Gud (2015) - ein Review von Hugin

Isvind: Gud - Cover
1
Review
3
Ratings
8.67
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Metal Black Metal


23.06.2015 13:54

Die dritte perfekte Scheibe, seit der Eiswind wieder weht.

Bereits vor knapp zwei Jahren wehte der Eiswind mit dem bärenstarken Drittlingswerk "Daumyra" nicht nur mein Album des Jahres herbei, sondern dem frisch erweiterten Duo gelang damit auch noch ein Achtungserfolg mit Platz 8 in unserem Soundcheck. Dass nun der Nachfolger "Gud" sogar das Treppchen stürmt, obwohl der Verfasser dieser Zeilen gar nicht mitgewertet hat, das ist wahrlich ein starkes Stück. Waren die beiden Vorgänger "Daumyra" und "Intet Lever" noch Bürge für schnörkellosen und unaufgesetzten Nordlandstahl der alten Schule, wie ihn jüngere Bands eben kaum mal hinbekommen, da scheinen mir die seit den frühen Neunzigern aktiven Veteranen Goblin und Arak zusammen mit ihren Mitstreitern genau den richtigen Zeitpunkt erwischt zu haben, ISVIND stilistisch ein kleines bisschen zu öffnen, ohne sich dabei auch nur einen Hauch selbst zu verleugnen.

So gut die beiden Vorgänger waren, so hätte doch sein können, dass ein drittes Album in Folge, das exakt in die selbe Kerbe schlägt, doch zu viel Stagnation birgt und vom einen oder anderen der Ideenlosigkeit bezichtigt würde. Aufbruch birgt indes immer auch ein Risiko, und ich kann mir gut vorstellen, dass der eine oder andere ISVIND-Fan sich erst einmal verwundert die Lauscher reibt, wenn bei der ersten Einfuhr der Opener 'Flommen' mit ätherischem, klarem Frauengesang anfängt, bevor ein mächtiges Doomriff einsteigt und in ein gezupftes Motiv übergeht, das alles zu dräuender, gemächlich und doch machtvoll anbrandender Perkussion. Ja, wie der Titel verheißt: Die Flut kommt, und wie schon auf dem Vorgänger gibt sich die Band auch hier teilweise sehr maritim. Als dann nach knapp zwei Minuten ein archaisches DARKTHRONE-Riff durch die Idylle schneidet, wissen wir, dass wir zu Hause sind. Der Effekt des Intros ist gelungen, doch die Band belässt es nicht dabei, Effekthascherei zu betreiben. Vielmehr darf Sängerin Hedda Rustad Carlsen im Opener auch in den harscheren Passagen eine gewichtige Rolle spielen und ihre Stimme als tollen, elegisch-sakralen Kontrapunkt zu Goblins Knurren aufbieten.

Beim folgenden 'Ordet' sind die atmosphärischen Elemente deutlich reduziert, aber in Form einer kurzen cleanen männlichen Gesangspassage und eines Trompeteneinsatzes von Birgitte Glette durchaus vorhanden. Diese Farbtupfer fügen sich in die ansonsten sortenreine, harsche Nordlandraserei sehr gut ein, ist doch auch jene mit einem absolut untrüglichen Gespür für irrsinnig gute sinistre Melodien gesegnet. Mit 'Himmelen' bietet das Quartett sodann den ersten reinrassigen Uptempo-Song auf, bevor es bei 'Dåren' zunächst ebenfalls schnell, zudem aber auch recht rock'n'rollig zugeht und gegen Ende ein kurzer aber dafür mächtig ergreifender Einschub wieder ätherisch-schwebenden Gesang - dieses Mal von Jezebel Succubus - aufbietet. Eine neuerliches gezupftes Intro führt uns in den hart hackenden, in den Nacken gehenden Headbanger 'Tronen', der mit einigen tollen Gitarrenspielereien um die Ecke kommt, während 'Boken' sich über weite Strecken nach transsylvanischem Hunger anfühlt, bevor ein atmosphärisches Break auch in dieser klassischen Spielart neue spannende Momente generiert. Mit 'Giften' folgt das wohl schnellste Geschoss der Scheibe, das jedoch auch seinen groovenden Frost-Part aufbietet, wohingegen 'Hyrden' sich teils sehr episch und majestätisch, sowie auch wieder sehr melodisch und atmosphärisch präsentiert, aber auch brettharte, schnelle Passagen kennt, die spannenderweise gerade mit dem Sirenengesang kombiniert werden. Letztlich endet das Album mit 'Spiret' so grandios wie es begonnen hat, und vor dem inneren Auge zeichnen sich die Konturen einer Kirche ab, über einer gefrorenen Einöde umweht von Schneestürmen, durch welche einsam die Turmglocke schlägt, bevor der Turm in sich zusammenstürzt.

Falls nun einer von euch auf die Idee kommen sollte, bei Frauengesang, Trompete und atmosphärischen Parts zu mutmaßen, dass der ISVIND-Sound verwässert worden sei: Ihr könntet weiter nicht daneben liegen! Nach wie vor zelebriert die Band ihren Stil in Vollendung, und nach wie vor steht der Eiswind für den traditionellen norwegischen Black Metal der Neunziger wie kaum eine zweite Band der alten Garde. Dennoch hatte die Kapelle den Mut, ihre Ausrichtung zaghaft aber doch merklich zu modernisieren, und dieses Experiment ist auf ganzer Linie gelungen. Die Recken aus Oslo haben es spielend geschafft, ihr Gericht mit neuer, etwas atmosphärischerer und geisterhafterer Würze zu bereiten, ohne dabei all die Markenzeichen zu vernachlässigen, für die sie geliebt werden. Daher bleibe ich dabei: Von ISVIND gibt es seit der Rückkehr der Band nur perfekte Alben, die so nahe an meiner Definition des norwegischen Black Metals sind, wie sie es nur sein können. Dass "Gud" damit ein ganz offensichtlicher Kandidat für meine Jahresbestenliste ist, das versteht sich in dem Fall dann quasi von selbst. Kurz zögerte ich, ob ich "Gud" die Bestnote ganz knapp verweigern müsste, allein deshalb, weil mich bis dahin kein einzelner Song so sehr aus den Socken gehauen hat wie auf dem Vorgänger 'Kast Loss' und 'Klabauterman'; doch davon abgesehen ist "Gud" sicherlich kein Deut schlechter als "Daumyra"; und dass speziell 'Flommen', 'Spiret' und 'Ordet' schon bald zu den genannten Hits aufschließen werden, das fühle ich schon jetzt mit jedem Durchlauf mehr.

[ Dieses Review wurde erstveröffentlicht unter: http://powermetal.de/review/review-Isvind/Gud,26238,26179.html ]

Punkte: 10 / 10


Isvind: Gud

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Tracklist:

  1. Flommen
  2. Ordet
  3. Himmelen
  4. Dåren
  5. Tronen
  6. Boken
  7. Giften
  8. Hyrden
  9. Spiret
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