Ewigheim Mord Nicht Ohne Grund (2002) - ein Review von DarkForrest

Ewigheim: Mord Nicht Ohne Grund - Cover
1
Review
7
Ratings
8.86
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Metal
Dark Wave/Gothic: Gothic Rock


DarkForrest
08.05.2020 21:17

Blut, Kot, Blumen und Sonnenschein: beste Zusammenfassung für die eigene Musik, die ein Künstler so geben kann, oder? Eine Beschreibung, bei der man fast schon zwangsläufig Bock drauf bekommen bekommen muss, mal rein zu hören, was Ewigheim so zu bieten haben.

Die einzelnen Mitglieder von Eisregen haben ja wirklich zahlreiche Nebenprojekte auf die Beine gestellt - Eisblut, Transilvanian Beat Club und Marienbad sind nur ein paar davon, von kleinen Black Metal Projekten wie Panzerkreutz mal ganz abgesehen. Aber während die meisten Nebenprojekte es gerade mal auf 1-2 Alben bringen, ist Ewigheim mit seinen 6 Alben und mehreren EPs wesentlich produktiver. 1999 haben sich Yantit von Eisregen und Allen B. Konstanz von The Vision Bleak zusammengetan und bilden bis heute die Stammbesetzung, bei der Yantit die Texte schreibt und Allen sie vorträgt. Stilistisch ist das dann irgendwo zwischen Gothic Metal und deutsche Härte einzuordnen. Während zum Beispiel Eisblut den Fokus eher auf Deathmetal und viel Gewalt in den Texten setzen, darf bei Ewigheim eher melancholische Stimmung aufkommen.

Heutzutage sind die Jungs natürlich ein eingespieltes Team, das seinen Stil gefunden hat. Aber 2002 bei ihrem Debüt "Mord Nicht Ohne Grund" klang das noch ganz anders. Hier wurde ziemlich munter mit allen möglichen Einflüssen experimentiert und die Nähe zu Eisregen ist auch noch deutlich hörbar - schon alleine durch die Gastparts der Blutkehle und von Theresa Trenks. Auch elektronische Einflüsse waren noch deutlich hörbarer und alles wirkt sehr bunt zusammengesetzt. Ist das schlecht? Nicht unbedingt. So viel Abwechslung wie hier, findet ihr wahrscheinlich auf keinem anderen Ewigheim Album und die eine oder andere recht mutige und abgefahre Kreation gibt es hier auch zu bewundern.

Dabei ist die Tracklist mit sieben Songs, einem Intro und einem Hidden Track recht überschaubar. Aber da hier wirklich kaum ein Song wie der zweite klingt, ist das irgendwie in Sachen Inhalt schon okay so. Eingeleitet wird "Mord Nicht Ohne Grund" mit dem Intro "Einlauf". Das ist so ein bisschen das wonach es klingt und hat dadurch keinen wirklichen musikalischen Mehrwert - naja, außer ihr könnt den Geräuschen, wie sich jemand 'nen Einlauf verpasst etwas abgewinnen. Der erste Songs, der diese Bezeichnung verdient "Ein Böser Scherz" startet dann wieder mit einem derart harten Übergang, dass sich mir der Sinn des Intros nicht wirklich erschließt. Ansonsten haben wir hier von allem, was das Album ausmacht ein wenig. Eingängige Gitarren, dezenter elektronischer Klang, makaberer Text, die ruhige Stimme von Allen B. Konstanz und keine allzu großen Experimente. Dadurch wahrscheinlich auch der Song, der am ehesten noch auf späteren Alben nicht so sehr auffallen würde. Gleichzeitig aber auch eine tolle Einstiegsdroge: wenn euch "Ein Böser Scherz" gefällt, dann wahrscheinlich auch der Rest vom Album. Etwas, was mir das ganze Album aufgefallen ist, aber hier besonders prägnant auftritt sind die etwas zu leise abgemischten Vocals in den Strophen.

"Kinderwald" drosselt dann das Tempo ein Stück, setzt etwas mehr auf Keyboards und ist mir persönlich eindeutig zu monoton. Ich kann verstehen, warum manche Leute das mögen, aber mich langweilt dieser Song jedes Mal.
Ab dem nächsten Song "Rückgrat" wird auf einmal ein neues Feature eingeführt, welches die ersten beiden Songs nicht hatten: vor jedem Song gibt Allen eine kleine gesprochene Einführung immer so um die 30 Sekunden. Beim ersten und zweiten Mal hören klingt das nach einer echt coolen Idee, aber glaubt mir: das wird sehr schnell lästig, wenn man einfach nur den Song hören will. Clever wäre es vielleicht gewesen, den gesprochenen Text an das Ende des vorherigen Songs zu setzen, so wie das üblicherweise mit den Ansagen auf Livealben gehandhabt wird. So bin ich dann doch ganz froh, dass man die Idee auf späteren Alben nicht mehr aufgegriffen hat. Oh, und auch hier haben wir das Problem, dass die Stimme ganz klar zu leise ist. Der Song "Rückgrat" an sich ist dafür großartig. Erstaunlich hart für Ewigheim - Verhältnisse. Gerade im Refrain klingt Allen so angepisst wie sonst eigentlich nie.

"Leiche Zur See" wählt dagegen wieder einen ganz anderen Ansatz und ist eine angenehm zynisch - melancholische Halbballade, die wunderbar durch Theresa Trenks Violine abgerundet wird. Auch live eine klasse Erfahrung. "Dein Zweck" könnte so mit die experimentellste Nummer auf dem Album sein. Laaanges Intro, die Gitarren auf ein Minimum zurückgefahren und der Gesang in den Strophen mehr geflüstert als gesungen um dann recht unvermittelt im Refrain wieder die volle Palette aufzufahren. Irgendwie nichts, was man sich mal nebenbei als Ohrwurm geben kann, aber immer mal wieder ein interessantes Hörerlebnis.

Beim Titelsong "Mord Nicht Ohne Grund" wird dann voll auf Rückendeckung von Eisregen gesetzt - mit Theresa an der Violine und Blutkehle M. Roth bei den Vocals. Das hätte man so auch auf ein Eisregen - Album bringen können und es wäre nicht aufgefallen. Hier sticht es dagegen ziemlich hervor. Der Song an sich ist etwas durchwachsen. Ein paar Stellen inklusive Refrain finde ich etwas langweilig, aber wenn nach traurig - melodischem Beginn auf einmal die Gitarren kicken und die Blutkehle losgrowlt, dann ist das ein verdammt geiler Moment.

Zum Schluss wird es mit "Ewigheim" nochmal richtig elektronisch. Für Leute wie mich, die kein Problem damit haben, zu ihrem Metal einen ordentlich tanzbaren Beat serviert zu bekommen aber natürlich überhaupt kein Problem. Klingt alles ziemlich experimentell, fehlt mir in der Form aber auch ein wenig auf späteren Alben. Wer etwas geduldig ist, bekommt am Ende noch einen unbekannten Hidden Track, welcher nochmal wesentlich abgefahrener klingt - sehr obskur, aber nicht schlecht und als Hidden Track auch am sinnvollsten platziert. Ich erspare mir mal die Mühe zu versuchen, das Gehörte zu beschreiben - zieht's euch selbst rein.

Eine finale Bewertung für "Mord Nicht Ohne Grund" zu geben ist gar nicht so einfach. Wenn es gut ist, dann ist es verdammt gut und einige Stellen sind verdammt nochmal genial. Auch einzelne Songs wie "Leiche Zur See", "Ewigheim" oder "Rückgrat" sind klasse. Trotz der ganzen Jahre und Alben, die mittlerweile vergangen sind ist der Erstling auch ganz gut gealtert. Gleichzeitig nutzt er sich auch relativ schnell ab. Oft am Stück kann ich mir das Album kaum anhören und selbst von den guten Songs habe ich nach ein paar Durchläufen erstmal genug. Dazu kommen wirklich einige Ungereimtheiten wie die spoken Intros, den "Einlauf" oder recht öden Songs wie "Kinderwald". Rein objektiv bewertet ist die ganze Nummer gerade im Vergleich zu dem, was später noch so von Ewigheim kam wohl nicht so gut. Subjektiv betrachtet mag ich's aber trotzdem und kann es irgendwo zwischen mittelmäßig und gut einordnen.

Punkte: 6.5 / 10