Niterain Vendetta (2016) - ein Review von Filosofem

Niterain: Vendetta - Cover
1
Review
1
Rating
4.00
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Metal Hardrock, Heavy Metal


02.02.2017 10:03

Große Ziele haben NITERAIN aus Norwegen. Sie wollen mit ihrer Interpretation des 80er-Sleaze/Glam gern MÖTLEY CRÜE beerben - so steht es jedenfalls sinngemäß in dem Infoflyer, welcher der Promo beiliegt. Na ja, große Töne spucken können die Norweger ja. Ob das gesteckte Ziel gelingen kann, wird "Vendetta" - das zweite Album der Nordlichter - nun unter Beweis stellen müssen.

Der Opener 'Lost And Wasted' eröffnet das Album mit einem 08/15-Riff aus dem Hair-Metal-Baukasten und die Songstruktur ist auch vorhersehbar. Hier offenbaren sich gleich mehrere Dinge: Die Produktion ist ein bisschen dünn geraten, besonders das Schlagzeug lässt den Punch vermissen, der beispielsweise eben die MÖTLEY CRÜE-Platten auszeichnete. Außerdem ist der Sänger nun nicht gerade Vince Neil, d. h. er verfügt über keine Stimme mit großem Wiedererkennungswert. Soll aber nicht heißen, dass er nicht singen kann. Nein, die Herrschaften beherrschen alle ihr Handwerk. Allerdings fehlt ihren Songs das gewisse Etwas, der Kick. 'Come Out' und 'The Threat' sind ebenfalls solide Rocker, die aber auch niemals zu Highlights des Genres werden können. Spätestens jetzt dämmert mir, dass der Gebrauch der Boyshouts sich geradezu inflationär durch die Songs ziehen wird. Das folgende 'Rock 'N'Roll' beginnt mit einem typischen Riff, was man so oder ähnlich schon unzählige Male gehört hat. Jetzt klingt der Sänger sogar ein wenig nach Mark Slaughter von SLAUGHTER - auch kompositionstechnisch erinnert der Song ein wenig an SLAUGHTER, ist halt nur nicht so gut. Über den Text und die Reime hüllen wir besser mal den Mantel des Schweigens. Allerdings erwartet man von einer Hair-Metal-Band jetzt nicht unbedingt philosophische Tiefe. 'Romeo' ist ein brauchbarer Partysong und meiner Meinung nach der beste Song des Albums bisher. 'Something Ain't Right' erinnert stark an POISONs 'Unskinny Bop', aber auch hier gilt: netter Versuch, mehr nicht. 'Don't Fade Away': Ist das jetzt die fast unvermeidliche Ballade? Ich weiß es nicht ... der Song gefällt mir zwar, klingt aber eher nach 80er Pop, als nach 80er Hair-Metal. Und diese klebrig-süßen Vocals ... da kannste ja einen Diabetiker mit lähmen. Aber dieser Song sorgt auf jeden Fall mal für einen Aha-Effekt, da er nicht so ganz zum restlichen Einheitsbrei passen will, den NITETRAIN bisher abgeliefert haben. Bei '#1 Bad Boy' zieht das Tempo gewaltig an und lässt u. a. Erinnerungen an STEELHEART aufkommen - auch ganz nett, tut aber auch keinem weh. Auch die beiden letzten Songs 'Electric' und 'Vendetta' sind solide Nummern, die man allerdings auch schon wieder vergessen hat, wenn sie durch sind. Alles in allem ist das ein nettes Album, das auch nicht schmutzt. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer: Mit solch durchschnittlichen Songs kann man sich in diesem Genre nicht behaupten - auch wenn MÖTLEY CRÜE Geschichte sind. Da draußen gibt es noch Millionen anderer Bands, die ihre Sache besser machen, als NITETRAIN. Insofern ist dieses Release sicher für Genre-Fetischisten interessant, für den Rest der Welt jedoch verzichtbar.

Wenn das also noch was werden soll mit dem Beerben von MÖTLEY CRÜE, dann bitte beim nächsten Mal mehr Schmutz, Kompositionen mit Hitpotential und eine bessere Produktion. Dann könnte es vielleicht doch noch was werden.

(http://www.bleeding4metal.de/index.php?show=review_de&id=8414)

Punkte: 4 / 10