FGFC820 Defense Condition 2 (2011) - ein Review von DarkForrest

FGFC820: Defense Condition 2 - Cover
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1 Review
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1 Rating
8.50
∅-Bew.
Typ: Single/EP
Genre(s): Dark Wave/Gothic: Electro


DarkForrest
03.01.2021 15:46

Ende 2011: Skyrim wurde gerade erst zum ersten Mal released, "Gangnam Style" gab es damals noch nicht einmal und es war in Berlin noch halbwegs möglich, Clubs zu finden, in denen man zu guter EBM-/Industrialmucke antanzen konnte. An einem dieser Abende war mal wieder ein besonders netter Song zu hören. Ich weiß tatsächlich nicht mehr welcher, aber auf die Frage nach dem Künstler hat der DJ lediglich eine seltsame Kombination aus Zahlen und Buchstaben aufgeschrieben. Merkwürdig, aber okay…

Am nächsten Tag habe ich also direkt neugierig "FGFC820" gegoogled und ein sehr vielversprechendes Elektroprojekt gefunden, das obendrein noch ein neues Album in den Startlöchern hatte. Und nicht nur das: als Vorgeschmack zu diesem Album namens "Homeland Insecurity" gab's eine EP namens "Defense Condition 2", die gerade ganz frisch rauskam. Also habe ich direkt mal zugegriffen und es nicht bereut, denn wenig später war ich großer Fan von einem der wahrscheinlich unterschätztesten Projekte in der Szene.

Zeit um sich die EP, mit der meine Liebe zu FGFC820 begann, mal näher unter die Lupe zu nehmen. "Defense Condition 2" kam ein ganzes Stück vor dem zugehörigen Album raus, nämlich über 6 Monate, was etwas ungewöhnlich wirkt, da es immerhin Remixes von Songs des Albums beinhaltet. Die Hauptrolle spielen hier die beiden Songs "Insurrection" und "Revolt Resist". Dabei folgt die EP einer ganz einfachen Formel: "Insurrection"-Remix, "Revolt Resist"-Remix, exklusiver Song und zwar nicht einmal, nicht zweimal, sondern gleich dreimal. So kommt bei 9 Songs und gut 46 Minuten Laufzeit für so eine EP einiges zusammen. Man muss halt auch dazu sagen, dass jeder einzelne Song inkl. der Remixes nur hier erschienen ist und wir auch sonst kein Füllmaterial haben, was das ganze unnötig aufbläht.

Normalerweise fange ich ungern mit Remixes von Songs an, die ich nicht kenne und höre lieber erstmal das Original. Auf "Defense Condition 2" sehe ich da aber keine großen Probleme. Die Remixes weichen vom Stil her nicht zu sehr von den Originalen ab und machen einen ganz guten Job dabei, die Songs auch Leuten schmackhaft zu machen, die noch nicht in "Homeland Insecurity" reingehört haben. Was man auch direkt raushören kann: FGFC820 waren zu dem Zeitpunkt echt auf dem Höhepunkt ihres Schaffens. Sowohl Rexx Arkana als auch Dräcos sind schon als erfahrene DJs in das Projekt eingestiegen und das hört man auch. Trotzdem hatten "Urban Audio Warfare" und "Law & Ordnance" beim Sound hier und da noch etwas Luft nach oben. Zu Zeiten von "Defense Condition 2" haben die beiden ihren Sound allerdings so perfektioniert, dass ich nichts mehr zu meckern finde. Selbst die Backroundvocals von Dräcos haben jetzt endlich die nötige Power, die mir vorher etwas gefehlt hat.

Letzte wichtige Grundvoraussetzung wäre jetzt noch die Songauswahl. Hier läuft alles auf die Frage hinaus, wie sehr einem "Insurrection" und "Revolt Resist" gefallen. Bei "Insurrection" sehe ich da überhaupt kein Problem - das Ding ist schon im Original großartig und bietet unglaublich viele Ansätze für Remixes. "Revolt Resist" ist nicht ganz so gefällig und vor allem kein Song, den ich mir besonders oft anhören kann. Irgendwann nervt es mich das verarbeitete "I am an american Soldier…"-Sample zu hören. Hier wird es also etwas schwieriger mich von den Remixes zu überzeugen.

Los geht's aber mit dem "Call To Arms Mix" von "Insurrection" - eine recht simple und basale Version, die einen absoluten Killer-Bass hat, mit dem ihr prima eure Nachbarn nerven könnt. Ziemlich geile Version ohne viel großes drum herum. Ich würde sogar sagen, dass diese Version nochmal deutlich zugänglicher ist als das eh schon zugängliche Original. Der "Reload Mix" von "Revolt Resist" ist ebenfalls die reinste und einfachste Version des Songs, die ich gefunden habe und der beste Weg, erstmal mit der Nummer warm zu werden. Ziemlich gute Idee, diese beiden Remixes an den Anfang einer EP zu packen, die vor dem Album rauskam. Clevere Reihenfolge und Platzierung von Songs wird eben leider oft unterschätzt.

Als nächstes hätten wir den ersten komplett exklusiven Song "We Don't Need No WWIII", der direkt durch ein Zitat von Obama eröffnet wird. Vor allem das Tempo ist hier interessant, denn "We Don't Need No WWIII" ist eindeutig nicht dafür gedacht, um Chaos und Zerstörung auf der Tanzfläche zu hinterlassen, sondern legt eine doch recht gemütliche Geschwindigkeit hin und kommt ziemlich entspannt daher. Für sich genommen sicher nichts wahnsinnig spektakuläres, aber als netter Tempowechsel ganz willkommen.

Auf in die zweite Runde: "Insurrection" kommt diesmal im "Fuxxor Mix" daher. Verantwortlich dafür waren die Jungs von Accessory und die haben hier sehr geile Arbeit geleistet. Dieser Remix ist im Prinzip "Insurrection" auf Steroiden und für mich ganz klar die beste Art, diesen Song zu hören. Für den "Comrade Mix" von "Revolt Resist" durfte Thomas Gerrit von Funker Vogt ran. Was wir am Ende haben ist eine handwerklich sauber gebastelte, basslastigere Version vom Original. Das einzige, was ich daran auszusetzen hätte, wäre die Tatsache dass mich das Original nicht unbedingt umhaut und daher das Grundgerüst nicht so ganz meinen Geschmack trifft.

Zum kurzen Luftholen gibt es diesmal einen "Resolution"-Song. Mittlerweile sind wir bei "Resolution 9" angekommen. Das ganze klingt nett. Man merkt, wie selbst die "Resolution"-Songs an Komplexität und Qualität gewonnen haben und es ist auch schön, dass auf "Defense Condition 2" einer davon drauf ist.

So, letzte Runde: "Insurrection" im "Resurrexion Mix" von Arian 1. Ich merke wie verwöhnt ich mittlerweile bin, wenn das hier nach dem "Fuxxor Mix" nur die zweitbeste Version für mich ist, denn auch das Ding hier macht alles richtig. Der "Resurrexion Mix" ist die tanzbarste Variante des Songs und besticht durch absolute Clubtauglichkeit. Würde mich nicht wundern, wenn das der Song war, den ich damals im Club gehört habe. Der "Billion Dollar Killing Machine Mix" zu "Revolt Resist" von Komor Kommando geht dann doch mal etwas andere Wege, hält sich weniger an vorgegebene Strukturen und macht daraus am Ende eine 8-Minuten-Nummer. Das ist okay und da ich mich über die Abwechslung freue. Solide Nummer, aber nichts, was mir total gefehlt hätte, wenn es nicht mit drauf gewesen wäre.

Zum Abschluss hätten wir mit "God & Country" sogar noch eine kleine versteckte Perle. Während die anderen beiden exklusiven Songs eher eine nette Abwechslung und willkommener Tempowechsel waren, ist "God & Country" ein absolut großartiger FGFC820-Song mit allem drum und dran, der es völlig zu Unrecht auf keine reguläres Album geschafft hat, aber dafür "Defense Condition 2" umso mehr aufwertet.

Unterm Strich haben wir hier eine sehr nette, gar nicht so kleine EP, die sich vor den drei Alben überhaupt nicht verstecken braucht. Obwohl zwei Songs dreimal vertreten sind, schafft es "Defense Condition 2" abwechslungsreich genug zu sein, dass man sie sich gut am Stück anhören kann. Ich persönlich finde bloß irgendwann "Revolt Resist" etwas anstrengend. "We Don't Need No WWIII" und "Resolution 9" sind sicher auch eher nette Filler als absolute Killer-Tracks, aber auf so einer EP völlig in Ordnung. Spannend sind eher Überraschungen wie der "Fuxxor Mix" von "Insurrection" oder "God & Country". Alleine (aber nicht ausschließlich) durch letzteres ist diese EP eigentlich schon absolut essenziell für jeden FGFC820-Fan. Aber auch für Neueinsteiger, die mal in das Projekt reinhören wollen ist das wirklich kein schlechter Ansatz, um zu beginnen - immerhin spreche ich ja aus Erfahrung.

Punkte: 8.5 / 10