Worship Music (2011) - ein Review von bloodfreak

Anthrax: Worship Music - Cover
5
Reviews
46
Ratings
8.03
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Metal Thrash Metal


bloodfreak Avatar
22.09.2011 20:20

Ich kann mich noch genau erinnern, wie es mich wie ein Schlag ins Gesicht traf, als Joey Belladonna im Jahr 1992 bei Anthrax rausgeworfen wurde. Eine Welt brach für mich in sich zusammen...

Ich versuchte noch „Sound Of White Noise“ mit Ex-Armored Saint Shouter John Bush etwas abzugewinnen....Fehlanzeige. Ich konnte mich seitdem NIE mehr mit dem Anthrax Sound anfreunden. Es fehlte immer das gewisse „Etwas“, das für mich Anthrax zu etwas ganz Besonderem gemacht hat.

Überschattet wurde das Ganze noch, als dieses Sängerdrama losging: Belladonna Re-Union, dann Belladonna wieder draußen, John Bush wieder drin...doch nicht. Dann kam ein neuer Name ins Spiel: Dan Nelson. Und auch er war schon wieder Geschichte. Ich glaube sogar irgendwann den Namen des Sängers von Slipknot durch's Internet schwirren gesehen zu haben...und dann kam plötzlich wieder Belladonna zurück. Es fehlte eigentlich nur noch Neil Turbin, dann hätten vielleicht auch noch die ganz alten Fans, die Anthrax bereits nach Fistful Of Metal abgeschrieben haben, Pippi in den Augen gehabt. Kurzgesagt, die Ernsthaftigkeit von Anthrax ging durch dieses Sängersoup-Opera-Karussel flöten. Eigentlich rechnete man jeden Tag mit einem erneuten „Belladonna-Rauswurf“. Der kam überraschenderweise nicht...

Mit sehr gemischten Gefühlen erwartete ich das neue Album und lud mir den Song „Fight 'Em Till You Can't“ von der Nuclear Blast Homepage als Appetitanreger runter. Das Riff erinnerte stark an „Gridlock“ vom Persistence Of Time Album und anfänglich hatte ich noch ein wenig meine Probleme mit dem recht modernen Refrain. Auf der anderen Seite war der Song eine kleine Rückbesinnung an die Thrash-Tage von damals und man konnte noch ein wenig hoffen...
Die vorab veröffentlichte 7“ des erwähnten Songs brachte dann noch einen zweiten Happen: „The Devil You Know“ - den fand ich besser, da der Songaufbau natürlicher war und besser floss (an „Fight 'Em Till You Can't“ hatte ich mich nach ein paar Durchläufen auch gewöhnt und fand ihn inzwischen sogar recht gut).

Der Tag der Entscheidung:
Das Coverartwork fällt natürlich erst mal positiv auf, da es deutlich „metallischer“ rüberkommt, als so manche vorherigen Artworks der New Yorker. Sogar den „Not Man“ haben sie dezent in dem Zombie-/Geister-/Dämonen-/Mutanten was auch immer Wirrwarr versteckt und ziehen auch hiermit Parallelen zu den 80ern.

Als die Nadel auf's Vinyl setzte galt es: TOP oder FLOP!

Nach dem recht überflüssigen „Worship-Intro“ wird relativ schnell klar, dass es sich definitiv nicht um eine zweite „Among The Living“ handelt und auch nicht durchgehend die Thrashkeule geschwungen wird. ABER: Anthrax haben für mich den perfekten Spagat zwischen den 80ern und der anschließenden „modernen“ Phase geschlagen. Die Songs funktionieren für mich zum ersten Mal seit „Persistence Of Time“ wieder und das fühlt sich gut an. Joey Belladonna reißt die Songs sehr häufig noch etwas hoch und drückt ihnen seinen typischen unverkennbaren Stempel auf! Die Refrains sitzen und man muss ihm einfach Respekt zollen, dass er auch heute noch seine Stimme voll im Griff hat. Hört euch nur mal „The Constant“ an: Für mich ein echtes Highlight auf Worship Music, dass aufzeigt, wie Anthrax für mich heute klingen sollen!
In anderen Reviews im Internet hab ich an dieser Stelle was von „Groove Metal“ gelesen...Leute, ganz ehrlich: Ich hab keine Ahnung was das sein soll – ist mir auch vollkommen egal, weil sich der Song auch für einen alten Anthrax-Hasen wie mich gut anhört und ich seh da mehr Parallelen zu den alten Sachen, als zu irgendwelcher modernen Nu Metal, Metalcore oder sonstwas Grütze. Hab ich schon erwähnt, dass ich mit diesen Musikrichtungen nichts anfangen kann und ich bisher JEDESMAL keifend und fauchend das Weite gesucht hab, wenn so etwas irgendwo ertönt ist? Also kann die neue Anthrax nicht so schlimm sein, oder?

Durchhänger sucht man vergebens (bis auf den Bonus Track, auf den ich später noch zu sprechen komme). Ob nun „I'm Alive“, das durch seinen absolut einprägsamen Refrain auffält oder „In The End“ mit seiner recht melancholischen Stimmung, das epische „The Giant“ oder das recht moderne „Crawl“ – alle Songs sind verdammt eingängig und versprühen eine Menge Spielfreude. Das abschließende „Revolution Screams“ war für mich bei den ersten Durchläufen eher durchschnittlich und unspektakulär. Ein paar Durchläufe mehr und man merkt, dass es sich hierbei um einen sogenannten„Grower“ handelt, der erst nach einiger Zeit zur vollen Schönheit erblüht.

Handwerklich ist „Worship Music“ absolut gelungen und auch der Sound ist nicht von einer unspektäkulären „Plastikproduktion“ zerstört worden, sondern kommt druckvoll (sogar das Schlagzeug!) durch die Boxen.
Sie haben die Songs auch recht clever platziert: Den Anfang bildet eine eher thrashige Ausrichtung, geht über in melodiösere Gefilde (mit genug Heavy Metal um die Thrash Fans bei der Stange zu halten), wird etwas moderner und fasst zum Schluss nochmal alles zusammen.

Nun zum Bonus Track: „New Noise“ von der Band Refused.
Ihr habt vermutlich schon vorher erahnen können, dass ich nicht gerade Begeisterungsprünge, in Sockenmützchen und Baggie-Pants gekleidet, um meine Stereoanlage vollführe, wenn ich diesen Song zu hören bekomme. Für mich ist das recht langweiliger, unspektakulärer Nu Metal/Metalcore (NENNT ES WIE IHR WOLLT!!), der damals in meiner Stammdisco rauf und runtergespielt wurde und auch noch als „Metal“ verkauft wurde. Die Kids sind drauf abgehüpft (jupp, mit Sockenmützchen und Baggie-Pants) und fanden's übelst „brutal“. Hihi...
Dem Bonus Track geb ich ein knallhartes „Thema verfehlt“, da ich's einfach nicht einsehen kann, warum ältere Männer sowas covern müssen (Midlife Crisis?!?). Früher hatten sie Kaliber wie Sex Pistols, Discharge, Trust, Kiss, Judas Priest oder Black Sabbath in ihrem Coverprogramm. Scott Ian sprang mit richtigen Hardcore Bandshirts durch die Gegend, die allesamt mehr Arsch getreten haben, als Refused. Und sogar das „Bring The Noise“ Cover von und mit Public Enemy war noch besser. Sei's drum...ist ja nur ein Bonus Track.

Insgesamt ist zu sagen, dass Anthrax sich sehr stark zurückgemeldet haben und für mich ein absolut fähiges Album abgelegt haben, welches nach jedem Durchlauf noch mehr Spass macht. Man bekommt ein breites Spektrum von Thrash, Heavy Metal und Rock in modernem (aber nicht zu modernem!) Gewand geboten. Ob es den „Test Of Time“ bestehen wird, werden wir in 15 Jahren feststellen können...bis dahin: „Welcome Back!“

Punkte: 8 / 10


Anthrax: Worship Music

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Tracklist:

  1. Worship (Intro)
  2. Earth On Hell
  3. The Devil You Know
  4. Fight 'Em 'Til You Can't
  5. I'm Alive
  6. Hymn 1
  7. In The End
  8. The Giant
  9. Hymn 2
  10. Judas Priest
  11. Crawl
  12. The Constant
  13. Revolution Screams
  14. Keine Titelinformation
  1. Anthem (Rush)
  2. Tnt (Ac/Dc)
  3. Smokin' (Boston)
  4. Keep On Runnin' (Tournen)
  5. Big Eyes (Cheap Trick)
  6. Jailbreak (Thin Lizzy)
  7. Crawl (Album Version)
  8. Crawl (Remix)

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