Dying Source Dark Waters (2010) - ein Review von DarkForrest

Dying Source: Dark Waters - Cover
1
Review
1
Rating
4.50
∅-Bew.
Typ: Single/EP
Genre(s): Metal: Death Metal


DarkForrest
08.11.2020 08:26

"Good Music is a Dying Source" - Dieser Aussage aus dem Booklet von "Dark Waters" würde ich nicht widersprechen. Aber kann man auch anders herum sagen, dass Dying Source gute Musik ist? Die Frage lässt sich gar nicht mal so einfach beantworten. Letztes Jahr um die Zeit bin ich durch meine Sammlung gegangen und habe mich etwas näher mit der EP "Rise And Decay" von der kleinen Schweinfurter Truppe befasst. Das Ergebnis war in Ordnung aber nicht überwältigend. Allerdings war mein Interesse in so weit geweckt, dass ich mir mal deren Album "Spheria" geben wollte. Dieses habe ich bis heute nicht finden können, aber einzelne Songs auf Youtube waren doch ziemlich vielversprechend.

Stattdessen bin ich jetzt spontan über deren erste EP "Dark Waters" gestolpert, welche nur ein Jahr vor "Rise And Decay" abgefeuert wurde. Wenn "Rise And Decay" zwar ganz gute Ansätze hatte, aber noch nicht ganz so ausgereift klang wie das, was ich bis jetzt vom "Spheria" Album hören durfte, dann wäre die Vorgänger-EP ja eigentlich nicht gerade die beste Wahl, aber die Neugier hat am Ende doch gesiegt und ich habe zugeschlagen und bin einmal tief in die dunklen Gewässer gesprungen.

Ich habe mich ja bei "Rise And Decay" etwas über das hässliche Cover lustig gemacht. Nun, besser als die braun-graue Matschorgie von "Rise And Decay" ist das Cover von "Dark Waters" allemal, aber einen guten Künstler schien damals trotzdem wohl keiner der Jungs in seinem Bekanntenkreis gehabt zu haben. Sieht ein bisschen so aus als wenn die Suchbegriffe "Black Water" und "Stock Image" das Coverbild damals in der Google-Bildersuche auf der ersten Seite ausgespuckt hätten. Aber scheiß auf das Cover, solange die Musik etwas kann!

Hier wären ja jetzt 3 Szenarien denkbar. 1) Die Band hat sich von Release zu Release deutlich weiterentwickelt und an Qualität gewonnen. Das wäre gut für die Band und schlecht für mich, wenn ich jetzt deren mit Abstand schlechteste Werk hätte. 2) Beide EPs sind in etwa auf dem gleichen Level - das wäre etwas langweilig zu reviewen, wenn es einfach nur mehr desselben gäbe, aber okay. 3) wir haben es hier mit einem verstecktem Juwel zu tun und Dying Source haben hier eine Qualität abgeliefert, an die sie nie wieder herangekommen sind. Lösen wir es mal direkt auf: es ist irgendwas zwischen 1) und 2).

"Dark Waters" ist wirklich keine Katastrophe und auch hier merkt man direkt, dass die Jungs ihre Instrumente beherrschen. Genau wie auf "Rise And Decay" bekommen wir Melodic Death Metal ohne viel Brimborium drum herum serviert - diesmal sogar ganze 8 Songs, was für knappe 30 Minuten Laufzeit sorgt. Wo wir einen Zuwachs an Länge haben, müssen wir aber leider auch Abstriche bei der Qualität machen. Zuerst einmal ist "Dark Waters" nicht besonders abwechslungsreich. Fast alles ist im Midtempo, die Growls von Sänger Lupus sind Standard Death Metal Growls ohne große Variation, die sich erst auf "Rise And Decay" etwas entwickelt haben und textlich konnte ich bis jetzt auch noch nicht viel raushören, was aus der Masse an vertonter schlechter Laune, Herzschmerz und inner struggles irgendwie hervorstechen konnte.

Dazu kommt, dass die Soundqualität hier ebenfalls nicht die beste ist. Es ist jetzt kein ekelhaftes Gematsche oder so und man hört auch jedes einzelne Instrument heraus - ja versteht sogar die Lyrics, aber irgendwas klingt seltsam. Die Vocals und Rhythmusgitarre sind davon weniger betroffen, aber die Leadgitarre klingt extrem schwach und das Schlagzeug sehr blechern und ohne wirklich viel Power. Man gewöhnt sich mit der Zeit daran, aber verglichen mit neueren Werken klingt es einfach nicht schön. Was die Truppe dafür gut schafft: die Songs sind teilweise zwar recht simpel aufgebaut, gehen aber direkt einfach so runter. Man muss sich "Dark Waters" nicht 5 mal anhören, bis man drin ist, sondern hat direkt nach dem ersten Durchlauf den einen oder anderen Ohrwurm. Das macht es zwar tatsächlich etwas langweilig, wenn man vorhat, es öfter hintereinander zu hören (so wie ich zu diesem Review), weil man recht schnell schon alles verinnerlicht hat, was die Scheibe zu bieten hat - trotzdem finde ich es gut, direkt so abgeholt zu werden.

Der Opener "Let Me Go!" beschreibt dieses Phänomen eigentlich perfekt. Der Refrain ist direkt ziemlich catchy und lässt mich schneller mitwippen als ich gedacht hätte, wird aber innerhalb des Songs so oft wiederholt, dass man es nach den gut 4 Minuten direkt schon etwas über hat. "Desire" kommt mir doch irgendwie bekannt vor… Ah ja: offenbar fand die Band es so gut, dass sie den Song nochmal auf "Rise And Decay" eingespielt haben. Dort ist von dem Ding bei mir nicht besonders viel hängen geblieben, ohne dass ich jetzt direkt etwas schlechtes über den Song sagen konnte. Naja, hier haben wir genau das gleiche nochmal in etwas schlechterer Qualität, die dem Gitarrensolo am Ende nur bedingt gut tut.

Fast schon etwas holprig wird es mit "A Memory". Dieser Song hat einen sehr merkwürdigen Fluss - teilweise sehr monoton zusammenhängend, dann wieder ganz unvermittelt recht abgehackt. Ich gebe zu: mich verwirrt das Ding eher.
"Blame" - gleichzeitig wahrscheinlich der schnellste und härteste Song auf "Dark Waters" (trotzdem natürlich noch im Midtempo) trifft da meinen Geschmack schon eher. Nette und einfache Melodie mit ein paar Momenten, in denen Lupus mal etwas mehr Kraft aus seiner Stimme holt.

Auch "Done By Me" gefällt mir direkt. Sehr geiles Riff und alleine die erste Minute, in der die Band ohne Sänger ihr Können unter Beweis stellt ist ein geiler Moment, auch wenn sich dann später die Vocals ebenfalls als sehr brauchbar erweisen sollten. Ich könnte mir "Done By Me" in einer Version mit ordentlicher Abmischung sogar als eine richtig geile Geschichte vorstellen. "Reborn" legt auch kein schlechtes Tempo vor, hat dabei aber ein bisschen die Abwechslung vergessen. Trotzdem: ziemlich solide Nummer und zusammen mit "Blame" einer der etwas schnelleren Momente auf "Dark Waters".

"Evil Inside" schwankt die ganze Zeit zwischen extrem generischer und langweiliger Struktur und einigen Momenten dazwischen, die mich immer mal wieder interessiert aufhorchen lassen. Vielleicht noch nicht ganz ausgereift das ganze, aber das Potential ist definitiv da. Mit "Vertrauen" gibt's am Ende sogar einen Song in deutscher Muttersprache. Mal abgesehen davon, dass er mit 2.42 Minuten recht kurz ausgefallen ist, bringt er aber nicht besonders viel mit, was ihn besonders positiv oder negativ von den anderen Songs abhebt.

Damit wäre "Dark Waters" dann durch ohne einen besonders guten oder schlechten Eindruck zu hinterlassen. Das hier ist quasi einfachster Melodic Death, der trotzdem irgendwie funktioniert. Bis auf die merkwürdige Abmischung der Instrumente, die meinen Geschmack nicht so recht treffen will und ein paar kurzen etwas ungelenk wirkenden Momenten gibt es hier wenig, was den Hörgenuss direkt verdirbt. Auf der anderen Seite wurden aber gleich dazu fast alle Momente vergessen, die "Dark Waters" zu etwas besonderem hätten machen können. "Rise And Decay" hatte zumindest hier und da die eine oder andere Stelle, den einen oder anderen Song, der wirklich Lust auf mehr gemacht hat. Das hier kann ich mir dagegen zwar anhören ohne genervt zu sein und wenn ich mir mal eine Death Metal Playlist mache, kann ich mir die mit Songs von "Dark Waters" strecken, ohne dass die Qualität zu sehr abnimmt, aber das würde mir alles nicht reichen, um Fan zu werden. Aber jeder hat ja mal klein angefangen und im Falle von Dying Source scheint die Entwicklung ja in die richtige Richtung gelaufen zu sein. Aber zumindest aktiv anstrengen würde ich mich nicht, um "Dark Waters" in die Sammlung zu bekommen.

Punkte: 4.5 / 10