Fear Factory Archetype (2004) - ein Review von DarkForrest

Fear Factory: Archetype - Cover
1
1 Review
27
27 Ratings
8.30
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Metal: Industrial Metal, Thrash Metal


DarkForrest
01.11.2021 09:23

Obwohl Fear Factory sich 2002 getrennt haben, sollte "Digimortal" nicht ihr letztes Album bleiben. Bereits im Jahr 2004 hat man sich entschlossen ohne Gitarrist Dino Cazares weiter zu machen und im April unter dem neuen Label Liquid 8 das fünfte Album "Archetype" unter die Fans zu bringen. Den Platz von Cazares sollte Bassist Christian Olde Wolbers ausfüllen, während mit Byron Stroud Verstärkung am Bass hinzu gekommen ist. Damit wurde die eher kurze und nur zwei Alben umfassende Phase ohne Dino Cazares eingeläutet.

Nachdem "Digimortal" (teilweise zu Recht) gar nicht mal so gut bei den Fans ankam, war die Band diesmal etwas vorsichtiger mit dem, was sie da veröffentlicht hat. Später hat man sogar zugegeben, dass "Archetype" eine Art Sicherheitsalbum geworden ist. Ein wenig wie damals "Cause For Conflict" von Kreator: beide Alben sind zu einer Zeit entstanden, in der die jeweilige Band sich in einer kleinen Identitätskrise befand und nachdem das vorherige Album den Fans etwas zu experimentell war - mit dem Ergebnis dass man ein paar Schritte zurück gerudert ist und versucht hat, ein Album aufzunehmen, mit dem man möglichst wenig falsch machen kann. Damit wäre "Archetype" auch das erste Album der Angstfabrik, welches dem Sound der Band kaum etwas neues hinzufügt, was wir so noch nicht gehört haben.

Die Frage ist, ob das unbedingt schlecht ist. Fear Factory haben zu Roadrunner-Zeiten derart viele Stilmittel und Ausrichtungen in ihrem Sound untergebracht, dass es vielleicht sogar eine ganz gute Idee war, einfach mal inne zu halten und das was man schon hatte zu perfektionieren. Das ist hier zum Glück auch gelungen. Vielleicht mag es "Archetype" ein wenig an eigener Identität fehlen, dafür ist hier so ziemlich alles enthalten, was an den vorherigen Alben Spaß gemacht hat. Die Nu Metal Elemente von "Digimortal" sind in gewisser Weise noch da, nehmen hier aber nicht überhand und endlich steht ihnen ein wuchtiger Gitarrensound entgegen, während Raymond Herrera weiterhin unmenschliche Leistungen an den Drums vollbringt. Auch Sänger Burton C. Bell liefert hier seine bisher variabelste Performance ab. Hin und wieder sind seine Vocals so brutal wie schon seit "Soul Of A New Machine" nicht mehr und dann singt er doch wieder so melodisch, dass selbst Nicht-Headbanger was davon haben könnten. "Archetype" mag vielleicht weniger gewagt sein als andere Alben, aber dafür wirkt der Sound hier auf jeden Fall gut ausgereift.

Gut finde ich auch, dass man sich nach langer Zeit mal wieder entschlossen hat, aus der Nummer kein Konzeptalbum zu machen. Nicht falsch verstehen: ich mag das Mensch VS Maschine Thema sehr und es macht Fear Factory ja auch einzigartig, aber nachdem man das drei Alben lang sehr restriktiv durchgezogen hat, freue ich mich über eine größere Vielfalt an Themen. So werden zum Beispiel in "Cyberwaste" Internettrolle oder in "Human Shields" Kriegsverbrechen angesprochen. Futuristische Motive sind damit zwar noch lange nicht vom Tisch, nehmen diesmal aber weniger Raum ein als auf so ziemlich jedem anderen Album der Band. Wer sich also eine epische Sci-Fi Story wünscht, könnte etwas enttäuscht werden.

Falls euch diese Ausgangsbedingungen genauso gut gefallen wie mir, bleibt nur noch die Frage nach der Version und diesmal wird es leider etwas kompliziert. In der Roadrunner-Ära hatte man in der Regel den Luxus, sich einfach das Digipack des jeweiligen Albums zu besorgen und damit in den Genuss des ganzen Bonusmaterials zu kommen. Mit "Archetype" beginnt eine Zeit, in der die japanischen Fans mit exklusiven Tracks grundsätzlich bevorzugt werden. In diesem Falle wäre das ein Remix vom Titeltrack gewesen, den ich mir gerne angetan hätte, wenn es nicht etwas schwierig/teuer wäre, an diese Version zu kommen. Stattdessen bleibt je nach Region die Wahl zwischen einer von zwei Bonus-DVDs. Ich habe mich einfach mal nicht für das Making Ofs des Albums entschieden und stattdessen zur Australian Tour gegriffen.

Wirklich umgehauen hat mich die DVD jedoch nicht. Wir haben einmal das Musikvideo zu "Cyberwaste", was für mich wenig nennenswertes beinhaltet, außer dass hier Mittelfinger geblurrt werden. Ja klar, Fear Factory sind eine amerikanische Band, aber ich glaube diese Art von Zensur werde ich immer etwas befremdlich finden. Der eigentliche Tour-Part besteht nicht etwa in Konzertaufnahmen, sondern komplett willkürlichen Momenten der letzten Tour, bei denen die Band sich dafür entschieden hat, mal schnell die Kamera auf irgendeinen random Scheiß zu halten: Raymond Herrera feiert Geburtstag, die Jungs machen sich was zu essen, jemand entdeckt den Mirror Effect der Kamera und nervt den Sänger damit. 2004 waren DVDs halt auch noch eine ziemliche Neuheit und da ging das wohl auch noch eher klar, irgendeinen Krempel zusammen zu schneiden und auf DVD zu packen, um etwas Bonus Material zu haben, aber für mich hat das in der Form leider so ziemlich keinen Mehrwert gegenüber der Vanilla-Version von "Archetype".

Aber konzentrieren wir uns lieber auf das eigentliche Album: der Opener "Slave Labor" demonstriert direkt, dass diesmal wieder ein ordentlicher Härtegrad angestrebt wird. Schön im Midtempo ballern Schlagzeug und Gitarre, dass es eine wahre Freude ist und dank seines eingängigen Refrains bleibt auch alles sehr schnell im Ohr. "Cyberwaste" dreht Tempo und Härte dann auf Anschlag und nähert sich fast schon den alten Thrash Metal Zeiten an. Ein bisschen bekomme ich hier auch den Vibe von "New Breed" - sicherlich dank des brutalen Geknüppels erstmal gut anzuhören, aber langfristig fehlt mir dann doch etwas Struktur, um auch langfristig Spaß damit zu haben.

Bei "Act Of God" zeigt Olde Wolbers, dass er gut von Cazares gelernt hat und ebenfalls dessen abgehackte und maschinengewehrartige Riffs beherrscht. Überhaupt wird hier sehr viel von dem angewendet, was auch auf "Demanufacture" schon gut funktioniert hat. Ein sehr kurzer aber interessanter Moment ist zu hören als plötzlich sehr tiefe, cleane Vocals auftauchen, die fast schon an Type O Negative erinnern. Ich frage mich, wie das ganze klingen würde, wenn man es etwas weiter ausbauen würde, aber so bleibt es erstmal bei diesen paar Sekunden. "Drones" macht mir ebenfalls sehr viel Spaß beim Hören. Alleine das Intro mit den Fear Factory typischen Riffs, die langsam Fahrt aufnehmen und von düsteren Ambient-Sounds begleitet werden ist klasse und ich bin froh, dass man sich endlich wieder Zeit für sowas genommen hat, statt wie auf "Digimortal" alles bevorzugt auf

Punkte: 8 / 10


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