Heart Bebe Le Strange (1980) - ein Review von schanzer.in

Heart: Bebe Le Strange - Cover
1
1 Review
5
5 Ratings
8.30
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Rock: AOR, Hardrock, Melodic Rock


schanzer.in
01.05.2017 15:43

In den Liner-Notes zur Wiederveröffentlichung von "Bebe Le Strange" schreibt Nancy Wilson so etwas wie "Dieses Album kam 1 Sekunde bevor die Hippies zu Geschäftsleuten wurden und der Punk alles niedermachte. Das Ende einer Ära".
Eine treffende Beschreibung, die aber auch auf einige andere Rockscheiben der damaligen Jahre passt. Die 70er dehnten sich noch ein bisschen in die 80er rein, doch spätestens 1982 war der neue Geist eingezogen mit kürzeren Songs, synthetisch klingenden Drums, Musikvideos etc.
Auf "Bebe Le Strange" merkt man insofern davon bereits etwas als mit "Break" eine ultraschnelle Punknummer drauf ist. Live kündigte Ann die Nummer ironischerweise als " most delicate love song you ever heard" an... Die Wilsons beweisen mit dieser Nummer, dass Punk Punk bleibt, auch wenn er mehr als 2, ja sogar mehr als 3 Akkorde beinhaltet! Ebenso ist "Down On Me" eine geniale Bluesnummer, die jedoch völlig ohne irgend eins der sattsam bekannten Bluesklischees auskommt. Blues ginge also auch ideenreich, falls man Ideen wie die Wilsons hätte :-)
Die Platte beginnt mit dem Titelsong, dessen Text aus Zitaten von Fanzuschriften zusammen montiert ist. Der Titel ist angeblich von einer Kneipe inspiriert, die "Jacques Le Strange" hieß. Die Strofen gehen über ein geiles rhythmisch verzinktes Riff, der Refrain ist etwas straighter und wird von einem fast punkigen Teil abgelöst.
"Rocking Heaven Down" besticht mit einem spannungsreichen Aufbau von melodisch bis zu fetzend. Ein Zwischenteil erinnert angenehm an Led Zeppelin, nicht im Sinne eines Plagiats sondern als "neue Musik im Stile von". Auch geil der Text: "We're a band of wild angels rocking heaven down."
Nun folgt der Feminismus-Rocker "Even It Up": tolles Riff, toller Text, mit Beteiligung der Tower of Power Horns ( Man gönnt sich ja sonst nix...), am Ende für meinen Geschmack einige Wiederholungen zuviel.
"Strange Night" ist ein weiterer Höhepunkt. Die Nummer basiert auf einem sehr strange klingenden harten Riff und ist interessant rhythmisiert mit diversen Percussion.
"Pilot" fällt etwas ab, sollte ein Versuch sein, Luft musikalisch darzustellen. Na ja, ganz nett.
"Raised On You" kommt mit Nancy am Klavier und am Leadgesang. Leichter Funk Einschlag, hämmerndes Piano-Riff.
"Sweet Darlin'" am Ende ist eine geniale Ballade, die Ann "natürlich" meisterhaft zelebriert.
Das Album war eventuell 1980 doch schon 1 Sekunde NACH dem Punk und dem Etabliertwerden der Hippies entstanden, denn die verspielten folkigen Elemente sind auf "Bebe Le Strange" schon aus dem Bandsound verschwunden zugunsten von rockigeren Gitarren und erhöhtem Tempo.
Die Wiederveröffentlichung beinhaltet noch "Jackleg Man", eine krachende Rocknummer von einer Aggressivität, wie sie Hippies nicht gehabt haben..... sowie eine Live-Version von "Break".
P.S. Das Coverfoto ist zum Verlieben, oder?

Punkte: 9 / 10