The Hunting Party (2014) - ein Review von Monolith

Linkin Park: Hunting Party, The - Cover
1
Review
14
Ratings
7.82
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Metal Nu Metal


Monolith Avatar
21.05.2016 15:03

Ok, jetzt mal ohne Scheiß, was ist in der Rock und Metalszene eigentlich wieder los? Leute, wir hatten 2009 - 2013 Aufschwung! Es wurden Alben released, die wir seid Anfang der 90er nicht mehr für möglich gehalten hätten, Reunion, gelungene Stilbrüche, Überraschungen, gelungene Back-To-The-Roots Besinnungen, alles schien irgendwie vorhanden zu sein! Ich möchte jetzt nicht den Pessimisten raushängen lassen, aber man kann erkennen, dass die Qualität der Musik seitdem doch wieder um einiges abgenommen hat. Ich meine bis jetzt konnte ich mich, was dieses Genre angeht, nur mit einer Hand voll Veröffentlichungen anfreunden.

Jetzt haben Linkin Park also 2014 ein weiteres Album rausgebracht. Und den ersten Sekunden ist auch herauszuhören, dass die Band wieder auf dem Redemption-Kurs ist, sprich: sie wollen es ihren alten Fans wieder recht machen. Solche Entschuldigungen seitens der Band gleichen mittlerweile sowieso nur noch Wahlversprechen der FDP, demnach kann man auf solche Ankündigungen auch direkt scheißen. Die Frage ist jenseits der ganzen Fragen, was will eine Band musikalisch mit diesem Album ausdrücken? Hören wir uns die Lieder mal an und urteilen anschließend.

Tatsächlich ist das Album wieder härter und durchtriebener als die bisherigen Kompromissversuche Linkin Parks in ihrer Musik. Dieser ständige Versuch, Soundmatsch und Mainstreammusik als ausgefallen und experimentell zu verkaufen, sowas haben wir seit den 90ern bereits mit Queensryche erleben müssen, mit dem Unterschied, dass es sich bei den Jungs aus Seattle eben nicht um eine Band handelt, die bis an die Zähne mit Musikequipment bewaffnet ist und zu fünft ein eigenes Orchester auf die Beine stellen könnte. Ich habe es bereits im ersten Abschnitt zu "Living Things" gesagt und werde es nochmal sagen: die Band hat unglaublich gigantisches Potential! Und jetzt, nach 8 Jahren Musikerfahrung, die mit Linkin Park begonnen hat, muss ich sagen, dass die wenn auch hitverdächtige Musik von Linkin Park auf ihren ersten beiden Alben nicht einmal 10% ihres heutigen Potentials bedeutet. Das Problem ist - und daher ist der Vergleich mit Queensryche auch mehr als berechtigt, er passt wie angegossen - dass die Band bei jedem Gang ins Studio ihr Potential nicht verschwendet, sie ignoriert all die Möglichkeiten, die sich ihr bieten, als sie trotz den musikalischen Ausmaßen auf "A Thousand Suns" mit so einem beschissenen Songwriting ankamen, als die Tiefe und Emotionalität, die sie in "Living Things" präsentieren wollten, in so einen tausendfach getragenen und nuttigen Gewand des Pops und Kitschs gehüllt und somit der Grundgedanke mit Oberflächlichkeit geschändet wurde, und nicht zu vergessen, früher, 7 Jahre vor Release dieser "Hunting Party", als auf "Minutes to Midnight" die Teenies, die plötzlich erwachsen werden wollten, ihrer Musik paradoxerweise eine Justin Bieber Perücke aufsetzten (wer das Album hört weiß, was ich meine). Also, bei allem was mir heilig ist, baut diesmal keine Scheiße auf "the Hunting Party", und macht wieder das, was euch früher wichtig war: abwechslungsreiche, tiefgründige und zugleich omnipotente Musik!

2014 also, "The Hunting Party", beginnt mit "Key to the Kingdom". Eine mittlerweile erwachsene Band spielt sich auf wie in ihren Anfangstagen, nur eben nicht mehr so dezent und emotional betrübt. Rein aggressiv und irgendwie auch sehr austauschbar rauscht dieses Lied an meinen Ohren vorbei. Danke, aber nein danke!

"All for nothing" zeigt sich zurückhaltender, und endlich haben wir wieder ein gutes Zusammenspiel zwischen Mike Shinoda und Chester Bennington auf Platte. Mit dabei im Chorus übrigens Helmets Page Hamilton. Die Riffs sind für Rockverhältnisse gewohnt simpel und insgesamt haben wir ein gut zusammengebautes Rockstück, das alle Stärken alter Tage in sich vereint.

Eine Überraschung für manche, die auch im Rap bewandert sind, dürfte dann wohl "Guilty all the Same" sein, für mich der mit Abstand stärkste Song auf dem Album, denn das ist, was ich mir von der Band wirklich so lange gewünscht habe (so in die Richtung), die Keyboards am Anfang, der gesamte Aufbau des Lieds ist einfach nur makellos. Der Gesang von Chester hätte noch etwas besser sein können, aber insgesamt hört man einfach heraus, dass die Band sich nach langer Zeit endlich mal wieder fast zu 100% Mühe gegeben hat! Mit dabei: Rapper Rakim, der etwa ab der 2. Hälfte des Stücks einen passablen Auftritt hinlegt.

Mit "the Summoning" haben wir eine Einleitung auf das sehr punkige "War", das ich so von Linkin Park bisher noch nicht gehört und auch nicht erwartet habe. Das Lied ist nichts besonderes, aber es ist schon beachtlich, dass eine Band wie Linkin Park, die sich nie auf nur ein Genre fixiert hat, den Punk mittlerweile besser hinbekommen als gewisse Szenehasen.

"Wastelands" ist zu rockig geworden, was das Stück insgesamt eher austauschbar macht und dank Chesters enorm kindischen Gesangs auch nur mäßig hörbar.

"Until it's Gone" scheint nach dem rockigen Intro in eine ruhigere Richtung zu gehen, und hier bin ich bei der Art des Aufbaus wieder erfreut, wie Linkin Park schnell aus einem majestätischen Anfang wieder ein rockiges Gemisch basteln und mich damit wieder hin und herreißen. Chester singt vernünftig, die Band lässt sich Zeit und das Lied blüht auf, wie man es von Leidenschaftlichen Musikern erwartet. Wundervoll!

"Rebellion" wird wieder wilder, allerdings folgt auf die rasanten, fast thrashigen Riffs sanfter Gesang von Shinoda und Bennington, die einen guten Kontrast bilden. Durgehend harte Tracks kenne ich mittlerweile sowieso schon zur Genüge.

Wo wir gerade dabei wären: "Mark the Graves" ist im Grunde genommen nur der Wurmfortsatz von "Rebellion", Chesters Gesang scheint auch immer schwächer zu werden, aber ok, schreien kann der Junge immerhin noch, auch wenn ich auf Geschrei dieser Art keinen Bock mehr habe.

Nach dem eher unspektakulären "Drawbar" geht es dann weiter mit "Final Masquerade", auf dem Chester endlich wieder mit besserem Gesang daherkommt. Schade, dass Linkin Park weiterhin so linear am Songwriting sitzen, obwohl sie mit "All for Nothing" und "Guilty all the Same" gezeigt haben, dass sie es noch um Lichtjahre besser können. Daher ist "Final Masquerade" am Ende nichts mehr, als ein üblicher Radiorocksong, der wohl derzeit irgendwo sicher mal im Auto gelaufen sein musste.

Den Abschluss macht dann das sechseinhalb minütige "A Line in the Sand". Völlig ruhig und reglos scheint das Lied am Anfang zu sein, doch weit gefehlt, es folgen abgehackte Riffs, die eine dramatische und dennoch erhabene Stimmung erzeugen, ehe Mike Shinoda sich gesanglich am Mikro zeigt. Umso peinlicher für Chester, dass er hinterher mit seinem Gesang eine perfekte Gelegenheit für einen direkten Vergleich zwischen ihm und Shinoda bietet. Sorry, Chester, aber dein Rapkollege hat es mittlerweile besser drauf als du. Ich würde sagen du holst dir deine Jungs von Dead by Sunrise und übst dort ein wenig, ehe du dich wieder an's Mikro von Linkin Park traust und den mittlerweile weitaus anspruchsvolleren Sound mit deiner bübischen Art verschrammelst. Im Falle von "the Hunting Party" mag es bei dem einen oder anderen Stück noch zu funktionieren, aber man sollte nicht glauben Linkin Park, die wohl tatsächlich langsam wieder auf die Beine kommen, würden sich bei so einem Album wieder auf ihren Lorbeeren ausruhen.

Das war sie Also, die Jagdparty. ein sehr heißblütiges Album, das mit mehr harten Gitarren denn je geglänzt hat. Linkin Park waren über 10 Jahre nicht mehr auf dem Niveau wie heute. Was euch auf dem Album erwartet ist ein sehr durchtriebenes Rockalbum, eine härtere und vielschichtigere Version von "Minutes to Midnight" sozusagen. Linkin Park scheinen, schaut man sich die letzten 4 Alben an, tatsächlich Spaß daran zu haben in Rollen zu schlüpfen, heute mal experimentell zu sein, morgen mal melodisch zu sein und übermorgen emotional, dann mal rockig und hart, dann mal wieder etwas Anderes. Leider haben Linkin Park bis heute noch kein Album veröffentlicht, dass tatsächlich all ihre Eigenschaften in sich vereint und zur Genüge präsentiert. Insgesamt kann ich mit "The Hunting Party", bis auf die 2, 3 Lieder, die mich wie oben beschrieben begeistert haben, nicht wirklich warm werden. Aber immerhin 2 Lieder mehr als auf den vorherigen Alben.

Punkte: 6.5 / 10


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