Anne Haigis 8:00 Pm (2005) - ein Review von schanzer.in

Anne Haigis: 8:00 Pm - Cover
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Review
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Rating
9.00
∅-Bew.
Typ: Live
Genre(s): Singer/Songwriter/Liedermacher


schanzer.in
15.03.2019 17:54

Im Dezember 2018 konnte ich Anne Haigis live im "Gutmann am Dutzendteich" in Nürnberg erleben. Das war beeindruckend: Anne kommt völlig unspektakulär mit ein paar flapsigen Bemerkungen ( charmant schwäbelnd) auf die Bühne, schiebt ihren Stuhl noch ein bisschen rum, ein Kontrollakkord auf der Gitarre, dann holt sie Luft und schon beim allerersten Ton hauts mich um. Was für eine Präsenz strahlt diese Stimme aus! Ich kann mich nicht erinnern, wann mir zum letzten Mal für locker eine halbe Stunde der Kinnladen runtergeklappt blieb....
Nach diesem Erlebnis kann ich mir lebhaft vorstellen, wie intensiv die Musik des Live-Albums "8:00 P.M." auf die Zuhörer gewirkt haben mag. Schade, dass ich damals nicht auch dabei war! Ein weiterer Vorteil dieses Albums ist der Gitarrist Jens Filser, der eine feine zusätzliche Akkustikgitarre beisteuert. Weitere Musiker vermisst man definitiv nicht, Anne's stimmliches Charisma reicht vollkommen.
Das Repertoire bringt englischsprachige Songs, bekannte wie "Chrome Plated Heart" von Melissa Etheridge oder (zumindest mir) unbekannte wie "My Opening Farewell". Alle sind stark, kein Wunder bei Covern :-) Den Vogel schießen aber die deutschsprachigen Songs wie "Kind Der Sterne" und vor allem "Nacht Aus Glas" ab. Letzteres ist "Sorry seems to be.." von Elton John mit gänzlich anderem Text. Anne macht daraus einen extremen Seelenstriptease, ein Drama, was man aufgrund der brutalen, direkten Intensität gar nicht immer packt.
Anne Haigis empfehle ich dringend selbst denjenigen Musikliebhabern, die, ebenso wie ich selbst, normalerweise mit Singer-Songwriter-Musik wenig bis gar nichts anfangen können!

Punkte: 9 / 10