Brujeria Matando Güeros (1993) - ein Review von DarkForrest

Brujeria: Matando Güeros - Cover
1
Review
3
Ratings
6.50
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Metal: Death Metal, Grindcore, Thrash Metal


DarkForrest
27.09.2020 22:04

Ich glaube jeder kennt den Moment, in dem sich eine Band, die man klasse findet musikalisch in eine Richtung bewegt, die man nicht mehr ganz so klasse findet. Manchmal ist es aber auch genau anders herum: man entdeckt eine Band, findet das aktuelle Material geil und wenn man sich die ganz alten Sachen anhört, dann ist man doch ganz froh über die Weiterentwicklung. Bei mir ist Brujeria ein ziemlich gutes Beispiel dafür. Angefangen mit "Brujerizmo" habe ich mich ziemlich schnell in die Band verliebt und kann mir das meiste sehr gut geben. Aber das Debütalbum… puh, das wird schon schwieriger.

Als "Matando Güeros" 1993 released wurde gab es immerhin schon 2 EPs der 1989 gegründeten Truppe, die eher mal im Grindcore zu verorten waren. Abgesehen davon, dass sämtliche Texte der Band spanisch sind, geben sich die Jungs als von FBI gesuchte Drogenbarone aus und treten größtenteils maskiert auf. Natürlich wurde recht schnell klar, dass sich zum Beispiel hinter dem Pseudonym Asasino Fear Factory Gitarrist Dino Cazares oder hinter Hongo der Napalm Death Bassist Shane Embury verbergen. Das Lineup hat im Laufe der Jahre immer mal wieder gewechselt aber insgesamt kann "Matando Güeros" schon mit einer gewissen Starpower aufwarten.

Gerade in den Anfangsjahren haben Brujeria so ziemlich jede Möglichkeit genutzt um im sehr christlich geprägten Mexiko möglichst unangenehm aufzufallen. Dazu zählen zum Beispiel die Albumcover, welche Bilder des reißerischen mexikanischen Magazins ¡Alarma! zeigen, auf denen echt Leichen zu sehen waren. Auf "Matando Güeros" gibt es neben ein paar verstümmelten Leichenteilen im Booklet einen abgetrennten und angekokelten Kopf auf dem Cover, der freundlich in die Kamera schaut und promt zum Bandmaskottchen namens Coco Loco wurde und auf bisher jedem der vier Alben in irgendeiner Form zu sehen ist - quasi die etwas abgefucktere Variante von Iron Maidens Eddy. Auch bei den Texten halten sich die Mexikaner nicht zurück. Diese drehen sich auch aber nicht ausschließlich um Drogenkonsum, Satanismus, sexuelle Perversion oder illegales Einwandern in die USA. Gerade "Matando Güeros" tut so ziemlich alles um möglichst so gar nicht politisch korrekt zu sein. Ich meine alleine der Albumtitel lässt sich in etwa mit "Weiße töten" übersetzen.

Wirklich ernst zu nehmen ist das ganze natürlich nicht. Alles ist eine extrem überzogene Parodie auf das Leben im mexikanischen Kartell. Das wird offenbar auch durch die Tatsache unterstrichen, dass die Texte ursprünglich auf Englisch geschrieben und dann erst in's Spanische übersetzt wurden. Das kann ich als jemand der kein spanisch spricht natürlich nicht beurteilen, aber das gibt dem Ganzen natürlich nochmal einen dilletantischen und trashigen Touch, der auf diesem Album eher als Pluspunkt zu werten ist.

Apropos dilletantisch: im Vergleich zu dem, was Brujeria später rausgehauen haben klingt "Matando Güeros" schon sehr… einfach. Während die Songs von Album zu Album immer ausgefeilter wurden und sich zum Death Metal entwickelt haben, gibt es hier noch recht eindeutigen Grindcore mit leichtem Death Metal Einschlag. Das merkt man schon daran, dass "Matando Güeros" auch mit 19 Songs gerade mal auf gut 30 Minuten kommt. Damit hat es das Album schonmal nicht unbedingt leicht bei mir, da Grindcore für mich jetzt nicht unbedingt das Genre der Wahl ist. Was ich aber lobend erwähnen muss: Der Sound und die Produktion sind ordentlich. Natürlich klingt es im Vergleich zu späteren Werken (gerade zum fast schon zu glatt gebügelten "Pocho Aztlan") ziemlich ranzig, ist aber immer noch Meilen entfernt von irgendwelchen Standard - Grindcore - Keller Rumpelrotzbands der frühen 90'er. Wenn man spanisch spricht, besteht eine gute Chance die Texte zu verstehen, man hört die einzelnen Instrumente gut raus, der Bass kommt nicht zu kurz und die Gitarren sind angenehm tief gestimmt, was "Matando Güeros" einen ziemlich eigenen Sound im positiven Sinne gibt. Dass wir hier erfahrene Veteranen aus anderen Projekten am Start haben, schadet sicher auch nicht unbedingt.

Der Inhalt ist da fast schon das größere Problem, denn der ist trotz großer Quantität an Songs überschaubar. 3 der 4 Songs der ersten EP "¡Demoniaco!" wurden hier neu eingespielt, was eine ganz gute Idee ist, da die Qualität der Originale grottig ist. Die darauf folgende EP "¡Machetazos!" wurde dagegen 1:1 übernommen und etwas lieblos an's Ende von "Matando Güeros" drangeklatscht.

Nach dem kurzen Intro "Pura De Venta" werden gleich mal 3 sehr kurze Songs durchgeknüppelt. "Leyes Narcos" ist schnell und aggressiv, hat aber fast gar keine Struktur, sondern wirkt so, als ob das einzige wichtige Kriterium für den Song "hart und schnell" gewesen wäre. "Sacrificio" hat immerhin ein nettes Riff und der donnernde Bass, der immer mal wieder durchkommt ist ebenfalls ganz nett. "Santa Lucía" hat es dagegen wieder sehr eilig, ist nach 41 Sekunden vorbei, Juan Brujo versucht seine Lyrics so schnell es geht hinter sich zu bringen und hängen bleiben natürlich gar nichts.

Mit dem Titelsong "Matando Güeros" haben wir hier allerdings eine kleine Perle, die nicht nur endlich mal die 2 Minuten - Marke überschreitet, sondern ihrer Zeit fast schon voraus ist. Ein überraschend grooviger Sound, nette Backroundvocals, die das Ding absolut livetauglich machen und soetwas wie eine basale Struktur machen das Ding nicht nur zu einem Song, der diese Bezeichnung auch verdient, sondern schon zu einem echten Klassiker der Band und einen der wenigen Songs, für die sich die Anschaffung des Albums echt lohnt. "Seis Seis Seis" ist ähnlich wie der Titel (sechs sechs sechs) im Vergleich wieder sehr simpel gestrickt, aber ich mag irgendwie den Kontrast zwischen den etwas langsamen Stellen und den Highspeed - Parts und die plötzlichen Tempowechsel. "Cruza La Frontera" und "Greñudos Locos" haben dagegen beide sehr wenig, was sie irgendwie hervorstechen lässt.

"Chingo De Mecos" bleibt auch eher mal im Gedächtnis, weil Juan Brujo so voller Inbrunst "Mecoooos!" (Sperma) brüllt,als durch musikalische Qualität. "Narcos - Satánicos" kann immerhin auf recht simple Art durch seine Gitarren überzeugen. "Desperado" lässt sich etwas Zeit, damit sich das gar nicht mal so schlechte Gitarrenriff entfalten kann. "Culeros" ist eine etwas eigenartige Nummer - keine Drums, kein Bass, nur ein paar ganz einfache, schrammelige Gitarrenakkorde und ein paar Vocals, die fast ausschließlich aus "Culeros!" (Arschlöcher!) bestehen - ja, so tief ist der Anspruch schon gesunken.

"Misas Negras" mit dem alternativen Titel "Sacrificio III" hat mit dem ersten "Sacrificio" eher textlich als musikalisch zu tun, denn hier gibt es nichts als 1:21 Minuten Dauerfeuer. Deutlich spannender ist da schon der Song mit dem netten Titel "Chinga Tú Madre" (fick deine Mutter) - ein recht langes Instrumental, das mit seinem coolen Gitarrengeschrammel eher mal fast schon wie eine klassische Thrash Metal Nummer klingt als nach Grindcore. Gefällt mir aber sehr gut.

"Verga Del Brujo/Estan Chingados" ist aus zwei Songs zusammengesetzt. Ersterer gefällt mir sogar ganz gut, da eher langsam und düster. Zweiterer ist ist eher ein spoken Outro, das mir als jemand, der kein spanisch spricht, nicht besonders viel bringt. Allerdings wäre das ein ziemlich gelungener Abschluss für "Matando Güeros" und war sicher auch so gedacht, wird aber ein bisschen dadurch versaut, dass am Ende ja noch die ¡Machetazos! EP kommt. Immerhin: "Molestando Miños Muertos" würde ich mal ganz vorsichtig als drittes Highlight betrachten. Gerade die abgeguckt verzerrten Gitarren sind schon irgendwo ein Hinhörer.

"Machetazos (Sacrificio II)" ist ziemlich basslastig, was nett ist, hat aber sonst wenig, was mich dazu bewegen würde, mir unbedingt noch diese EP zu holen. "Castigo Del Brujo" hat ein ganz angenehmes Midtempo und macht gar nicht mal so einen schlechten Job dabei, mich zum Headbangen zu bewegen, "Cristo De La Roca" finde ich dagegen komplett langweilig. Es endet recht abrupt und plötzlich, bevor es überhaupt interessant werden konnte.

Damit ist die Ausbeute an geilen Songs auf "Matando Güeros" doch recht mager. Ja, der Titelsong ist ein ziemlicher Kracher, "Chinga Tú Madre" rockt und auch "Molestando Miños Muertos" geht völlig klar. Der Rest ist entweder irgendwie noch hörbar oder ziemlich schrottig. Ich habe es wirklich immer mal wieder probiert, aber ich will einfach nicht warm mit dem Album werden. Selbst wenn ich mir 'ne Random Playlist von Brujeria mache, fallen die Songs auf "Matando Güeros" qualitativ schon eher unangenehm auf, sind allerdings eh kurz genug, dass man sie nicht überspringen muss. Natürlich fühlt man sich immer ein bisschen wie ein Arsch, wenn man so über den Klassiker pisst und ich kann zumindest einzelne Songs und die Tatsache, dass der Sound deutlich schlimmer hätte sein können als positive Punkte gegenhalten, die mich etwas beschwichtigen. Im Vergleich zu dem, was später noch kommen soll, kann "Matando Güeros" für mich aber null mithalten.

Punkte: 4 / 10