Dying Source Rise And Decay (2011) - ein Review von DarkForrest

Dying Source: Rise And Decay - Cover
1
Review
1
Rating
6.50
∅-Bew.
Typ: Single/EP
Genre(s): Metal: Death Metal


DarkForrest
29.11.2019 08:22

Kleinere deutsche Metalbands mit nur wenigen Releases sind in Deutschland wirklich keine Seltenheit. Ich habe selbst noch eine ganze handvoll Alben und EPs von kaum bekannten Bands, die ich noch nicht ordentlich durchgehört habe. Vielleicht versteckt sich ja das eine oder andere Sahnestück darunter - vielleicht gibt es aber auch gute Gründe, warum ich nicht in viele nur kurz reingehört habe. Mit "Rise And Decay" von Dying Source habe ich jetzt zumindest eine EP von diesem Stapel nachgeholt. Knapp 9 Jahre nach Release, aber besser spät als nie.

Dying Source kommen aus Schweinfurt und bewegen sich irgendwo zwischen Death Metal und Melodic Death. Damals gab es noch eine zweite EP, die ein Jahr früher rauskam als "Rise And Decay" und mittlerweile haben sie wohl auch schon ein vollwertiges Album. "Rise And Decay" gewinnt unter den dreien auf jeden Fall den Preis für das hässlichste Cover: Grauer Schriftzug auf matschig graubraunem Hintergrund, welcher das etwas gewöhnungsbedürftige Bandlogo umrahmt. Auch sonst tut die EP recht wenig dafür nach außen hin positiv aus der Masse vergleichbarer Outputs heraus zu stechen. Songtitel wie "Anthem Of Sorrow" oder "Full Of Hate" sind eher mal mittelmäßig originell und der Sound ist beim ersten Mal Hinhören auch nicht besonders einladend. Die Gitarren klingen etwas dünn, das Schlagzeug etwas verwaschen und auch den Vocals fehlt es etwas an Nachdruck. Nichts davon klingt wirklich schlimm, aber im Gesamtbild wirkt "Rise And Decay" erstmal wenig spannend.

Konzept und Ausgangsbedingungen hat die Band hier also nicht unbedingt auf ihrer Seite. Jetzt kann es nur noch die Umsetzung rausreißen und hier wurde ich tatsächlich positiv überrascht. Lupus, der Sänger beschränkt sich auf recht basale Growls und Screams macht das aber sehr stimmig und der Rest der Band scheint ihre Instrumente zu beherrschen und einen guten Kompromiss aus Technik und Hörbarkeit gefunden zu haben. "Anthem Of Sorrow" beginnt auch gleich sehr eingängig mit einer netten Melodie und nach und nach fügt sich alles andere anhand dieser wunderbar zusammen. Das ist auch genau der Song, der mir von damals, seit ich "Rise And Decay" das erste Mal gehört habe hängen geblieben ist. Den Rest musste ich mir ein paar Mal anhören, bis ich dort wirklich etwas mit verbinden konnte.

Die Sache ist die, dass die Songs an sich durchaus abwechslungsreich und mit einigen melodischen und technischen Spielereien gespickt sind, sich untereinander aber gar nicht so stark unterscheiden. Alles größtenteils im Mid-Tempo und auch komplett ohne größere Intros, Outros oder Instrumentals dazwischen, welche die Sache auflockern oder dafür sorgen, dass sich die Songs als solche besser identifizieren lassen. Das hat den Vorteil, dass man tatsächlich mehr Bock auf "Rise And Decay" bekommt, wenn man es öfter hört und auch nach einigen Durchgängen noch ein paar neue Sachen finden kann. Auf der anderen Seite habe ich mir oft Fragen gestellt wie "Ist dass jetzt schon "Desire" oder sind wir noch bei "Full Of Hate"?" oder "Moment mal: gehört das Riff jetzt zu "Sun Disappears" oder war das bei "Take Your Chance"?".

Die letzten genannten beginnen auch recht ähnlich mit ordentlichem Drum Geknüppel, wobei "Sun Disappears" sich auf 5.20 Minuten zieht. Das ist mir etwas zu lang. Er schafft es zwar ganz gut eine düstere und apokalyptische Stimmung zu verbreiten, aber irgendwann geht ihm die Luft aus. "Take Your Chance" hält mich da etwas besser bei Laune, zumal hier auch endlich ordentlich Tempo und Härte erreicht wird, die der Refrain leider etwas ausbremst. Trotzdem ein Highlight und etwas, was mit kernigeren Gitarren oder noch brutaleren Vocals sicher der absolute Burner wäre.

Ebenfalls ordentlich nach vorne geht "Full Of Hate", welches nur 1.34 Minuten dauert und gerade dann vorbei ist, wenn man gerade Bock drauf bekommt. Trotzdem passt das so ganz gut zu der kurzen aber knackigen Nummer. Mit "Desire" wird es dann wieder eher melodisch. Der hymnenhafte Refrain geht wirklich gut in's Ohr, aber ansonsten leidet mir der Song doch ein wenig sehr unter dem allgemeinen Problem von "Rise And Decay", dass einfach wenig hängen bleibt. Da hilft noch nicht mal das ganz nett gemeinte Gitarrensolo viel. Positiv überrascht hat mich dann am Ende nochmal "Silent Gun", in das offenbar die ganze überschüssige Kreativität geflossen ist, die noch da war. Hier holt die Band das größte Spektrum an verschiedenen Geschwindigkeiten raus und Sänger Lupus Vocals sind hier am variantenreichsten. So bekommen wir hier sowohl absolut Moshpit taugliche Gitarren als auch Stellen, die sich ganz darauf konzentrieren wie der Sänger seine Story von einem Mordanschlag erzählt. Sehr schöner Abschluss.

Unterm Strich bleibt "Rise And Decay" guter Durchschnitt - nicht mehr aber eben auch nicht weniger. Uneingeschränkt empfehlen würde ich es jetzt auch nicht für Melodic Death Fans, denn dafür gibt es zu viele gute Alternativen auch im Indie Sektor, in die man etwas schneller und besser reinfindet. Wirklich viel falsch machen kann man mit "Rise And Decay" aber auch nicht. Zumindest im Hintergrund kann man es immer laufen lassen, ohne dass es stört. Bei mir persönlich hat es aber sogar das Interesse am Album geweckt, vielleicht ist die Produktion dort ja 'ne Spur besser. Ansonsten lassen sich Songs wie "Take Your Chance" oder "Silent Gun" aber auch prima in jede Death Metal Playlist einfügen.

Punkte: 6.5 / 10