Nomad (2015) - ein Review von Akhanarit

Mike Tramp: Nomad - Cover
1
Review
4
Ratings
8.50
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Rock


Akhanarit Avatar
27.09.2016 16:21

Es gibt Musiker, die können einfach gar nicht anders, als immer wieder da raus zu gehen und ganz egal, ob ihre Songs von Erfolg gekrönt sind oder nicht ... Sie machen es, weil sie es müssen. Um ihrer Selbst Willen. Auch Mike Tramp ist einer von ihnen und ich bin mir sicher, dass ganz viele von euch Mike lediglich als Frontmann von WHITE LION einordnen können. Nach vier Alben in den Achtzigern und Hits wie 'Wait' oder auch 'When The Children Cry' (welches übrigens ganz dreist von VANILLA NINJA geklaut wurde und wovon ziemlich sicher nichts bei Mike Tramp / WHITE LION angekommen ist) lösten sich die weißen Löwen 1991 auf und Mike ging seine eigenen Wege. Mit FREAK OF NATURE nahm er dann wieder Fahrt auf und dann entschied er sich für eine definitive Solokarriere. Von nun an prangte sein eigener Name auf den Platten und auch die Musik wurde viel persönlicher. WHITE LION versuchten zwar im Jahre 2008 mit "Return Of The Pride" ein Comeback, doch Mike fühlte es nicht mehr. Alles schien irgendwie falsch zu sein. Die Songs vermissten die Magie der früheren Jahre und auch innerhalb der Bandchemie sorgten Stolpersteine dafür, dass Mike sich nach diesem "Schuss in den Ofen" doch lieber wieder auf seine Solopfade konzentrierte.

Die letzten MIKE TRAMP-Veröffentlichungen schlugen dann plötzlich einen ganz anderen Weg ein. Mike brauchte nur noch seine Stimme und seine Westerngitarre, um eine wertige Show auf die Beine zu stellen und das Singer/Songwriter-Konzept funktionierte prächtig. Im Jahresrhythmus erscheinen seit 2013 neue Alben und dieses Jahr hört das neue Baby auf den Namen "Nomad". Der gebürtige Däne hat die letzten fünf Jahre damit verbracht, das Leben eines modernen Nomaden zu leben und Amerika von Küste zu Küste zu bereisen und Inspiration für sich selbst und natürlich auch für seine Songs zu finden.

Ich kann euch schon jetzt sagen, dass dieses Album der absolute Hammer geworden ist. Es gibt hier simplen Rock, inspiriert durch seine Vorbilder Bob Dylan, Phil Lynott & Co. und an erstaunlich vielen Passagen erinnert "Nomad" an die Szenegröße Bryan Adams, was hier absolut als Kompliment zu verstehen ist. Allerdings setzt Mike hier doch wieder auf eine Bandchemie, die dem Album mehr als gut getan hat.

Eröffnet wird mit 'Give It All You Got' und stilistisch schlägt es eine kleine Brücke zurück zu 'Trust In Yourself' vom Vorgänger "Museum". Ein passender Auftakt also, dessen Lyrics wieder einmal typisch aus dem Leben gegriffen zu sein scheinen. Um euch nicht unnötig mit zu viel Lesestoff zu bombardieren, möchte ich einfach mal spontan den ein oder anderen Song herauspicken und hervorheben, doch seid versichert, dass dies hier mit jedem beliebigen Song auf "Nomad" funktioniert. Nehmen wir also einfach mal 'Bow And Obey', der die reinste Hommage an sich selbst und die eigene Meinung geworden ist. Frei nach dem Motto: "Es interessiert mich nicht, was du dazu zu sagen hast oder was du von mir erwartest! Ich ziehe meinen Stiefel durch und wenn du dich auf den Kopf stellst!!!". So ein Track kann wirklich Balsam für die eigene Seele sein. Nachdenklich wird es mit dem direkt hinterher geschobenen 'High Like A Mountain', bei dem es um Drogen geht und was sie aus einem machen können. Wie leicht es doch ist, in diesen Sumpf hinein zu geraten ... Ganz besonders schlug bei mir jedoch 'Live To Tell' ein. Hier geht es um Verlust eines geliebten Menschen, während man selbst zurück bleibt, sich erinnert und weiterlebt, um die Geschichte erzählen zu können, die einst so verband.

Nach so vielen nichtssagenden und irrelevanten Musikergüssen mit denen wir uns heutzutage beschäftigen, tut es unglaublich gut, endlich wieder ein "erwachsenes" Album zu hören. Etwas, das wirklich eine Message mit auf den Weg gibt, ohne den lehrenden Finger zu erheben. Etwas, dass von Herzen kommt. Quasi das Album, das man schon immer in seiner Sammlung haben wollte. Muss ich definitiv besorgen!!! "Nomad" bietet durchweg catchy Rock-Nummern mit Tiefgang und ist das beste Album, das ich 2015 bisher hören durfte. Genau jetzt, genau hier, das perfekte Album! Danke dafür.

http://www.bleeding4metal.de/index.php?show=review_de&id=7149

Punkte: 10 / 10


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Tracklist:

  1. Give it all you got
  2. Wait till forever
  3. Counting the hours
  4. Bow and obey
  5. High like a mountain
  6. No more
  7. Stay
  8. Who can you believe
  9. Live to tell
  10. Moving on
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