Zu Hart Für Den Markt (2012) - ein Review von Monolith

Blokk & Smoky: Zu Hart Für Den Markt - Cover
2
Reviews
3
Ratings
5.67
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Rap/Hip Hop


Monolith Avatar
18.05.2013 14:53

2006 wurde erstmals das Kollaboalbum von Blokkmonsta und Smoky mit dem Namen "zu hart für den Markt" angekündigt. Nach Angaben der Künstler wären die aufgenommenen Tracks wieder ein akkustisches Massaker, wie man es generell von Releases des Labels Hirntot Records gewohnt war. Allerdings sollte alles anders kommen, als erhofft. Am 5. Juli 2007 wurden Hausdurchsuchungen in drei verschiedenen Wohnungen durchgeführt. Neben den Waffen von Blokkmonsta wurden zudem noch diverse Tonträger beschlagnahmt - unter Anderem die bisherigen Aufnahmen von "zu hart für den Markt". Anfang 2012 wurde dann anlässlich der Ankündigung der Wiederaufnahme des Projekts ein Videotagebuch gestartet (zu sehen auf YouTube). Ende März kam dann das zu harte Album, nach knapp 5 Jahren, endlich auf den Markt.

Im Vorfeld sage ich es gleich: Es wird hier nicht im Geringsten der Psychokore präsentiert, von dem Blokkmonsta damals in seinen Interviews erzählt hat. Dieses Album ist, wenn überhaupt, eine Mutation aus aggressiven Partytracks und Gangsterrap. Warum dann diese hohe Punktzahl, obwohl ich Roboblokk und Doom Rap wegen diesem Müll verdammt hab? Das werde ich euch im folgenden Review verdeutlichen:

Das Album beginnt mit einem Track, das sich gnadenlos in's Gehör prügelt. "Keiner fickt mit uns" klingt wie ein klischeehafter Gangstertrack. Gut, zugegeben, es ist voller Klischees. Da rappt Blokk über das Mutter ficken, da wird beschrieben, wie krass seine Gang ist etc. Allerdings wurden für diese Tracks kein epischer oder irgendwie nachdenklicher Beat verschwendet. Stattdessen hat man sich darauf konzentriert sich mit schnellen Drums und direkten Lines in den Hörer zu bohren. Blokks Gebrülle passt darauf perfekt und Smoky überzeugt mit seiner typischen "Scheiß auf alles!"-Art. Der Track ist somit klischeehaft, aber nicht peinlich.

Weiter geht's mit "geht ab". Ein Partytrack der anderen Art. Kein Disco Pogo, wie bei den Atzen, stattdessen wird um sich geprügelt. Ein Track, auf dem man durchaus "abgehen" kann, allerdings bezweifle ich, dass dieser Track hier im Club die nötige Motivation auslösen würde. Da fehlt es dann doch noch an Biss und auf den Beat müsste man noch etwas drauflegen.

"Wenn ich pfeife" hingegen ist fernab von Klischees und hat seinen eigenen Humor. Allerdings mag Blokkmonsta hier nicht so ganz überzeugen, da er wieder mit seinem typischen Rumgeballer kommt. Smoky hingegen zeigt hier viel Wortwitz und rettet den Track letztendlich wieder.

Kommen wir nun zum ersten Ausfall auf dem Album. Berlin bei Nacht ist so ein typischer Straßentrack. "Schau hier, pass auf, meine Hood, alles gefährlich". Warum Uzi sich dazu herablässt zu so einem Track einen Part beizutragen ist mir schleierhaft. Zumal ich wenigstens von ihm dann etwas niveauvolleres erwartet hätte.

"Kugelhagel" ist ein richtiger Zerfetzer. Der Beat ist genial, und Blokk hat endlich einen Track gefunden, auf dem sein "Rampappapam!" Platz hat. Umso begeisterter bin ich, dass Blokk hier nicht einfach nur billige Shooterlines hat, sondern auch noch mit Wortwitz und der altbekannten Aggressivität völlig überzeugt. Mit seinem Part kann Smoky nicht mithalten.

"du weißt nichts" ist eine typische Ansage an alle Mitläufer, wie es die Rapper gerne behaupten. Denn sie haben bekanntlich den Untergrundrap geprägt und demnach sind alle, die irgendwie dasselbe machen nur gesichtslose Mitläufer. Sinnloser Track, dessen Inhalt schon durchgekaut ist und demnach auch nicht mal mehr uninteressant ist, sondern schlicht und einfach nervig!

Danach geht es aber wieder an's Eingemachte. "Hassgewalt 2" (der 1. Teil ist auf "Schlachthof") bietet wieder eine schöne Portion Aggression, bei dem wieder nur Blokk zu überzeugen weiß. Smoky rappt nur über irgendein Straßenkram, deshalb ist sein Part entbehrlich. Allerdings animiert der basslastige Beat zum Durchhören des Tracks und ist daher nicht nur durchschnittlich.

"Wir sind die" ist wieder eine Hymne an die Rapper selbst. Der einzig nützliche Part ist von Schwartz, der nicht nur inhaltlich was bietet, sondern sich auch wieder technisch hochwertig zeigt.

"Ellbogen Raus" ist dagegen wieder ein schöner Partytrack, auch wenn der Beat etwas knapp rüberkommt. Sowohl Smoky als auch Blokk liefern einen schönen Part, bei dem es wieder um das pure Ausrasten im Club geht.

"Hausverbot" ist der meiner Meinung nach beste Track auf dem Album. Rako als Featuregast macht sich hier sehr gut und Blokk liefert einen Part ab, der sich genauso gut auf alten Alben wie "Lass die Waffen sprechen" gut gemacht hätte. Insgesamt etwas, das sowohl als guter Partytrack, als auch als aggressives Prügelstück durchgehen kann. Insbesondere Die Hook animiert wieder zum ausrasten.

"Fetischist" ist ein ziemlich verstörtes Stück, auf dem Blokk und Smoky ihre Waffenliebe zelebrieren. Ziemlich uninteressant, zumal es nach "meine AK", "meine Waffe" und etlichen anderen Tracks ebenfalls durchgekaut ist. Aber für die, die nicht (mehr) in den Genuss dieser Tracks kommen können, dürfte dieser Track ziemlich interessant sein.

"Wo waren sie letzte Nacht" hat wieder gewisse Gangsterattitüden. Blokk und Smoky erzählen davon, wie sie von Polizisten geschnappt und abgeführt werden, bzw. Jene zu spät kamen, und Sady K heult die Hook vor sich hin. Insgesamt ein netter Track, man kann ihn sich anhören, aber nichts besonderes.

Weiter geht's mit "purer Horror". Smokys Part ist ziemlich dämlich, da er wieder von seinen Gangstern redet, die dir, mir, ihnen, uns, was auch immer "puren Horror" beibringen wollen und das ganze drumherum eben. Blokk hingegen schafft es erneut der alten Qualität anzuknüpfen und bietet eine schön explizite Kurzgeschichte. Auch der Beat ist endlich wieder Old School Hirntot und somit etwas ganz Einzigartiges auf dem Album.

Eigentlich könnte man "Ohne Kompromisse" wieder als billigen Gangstertrack abtun. Allerdings ist das Gesamtpaket in diesem Fall so gut ausgearbeitet, dass es mittlerweile ebenfalls zu meinen Lieblingen auf dem Album gehört. Der Part von "redruM781" passt perfekt zum Beat und vorallem für die Hörer mit weniger guten Englischkenntnissen ist es schön, wenn sie mal nicht auf den Text achten müssen, sondern einfach mal seinen Flow mitsamt dem genialen Beat genießen können.

"Für die Echten", ein Tribut an die Fans, mit einem nicht gerade kleinen Beitrag von einem Fan. Denn der Beat wurde nicht von Blokkmonsta oder Smoky erstellt, sondern eben von einem der Echten, der demnach dann auch im Booklet verewigt wurde. Zudem gibt es eine Videoauskopplung zu dem Track. Während Smoky mit netten Lines die Hörerschaft ehrt, kann man Blokks Part fast schon als Hymne bezeichnen, denn er zählt eben all' jene auf, die ihn seit der Gründung des Labels mitunterstützen und hat noch ein paar nette Insider eingebaut. Das einzige, was mich stört ist dann wieder dieses "Smoky und Blokk | Chillen am Block | Ziehen die Glock | Roppoppopopp". Das hätte er sich wirklich sparen können, zumal das nach dem xten mal nicht minder kindisch klingt. Alles in allem ein toller Dank an die Hörerschaft für ihre jahrelange Unterstützung.

Das Outro ist auch in dem Sinne erwähnenswert, da Blokkmonsta und Smoky zum Schluss erneut darauf aufmerksam machen wollen "wir sind wieder da, uns kriegt ihr nicht weg!" Wer gemeint ist sollte selbstredend sein.

Als Bonustracks - obwohl ich mich frage, warum das Bonustracks sind, denn es besteht einzig und allein nur eine Version des Albums -

Gibt es einen Track aus den Katakomben von Blokks PC. "Hektik" ist so ziemlich der einzige Track, der ihm von den einst aufgenommenen Sachen erhalten geblieben ist. Das Tolle daran ist, dass sie wirklich überhaupt nichts daran verändert haben, das heißt, dass auch die Qualität gleichgeblieben ist. Und ich bin immer wieder erstaunt, dass ich den Unterschied zwischen den alten und den neuen Alben hinsichtlich der Aufnahmequalität nie bemerkt habe. Insgesamt ist der Track passabel. Aber unabhängig davon für die neuen Hörer ganz interessant, da sie hier etwas von dem alten Hirntotstil zu hören bekommen.

Der letzte Track ist "Sehen uns auf dem Parkplatz 2". Ich weiß nicht, auf welchem Album der erste Teil ist, aber vermutlich ist das letzten Endes nur eine Neuaufnahme der alten Version. Wieder ein typischer Gangstertrack in Form von "machst du Stress, hol ich meine Jungs". Zudem verstehe ich nicht, warum Smoky so komisch herumleiert. Ein ziemlich unspektakulärer Abschluss.

Insgesamt bin ich sehr unsicher, was ich zu dem Album sagen soll. Es hat seine Momente, allerdings ist ca. die Hälfte unbrauchbar. Totalausfälle wie auf "Doom Rap" oder "Roboblokk" gibt es nicht wirklich, allerdings werden Hirntot Fans, bis auf "Purer Horror" nicht auf ihre Kosten kommen. Diejenigen, die aber eine gute Gangsterrapscheibe wollen, sind mit diesem Album bestens bedient.

Punkte: 7.5 / 10


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