Grave Digger Fields Of Blood (2020) - ein Review von gravedancer

Grave Digger: Fields Of Blood - Cover
4
4 Reviews
13
13 Ratings
8.12
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Metal: Heavy Metal


gravedancer
27.07.2022 21:16

Es wird mal wieder Zeit für ein Grave Digger Review...und vor diesem hier habe ich mich seeehr lange gesträubt. Doch nun steht die Veröffentlichung eines weiteren sicher unheimlich epischen und bombastischen Opa-Metal-Krachers vor der Tür, auf die sicher die meisten Fans schon sehnsüchtig warten (Während ich noch hadere, ob ich jetzt aufhöre, GD weiter zu "konsumieren").

Nun gut, es ist Zeit:

Bei "The Clans Will Rise Again" schuf man nur scheinbar einen "Tunes Of War" Klon. Thematik, Aufmachung, Dudelsäcke und der ganze Mist waren ja offensichtlich ganz im Sinne des 90er Klassikers der Band auch dort vorhanden. Aber eben rein musikalisch, so fern man das bei GRAVE DIGGER, die alle Jahre wieder "neuen" Stoff unters Volk mischen, überhaupt sagen kann, produzierte man schon ein selbstständiges Album. Doch dies änderte sich bei "Fields Of Blood" nun endgültig!

Das noch aktuelle Album beginnt mit einem Intro. Und klar...hier wird ein Dudelsack schön in Szene gesetzt, verblüffend ähnlich wie auf "Tunes of War". Nur eben mit einer anderen Melodie.
Doch jetzt mit dem eigentlichen Opener 'All For The Kingdom' geht es ja erst richtig los! Doch Moment mal...das Riff klingt doch verdächtig nach 'Scottland United'? Zufall? Oder hat der Herr "Saladfinger" Ritt hier ganz dreist bei seinem Vorbild (nur so kann ich es mir erklären), dem großartigen Uwe Lulis geklaut? Ja, das könnte man meinen und im Solo dann gleich noch mal bei seinem zweiten Vorbild, Herrn J.S. Bach (nachzuhören in der berühmt berüchtigten Toccata und Fuge in D Moll). Zweiteres wiederum ist ja legitim und das zitieren von klassichem Elementen im Heavy Metal bei weitem keine Seltenheit. Dadurch wird dann dieses Gitarrensolo, welches erst in gewohnt stumpfer Rittmanier beginnt (Gitarrenhals rauf, Gitarrenhals wieder runter) zu einem wahrhaften Höhepunkt.
Weiter geht es mit dem "Hit" des Albums...Santiano eröffnen ihn mit einem blöden OHOHOHOHOH Gejaule...welches im Refrain in einem noch dämlicheren Klaus und Klaus Chorus endet...ätzend. Und man mag es kaum glauben, das Hauptriff klingt erneut verdächtig nach...na? Ja genau, nach 'The Dark Of The Sun', seinerzeit übrigens ebenfalls an zweiter Stelle des Albums...ok überdeutlicher kann es nicht mehr werden. Hier sollte ein eins zu eins Klon von diesem überragendem Album aus dem Jahre 1996 her. Und bei wem lässt sich schon besser abkupfern, als bei sich selbst (Wenn man sich denn als Urheber der Musik bezeichnen könnte...)?
Beim nun folgenden 'Freedom' festigt sich mein Eindruck dieser Vorgehensweise nun endgültig, in dem man diesen haargenau so aufbaut wie eben 'William Wallace'. Seichtes Intro mit cleaner Gitarre, Speedattacke in der Strophe und von Double Bass getragener Rafrain... William Wallce wird dann übrigens auch zitiert. Ich fühlte mich beim erstmaligen hören so richtig verarscht...
Wer die 'Tunes Of War' kennt, weiß, dass anschließend ein ultra schwerer Stampfer kam, namens 'The Bruce'. Hier erscheint ebenfalls einer, der natürlich auch Robert The Bruce beinhaltet. Von der Klasse des "Originals" ist dieses 'The Heart Of Scotland' jedoch weit entfernt, nicht zuletzt aufgrund des erneut ätzenden Refrains.

Es folgt die Ballade...

Anschließend hat man offensichtlich davon abgesehen, diese 1 zu 1 Kopie fortzusetzen, zumindest nicht mehr so auffällig wie zu Beginn des Albums. Auf 'Kingdom Of The Crown' kommt erneut das Erfolgsrezept OHOHOHOHOH..die Platte muss ja sowas von durch die Decke gehen (dachte ich mir bei Erscheinen), so fantastisches Songmaterial mit solch tiefsinnigen Texten hatte man selten.
Beim nun folgenden, absolut hanebüchenen und bescheuerten OHOHOHOHO Schunkler (Ja aller guten Dinge sind drei, was im Fußballstadion funktioniert, muss auch in der alten Spinnerei in Glauchau zünden) 'My Final Fight' hätten Lulis und Schmidt dem ollen Bolle übrigens den Vogel gezeigt. Kann qualitativ gut mit 'Zombie Dance' mithalten. Mir dreht sich der Magen um.
'Gathering Of The Clans' ist dann erstmals wieder nicht unheimlich beschissen sondern mittelmäßig und daher auch nicht unerwähneswert. Dafür folgt mit 'The Barbarian' nun ein vernünftiger Mid-Tempo-Stampfer, bei dem man im Refrain nicht anfängt wie RHAPSODY (OF FIRE) oder NIGHTWISH klingen zu wollen...daher ist das quasi mein Lieblingssong der Platte, die ansonsten wirklich überhaupt keinen Wert für mich hat. Denn beim Titelsong, wirds wieder mordsmäßig episch und jetzt wo ich diesen Haufen Scheiße also zum zweiten oder vielleicht auch dritten mal durchgehört habe, verliere ich die Lust, mir das neue Album vorzubestellen.

Für ein gutes Cover Artwork, einen bis allenfalls zwei netten Songs und das tolle Bach-Zitat vergebe ich respektable 2,5 Punkte. Denn die Idee seinerzeit für dieses Erfolgsthema, welchem man sich sicher noch ein paar mal bedienen wird, stammte vom damaligen Bassisten der Band, Herrn Göttlich, den man später in der hauseigenen Biographie als absoluten Nichtskönner diffamierte und mit Füßen aus der Band hinaus trat. Und die besten Riffs der Platte, die hat damals Uwe Lulis komponiert und man hat sie für diesen Haufen Müll etwas abgewandelt und besudelt. Ich war einst ein großer Fan der Band durch sozusagen alle Alben der 90er und auch die Alben der frühen 2000er boten noch guten Heavy Metal. Aber nach vielen Auftritten der Band wurde ich von einem abgehobenen alten Mann, der sich Metal Gott nennt und einem eingebildeten Gitarristen, der die Band als Plattform für seine persönlichen Ansichten missbraucht hat (das tut er jetzt nicht mehr) und in jedem Song das gleiche Solo spielt (wenn er nicht gerade Bach zitiert) enttäuscht...bitter enttäuscht!

Punkte: 2.5 / 10