Fear Factory Cars (1999) - ein Review von DarkForrest

Fear Factory: Cars - Cover
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1 Review
3
3 Ratings
4.67
∅-Bew.
Typ: Single/EP
Genre(s): Metal: Industrial Metal


DarkForrest
07.09.2021 13:00

Die limitierte Digipack-Version von "Obsolete" hat im wesentlichen alle Bonustracks und B-Seiten versammelt, welche um die Zeit herum erschienen sind, es aber nicht auf das reguläre Album geschafft haben - alle bis auf eine kleine EP: nämlich "Cars". Moment mal: "Cars" befindet sich doch auf dem Digi von "Obsolete"! Das stimmt schon, wenn man nur die Promo-Single berücksichtigt, aber gleichzeitig gibt es auch eine EP-Version mit ganzen drei eigenen Songs. Ob das jetzt so aufregend ist, wie es klingt und es sich lohnt, sich doch noch 'ne CD extra zu "Obsolete" dazu zu kaufen? Es gibt nur einen Weg, das heraus zu finden…

Zuerst aber mal ein paar Worte zum Song "Cars". "Cars" ist ein Cover vom gleichnamigen New Wave Song von Gary Numan. Damit haben sich Fear Factory direkt mal was vorgenommen, denn das Original befindet sich jetzt stilistisch nicht gerade nah am Industrial Metal. Aber in der Vergangenheit sollten die Kalifornier ja schon öfter mal zeigen, dass wie flexibel sie sind und dass sie vom Hardcore Punk im Stil von Agnostic Front bis hin zu Progressive Rock a la Head Of David alles mögliche gekonnt mit ihrem eigenen Stil verbinden können. In letzterem Fall sogar mit einer eigenen Single zu "Dog Day Sunrise". Von daher erscheint eine Single/EP zu "Cars" von Gary Numan dann doch nicht mehr so weit hergeholt.

Tja und tatsächlich: "Cars" klingt auch in der Fear Factory Version ziemlich geil. Alleine wie man es geschafft hat, die Synthesizer mit den Gitarren zu verknüpften ist schon recht beeindruckend, aber als Sahnehäubchen hat man es sogar geschafft Gary Numan selbst dazu zu bewegen gemeinsam mit Burton C. Bell in diesem Cover ein kleines Duett zu singen. Das ist schon echt cool. Das kann man jetzt als Metalhead mögen oder nicht, aber zumindest an der Umsetzung kann man definitiv nicht meckern und auch wenn ich kein großer Gary Numan Fan bin, kenne und mag ich das Original, was dazu führt, dass mein Geschmack hier quasi doppelt getroffen wird.

Soweit - so gut. Unnötig verwirrend wird es jetzt allerdings bei dem, was man daraus gemacht hat. Wir haben einmal die Promo-Single mit einer Version von "Cars" mit dem zusatz "Remix" und eben die EP mit einer etwas längeren Version, welche ebenfalls mit dem Zusatz "Remix" versehen wurde. Da ich die Single nicht habe, kann ich jetzt nicht genau sagen, inwieweit die beiden Versionen sich unterscheiden, aber um es noch verwirrender zu machen gibt es noch eine Version ohne den Zusatz "Remix", welche als Bonusmaterial auf "Obsolete" erschienen ist, die gleiche Länge wie die EP-Version hat und minimal anders klingt. Die EP-Version hat zum Beispiel ein paar nette Synths weniger, wurde dafür um ein paar nicht ganz so spannende Industrial-Samples erweitert. Alles in allem aber nichts, was beim Hören großartig auffällt.

Mein Punkt ist allerdings der: warum überhaupt diese Verwirrung? Konnte man die Dinger nicht einfach ordentlich benennen und auf die EP sowohl die EP-Version als auch die Single-Version inkludieren? Bei "Dog Day Sunrise" hat das ja damals auch ordentlich funktioniert. Klar mag das jetzt kleinlich wirken, aber wenn man sich schon entscheidet, "Cars" in mehreren Versionen zu releasen und ich mich für die EP entscheide, dann achte ich auf solche Details und das ist für mich leider ein klares Minus, trotz gutem Song.

Aber wir haben ja noch den eigentlichen Grund, warum ich zur EP und nicht zur Promo-Single gegriffen habe: zwei exklusive Remixes von "Obsolete"-Songs. Den Anfang macht "Descent" im "Falling Deeper Mix". Von allen Songs auf "Obsolete" wäre die Ballade "Descent" bei mir ziemlich weit hinten als Wahl für einen Remix gelandet, aber ich bin gespannt. Der Anfang ist maximal weird: nackte, cleane langgezogene Vocals ohne Musik oder jeden Kontext, was mir einen ähnlichen Vibe wie das Bild einer geschälten Blaubeere gibt: ich weiß genau, dass es nunmal so aussieht, aber es in der Form präsentiert zu bekommen wirkt trotzdem maximal komisch. Aber das sind ja nur die ersten paar Sekunden. Danach gibt es mal wieder ordentlich Turntable-Action und gefühlt wird hier eine ähnliche Richtung angestrebt wie damals mit "Burn" auf "Remanufacture", nur dass man sich hier sehr auf das Scratching verlässt. Die erste Hälfte des Songs haben wir quasi nichts anderes als die Vocals und einen DJ, der scratcht, was das Zeug hält, bis gnädigerweise doch noch ein paar Gitarren reingemischt werden. Die Idee ist dabei nicht unbedingt schlecht (wenn auch nicht originell), aber nachdem man durch die Remixes auf "Remanufacture" doch schon ziemlich verwöhnt ist, wirkt dieses Werk hier einfach verdammt trocken.

Etwas besser gefällt mir der "Urban Assault Remix" von "Edgecrusher", der sich irgendwo zwischen Trip Hop und Industrial Metal bewegt. Auch hier haben wir nicht den gleichen Aufwand und die gleiche Qualität dahinter wie auf "Remanufacture", aber immerhin: der Remix wirbelt "Edgecrusher" schon ziemlich durcheinander und gibt dem Song nochmal eine ganz neue Richtung, die am Ende auch noch ganz angenehm zu hören ist. Erinnert mich ein bisschen an den "Deep Dub Trauma Mix" von "Scumgrief" damals auf "Fear Is The Mindkiller". Für das was es ist, ist dieser Remix völlig in Ordnung, am Ende aber leider auch der einzige richtige Kaufgrund für diese EP.

Rechnen wir mal ab, was wir am Ende haben: ein verdammt gutes Cover, welches wir aber auch woanders in etwas besserer Form finden und selbst auf der fucking EP nicht in jeder Version zu finden ist und zwei Remixes in unterschiedlich guter Qualität. Das ist insofern okay, dass mit dem "Urban Assault Remix" von "Edgecrusher" tatsächlich ein hörenswerter Song auf der EP und zwar nur auf dieser EP ist, reicht aber wirklich nicht aus, dass ich mich um diese Version von "Cars" kloppen würde. Wenn ihr riesengroße Fans von Fear Factory Remixes seid und ihr auch ein paar Einbußen an Qualität hinnehmen würdet, um zumindest noch ein paar Remixes zu Songs von "Obsolete" zu haben, dann könnte die "Cars"-EP vielleicht ein Geheimtipp sein. Wenn ihr Fear Factory eher als reine Metalband mögt und deren Cover und Remix-CDs eh schon seit "Fear Is The Mindkiller" ignoriert, dann gibt es hier für euch rein gar nichts zu holen.

Punkte: 4 / 10