Blood On The Black Robe (2011) - ein Review von silentforce81

Cruachan: Blood On The Black Robe - Cover
1
Review
4
Ratings
8.75
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Metal Black Metal, Folk Metal


silentforce81 Avatar
25.05.2011 18:46

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich irgendwann im Jahr 1998 zum ersten Mal das Intro namens 'I am Tuan' von CRUACHAN's 1995 erschienenen Debüt "Tuatha Na Gael" gehört habe. Diese unglaublich intensive, traurige, an irisches Hochland und Kelten erinnernde Melodie, gespielt mit irischen Flöten, akustischen Gitarren und allerlei anderen ungewöhnlichen Instrumenten ging mir damals sofort dermaßen unter die Haut, dass ich sie seitdem nie mehr vergessen habe. Das gesamte Album hat mich damals absolut begeistert, zumal es zu der Zeit für mich das erste Mal war, dass ich Musik dieser Art hörte. Harte Gitarren, keifender Gesang und nordische Melodien zusammen, waren für mich etwas völlig Neues. Später kam zwar der große Pagan-Boom, doch die alten Pioniere wie CRUACHAN, FALKENBACH, THYRFING oder MITHOTYN werden für mich immer etwas ganz besonderes bleiben.

Nun liegt mit "Blood on the Black Robe" ein neues Album der Iren vor, und alle wichtigen Trademarks der Band sind erfreulicherweise erhalten geblieben. Der große Pagan-Hype hat Gott sei Dank nicht dazu geführt, dass CRUACHAN etwas an ihrem Stil verändert haben, nur um in der Schwemme der Veröffentlichungen irgendwie wahrgenommen zu werden. Das haben sie auch nicht nötig, denn "Blood on the Black Robe" begeistert mich auch ohne jegliche Anbiederung. Erneut stehen fette und drückende Gitarren hervorragend eingesetzt neben Violinen, Mandolinen, Akkordeon, Dudelsack und Drehleier. Die Vocals des einzig verbliebenen Gründungsmitglieds Keith Fay klingen immer wieder dermaßen angepisst und stinksauer, dass man meinen könnte, der Mann steht momentan direkt seinen Feinden gegenüber und schlägt diese allein mit seiner rasenden Wut in die Flucht. Doch auch Sängerinnen und ruhigere Klänge kommen bei CRUACHAN immer wieder gerne zum Einsatz, diesmal zum Beispiel bei 'An Bean Sidhe', welches zunächst harmonisch und mit weiblichem Gesang beginnt, dann aber mit druckvollen Gitarren, Gekeife und einer einprägsamen Flötenmelodie zu Ende geht. Bei 'Thy Kingdom Gone' sind teilweise sogar orientalische Melodien auszumachen.

Über die gesamte Albumlänge dominieren einmal mehr die keltischen Klänge, welche CRUACHAN so unverwechselbar machen. Kaum eine andere Band bringt die Thematik der nordischen, heidnischen und keltischen Mythologie so authentisch und gekonnt rüber wie sie. Dabei wird diese Scheibe nie eintönig, sondern lebt von viel Abwechslung, welche vor allem die ungewöhnliche Instrumentierung bietet. Die Band hat es geschafft, die etwas sanftere Art der letzten Alben, auf welchen eher Folk Metal geboten wurde, mit der ihrer Frühwerke zu paaren, wo der Black Metal-Anteil doch noch etwas stärker war. Daraus entstanden ist nun die perfekte Kombination aus Härte, Melodie und Atmosphäre, die den Hörer auf eine Reise ins Hochland mitnimmt.

Wer CRUACHAN noch nicht kennt, sich aber vom Pagan/Folk/Viking-Metal-Hype der letzten Jahre anstecken lassen hat, sollte diese Scheibe auf jeden Fall mal anchecken und somit einen der echten Vorreiter dieses Genres unterstützen, statt immer wieder nur halbgaren Klonen zu lauschen! Und weil's so geil ist, gibt es hier noch das unglaublich schöne, oben erwähnte 'I am Tuan' - einfach anhören, Augen schließen und treiben lassen:
http://www.youtube.com/watch?v=ebdN4Awzrr4


http://www.bleeding4metal.de/index.php?show=review_de&id=3471

Punkte: 8.5 / 10


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