Firebirth (2012) - ein Review von silentforce81

Gotthard: Firebirth - Cover
1
Review
19
Ratings
8.05
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Rock Hardrock


silentforce81 Avatar
01.06.2012 18:45

Selten ist mir die Bewertung eines neuen Albums schwerer gefallen wie im Falle des neuen GOTTHARD-Silberlings namens "Firebirth". Der Name trifft den Kern auch schon sehr genau, denn dieses Album war für die Musiker sicher das Schwierigste in der Geschichte GOTTHARD's. Nach dem tragischen Unfalltod von Ausnahmesänger und Aushängeschild Steve Lee im Oktober 2010 stand es lange in den Sternen, ob und wie es überhaupt mit der Band aus der Schweiz weitergehen soll. Glücklicherweise haben sie mit dem Schweiz-Australier Nic Maeder einen neuen Frontmann gefunden, bei welchem in keiner Weise von einem Ersatz die Rede sein kann und darf. Niemand wird Steve Lee jemals ersetzen können und wollen - dafür ist die Lücke und die hinterlassenen Fußstapfen einfach viel zu groß. Die Aufgabe eines neuen GOTTHARD-Sängers kann es demnach also nur sein, der Zukunft der Band einen eigenen Stempel aufzudrücken und sich sowohl in der Band als auch bei den Fans Stück für Stück zu etablieren. Ob und wie das Nic gelingen wird und wie somit der Erfolg von GOTTHARD künftig aussehen wird, das wird natürlich die Zukunft zeigen. Zum jetzigen Zeitpunkt steht für mich lediglich fest, dass sowohl dem neuen Sänger Nic als auch der gesamten Band der größtmögliche Respekt für diese mutige Entscheidung gebührt!

Mein Job für dieses Mag ist es allerdings nicht, Situationen zu bewerten, sondern ausschließlich Alben und deren Musik. Und genau das macht es in diesem Falle so schwierig, denn es fällt nicht leicht, den schweren Entstehungsprozess unberücksichtigt zu lassen, wenn man rein über die Musik von "Firebirth" schreiben soll. Tut man dies aber, fällt zunächst einmal auf, dass die Musik an sich bei weitem erdiger, schnörkelloser und direkter klingt, als dies in der Vergangenheit der Fall war. Statt Songs mit deutlich prägenden Keyboards gibt es straighten Hard Rock auf die Ohren, der ohne viele Spielereien um die Ecke kommt und auch einige modernere Elemente enthält. Bereits der Opener 'Starlight' geht direkt gut ab, rockt wie Sau und macht deutlich, wohin die Reise gehen soll. Die Stimme von Nic ähnelt der von Steve teilweise schon sehr, dennoch ist auch sein eigener Charakter unverkennbar. Lediglich bei dem im Vorfeld bereits bekannten 'Remember It's Me' bekomme ich regelmäßig zunächst einen kleinen Schreck, denn hier klingt Nic vor allem zu Beginn des Songs sowohl von der Stimmfarbe als auch von der Betonung her schon verdammt stark nach Steve. Der Song an sich hat von allen Stücken wohl den größten Hit-Faktor, denn er bleibt bereits nach dem ersten Durchlauf schnell im Ohr hängen. Mit 'Give Me Real' liefern GOTTHARD einen Song ab, welcher selbst ohne Gesang sofort als Song der Schweizer erkannt werden könnte, das knackige 'The Story's Over' zeigt vor allem im Riffing einige moderne Elemente und 'Yippie Aye Yay' hat dagegen eine leichte 'Lift U Up'-Schlagseite abbekommen, was vor allem daran liegt, dass der Track ebenfalls gute Laune verbreitet und schnell in die Beine geht. 'I Can' bietet eine gute Mischung aus guter Laune und straightem Rock, wobei mir hier vor allem der (auf dem gesamten Album gut hörbare) knarzende und treibende Bass von Marc Lynn besonders gut gefällt, was zusammen mit den Soli von Leo Leoni eine wirklich geile Rock'n'Roll-Atmosphäre erzeugt.

Dem geneigten Hörer wird auf "Firebirth" fast durchgehend kompromissloser Hard Rock geboten, welcher bei weitem mehr nach Proberaum als nach Reißbrett klingt, wie es heute leider öfter mal der Fall ist. Die Spielfreude und die Lust auf die Musik sind hier klar spürbar, was in Anbetracht der Umstände wirklich schön zu hören ist. Der Balladen-Anteil ist im Vergleich zu früher deutlich zurückgeschraubt worden - was ich im Falle GOTTHARD allerdings sehr schade finde, denn gerade hier lagen in der Vergangenheit die ganz großen Stärken von GOTTHARD. Lediglich die schönen, aber nicht überragenden Balladen 'Tell Me' und 'Shine' sowie das Steve gewidmete 'Where Are You' schlagen ruhigere Töne an, wobei letztgenannter Track vor allem durch die Lyrics, gepaart mit einer sanften und wunderschönen Melodieführung echte, wehmütige Emotionen weckt. Hier bleibt sicher keinem Fan ein Auge trocken!

Alles in allem bleibt für mich ein tolles Rock'n'Roll-Album, welchem im Vergleich zu den Alben mit Steve aber ein wenig die gewisse Magie fehlt, die aus tollen Alben hervorragende, eben magische Alben machte. Dennoch sollte kein Freund von melodischem, gleichzeitig modernem Hard Rock an dieser Scheibe vorbeigehen, ohne zumindest hineingehört zu haben. Es lohnt sich in jedem Fall, denn auch GOTTHARD MKII hat definitiv eine Chance verdient.


http://www.bleeding4metal.de/?show=review_de&id=4276

Punkte: 8.5 / 10


Gotthard: Firebirth

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Tracklist:

  1. Starlight
  2. Give Me Real
  3. Remember It's Me
  4. Fight
  5. Yippie Aye Yay
  6. Tell Me
  7. Shine
  8. The Story's Over
  9. Right On
  10. S.O.S
  11. Take It All Back
  12. I Can
  13. Where Are You

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