Born Villain (2012) - ein Review von Amixor33

Marilyn Manson: Born Villain - Cover
1
Review
16
Ratings
7.72
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Rock Industrial Rock


Amixor33 Avatar
05.09.2013 10:26

Marilyn Manson – wenn er nicht gerade Beziehungskrisen durchlebt und sich mit Sido zofft, macht er auch noch Musik. In mein Bewusstsein kam er schon sehr früh, war er doch auf dieser ominösen Festplatte welche wesentlich meinen Musikgeschmack prägte auch vertreten. Neben „Disposable Teens“, „Tainted Love“ und „The Nobodies“ hatte es mir vor allem das brandneue „This is the New Shit“ angetan. Das hatte einen aggressiven Smooth und war mit in meinem jungen Alter schon beschämend frech - „Sex Sex Sex“ – huch war das pöse. Danach verlor ich ihn komplett vom Schirm, ein paar bekanntere Songs schnappte man hier und dort natürlich auf, aber es interessierte mich nicht weiters und war auch nicht musikalisch unbedingt überschneidend. Bis eben meine Freundin plötzlich vermehrt Manson hörte und mich das neueste Album Anfang des Jahres unverschämt billig vom CD Regal aus anlachte. Wer kann denn so herzlos sein und da vorbei laufen?

„Hey, Cruel World...“ fängt mit einem undefinierbarem, ratternd-rollendem Geräusch an. Der Song baut sich langsam auf, gemütliche Hi-Hat und Crash-Becken(?) Schläge setzen ein, ebenso der Gesang. Hier hätte ich mir schon mehr Stimmung oder Verzweiflung gewünscht. Das Lied gewinnt an Fahrt und hat auch ansatzweise so etwas wie ein Wiedererkennungseffekt, wirkt auf mich aber ein wenig zu schal und zu wenig ansprechend und mitziehend, vor allem wenn man bedenkt, dass dies der Opener sein soll. Eigentlich ist nach der Hälfte alles durch und keine Luft mehr nach hinten. Finde ich nicht so glücklich. 5 Punkte

„No Reflection“ lässt sich Zeit und „geräuscht“ ein wenig im Hintergrund, kommt dann aber sofort mit einem extrem eingängigen und coolen Beat daher, welcher eigentlich komplett vom Schlagzeug dominiert wird. Das groovt und darauf kann man auch wunderbar tanzen, feiern oder was auch immer man möchte. Im Mittelteil tritt die Stimme ein wenig nach vorne, es wirkt prägnanter und betonter und wird perfekt von eben genau dem Beat darin unterstützt. Das gefällt schon viel mehr und hätte eigentlich Mindeststandard für eine Eröffnung ins Album sein sollen. Wiederholt sich zwar recht viel, kann sich Qualitativ in der Länge noch gut tragen. 7,5 Punkte

Es scheint wohl Gang und Gebe zu sein, die ersten Sekunden – hier fast eine geschlagene Minute lang – eines jeden Liedes mit komischen Geräuschen zu starten, raubt dem ganzen Album aber in meinen Augen irgendwie den Fluss und finde ich schon ab dem dritten Lied als leicht störend. „Pistol Whipped“ fängt dann recht ruhig an, das nachwispern hat einen leicht gestörten Geschmack – ansatzweise stark wird das Lied meiner Meinung nach aber lediglich im Refrain. Da tritt Manson mit Macht aus dem Schatten, die Stimme klingt lauter und kräftiger – das ganze Lied wirkt harmonischer und runder. Ansonsten klopft es nur harmlos vor sich hin, Highlight ist noch maximal die verzerrte Gitarre die mal wirklich plötzlich vor dem Refrain ertönt. Sonst ist alles leider alles recht vorhersehbar. 6 Punkte

Im vierten Track „Overneath The Path Of Misery“ geht mir die „Stille“ dann schon langsam arg auf die Nerven, wenn ich meine Anlage nicht gerade voll aufdrehe höre ich die ersten 13 Sekunden praktisch nichts und da das irgendwie eine Art „Konzept“ zu sein scheint und kein klassischer Ausrutscher ist – gibt’s hier erstmals 3 Strafsekunden! Danach „spricht“ er irgendwas flüsternd, wispernd – damit nach gut einer Minute Gitarre und Schlagzeug einsetzen. Das Lied klingt ziemlich harmlos und irgendwie fehlt mir einfach der Biss. Eventuell ist dieser in den Lyrics beinhaltet, aber dazu gibt es später noch was zu sagen. Belanglose 5 Punkte

Erfreulicherweise startet „Slo-Mo-Tion“ direkt. Als wäre das nicht genug Grund zur Freude reißt der Beat schon ein wenig mehr, während ich mich weiterhin verzweifelt frage, in welche musikalische Schiene ich das Ganze überhaupt stecken soll. Elektronische Beats und Spielereien hier, vereinzelte aber harmlose Gitarren dort. Die Melodie ist harmonisch, der Gesang aber irgendwie auch. Ansatzweise schräg, aber nicht verzweifelt oder durchgedreht genug. Wäre die Stimme nicht doch so prägnant in der Klangfarbe, sondern ein klein weniger glattgebügelter und der Sound ebenso, könnte dies problemlos im Radio laufen. Da es, wenngleich eine minimale, dennoch eine leichte Steigerung ist. 5,5 Punkte

„The Gardener“ hat mal wieder ein Flüsterintro und einen simplen Snare-Tom-Snare-Tom Beat, klingt zumindest so. Dazu wird eine Art Geschichte erzählt und zwischendrin gesungen. Es ist zu gefällig, könnte vorsichtig in die Gothic Rock Ecke gehen, in der Art der Umsetzung aber nicht wirklich das, was ich erwarte wenn ich mir Manson anhören will. 5 Punkte

Nach der allseits beliebten Stille rauscht „The Flowers Of Evil“ wieder lange vor sich hin und lässt sich auch viel Zeit im Aufbau. Nicht dass dies von Nöten wäre, es ist einfach so. Auch hier ist wieder alles sehr minimalistisch gehalten, der gedämpfte Gesang bockt kein bisschen, zumal die Gelegenheit eines plötzlichen Dynamikwechsels, einem richtigen „Ausbruch“ vollkommen ignoriert wird. Auch zwischendrin wie gewohnt keine Überraschungen oder große Progressivität. Wenn irgendetwas kurz anders quäkt, ist das Maximum schon erlebt. Und auch von der Geschwindigkeit ungewohnt langsam. Die Aufmerksamkeit geht langsam echt weg… 4,5 Punkte

Wahrlich verschachtelt wirkt da im Vergleich schon das drauf folgende „Children Of Cain“. Ein paar Zwischentöne mehr durfte der Beat haben. Gut ist hier schon die aufkommende Stimmung, hier schwingt etwas Bedrohung mit und reißt mich sofort aus dem Halbschlaf. Manson klingt endlich mal wieder verzweifelt, so sadistisch sich diese Forderung und Wunsch anhören mag. Aber endlich mal wieder ein Hauch Spannung welche sie sogar leicht zum Bogen biegen lässt. Der Aufbau mit Vollendung in der höheren Stimmlage ist doch schon etwas. Hätte ich mir extremer zwar noch besser vorgestellt, aber ich bin ja froh, wenigstens einen Finger gereicht zu bekommen. 7,5 Punkte

Jetzt wird nicht geflüstert, sondern mehr gehaucht – willkommen bei „Disengaged“. Es ist ´ja schön, dass jeder Song irgendwie wieder bei Null anfängt und somit „neu“ klingt. Aber ich hätte mir eine Verbindung zum vorherigen durchaus gewünscht um nicht wieder in den gleichen Trott zu fallen. Der Refrain ist zwar relativ stumpf, blitzt aber immerhin zaghaft mit Dynamik auf. Nur dieses Ha-ha-ha-ha geht auf Dauer nicht. 5,5 Punkte

Gitarren schön - „Lay Down Your Goddamn Arms” fängt mal wieder besser an. Und hier reißt endlich der Refrain mal wieder etwas mehr. Die Melodie geht gut ins Ohr und hat etwas von diesem, traurig, schleppend, schwelgendem was ich eigentlich sehr mag. Zumindest ansatzweise wenn auch nicht voll ausgefahren was das Potential anbelangt. Der Rest des Songs wiederholt sich ziemlich oft mit immergleichen Worten, bildet damit aber einen leichten Kontrast den man wohlwollend als gewollt bezeichnen kann. Ach ich bin heut einfach mal wohlwollend. 6,5 Punkte

Noch tiefere Gitarren, sogar relativ flott wirbelnde Drums. Hoppla „Murderers Are Getting Prettier Every Day” man wagt es kaum zu sagen, wirkt aggressiv. Und das ist mehr als wohltuend. Keine oder nur kaum Elektrogesülze, dafür mal ein schön nach vorne preschender Song. Zwar lässt die Ausdauer zwischendurch leicht nach, aber dafür gibt es zur Entschädigung noch richtig flotte Gitarrensolos. Das ist fast schon richtig gut. 7,5 Punkte
Backcover und Tracklist

Das Namengebende „Born Villain“ ist wieder deutlich ruhiger und entspricht dem Grundschema bereits gehörter Songs. Würde er nicht dauernd so gräuliche Zeilen singen und am besten Schweigen, die Drums weniger Wucht haben – könnte ich mir das Grundthema gut als Loungemusik vorstellen um mal wieder repräsentativ ein Grundproblem des Albums anzuschneiden. Da diese nicht ganz unterirdisch klingen würde, halte ich 6 Punkte für angemessen.

„Breaking The Same Old Ground“ ist der letzte reguläre Track, diesmal wird eine Spieluhr aufgezogen und das klingt schon gleich gruseliger als der ganze Rest des Albums. Das Lied ist ziemlich langsam und ruhig, hat aber im Refrain eine gewisse Tiefe und trifft bei mir den richtigen Nerv. Das klingt wieder etwas verzweifelter, von der Realität entrückt und auch das Geflüster wirkt diesmal wohl platziert denn zufällig. Der „I am“ Schrei gegen Ende sitzt, hier läuft einfach wieder mehr zusammen, mit leichtem Vorsprung stärkster Song des Albums. 8 Punkte

Als Bonus gibt es „You're So Vain“ zusammen mit Johnny Depp, welchen man aber vergeblich stimmlich hören wird. Dieser steht lediglich an der Gitarre. In meinen Augen gehört der ebenso auf die reguläre Version um diese aufzupeppen, denn der Song hat ordentlich Groove, einen eingängigen Refrain mit Ohrwurmcharakter, ausreichend Schlagzeug und Gitarre und ist ein mehr als nur versöhnlicher Ausklang. Der Beat ist zwar simpel, geht aber recht gut auf und versöhnt ebenfalls noch mit 8 Punkten.


Cover:

Unspektakulär, fast schon enttäuschend harmlos wenn man bedenkt, was Manson schon für provokante Bilder präsentiert hatte, wenngleich man diese wohl kaum mehr erwarten kann und sollte? Ein Selbstbildnis, halb im Schatten in leicht Türkisfarben gehalten. Das geht so, mehr aber nicht.

Die Aufmachung, sieht in der Tat schick aus – von vorne und hinten gibt es absolut nichts zu meckern, das sieht hochwertig aus – aber der schein trügt! Innen ist bis auf ein weiteres belangloses Bild alles einfach schwarz kartoniert. Booklet? Fehlanzeige, dafür netterweise einen Hinweis auf eine Homepage wo es die Lyrics alle geben würde. Das ist nicht mal mehr ausreichend und in der heutigen Zeit doch ganz schön frech. Zur Anmerkung, ich habe hier sogar die limitierte Edition! Natürlich gibt es vom Bonussong online auch nichts und wer kann mir bitte heute noch garantieren, dass morgen das Ganze immer noch online steht, zumal – was wenn ich kein Internet hätte? Ganz miese Aufmachung…


Fazit:
Leider enttäuschend, optisch ein Blender und inhaltlich auch nicht wirklich das, was ich mir unter Manson vorgestellt hatte. Die Aggressivität ist fast gänzlich verschwunden und das Problem ist nicht, dass das jetzt soft klingen würde – sondern schlicht und ergreifend nur noch banal. Mag manch eine Spitze im Text stecken, kann ich sie nicht ohne weiteres nachlesen aber selbst da kenne ich besseres von ihm. Auch emotional viel zu harmlos, kein Wahnsinn, keine Gefühlspassagen nur zaghafte und viel zu schwache Lautmeldungen. Einfach kein Drama mehr. Da reißen die paar wenigen brauchbaren Songs kaum was mehr aus. Das Album klingt auch nur ungewollt wie aus einem Guss, die vielen Pausen und mühsamen Neustarts nach fast jedem Song verhindern erfolgreich das Gefühl einer Homogenität – viel mehr wirkt es so dadurch, dass es kollektiv öde ist. Um nicht falsch verstanden zu werden, es ist kein Totalausfall und ich höre mir das Ganze auch gerne an, aber mehr so beim Heimfahren im Zug nach Feierabend, als Nebenher und selten wirklich überzeugt weil es mich jetzt total vom Hocker reißen würde. Vielleicht hätte ich dem Album mehr Zeit geben sollen, aber nach fast einem dreiviertel Jahr (was ja für mich echt schon erstaunlich schnell ist) und gut einem Dutzend Durchläufe, bezweifle ich leider sehr, dass da noch viel wachsen würde. Ich hatte Manson früher anders kennen gelernt. Da hatte er noch irgendwie Eier und diese dürfte er auf diesem Album vergeblich suchen.


Erschienen inkl. Details und Bildern auf: http://etalusicore.blogspot.de/2013/09/marilyn-manson-born-villain-2012.html

Punkte: 6 / 10


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Tracklist:

  1. Hey, Cruel World
  2. No Reflection
  3. Pistol Whipped
  4. Overneath The Path Of Misery
  5. Slo - Mo
  6. The Gardener
  7. The Flowers Of Evil
  8. Children Of Cain
  9. Disengaged
  10. Lay Down Your Goddamn Arms
  11. Murderers Are Getting Prettier Every Day
  12. Born Villain
  13. Breaking The Same Old Ground

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