Dirty Dynamite (2013) - ein Review von Lord

Krokus: Dirty Dynamite - Cover
1
Review
21
Ratings
8.79
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Rock Hardrock


Lord Avatar
23.02.2013 10:30

Ich bin in der priviligierten Lage, die aktuelle KROKUS-CD schon seit 3 Wochen in meinen Händen zu halten und sie entsprechend häufig gehört zu haben bis zum gestrigen Release. Insofern wage ich schon jetzt ein Review, denn nach mindestens 30 Durchläufen ist das sicher vertretbar.

Dass man eine Scheibe 30x durchhört, zeigt ja schon, dass sie allzu mies nicht sein kann.
Im Gegenteil - bei KROKUS kommt alles auf den Tisch, was man von der Solothurner-Legende erwartet: Erdigen Gradeaus-Rock mit wenig Schnickschnack und noch weniger Firlefanz. Kein moderner Anbiederungssound, kein Trendygetue - nein, verwurzelt ist man schon eher in den 70ern, als Bands wie Free, Status Quo, die Stones oder AC/DC ihre Trümpfe ausspielten.
Dass KROKUS die einzig wahre europäische Antwort auf die Australier AC/DC sind, sollte mittlerweile jedem klar sein. Selbst AC/DC könnten seit 30 Jahren froh sein, sie hätten a) Marc Storace hinter'm Schallwerfer und b) das Gespann von Rohr/von Arb in ihren Reihen als Komponisten. Denn die immer lauer und müder werdenden AC/DC werden wiederholt von KROKUS überrannt und ausgehebelt. Und das ohne Probleme.

"Black Ice", der letzte AC/DC Release, erschien gleichzeitig mit "Hoodoo" von KROKUS und zog damals schon den Kürzeren. Mit "Dirty dynamite" legen die Schweizer Streitgenossen noch eine Schippe drauf: Denn vorallem die erdige, straighte, unverfälschte Produktion des Albums - für die sich Basser Chris von Rohr zuständig zeigt - ist es, die gegenüber "Hoodoo" einfach authentischer und ehrlicher klingt.

Gestartet wird HERVORRAGEND mit "Hallelujah Rock n Roll". Und es wird umgehend klar; nein, das Rad wurde nicht neu erfunden. Im Gegenteil. ABER es rollt.. und rollt... und rollt... und wenn es schon so schön rollt, rockt es auch gleich noch mit!! Was für ein Opener!! Herrlich. Das Rockherzchen frohlockt, die Stimmung steigt - das erste Corona wird aufgerissen und weggeschluckt.
Dann folgt das Albumhighlight; "Go baby go"! Für mich reiht sich der Uptempo-Song mühelos ein bei Klassikern wie "Heatstrokes" oder "Bad boys, rag dolls". Exakt solche Songs fehlen AC/DC seit Jahren! Mal davon abgesehen, dass die wunderbare Stimme von Sänger Marc Storace auch anno 2013 hungrig, fies und kraftvoll klingt! Das hat Brian Johnson von der australischen Konkurrenz seit Jahren nicht mehr drauf. Davon abzusehen, dass er anders klingt, und das ist auch gut so. Würde Bon Scott noch leben, in allen Ehren, er würde das sicher nicht so gebacken bekommen!
Das wird vorallem auch im brillanten und locker rollenden "Let the good times roll" offensichtlich. Herrlich, wie Storace hier singt. Aber sowas von oberdörty!! Genauso muss das sounden. Giftig, hässig - pointiert! Das Ding zielt zwischen die Augen.. Ahja, neues Corona öffnen!!

"Dög song", "Rattlesnake rumble" und die Vorabsingle "Dirty dynamite" mit geilem Slidespiel von Neuzugang Mandy Meyer, der bereits 1981 bei KROKUS die Streitaxt schwang, die mich anfangs nicht so sonderlich begeistern konnte, jetzt aber umso mehr mitreisst, gehen gekonnt in die altbekannte Groove-Rock-Richtung. Edgier als noch auf "Hoodoo", erdiger.
"Bailout blues" ist enorm geil. Schöner flow - allerdings erinnert es im Refrain schon etwas gar offensichtlich an "Allright now" von Free. But who really cares? Es macht Spass und es ist ein Segen anno 2013 noch solche Songs hören zu können, solch ehrliche handgemachte Musik ohne grossen Bombast, ohne Aufschneiderei, ohne Wichtigtuerei und endlosem Sologewichse! Unverfälscht, zornig, hungrig. So soll es sein - so sei es, so geschehe es. AMEN!
Corona Pt. III now.

Aufgenommen wurde in den legendären Abbey Roads-Studios, die natürlich vorallem durch die Beatles zu ewigem Ruhm kamen, allerdings waren die Beatles bei weitem nicht die Einzigen, die dort ihre Scheibletten eintrümmerten - auch die Stones, Hendrix, The Who, Pink Floyd verewigten sich... Um Wenige zu nennen. Es liegt auf der Hand, dass diese Künstler die Räume mit ihrer Magie füllten und jede Band die heute dort aufnimmt inspiriert.
Passend wurde aus dem Beatles-Song "Help" eine relativ eigenständige Halbballade gebastelt, musikalisch weit vom Original weg - so wie das bei Covers eigentlich sein sollte. Ein Markenzeichen von KROKUS, all diese Covers. Neben "Stayed awake all night"; "American woman", "Schools out" oder "Ballroom blitz", wurde zuletzt auch der Steppenwolf-Klassiker "Born to be wild" durch die Solothurner-RnR-Machine gedreht.
"Help" ist jetzt allerdings nicht gerade meins. Es helfen Mark Fox von FOX und Tommy Heart mit. Gesungen ist das sicher top, doch dennoch nicht so mein Ding.
Dasselbe gilt für "Yellow Mary", das mir zu beliebig und kraftlos erscheint. Wie auf "Hoodoo" damals der Komplettausfall "Too hot". Nur halt nicht ganz so komplettausfällig.

"Dirty dynamite" macht Spass, Laune und vorallem Freude. Es ist etwas wunderbares, wenn einem Musik den Tag versüsst, man gut drauf und zufrieden ist - und genauso geht es mir, wenn ich den aktuellen KROKUS-Silberling - auch als Vinyl erhältlich - in meine Gehörgänge führe. Die Musik macht mich hungrig und so wird sie locker zum momentanen Lebenssoundtrack. Ich freue mich wie ein Kind auf die Live-Shows im Mai in Zürich!

Also Leute, kaufen lohnt sich - vergesst den Scheiss, den KROUS in den late 80s, 90s und bis 2008 verbrochen haben. Verzeiht ihnen den Totalausfall "Change of address" und lasset uns ein Corona trinken auf "Dirty dynamite". All togehter, around the planet - right now. Und alle Mörder, Verbrecher, Kriegstreiber hätten mal Pause und die Welt wäre so, wie sie sein sollte... Last Corona. Cheers. Pax. HALLELUJAH ROCK N ROLL!

SOLLTE man ernsthafte Kritik ansetzen wollen, dann höchstens, dass das Album so gut wie keine Moll-Töne in sich birgt. Songs wie "Tokyo nights", "Winning man" oder zuletzt "Ride into the sun" bleiben so aus - mal vom "Help"-Cover abgesehen. So ist die Platte als Ganzes sehr fröhlich.

Punkte: 9.5 / 10


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