Still Standing (2015) - ein Review von iwill zähnchen

Overlord SR: Still Standing - Cover
1
Review
2
Ratings
8.25
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Metal Heavy Metal
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iwill zähnchen Avatar
30.06.2015 15:17

Ein Debüt, das eine kleine Sensation ist. Denn bei OVERLORD SR handelt es sich um keine geringere Band als Overlorde aus den US of A! Und zwar jene, die mit nur einen Demo (Mediaval Metal) und einem Beitrag auf dem Metal Massacre Vol VIII. Sampler (Keeper Of The Flame)zum Kult im Underground stilisiert wurden. Und das, nach meiner Ansicht, vollkommen zurecht. Brilliert hat man in den Achtzigern mit der Mischung aus NWobHM und epischen US Metal, der an Omen erinnert. Erheblichen Anteil am Kultstatus der Amis hat Sänger Steve V. Sosa Jr., der sich an Bruce Dickinson orientiert, dessen Klangfarbe allerdings fatal an eine rauhe Version von J.D. Kimball erinnert. So ist es also kein Wunder, dass sich um Keeper Of The Flame, Full Speed Ahead und Enchantress Of The Night ein gewisser Mythos aufgebaut hat.Bis heute verschafft man sich zudem mit besagtem Demo (dank Heaven And Hell und Heavy Forces Records) Gehör.

Doch mit besagter Auschlachtung alter Glanztaten ist nun Schluss, die seit 2011 zunächst unter dem Banner Overlorde SR, zwo Lenze später als OVERLORD SR agierende Kulttruppe macht sage und schreibe 36 Jahre (!!!!!) nach ihrer Gründung und 28 Jahre (so viele Ausrufezeichen würden den Rahmen sprengen) nach ihrem letzten Demo endlich Nägel mit Köpfen und beweist sich sicher nicht nur zu meiner Überraschung.

OVERLORD SR dürften mit ihrem Debüt nicht nur einen Rekord für die Zeit von der Gründung bis zum Debütalbum aufgestellt haben, sie machen ihrem Zusatz S(till) R(ocking) alle Ehre!
Still Standing ist mehr als ein überfälliges Debüt, es ist ein Statement gegen den Zeitgeist und für den heiligen Gral des Heavy Metal: die zeitlose Musik.
Still Standing schafft es, so zu klingen als wäre die Zeit 1985 stehen geblieben und klingt dessen zum Trotze frisch! Die alten Säcke schaffen es doch tatsächlich, hungrig wie ein Newcomeract zu klingen und sind aufgrund ihres langen Bestehens nicht retro, sondern authentisch. Um zu begeistern fehlen also nur noch starke Kompositionen, und die gibt es zur Freude aller Puristen durchweg!

So vermag schon der etwas überlange “Iron Maiden – Epos” Shadow Of Darkness, mit den letzten Releases der Briten mitzuhalten, ist aber wegen seiner Länge und anfänglichen Sperrigkeit als Opener unglücklich gewählt. Danach wachsen die guten Ansätze fortwährend, was mit dem straighten und dennoch epischen Hard Rocker Executioner untermauert wird. Ein wenig schwächer, aber mitreißend und ebenfalls straight bietet Creeping Through The Night irgendwo zwischen den Anfängen des Heavy Metals und dem Höhepunkt des Hard Rocks ebenfalls ordentliches Futter für Traditionalisten.

Und wer, wenn nicht Overlorde, haben das Recht einen Song wie Power Metal zu schreiben, wenn sie diesen dermaßen intensiv zelebrieren wie bei dieser astreinen Hymne? So authentisch und herrlich altbacken (sprich geiler) klingen heutzutage weder die jungen noch die alten Bands dieses Genres!

Und es kommt noch besser, das letzte Album – Drittel lässt die kühnsten Erwartungen alter Anhänger hinter sich! Bei dem kurzen Instrumental Passages In Time sowie Standing On The Edge Of Time treffen US Epic auf die Magie der NWobHM. Ganz, ganz großes Kino!
Keeper Of The Flame ist ein Klassiker zwischen Ohrwurm und Anspruch? Sicher, aber das war gestern! Hört nur einmal Under Fire an, und ihr wisst was ich meine! Und wenn mich jemand in Zukunft nach dem stärksten Song dieser Kapelle fragt, kann ich unter Freudentränen verkünden, dass dies der episch rockige Überhammer The Hour Of Souls ist. Abschließend klingt selbst die Neueinspielung von Full Speed Ahead klingt ehrgeiziger und frischer als das Original, obwohl man nichts weiter an den Arrangements verändert hat.

Still Standing ist eine wunderbare Zeitreise in die Vergangenheit. Stilistisch zwischen Omen, Iron Maiden, Saxon, Priest und Black Sabbath in eine transparente, warme Produktion die jedes Instrument klar heraus hören lässt, eingebettet, ist dieses Album kein Relikt vergangener, angeblich besserer Zeiten. Eher lässt es jede noch so gute Nachwuchsband kreidebleich aussehen und vor Ehrfurcht erstarren. Für Fans wahren Stahls ganz klar ein Jahreshighlight! Schaut auf der Homepage der Band vorbei, da könnt ihr das Teil ergattern.

Erschienen auf metalunderground.at: http://www.metalunderground.at/?p=46922

Punkte: 8.5 / 10


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