und wunderbar, ist jedoch so düster und negativ produziert, dass die Schönheit der Melodie wieder überschattet wird von Zerbrechlichkeit, Leiden und Dunkelheit. Mit "P.C.P.", "Faster" und "Yes", dem textlich brutalen Opener, befinden sich drei musikalisch dem Punkrock verschriebene Songs auf der Scheibe - so wie man die Preachers eigentlich in Erinnerung hatte. Doch die abstrakten Melodien nehmen deutlich Überhand - "Archives of pain", "Mausoleum" oder vor allem das total kaputte "The intense humming of evil" (beinhaltet der Song ein Sample von "Nick the stripper" von den ebenfalls genialen Birthday Party?) sind keine leichte Kost. Sowohl musikalisch als auch lyrisch. Schwer zu verdauen. Anstrengend, unschön. Hässlich!! Da wir aber alle auch Hässlichkeit in uns tragen - die Meisten mehr als sie wahrhaben wollen - sind einem diese Klänge dann doch wieder vertraut. Man muss sie nur zulassen können. Dieses Album ist ein Meilenstein der alternativen Musik - es enthält Einflüsse von Grunge, von Punkrock, von Himmel und Hölle. Gesegnet, tragisch, verstörend. Bis heute fasziniert mich die Scheibe und ich werde nie müde sie zu hören und sie zu lieben. Seit über 20 Jahren...! [Review lesen]

09.11.2014 10:29 - Pink Floyd: Endless River, The (2014)

7.0 / 10
Es ist ja im Prinzip kein regulär neues Album der Progressiv-Rock Legende, was uns hier als "neu" vorgesetzt wird - das Album basiert auf Aufnahmen/Sessions zum 1994er "Division bell" Album und ist in erster Linie als Vermächtnis des mächtigen Rick Wright gedacht, der leider 2008 von uns ging. Gilmour und Mason erkannten die Qualität der (teilweise) Songschnpisel und komplettierten diese zu einem Album - es wird das letzte von Pink Floyd sein und Herr Gilmour denkt - im Gegensatz zu Kollege Mason - nicht daran, mit der Band nochmal zu touren und konzentriert sich wieder auf sein Solo-Ding. Das mal zum Drumherum. Klar, richtig schlecht ist wohl kein Album, bei welchem diese Herren die Finger im Spiel haben. Aber ist das wirklich Pink Floyd? Es ist weder ein neues Album, noch ist es die komplette Band - denn Roger Waters, seines Zeichens Initiator der "Meisterwerke" "The wall" (buh) oder "Animals" (great) und seit jeher treibende Kraft und Texter der Band - geht seit 1985 eigene Wege und ist auch hierbei nicht involviert. Und dieses watersche Element des schrägen, des misstrauischen und gestörten fehlt dem Album - wie auch allen anderen Alben unter Gilmours Führung - extrem. Die Platte wirkt brav und harmlos. Schön, klar - aber irgendwie auch etwas beliebig. Handkehrum muss man sagen, dass die Floyd-Scheiben, bei denen hauptsächlich Waters seine Konzepte durch brachte ("The wall" und "The final cut") und die "Anderen" nur noch als austauschbare Mitmusiker fungierten ebenfalls nicht vollkommen sind. Für ein PERFEKTES Pink Floyd Album braucht es Waters UND Gilmour. Der eine exzentrisch, der andere dienlich - der eine psychedelisch, der andere melancholisch. So ist alles im Gleichgewicht. Das ist auf "The endless river" nicht der Fall... So kann man sagen, dass das letzte "echte" Pink Floyd Album 1977 erschien: "Animals". Auch wenn offiziell dies hier das Letzte sein soll, 37 Jahre später. "The endless river" besteht aus 18 Songs, davon 17 rein instrumental - einzig der letzte Track "Louder than words" wurde komplett mit Lyriks versehen - verfasst von Gilmours Frau. Gilmour selber sagt, dass er lieber die Musik für sich sprechen lässt, da er textlich nicht sonderlich begabt sei. Nun gut, dafür ist er an der Klampfe für mich einer der Allerbesten - auch auf "The endless river": Er setzt sein Solospiel stets songdienlich ein, will sich nicht durch Virtuosität in den Vordergrund spielen und versucht nicht höher zu pinkeln als die Konkurrenz. Das macht die Platte sehr angenehm zu hören. Für mich Kritikpunkte ist die butterweiche "Ohne Ecken und Kanten"-Produktion: Dadurch, dass fast alles rein instrumental ist, wirkt das Album schon fast wie ein MeditationsAlbum. Pink Floyd konnten schon immer instrumental sein - siehe zum Beispiel der 25 Minuten Track "Atom heart mother" - aber Niemand würde grad diesem Stück meditativen Charakter attestieren. Insofern wirkt "The endless river" zwar schön, jedoch auch etwas zahnlos. Oder zumindest harmols. Die Band bringt immer wieder gekonnt alte Trademarks ein, die an Glanztaten erinnern: Sei es bei "It's what we do", das bei "Shine on you crazy diamond" angelehnt ist, oder bei "Anisina", bei dem man sofort an "Us and them" denkt. Auch fehlt das klassische "dgdgdgdg"-Riff nicht, das Gilmour hauptsächlich auf "The wall" bei Songs wie eben "The wall" oder "Run like hell" beisteuerte - hier zu hören in "Allons-Y (1)". So gesehen wurde ja vieles richtig gemacht. Bereits auf dem "The wall" Album von 1979 störten/stören mich diese vielen Sequenzen - keine wirkliche Songs, sondern so zusammenhängende 2 Minuten Cuts. Bei "The wall" mochte das im Konzeptcharakter noch passend sein - auf "The endless river" geht das zwar auch ok, weil die Stücke nahtlos ineinander über gehen, jedoch wirkt für mich alles etwas bruchteilhaft und unfertig. Dauernd wechselt die Richtung aber man bleibt dennoch bei diesem pseudosphärischen Meditationsgeplänkel. Der einzige Vocaltrack - "Louder than words" - finde ich, trotz Gilmours noch immer wunderschönen Stimme, ein bisschen nichtssagend und langweilig - oder sagen wir seicht. Zu sehr auf Dur, zu wenig Moll. Aber das ist - wie immer - Geschmacksache. Etwas popig. Zu popig. Halt typisch Gilmour-Floyd, wie er es seit 1987 ("A momentary lapse of reason") mit der Band macht. Alles in allem nett... Mehr aber nicht. Kein Vergleich zu den Meisterwerken der Band (nach meinem Geschmack aufgenommen zwischen 1970 und 1977 - "Atom heart mother" bis und mit "Animals"). Und dieses "nett" ist gleichzeitig auch grosse Kritik, denn ein Pink Floyd Album soll nicht nett sein. Es soll verstörend wirken, bedrohlich oder losgelöst von allem irdischen. Aber nicht nett. Ich hätte mir erhofft, dass man vielleicht noch etwas mehr Zeit investiert, dass Gilmour noch den einen oder anderen Text beigesteuert hätte - so dass es sich etwas mehr nach einem kompletten Album und nicht nach einer Ansammlung von Bruchstücken/Ideen angehört hätte. Man muss dem Album jedoch zugute halten, dass es - trotz der eben grad angebrachten Kritik - wie aus einem Guss klingt und man es sich am besten auch so anhört.. Nur eben; es ist halt sehr brav geworden und "schockt" nicht mehr - man nehme das krasse Instrumental ab "Dark side of the moon" von 1973 "The great gig in the sky", das einem eine endlose Gänsehaut beschert. Das war shocking auf seine Weise, intensiv, fesselnd. Sowas gibt es zu keiner Sekunde auf "The endless river". Mit goodwill 7 Punkte. [Review lesen]

25.07.2014 17:40 - Vio-lence: Eternal Nightmare (1988)

8.5 / 10
VIO-LENCE "Eternal nightmare" - Mechanic Records, 1988 Heute kennt man Vio-Lence in erster Linie deswegen, weil Machine Head-Chef Robb Flynn bei ihnen Gitarre zockte und somit auf dem 1988 erschienenen Debut "Eternal nightmare" mitverantwortlich war für diese grovvenden, HC-lastigen Powerriffs! Die Band formierte sich 1985 in San Francisco/USA und schloss sich damit der 2. Welle des Bay Area Thrashs an; zusammen mit Bands wie Forbidden (EX-Forbidden Evil), bei denen Robb Flynn vor Vio-Lence in die Saiten griff und Testament, die aus den längst aktiven Legacy hervorgingen, wütete in der legendären Szene, die durch Bands wie Metallica oder Exodus geprägt wurde, jetzt der Nachwuchs. Auf dem hektischen "Eternal nightmare" fällt auf, dass man etwas experimenteller als andere Thrashbands zur Sache geht - allerdings ohne sich vollkommen vom Thrash Metal-Gleis zu begeben... Die Songs haben einen satten Groove, was auch am etwas basslastigen Sound liegt - dazu die Spritzigkeit und die rauhe Power des Hardcore-Punks. Sean Killian ist zwar nicht jedermans Sache, ich persönlich mag ihn auch nicht besonders (er erinnert ganz ganz minim an den Dead Kennedys Chef Jello Biafra, bei dessen Band man musikalisch auch den einen oder anderen Kniff abgeguckt hat) - doch irgendwie passt halt dieses helle Organ zu dieser Spielart des Metals. Der tempomässig eher verhaltene Klassiker "Calling in the Coroner", das brutale, obergeile "Serial killer" oder "T.D.S." knüppeln gnadenlos und leben durch diese ungezügelte Aggression, wie sie sonst in erster Linie bei dem Oberknüppel "Bonded by blood" von Exodus legendär der Fall war - dieses Album war so wichtig für viele Bands. 1988 waren Vio-Lence zwar reichlich spät dran, doch das Album ist gut genug um sich gegen viele durchschnittliche Produktionen neuer Bands, die ohne lange Demo-Zeiten sofort einen Deal erhaschen konnten, oder auch gegen ehemalige Thrash-Giganten, die langsam ausgelaugt und müde wirkten, durchzusetzen... Wer auf knüppelnden HC-Thrash steht, kann hier blind zugreiffen. [Review lesen]

24.03.2014 17:46 - Krokus: Say Goodbye (1986)

9.5 / 10
1986 war bei KROKUS die Luft draussen. Mit dem Album "Change of address", von dem dieser Song hier stammt, katapultierte sich die noch 3 Jahre davor wilde, rotzige Hardrock/Metalcombo (man erinnere sich an den Killer "Headhunter") in's Abseits des gezähmten, geschliffenen Glam Rocks. Die eigentlich eindringliche Stimme Marc Storaces, der mit seinen 3 Oktaven alles in Grund und Boden schrie, wurde dermassen kastriert - oder sagen wir "amerikanisiert" - dass davon nur noch wenig übrig blieb. Wurden früher Vergleiche mit AC/DC gezogen, klingt "Change of address" nach einer Mischung aus Def Leppard und Foreigner - eine Welt, in die KROKUS nicht passen. Oder nicht passen sollten..! Was ist passiert? 1983 wurde der Bandgründer Chris von Rohr geschickt durch den Manager Butch Stone ausgebootet. Ein riesengrosser Fehler. Karriereselbstmord. Noch mit von Rohr fuhr man Platin ein für das brettharte Album "Headhunter" (1983) - bereits 1984, als ohne von Rohr "The blitz" erschien, wich die ungebändigte Power einer sehr kontrollierten Offensive (-> Defensive?). Die Luft entwich langsam, "The blitz" konnte an der Qualität von "Headhunter" nicht anknüpfen, musikalisch wurde immer mehr Richtung Amerika geschielt und Ecken und Kanten wurden langsam abgeraspelt. Die Band verlor die Bodenständigkeit, die sie noch 1 Jahr davor von anderen Bands unterschied. 1986 driftete man mit "Change of address" in's absolute Gagaland ab. Schwache Songs, angepasste lahmarsch Produktion, clownartige Outfits/Kostüme - ein Sänger, der viel mehr könnte als er durfte. Die Band wurde auf Stadionrock getrimmt, ohne dafür passende Songs schreiben zu können. So gingen KROKUS unter wie ein Sack Zement und büsste massiv an Glaubwürdigkeit ein. Ein Umstand, der ihnen verwehrt heute so gross sein zu können wie Iron Maiden. "Say goodbye" ist der einzige gute Song aus dem 1986er Album. Doch wen wundert es: Der Aufbau des Songs ist ein 1:1 Rip-Off des 1980er Hits "Tokyo nights". Das Eingangsriff, die Akkorde, der Reggae-Mittelpart mit melancholisch lyrischem Gitarrensolo - alles bei "Tokoy nights" abgekupfert. Einzig der etwas kitschige Kinderlied-Refrain erinnert noch heute daran, dass der Song unmöglich von 1980 stammen kann. Drauf geschissen, es ist ein sehr sehr schöner und intensiver Song. Textlich auch gelungen. Marc Storace singt zwar wie erwähnt unglaublich gezähmt, dennoch halt wunderschön. Der Mann hatte eine grossartige Stimme - und die hat er sogar 2014 noch immer! Krokus grösster Fehler war es, so kurz vor dem Überdurchbruch Chris von Rohr zu feuern. Das merkte die Band selber ziemlich schnell: Die Pizza wurde ohne von Rohr schnell ziemlich fad. Amerika liess Krokus schliesslich fallen - in der Schweiz hatten sie anno 1986 schon längst verspielt. Und so endete vorerst eine hoffnungsvolle Karriere für eine Band, die zu dieser Zeit zerrüttet und zerstritten war. Einige Bendmitglieder verloren die Orientierung im Nebel der Drogen - ohne Kompass von Rohr ging alles den Bach herunter. Einziger Lichtblick war damals dieser wunderschöne Song. Tragisch, wenn man sich die Geschichte anguckt! [Review lesen]

21.03.2014 13:47 - Krokus: Long Stick Goes Boom - Live From Da House Of Rust (2014)

10.0 / 10
Krokus gibt es seit 1975, also seit knapp 40 Jahren. Gründer war damals Chris von Rohr - und das Schicksal wollte es, dass es fast 4 Jahrzehnte dauern sollte, bis der Kreis endlich geschlossen wird und mit "Long stick goes boom" eine Live-Scheibe mit CvR erscheinen konnte. Tatort: Kulturfabrik "Kofmehl" zu Solothurn. 30. August 2013. Live-Alben sind entweder geil - man siehe "Made in Japan", "If you want blood.." oder "PULSE" - oder sie gehen in die Hose und kein Arsch braucht sie. Aktuell so beim Live-Album der Toten Hosen "Krach der Republik". Zu häufig verlieren sich Live-Alben in schlechtem Sound, der entweder nach übler Nachbearbeitung klingt, zu klinisch, zu clean – oder die Musiker beherrschen die eigenen Songs nicht. Häufig lässt der Sänger live zu wünschen übrig. All das ist bei Krokus' „Long stick goes boom“ nicht der Fall! Krokus schaffen es locker, sich mit dem vorliegenden Silberling in die obere Liga der Rock-Elite zu spielen und dort zu verweilen. Wer über einen solch starken Back-Katalog verfügt wie die 6 Solothurner, so viele Juwelen mit im Gepäck hat, kann eigentlich nur noch Gewinnen - wenn denn der Motor richtig zusammen gesetzt ist und auf Hochtouren läuft. Das ist auf "Long stick goes boom" definitiv der Fall. Kraftvoll, energiegeladen, satt, saftig, pfundend – live! Hart und ungeschliffen. Kurzweilig und intensiv. Stimmung pur. Mal offensiv, mal melancholisch, aber immer 100% Rock. Passend zu den ersten warmen Frühlingstagen, zur Eröffnung der Grillsaison bei einem kühlen Bier und mit viel Vorfreude auf die diesjährigen Fussball-WM in Brasilien, kann man ab sofort den Klängen von „Long stick goes boom“ lauschen! Die Musik von KROKUS ist wie geschaffen für schweisstreibende Live-Shows und das hört man dem Album an. Keine Sekunde Langweile, keine Hänger. Chris von Rohr, der sich für den Mix verantwortlich zeigt, leistet grandiose Arbeit. Die Scheibe klingt kernig und dreckig, es musste wenig bis nichts nachgebessert oder overdubbed werden, das Publikum wird an diversen Stellen in den Mittelpunkt hochgezogen, so dass die Live-Atmosphäre durchdringt ohne künstlich zu wirken! Und dann die Songs: "Screaming in the night" klingt besser als 1983 im Studio: Wunderbare Gesangsdarbietung von Marc Storace! Was für eine Ballade. Gänsehaut. Beachtlich! Mandy Meyer soliert um sein Leben in "Fire" und "Tokyo nights" und lässt den geneigten Kiefer-Fan mit offenem Mund dastehen. Zwar metallischer als der verstorbene Tommy Kiefer, aber ebenso genial. Die neuen Songs aus dem 2013er Album „Dirty Dynamite“ - „Go baby go“, „Hallelujah Rock n Roll“ und die beiden in einem Medley mit „Rock city“ zusammengefügten Tracks „Betta than sex“ und „Dög song“ - fügen sich in bestens die Reihen der bewährten Klassiker ein, als wären es ebensolche! Überraschend und dennoch Set dienlich ist „Live for the action“, der Song, der 2009 für die Eishockey WM geschrieben wurde. Auch „Hellraiser“, der einzige Song im Live-Set ohne ehemalige Mitwirkung von Chris von Rohr kommt kräftig daher und bolzt AC/DC mässig daher! Auch erwähnen muss man die 3 restlichen Musiker: Flavio Mezzodi, den Neu-Drummer, der einen Steady Job abliefert und sich mit dem Rhythmusteam von Rohr, von Arb und Kohler wunderbar ergänzt! Schade – und das ist eigentlich der einzige Kritikpunkt – ist, dass „Eat the rich“, das live gespielt wurde und für mich zu den Höhenpunkten im Krokus-Repertoire gehört, leider nicht berücksichtigt wurde. Wirklich schade! Die Scheibe macht unendlich Spass und wirkt wie aus einem Guss. Sänger Marc Storace singt auch mit 60+ noch wie ein junger Gott und Chris von Rohr hat mit seiner Produktion das Maximum heraus geholt, was man anno 2014 aus einer Live-Scheibe raus holen kann, ohne dabei Ecken und Kanten zu verlieren oder zu aalglatt zu klingen. Top Scheibe! Killer, Granate – hoch explosiv! [Review lesen]

13.01.2014 11:04 - Gillan: Mr. Universe (1979)

9.0 / 10
Ian Gillan - was für ein sensationeller Sänger, dazu noch äusserst einflussreich; so zählen 2 der grössten Heavy Metal-Sänger aller Zeiten zu seinen "Nachahmern", die ihn als Haupteinfluss ihrer Gesangsstile nennen - Bruce Dickinson von Iron Maiden und Rob Halford von Judas Priest! Nach dem Ausstieg bei Deep Purple im Jahr 1973 versuchte sich Gillan zuerst in ein paar aussermusikalische Aktivitäten, bis er 1976 mit seinem ersten Soloalbum rumkam... Jedoch so richtig zurück zum Hardrock oder gar Heavy Metal hat er erst auf dem vorliegenden Werk aus dem Jahr 1979 gefunden - das Album bietet eine Symbiose aus 70er Rock und dem aufkommenden (NWoB) Heavy Metal. Mit seinem alten Episode Six-Kumpel Mick Underwood an den Drums und dem geilen Keyboarder Colin Towns, der sich für die meisten Kompositionen auf "Mr. universe" verantwortlich zeigt, lancierte der Supersänger ein wirklich grossartiges Album mit den folgenden Highlights: bereits der Opener "Secret of the dance" (nach dem Synthie-Intro "Second night", das ein herrlicher Kontrast bietet und was anderes erwarten und erahnen lässt) haut gnadenlos rein! Das Gaspedal wird voll durchgedrückt - wäre das Keyboard im Hintergrund nicht, wäre das fast schon etwas, das man später Heavy/Speed Metal nennen würde - zumindest streckenweise, denn die Art der Komposition ist doch noch in den 70ern verankert; dennoch - ein Album das mit einem solchen Inferno startet, kann nun wahrlich nicht schlecht sein. Noch heute löst der Song in mir der absolute Wille aus, die Welt zu erobern, Bäume auszureissen oder meinen TV aus dem Fenster zu schmeissen.. ;-) Geil! Gemächlicher, jedoch dafür umso schöner und melancholisch geht es mit dem einfühlsamen Track "She tears me down" weiter; neben "Fighting man" der langsamste, epischste Slowtrack auf dem Album; traumhaft, vorallem das tragende, verträumte Key-Solo von Towns im Mittelpart ... Durch und durch gelungen! Nun, es mag zwar verwunderlich klingen, doch auch der 3. Track ist ein verfluchtes Highlight; so wuchtig und kraftvoll wie "Roller" aus den Boxen knallt, sich dann wieder zu zügeln weiss um darauf wieder voll zu explodieren, kann man nicht ruhig sitzen bleiben und steht mit runtergelassener Hose und Kinnlade da.. Geiler Powertrack, klasse produziert, da unheimlich fett! Nächstes highlight ist der Titeltrack - "Mr. Universe" - der die A-Seite beendet; hier dringt eine Mischung aus Rainbow (mit denen Gillan eigentlich nichts zu tun hatte - er lehnte sogar mal das Angebot Blackmores ab, bei Rainbow zu singen) und den hymnenhaften Songs von Deep Purple durch; auch hier klasse wieder Towns, der ein erstklassiges Intro zum gut 6-Minüter liefert. Auch auffällig; die starke Gesangsleistung Gillans, der aus seiner Stimme alles rausholt und eine ungebändigte Power an den Tag legt; hungrig, zornig, mächtig, stolz - wie ein Löwe! Fazit der ersten Seite; NUR starke Songs, sensationell!! Die B-Seite wird dann leider umso durchschnittlicher eröffnet; "Vengeance" - anhand dessen Titel man ein Brett erwarten würde - wirkt im Vergleich zu den Knallern der A-Seite wie ein lauer, altbackener Fuzzifurz von meinem Opa, als er noch furzen konnte! Unnötig. "Puget sound" wirkt lahmarschig und zeigt Gillans Liebe zum Blues, sogar seine von mir ungeliebte Harp kommt überflüssigerweise zum Einsatz.. Auch hier; nicht wirklich notwendig, und man seht sich schon wieder nach der A-Seite...! Das anschliessende "Dead of night" bietet ebenfalls Durchschnittsrock - handwerklich nett gemacht, 1972 wäre das toll gewesen, doch anno 1979 hat man das in diversen Variationen einfach schon 296x besser gehört... Ein typischer 4*-Song! Und endlich ist sie wieder da - die Magie der A-Seite; "Message in a bottle" ist nicht nur fies und unheimlich stark gesungen, sondern bringt auch wieder diese Energie, diese vulkanartige Explosion mit sich - klasse! Das beste hat sich der Herr Gillan jedoch bis zum Schluss aufgespart - ein Track mit dem man wohl nicht gerechnet hätte: der unheimlich tiefgehende, wundervolle, gänsehaut erzeugende Rausschmeisser "Fighting man" - eine Hymne, die sich hinter Jahrhundertwerken wie "Child in time" oder "When a blind man cries" von Deep Purple nicht zu verstecken braucht... Der Song wartet nicht nur mit einem interessanten Gillan-Text auf, nein, auch hier ist die Gesangsleistung des Grossmeisters über jeden Zweifel erhaben und einfach nur wunderschön, krass, weltklasse - grossartig. Was er aus seinen Lungen rausholt treibt mir fast Tränen in die Augen, so dermassen schön singt und schreit Gillan - dazu die unheimlich intensive, schöne und tieftraurige Melodie, die den Song so unnachahmlich unterstützt und trägt.. Ein klares Meisterwerk das beweist, dass nicht nur Ritchie Blackmore mit seinen brillanten Rainbow gute Hymnen bringen konnte, sondern sein Erzfeind dies ebenso drauf hat... Umwerfend!! Fazit; die B-Seite ist - vielleicht absichtlich, da merklich langsamer - deutlich schwächer als die starke A-Seite, enthält jedoch den besten Gillan-Solosong, was die Seite natürlich wertvoll ohne Ende macht... Abschliessend bleibt zu sagen, dass die Scheibe trotz drei klassischen Füller ein Hammerprodukt ist; rauh, hart, melodiös, intensiv - und zu Zeiten des Punkrock auch wichtig um zu zeigen, dass a) der Deep Purple-Rock noch nicht vorbei ist und b) eine Zukunft/Plattform für harten Rock bestehen wird! [Review lesen]

25.11.2013 10:05 - Die Toten Hosen: Krach Der Republik, Der (2013)

3.0 / 10
Sorry Freunde, dieses Album hat einen dermassen dünnen, substanzlosen und gleichzeitig breiigen Sound (...wo the hell sind die Drums?) und wurde im Studio offensichtlich lieblos nachbearbeitet (-> Auswärtsspiel, Schrei nach Liebe, Heute hier... etc) - wirkt wie ein Schnellschuss, der ein Monat vor Weihnachten für's Christmas-Business fesrtiggestellt werden musste. Für mich als langjähriger Hosen-Fan enttäuschend und hingepfuscht. Es ist bedenklich, dass eine Band anno 2013 mit bestem Equipment, stabilem finanziellen Hintergrund und 30 Jahren Live-Erfahrung es nicht annähernd schafft, ein Album zu toppen, das vor 26 Jahren unter nicht sonderlich gloriosen Voraussetzungen rausgehauen wurde ("Bis zum bitteren Ende", 1987). Zudem ist die Setlist - obwohl ich sie gut finde - eine Mogelpackung: "Alles wird gut", "Achterbahn", "Halbstark" oder "Modestadt Düsseldorf" wurden auf den ca. 80 Konzerten vielleicht 7, 8x gespielt. Man hat diese Songs vorallem gegen Ende der Tour in's Liveset aufgenommen, nachdem man sich im klaren war, dass nach dieser ultraerfolgreichen Tour ein Livealbum ein MUSS sein wird - wohl um ein bisschen Abwechslung für ein Live-Album gegenüber dem "Machmalauter"-Album von 2009 zu schaffen. Ob dieser release notwendig ist, stelle ich gerne zur Diskussion. Hosen live: 1987, 1996, 2009 und nun schon wieder? Ich bin enttäuscht - grad für 40 Euro für die Vinyl...! Wäre es ein gratis Download, gäbe es nichts zu beanstanden - doch so..?! Auch auffällig, dass die Hosen wohl zu einer One-Man-Show verkommen sind: Campino hier, Campino dort - auch auf den Inlays... Das ist nicht mehr die Band, wie ich sie 1988 zu hören begann (logisch, ich bin ja auch nicht mehr derselbe Typ wie damals). Es ist halt schon auffällig, dass die Qualität der Produkte der letzten 2 Jahre gegenüber früher, wo man Wert auf gute Produkte legte auffällig nachliess - Argentinien DVD, das überflüssige und billige "All die ganzen Jahre" Best of ohne irgendwas speziellem und nun diese Pfusch-Platte! Zudem enttäuschend, dass "Europa", der einzige Hosen-Song der "Ballast.." Scheibe mit textlicher Substanz, trotz mehrmaliger Live-Aufführung weggelassen wurde. Der Song wäre aktuell, der Song hat Gewicht und Inhalt und hätte eine gute und wichtige Single abgegeben. Man hätte mal wieder Stellung bezogen und Campino, der sich nicht mal für das Oktoberfest und die peinliche Lanz-Wetten dass-Pupscouch zu schade ist, hätte mal wieder als das auftreten können, was er ja eigentlich ist: Ein eloquenter, intelligenter Mann, der viel zu sagen hat und seine Message pointiert und messerscharf, auch gerne mal ungemütlich, ausdeutschen kann... Aber es scheint so, als fehle der Band mittlerweile der Mut sich zu positionieren und dem "Tage wie diese"-Massenmob entgegen zu treten, der sicher nicht die politischen Ansichten und Ideale der Band teilt! [Review lesen]

11.09.2013 09:51 - Deep Purple: Slaves And Masters (1990)

9.0 / 10
Ich kann mir nicht helfen, doch für mich ist dieses - wahrlich nicht sonderlich klassische - Deep Purple Album verdammt weit vorne im Back-Katalog der Band. Logisch, mit dem was DP in den glorreichen 70ern ausgemacht hat, kann man das Album natürlich messen, vergleichen oder irgendwie assoziieren. Es klingt klingt weder nach "Fireball", "Stormbringer" oder "Come taste the band" - die alle sehr unterschiedlich und eigen klingen - und schon gar nicht nach dem massiven "In Rock". Dann doch eher wie Rainbow in den späten 70ern/frühen 80ern. Joe Lynn Turner, der pomadige Italo-Ami, den DP hier rekrutiert haben, stand neben Blackmore ja auch schon auf Rainbow-Stages... Einer von Unzähligen! Das Album ist also eine Mischung aus Rainbow und "Perfect strangers" - ich finde diese Mischung erstens attraktiv und zweitens sehr gelungen umgesetzt. Turner singt göttlich, die Melodien gehen gut in's Ohr - leider ist die Produktion etwas popig geworden, doch zum Glück nicht so schlimm wie auf "House of the blue light", dem Vorgänger von 1987 mit Ian GIllan. Highlights hat die Platte einige zu verzeichnen: -Angefangen sicher mit der Single "King of dreams", das mich sogar etwas an "Perfect strangers" erinnert, jedoch auch diese Blackmore-typische Atmosphäre alter Rainbow-Songs wie "Gates of Babylon" aufweist und aufgreift. Wunderbarer Song mit sehr starkem Refrain! -Herausragend ist sicher auch die wunderschöne, zerbrechliche Ballade "Love conquers all". Für mich eine der schönsten und ergreifensten Rockballaden ever und sicher on top was die 90er angeht! Blackmore mag ja gar nicht was aus dem Song gemacht wurde - ursprünglich nur auf seiner akustischen Gitarre und mit Lord an den Keys vorbereitet, wurde daraus eine pompöse Ballade mit Streichern und allem drum und dran. Mich stört das jedoch 0,00, denn die Schönheit und krasse Melancholie dieses Ausnahmesongs treiben auch nach 23 Jahren noch Tränen in meine Augen, wenn ich ihn an mich ran lasse. Ähnlich wie in "Wasted sunsets" vom 1984er "Perfect strangers" Album spielt Ritchie in dem gefühlvollen Solo all seine Trümpfe aus - lässt die Gitarre sprechen und weinen, so scheint es. Wunderwunderschön, rührend. Der undurchschaubare, oft miesepetrige Man in Black zeigt in solchen Momenten, was in ihm abgeht, sein vielleicht wahres Gesicht - und das kann nichts schlechtes sein! Dafür sind hier zuviele feelings am Start! -Ebenfalls weit vorne ist die Powerballade "Truth hurts"! Natürlich hat gerade ein solcher Songs nichts mit den Wurzeln von DP gemein - das heisst aber nichts. 1990 ist nicht 1970. Wunderbarer Song, in dem Turner songdienlich und unter die Haut gehend sein Organ einzusetzen vermag. Mir verursacht der Track Gänsehaut - der Mann scheint zu leiden und sich 100%ig in den Song begeben zu können. Man hört die Leidenschaft, man spürt die Gefühle. Denn ebensolche vermag der Song in mir auszulösen. Auch Blackmores Beiträge schürfen musikalisch tief! -Auch ganz weit vorne, vielleicht sogar in den Top 5 aller Songs nach der Reunion von 1984 ist "The cut runs deep". Lord leitet brillant ein mit seinem Piano, ehe Blackmore mit einem Killerriff um die Ecke kommt. Der Song befindet sich schon fast im Uptempo-Bereich und auch hier glänzt wieder Joe Lynn Turner mit seiner fantastischen und kraftvollen Stimme! Wunderbar. -Zum Abschuss gibt es mit "Wicked ways" nochmal einen Killer mit weittragendem Refrain. Ebefalls 100%ig gelungen. Was bei der Platte auffällt ist die Melancholie in den Songs. Anders als bei sämtlichen Purple-Alben. Liegt es an Turner? Dessen Stimme vielleicht einfach diesen Nerv trifft..? Wenn ich an "I surrender" von Rainbow denke, könnte das schon sein. Ausfälle gibt es keine - man kann aber schon sagen, dass Lord sich sehr zurück nimmt und fast etwas unter geht. Songdienlich - wie auch schon auf "Stormbringer". Für mich schleierhaft, warum sie mit Turner nur dieses eine Album gemacht haben - ich hätte anstelle von "The battle rages on" lieber nochmal ein Depp Rainbow Album gehabt! Es war zudem das erste mal, dass ich DP live erleben durfte und es hat mich umgehauen. "Slaves and masters" ist ein starkes Produkt, grad für die schwachen late80s/early 90s, wo man sich vieles schlicht nicht anhören kann - dafür ist es ein Meisterwerk des Hardrock. Da ich durch dieses Album auf Deep Purple kam, zumindest so richtig, liebe ich es auch innig! Damals mit "Burn" auf der Rückseite des Tapes - so wundert es keinen, dass diese beiden, eigentlich unpopulären DP Album, neben "Fireball" und natürlich dem monumentalen "In Rock" bei mir in der Topliste von DP rangieren. 9 Punkte! [Review lesen]

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