Fish A Parley With Angels (2018) - ein Review von frankjaeger

Fish: Parley With Angels, A - Cover
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Review
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Rating
10.00
∅-Bew.
Typ: Single/EP
Genre(s): Rock: Art Rock, Progressive Rock


frankjaeger
03.10.2020 16:31

Da kündigt sich ein Meisterwerk an!

Der Schotte lässt seiner Kreativität freien Lauf. Zwar haben ihn auch ein paar widrige Umstände zu seinem und bestimmt auch unserem Glück gezwungen, aber die Tatsache, dass FISH sich mehr Zeit nimmt und das finale Studioalbum "Weltschmerz" erst mit neunmonatiger Verzögerung im Mai 2019 zu veröffentlichen gedenkt, ist auch darauf zurückzuführen, dass die Band bereits viel mehr Material hat als auf eine CD passen würde. Alle aufmerksamen Progfans wissen bereits, dass die neuen Lieder eine Tendenz haben, mit langen Spielzeiten aufzuwwarten. Und das ist bei FISH-Songs immer ein gutes Zeichen, man erinnere sich an 'Vigil In A Wilderness Of Mirrors', 'Shadowplay', 'Plague Of Ghosts' oder die 'High Wood Suite'.

Doch die aktuelle Tour war gebucht und irgendetwas sollte als Unterstützung verfügbar sein, also entschied man sich für eine EP. Wobei EP eigentlich der falsche Ausdruck ist, denn dieser Tonträger ist 50 Minuten lang. Vier unveröffentlichte Live-Songs aus dem Dezember 2017 runden die vermeintliche Kurzspielplatte ab und sind für sich schon eine Anschaffung wert. Doch das Herzstück der EP sind natürlich die drei neuen Lieder, die auch auf dem kommenden Album stehen werden. Drei Songs, 31 Minuten Musik.

Da ist zum ersten das auch als digitale Single veröffentlichte 'Man With A Stick', das mit prominenten Percussions aufwartet und ein echter Ohrwurm geworden ist. Der geschmeidige Groove und eine FISH-typische, poppige Melodie machen das Stück zu einem gewohnt hochwertigen Pop-Rock-Song mit leichten progressiven Einflüssen. Mit 'Waverly Steps' folgt dann ein Lied, dass auch auf "Weltschmerz" zu den besten zählen wird, wage ich mal vorausblickend zu behaupten. Dreizehn Minuten, Prog im alten Stil mit Fishs großartiger Stimme und vielschichtiger Instrumentierung, dramatisch und emotional erzählt der Schotte eine seiner brillant getexteten Geschichten, die beweist, dass "Weltschmerz" auf dem besten Weg ist, dem starken Vorgänger "A Feast Of Consequences" ebenbürtig zu sein. Mit dem ebenfalls langen 'Little Man What Now' wird es dann noch etwas ruhiger, aber gerade diese Nummern und Passagen sind eine Stärke Fishs. Dazu kommen tolle, akzentuierte Saxophon-Passagen von Dave Jackson von VAN DER GRAAF GENERATOR und erneut ein hörenswerter Text aus der Feder des schottischen Barden.

Es scheint, als hätte das Trio aus Fish, Robin Boult und Steve Vantsis eine kreativen Lauf. Wenn sie dieses Niveau halten können, steht uns nächstes Jahr etwas Großes ins Haus. "A Parley With Angels" ist bis dahin mehr als nur eine Überbrückung und die Anschaffung absolut wert. Selbst wenn "Weltschmerz" veröffentlicht sein wird, bleiben vier Live-Lieder und ein beeindruckendes und düsteres Artwork von Mark Wilkinson als Argument für die EP übrig. Ein weiterer Grund zur Anschaffung für FISH-Fans ist die Tatsache, dass die Einnahmen der EP dazu verwendet werden, die nächsten Aufnahmesessions zu finanzieren. Erhältlich ist das gute Stück digital, physisch nur über die FISH-Webseite oder auf den Konzerten. Diese über 30 Minuten großartiger neuer Musik machen das Warten auf "Weltschmerz" erträglicher. Zumindest ein wenig.

(veröffentlicht hier: https://powermetal.de/review/review-Fish/A_Parley_With_Angels,34198,34076.html)

Punkte: 10 / 10