Facing The Tempest (2011) - ein Review von Akhanarit

The Privateer: Facing The Tempest - Cover
2
Reviews
3
Ratings
8.00
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Metal Heavy Metal, Power Metal, Melodic Metal


Akhanarit Avatar
16.05.2012 09:21

Auch wenn der Bandname es vermuten lässt, haben wir es hier nicht mit einem RUNNING WILD-Klon zu tun. THE PRIVATEER kommen aus Deutschland und haben sich, wie der offensichtliche Namensgeber, ebenfalls dem Pirate Metal verschrieben. Dabei verfolgen sie allerdings musikalische Ansätze, die stilistisch am ehesten noch bei den schottischen ALESTORM zu finden sind. Eine Melange aus Powermetal, hin und wieder ein paar Death Metal Vocals (nach schwedischem Vorbild) und einer ordentlichen Prise Folk Metal - so könnte man die Musik von THE PRIVATEER in etwa zusammenfassen. Als Sahnehäubchen werden die Songs von Claras Violine begleitet, was sich allerdings schlimmer liest als anhört. In diesem Fall ist dieses Instrument das Salz in der Suppe und zaubert mir mehr als einmal ein Lächeln ins Gesicht. Die Rhythmusfraktion tönt ordentlich und besonders für die Gitarrenarbeit kann ich mich wirklich begeistern. Chris und Roman entlocken ihren Sechssaitern immer wieder tolle Melodien und Riffs, die "Facing The Tempest" immer wieder einen leicht epischen Hymnencharakter verleihen. Ein kleines Manko an diesem durchaus gelungenen Album ist für mich Sänger Pablo. Seine Leistung ist weit entfernt davon, als schlecht abgetan zu werden. Jedoch bleibt in mir das Gefühl, dass er seine für ihn perfekte Nische noch nicht gefunden zu haben scheint. Andererseits ist dies hier ein Debüt und ich bin mir sicher, dass mit zunehmender Erfahrung noch eine echte Perle aus ihm werden könnte. Diamanten muss man eben schleifen, um alle Facetten zu offenbaren. Doch kommen wir zu den Songs an sich...

Eröffnet wird "Facing The Tempest" mit einem Instrumental, welches auf den Namen 'Awakening' hört. Regen und Donner sind zu hören und übergeben schon bald an die Violine. Sofort wird eine absolut stimmige Atmosphäre geschaffen, die bei mir sofort Lust auf mehr hervorrief. 'Dawn Of A Sailsman' stellt sogleich den Stil der Band vor und mir entweicht ein anerkennendes Nicken. Das dann folgende 'Last Journey' fällt durch eine neue Facette auf. Für Besagte ist eine zarte Frauenstimme verantwortlich (etwa Violinistin Clara?) und unterstützt Pablo in den Vocals. Mit einem Wort: Klasse! Doch irgendwas fehlte mir noch im Sound der Band: Das berühmte Zünglein an der Waage. Mit 'Descent To Hades' folgt dann allerdings ein wahres Highlight. Ich weiss nicht was mir gefehlt hatte, aber dieser Song hat es. Hört euch mal diese Klampfen an. Ganz großes Kino! Auch hier gibt es wieder weibliche Unterstützung im Gesang, doch es wurde Wert auf Abwechslung gelegt. Das Stichwort lautet hier: Sopran! Immer wieder lockern sanfte Passagen dieses Schmuckstück auf, bis man am Ende sogar noch die gute alte Akustikgitarre auspackt und auch hier ohne Wenn und Aber brilliert. Das Niveau wird mit 'Blackbeard' zwar nicht ganz gehalten, aber es besticht durch seinen coolen Chorus und zudem durch eine weitere Portion Härte. Ein echter Hybrid aus Power- und Death Metal, dabei aber stets mit tollen Melodien und als I-Tüpfelchen einem orientalisch anmutenden Gitarrensolo durchzogen. Das Schifferklavier darf natürlich auch nicht fehlen, weswegen es sogleich bei 'Port Corrad' auf uns Piratenrekruten losgelassen wird. Eine nette Schunkelnummer, die live sehr gut funktionieren dürfte. Ich sehe schon ein Meer aus Händen auf dem Festival eurer Wahl. 'Basilisk' markiert dann leider die für mich schwächste Nummer auf "Facing The Tempest". Hier ist mir der Refrain nicht zwingend genug und auch musikalisch haben THE PRIVATEER bei den vorherigen Songs Spannenderes geboten. Hinzu kommt, dass Pablos Stimme in den cleanen Passagen stark an THE BLOOD DIVINE oder THE 69 EYES erinnert. Diesen Gedanken hat man zwar auf dem gesamten Album, hier wurde es aber dann doch ein wenig übertrieben. Dafür entschädigt 'Stormlashed' dann wieder. Zwar kann auch dieser Song keine neuen Impulse setzen, aber der Fuss wippt ohne Gnade mit. Auch wenn man das nicht möchte, man kann sich diesen Melodien nur schwer entziehen. Als Bonustrack gibt es dann noch 'Pirates We Are', wobei sich dieses Stück dank seines Hidden Track-Charakters als Rohrkrepierer herausstellt. Über 5 Minuten Stille muss der Hörer über sich ergehen lassen, um sich anschliessend am Gelächter der Band, etwas Akustikgeschrammel (natürlich in stilechter Piraten-Manier) und der akustischen Kulisse eines Uralt-Piraten-Filmes (diese Vermutung stelle ich einfach mal so in den Raum) zu erfreuen. Ein richtiger Song würde wohl jedem von uns mehr Freude bereiten, aber sei's drum.

Trotz der Kritik ist "Facing The Tempest" ein tolles Debüt-Album geworden, welches vor allem eines verbreitet: gute Laune! Wenn die Band so weiter macht und richtig hart im Proberaum an sich arbeitet, könnten ALESTORM vielleicht schon bald ein Treppchen tiefer steigen müssen. Eine Band wie SWASHBUCKLE hat man (nach meinem Geschmack) schon mal auf den vierten Rang und zum Planken-Schrubben degradiert. Den Rum für RUNNING WILD werden THE PRIVATEER aber wohl noch eine Weile holen müssen...

Erschienen auf: http://www.bleeding4metal.de/?show=review_de&id=4225

Punkte: 8 / 10


The Privateer: Facing The Tempest

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Tracklist:

  1. Awakening
  2. Dawn of a sailesman
  3. Last journey
  4. Descent to Hades
  5. Blackbeard
  6. Port Corrad
  7. Basilisk
  8. Stormlashed
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