Eisregen Fegefeuer (2018) - ein Review von KevKF

Eisregen: Fegefeuer - Cover
1
Review
1
Rating
7.00
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Metal


03.11.2018 12:20

Wenn man sich so unter ehemaligen Eisregen-Fans umhört, dann stellt man schnell fest, dass "W*ndwasser" für einen Großteil wohl das letzte gute Eisregen-Album war. ich persönlich fand sie bis einschließlich "Schlangensonne" noch recht gut, alles was danach kam war allerdings Grütze. Langweilige Alben, unsägliche EPs dazwischen. Trotzdem kam ich natürlich nicht umhin das neueste Werk mal unter die Luoe zu nehmen.

Was schon vor dem Hören ins Auge sticht ist das grandiose Cover! Erstmals in der Geschichte Eisregens ein wirklich ansprechendes Bild. Das macht schon Lust auf mehr.
Nach dem obligatorischen Intro zieht der Titeltrack das Tempo sofort an. Irgendwo zwischen Crustpunk und angeschwärztem Death Metal rast das Lied ungebremst durch den Gehörgang. M.'s Stimme klingt auch richtig giftig.
Das darauffolgende "Knochentorte" wirkt ernüchternd. Ein kitschiger Text und eine schnell nervende Hook machen das Lied zum größten Schwachpunkt des Albums.
Zum Glück zieht "Oben auf dem Leichenberg" den Karren schnell wieder aus dem Dreck. Die Betonung liegt hier auf dem Wort schnell! Rasende Blastbeats und garstiges Black Metal Riffing dominieren die knapp 4 Minuten, textlich wird man an die ganz alten Werke erinnert. Sehr dezente Pianoklänge im Hintergrund des Refrains runden den Track ab.
Sehr melodisch, dennoch im Uptempobereich wird man danach mit Alice ins Wundenland geführt. Hier kommt auch mal wieder die Violine zum Einsatz, was wieder an die gute alte Zeit erinnert.
Ein weiteres Highlight ist "Opfer". Hier geht man etwas vom Gas, dank Violine und Chören wird es dafür sehr episch. Glücklicherweise driftet man nicht in den Kitsch ab, was Eisregen sonst ja gerne mal tun.
Das Tempo bleibt gedrosselt, bis man mit dem bereits bekannten "Fahlmondmörder" nochmal richtig aufs Gaspedal tritt.

Wer zum Mediabook greift, der bekommt nicht nur ein wahnsinnig schön designtes Paket mit allen Lyrics und wahrlich stimmigen Illustrationen, sondern auch noch eine zweite CD mit drei Coversongs. Da wäre zum einen Black/Doom von Beherit, ein etwas verstörendes Mysticum Cover und mit einem Bethlehem-Cover das absolute Highlight der Bonus-CD. Für Fans auf jeden Fall ein Muss!

Insgesamt betrachtet ist "Fegefeuer" das beste ER-Werk seit Jahren. Meist wird das Gaspedal bis zum Anschlag durchgedrückt, die Gitarrenriffs sind sehr schwarz, Violine und Keyboard setzen melodische Höhepunkte ohne kitschig zu wirken und die Stimme ist einfach nur krank. Hier mach M. seinem Beinamen "Blutkehle" mal wieder alle Ehre. Cleangesang kommt zwar hin und wieder vor, aberwurde bei Weitem zurückgeschraubt. Vor allem der Verzicht auf einen Blödel-Song macht Freude!

Punkte: 7 / 10