Barbara Dennerlein Take Off! (1995) - ein Review von schanzer.in

Barbara Dennerlein: Take Off! - Cover
1
Review
2
Ratings
7.75
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Jazz


schanzer.in
13.02.2019 17:36

"Take Off" (1995) gehört zu den drei Alben, die Barbara Dennerlein Mitte/Ende der 90er für das renomierte Jazz-Label "Verve" aufgenommen hat. Weil diese Alben dementsprechend gut vermarktet wurden, fielen sie mir im CD-Laden in die Hände und ich lernte Barbara Dennerleins Musik mit ihnen kennen. Die anderen beiden waren "Junkanoo" (1997) und "Outhipped" (1999).
Mir gefiel der geile Schweineorgelsound, die tolle Produktion und der fette Groove. Dennoch reichte es irgendwie nicht, dass ich Barabra Dennerlein musikalisch weiterverfolgte, erst in letzter Zeit erkannte ich dann mit Hilfe ihrer anderen Veröffentlichung was für eine großartige Künstlerin sie doch ist.
Die einzige Schwäche dieses Albums mache ich dafür verantwortlich: Ein relativ großes Budget (nehme ich an bei "Verve") und entsprechend kommerzieller Druck führten dazu, dass bekannte Sidemen mit dabei waren, die dann natürlich der Musik ihren Stempel aufdrücken, sodass Barbara zwar schon als Bandleaderin erkennbar bleibt, aber sich wohl nicht so verwirklichen konnte wie bei anderen Produktionen, z.B. mit dem "Barbara Dennerlein Duo" (= Barbara + Schlagzeuger).
Nicht dass daran irgendwas schlecht wäre, im Gegenteil: Die Mitmusiker sind erste Sahne, aber der individuelle Touch kommt nicht so durch.
Auftakt bei "Take Off!" ist der fantastische "Victory Blues" mit besagter Schweineorgel und wahnsinnigem Groove.
Danach das Titelstück: Kommt rhythmisch leicht verzinkt und erinnert an das "James Taylor Quartet", wir schreiben 1995 und der Produzent wird sich was dabei gedacht haben...(Acid-Jazz?)
"Fast Food" weist schon auf Barbara's spätere Werke voraus, da es durchaus symphonisch angelegt ist. Geiles Trompetensolo schon, aber auf einer Dennerlein-Platte wäre mir an dieser Stelle lieber, wenn Barbara mithilfe ihrer an die Hammond angeschlossenen Midi-Technik selbst eine andere Klangfarbe reinbringen dürfte.
"Fata Morgana" ist ein 10-Minüter mit orientalisch angehauchter Harmonik. Das Thema könnte auch von Klaus Doldinger sein.
"Hot House" ist astreiner Be-Bop und bringt alles, was man sich von dieser Musik erwartet. Die Präzision in den unisono-Passagen ist beachtlich.
"Purple" kontrastiert dann mit balladeskem Tempo und sanftem Sporansaxophon-Sound, den ich hier als absolute Bereicherung empfinde.
"Fly Away" kommt mit Latin-Rhythmus und Vibraphon, Bläsereinwürfe erinnern wieder ans "James Taylor Quartet".
"Bo-Peep" ist wieder Bop, diesmal etwas cooler.
Mit "Green Paradise" kommt nun ein lyrischer, dennoch rhythmischer 9-Minüter, ebenfalls mit Latino-Anklängen.
"Give It Up" serviert Funk (inc. Wah-Wah Gitarre) und groovt enorm ab.
Als fett groovende Jazz-Produktion genommen eine 9, weil Barbara relativ wenig rausragt, ziehe ich persönlich 1 Punkt ab.

Punkte: 8 / 10