Festival Der Geisteskranken (F.D.G.) Burn Manson Burn (1998) - ein Review von DarkForrest

Festival Der Geisteskranken (F.D.G.): Burn Manson Burn - Cover
1
Review
1
Rating
5.00
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Dark Wave/Gothic: New Wave


DarkForrest
09.09.2019 16:53

So, diesmal habe ich wirklich tief in meiner Sammlung gewühlt und etwas rausgekramt, was ich schon sehr lange nicht mehr gehört habe. Ich glaube so richtig aufmerksam habe ich mir "Burn Manson Burn" vom Projekt mit dem klangvollen Namen Festival Der Geisteskranken eigentlich noch gar nicht angehört. Dabei hatte ich relativ hohe Erwartungen an das Album. Als alter Fan von Soko Friedhof habe ich irgendwann angefangen noch etwas tiefer zu graben und zu schauen, woran der gute David A. Line noch so alles beteiligt war und einfach mal ein paar obskure CDs aus den 90'ern im Von Grafenwald Shop bestellt. Seinerzeit gab es einige sehr interessante Projekte, die unter dem Label Sonic Malade liefen (gerade Engelwerk hat mich mit "Wet Look" ziemlich umgehauen) und Festival Der Geisteskranken war eines davon. Der Kreative Kopf dahinter hört auf den Namen DJ Demian, aber auch David A. Line war an der Produktion beteiligt. Ursprünglich erschien "Burn Manson Burn" 1998 als Heftbeilage im Maul Magazin. 2006 gab es mit "Der Satanische Surfer" sogar noch einen Nachfolger.

Aber bleiben wir mal beim Erstling: einen Song aus "Burn Manson Burn" - Nämlich "Liebling Der Götter" - kannte ich schon vom "Hat Megatonnen Gift In Sich" Sampler (auf dem man sich einige der angesprochenen exotischen Projekte anhören kann) und fand ihn großartig. An den Rest des Albums bin ich dagegen so gar nicht dran gekommen und die CD blieb Jahrelang nicht mehr unberührt in ihrem Cardsleeve. Jetzt, nachdem ich mir das ganze wirklich mehrmals ganz bewusst angehört habe, kann ich auch ganz gut verstehen warum. Ich bin eigentlich sehr offen gegenüber experimentellerer oder auch etwas schwerer zugänglicher Musik in diesem Genre (siehe "Wet Look" von Engelwerk) aber "Burn Manson Burn" macht einem das Zuhören wirklich nicht leicht. Ich finde es schon schwer dafür überhaupt ein passendes Genre zu finden - klar: irgendwas im Gothic Bereich, aber hmm… vielleicht so ein Fantasiegenre wie Splatter Goth, zu dem sich Engelwerk zählen. Konkret heißt das zumindest, dass die Songs alle sehr uneinheitlich klingen und alles recht bunt zusammen gewürfelt wirkt. Einen klaren Stil, der Festival Der Geisteskranken ausmacht oder auch nur von Projekten wie Engelwerk oder die frühen Soko Friedhof unterscheidet habe ich jedoch noch nicht gefunden.

Aber stürzen wir uns doch einfach mal in's Vergnügen: nach einem sehr kurzen Intro (eigentlich nur pfeifender Wind und Schritte) geht es los mit "Satans Night Out", welches auch nicht besonders lang ist. Ich gebe zu: je öfter ich es höre, umso besser gefällt es mir. Der tiefe Gesang ist durchaus stimmig und erinnert sogar ein ganz klein wenig an Pete Steele von Type O Negative. Etwas störend finde ich hierbei allerdings die sehr unruhige elektronische Klangkulisse im Hintergrund, welche eher gegen die Vocals arbeitet als mit ihnen. Gerade, wenn man sich daran gewöhnt hat, ist "Satans Night Out" auch schon vorbei und ich frage mich, ob eine längere Spielzeit da nicht sinnvoller gewesen wäre. Bei "Very Fine Brown Sugar" bin ich auf einen gegenteiligen Effekt gestoßen, was die Hördurchgänge und Länge angeht: das Ding ist an sich schon sehr repetitiv und nervt mich bei jedem mal hören ein kleines bisschen mehr. Obwohl es ziemlich genau so lang ist wie "Satans Night Out" hätte es mir lustigerweise nichts ausmacht, wenn die Nummer hier kürzer ausgefallen wäre. Probleme sehe ich neben den Backroundvocals, die ich als eher unangenehm empfinde auch, dass die Leadvocals extrem leise und verwaschen klingen. Auch wenn das wahrscheinlich so soll, ist es etwas, was mich auf diesem Album noch öfter mal nerven wird.

Nach diesen beiden kurzen Songs gibt's ein "Sharon" - ein Instrumental, benannt nach der Schauspielerin Sharon Tate, welche wahrscheinlich das prominenteste Mordopfer der "Manson Family" wurde. Außer ein paar Ambient Klängen gibt es hier nicht viel zu hören. Alles klingt wie ein 10 Sekunden Loop, der auf 3 Minuten gestreckt wurde. Kann man sich anhören, wird aber recht schnell langweilig. Als nächstes hätten wir dann das bereits bekannte "Liebling Der Götter" und "Grindcore" - aus irgendeinem seltsamen Grund zu einem Song zusammengelegt. Ersteres ist definitiv das Highlight auf dem Album. Wir haben elektronisch recht stark verzerrten Gesang, weibliche Backroundvocals, die einen die Ohren nur so umschmeicheln und dazu noch ein paar Gitarren. Irgendwie greift alles perfekt ineinander und lässt "Liebling Der Götter" so klingen wie keinen anderen Song auf "Burn Manson Burn". "Grindcore" klingt dagegen ziemlich trippy und psychedelisch, davon abgesehen aber auch ziemlich nach Fahrstuhlmusik.

"Innere Space Groupie" hat mir am Anfang gar nichts gegeben, aber nach ein paar mal anhören gefällt mir die entspannte und fast schon Jazz angehauchte Nummer doch ganz gut, auch wenn die Vocals derart undeutlich sind, dass ich kein Wort verstehe und auch nirgends Lyrics dazu finde. Das gleiche Problem habe ich auch bei "Free Phone Fucker", welches aber immerhin mit einem ganz stimmigen Beat aufwarten kann, ansonsten aber eher blass bleibt. An "Exorcist" habe ich dagegen mal gar nichts zu meckern. Der einzige wirklich tanzbare Song hier ist ein echter Ohrwurm, auch von Anfang an recht gut zugänglich und hat ein paar sehr nette Synths am Start.

"Death Becomes A New Religion" ist mir dagegen ein komplettes Rätsel. Es dauert über 45 Sekunden bis überhaupt etwas passiert. Danach gibt's ein paar beliebige Melodien mit langen Pausen dazwischen, bis der Song nach genau 3 Minuten auf einmal komplett aufdreht und einem mit elektronischen Klängen bombardiert, die mich an 90'er Jahre Videospiele erinnern. Wem das noch nicht musikalischer Jumpscare genug war, der kann sich beim Titeltrack "Burn Manson Burn" dann 30 Sekunden lang entspannte Harfenklänge geben und sich dann unvermittelt E-Gitarren reinhämmern lassen. Immerhin muss man dem Festival Der Geisteskranken zugestehen, dass sie einen halbwegs stabilen Metalsong auf die Beine gestellt haben. Klingt ein wenig nach White Zombie, kann da aber nicht ganz mithalten.
Bleibt zum Abschluss nur noch "Messiah", welches für mich eher ein Remix von "Satans Night Out" ist, welches meiner Meinung nach absolut keine Remix oder eine alternative Version benötigt hätte, aber okay: immerhin ist der Song jetzt länger und nochmal etwas facettenreicher geworden, also nicht unbedingt schlechter als das Original.

Ein abschließendes Urteil über "Burn Manson Burn" zu fällen ist gar nicht mal so einfach. Es hat definitiv seine Momente - und zwar sowohl seine guten ("Liebling Der Götter", "Exorcist") als auch seine grottigen ("Very Fine Brown Sugar", "Death Becomes A New Religion"). Die meiste Zeit geht's eigentlich, aber ein paar sehr seltsame Stellen, an denen ich null raffe, was mir der Künstler damit sagen will sind schon sehr auffällig und selbst bei den besseren Songs muss ich dafür wirklich in Stimmung sein. Vielleicht fehlt mir ja auch das passende Setting für das Album, denn mal eben im Hintergrund laufen lassen funktioniert hier bis auf vielleicht bei "Exorcist" wirklich nicht. Ich könnte mir vorstellen, dass man auf LSD noch wesentlich mehr aus "Burn Manson Burn" rausholen könnte, habe aber keine Lust das auszuprobieren. Für Leute, die mit den frühen Werken von Soko Friedhof und Untoten was anfangen können oder wissen wollen, was David A. Line in seiner frühen Karriere abseits seiner Hauptprojekte so getrieben hat ist es für den einen oder anderen Durchlauf vielleicht ganz interessant. Ich hatte damit eher mäßig Spaß.

Punkte: 5 / 10