English Electric Part One (2012) - ein Review von marty-party

Big Big Train: English Electric Part One - Cover
1
Review
3
Ratings
9.17
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Rock Progressive Rock


marty-party Avatar
16.07.2014 23:26

Diese Rezension gilt sowohl für English Electric Part One als auch für English Electric Part Two. (Gibt es ja zwischenzeitlich auch als Doppel-CD mit Bonustracks. Die sind bestimmt auch toll.)

Man denkt hier unvermeidlich Genesis. Gelegentlich auch Jethro Tull. Dann wieder Genesis. Mal findet man Ansätze von Saga. Dann wird Anthony Phillips (auch Genesis) zitiert. Und irgendwo schwirbeln Marillion mit umher, sowohl die *mit* und die *ohne* Fish. Und immer wieder... na ja, Genesis halt!

Genesis?
Das ist ja nicht schlimm. Big Big Train sind eben ganz großartige Prog-Nachlassverwalter, gnadenlos Retro. Uns alten Säcken, die sich noch an Nursery Cryme und The Lamb Lies Down On Broadway erinnern, gefällt das aber natürlich. The Geese And The Ghost? Auch recht! (The Beatles? Sowieso!)

Und das Schöne ist: das alles ist kein Bisschen peinlich. BBT sind handwerklich perfekt. David Longdon versucht zu singen wie Peter Gabriel, klingt in seinen besten Momenten aber wie Phil Collins, und gibt nebenher noch der Ian Anderson. (Und er ist Brite, das sorgt für Authentizität.) Nick D'Virgilio versucht eh schon seit Jahren, einer der großen Prog-Drummer der Moderne zu sein. (Nicht ganz ohne Erfolg!) Die eigene Identität der Band rückt hier schön in den Hintergrund. Macht aber nix!

Haben wir uns nicht alle mal gefragt, was gewesen wäre, wenn...
...Genesis nicht zu einem Trio geschrumpft wäre?
...Fish Marillion nicht verlassen hätte?
...Steve Hackett als der großartige Gitarrist anerkannt worden wäre, der er ist?
...Phil Collins nicht zum Balladen-Opa mutiert wäre?
...jemand diese Art von Musik noch originär anfertigen würde?
und eben
...es die AOR-Welle der Achtzigerjahre nicht gegeben hätte?
...wenn Prog nie gestrig geworden wäre?

Big Big Train gelingt mit diesem Album-Doppel m.E. der ganz große Wurf. Beide CDs lassen sich immer wieder hören. Es tauchen immer wieder neue Details auf, die das Herz erfreuen. Die Arrangements sind vielschichtig, aufgefrischt durch regelmäßige Folk-Elemente (Flöten, Mandoline, Banjo, etc.) und eine ganz gewaltige Portion Gefühl für Melodie. Natürlich nicht ohne Pathos.

Fazit: Englich Electric ist Progressive Rock (ganz ohne Neo-) des 21. Jahrhunderts. Einfach großartig!

Punkte: 10 / 10


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