Handul Of Stars (2016) - ein Review von frankjaeger

Witchwood: Handul Of Stars - Cover
1
Review
1
Rating
8.00
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Metal Heavy Metal, Doom Metal, Epic Metal
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frankjaeger Avatar
30.11.2017 19:59

Ein Album wie vor 45 Jahren.

Was wäre, wenn JETHRO TULL in den Siebzigern ein Album mit URIAH HEEP aufgenommen hätte? Klingt seltsam? Nein, klingt gut! Die Italiener von WITCHWOOD, die 2014 bereits ein Album namens "Litanies From The Woods" veröffentlicht hatten, das bei uns auf sehr offene Ohren stieß, befinden sich tatsächlich genau in dieser Schnittmenge. Dabei klingt das vorliegende Album "Handful Of Stars" absolut authentisch nach den Siebzigern. Ob die Burschen live auch so abgehen?

Nach einem Intro erklingt sofort ein Killer namens 'Like A Giant In A Cage', der gemäßigt anfängt, zu einem echten Groover wird, und ekstatisch ended. Das ist BLACK SABBATH auf Flower-Power-Trip, nur um von 'A Grave Is The River' wieder rhythmisch eingefangen zu werden. Dabei kann man kaum verhindern, mitzuwippen, und wenn das völlig coole Solo kommt, erklimmt das Lied noch eine weitere Stufe auf der Qualitätsleiter. Das ruhige 'Mother' ist ebenfalls so unglaublich authentisch im Stil der Siebziger komponiert und aufgenommen, dass man meint, eine lang vergessene Perle aus der Frühzeit des Rock zu hören.

Neben den zurückhaltenden Instrumentalisten verdient sich Sänger Riccardo "Ricky" Dal Pane Lob. Klar, sanft, aber nie zu seicht transportiert er die simplen, effektiven Melodien gefühlvoll und kann sogar bei den folgenden zwei Coverversionen brillieren. Es ist nicht die einfachste Aufgabe, BLUE ÖYSTER CULTs 'Flaming Telepaths' zu interpretieren. Dies gelingt, indem WITCHWOOD den Rock 'n' Roll-Touch, der bei BÖC latent mitschwebt und gelegentlich versucht, im Hintergrund durchzubrechen, komplett weglässt. Das gibt dem Lied einen anderen Charakter, wie es sich für eine Coverversion gehört.

Mit 'Rainbow Demon' von URIAH HEEP nimmt sich die Band dan allerdings einen zu ihrem Sound perfekt passenden Song vor. Nicht nur stammt es von 1972, auch der Orgeleinsatz scheint als Blaupause für den Sound der Italiener gedient zu haben, sodass der größte Unterschied die Gesangsstimme ist. Als Coverversion gut, aber in diesem Fall zu nah am Original, als dass ich es besonders hervorheben könnte.

Zum Abschluss folgt noch eine neue Version des bereits auf "Litanies From The Woods" vertretenen und hier namensgebenden 'Handful Of Stars'. Da ich die Originalversion nicht kenne, kann ich nur ob des hier vertretenen Zwölfminüters, also zwei Minuten mehr als die andere Version auf die Waage brachte, begeistert sein, der sich in jedem Part einfach die Zeit nimmt, zu mäandrieren, zu schwelgen, den Hörer mal hierhin, mal dorthin zu wiegen, und dabei doch ein dynamischer Song zu sein, der großartig zum vorherigen URIAH HEEP-Song passt und mit der Flöte auch wieder an JETHRO TULL erinnert.

Drei neue Lieder, die alle toll sind, eine starke und eine mittelmäßige Coverversion, und ein neu eingespielter Longtrack, der mich mitreißt. Das sind Fünfundvierzig Minuten, die sich anfühlen wie zwei EPs, eine mit neuem Material und eine mit neuen Interpretationen, doch diese Dreiviertelstunde lang gefällt mir WITCHWOOD so gut, dass ich mir unbedingt den Vorgänger anhören muss. Daher ist "Handful Of Stars" ein großartiger Einstieg in die Band, und ich glaube, genau das soll das Album sein. Jetzt würde ich die Jungs vom Stiefel gerne mal live erleben!

(Veröffentlicht auf powermetal.de: https://powermetal.de/review/review-Witchwood/Handful_Of_Stars,31157,31076.html)

Punkte: 8 / 10


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